Lebhafte Lundi Gras in New Orleans: Ein Tag voller Parade, Party und Genuss

Lundi Gras: Fasching-Montag in New Orleans – Ein magischer Morgen!

Der Wecker klingelt um 6:00 Uhr, aber das stört mich heute überhaupt nicht. Denn was mich weckt, ist nicht nur der schrille Ton des Handys, sondern ein Spektakel am Himmel.

Ich ziehe die Vorhänge zurück und sehe, wie sich der Himmel über der Stadt in ein wahres Farbenmeer verwandelt.Sanftes Orange mischt sich mit sattem Rosa, während sich die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hervorwagen und die Straßen von New Orleans in ein goldenes Licht tauchen. Die Stadt erwacht – und mit ihr wächst die Vorfreude auf einen Tag voller Abenteuer.

Heute ist Lundi Gras, der Faschings-Montag, und New Orleans ist schon im Ausnahmezustand. Die Luft vibriert vor Aufregung, und man kann förmlich spüren, dass die Stadt bereit ist für das große Finale: Mardi Gras.

Nach einer erfrischenden Dusche machen wir uns auf den Weg zum Frühstück. Unser Ziel? Das Fleur De Lis Café, nur einen kurzen Spaziergang von unserem Hotel entfernt.

Schon beim Betreten wird klar: Hier ist alles ein kleines bisschen zauberhafter als in einem normalen Frühstückslokal. Das Licht ist warm, die Atmosphäre entspannt, und es duftet nach frischem Kaffee und süßen Köstlichkeiten.

Stefan, der Frühstücks-Genießer schlechthin, lässt sich nicht lange bitten und entscheidet sich für saftige Pancakes, die bereits von weitem verführerisch auf dem Teller glänzen. Ich hingegen? Stecke mal wieder in einem Dilemma.

Die Speisekarte ist ein Traum – aber gleichzeitig eine brutale Herausforderung für entscheidungsschwache Menschen wie mich. Jede Seite flüstert mir etwas anderes zu:

💬 „Nimm mich! Ich bin fluffig und süß!“ – flüstern die Pancakes.
💬 „Nein, mich! Ich bin deftig, buttrig und verdammt lecker!“ – ruft das Croissant-Sandwich.
💬 „Pah, Amateur! Ich bin ein Breakfast-Burrito mit allem Drum und Dran!“ – mischt sich die mexikanische Ecke ein.

Oh Gott.

Es folgt ein dramatisches Hin-und-Her-Blättern, ein kurzer innerer Dialog mit meinem Magen und dann: Ich entscheide mich für das Croissant-Sandwich.

Und was für eine Wahl das war! Das Croissant kommt knusprig und goldbraun, gefüllt mit perfekt gebratenem Speck, Rührei und geschmolzenem Käse. Jeder Bissen ist ein kleines Fest, das die perfekte Balance zwischen buttrig, würzig und herzhaft trifft. Es ist offiziell: Ich liebe dieses Frühstück.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel, um unser Auto abzuholen. Doch bevor das nächste Abenteuer beginnen konnte, galt es, eine Herausforderung zu meistern: Einen kostenlosen oder zumindest günstigen Parkplatz finden.

Die 40 Dollar pro Nacht für den Hotelparkplatz waren uns entschieden zu viel, also schmiedeten wir einen Plan. Ich erinnerte mich daran, dass wir vor ein paar Jahren in einem Bed & Breakfast in der Royal Street übernachtet hatten und das Parken dort damals noch kostenlos war. Sollte das noch immer so sein, wäre es ein absoluter Glücksgriff – nah genug am French Quarter, aber weit genug außerhalb, um den absurd hohen Parkgebühren zu entkommen.

Und tatsächlich – unser Plan ging auf! An der Ecke Royal Street und Spain Street fanden wir eine freie Parklücke, und unser weißer Mustang bekam einen gemütlichen Platz, ohne dass wir auch nur einen Cent zahlen mussten. Damit war der erste Erfolg des Tages gesichert.

Der Fußweg vom Auto ins French Quarter betrug nur etwa 10 Minuten, doch unser Hotel lag genau auf der gegenüberliegenden Seite des Viertels. Insgesamt bedeutete das eine Strecke von zwei Kilometern, die wir entspannt in 30 Minuten zurücklegen konnten. Ein guter Deal, wenn man bedenkt, dass wir dadurch 160 Dollar für vier Nächte gespart haben.

