
Lockdown. Mit dem letzten Flug zurück nach Hause. Ein aufregender Roadtrip geht zu Ende.
Heute ist der Tag, an dem wir unsere Reise aus einem sogenannten COVID-19 Risikogebiet zurück nach Hause antreten – und das sogar einen Tag früher als geplant. Ehrlich gesagt, sind wir froh, dass wir überhaupt noch nach Hause kommen können. Laut dem Robert-Koch-Institut gilt Washington als ein solches Risikogebiet, und Seattle liegt nun mal mitten in diesem Bundesstaat. Die Aufregung ist fast greifbar, während wir uns auf den Rückweg vorbereiten.
“Wer ist eigentlich dieses Robert-Koch-Institut?”, frage ich mich, und ehrlich gesagt, von Lockdown habe ich bis vor ein paar Tagen auch noch nie etwas gehört. Verrückt, was in den letzten zwei Wochen alles passiert ist. Zuhause sind die Geschäfte geschlossen, und man soll das Haus nur noch im Notfall verlassen. Kaum zu fassen.
Unsere Köpfe sind voller Fragen und Unsicherheiten. Was erwartet uns zu Hause? Werden wir direkt zum Arzt müssen, um uns testen zu lassen oder sogar in Quarantäne geschickt werden? Die Antworten darauf bleiben vorerst ein Rätsel, und Google, unser sonst so treuer Begleiter in vielen Situationen, hilft diesmal kaum weiter. Es fühlt sich an, als würden wir eine spannende Geschichte lesen, in der wir selbst die Hauptrollen spielen und uns einfach von der Handlung überraschen lassen müssen.
Die Hotellobby wird zum vorläufigen Anlaufpunkt. Hier holen wir unsere Vesper-Tüten ab. Gestern schon haben wir bemerkt, wie sich die übliche Hotelroutine verändert hat. Statt wie gewohnt im Restaurant zu speisen, bekommen wir nun sorgfältig verpackte Speisen, die uns direkt ins Zimmer gebracht werden. Der Saft, den es früher frisch serviert gab, kommt nun in einem kleinen Joghurtbecher daher. Verrückt, wie schnell sich alles geändert hat. Und eigentlich hatten wir uns schon so auf das leckere Frühstück gefreut! Gestern hatten wir noch vielversprechende Listen bekommen, auf denen wir alles ankreuzen konnten. Heute? Alles umgestellt, verpackt wie im Flugzeug. Nicht gerade das, was wir uns erhofft hatten. Es fühlt sich ein wenig an, wie ein seltsamer Traum.
Es ist wirklich seltsam und ein wenig surreal, wie sich unsere Reise durch diese unvorhersehbaren Umstände verändert hat. Doch inmitten dieser ganzen Unsicherheit und den ungewöhnlichen Situationen nehmen wir uns vor, das Beste daraus zu machen und unsere Reiseberichte mit jeder Wendung noch spannender und interessanter zu gestalten. Auf geht’s in das nächste Kapitel unserer Reise – zurück nach Hause aus einem COVID-19 Risikogebiet.

Der Morgen beginnt, wie es bei uns auf Reisen oft der Fall ist: mit der ewigen Suche nach dem perfekten Kaffee. Doch diesmal sollte es nicht sein – die Kaffeebeschaffung entpuppt sich als kleine Enttäuschung. Der Kaffee, den wir im Hotel serviert bekommen, ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was man sich unter einem genussvollen Morgengetränk vorstellt. Ehrlich gesagt, er schmeckt einfach nur… eklig.
Die wenigen Gäste, die sich hier im Hotel aufhalten, lassen uns erahnen, dass die Kaffeetassen hier wohl schon länger nicht wirklich gefragt sind. Die ehemals riesigen Kannen, die den frischen, duftenden Kaffee beherbergten, stehen jetzt eher als verwaiste Monumente da. Die Kannen warten sozusagen sehnsüchtig darauf, dass jemand ihren Inhalt wertschätzt – aber alles, was wir bekommen, ist lauwarm, bitter und einfach… naja, einfach nicht gut. Ein erster enttäuschter Schluck, ein angewidertes Gesicht und ein „Bäh!“
Aber! Lasst euch nicht täuschen, wir sind Reisende, die sich nicht von solch kleinen kulinarischen Rückschlägen abbringen lassen. Inmitten der Reiseabenteuer gibt es immer noch genügend Platz für Entdeckungen – auch beim Kaffee. Diese kleine Enttäuschung wird uns nicht die Laune verderben. Schließlich warten noch so viele unerforschte Möglichkeiten da draußen. Die Suche nach dem perfekten Kaffeeabenteuer geht weiter!


