
Überraschende Wendungen: Stornierungen, die Route 66, Schnee & spontanen Planänderungen
Unser Tag beginnt entspannt, denn der ursprüngliche Plan, von Las Vegas nach Sedona zu fahren, wurde kurzerhand angepasst. Dank unseres “freundlichen Rausschmisses” aus Las Vegas haben wir uns in Kingman niedergelassen – und sparen uns so ganze zwei Stunden Fahrzeit. Eine kleine Änderung, die große Freude bringt!
Pünktlich um 7:30 Uhr schlendern wir gut gelaunt zum Frühstücksbuffet. Der erste Eindruck: ein Traum für Frühstücksliebhaber! Doch unser Blick wird direkt von zwei Waffelautomaten angezogen, die bereits fest in den Händen zweier äußerst ambitionierter Damen sind.
Bei der einen scheint das Waffelglück schon früh gescheitert zu sein – schwarzer Rauch steigt bedrohlich aus ihrem Gerät auf. Ob das noch als knusprig durchgeht, wage ich zu bezweifeln. Die zweite Dame hingegen hat das genaue Gegenteil vollbracht: Der Waffelteig fließt in einem regelrechten Strom aus dem Eisen, als hätte jemand einen Vulkan zur Frühstückszeit aktiviert. Ein wahres Spektakel!
Ich kann nicht anders, als mich zu fragen, was die zweite Dame wohl dachte, als sie nachlegte – ja, nachlegte! Teig tropft inzwischen in alle Richtungen, und das arme Waffeleisen gleicht eher einem Kunstprojekt als einem Küchengerät. Doch die beiden Damen wirken erstaunlich gelassen. Mit einer Engelsgeduld verharren sie vor ihren Maschinen, als stünde ihnen das Frühstück ihres Lebens bevor. Spoiler: Das wird es definitiv nicht.
Plan B muss her. Statt mich in das Drama um verkohlte oder überquellende Waffeln einzureihen, greife ich zu zwei Scheiben Brot und einer ordentlichen Portion Cheesecream. Flexibilität ist das A und O auf Reisen, nicht wahr?
Beim Verlassen des Frühstücksraums werfe ich einen letzten Blick auf die Szene. Die ältere der beiden Frauen kratzt mit einer Mischung aus Enttäuschung und Resignation an einer verkohlten Waffel herum, die wohl besser als Holzkohle durchgehen könnte. Manchmal läuft es eben nicht wie geplant. Aber das Schöne daran? Es ist nicht unser Problem!

Das Wetter ist einfach perfekt, und wir könnten nicht glücklicher darüber sein, dass wir endlich etwas mehr Zeit für Sedona haben. Dieses malerische Städtchen mit seinen leuchtend roten Felsen stand schon lange auf unserer Wunschliste – und jetzt ist es endlich soweit! Die Aussicht, dort zu übernachten und die Wanderwege in dieser spektakulären Landschaft zu erkunden, lässt uns vor Vorfreude strahlen.
Pünktlich um 8:30 Uhr verlassen wir Kingman und rollen auf die I-40 in Richtung Osten. Ursprünglich wollten wir der Interstate bis nach Flagstaff folgen und dann nach Süden in Richtung Sedona abbiegen. Doch wie es bei Roadtrips so oft passiert, lockt uns ein spontanes Abenteuer.
Nach etwa einer Stunde Fahrt entdecken wir die Ausfahrt nach Seligman – das Tor zur legendären Route 66. „Warum nicht?“, fragen wir uns, schließlich haben wir heute keinen engen Zeitplan. Mit einem Schwung biegen wir auf den historischen Asphalt ab und finden uns plötzlich auf einer der berühmtesten Straßen der Welt wieder.
Die Route 66 ist ein Symbol des Abenteuers, eine Straße voller Geschichten und Legenden, die sich einst über beeindruckende 2.451 Meilen von Chicago bis Santa Monica erstreckte. Hier rollten einst Oldtimer-Cadillacs, Motorräder und die Träume von Generationen, die das Unbekannte suchten.
Kaum sind wir auf der Route 66, fühlen wir uns wie Zeitreisende. Die Straße scheint Geschichten zu flüstern – von Reisenden, die mit Hoffnungen und Koffern vollgepackt unterwegs waren, und von kleinen Städten, die einst vom Glanz der „Main Street of America“ lebten.
Die Umgebung hat etwas Nostalgisches: kleine, urige Gebäude, die von vergangenen Zeiten erzählen, und bunte Schilder, die für Diner, Souvenirläden und Werkstätten werben. Es ist, als hätte die Zeit hier einen Moment innegehalten, und wir sind mittendrin in dieser einzigartigen Atmosphäre.
Mit jeder Meile spüren wir mehr von der Magie dieser Straße. Der Wind rauscht durch die Fenster, die Sonne scheint auf die Motorhaube, und für einen Moment fühlt sich alles ganz einfach an – wie damals, als die Route 66 das Versprechen von Freiheit und Abenteuer war.
BILDERGALERIE: Seligman on Route 66
Es ist nicht das erste Mal, dass wir auf dieser legendären Strecke unterwegs sind, aber so allein wie heute haben wir die Route 66 noch nie erlebt. Der Abschnitt zwischen Seligman und Kingman zählt zweifellos zu den schönsten und am besten erhaltenen Teilen der berühmten „Mother Road“. Er ist wie ein lebendiges Museum, das den Charme vergangener Zeiten bewahrt hat und mit seiner magischen Anziehungskraft Touristen aus aller Welt fasziniert. Hier spürt man den wahren „Spirit of the Route 66“ mit jeder Meile – normalerweise zumindest.
Doch heute ist alles anders. Es herrscht eine ungewöhnliche Stille. Keine Harley-Gruppen, die mit donnernden Motoren an einem vorbeirauschen. Keine Reisebusse, die Touristenströme an die Sehenswürdigkeiten bringen. Keine Wohnmobile, die sich in gemächlichem Tempo ihren Weg bahnen. Was ist los? Ist es der Corona-Effekt, der Wochentag oder die frühe Stunde? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Jedenfalls fühlt es sich an, als hätten wir diese historische Straße ganz für uns allein – ein seltsam melancholisches, aber auch aufregendes Gefühl.
