Herausforderungen im Wire Pass & Buckskin Gulch und eine Reifenpanne

Das Frühstück im Canyon Boutique Hotel war ein echtes Highlight! Frisch gebratene Eier, knusprige Croissants und aromatischer Kaffee – es war ein Genuss, der nicht nur satt machte, sondern die perfekte Grundlage für einen abenteuerlichen Tag legte. Wir ließen uns Zeit, genossen die Ruhe des Morgens und waren uns einig: Das war ein Frühstück, an das wir uns noch lange erinnern würden.

Frühstück

Um 9:30 Uhr brachen wir schließlich auf, bereit für unser nächstes Ziel: den Wire Pass und die Buckskin Gulch. Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis. Die Highway 89 war uns inzwischen so vertraut, dass wir fast das Gefühl hatten, jeden einzelnen Stein zu kennen. Die 40 Meilen bis zur House Rock Valley Road vergingen wie im Flug, und bald tauchten die ersten grandiosen Ausblicke des Vermilion Cliffs National Monuments auf.

Dieses Gebiet ist so viel mehr als nur “The Wave”. Das Zusammenspiel der Vermilion Cliffs mit dem majestätischen Grand Staircase-Escalante National Monument erschafft eine gewaltige Schatzkammer an Naturschönheiten. Ein besonderes Highlight ist der Paria Canyon, in dem sich der Buckskin Gulch und der Wire Pass Slot Canyon verstecken – zwei wahre Juwelen der Region. Genau hier wollten wir den Tag verbringen.

Slot Canyons haben einfach etwas Magisches, oder? Die berühmten Antelope Canyons in der Nähe von Page sind da natürlich die erste Assoziation. Mit ihren geschwungenen Formen und den spektakulären Lichtstrahlen, die mittags durch die engen Felswände tanzen, ziehen sie Besucher aus aller Welt an. Doch während die Antelope Canyonszweifellos wunderschön sind, haben sie auch ihren Preis – und was für einen!

Als wir 2007 dort waren, waren die Preise noch moderat, und wir konnten die atemberaubenden Formen des Lower und Upper Antelope Canyon in Ruhe bewundern. Heute jedoch kostet eine 90-minütige Tour zur Mittagszeit stolze 78 Dollar, und wer eine DSLR-Kamera oder ein Stativ dabei hat, wird gleich als Profi eingestuft und zahlt satte 195 Dollar. Und als wäre das nicht genug, kommen noch 20 Dollar Parkgebühren hinzu.

Die Vorstellung, sich für diesen Preis mit einer Gruppe von Menschen durch den schmalen, nur 400 Meter langen Canyon zu drängen, hat für uns jeden Reiz verloren. Deshalb bevorzugen wir die weniger überlaufenen Alternativen – wie den Little Wildhorse Canyon oder eben den Wire Pass und Buckskin Gulch. Hier können wir die wilde Schönheit der Natur in Ruhe genießen, ohne ständig auf die Uhr oder unseren Geldbeutel schauen zu müssen.

Coyote Wash

Kurz vor 11 Uhr erreichen wir den Wire Pass Trailhead und parken unsere SUVs. Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, und wir werfen einen letzten sehnsüchtigen Blick auf unsere komfortablen Fahrzeuge, bevor wir uns in die Wildnis begeben. Zunächst müssen wir die Wilderness Permit bezahlen – sechs Dollar pro Person in bar. Das Geld verschwindet in einem Umschlag, der in einen rostigen Kasten wandert, während ein Abschnitt aufs Armaturenbrett unseres Autos kommt. Bürokratie kann so einfach sein.

Nach einer kurzen Straßenüberquerung beginnt das Abenteuer. Eigentlich könnte man direkt dem breiten, sandigen Coyote Wash folgen, aber ein Viehzaun macht diesen Plan zunichte. Stattdessen müssen wir einen kleinen Umweg nehmen, durch eine Lücke im Zaun, bevor es endlich ins ausgetrocknete Flussbett geht. Hier dominiert erst einmal die Weite – feiner Sand, niedrige Büsche und im Hintergrund die mächtigen Vermilion Cliffs, die sich feuerrot gegen den blauen Himmel abheben.