Die Abenteuerlust treibt uns voran, und die Hoffnung, irgendwo unterwegs einen kulinarischen Schatz zu entdecken, lässt uns nicht los. Wir fahren gen Norden und nach etwa 20 aufregenden Kilometern taucht vor uns die Lewis and Clark Bridge auf, die majestätisch über den mächtigen Columbia River führt.
In diesem Moment wird uns klar: Wir haben offiziell das Gebiet der Corona-Risiken erreicht. Es ist ein seltsames Gefühl, jetzt in eine neue Phase unserer Reise einzutreten. Doch äußerlich scheint noch alles so „normal“ zu sein. Die Straßen sind belebt, die Landschaft weiterhin atemberaubend, und die Menschen gehen ihrem gewohnten Alltag nach. Aber die Details – diese winzigen, fast unsichtbaren Änderungen – die lassen uns wissen, dass nichts mehr so ist, wie es war.
Der Magen knurrt, und wir beschließen, uns einen kulinarischen Halt zu gönnen und ein „richtiges“ Frühstück in einem der lokalen Denny’s Restaurants zu genießen. Doch als wir dort ankommen, müssen wir die Realität der Pandemie schonungslos erkennen: Die Restaurants sind geschlossen. Eine leere Parkplatzreihe und düstere Fenster – kein „Big Breakfast“ in Sicht. Die Enttäuschung sitzt, doch wir lassen uns nicht unterkriegen und fragen uns insgeheim, wie viele solcher Momente noch kommen werden.
Die Suche nach dem Frühstück hat sich also offiziell zur Challenge entwickelt! Aber hey, wir sind abenteuerlustig und bereit, uns diesem kleinen Rückschlag zu stellen. Nichts, was ein bisschen Humor und der unerschütterliche Glaube an das nächste kulinarische Abenteuer nicht lösen können. 😅



Unsere kulinarische Odyssee führt uns schließlich zu einem rettenden Hafen: dem Safeway-Supermarkt. Dort erblicken wir sie – das Orange Chicken, ein Gericht, das wir so gerne bei den verschiedenen Asia-Fast-Food-Ketten in den Einkaufszentren genießen. Perfekt, denken wir, und greifen freudig zu.
Mit einem Lächeln kehren wir zu unserem Auto zurück, bereit, dieses unerwartete Mahl zu genießen. Doch beim ersten Bissen bemerken wir sofort den Unterschied. Das Orange Chicken hat einen intensiven Orangengeschmack, der sich ganz anders anfühlt als das, was wir von den Fast-Food-Chinesen gewohnt sind. Es ist, als ob sich der Geschmack in eine unerwartete Richtung entwickelt hat. Die Enttäuschung ist spürbar, da wir eigentlich das klebrig-süße Hühnchen erwartet hatten, das wir so lieben. Doch, wie das Leben eben so spielt, hält es eben auch bei den einfachen Mahlzeiten manchmal eine Überraschung bereit.
Mit einem leicht enttäuschten, aber humorvollen Blick auf unser unkonventionelles Essen setzen wir unsere Reise fort und fahren etwa eine Stunde, bis wir endlich den Flughafen erreichen. Bei Alamo ist überraschend wenig los, und wir geben unseren treuen Jeep ohne größere Probleme ab. Doch dann, bei der Endabrechnung, folgt die nächste Überraschung: Die One-Way-Miete wurde doch noch in Rechnung gestellt.
Das Orange Chicken-Abenteuer war definitiv eine Geschmacksexplosion, die wir so nicht erwartet hatten! Jetzt heißt es Abschied nehmen vom Jeep und den letzten Momenten dieser aufregenden Reise.


