Streitende Adlerkinder, eine Hängebrücke für die Pipeline und das Haus von Santa Claus

Wir erwachten auf dem kleinen, ruhigen Parkplatz des Museums von Burwash Landing, während sich über uns eine dicke, graue Wolkendecke breit machte. Es war, als ob der Himmel ein Geheimnis mit sich trug, das er uns noch nicht preisgeben wollte. Die Luft war kühl und frisch, und das sanfte Rauschen des Windes durch die herbstlich gefärbten Bäume sorgte für eine fast meditative Ruhe.

Trotz des trüben Wetters war unsere Laune bestens. Ein grauer Himmel mag vielleicht die Farben der Landschaft etwas dämpfen, aber er konnte unsere Abenteuerlust keineswegs trüben. Ganz im Gegenteil – es fühlte sich an wie einer dieser mystischen Tage, an denen die Natur in ihrer stillen, dramatischen Schönheit fast magisch wirkt.

Nach einem schnellen Frühstück – Kaffee aus unserer Bordküche und ein paar frisch getoastete Bagels – war uns klar: Heute wird ein großartiger Tag, egal, was die Wolken noch vorhaben. Mit einem Augenzwinkern beschlossen wir, dass es kein schlechtes Wetter gibt, nur schlechte Ausreden, und machten uns bereit, das Beste aus diesem Tag herauszuholen.

Burwash Landing

Heute steht eine dieser klassischen Fahretappen auf dem Programm – Kilometer schrubben, wie wir gerne sagen. Aber ganz ehrlich, in Alaska oder Kanada ist „einfach nur“ fahren nie wirklich „einfach nur“. Die Straßen hier haben diese besondere Art, immer wieder Überraschungen zu bieten, und das macht jede Etappe zu einem kleinen Abenteuer. Doch bevor wir uns in den Highway-Modus begeben, gönnen wir uns ein entspanntes Frühstück. Man will ja schließlich gut gestärkt in den Tag starten, oder?

Schon nach wenigen Kilometern zeigt sich die erste Überraschung. Direkt neben der Straße erspähen wir eine Adler-Mama, die stolz ihre beiden jungen Küken führt. Ein majestätischer Anblick! Die flauschigen Jungtiere liefern sich ein amüsantes kleines Scharmützel um eine Beute, die sich hinter ein paar Büschen verbirgt. Es ist, als ob wir live dabei sind, wie die nächste Generation dieser großartigen Vögel fürs Überleben trainiert.

Bald Eagle

Wusstet ihr übrigens, dass junge Weißkopfseeadler anfangs ein komplett braunes Gefieder haben? Keine Spur von dem strahlenden Weiß, das sie später so ikonisch macht. In diesem jugendlichen Tarnkleid fügen sie sich perfekt in ihre felsige oder bewaldete Umgebung ein. Man könnte sie fast übersehen, wenn man nicht genau hinsieht. Erst im Alter von vier bis fünf Jahren bekommen sie das markante braun-weiße Gefieder, das sie zu den unverwechselbaren Symbolen der Wildnis macht.

Es ist ein wahres Spektakel, diesen Geschwistern dabei zuzusehen, wie sie sich um die Beute kabbeln. Ihre ungeschickten Bewegungen und das neugierige Treiben zaubern uns ein breites Lächeln ins Gesicht. Geschwisterliebe in ihrer wilden, unbeholfenen Form – herrlich! Wir können gar nicht anders, als ein paar Fotos zu machen, bevor wir mit einem warmen Gefühl im Bauch weiterfahren. Die Wildnis hier hat ihre ganz eigene Art, jeden Moment unvergesslich zu machen.

Am kanadischen Grenzübergang in Beaver Creek angekommen, stellen wir uns auf das übliche Prozedere ein. Pässe raus, ein paar Fragen beantworten – ihr kennt das Spiel. Aber es läuft alles reibungslos, und wenig später befinden wir uns wieder in den Vereinigten Staaten. Hier heißt es erneut: Liter gegen Gallonen tauschen und Kilometer gegen Meilen. Ein kleiner mentaler Schalter, aber irgendwie gehört das zur Grenzüberquerung einfach dazu.

