Der Elfen-Alarmstufe Rot: Von Nutella-Tatorten und dem schönsten Stress des Jahres

Es gibt Dinge im Leben, die passieren einfach. Der Wechsel vom Ford Ranger zum Fiat. Der emotionale Abschied von der Harley zugunsten einer Vespa mit italienischem Temperament.

Und dann gibt es… die Weihnachts-Elfen. Ja, genau. Diese kleinen, rot bemützten, moralisch völlig entgleisten Chaos-Manager der Vorweihnachtszeit. Und bevor jetzt jemand denkt, das sei eine niedliche Randerscheinung wie Zimt im Cappuccino – nein. Das ist eine Operation auf militärischem Niveau, nur ohne Schlaf und mit deutlich mehr Nutella.

Der Vorhang fällt: Startschuss für die kreative Anarchie

Während andere Menschen im Oktober noch überlegen, ob sie sich einen neuen Mantel kaufen, beginnt bei mir die Phase, die ich intern „Elfen-Alarmstufe Rot“ nenne. Noah und Emilia stellen dann – kurz nach den Sommerferien, rechtzeitig wenn die ersten Lebkuchen im Supermarkt auftauchen – diese scheinbar harmlose Frage mit der emotionalen Sprengkraft eines Gerichtsurteils:

„Oma… kommen die Wichtel dieses Jahr wieder?“

Und in diesem Moment weiß ich: Der Winter wird lang.
Es fängt (erst Ende November – da bleibe ich hart!) harmlos an. Ein bisschen Mehl hier, ein Nutella-Tatort dort. Doch innerhalb weniger Tage entwickelt sich daraus ein Szenario, bei dem selbst CSI ratlos den Tatort verlassen würde. Die Wichtel haben keine Grenzen. Keine Moral. Und ganz sicher keinen Respekt vor Küchenhygiene.

Weihnachts-Elfen Streiche

Sie veranstalten nächtliche Buffets, bei denen sie sich kopfüber in Gläser mit bunten Schokolinsen stürzen, oder sie pinkeln frech in Becher, als ob sie eine Mutprobe bestehen müssten. Sie erobern Eierkartons und verwandeln die Eier in eine kleine Armee von Wichtel-Gesichtern.

Manchmal findet man sie in flagranti: Ein Wichtel, das Gesicht voller Nutella, ertappt am offenen Glas, der Deckel liegt daneben. Ein Bild der puren Gier.

Die Wichtel sind erfinderisch. Sie verwandeln panisch schauende Kartoffeln in Chips und präsentieren stolz googly-eyed-Kartoffelchen auf einem Reibeisen. Sie inszenieren Waschbecken-Wellness-Tage, bei denen sie entspannt im Wasser baden, umgeben von kleinen Entenfiguren.

Und manchmal, wenn man morgens in die Küche kommt, haben sie sogar Minions-Gesichter auf die Bananen gemalt.

Weihnachts-Elfen Streiche

Denn hinter jeder nächtlichen Eskapade dieser Filz-Soziopathen steckt eine Großmutter, die um Mitternacht mit Mehl, Eiern und der kreativen Verzweiflung einer Eventmanagerin kurz vor dem Burnout hantiert. Während andere Menschen Netflix schauen, entwerfe ich Mini-Tatorte.

Ich bin mittlerweile so tief im System, dass ich beim Einkaufen automatisch denke: „Kann man das witzig eskalieren lassen?“
Zuckerstreusel? – Potenzial. Bananen? – Großes Potenzial. Ein Paket Mehl? – Gefährlich großes Potenzial.

Das große Finale: Wenn der Weihnachtsmann die Bühne betritt

Und dann, wenn die Lage eigentlich schon vollkommen außer Kontrolle ist, kommt noch das große Finale: Der echte Weihnachtsmann. Nicht irgendein verkleideter Onkel mit Bauchpolster und nervösem Blick. Nein. Der „echte“ von weihnachtsmannbuero.de. Ein Auftritt, der so überzeugend ist, dass selbst Erwachsene kurz innehalten und sich fragen, ob sie vielleicht doch etwas Wichtiges übersehen haben.

Bevor der Weihnachtsmann kommt, wird noch genäht. Zwei Elfen basteln an einem winzigen Pullover, umgeben von Stoffresten und Nähgarn – aus Omas Schlafanzug! Eine andere Elfe schwingt an einer Zuckerstange über der festlichen Dekoration am Fenster. Die Spannung steigt. Die Kinder stehen dann da mit leuchtenden Augen, haben rote Gesichter vor Aufregung, drücken ihre Geschenke an sich und sind zu hundert Prozent überzeugt: Das ist er. Wirklich.

Der! Weihnachtsmann

Und genau in diesem Moment weiß ich wieder, warum ich mir jedes Jahr diesen kreativen Ausnahmezustand antue. Weil diese Mischung aus Vorfreude, Chaos, Magie und völliger Realitätsverweigerung etwas ist, das man nicht planen kann wie eine Reise oder einen Fahrzeugwechsel. Es passiert einfach. Und es ist jedes Mal ein bisschen wie ein Film, den man schon kennt – aber trotzdem wieder mit Herzklopfen schaut.
Natürlich könnte man sagen: Das ist doch alles Stress. Aber ganz ehrlich? Es ist der schönste Stress, den man haben kann.

Und falls du diese Geschichte gerade im August am Pool liest, mit Cocktail in der Hand und Sonnencreme in den Augen: Genieß den Moment. Denn irgendwo da draußen sitzt eine Großmutter bereits jetzt und überlegt, wie sie einen Wichtel dazu bringt, mit Eiern Tischtennis zu spielen.

Ich zum Beispiel.

PS: Noah ist jetzt 9 und es sieht absolut nicht danach aus, als ob er auch mit 10, 11 oder sogar 15 Jahren aufhören würde, an Elfen und den Weihnachtsmann zu glauben. Aber er kann inzwischen lesen… hoffentlich findet er diese Story nicht, sonst fliege ich endgültig auf!

Weihnachts-Elfen Streiche

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