Unterwegs von Whitehorse nach Seattle: Vom Camper mit den Flugzeug zum Mietwagen

Mit einem Hauch Wehmut verabschieden wir uns heute von unserem treuen Camper, aber vorher liegt noch ein ganzer Tag voller Möglichkeiten vor uns. Und wie startet man besser, als mit einem herzhaften Frühstück? Legend’s Smoke House & Grill – hier hat uns schon bei unserer ersten Morgen-Mahlzeit in Whitehorse das Essen begeistert, also war die Wahl einfach. Frisch gebrühter Kaffee, knuspriger Bacon und fluffige Pancakes – ein Start in den Tag, wie er sein sollte.

Praktischerweise lag unser Nachtlager, der Parkplatz des Real Canadian Superstore, nur ein paar Schritte entfernt. Ein kurzer Spaziergang und schon saßen wir in vertrauter Atmosphäre, bereit, uns nochmal verwöhnen zu lassen.

Real Canadian Superstore

Heute ist unser letzter Tag in Whitehorse, und obwohl der Abschied von dieser faszinierenden Stadt näher rückt, haben wir noch einige Stunden, um die Magie des Yukons zu genießen. Aber Moment, bevor wir uns in die Planung stürzen, gibt es ein dringend zu lösendes Problem: unser knurrender Magen.

Da kommt uns eine Idee – warum nicht einen bewährten Klassiker genießen? Legend’s Smoke House & Grill hatte uns schon an unserem ersten Morgen hier begeistert, also fiel die Entscheidung leicht. Unser Camper ist bereits ausgeräumt, die Küche glänzt, und wir haben keine Lust, das perfekte Chaos noch einmal zu entfachen. Der große Vorteil: Wir müssen nur vom Real Canadian Superstore, wo wir übernachtet haben, einmal um die Ecke schlendern. Praktischer geht’s nicht.

Die vertrauten Düfte von frisch gebrühtem Kaffee und kross gebratenem Speck empfangen uns, und unsere Laune hebt sich schlagartig. Ich entscheide mich für die üppigen Pancakes mit Ahornsirup, während Stefan sich das klassische Yukon-Frühstück mit Eiern und Wurst gönnt. Das Essen ist genauso gut wie beim ersten Mal, und wir sitzen gemütlich in der Morgensonne, während die letzten Tage noch einmal vor unserem inneren Auge ablaufen. Ein Moment des Genusses und der Dankbarkeit.

Downtown Whitehorse

Gut gestärkt setzen wir uns in den Camper – nicht, um zu fahren, sondern um unser weiteres Programm zu planen. Wir haben bis zum Nachmittag Zeit, bevor unser Flieger nach Vancouver abhebt. Unsere erste Idee: Kleidung spenden, die wir nicht mehr mit nach Hause nehmen wollen. Der Yukon hat uns so viele unvergessliche Erlebnisse geschenkt, da können wir ruhig etwas zurückgeben.

Ein kurzer Stopp im Visitor Center, und wir sind schlauer: Der Whitehorse Community Thrift Store freut sich über Spenden. Perfekt, denn dieser befindet sich praktischerweise in der Nähe des Yukon Inn. Als wir dort ankommen, werden wir mit offenen Armen empfangen. Unsere gut erhaltenen Stücke lösen wahre Begeisterung aus. Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass wir jemanden ein kleines bisschen glücklicher machen können.

Natürlich bleibt es nicht bei der Kleiderspende. Direkt nebenan befindet sich ein Dollar Store, und wenn es eine Sache gibt, der wir nicht widerstehen können, dann ist es das ziellose Stöbern in solchen Geschäften. Wer weiß, welche kuriosen Schätze wir hier entdecken? Nach einer halben Stunde verlassen wir den Laden mit ein paar Kleinigkeiten und einem Lächeln im Gesicht.

Downtown Whitehorse

Mittlerweile hat die Uhr bereits 12:30 Uhr geschlagen, und die nächste Frage steht im Raum: Wo essen wir? Wir parken unseren Camper noch einmal am Visitor Information Center, um die belebte Hauptstraße zu Fuß zu erkunden. Unsere Wahl fällt auf das Burnt Toast Cafe, das von Reisenden und Einheimischen gleichermaßen empfohlen wird.

Das kleine, charmante Lokal ist ein echter Geheimtipp. Die Atmosphäre ist einladend, die Einrichtung rustikal-modern, und die Gerichte auf der Speisekarte klingen vielversprechend. Ich entscheide mich für das Tagesangebot – eine cremige Kartoffelsuppe mit hausgemachtem Brot – und Stefan bestellt sich einen frischen Caesar Salad mit extra Speck. Die Portionen sind großzügig, und der Geschmack übertrifft unsere Erwartungen. Es ist ein gebührender Abschluss für unsere kulinarischen Erlebnisse in Whitehorse.