Es dauert nicht lange, bis uns auffällt, dass die amerikanischen Grenzbeamten tatsächlich etwas entspannter wirken als ihre kanadischen Kollegen. Keine unangenehmen Fragen, kein neugieriger Blick in den Camper – stattdessen ein schnelles „safe travel“ und ein freundliches Lächeln. Man fühlt sich fast wie ein VIP, der in die USA zurückkehrt.

Die Strecke nach Tok verläuft ruhig und unspektakulär – jedenfalls größtenteils. Ein Highlight gibt’s dann doch: Ein ziemlich beeindruckender Bagger stellt sich uns mitten auf der Straße in den Weg. Für einen Moment wirkt es, als hätte der Koloss seine eigene Agenda und hätte beschlossen, dass wir eine Zwangspause einlegen müssen. Aber alles halb so wild – wir warten geduldig, bis die Straße wieder frei ist, und setzen unsere Fahrt fort. Schließlich gehört auch das ein bisschen zum Charme der nordamerikanischen Wildnisstraßen.

Alaska Highway

In Tok angekommen, gibt es für uns kein Zögern: Fast Eddie’s ruft, und wir können der Versuchung einfach nicht widerstehen. Schon bei unserem ersten Besuch hat uns dieses charmante Lokal in seinen Bann gezogen, und wir wissen, dass wir hier wieder gut aufgehoben sind.

Wie immer steht die wichtigste Frage des Tages im Raum: „Was essen wir heute?“ Die Speisekarte, so umfangreich wie verlockend, macht es uns dabei nicht gerade leicht. Es gibt einfach alles, was das Herz begehrt – von klassischen Burgern über herzhafte Pasta bis hin zu deftigen Steaks.

Nach einigem Hin und Her fällt unsere Wahl schließlich auf ein saftiges Croissant-Sandwich. Und was soll ich sagen? Es war die absolut richtige Entscheidung. Die butterweiche Textur des Croissants, kombiniert mit frischen Zutaten, war ein wahres Geschmackserlebnis.

Während wir unser Essen genießen, beobachten wir das Treiben um uns herum. Fast Eddie’s ist nicht nur ein Restaurant – es ist ein Treffpunkt, ein Ort voller Geschichten und Reisender, die sich hier eine Pause gönnen. Es ist die perfekte Mischung aus leckerem Essen und einem Hauch von Abenteuerflair, und genau das macht es für uns so besonders.

Nach mittlerweile vier Besuchen bei Fast Eddie’s (wenn wir alle unsere Alaska-Reisen zusammenzählen) – Alaska-Profis, wie wir eben sind – gönne ich mir endlich ein schickes “Fast Eddie’s” T-Shirt im angeschlossenen Souvenirshop. Ein bisschen Eigenwerbung für das Restaurant in Deutschland kann ja nicht schaden, oder? Außerdem sieht es richtig cool aus.

Bevor wir uns endgültig von Tok verabschieden, füllen wir noch schnell den Tank auf. Frisch gestärkt, sowohl wir als auch unser Camper, geht es weiter – mit rund 200 Meilen auf der heutigen Etappe nach Fairbanks.

Das Wetter zeigt sich allmählich von seiner freundlicheren Seite, während wir dem Alaska Highway weiter in Richtung Norden folgen. Die Straße scheint endlos, wie ein Band, das in den Horizont führt. Links und rechts umgibt uns dichter Wald, und in der Ferne erheben sich majestätische Berge. Es ist ein Anblick, der die Seele berührt – pure Weite, absolute Stille und eine Landschaft, die einfach nie langweilig wird.

Nach einer Weile erreichen wir Delta Junction, ein kleines, charmantes Örtchen mit etwa 1000 Einwohnern. Hier, am Zusammenfluss des Delta River und des Tanana River, liegt der offizielle Endpunkt des legendären Alaska Highwaysbei Meile 1422. Ein großes “Monument” an der Kreuzung – das sogenannte “Triangle” – markiert das Ende dieser berühmten Route.

Natürlich machen wir hier einen kurzen Fotostopp. Schließlich ist das eine Gelegenheit, die sich kein echter Roadtrip-Fan entgehen lassen würde. Der Gedanke, dass wir diese legendäre Straße von Anfang bis Ende befahren haben, erfüllt uns mit einer Mischung aus Stolz und Abenteuerlust.