Wire Pass

Nach knapp 1,5 Kilometern verändert sich die Szenerie: Die Felswände rücken näher, das Licht wird schattiger, die Temperatur sinkt. Die Wire Pass Narrows begrüßen uns mit ihren hoch aufragenden Sandsteinwänden, die nur noch einen Meter auseinanderliegen. Die Farben schimmern in tiefem Rot, leuchtendem Orange und zartem Violett, während die Sonne sich durch die engen Spalten tastet und die Wände in ein goldenes Glühen taucht. Es ist wie der Eingang zu einer natürlichen Kathedrale – nur mit mehr Sand in den Schuhen.

Dann kommt die erste Herausforderung: Die kleinen „Drops“. Diese Stufen aus blank geschliffenem Stein, geformt von unermüdlichen Flash Floods, sehen harmlos aus – bis man versucht, sie elegant hinunterzuklettern. Die erste ist etwa 70 Zentimeter hoch, also machbar, aber schon die zweite stellt sich als ernstzunehmender Test unserer Balance heraus. Und dann steht er vor uns: Der 3,5-Meter-Drop.

Dieser Abbruch ist kein sanfter Übergang, sondern eine von der Natur hingeworfene „Mal sehen, wie ihr das löst“-Aufgabe. Glücklicherweise hat sich hier die Schwarmintelligenz früherer Wanderer bewährt: Eine provisorische „Leiter“ aus Ästen und Steinen wurde hinterlassen – eine Art Abenteuer-Do-it-yourself. Oli, unser inoffizieller Bergführer, zögert nicht lange und macht sich an den Abstieg. Mit wackeliger Entschlossenheit, aber ohne größere Katastrophen, landet er unten und sichert den Rest von uns.

Nun folgt Nadine, die vorsichtig nach unten klettert – diesmal mit zusätzlichem Gepäck: Baby Noah. Behutsam lassen wir sie samt Kind hinunter, dann folgen Rucksäcke, Wasserflaschen und Stefan, bevor schließlich ich an der Reihe bin. Teamarbeit vom Feinsten. Es ist ein Moment des Zusammenhalts, der uns mit einer Mischung aus Stolz und Erleichterung erfüllt.

Hinter der nächsten Ecke weitet sich der Canyon wieder, und nach etwa einem Kilometer erreichen wir die Buckskin Gulch. Der Übergang ist dramatisch: Ein gewaltiger Sandsteinüberhang bildet eine Art Tor, unter dem alte Petroglyphender Ureinwohner verborgen sind. Gerade, als wir uns über diese historische Entdeckung beugen, fällt unser Blick auf etwas Ungewöhnliches: Eine Kuh.

Hoch oben auf einem Felsvorsprung thront sie, als hätte sie sich verlaufen oder sei der Ansicht, dass man sich diesen Canyon unbedingt anschauen muss. Was auch immer sie hier tut – sie gibt unserer Wanderung einen zusätzlichen Touch von Skurrilität.

Wir nutzen ein kleines Plateau für eine Pause. Picknickzeit. Nach dem Essen wird der improvisierte Esstisch noch kurz zum Wickeltisch umfunktioniert – Noah bekommt den wohl schnellsten Windelwechsel im Canyon.

Dann geht es weiter in die eigentliche Buckskin Gulch. Anfangs noch weit und offen, wird die Schlucht bald wieder enger – und plötzlich stehen wir vor den berüchtigten Wasserlöchern. Hier hat sich das Regenwasser hartnäckig gehalten, und ohne eine durchdachte Strategie droht ein unfreiwilliges Fußbad. Glücklicherweise waren andere Wanderer vor uns kreativ und haben größere Steine in die Pfützen geworfen – eine Art Froschhüpfen für Fortgeschrittene.