Seligman, mit seinen gerade einmal 400 Einwohnern, ist das perfekte Symbol für die Route 66. Die Hauptstraße, die sich wie eine bunte Perlenkette durch den Ort zieht, ist gespickt mit Souvenirläden, charmanten Diners, nostalgischen Motels und alten Tankstellen, die von der Glanzzeit der Straße erzählen. Jede Ecke scheint hier eine Geschichte zu flüstern – von Reisenden, Abenteurern und Träumern, die einst diese Straße nutzten, um ihre Ziele zu erreichen.
Eines der bekanntesten Highlights von Seligman ist der Barbershop von Angel Delgadillo, einem Mann, der zur lebenden Legende der Route 66 wurde. Angel ist nicht nur Barbier, sondern auch einer der Mitbegründer der Route 66 Association – jener Organisation, die es geschafft hat, diese Straße vor dem Vergessen zu bewahren und sie in eine romantische Bühne der Nostalgie zu verwandeln. Dank ihm ist die Route 66 heute mehr als nur eine Straße; sie ist ein Symbol für Freiheit, Abenteuer und eine Zeit, in der der Weg selbst oft wichtiger war als das Ziel.
Während wir durch den Ort schlendern, fällt uns auf, wie viel Liebe zum Detail hier steckt. Die Gebäude sind mit alten Werbetafeln und Vintage-Dekorationen geschmückt, als hätte jemand die Zeit in den 50ern angehalten. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie Seligman damals in seiner Blütezeit ausgesehen haben muss – ein lebendiges Zentrum für Reisende, die auf der Suche nach neuen Horizonten waren.
Doch was Seligman heute auszeichnet, ist nicht nur die Nostalgie, sondern auch die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Jeder Laden, jedes Schild, jedes Auto, das hier ausgestellt ist, hat etwas zu berichten. Und während wir uns umsehen, spüren wir diesen besonderen Zauber, der nur Orte umgibt, die Geschichte mit Herz bewahren.

Leider hatte der Laden heute geschlossen. Schade, aber kein Drama, denn als wir vor zwei Jahren hier waren, hatte ich das Glück, Angel persönlich zu treffen – und ja, es gab sogar ein Selfie. (Das Bild dazu ist hier).
Wir schlenderten durch einige Souvenirläden, die allesamt mit Route-66-Chic und Americana-Flair glänzten. Am Ende erstanden wir ein Route-66-Blechschild, das sich perfekt in unsere Sammlung einfügt. Danach zog es mich mit der Kamera nach draußen, denn es gab hier einfach zu viele faszinierende Fotomotive, um sie zu ignorieren.
Noah, unser dreijähriger Enkel, ist ein riesiger Fan des Disney-Films Cars. Wenn er wüsste, wie viele der Figuren aus dem Film von echten Orten und Gegenständen der Route 66 inspiriert wurden, würde er hier vor Begeisterung auf und ab hüpfen! Die historischen Fahrzeuge, die die Straßen von Seligman schmücken, könnten direkt aus Radiator Springs stammen. Mit ein bisschen Fantasie (okay, vielleicht auch mit ein bisschen viel Fantasie) werden Hook, Sheriff, Luigi, Doc Hudson und sogar Fillmore, der Hippie-Bully, lebendig. Es ist, als würde man die Charaktere in ihrem „natürlichen“ Lebensraum antreffen – herrlich nostalgisch und ein Fest für Fans von Film und Straße gleichermaßen!
Mit der Kamera voller Fotos, die Noah bestimmt lieben wird, setzen wir unsere Reise fort. Die Route 66 zwischen Kingman und Flagstaff ist uns bestens vertraut, und wir haben im Laufe der Jahre die meisten kleinen Städtchen entlang der Strecke erkundet – mit einer Ausnahme: Williams. Dieses kleine Stück „weißer Fleck“ auf unserer Route wollten wir heute unbedingt ausfüllen.
Doch dann zeigt uns die Natur, warum Reisen immer wieder aufs Neue überrascht. Eben noch hatten wir in Seligman strahlenden Sonnenschein und diesen makellos blauen Himmel, der wie eine Postkarte wirkt, da finden wir uns plötzlich mitten in einer winterlichen Schneelandschaft wieder. Innerhalb von 40 Minuten hat sich die Szenerie komplett verwandelt, und wir fahren durch eine weiße Wunderwelt, die aussieht, als hätte jemand das Drehbuch spontan umgeschrieben.
Die Temperatur sinkt, die Bäume tragen eine schwere Last aus glitzerndem Schnee, und die Straßen haben diesen magischen Winterlook, den man sonst nur aus Filmen kennt. Der Kontrast zur trockenen, warmen Wüstenlandschaft, die wir noch vor einer Stunde hinter uns gelassen haben, könnte kaum größer sein. Es ist einfach faszinierend, wie vielfältig und unberechenbar die Natur hier ist – genau das macht das Reisen für uns so besonders.
BILDERGALERIE: Winslow, arizona
Es war wirklich surreal – ich stieg aus dem Auto, immer noch in meinem T-Shirt, und fühlte mich plötzlich wie in einem Wintermärchen – im März! In Arizona! Die Luft war eiskalt, der Atem bildete kleine Wölkchen, und um uns herum lag eine weiße, glitzernde Schneedecke. Noch vor einer Stunde hatten wir in Seligman das Gefühl, der Wüstenhitze gerade so zu entkommen, und jetzt standen wir mitten in einem Winterwunderland.
Williams begrüßte uns mit einem entzückenden Anblick: Kleine Läden reihten sich entlang der verschneiten Hauptstraße, als hätte jemand einen romantischen Weihnachtsfilm auf Standbild geschaltet. Aussteigen? Nein, denn genau da lag unser Problem: Wir waren absolut nicht auf Winter vorbereitet. Mütze, Schal und Handschuhe? Fehlanzeige – die hatten wir in Deutschland gelassen. Schließlich waren wir auf Sonne und milde Temperaturen eingestellt, nicht auf Schneewanderungen im Hochland von Arizona! 🥶
Also fuhren wir gemächlich durch die verschneite Hauptstraße von Williams, bestaunten die charmanten Läden und die funkelnden Schneedecken, während wir uns fragten, wie schnell unsere Sommerreifen wohl an ihre Grenzen kommen würden.