Ich beeile mich, ins Alamo-Büro zu gehen, und erkläre dem freundlichen Mitarbeiter, dass sein Kollege von der Hotline uns versichert hatte, dass die One-Way-Miete erlassen würde. Er nimmt sich sofort dem Anliegen an, findet den entsprechenden Hinweis in seinem Computer und entschuldigt sich aufrichtig für die anfängliche Verwirrung. Kein Problem, denke ich, wir konnten diese kleine Unstimmigkeit gemeinsam klären. Und ich kann wirklich nicht oft genug betonen, wie beeindruckend der Kundenservice von Alamo ist. 👍
Ein Shuttle-Bus steht bereit, um uns zum Terminal zu bringen, und wir haben ihn ganz für uns allein. Die Uhr zeigt an, dass wir noch früh dran sind – es werden sicher noch gut zwei Stunden vergehen, bis wir einchecken können. Aber das ist kein Problem, denn in der Gina Marie Lindsay Arrivals Hall sind wir praktisch allein. Wir suchen uns einen gemütlichen Platz an einem kleinen Tisch. Hier können wir die Zeit in aller Ruhe genießen.
Und so geht unser Abenteuer zu Ende – entspannt, ohne Hektik und mit der Gewissheit, dass die kleinen Unstimmigkeiten der Reise immer wieder für interessante Wendungen sorgen!

Stefans Fuß bereitet ihm seit gestern nach unserer kurzen Wanderung zu den Bridal Veil Falls Schmerzen. Ohne zu zögern, mache ich mich auf den Weg, um Eis für seinen Fuß und eine Tasse Kaffee für mich zu besorgen. Am anderen Ende des Terminals habe ich Glück und finde beides. Mit einer Handvoll Eiswürfeln und einem dampfenden Becher Kaffee in meinen Händen mache ich mich auf den Rückweg.
Der Flughafen erweist sich als erstaunlich menschenleer. Alles sieht aus wie gewohnt, abgesehen von einigen Hinweisschildern zum Thema Covid-19 und ein paar Menschen, die Gesichtsmasken tragen. Es herrscht keine Panik oder Chaos, nur eine ruhige Atmosphäre.
Trotz der unvorhergesehenen Wendungen und Herausforderungen, die unsere Reise geprägt haben, sind wir dankbar, dass wir diese zwei Wochen erleben durften. Es war ein Roadtrip der ganz besonderen Art, den wir mit Sicherheit nie vergessen werden. Selbst die verschiedenen Lockdowns und Beschränkungen konnten unseren Urlaub nicht trüben – wir haben jeden Moment in vollen Zügen genossen und eine großartige Zeit miteinander verbracht.
Wir haben gelernt, dass ein Ribeye-Steak, das auf der Motorhaube eines Autos genossen wird, genauso köstlich schmecken kann wie in einem schicken Restaurant. Und wir wissen jetzt, wie es ist, von jetzt auf gleich aus einem Hotel auschecken zu müssen. Selbst Erkältungen und Fußverletzungen konnten uns nicht davon abhalten, das Beste aus unserer Reise herauszuholen.
Und natürlich haben wir unzählige Fotos gemacht, die uns immer an diesen chaotischen Roadtrip erinnern werden. Ob es nun die klassischen Aufnahmen von den Nationalparks wie Zion oder den National Monuments wie Canyon De Chelly sind, oder die Bilder von versteckten Schätzen wie dem Nautilus oder den Yant Flats. Nicht zu vergessen die wunderbaren alten Autos, die wir in Seligman an der Route 66 entdeckt haben. Die Liste der Highlights ist lang, und wir werden diese Erinnerungen für immer schätzen.



Trotz der Corona-Krise überkommt mich wie bei jeder Abreise aus den USA eine leichte Wehmut. Andererseits freue ich mich unglaublich auf die Heimat, besonders darauf, unseren kleinen Enkel wieder in die Arme schließen zu können.
Aber jedes Mal, wenn wir uns auf den Weg nach Hause machen, sind wir sicher, dass wir wiederkommen werden. Meistens haben wir die nächsten Flüge bereits gebucht, und die grobe Planung für unseren nächsten Roadtrip ist bereits in vollem Gange. Und so ist es auch dieses Mal. Die nächste Reise wird zu sechst sein: Meine Tochter, ihr Mann und der kleine Noah, der bereits auf der Welt ist, und das noch ungeborene Baby meiner Tochter, das zu dem Zeitpunkt, wenn wir losfliegen, gerade einmal 4 Monate alt sein wird.
Wir hoffen inständig, dass dieser verdammte Virus uns nicht in die Quere kommt. Aber heute wollen wir noch nicht daran denken. Jetzt können wir einchecken, und es sind nur zwei andere Paare am Check-In-Schalter. Das ist ungewöhnlich – normalerweise gibt es hier immer eine längere Schlange. Wir bekommen Fensterplätze in einer 2er-Reihe zugewiesen. Perfekt.
Unsere Koffer haben beide ein wenig Übergewicht, und das liegt daran, dass wir unzählige Babysachen im Gepäck haben. Aber die Dame am Check-In-Schalter scheint das nicht zu interessieren.
Mit einem verschmitzten Blick zu Stefan sage ich: “Siehst du, es geht doch.” Jedes Mal, wenn unsere Koffer zu schwer sind – und das ist immer der Fall – tadelt er mich: “Ich habe keine Lust, am Flughafen Koffer umzupacken oder noch schlimmer, für Übergepäck zu zahlen.” Meine Antwort lautet dann immer: “Mach dir keine Sorgen, das passt schon, ich habe alles im Griff.”
Und was soll ich sagen? Wir hatten bisher noch nie(!) Schwierigkeiten. Oder etwa doch, Stefan?