Der Boden ist erstaunlich leer. Keine Geröllbrocken, kein Chaos aus abgebrochenen Felsen – nur feiner, harter Sand. Die Natur hat hier gründlich aufgeräumt, indem sie über Jahrtausende alles zerkleinert und weggespült hat.

Buckskin Gulch

Aber das wahre Wunder der Buckskin Gulch ist ihre Struktur: Schmale Passagen wechseln sich mit überhängenden Wänden ab, das Licht fällt nur noch spärlich hinein, und die Schatten sorgen für eine fast mystische Stimmung. Es ist kühl, fast schon erfrischend, und obwohl wir Kilometer um Kilometer durch Sand stapfen, fällt es kaum auf, weil jede Biegung neue Fotomotive liefert.

Doch irgendwann müssen wir umkehren. Wir haben etwa acht Kilometer in den Canyon hinein zurückgelegt und wollen noch vor Einbruch der Dunkelheit unser nächstes Ziel, die Nautilus, erreichen.

Der Rückweg verläuft überraschend schnell. Wo wir auf dem Hinweg noch fünf Stunden gebraucht haben, sind wir nun in 2,5 Stunden wieder am Ausgangspunkt. Vielleicht liegt es daran, dass wir jetzt wissen, was uns erwartet – oder daran, dass wir weniger Fotostopps einlegen.

An der „Confluence“, der Mündung des Wire Pass in die Buckskin Gulch, entdecken wir erneut die einsame Kuh. Sie steht noch immer an Ort und Stelle, als hätte sie die letzten Stunden damit verbracht, über die Sinnhaftigkeit ihrer Wanderentscheidung nachzudenken.

Der letzte große Anstieg erwartet uns. Die 3,5-Meter-Stufe, die wir zuvor hinabgeklettert sind, muss nun wieder nach oben überwunden werden. Oli geht voran, dann Nadine. Noah wird vorsichtig hochgereicht, dann folgen die Rucksäcke. Und ich? Nun ja, mit meinen 1,63 Metern gestaltet sich das Ganze etwas kreativer: Oli bietet mir kurzerhand sein Bein als Trittstufe an, und mit einem kunstvollen Ziehen und Schieben lande ich schließlich oben. Stefan hingegen? Er überwindet das Hindernis mit einer geradezu sportlichen Leichtigkeit, was uns alle zum Lachen bringt.

Gegen 16 Uhr stehen wir wieder am Parkplatz. Noah bekommt einen schnellen Nachmittags-Snack – er hat die letzte Pause verschlafen – und wir rollen über die zehn Meilen Schotterpiste zurück zum Highway. Nach einer halben Stundehaben wir wieder festen Asphalt unter den Rädern – und eine unvergessliche Erinnerung mehr im Gepäck.

Gegen 16 Uhr erreichen wir wieder den Parkplatz. Noah bekommt noch schnell einen Nachmittags-Snack – er hat die letzte Pause verschlafen und ist dementsprechend wenig beeindruckt von unseren abenteuerlichen Kletteraktionen. Dann machen wir uns auf den Rückweg. Zehn Meilen Schotterpiste trennen uns vom Highway 89, und nach einer halben Stunde haben wir wieder festen Asphalt unter den Rädern.

Gerade, als wir uns in Gedanken schon zur Nautilus aufmachen, um dort den Tag gebührend abzurunden, meldet sich plötzlich Nadine über das Walkie-Talkie. Ihr Ton ist gewohnt ruhig, aber der Inhalt lässt uns sofort aufhorchen: „Druckverlust am rechten Vorderrad.“ Na, das wäre ja auch kein richtiger Roadtrip, wenn nicht wenigstens eine kleine Reifenpanne für das gewisse Extra sorgen würde, oder?