Nach weiteren 40 Minuten erreichten wir Flagstaff – und hier lag noch mehr Schnee. Es war Mitte März, und dennoch fühlte es sich an, als wären wir mitten im tiefsten Winter gelandet. Atemberaubend schön? Absolut. Aber auch ein wenig nervig, wenn man frierend in einem Auto sitzt und insgeheim seine Reisepläne umschreiben muss.
Ein kurzer Halt am Grand Canyon Harley Davidson Store versprach zumindest eine willkommene Ablenkung. Vielleicht würden wir hier ein weiteres T-Shirt für unsere Sammlung finden – oder zumindest ein bisschen Wärme. Mit schweren Schritten stapften wir durch den Schnee in den Laden und wurden von der Verkäuferin herzlich begrüßt. „Wo kommen Sie her?“ fragte sie mich. „Aus Deutschland“, antwortete ich. Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch und meinte: „Oh, können Sie überhaupt noch nach Hause kommen?“
Das Thema Corona war auch hier präsent, und wir plauderten eine Weile über die aktuellen Herausforderungen. Schließlich erkundigte sich die nette Verkäuferin, wohin uns unsere Reise heute noch führen würde. „Nach Sedona“, erklärte ich voller Vorfreude. Doch ihre Reaktion ließ mich aufhorchen: „Oh, aber nehmen Sie bloß nicht die Route 89! Dort hat es heute einen Blizzard gegeben. Es liegt so viel Schnee, dass die Straße momentan unpassierbar ist.“
Nein, wirklich? Wir hatten geplant, in Sedona zu wandern, die roten Felsen zu bestaunen und einen unvergesslichen Sonnenuntergang zu erleben. Stattdessen standen wir jetzt vor einem schneebedeckten Straßenschild und einer Warnung vor dem nächsten winterlichen Abenteuer.
Mit unseren neuen T-Shirts, einem Baby-Spielzeug, einer zusätzlichen Jacke (ja, man lernt aus Fehlern) und zwei weiteren T-Shirts im Gepäck verließen wir den Harley Store. Und während der Schnee unter unseren Schritten knirschte, konnten wir nur den Kopf schütteln – über monatelange Planung, die uns das blöde Corona-Virus und jetzt auch noch unerwartete Wetterkapriolen durchkreuzten.



Egal – wir sind entschlossen, nach Sedona zu fahren. Schließlich haben wir bereits eine Unterkunft für heute Nacht gebucht, und ein bisschen unerwartetes Winterwetter wird uns nicht aufhalten. Mit dieser Entschlossenheit im Gepäck biegen wir kurz hinter Flagstaff auf die 89A ab, nur um uns plötzlich mitten in einem Winterwunderland wiederzufinden. Direkt vor uns fährt ein Streufahrzeug, das die Straße für uns präpariert. Ein Glück! Sonst hätten wir wohl ernsthaft über Schneeketten nachdenken müssen – oder darüber, das Auto einfach stehen zu lassen und zu Fuß weiterzugehen.
Doch ganz ehrlich, so hatten wir uns diese Fahrt nicht vorgestellt. Wir hatten von warmen Sonnenstrahlen geträumt, die uns die roten Felsen von Sedona in ihrer ganzen Pracht zeigen. Stattdessen umgibt uns ein grauer Himmel, von dem sich dicke Schneeflocken lösen, während unser Jeep sich tapfer seinen Weg durch die kurvige Straße bahnt. Abenteurerherz hin oder her – der Gedanke an einen heißen Tee und trockene Füße wird mit jedem Kilometer verlockender.
Schließlich erreichen wir Sedona. Und siehe da: Zum ersten Mal kommen wir völlig entspannt und ohne den üblichen Stau in die Stadt. Kein Wunder, denn bei diesem Wetter scheint sich niemand freiwillig nach draußen zu begeben. Die Straßen sind fast menschenleer, und selbst die sonst so vollen Parkplätze wirken wie verlassene Schneefelder.
Es ist mittlerweile Mittag, und unser Magen meldet sich deutlich zu Wort. Wir steuern das Restaurant an, das wir im Voraus ausgesucht haben – in der Hoffnung, dass es uns mit einem warmen Essen und einem gemütlichen Plätzchen begrüßt. Doch als wir ankommen, sieht es aus, als wäre es geschlossen. Oder vielleicht doch nicht?
Wir steigen aus, ziehen unsere Jacken enger und stapfen durch den Schnee auf den Eingang zu. Die Fenster sind beschlagen, und ein handgeschriebenes Schild am Eingang sagt: “We’re open” Na, wenn das kein Zeichen


Es ist eine dieser Situationen, die man auf Reisen nie erleben möchte, aber manchmal lassen sie sich einfach nicht vermeiden. Da haben wir gerade einen Parkplatz gefunden und plötzlich wirft einem das Leben gleich mehrere Kurven auf einmal vor die Füße. Oder besser gesagt, vor die Räder.
Der erste Rückschlag kam mit dem “Takeaway only”-Schild. Na gut, dachten wir uns, dann eben Dinner à la Auto. Die Burger vom Sedona Outlaw Grille waren allerdings so gut, dass wir den Verlust eines gemütlichen Restaurantbesuchs schnell verschmerzen konnten. Während der Schneeregen auf die Windschutzscheibe trommelte, hatten wir im Auto fast schon so etwas wie ein Picknick – mit Blick auf die graue, triefende Welt da draußen. Okay, kein typisches Picknickwetter, aber immerhin warm und trocken.
Gerade als wir uns darauf geeinigt hatten, dass der Rest des Tages eher improvisiert werden würde, leuchtete eine neue Nachricht auf meinem Handy auf. “Ah, bestimmt eine dieser freundlichen Erinnerungen vom Monument Valley Hotel”, dachte ich mir. Weit gefehlt. Buchung storniert. Einfach so.