Die verbleibende Strecke von etwa 150 Kilometern bis Fairbanks gehört eigentlich schon zum Richardson Highway, aber für uns bleibt es immer noch der Alaska Highway – denn, Hand aufs Herz, wer würde bei so einer beeindruckenden Route kleinlich sein? Mit diesem Gedanken setzen wir unsere Fahrt fort, bereit für alles, was die Straße noch für uns bereithält.

Übrigens, wusstet ihr, dass der Alaska Highway und der Richardson Highway zwischen Delta Junction und FairbanksTeil des legendären Panamerika Highways sind? Diese beeindruckende Route erstreckt sich über unglaubliche 18.000 Kilometer, von hier in Alaska bis hinunter zur südlichsten Spitze Südamerikas – Feuerland! Eine kleine Idee formt sich in meinem Kopf, während wir diese Tatsache diskutieren: Vielleicht sollte ich Stefan demnächst mal vorschlagen, diesen epischen Roadtrip auf unsere To-Do-Liste zu setzen. Na, wenn das nicht nach einem Abenteuer klingt!

Natürlich halten wir kurz an, um ein paar Fotos vom Panamerika Highway-Schild zu machen. Ein kleines Stückchen Geschichte auf vier Rädern – das will schließlich festgehalten werden. Viel zu sehen gibt es hier allerdings nicht, also geht es nach ein paar Minuten weiter. Nur 10 Meilen entfernt wartet schließlich ein echter Hingucker auf uns.

Schon bald taucht vor uns der majestätische Tanana River auf, ein mächtiger Wasserlauf, der nicht nur die Landschaft dominiert, sondern auch etwas ganz Besonderes mit sich bringt: die berühmte Alaska Pipeline.

Die Pipeline, Alaskas Lebensader für das schwarze Gold, überquert den Fluss auf eine der wohl spektakulärsten Arten, die man sich vorstellen kann. Eine imposante Hängebrücke, silbern schimmernd und technisch beeindruckend, schwingt sich über den breiten Fluss. Es ist ein beeindruckendes Schauspiel, wie diese Konstruktion mitten in der unberührten Natur thront und uns daran erinnert, wie Mensch und Technik hier in Alaska zusammenarbeiten.

Natürlich müssen wir anhalten. Die Gelegenheit, solch ein Meisterwerk aus der Nähe zu bewundern, lässt man sich nicht entgehen. Die gewaltige Pipeline scheint förmlich zu sagen: “Hier bin ich, ich halte Alaska am Laufen!” Und der Tanana River, ruhig und kraftvoll zugleich, unterstreicht die epische Kulisse dieses einzigartigen Bauwerks. Während wir die Szenerie auf uns wirken lassen, kommen wir nicht umhin, uns zu fragen, welche Geschichten diese Pipeline wohl erzählen könnte, wenn sie sprechen könnte.

Trans-Alaska Pipeline

Die Alaska Pipeline überquert den gewaltigen Tanana River auf spektakuläre Weise – getragen von einer eigens entworfenen, beeindruckenden Hängebrücke. Die massive Seilkonstruktion scheint mühelos den breiten Fluss zu überspannen, der sich hier auf mehr als 400 Meter ausdehnt. Der Anblick ist schlicht atemberaubend. Der Tanana River führt eine gewaltige Menge Wasser, das in kräftigen Strömen unter der Brücke hindurchfließt und die Kraft der Natur eindrucksvoll demonstriert. Unsere Kameras klicken unermüdlich, um dieses technische und natürliche Meisterwerk in seiner ganzen Pracht festzuhalten.

Doch das ist erst der Anfang. In den nächsten 80 Meilen bleibt uns der Tanana River treu. Wie ein sanftes Band schlängelt er sich am Rand des Highways entlang und begleitet uns auf unserer Reise. Die Ufer des Flusses sind von dichten Wäldern gesäumt, die sich im klaren Wasser spiegeln, während die Berge in der Ferne eine majestätische Kulisse bilden. Es ist eine Landschaft wie aus einem Gemälde – wild, weit und voller Schönheit.