Wir ändern spontan unsere Pläne und steuern stattdessen einen geeigneten Platz für eine Reifenwechsel-Aktion an. Ein Punkt mehr für unser Abenteuerbuch! Das Ersatzrad ist schnell gefunden – nur gibt es eine kleine Überraschung: Es ist ein Notrad. Ein sogenannter „Donut“. In einem Jeep. Wir sehen uns an und schütteln ungläubig die Köpfe. Wir hatten mit allem gerechnet – nur nicht mit einem Mini-Rädchen, das aussieht, als gehöre es eher unter einen Einkaufswagen als unter einen SUV.

Doch Aufgeben ist keine Option. Kreativität und Improvisation sind gefragt. Der Wagenheber entpuppt sich als eigenwillige Konstruktion – irgendwie kunstvoll mit dem restlichen Bordwerkzeug verschraubt. Während wir versuchen, dieses Rätsel der Ingenieurskunst zu lösen, wächst in uns allen die leise Vermutung, dass das Design-Team von Jeep an diesem Tag entweder sehr innovativ oder sehr humorvoll unterwegs war.

Aber wir wären nicht wir, wenn uns so ein kleines Detail aufhalten würde. Mit vereinten Kräften, einem gesunden Maß an Entschlossenheit und einer ordentlichen Portion Humor meistern wir die Situation. Nach nur 25 Minuten steht das Auto wieder auf vier Rädern. Man könnte fast meinen, wir wären ein professionelles Formel-1-Boxenteam – nur mit ein bisschen mehr Staub an den Händen und deutlich weniger Sponsorenlogos auf der Kleidung.

Die Nautilus müssen wir für heute abhaken, aber was soll’s – jede Reise braucht eine unerwartete Wendung, sonst wäre sie nur halb so spannend. Und eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo ist eben das gewisse Extra, das aus einer normalen Rückfahrt eine Geschichte macht, die man noch Jahre später lachend erzählt.

Nach unserem kleinen Reifenwechsel-Abenteuer setzen wir die Fahrt direkt nach Kanab fort. Die Nautilus muss warten, aber was soll’s – wer braucht schon Sandstein-Formationen, wenn man stattdessen eine Reifenpanne als Erinnerungsstück hat?

Unser Ziel für den Abend ist schnell klar: das Iron Horse. Nicht nur, weil die Alternativen in Kanab eher überschaubar sind, sondern weil wir es bereits kennen – und aus gutem Grund. Leckeres Essen, faire Preise, rustikales Ambiente.Genau das Richtige, um den Tag gebührend ausklingen zu lassen. Draußen knirscht der Schotter unter unseren Schuhen, drinnen brutzeln saftige Steaks auf dem Grill, und irgendwo klimpert eine Country-Melodie. Perfekter kann man ein Abenteuer nicht abrunden.

Nach dem Essen fühlen wir uns angenehm gesättigt, aber noch nicht ganz bereit für den Schlafsack. Es gibt da noch eine letzte Mission für heute: den örtlichen Supermarkt. Unsere Einkaufsliste ist präzise und hochwissenschaftlich optimiert – Bananen und M&Ms.

Warum? Weil es keine bessere Kombination gibt. Eine Banane für die gesunde Fassade, M&Ms für die pure Freude.Schließlich müssen wir sicherstellen, dass wir für morgen ausreichend Energie haben. Wüste, Wanderung und wilde Entdeckungen – all das geht einfach besser mit einem kleinen süßen Extra im Gepäck.

Mit unseren kulinarischen Schätzen kehren wir zurück ins Hotel, werfen einen letzten Blick in den sternenklaren Himmel über Utah und lassen den Tag noch einmal Revue passieren. Ein abenteuerlicher Hike, eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo, ein Steak zum Abschluss und eine perfekt abgestimmte Notfallration für morgen. Besser kann ein Roadtrip-Tag wohl kaum laufen.

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