“Ach, herrje”, murmelte ich. “Und das überrascht uns jetzt wirklich?” Stefan sah mich nur an, zog eine Augenbraue hoch und biss schweigend in seinen Burger. Wir beide dachten wohl dasselbe: Der blöde Virus macht langsam, aber sicher ernst.
Vor ein paar Tagen noch hatten wir beruhigende Zusicherungen vom Hotel bekommen – „Keine Sorge, Ihr Aufenthalt ist gesichert.“ Na ja, offenbar war diese Sicherheit so stabil wie der Schneematsch vor unserer Windschutzscheibe. Nicht dass wir es nicht hätten kommen sehen: In Las Vegas waren wir ja auch ziemlich plötzlich aus dem Hotel “gebeten” worden, und seitdem haben wir schon eine Art Resignation gegenüber plötzlichen Planänderungen entwickelt.
Während wir weiter überlegten, wie wir diesen Tag und die restliche Reise retten könnten, wanderte mein Blick aufs Handy – diesmal Richtung Flüge. Und oh, was für eine Überraschung: Ein Anflug von Flugchaos. Die Liste gestrichener Verbindungen vom Las Vegas Airport wurde immer länger. Eine Nachricht an Condor über Twitter brachte uns auch nicht wirklich weiter: “Ja, wir kennen die Problematik mit Zubringerflügen.” Und, ach ja, “Nein, wir können nicht garantieren, dass Ihr Flug von Las Vegas nach Seattle nicht auch noch gestrichen wird.”
Wirklich beruhigend war das nicht. Aber irgendwie sind diese unvorhergesehenen Momente ja auch das Salz in der Suppe eines Roadtrips, oder? Gut, diesmal vielleicht eine besonders große Prise Salz – fast schon ein ganzer Salzstreuer. Trotzdem: Das Abenteuer lebt von den Wendungen, die man nicht kommen sieht.
Also gut, wir mussten improvisieren. “Was machen wir jetzt?” fragte ich. Stefan zuckte mit den Schultern. “Erst mal den Burger aufessen. Dann sehen wir weiter.” Eine solide Strategie, wenn du mich fragst.
Die Idee, einfach nach Seattle zu fahren, kommt uns wie ein Geistesblitz. Warum nicht? Es wäre verrückt, es wäre spontan, es wäre… absolut machbar. Also beginnen wir, die Optionen durchzugehen und das Ganze kurz zu kalkulieren. Ein Roadtrip nach Seattle, 2.300 Kilometer vor uns. Die Frage ist nur: Wie organisieren wir das? 🚗
Erster Punkt auf der Liste: Alle Hotels ab heute stornieren und neue buchen. Klar, das bedeutet einige Telefonate und ein wenig Chaos, aber wir sind mittlerweile Profis, wenn es um kurzfristige Planänderungen geht. Zum Glück sind die meisten Unterkünfte derzeit ohnehin flexibel – immerhin hat uns Corona schon beigebracht, dass nichts in Stein gemeißelt ist. 🏨
Nächster Punkt: Die neue Route festlegen. Ein reines Interstate-Rennen ist keine Option. Wir sind Abenteurer, keine Pendler. Also muss die Strecke ein paar Highlights bieten – vielleicht ein kleiner Schlenker durch Oregon? Oder einen Stopp im Crater Lake National Park? Die Karte liegt bereit, und unsere Gedanken wandern schon zu den möglichen Zwischenstopps. 🗺️
Dann ein kurzer Anruf bei Condor, um ihnen mitzuteilen, dass wir den Zubringerflug nicht benötigen. Das Telefonat verläuft überraschend glatt. Sie sind offensichtlich froh, dass wir eine eigene Lösung finden – eine Sorge weniger für die Fluggesellschaft. ✈️
Der etwas unangenehmere Teil: Alamo. Wir rufen an und fragen, ob es möglich ist, den Mietwagen in Seattle abzugeben, obwohl wir ihn in Las Vegas gemietet haben. Die Antwort? Natürlich geht das, aber es wird eine Gebühr von $400 fällig. Autsch. Das tut weh, aber hey, es ist die einzige realistische Lösung. Außerdem ist das immer noch besser, als in Arizona zu stranden und gar nicht mehr nach Hause zu kommen. 🚗
Wir rechnen kurz zusammen. Die Einwegmiete tut zwar weh, aber dafür bekommen wir ein Abenteuer, das wir so schnell nicht vergessen werden, und die Sicherheit, unseren Flug nach Frankfurt rechtzeitig zu erreichen. Das klingt nach einem fairen Deal. Klar, es ist ein Risiko, aber wir spüren schon jetzt den Nervenkitzel und die Vorfreude auf das, was vor uns liegt. ✨
Unsere Hamburger sind aufgegessen, und wir bringen den Müll weg, während wir schon überlegen, wie wir die nächsten Schritte am besten angehen. Das MacBook wird ausgepackt, und los geht’s – wir haben eine Menge zu erledigen.
Zuerst kümmern wir uns um das Hotel in Sedona. Das Wetter ist miserabel, und wir haben keine Lust, länger zu bleiben. Zum Glück ist die Stornierung durch die großzügigen Corona-Sonderregelungen bei Booking schnell erledigt. Ein paar Klicks, und schon ist das Problem gelöst. Stattdessen planen wir, direkt nach Holbrook weiterzufahren. Unsere Buchung dort verschieben wir kurzerhand – auch das funktioniert reibungslos. Danke, Booking! Der erste Punkt auf unserer ToDo-Liste ist damit abgehakt.
Jetzt wird es spannend: der Anruf bei Alamo. Ich bin bereit, eine Diskussion über die Einwegmiete zu führen, doch zu meiner Überraschung verbindet mich eine unglaublich nette Stimme. Ich schildere unser Problem, und der Mitarbeiter reagiert mit einem Verständnis, das ich nicht erwartet hätte. „Kein Problem, ich ändere Ihren Mietvertrag, und die Gebühr für die Einwegmiete entfällt. Passen Sie auf sich auf und kommen Sie gut nach Hause.“ Wow. Einfach nur wow. Dieser Moment war ein kleines Highlight in einem ansonsten chaotischen Tag. Ich bedanke mich mehrfach und beschließe, nie wieder woanders als bei Alamo einen Wagen zu mieten. Das ist Kundenservice, wie man ihn sich nur wünschen kann.