Wir begeben uns zum Gate, und auch hier fällt uns relativ wenig los, was uns etwas verwundert. Ich hätte erwartet, dass dieser vorerst letzte Flug nach Deutschland bis auf den letzten Platz ausgebucht wäre.
In einem Gespräch mit einem der Ramp Agents, der zufällig auch Deutscher ist und in Plauderlaune, frage ich nach. “Ist der Flug wirklich komplett ausgebucht?” frage ich. Er nickt und erklärt: “Ja, tatsächlich. Aber weniger als die Hälfte der Plätze sind besetzt, da viele Zubringerflüge gestrichen wurden, und die Reisenden es einfach nicht rechtzeitig nach Seattle geschafft haben.” Oh, Mann, denke ich, unsere Entscheidung, hierher zu fahren, war wirklich goldrichtig.
Das Boarding geht dank der geringen Passagierzahl schnell vonstatten. Dennoch stehen wir noch eine Weile auf dem Rollfeld, da man auf die Ankunft von zwei weiteren Fluggästen wartet. So kommt es, dass wir nicht nur einen Fensterplatz, sondern eine ganze Mittelreihefür uns haben. Jeder hat seinen eigenen Platz, und es scheint, als ginge es allen anderen Fluggästen genauso.
Wir breiten uns aus und genießen den zusätzlichen Platz. Der Service an Bord ist eingeschränkt, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Wir erhalten zwar warmes Essen, aber anstelle der üblichen Tabletts werden uns Tüten gereicht, in denen alles enthalten ist, was wir benötigen.
Mit einem Lächeln auf den Lippen denken wir daran, wie wir uns auf diesem bequemen Flug genussvoll ausstrecken und die Annehmlichkeiten genießen können. Es scheint fast so, als hätten wir den Luxus eines Privatjets für uns allein.



Das Entertainment-Programm wird komplett freigeschaltet, eine großzügige Geste, die uns die Langstrecke versüßt. Wir schnappen uns unsere eigenen Kopfhörer und lassen uns von Filmen, Musik und Shows unterhalten. Nach dem wirklich guten und ausreichenden Essen beschließen wir, uns in unseren Sitzreihen auszustrecken und die Atlantiküberquerung einfach zu verschlafen. Erst als wir über Großbritannien fliegen, werden wir wieder wach, rechtzeitig zum Frühstück – ebenfalls aus einer Papier-Tüte serviert.
Wir landen mehr als eine Stunde früher als geplant in Frankfurt. Dank unserer Priority-Tickets kommen unsere Koffer gleich zu Beginn der Gepäckausgabe. Aber dann stellt sich die Frage: Können wir einfach den Flughafen verlassen? Schließlich kommen wir aus einem Risikogebiet.
Die Antwort lautet ja, wir können. Es gibt keinerlei Kontrollen oder Fragen. Wir können den Flughafen einfach verlassen. Ein Stein fällt mir von Herzen, obwohl es seltsam ist. Wir warten ungefähr 30 Minuten auf unseren ICE-Zug nach Stuttgart. Auch hier gibt es keine Kontrollen, aber der Zug ist ungewöhnlich leer.
Gegenüber von uns sitzt ein älteres Ehepaar. Die Frau telefoniert und weint vor Freude, wieder in Deutschland zu sein. Offensichtlich hatten die beiden eine schwierige Odyssee hinter sich.
Wir sind dankbar, gesund und relativ problemlos zu Hause angekommen zu sein. Die Erinnerungen an unseren aufregenden Roadtrip werden uns noch lange begleiten, aber jetzt freuen wir uns darauf, unsere Familie wiederzusehen und die vertrauten Orte in Deutschland zu genießen.