Jede Kurve auf dem Highway offenbart neue Perspektiven, und wir können uns gar nicht sattsehen an diesem harmonischen Zusammenspiel von Natur und Technik. Es ist, als ob der Fluss selbst uns willkommen heißt und uns mit seiner ruhigen, kraftvollen Präsenz ein Stück Alaskas ungezähmter Wildnis näherbringt.

Und plötzlich stehen wir vor dem Hauptquartier des Weihnachtsmanns! Die offizielle Adresse? Santa Claus Lane 511, North Pole, Alaska, 99705. Ja, genau, der Weihnachtsmann lebt tatsächlich in Alaska – zumindest hier im kleinen Städtchen North Pole, rund 2736 Kilometer südlich vom “echten” Nordpol. Doch das macht den Zauber nicht weniger echt, denn dieser Ort ist ein wahres Weihnachtswunderland, in dem das ganze Jahr über der Geist der Weihnacht lebendig ist.

Die gesamte Stadt ist vom Santa-Claus-Fieber gepackt. Straßen heißen hier Santa Claus LaneKris Kringle Driveoder Mistletoe Lane, und die Straßenlaternen sehen aus wie überdimensionale, rot-weiße Zuckerstangen. Selbst das goldene „M“ des McDonald’s ist auf einer riesigen Zuckerstange montiert! Es scheint, als wäre diese Stadt komplett vom Weihnachtszauber überzogen.

Übrigens, hier befindet sich auch das berühmte Weihnachtspostamt des US Postal Service, das jedes Jahr bis zu 400.000 Briefe aus aller Welt an den Weihnachtsmann erhält. Diese werden von Freiwilligen liebevoll beantwortet – eine jahrzehntelange Tradition, die Herzen höherschlagen lässt. Und wer möchte, kann hier seine eigene Weihnachtspost aufgeben – inklusive des weltberühmten Stempels von North Pole, Alaska.

Northpole Post Office

Schon von Weitem erspähen wir die riesige Statue des Weihnachtsmanns. In seinem leuchtend roten Anzug, mit fluffiger Pudelmütze und strahlend weißen Bart, hält er einen gigantischen Wunschzettel in der Hand. Seine liebevollen Augen scheinen jeden Besucher direkt zu begrüßen, und man kann förmlich spüren, wie er die Wünsche der Kinder in seinem Herzen trägt.

Direkt hinter der Statue thront das Santa Claus House, ein Gebäude wie aus einem Bilderbuch. Die rot-weiße Fassade mit Fachwerk, die unzähligen Weihnachtslichter und die festlichen Dekorationen lassen keinen Zweifel daran: Hier wohnt der Weihnachtsmann. Vor dem Gebäude steht ein gewaltiger Weihnachtsbaum, dessen Zweige schwer mit funkelnden Ornamenten behangen sind.

Innen erwartet uns ein wahres Paradies für Weihnachtsfans. Von handgemachtem Christbaumschmuck über süße Mitbringsel bis hin zu einem echten Brief vom Weihnachtsmann – hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Und natürlich dürfen die Rentiere nicht fehlen, die in einem umzäunten Gehege friedlich grasen. Vielleicht ist einer von ihnen ja Rudolph? Wer weiß!

Es ist ein Ort, der Groß und Klein gleichermaßen verzaubert und ein Lächeln auf jedes Gesicht zaubert. Hier wird klar: Der “Spirit of Christmas” ist kein Mythos – er lebt, und zwar mitten in North Pole, Alaska.

Santa Claus House

Kaum betreten wir das Santa Claus House, werden wir förmlich von einer Welle aus kitschig-künstlichem Weihnachtswunderland überrollt. Es glitzert, blinkt und leuchtet an jeder Ecke, und die Lautsprecher säuseln unaufhörlich fröhliche Christmas-Songs. Alles schreit hier förmlich: Weihnachten! 🎄🎅

Der Laden ist ein Fest für die Sinne – oder, je nach Geschmack, ein kleiner Overkill. Hier gibt es wirklich alles, was man sich für die festliche Dekoration vorstellen kann – und Dinge, von denen man nicht wusste, dass man sie überhaupt braucht. Christbaumschmuck? Check. Glitzerkugeln in jeder Farbe des Regenbogens? Check. Weihnachtsanhänger im Army-Look? Aber klar doch! Für jeden Beruf, jedes Hobby und jede Vorliebe scheint es hier ein passendes Stück zu geben – und das selbstverständlich nicht zum Schnäppchenpreis.