Parkplatz

Statt direkt zum Hotel zu gehen, entschieden wir uns für einen Umweg. Der Garden District stand auf unserer Liste, und da aufgrund der Mardi Gras-Feierlichkeiten die Streetcars nicht fuhren, legten wir die Strecke einfach zu Fuß zurück.

Unser Weg führte uns zunächst durch die Royal Street, eine der schönsten Straßen des French Quarters. Hier reihten sich antike Läden, Kunstgalerien und gemütliche Cafés aneinander, und an jeder Ecke gab es etwas zu entdecken.

Nach einer Weile bogen wir in die Frenchmen Street ab – und plötzlich fanden wir uns inmitten der lebendigsten Musikszene New Orleans’ wieder. Während die Bourbon Street für ihre ausschweifenden Partys berüchtigt ist, gilt die Frenchmen Street als der Geheimtipp für echte Musikliebhaber. In diesem kleinen, aber pulsierenden Viertel befinden sich einige der besten Jazz- und Bluesclubs der Stadt.

Hier ist die Musik nicht bloß eine Begleiterscheinung, sondern die Hauptattraktion. Live-Bands spielten auf den Gehwegen, Menschen tanzten spontan auf der Straße, und die Atmosphäre war einfach elektrisierend. Besonders legendär sind Clubs wie:

  • Blue Nile – Ein Hotspot für Jazz, Funk und Soul
  • Snug Harbor – Die perfekte Adresse für Liebhaber traditioneller Jazzklänge
  • The Spotted Cat – Klein, laut, energiegeladen – hier pulsiert der Rhythmus von New Orleans

In jedem der legendären Clubs entlang der Frenchmen Street treten mindestens vier Bands pro Abend auf. Einige, wie das Spotted Cat, bieten sogar schon nachmittags musikalische Leckerbissen. Soul, Cajun, Blues, Funk – und natürlich Jazz! Kein Wunder, schließlich wurde der Jazz nur ein paar hundert Meter von hier, am Jackson Square, erfunden.🎷

Es war ein Erlebnis, einfach durch diese Straße zu schlendern und die Musik aufzusaugen. Die Klänge wechselten von Club zu Club – mal pulsierender Funk, dann melancholischer Blues und immer wieder mitreißender Jazz. Es war, als hätte jeder Meter dieser Straße seinen eigenen Rhythmus.

Unser Spaziergang führte uns weiter zur Decatur Street, die parallel zum Ufer des mächtigen Mississippi verläuft. Hier tauchten wir ein in eine lebendige Welt aus Geschäften, kleinen Boutiquen und einer Fülle an Restaurants.

Die Decatur Street gehört – neben der Bourbon, Royal und Frenchmen Street – zu den bekanntesten Straßen im French Quarter. Kein Wunder, denn sie führt direkt am berühmten Café Du Monde und dem Jackson Square vorbei. Hier pulsiert das wahre Leben von New Orleans, mit Straßenkünstlern, belebten Märkten und Cafés, in denen Menschen stundenlang das bunte Treiben beobachten.

Als wir den Washington Artillery Park erreichten, bot sich uns ein perfekter Blick auf den Jackson Square und die beeindruckende St. Louis Cathedral. Diese Kathedrale ist nicht nur eine der ältesten in den Vereinigten Staaten, sondern auch ein Wahrzeichen von New Orleans, das mit seiner klassizistischen Architektur sofort ins Auge fällt.

Einmal um 180 Grad gedreht, erwartete uns das nächste Panorama: Der mächtige Mississippi glitzerte in der Sonne, und im Hintergrund erstreckte sich die imposante Crescent City Connection Bridge, die sich über den Fluss spannte.

Saint Louis Cathedral

Es war einer dieser magischen Momente, in denen sich die Vergangenheit und Gegenwart dieser Stadt perfekt vereinten – das geschichtsträchtige French Quarter auf der einen, der endlose Fluss auf der anderen Seite.

Nach einer halben Meile erreichten wir die Canal Street, die das westliche Ende des French Quarters markiert. Hier bogen wir nach rechts ab und nahmen Kurs auf die St. Charles Avenue – die historische Straße, auf der einige der größten Mardi Gras Paraden stattfinden.