Mit Condor geht es weiter, dieses Mal per Twitter. Die Rückmeldung: alles in Ordnung, wir können den Zubringer streichen, und es wird eine Notiz in unserer Buchung hinterlegt. Ein Punkt weniger, um den wir uns Sorgen machen müssen. Gut so.
Wir überlegen kurz, ob wir noch etwas vergessen haben, aber es scheint, als hätten wir alles bedacht. Der Plan steht: weiter nach Holbrook, und den Rest organisieren wir später im Hotel. Zeit, den Schlechtwetter-Blues hinter uns zu lassen und ein neues Kapitel auf der Reise aufzuschlagen.
Nach etwa einer Stunde Fahrt sind wir zurück in Flagstaff. Ironisch, dass wir eigentlich hätten direkt hierbleiben können. Die Fahrt nach Sedona war für die Katz, aber so ist das eben manchmal. Wir lachen kurz darüber, was für einen Umweg wir uns erspart hätten, wären wir nur ein bisschen weitsichtiger gewesen. Aber wer weiß das schon vorher?
Weiter geht’s auf der I-40 Richtung Osten. Wir haben Zeit und entscheiden uns, den Tag mit ein paar Fotostopps auf der Route 66 aufzupeppen. Die legendäre Straße, die so viele Geschichten erzählt, wird uns sicherlich ein paar magische Momente schenken, die diesen Tag retten können. Auf geht’s ins nächste Abenteuer!

Der erste Stopp auf unserer Fahrt in Richtung Osten ist an einem wahrhaft legendären Ort: die Twin Arrows Trading Post!
Die Twin Arrows Trading Post ist einer dieser magischen Orte, die die Seele der Route 66 einfangen. Schon aus der Ferne ziehen uns die beiden riesigen Pfeile in ihren Bann. Sie ragen schräg in den Himmel, als wollten sie den Weg in eine andere Zeit weisen – zurück in die glorreichen Tage der “Mother Road”.
Wir steigen aus dem Auto und werden sofort von einer Mischung aus Nostalgie und Abenteuerlust gepackt. Der Wind pfeift leicht, und während wir die mächtigen Pfeile bestaunen, stellen wir uns vor, wie Reisende hier einst Halt machten, um aufzutanken – sowohl das Auto als auch die Lebensgeister. Damals war die Twin Arrows Trading Post ein quirliger Treffpunkt für alle, die auf der Route 66 unterwegs waren: ein Ort für Benzin, Snacks und diese kleinen Souvenirs, die noch Jahre später von der Reise erzählten.
Doch die Zeit war nicht gnädig zu diesem kleinen Juwel am Straßenrand. In den 90er Jahren, als der Verkehr von der Route 66 auf die schnelleren Interstates verlegt wurde, verlor die Trading Post ihre Besucher und schließlich ihren Betrieb. Die Pfeile, einst ein stolzes Wahrzeichen, wirkten verloren in einer veränderten Welt. Die Gebäude um sie herum verfielen, und das Gelände wurde still – ein gespenstischer Überrest einer vergangenen Ära.
Zum Glück endete die Geschichte der Twin Arrows nicht dort. 2009 wurden die Pfeile restauriert, und heute strahlen sie wieder in leuchtenden Rot- und Gelbtönen, die gegen den klaren Wüstenhimmel förmlich explodieren. Es ist, als hätten sie eine zweite Chance bekommen, als stiller Wächter der Geschichte der Route 66.
Wir laufen ein paar Schritte um die Pfeile herum, machen Fotos aus allen möglichen Perspektiven und versuchen, uns vorzustellen, wie lebendig dieser Ort einst gewesen sein muss. Das Knirschen des Wüstenbodens unter unseren Füßen und der weite Horizont um uns herum verstärken die Atmosphäre. Es fühlt sich an, als würden die Pfeile flüstern: “Vergiss nicht, woher du kommst – und wohin du gehen willst.”
Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, werfen wir noch einen letzten Blick auf die Pfeile. Sie stehen da, unerschütterlich und voller Symbolik, und erinnern uns daran, dass auch Orte, die einst verloren schienen, eine neue Bedeutung finden können. Ein perfekter Stopp auf unserer Reise nach Osten, der uns nicht nur an die Vergangenheit der Route 66 erinnert, sondern auch daran, wie wichtig es ist, die Gegenwart zu schätzen.
BILDERGALERIE: Twin arrows trading post
Nachdem wir uns von den Twin Arrows verabschiedet haben, setzen wir unsere Reise Richtung Osten fort. Plötzlich fällt uns ein Straßenschild ins Auge, das verheißungsvoll auf den Meteoritenkrater hinweist – ein Ziel, das sofort Erinnerungen weckt und unsere Neugier erneut entfacht.
Vor acht Jahren waren wir schon einmal hier, um dieses gigantische „Loch“ in der Erde zu bestaunen. Warum nicht noch einmal? Wir haben Zeit, und ein Wiedersehen mit einem alten Reiseziel hat doch immer etwas Besonderes.
Am Parkplatz angekommen, fällt uns die ungewöhnliche Stille auf. Keine Menschenmassen, kein Gedränge – nur unser Jeep und ein paar verstreute Fahrzeuge. Wir steigen aus, ziehen die Jacken fester zu (der Wind hier oben ist gnadenlos!) und machen uns an den kurzen Aufstieg zum Visitor Center. Kaum angekommen, sehen wir die Preistafel: $18 pro Person. Uff.
Ich sehe Stefan an: „Was meinst du? Lohnt sich das nochmal?“ Er grinst mich an und meint trocken: „Klar, wir haben heute schon $400 Einweggebühr gespart. Also, hau raus das Geld!“ 💸 Manchmal liebe ich seine unerschütterliche Logik.
Also zahlen wir den Eintritt und betreten die Ausstellung. Schon die ersten Schritte ins Visitor Center erinnern uns daran, warum dieser Ort so faszinierend ist. Von interaktiven Displays bis hin zu beeindruckenden Modellen bietet der Meteoritenkrater eine perfekte Mischung aus Wissenschaft und Wow-Effekt.