Während ich mich begeistert durch die Regale wühle, entdecke ich Dinge, die selbst mich als Weihnachtsfan überraschen. Eine Rentier-Lichterkette für den Vorgarten? Warum eigentlich nicht? Es ist einfach unmöglich, hier nicht mit vollen Tüten herauszugehen, wenn man Weihnachten so liebt wie ich!

Ein Highlight ist die digitale Uhr, die unermüdlich die Sekunden bis zum nächsten Heiligabend herunterzählt. Direkt daneben: Eine Wand voller Santa-Briefe, liebevoll geschrieben von Kindern aus aller Welt. Ich kann nicht widerstehen, einige der Briefe zu lesen. Es gibt herzerwärmende, lustige und überraschend pragmatische Wünsche. Ein Kind bittet Santa um Weltfrieden, ein anderes um einen echten Dinosaurier – die Bandbreite ist beeindruckend.

Im Santa Claus House gibt es an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken. Glitzernde Schneekugeln, leuchtende Weihnachtsmänner und kunstvoll verzierte Ornamente scheinen direkt um Aufmerksamkeit zu betteln. Meine Kamera kommt kaum hinterher, all die kitschigen, aber irgendwie bezaubernden Details einzufangen.

Leider müssen wir enttäuscht feststellen, dass Santa heute frei hat. Kein persönliches Treffen mit dem großen Mann im roten Anzug – eine bittere Pille, aber das nehmen wir sportlich. Schließlich können wir morgen einfach nochmal vorbeikommen. Die Aussicht, Santa persönlich die Hand zu schütteln, darf man sich nicht entgehen lassen.

Bevor wir gehen, schnappen wir uns noch ein T-Shirt für unseren Enkel, damit auch er ein bisschen vom Weihnachtszauber Alaskas abbekommt. Dann verlassen wir das Weihnachtswunderland und setzen unsere Reise in Richtung Fairbanks fort, begleitet von einem Kopf voller Glitzer, einem Herz voller Weihnachtsstimmung und einem Auto, das leicht nach Zuckerstangen duftet.

Nach einem köstlichen Abendessen machen wir uns auf den Weg zur Hoodoo Brewery, die uns bei unserem letzten Besuch in Fairbanks vor vier Jahren restlos begeistert hat. Schon damals war uns diese kleine Brauerei mit ihrem besonderen Charme aufgefallen, und auch diesmal sind wir voller Vorfreude.

Im Gewerbegebiet angekommen, entdecken wir zwei deutsche Feuerwehrfahrzeuge, die unerwartet zwischen den Lagerhallen stehen. Ein witziger Kontrast, der uns den Weg zur unscheinbaren Halle weist, in der sich die Magie der Braukunst entfaltet. Vor den glänzenden Braukesseln erwartet uns eine kleine, rustikale Theke, an der die Tageskarte mit frisch gezapften Biersorten zum Probieren einlädt.

Wir haben Glück und ergattern einen der begehrten Tische, die den Gästen hier zur Verfügung stehen. Diejenigen, die keinen Platz finden, lassen sich davon nicht beirren. Sie stehen einfach draußen auf dem Parkplatz, Bier in der Hand, und plaudern mit Gleichgesinnten. Es ist diese ungezwungene Atmosphäre, die den Ort so besonders macht. Laut, lebendig, und trotzdem entspannt – der perfekte Mix.

Foodtrucks sorgen vor der Brauerei für kulinarische Highlights. Von Tacos über BBQ bis hin zu veganen Bowls ist für jeden Geschmack etwas dabei. Auch wenn wir schon gut gegessen haben, reizt uns der Gedanke an einen kleinen Snack. Aber wir bleiben stark und konzentrieren uns auf das Wesentliche: das Bier. Mit unseren vollen Gläsern stoßen wir an und genießen die einfache, aber einzigartige Stimmung.