Mississippi River

Unser Ziel war es, den Ort zu erkunden, von dem aus wir morgen die Parade genießen würden. Wir hatten bereits Tribünenkarten reserviert, und da sich diese Tribünen entlang der St. Charles Avenue befanden, wollten wir uns schon einmal einen Überblick verschaffen.

Die Vorfreude auf das Spektakel war förmlich greifbar. Überall wurden bereits die letzten Vorbereitungen getroffen, Tribünen aufgebaut und Absperrungen errichtet. Die Stadt befand sich auf dem Höhepunkt ihrer Mardi Gras-Euphorie – und wir mitten drin!

Mardi Gras Tribünen

Die Tribünen am Lafayette Square waren wirklich nicht zu übersehen. Meterhoch ragten sie entlang der St. Charles Avenue, perfekt positioniert für einen ungestörten Blick auf die bevorstehende Parade. Hier würden wir also morgen sitzen und Mardi Gras in vollen Zügen genießen.

Und das Beste? Wir konnten dabei sogar bequem sitzen! Bei all dem bunten Trubel und stundenlangen Spektakel eine Seltenheit – denn wer sich auf den regulären Bürgersteig stellte, musste sich einen Platz hart erkämpfen und notfalls stundenlang auf den Beinen bleiben.

Die 63 Dollar pro Person für diesen kleinen Luxus waren also bestens investiert. Wenn wir schon das ultimative Mardi Gras-Erlebnis haben wollten, dann doch bitte ohne Wadenkrämpfe und Gedränge.

Nachdem wir uns von unserem morgigen Parade-Spot überzeugt hatten, setzten wir unsere Erkundungstour fort. Noch zwei Meilen trennten uns von der Washington Street, dem perfekten Ausgangspunkt für unsere Entdeckungsreise durch den Garden District.

Während wir durch die St. Charles Avenue schlenderten, veränderte sich langsam das Stadtbild. Die engen Gassen des French Quarters wichen breiten Boulevards, schattigen Alleen und imposanten Herrenhäusern.

Der Garden District ist berühmt für seine prächtigen Antebellum-Villen, die noch heute von der Blütezeit des Südens erzählen. Hier residierten einst reiche Kaufleute und Plantagenbesitzer, die sich diesen eleganten Rückzugsort fernab der geschäftigen Innenstadt schufen.

Schon nach wenigen Minuten wurde klar: Dieser Stadtteil ist eine völlig andere Welt als das quirlige French Quarter.Statt Jazzklängen und ausgelassenen Feiernden erwartete uns eine traumhafte Ruhe, eingebettet in die Schönheit historischer Architektur und sattgrüner Gärten.

Die perfekte Kulisse für einen Spaziergang, der uns direkt in eine andere Zeit katapultierte. Unser Abenteuer durch den Garden District konnte beginnen! 

Downtown New Orleans

Einst ein Gebiet voller Plantagen, ist der Garden District heute einer der grünsten und wohl schönsten Stadtteile von New Orleans. Hier erzählt jedes Haus eine Geschichte – von der Zeit, als die alten Plantagen in großzügige Grundstücke aufgeteilt wurden und wohlhabende Kaufleute ihre prächtigen Antebellum-Villen inmitten paradiesischer Gärten errichteten.

Kein Wunder also, dass dieser Stadtteil seinen bezaubernden Namen trägt – denn Gärten gibt es hier wirklich im Überfluss. Zwischen den alten Eichen, den üppigen Magnolien und den leuchtenden Blüten der Bougainvillea fühlt man sich wie in eine andere Epoche versetzt.

Damit wir keines der architektonischen Meisterwerke verpassen würden, hatten wir im Voraus eine Route mit detaillierten Beschreibungen der Villen im Internet recherchiert und heruntergeladen. Mit dieser kleinen Schatzkarte in der Hand schlenderten wir durch die Prytania Street und First Street – das Herz des Garden Districts.

Hier reihten sich die typischen Südstaatenvillen im Greek-Revival-Stil aneinander, jede einzelne mit einem perfekt gepflegten Garten, majestätischen Säulen und kunstvollen Balkonen. Manche wirkten beinahe wie kleine Schlösser, andere strahlten eher einen verwunschenen, romantischen Charme aus. Jede Villa war einzigartig, jede ein Blickfang.