Als wir endlich auf die Aussichtsplattform treten, liegt der Krater vor uns – gigantisch, majestätisch und irgendwie surreal. Die perfekte runde Form, die steilen Wände und die unendliche Weite drumherum lassen uns wieder einmal staunen. Es ist schwer zu glauben, dass dieser gewaltige Einschlag vor etwa 50.000 Jahren von einem vergleichsweise kleinen Meteoriten verursacht wurde.
Wir lassen den Blick schweifen, machen Fotos und stellen uns vor, wie es wohl gewesen sein muss, als der Meteorit die Erde traf. Der Gedanke daran, dass ein solches Ereignis unser Leben und unseren Planeten für immer verändern könnte, lässt uns kurz innehalten. Dieser Ort ist nicht nur eine Attraktion – er ist eine Erinnerung daran, wie winzig wir im großen Universum eigentlich sind. 🌌
Meteor Crater – Ein kosmischer Einschlag mitten in Arizona
Mitten in der Wüste Arizonas liegt ein Zeugnis der unfassbaren Kraft des Universums – der Meteor Crater, auch bekannt als Barringer-Krater. Er ist einer der am besten erhaltenen Einschlagskrater der Erde und erzählt eine Geschichte, die vor 50.000 Jahren begann – als ein gigantischer Eisenmeteorit mit unglaublicher Wucht auf die Erde prallte.
Die Zahlen sprechen für sich:
- Durchmesser des Kraters: ca. 1,5 Kilometer
- Tiefe: rund 170 Meter
- Größe des Meteoriten: etwa 50 Meter
- Gewicht: unglaubliche 300.000 Tonnen
- Aufprallgeschwindigkeit: ca. 40.000 km/h
Als der glühende Felsbrocken aus dem All mit dieser brutalen Geschwindigkeit auf die Erde traf, geschah das Unvermeidliche: Eine Explosion, die alles im Umkreis von vier Kilometern augenblicklich auslöschte. Der entstandene Feuerball breitete sich auf eine Distanz von etwa 10 Kilometern aus und ließ eine Schneise der Verwüstung zurück.
Ein Krater, der Geschichte schreibt
Der Barringer-Krater wurde nach Daniel Barringer, einem Geologen, benannt, der als Erster erkannte, dass es sich um einen echten Einschlagskrater handelt – und nicht um einen alten Vulkan. Heute ist der Krater eine der faszinierendsten Naturattraktionen in den USA.
Einmalige Einblicke in die Kraft des Universums
🚀 Astronautentraining: Die NASA nutzte den Krater in den 1960er Jahren als Trainingsgelände für Apollo-Astronauten – denn seine Landschaft ähnelt der Oberfläche des Mondes.
📸 Atemberaubende Ausblicke: Besucher können den Krater von mehreren Aussichtspunkten bestaunen – ein Blick in die Vergangenheit unseres Planeten.
🛰 Kosmische Spuren: Im Besucherzentrum kann man Fragmente des Meteoriten sehen – echte Teile eines Gesteins, das einst durch das All reiste.
Ein Fenster zu den gewaltigsten Kräften des Universums
Der Meteor Crater ist nicht einfach nur ein Loch in der Erde – er ist eine Mahnung an die unvorstellbare Macht des Kosmos. Wer hier steht, sieht nicht nur die Spuren eines einzigen Momentes der Zerstörung, sondern auch eine Geschichte, die vor 50.000 Jahren begann – und bis heute sichtbar ist.
Wir starten unsere Erkundung des Meteoritenkraters mit einem Spaziergang entlang der Terrassen und halten an mehreren Aussichtspunkten, die uns spektakuläre Blicke auf diese beeindruckende Formation gewähren. Der Wind umspielt uns, als wolle er Geschichten aus einer längst vergangenen Zeit erzählen, und die Stille, die den Krater umgibt, scheint die Dramatik des Einschlags vor 50.000 Jahren förmlich zu bewahren.
Es ist schier unmöglich, die schiere Wucht dieses Ereignisses zu begreifen. Ein Meteorit, der mit unfassbarer Geschwindigkeit die Erde traf, verwandelte die Landschaft in Sekundenbruchteilen in dieses gigantische Becken. Doch heute, viele Jahrtausende später, steht der Krater als Zeugnis der kosmischen Kräfte – ein Ort, der Wissenschaft und Staunen gleichermaßen inspiriert.

Und während wir hier stehen und über die Dimensionen dieses Naturwunders nachdenken, schleicht sich doch ein kleines Augenzwinkern in unsere Reflexionen. „Hätten sie damals schon Bruce Willis alias Harry Stamper gehabt,“ sagt Stefan lachend, „hätte er den Meteoriten wie in Armageddon einfach angebohrt – und wir hätten uns die $38 Eintritt heute gespart.“ 🤷♂️💸
Ja, der Eintritt ist nicht gerade ein Schnäppchen, aber was wir hier erleben, lässt uns den Preis schnell vergessen. Ein drittes Mal werden wir den Krater wohl eher nicht besuchen, das ist sicher. Aber dieses zweite Mal hat sich mehr als gelohnt. Die gigantischen Dimensionen und die Ehrfurcht, die dieser Ort hervorruft, werden uns lange in Erinnerung bleiben.



Wir verlassen das Meteor Crater Visitor Center mit einem letzten Blick auf das beeindruckende „Loch“ hinter uns und richten den Jeep gen Osten. Unser nächstes Ziel? Ein echtes Kult-Highlight: die Jack Rabbit Trading Post.
„Here it is!“ – dieser legendäre Slogan begleitet die kleine, ikonische Souvenir-Oase seit ihrer Gründung im Jahr 1949. Und schon aus der Ferne sehen wir das berühmte Schild mit dem riesigen, springenden Hasen, das stolz direkt an der Interstate 40 thront. Die Vorfreude steigt, denn dieser Ort ist nicht nur ein Souvenirladen, sondern eine wahre Zeitkapsel der Route 66.