Burnt Toast Cafe

Nach dem Mittagessen kommt der unvermeidliche Moment: die Rückgabe unseres treuen Campers bei CanaDream. Während der Fahrt zur Vermietstation blicken wir immer wieder wehmütig auf die Landschaft und denken an all die unvergesslichen Abenteuer, die wir in diesem kleinen mobilen Zuhause erlebt haben.

Der Rückgabeprozess, vor dem wir uns anfangs ein wenig gefürchtet hatten, entpuppt sich als erfreulich unkompliziert. Die freundliche Mitarbeiterin begrüßt uns mit einem Lächeln, inspiziert den Camper einmal außen und innen – und das war’s. Ein paar Unterschriften später sind wir offiziell ohne fahrbaren Untersatz.

Da der Shuttle-Service in der Nebensaison nicht mehr angeboten wird, bestellt CanaDream uns ein Taxi zum Flughafen. Eine nette Geste, die wir sehr zu schätzen wissen. Innerhalb von fünf Minuten sind wir dort – viel zu früh, aber das stört uns nicht. Es gibt genügend Zeit, die letzten Eindrücke zu verarbeiten und uns auf den nächsten Abschnitt unserer Reise zu freuen.

Danke, Whitehorse! Danke, Yukon!

Während wir auf unseren Flug warten, schwelgen wir in Erinnerungen. Diese Reise war ein Abenteuer, das wir nie vergessen werden: die schier endlose Weite der Landschaft, die faszinierenden Tiere, die wir beobachten durften, und die herzlichen Menschen, die uns unterwegs begegnet sind. Der Yukon hat unser Herz im Sturm erobert, und wir nehmen nicht nur Fotos und Souvenirs mit nach Hause, sondern auch eine Fülle an Geschichten, die wir immer wieder erzählen werden.

Whitehorse Airport

Nach etwa einer Stunde geduldiger Wartezeit öffnete schließlich der Schalter von Yukon Air, und wir konnten unsere Koffer problemlos abgeben. Es lief alles reibungslos, und die freundlichen Mitarbeiter ließen uns wissen, dass unsere Reise in den nächsten Abschnitt starten konnte – zumindest fast. Denn jetzt hieß es erst einmal, die verbleibende Zeit bis zum Boarding zu überbrücken.

Kurz darauf öffnete auch der kleine Souvenir-Shop im Flughafen. Und wie ein Geschenk des Himmels gab es dort auch frisch gebrühten Kaffee. Ein doppelter Gewinn! Wir gönnten uns jeder eine Tasse und schlenderten durch die Regale, die mit typisch kanadischen Andenken gefüllt waren – von Plüsch-Elchen über Ahornsirup in allen Größen bis hin zu kunstvollen Postkarten. Ein paar kleine Mitbringsel wanderten natürlich auch in unser Handgepäck, schließlich mussten wir den Yukon gebührend verabschieden.

Etwa eine halbe Stunde später ging es endlich einen Schritt weiter: Der Security Check öffnete. Hier bewiesen die Sicherheitsbeamten beeindruckende Gründlichkeit. Mit einem charmanten Lächeln und einem strengen Blick wurden unsere Taschen durchleuchtet und wir selbst kontrolliert – fast wie bei einer königlichen Audienz. Nachdem wir diese Hürde gemeistert hatten, fanden wir uns in der kleinen, gemütlichen Abflughalle wieder. Der Ausblick von hier war ein Highlight: Die große Glasfront bot freie Sicht auf die Start- und Landebahn, wo die kleinen Maschinen von Yukon Airein- und ausflogen.

Pünktlich wurde schließlich das Boarding aufgerufen, und wir durften in den gemütlichen Flieger der Yukon Aireinsteigen. Die Sitze waren erstaunlich bequem, und die überschaubare Größe der Maschine machte die Atmosphäre beinahe familiär. Gerade als wir uns auf den Start vorbereiteten und die Crew ihre letzten Ansagen machte, meldete sich unser Flugkapitän über die Lautsprecher. Mit ruhiger Stimme erklärte er, dass wir noch einen Moment warten müssten – ein verspäteter Passagier sei auf dem Weg, und dies sei sein Anschlussflug.

Air North 737-400

Dieser Moment zauberte uns ein Schmunzeln ins Gesicht. Es war typisch für den Yukon: Kein hektisches Drängen, kein Stress. Stattdessen die herzliche Bereitschaft, auf jemanden zu warten, um sicherzustellen, dass alle gemeinsam ans Ziel kommen.

Schließlich hoben wir mit einer halben Stunde Verspätung ab, bereit für das nächste aufregende Kapitel unserer Reise. Der Start verlief ruhig, und kaum hatten wir die Wolken durchbrochen, öffnete sich vor uns eine malerische Kulisse: schneebedeckte Gipfel, dichte Wälder und glitzernde Flüsse, die sich wie silberne Bänder durch die Landschaft zogen. Der Yukon verabschiedete uns mit einem Anblick, der uns ein Lächeln aufs Gesicht zauberte.