Es war eine Wonne für die Augen, und wir konnten einfach nicht aufhören, uns an dieser harmonischen Mischung aus Geschichte, Architektur und Natur zu erfreuen.

Es ist kaum verwunderlich, dass einige der ganz Großen aus Hollywood diesen Stadtteil für sich entdeckt haben. Der Garden District bietet genau das, was viele Stars suchen: Exklusivität, Privatsphäre und eine Atmosphäre, die Geschichte atmet.

Sandra Bullock, John Goodman und Nicolas Cage haben hier entweder eine Villa besessen oder gehören noch immer zu den glücklichen Eigentümern dieser traumhaften Südstaaten-Anwesen.

Sandra Bullock, die für ihre unkomplizierte Art bekannt ist, besitzt ein beeindruckendes weißes Herrenhaus mit klassischen griechischen Säulen und einer breiten Veranda, das direkt aus einem Roman von Margaret Mitchellstammen könnte. Ihr Haus spiegelt genau das wider, was diesen Stadtteil ausmacht: Klassische Eleganz gepaart mit südstaatlichem Charme.

John Goodman, der mit seiner tiefen, markanten Stimme und seinen Rollen in Filmen wie The Big Lebowski oder Monuments Men Kultstatus genießt, hat sich ebenfalls hier niedergelassen. Sein Zuhause ist eine dieser opulenten Villen, die mit ihren großen Fenstern, hohen Decken und von Eichen gesäumten Wegen sofort ins Auge fallen.

Und dann wäre da noch Nicolas Cage, der einst in einer der bekanntesten Villen des Viertels residierte. Sein ehemaliges Haus, ein prächtiges Anwesen im neoklassizistischen Stil, ist unter Einheimischen als das „Haunted Mansion“ bekannt. Es soll eine dunkle Vergangenheit haben – Geschichten über Geister und übernatürliche Erscheinungen ranken sich um dieses alte Gebäude. Kein Wunder, dass Cage, der sich leidenschaftlich für Okkultismus und Mystik interessiert, hier seine Zeit verbrachte, bevor finanzielle Schwierigkeiten ihn zwangen, das Anwesen zu verkaufen.

Und ehrlich gesagt – wir verstehen sie vollkommen! Wer würde nicht gerne in einem dieser geschichtsträchtigen Herrenhäuser wohnen?

Hier, fernab vom Trubel der Bourbon Street, genießt man eine Welt aus Ruhe, Eleganz und südstaatlicher Gastfreundschaft.

Statt lauter Musik und wilder Partys gibt es hier Alleen mit alten Eichen, deren Äste sich wie schützende Hände über die Gärten legen. Statt blinkender Neonlichter sind es die laternenbeleuchteten Veranden, auf denen man den Abend mit einem Glas Whiskey oder Mint Julep ausklingen lassen kann.

Diese Villen sind mehr als nur Häuser – sie sind Zeitzeugen. Jeder Stein, jede Säule, jedes schmiedeeiserne Tor hat eine Geschichte zu erzählen. Manche von großen Filmstars, andere von Plantagenbesitzern aus vergangenen Jahrhunderten oder wohlhabenden Kaufleuten, die den Süden Amerikas geprägt haben.

Hier im Garden District scheint die Zeit langsamer zu vergehen. Ein Ort, an dem Geschichte lebendig bleibt – und genau das macht ihn so unwiderstehlich.

Während unseres Spaziergangs kamen wir auch am Lafayette Cemetery No. 1 vorbei – dem ältesten Friedhof von New Orleans.

Leider war er während der Mardi Gras-Tage geschlossen, sodass wir ihn nicht betreten konnten. Das hielt uns jedoch nicht davon ab, zumindest einige Fotos durch den schmiedeeisernen Zaun zu machen.

Die alten oberirdischen Mausoleen, von Wind und Wetter gezeichnet, erzählten ihre ganz eigene Geschichte. Moosbewachsene Grabsteine, verwitterte Inschriften und kunstvolle Skulpturen machten diesen Ort zu einer faszinierenden Mischung aus Melancholie und Schönheit.

Selbst aus der Ferne war es beeindruckend – ein historischer Ort, der Jahrhunderte überdauert hat, mitten in einem der prachtvollsten Viertel der Stadt. Wir kommen morgen noch einmal hierher und schauen uns den Friedhof dann an.