Bevor wir den Parkplatz erreichen, gönnen wir uns noch einen Abstecher auf ein kleines, originales Stückchen der alten Route 66, das direkt zur Jack Rabbit Trading Post führt. Die holprige Straße knirscht angenehm unter den Reifen unseres Jeeps, und wir stellen uns vor, wie einst die großen Straßenkreuzer der 50er Jahre genau hier entlang rollten. Es ist, als ob wir den Staub der Geschichte unter uns spüren könnten.
Drinnen im Laden empfängt uns pure Nostalgie: Regalreihen voller Andenken, Route-66-Schilder, Cowboy-Hüte, Miniaturmodelle von Oldtimern und natürlich zahllose Hasen-Memorabilia. Alles hier schreit förmlich: „Die goldenen Tage der Mother Road leben weiter!“ Wir stöbern durch die Regale, lachen über die kitschig-charmanten Mitbringsel und wählen schließlich unsere eigenen Souvenirs aus, die uns immer an diesen besonderen Ort erinnern werden.
Eine kleine Anekdote lässt uns schmunzeln: Das ikonische „Here it is!“-Schild hat sogar seinen Weg in den Disney-Film Cars gefunden! Zwar wurde der springende Hase dort durch ein Abbild von Lizzie, dem Model T Ford, ersetzt, aber die Anspielung auf diesen realen Ort ist unverkennbar – ein liebevoller Gruß an die Historie der Route 66.
Nach einem obligatorischen Foto mit dem riesigen Hasen vor dem Laden setzen wir unsere Reise fort. Der Duft von Abenteuer liegt in der Luft, und die Route 66 hat sicherlich noch mehr Geschichten für uns auf Lager. Mit neuen Schätzen im Gepäck und einem breiten Grinsen im Gesicht blicken wir gespannt auf die nächsten Meilen unserer Reise. 🚗✨

Noch 17 Meilen bis Holbrook, und mit jedem Kilometer steigt die Vorfreude auf dieses kleine Juwel der Route 66. Es fühlt sich fast an, als würde uns die Straße selbst mit offenen Armen empfangen, während wir unserem Ziel näherkommen.
Über den Exit 285 verlassen wir die I-40 und gleiten sanft in die langgezogene Hauptstraße von Holbrook hinein. Links und rechts reihen sich die typischen „Landmarks“ der Route 66 auf – alte Tankstellen, charmante Motels und kleine Diners, die aussehen, als hätten sie seit den 60er-Jahren kaum einen Krümel Staub verändert. Die Luft scheint hier mit einer Mischung aus Nostalgie und Abenteuer aufgeladen zu sein, und wir lassen uns nur zu gern davon einfangen.
Holbrook selbst wirkt wie ein lebendig gewordenes „Radiator Springs“ – dieses süße, leicht schrullige Städtchen aus Cars, das für viele von uns die Route 66 zum ersten Mal richtig greifbar gemacht hat. Und während wir die Hauptstraße entlangfahren, tauchen Erinnerungen auf, die uns ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern.
Da ist es! Das Wigwam Motel. „Have you slept in a Wigwam lately?“ prangt in grünen Lettern auf dem Neonschild und zwinkert uns regelrecht zu. 2011 hatten wir hier eine Nacht verbracht – und ja, in einem dieser kultigen Wigwams geschlafen. Erinnerungen an eine charmante, etwas beengte, aber unglaublich spaßige Nacht kommen hoch. Es ist, als würde uns das Motel selbst ein herzliches „Willkommen zurück“ zuflüstern.
Auch hier lässt sich die Verbindung zu Cars nicht leugnen: Das „Cozy Cone Motel“ von Sally, der charmanten Porsche-Dame, basiert eindeutig auf diesem ikonischen Motel. Es ist einfach faszinierend, wie viel von der Route 66 in die Welt von Lightning McQueen und seinen Freunden eingeflossen ist – und dass wir hier mitten im echten Vorbild stehen.
Holbrook hat dieses besondere Flair, das die besten Geschichten schreibt – Geschichten, die wir mit der Route 66 verbinden. Und jetzt, mit der Dämmerung, die langsam einsetzt, können wir es kaum erwarten, ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Mal sehen, was Holbrook heute für uns bereithält. 🌙🚗✨
BILDERGALERIE: Wigwam Motel
Wir können einfach nicht widerstehen und machen unzählige Fotos vom Wigwam Motel. Vor jedem der 15 ikonischen Wigwams steht ein Fahrzeug, das direkt aus der goldenen Ära des amerikanischen Traums zu stammen scheint. Alte Studebakers, Fords, Chevrolets – allesamt Klassiker aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren – reihen sich hier wie Schmuckstücke einer vergessenen Zeit auf.
Manche der Autos sehen aus, als könnten sie jeden Moment wieder gestartet werden, während andere ihre besten Tage längst hinter sich haben und mit einer guten Portion Patina Geschichten von endlosen Reisen auf der Mother Road erzählen. Es ist, als ob jedes Fahrzeug ein eigenes Kapitel in der Geschichte der Route 66 darstellt. Jedes Modell, jeder Rostfleck, jede eingedellte Motorhaube fängt den ungebrochenen Geist dieser Straße ein. Es fühlt sich fast so an, als könnten wir die Stimmen der Menschen hören, die einst mit diesen Wagen unterwegs waren – Familien auf Sommerurlaub, Trucker mit ihren Frachtgütern, junge Paare auf der Suche nach Abenteuern.
Nachdem wir unser Retro-Shooting beendet haben, machen wir uns auf den kurzen Weg zu unserem Hotel: Brad’s Desert Inn. Schon die Bewertungen auf TripAdvisor hatten uns neugierig gemacht, denn das Frühstück wurde regelrecht in den Himmel gelobt. „Fluffige Pancakes, frisch zubereitete Omeletts und hausgemachte Marmelade“ – alleine die Beschreibung ließ uns vorfreudig grinsen. Nach einem langen Tag auf der Straße klingt das nach dem perfekten Start in den kommenden Morgen.
Doch bevor wir uns in Gedanken an Pancakes und Co. verlieren, genießen wir noch die Magie des Augenblicks. Die Wigwams, die alten Autos, der Abendhimmel, der sich langsam in sanften Rosatönen färbt – all das ist pure Route-66-Nostalgie. Ein Ort, der nicht einfach nur existiert, sondern lebt und die Geschichten der Vergangenheit weiterträgt.