Unser Flug verlief überraschend angenehm – ehrlich gesagt, fast luxuriös für einen kurzen Inlandsflug. Die Crew reichte Getränke, ein überraschend leckeres Sandwich, einen Cookie und heißen Kaffee. Und das Beste daran: Alles war kostenlos! Im Vergleich zu den kargen Snacks auf innereuropäischen Flügen fühlte sich dieser Service wie ein Upgrade in die Business Class an. Wir tauschten amüsiert Blicke aus, während wir uns durch die kleinen Leckereien arbeiteten – ein wahrer Genuss.

Pünktlich landeten wir in Vancouver, kaum zwei Stunden nach dem Start. Der Landeanflug bot eine spektakuläre Aussicht auf die Skyline der Stadt und das glitzernde Wasser des Pazifiks. Trotz der Verspätung beim Abflug verlief das Entladen zügig – und weil das Flugzeug klein war, mussten wir auch nicht lange auf unsere Koffer warten. Es schien, als würde der Tag uns keine Steine in den Weg legen.

Unser nächstes Ziel war die Autovermietung, und hier wurden wir erneut positiv überrascht. Das Car Rental Center befand sich direkt am Flughafen – keine klapprigen Shuttlebusse, keine Wartezeiten in der Kälte. Mit wenigen Schritten standen wir am Schalter, bereit, die Schlüssel für unseren Mietwagen abzuholen. Ein schneller Blick auf die Reservierung bestätigte: Für die verbleibenden zwei Tage hatten wir uns einen Midsize SUV ausgesucht.

Ford Escape

Die Abholung war unglaublich unkompliziert. In weniger als 30 Minuten saßen wir bereits in unserem neuen Gefährt, einem Ford Escape. Nach den mehr als zwei Wochen mit einem riesigen Pickup kam uns dieser SUV fast wie ein Spielzeugauto vor. Wir mussten lachen, als Stefan sich ans Steuer setzte und meinte: „Wo sind die ganzen Knöpfe? Und wo ist der Platz für unsere Campingausrüstung?“ Die Umstellung war seltsam, aber irgendwie auch erfrischend – ein kleiner, wendiger Begleiter für die nächste Etappe unserer Reise.

Und so ging es weiter: Von Vancouver aus direkt über die Grenze in die USA. Ein neuer Abschnitt unseres Abenteuers begann, und die Straße vor uns versprach noch viele Geschichten, die darauf warteten, erzählt zu werden.

Obwohl Vancouver oft als die schönste Stadt der Welt bezeichnet wird (eine Ehre, die sich übrigens auch San Francisco gerne auf die Fahne schreibt), haben wir beschlossen, den Lobeshymnen zu trotzen und stattdessen nach Süden zu fahren. Unser Ziel: Seattle, für mich persönlich eine der schönsten Städte in den USA. Doch diesmal wird unser Besuch dort eher kurz und knackig sein – morgen steht etwas ganz anderes auf dem Programm: Power-Shopping.

Aber bevor wir uns in die Einkaufshölle stürzen, führt uns unser Weg nach Bellingham, wo wir den Abend entspannt ausklingen lassen wollen. Stefan hat schon alles minutiös geplant: ein Restaurant für das Abendessen und ein gemütliches Hotel sind gebucht. Gegen 21 Uhr rollen wir müde, aber hungrig in Bellingham ein und steuern direkt die Aslan Brewing Company an.

Das Brauhaus ist beeindruckend: groß, modern und bis zum letzten Platz gefüllt. Die lebhafte Atmosphäre lässt die Müdigkeit fast vergessen. Die Speisekarte lässt keine Wünsche offen, und wir entscheiden uns beide für den Classic Bison Burger – ein echter Klassiker, der einfach immer geht. Stefan ergänzt seine Wahl mit einem Glas Desolate Angels, während ich mich für das Helles Vollbier entscheide. Und was soll ich sagen? Diese Kombination ist der Knaller. Der saftige Burger und das perfekt abgestimmte Bier harmonieren so gut, dass wir nach jedem Bissen und Schluck selig nicken.

Natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe mir für meine Sammlung zu Hause gleich ein schickes Pint-Glas gegönnt – schließlich muss man sich an solche kulinarischen Höhepunkte auch daheim erinnern können.

Gut gesättigt und absolut zufrieden verlassen wir das Brauhaus. Unser Hotel liegt nur drei Minuten entfernt, und der Gedanke, ins Bett zu fallen, lässt uns die kurze Fahrt fast wie im Traum erleben. Es war ein langer Tag, voller kleiner Abenteuer und neuer Eindrücke. Jetzt freuen wir uns auf ein weiches Bett und einen erholsamen Schlaf – morgen wartet das Shopping auf uns!

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