Lafayette Cemetery

Warum wir ausgerechnet einen Friedhof besuchen wollten? Zugegeben, das mag auf den ersten Blick ungewöhnlicherscheinen. In einer Stadt wie New Orleans, die mit ihrer atemberaubenden Architektur, lebhaften Musikszene und exzellenter Küche lockt, könnte man meinen, dass es spannendere Orte gibt als eine letzte Ruhestätte.

Doch wer einmal durch die legendären Friedhöfe von New Orleans geschlendert ist, der versteht, warum diese eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind. Statt eintöniger Grabsteine oder einfacher Grünflächen erwartet die Besucher ein labyrinthartiges Ensemble aus steinernen Mausoleen, die sich wie kleine Häuser entlang schmaler Gassen aufreihen.

Viele dieser Gräber sind mit kunstvollen schmiedeeisernen Zäunen umgeben – als hätten die Verstorbenen ihren eigenen kleinen Vorgarten, komplett mit Steinwegen und verwitterten Statuen. Andere sind mit Moos bewachsen, von Efeu umrankt oder mit kunstvollen Inschriften verziert, die von vergangenen Zeiten erzählen. Manche Gräber sind geradezu prunkvoll, während andere längst den Kampf gegen Wind und Wetter verloren haben, ihre Grabsteine schief stehen oder ihre Marmorplatten Risse zeigen.

Es ist eine kulissenhafte Atmosphäre, fast wie aus einem Gothic-Roman – mystisch, faszinierend und voller Geschichten, die darauf warten, entdeckt zu werden.

Lafayette Cemetery

Eine der Besonderheiten der Friedhöfe in New Orleans ist, dass sich die Gräber über der Erde befinden. Warum? Ganz einfach: Der sumpfige Boden macht traditionelle Erdbestattungen unmöglich. Würde man einen Sarg eingraben, könnte es passieren, dass er nach einem starken Regenfall plötzlich wieder an die Oberfläche kommt – ein eher unschönes Erlebnis für die Anwohner.

Deshalb hat sich im Laufe der Zeit das System der überirdischen Mausoleen entwickelt – eine Friedhofsarchitektur, die New Orleans einzigartig macht und den Friedhöfen ihren ganz besonderen Charakter verleiht.

Aber es sind nicht nur die architektonischen Besonderheiten, die diese Friedhöfe so berühmt machen. Hier ruhen Legenden, Mythen und historische Persönlichkeiten.

Eines der bekanntesten Mausoleen gehört Marie Laveau, der berühmtesten Voodoo-Königin von New OrleansIhre Grabstätte auf dem St. Louis Cemetery No. 1 ist bis heute ein Wallfahrtsort für Anhänger des Voodoo-Glaubens. Besucher hinterlassen kleine Opfergaben, kritzeln Kreuze auf den Stein oder flüstern Wünsche – in der Hoffnung, dass Laveau ihnen aus dem Jenseits heraus hilft.

Auch Nicolas Cage hat hier bereits seinen Platz reserviert – ein pyramidenförmiges Grab, das er sich noch zu Lebzeiten in einem der historischen Friedhöfe errichten ließ. Warum genau? Tja, das weiß wohl nur er selbst…

Da der Friedhof während der Mardi Gras-Tage geschlossen war, mussten wir uns vorerst mit einem Blick durch die schmiedeeisernen Tore begnügen. Doch eines war klar: Morgen kommen wir wieder!

In der Magazine Street angekommen, erreichten wir das Restaurant Tracey’s, von dem wir gehört hatten, dass es das Lieblingsrestaurant der Einheimischen sei. Das klang vielversprechend! Ein Blick hinein verriet sofort: Hier geht es rustikal und bodenständig zu. Auf der rechten Seite zog sich eine gemütliche Bar entlang, während links eine Theke die Bestellungen für das Essen entgegennahm. Selbstbedienung also.