Mit vollem Herzen und prall gefülltem Handy-Speicher setzen wir uns schließlich wieder in unseren Jeep und fahren die letzten Meter zu unserem Hotel. Holbrook hat uns einmal mehr verzaubert, und wir können es kaum erwarten, zu sehen, was die Mother Road morgen für uns bereithält. 🛻✨🍳



Eine ältere Dame am Empfang begrüßt uns freundlich, aber schnell stellt sich heraus, dass unser Aufenthalt holpriger beginnt, als erwartet. Nachdem sie uns in unser Zimmer begleitet hat, entdecken wir gleich zwei Ärgernisse: Der Fernseher funktioniert nicht, und das Frühstück, für das wir den durchaus stattlichen Preis von $89 erwartet hatten, wird aufgrund der Corona-Pandemie gar nicht erst angeboten. Enttäuscht mache ich mich auf den Weg zurück zum Empfang, um nachzufragen, warum man uns nicht wenigstens eine reduzierte Rate angeboten hat. Doch die Dame zuckt nur mit den Schultern und erwidert knapp, dass sie darauf keinen Einfluss habe. Nicht gerade die Antwort, die man in einer solchen Situation hören möchte.
Mit einem leichten Grummeln im Bauch – und damit meine ich nicht nur den Hunger – gehe ich zurück ins Zimmer, nur um dort festzustellen, dass wir auch kein Toilettenpapier haben. Wieder zurück zum Büro, wo mich die Dame nach meinem Anliegen fragt. Als ich höflich nach einer Rolle frage, kommt eine Antwort, die mich sprachlos macht: „Wir legen kein Toilettenpapier mehr in die Zimmer. Die Touristen klauen es ständig.“
Das sitzt. Mit einer notdürftig gereichten Rolle Toilettenpapier kehre ich ins Zimmer zurück. Die Entscheidung ist gefallen: Dieses Hotel kommt ganz klar auf unsere Liste der „Nie-wieder“-Unterkünfte.
Nun aber nichts wie raus. Unser Magen knurrt, und wir brauchen dringend eine anständige Mahlzeit, um die Laune zu heben. Zwei mexikanische Restaurants in der Nähe stehen hoch im Kurs auf TripAdvisor. Stefan, der nicht unbedingt ein Fan von mexikanischer Küche ist, erklärt sich bereit, es trotzdem zu versuchen. Wir fahren durch den Ort und lassen den West Hopi Drive und den Navajo Boulevard an uns vorbeiziehen, immer auf der Suche nach einem Ort, der uns anspricht. Auf dem Weg sehen wir das Stagecoach Steakhouse, wo wir 2011 schon einmal waren. Damals waren wir von den Ribeye Steaks begeistert, doch mittlerweile hat das Restaurant den Besitzer gewechselt und die Bewertungen sind gesunken. Also weiter.
Schließlich landen wir vor einer schweren Entscheidung. Die beiden besten mexikanischen Restaurants der Stadt stehen sich genau gegenüber. Joe & Aggie’s Café hat die besseren Bewertungen, serviert aber nur noch Take-Away. Romo’s hingegen bietet weiterhin einen regulären Service an, also entscheiden wir uns dafür.
Im Restaurant werden wir freundlich zu einem Tisch geführt. Aufgrund der Abstandsregeln im Zuge der Pandemie ist nur die Hälfte der Tische belegt, was dem Ort eine merkwürdige Mischung aus Gemütlichkeit und Leere verleiht. Während wir uns die Speisekarte ansehen, merke ich, wie die Frustration langsam von mir abfällt.



Fast alle nutzbaren Tische im Restaurant sind von Einheimischen besetzt, was wir sofort als gutes Zeichen für die Qualität des Essens werten. Es herrscht eine entspannte, familiäre Atmosphäre, und wir fühlen uns trotz der Corona-bedingten Einschränkungen willkommen.
Die Speisekarte wird uns gereicht, und Stefan atmet erleichtert auf. Es gibt Cheeseburger! Für ihn ist die Welt damit schon in Ordnung. Ich hingegen lasse mich gerne überraschen und probiere Neues aus. Die “Combination Plate” mit Red oder Green Chili Enchiladas, Taco, Rice und Beans sticht mir sofort ins Auge. Bei der Fleischwahl entscheide ich mich für Hühnchen – eine solide Wahl, die selten enttäuscht.
Als das Essen serviert wird, kann Stefan sein Strahlen nicht verbergen. Sein Cheeseburger sieht aus wie aus dem Bilderbuch: saftiges Fleisch, perfekt geschmolzener Käse, frisches Gemüse – genau sein Ding. Mein Teller hingegen könnte in einem Schönheitswettbewerb nicht punkten. Ein undefinierbarer, mit Käse überbackener Hügel liegt vor mir. Aber ich bin nicht hier für das Aussehen, sondern für den Geschmack, und der enttäuscht kein bisschen. Die Aromen sind herzhaft, die Gewürze perfekt abgestimmt, und ich genieße jeden Bissen.
Nach diesem köstlichen Essen, das unsere Laune spürbar hebt, schleppen wir uns satt und zufrieden zurück in unser winziges Hotelzimmer. Hier beginnt der nächste Part unseres Abenteuers: die Planung der kommenden Tage. Wir setzen uns gemeinsam an den Laptop, während der Cheeseburger und die Enchiladas langsam ihre Wirkung entfalten – eine angenehme Trägheit breitet sich aus.
Ich lege mich ins Bett, als wir die grobe Route festgelegt haben. Morgen soll es am Canyon de Chelly und Monument Valley vorbei nach Hanksville gehen. Am Tag darauf steht Boise, Idaho, auf dem Plan, und unsere letzte Nacht wollen wir in St. Helens, Oregon, verbringen. Stefan bleibt wach, überträgt die Routen ins Navi und feilt an den Details, während ich bereits ins Land der Träume abtauche.
Die Route 66 hat uns einmal mehr mit ihrem Charme eingefangen. Es war ein Tag voller kleiner und großer Überraschungen, kulinarischer Höhepunkte und einer gehörigen Portion Nostalgie. Ein Abenteuer, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.