Nachdem wir die entspannte Zeit bei Hoodoo ausgiebig genossen haben, machen wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht. Zum Glück erlaubt der örtliche Walmart das Übernachten auf seinem Parkplatz – ein Klassiker für Camper in den USA. Passenderweise steht auch noch ein kleiner Einkauf auf unserer To-Do-Liste.

Wir finden einen gemütlichen Parkplatz, eingerahmt von einem Bäumchen, das fast schon idyllisch wirkt. Nachdem wir unseren Camper für die Nacht eingerichtet haben, schnappen wir uns die Einkaufsliste und schlendern in den Walmart. Es gibt noch ein paar wichtige Vorräte aufzufüllen, und der Gedanke, morgen früh gut ausgerüstet aufzuwachen, macht uns jetzt schon zufrieden.

Walmart Boondocking

Zurück im Camper mache ich es mir gemütlich und gönne mir eine kurze Internetrecherche. Vielleicht können wir heute Nacht das Glück haben, eines der faszinierendsten Naturschauspiele der Welt zu erleben: die Aurora Borealis. Schon der Gedanke daran, die tanzenden Nordlichter am Himmel zu sehen, lässt mein Herz schneller schlagen.

Fairbanks zählt weltweit zu den besten Orten, um dieses beeindruckende Naturphänomen zu beobachten. Die Nordlichtsaison beginnt hier bereits Ende August und erstreckt sich bis in den April. Der perfekte Mix aus dunklen Nächten, klarer Luft und der Nähe zum geomagnetischen Pol macht die Region ideal für alle, die auf die magischen grünen Lichtmuster hoffen.

Meine Recherche führt mich auf die Website Explore Fairbanks, die eine praktische 5-Tage-Vorhersage für Nordlichter bietet. Für heute Nacht wird die Aktivität als „moderat“ eingestuft. Das bedeutet, dass es gute Chancen gibt – aber eben keine Garantie. Besonders empfohlen werden das Creamer’s Field, nur wenige Meilen von unserem aktuellen Standort entfernt, und der Cleary Summit, etwa 32 Meilen außerhalb der Stadt.

Wir beschließen, es zunächst mit dem Creamer’s Field zu versuchen. Nach nur wenigen Minuten Fahrt erreichen wir den Parkplatz des ehemaligen Vogelreservats, das nun als einer der besten Spots zur Nordlichtbeobachtung in Fairbanks gilt. Hier soll es dunkel genug sein, um die zarten Lichter am Himmel zu sehen. Es ist bereits 1 Uhr nachts, und die Welt um uns scheint in einem stillen Schlaf zu versinken. Doch der Himmel bleibt – zu meinem leisen Bedauern – genauso dunkel wie die Nacht.

Da wir schon unterwegs sind, fällt unsere Entscheidung leicht: Wir geben dem Cleary Summit eine Chance. Der Aussichtspunkt, den die Website empfiehlt, liegt weiter draußen, entlang des Steese Highways, und ist bekannt für seine klaren Bedingungen und die weite Sicht. Während Stefan den Camper durch die Nacht steuert, halte ich die Augen offen, stets hoffend, dass der Himmel endlich seinen grünen Tanz beginnt.

Es ist stockdunkel, und die Straßen wirken endlos. Bei Meile 20 entdecken wir schließlich den beschriebenen großen Rastplatz, der uns wie ein kleines Versprechen in der Dunkelheit erscheint. Hier ist Übernachten erlaubt, und der Platz wirkt so ruhig und friedlich, dass wir uns entscheiden, den Rest der Nacht hier zu verbringen.

Wir parken den Camper und richten uns für die Nacht ein. Doch statt sofort ins Bett zu gehen, starre ich aus dem Fenster. Vielleicht, nur vielleicht, gibt uns der Himmel doch noch einen kleinen Vorgeschmack auf sein leuchtendes Spektakel? Doch die Dunkelheit bleibt ungebrochen.

Zurück in meinem Bett lasse ich die Nacht auf mich wirken. Die Stille, die Dunkelheit, die ungewisse Spannung. Wo genau wir uns befinden, werden wir erst am Morgen sehen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Landschaft enthüllen. Bis dahin bleibt uns nur, von tanzenden Lichtern zu träumen.

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