Lost in Translation – oder: Die große Cola-Verwirrung

Selbstbedienung also. Kein Problem! Stefan setzte sich gemütlich an einen Tisch, während ich mich in die Warteschlange einreihte. Doch kaum hatte ich mich weggedreht, näherte sich ein älterer Herr mit offensichtlicher Getränkeverteilungsautorität Stefans Tisch und murmelte etwas. Stefan, höflich und gut erzogen wie eh und je, dachte nicht lange nach und bestellte brav:

„Two Coke, please.“

Der ältere Herr gab eine unverständliche Antwort von sich. Stefan starrte ihn an, als hätte er gerade einen uralten Zauberspruch aufgesagt. Ratlos blickte er zu mir hinüber.

Ich versuchte zu helfen und sagte zu dem alten Herren mit meinem besten „Ich-bin-völlig-entspannt“-Gesicht:

„Two Coke, please!“

Der ältere Herr nuschelte weiter vor sich hin, Fehlende-Zähne-Level: unbekannt, aber hoch. Ich verstand nichts. Ich meine, rein gar nichts.

Da tippte mich eine freundliche Amerikanerin hinter mir an.

„Can I help? Do you need translation?“

Jetzt mal ehrlich. Ich spreche Englisch. Ich verstehe Englisch. Ich denke manchmal sogar in Englisch. Aber ich verstand diesen Mann nicht!

Der Retter in Gestalt ihres Begleiters kam zur Hilfe: „He asked for water.“

Oh. Oh. Oooohhhhhh.

Ich drehte mich zu Stefan um – und siehe da: Er hatte mittlerweile einen Becher Wasser serviert bekommen.

Nun war ich endlich an der Bestelltheke angekommen. „Your order, please?“ fragte der Mann hinterm Tresen freundlich. Kaum hatte ich den Mund geöffnet, ertönte von hinten die Stimme der Amerikanerin:

„Sorry, she doesn’t understand English.“

WHAT?!

Die Amerikanerin hinter mir war von ihrer Mutter-Theresa-Rolle nun endgültig begeistert. „It must be hard, not understanding the language here…“

Äh. WAS?!

„Ich VERSTEHE Englisch“, wollte ich ihr schon mit Leuchtzeichen über den Himmel schreiben. Aber ich erklärte ihr stattdessen geduldig (auf Englisch, versteht sich): „I actually understand English. I just didn’t understand HIM.“

Ihr Begleiter, ein netter junger Mann, grinste und erklärte mir:

„The problem is probably that you speak better English than most people here. That’s why it doesn’t match.“

Haha. Guter Mann. Er hatte meinen Humor. Doch die Dame war nicht aufzuhalten. Und fragte mich auf ENGLISCH: „Where are you from?“

„Germany.“

„It must be hard, don’t understand the language here.“

Oh. Mein. Gott.

„Unfortunately, I don’t know what the translation of water is in German.“

Ich… kann… nicht… mehr. Ich. Habe. Aufgegeben.

Ich ignorierte sie gekonnt und bestellte mein Essen: „Twelve Buffalo Wings with fries.“

„Which dressing: Ranch or Blue Cheese?“

Von hinten kam SOFORT: „I think Ranch dressing will be OK.“

JETZT REICHT’S!

Ich drehte mich um, ignorierte die Dame komplett und bestellte demonstrativ:

„BLUE CHEESE.“

Der Mann hinter der Theke brach in schallendes Gelächter aus.

Ich stellte das Essen vor Stefan ab und begab mich zur GetränkethekeJetzt wussten wir ja, dass der ältere Herr nur Wasser servierte, also wollte ich uns endlich die bestellten Colas holen.

Vor mir war noch ein Gast an der Reihe.

Er bestellte einen Kaffee, zahlte $1,50 mit Kreditkarte und verschwand.

Dann war ich dran:

„Two Coke, please.“

„That’s four dollars.“

Kein Problem. Ich reichte meine Kreditkarte.

„Sorry, you can’t pay such a small amount with a credit card.“

Ähm. Okay. Ich wühle hektisch nach Bargeld.

Doch dann kam die magische Wendung:

„But don’t worry – the Coke is free.“

Äh… WIE BITTE?!

Ich blinzelte verwirrt.

Kaffee für $1,50 wird abkassiert. Cola für $4 gibt es gratis.

Langsam ließ ich es gut sein. Wer war ich, das geheime Wirtschaftssystem von Tracey’s infrage zu stellen?

Zurück am Tisch starrte Stefan mich an.

„Was war das denn jetzt?“

„Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Cola in dieser Stadt offenbar kostenlos ist. Aber nur, wenn du sie richtig bestellst.“

Wir ließen es dabei bewenden und genossen unsere sensationellen Buffalo Wings, während im Hintergrund wahrscheinlich noch immer jemand erklärte, dass ich leider kein Englisch verstehe.

Ein unvergesslicher Restaurantbesuch. 

Trotz allem – die Hühnchenflügel waren ein Traum. Knusprig, saftig, mit genau der richtigen Schärfe und perfekt frittierten Fries dazu. Es war köstlich!

Und rückblickend betrachtet war unser Besuch im Tracey’s nicht nur eine kulinarische Entdeckung, sondern auch eine der unterhaltsamsten Anekdoten unseres Trips. Von Sprachbarrieren über verwirrende Preisstrukturen bis hin zu einer Amerikanerin, die mich unbedingt vor der englischen Sprache retten wollte – es war ein Abend, den wir garantiert nicht vergessen würden. 

Nach unserem köstlichen Essen setzten wir unseren Spaziergang durch den malerischen Garden District fort. Die hübschen Häuser, die breiten Straßen, die von alten Eichen gesäumt waren – es war ein Anblick, an dem man sich kaum sattsehen konnte. Doch irgendwann mussten wir den Rückweg antreten. Die Idee, einen Bus zu nehmen, war zwar verlockend, aber die Realität sah anders aus: Kein Bus in Sicht. Also blieb uns nichts anderes übrig, als die gesamten fünf Kilometer zurück ins French Quarter zu laufen.

Gegen 15:30 Uhr erreichten wir wieder das Herz von New Orleans, und uns war sofort klar: Es war Zeit für einen süßen Zwischenstopp. Und was wäre besser als ein erneuter Besuch im legendären Café Du Monde?

Wie immer war die Schlange lang, aber das Warten lohnte sich. Wir bestellten das Einzige, was man hier bestellen konnte – Kaffee und Beignets. Warum auch das Sortiment erweitern, wenn die Gäste sowieso alle das Gleiche wollen?

Der starke Milchkaffee, kombiniert mit den noch warmen, fluffigen Beignets, die mit einer beeindruckenden Menge Puderzucker überzogen waren, ließ keine Wünsche offen. Ein kurzer Blick auf unsere Kleidung verriet, dass wir – wie alle anderen Gäste auch – aussahen, als hätten wir uns gerade mitten in einen Schneesturm gestellt. Aber es war so gut, dass es völlig egal war.

Gestärkt von unserer süßen Pause überlegten wir, was wir als Nächstes tun sollten. Die Antwort war schnell gefunden: Noch eine Runde durch die legendäre Bourbon Street!

Schon gestern hatten wir erlebt, dass diese Straße eine eigene Welt ist – aber heute, am Lundi Gras (dem amerikanischen Rosenmontag), war es eine andere Dimension.

Die Menge? Dicht gedrängt. Die Lautstärke? Jenseits von Gut und Böse. Der Alkoholpegel? Höher als in einer bayerischen Bierhalle nach der dritten Maß.

Balkone überall. Gäste standen oben, schauten erwartungsvoll auf die Feiernden unter ihnen hinab und hielten bunte Perlenketten in den Händen – die berühmten Mardi Gras Beads.

Was dann geschah?

Es war wie ein Ritual. Unten drängten sich die Leute, reckten die Arme in die Höhe und flehten fast darum, eine dieser kostbaren Plastikketten zu ergattern.

Manche Gäste hatten einfallsreichere Methoden entwickelt, um besonders auffällige Ketten zu ergattern. Eine davon war, einfach das T-Shirt zu lupfen. Und nein, das galt nicht nur für die Damen. Auch einige mutige Männer entschieden sich, ihre Bierbäuche zur Schau zu stellen – wobei die Erfolge dieser Strategie wohl sehr unterschiedlich ausfielen.

Aber die Menge jubelte und johlte, und die Ketten flogen von den Balkonen in die gierigen Hände der Feiernden. Es war ein skurriles Spektakel, wenn man bedachte, dass es sich hier um ein paar bunte Plastikketten handelte. Und das Ganze spielte sich ausgerechnet in den USA ab – einem Land, in dem sonst schon ein kurzer Blick auf eine entblößte Schulter zum Skandal werden kann.

Doch an Mardi Gras gelten andere Regeln.

Die Stimmung war ansteckend, die Feiernden ausgelassen und die Musik aus den Bars mischte sich zu einem orchestralen Chaos, das einfach nur pulsierendes Leben war. New Orleans war in Ekstase – und wir mittendrin.

Der Klang von Livemusik drang aus jeder Kneipe, aus jeder offenen Tür und jedem Fenster. Es war ein gewaltiges, ungeordnetes Durcheinander aus Jazz, Rock, Blues und Cover-Bands, die sich gegenseitig in Sachen Lautstärke übertrumpfen wollten. Fein abgestimmte Klangqualität? Nicht nötig. Hier galt das Motto: Je lauter, desto besser! 

Die feiernde Menge? Völlig unbeeindruckt. Sie tanzte, sang und ließ sich mitreißen, als würde es kein Morgen geben. Und das Beste? Überall begegneten uns skurrile Gestalten.

Auf unserem Weg durch das French Quarter kamen wir an Lafitte’s Blacksmith Shop vorbei, der ältesten noch existierenden Bar der USA. Die Musik war ohrenbetäubend, die Stimmung ausgelassen – und plötzlich tanzten zwei lebensgroße T-Rexe mitten auf der Straße! 🦖🦖

Bourbon Street

Ja, zwei aufblasbare T-Rex-Kostüme, die wild zu einem Rocksong abgingen, als wären sie die wahren Könige der Bourbon Street. Die Menge feuerte sie an, wir lachten Tränen, und für einen Moment war es, als wäre die ganze Stadt in einen gigantischen, surrealen Fiebertraum verwandelt worden.

New Orleans wusste einfach, wie man feiert. 

Als wir uns langsam auf den Rückweg zum Hotel machten, passierten wir die Canal Street – gerade rechtzeitig, um eine weitere große Parade vorbeiziehen zu sehen.

Diesmal hatten wir das Glück, hautnah mitzuerleben, wie sich das ganze Spektakel am Ende der Strecke auflöste.

Krewe of Proteus

Keine 50 Meter von uns entfernt stieg die Besatzung der Festwagen aus und verschwand diszipliniert in ein nahegelegenes Hotel. Die Marschkapellen marschierten schnurstracks weiter und wurden in eine Seitenstraße geleitet. Und die prunkvollen Wagen? Die wurden einfach ein paar Blocks weiter geparkt.

Das Ganze geschah mit einer solchen Perfektion und Geschwindigkeit, dass wir nur staunen konnten. Kaum war der letzte Festwagen durch, tauchten gigantische Reinigungsfahrzeuge auf, die den gesamten Müll einsammelten.

Innerhalb von Minuten waren die Straßen wieder blitzblank, als wäre nie eine Parade durchgezogen.

Wir nutzten die Gelegenheit, um ein paar Fotos von den verlassenen Festwagen zu schießen – ein seltenes Bild, denn normalerweise sieht man diese farbenfrohen Kunstwerke nur mitten im bunten Trubel.

Es war nach neun Uhr, wir hatten unzählige Eindrücke gesammelt – und vor allem: Wir hatten Hunger.

Zum Glück lag unser Hotel nur ein paar Schritte entfernt. Allerdings mussten wir einige Umwege in Kauf nehmen, weil noch immer Absperrungen und Barrikaden von der Parade übrig geblieben waren. Aber hungrig wie wir waren, hätte uns wohl selbst ein Fluss aus Krokodilen nicht aufgehalten.

Zurück im Ole Saint, unserem Lieblingsrestaurant, gönnten wir uns endlich ein wohlverdientes, spätes Abendessen. Und da es so wunderbar zum Abend passte, bestellte ich mir natürlich wieder ein “Purple Haze” Bier.

Ein Weizenbier mit einem Hauch von Himbeere – fruchtig, erfrischend und genau das Richtige nach einem so wilden Tag.

Müde, aber glücklich und satt, kehrten wir schließlich ins Hotel zurück. Wir hatten einen fantastischen Lundi Grashinter uns – doch wir wussten, das Beste stand uns erst noch bevor:

Mardi Gras, der Höhepunkt des Faschings in New Orleans!

Bleibt dran – es wird noch verrückter! 

The Ole Saint Restaurant

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