Auf den Spuren von Astrid Lindgren: Von Lönneberga nach Bullerbü

Frisch gestärkt vom Frühstück starten wir in unser nächstes Abenteuer – es geht nach Vimmerby, die Heimat von Astrid Lindgren! Zwei Stunden Fahrt liegen vor uns, und bereits nach wenigen Kilometern wird klar: Schweden nimmt das mit der Idylle verdammt ernst.

Diese Straßen! Sie schlängeln sich durch endlose Wälder, vorbei an blitzblanken Seen und diesen entzückenden roten Holzhäusern, die aussehen, als hätte man ein Astrid-Lindgren-Bilderbuch ausgeschüttet und in die Landschaft gestreut. Jedes noch so kleine Dorf wirkt, als könnten jeden Moment Michel aus Lönneberga oder die Kinder aus Bullerbü um die Ecke biegen.

Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob das hier wirklich alles echt ist – oder ob die Schweden einfach heimlich jeden Abend die Kulissen wieder auf Hochglanz bringen. So ordentlich, so malerisch – als gäbe es irgendwo einen versteckten Schalter, mit dem sie ihre Landschaft morgens auf „Postkartenmodus“ stellen.

Aber egal, ob Realität oder filmreife Inszenierung – wir genießen jede Minute der Fahrt. Denn eines steht fest: Wenn es einen Ort gibt, an dem Kindheitserinnerungen lebendig werden, dann ist es Vimmerby. Und genau dahin sind wir unterwegs.

In Nära legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein – Zeit, die Vorräte aufzufüllen. Zum Glück haben die schwedischen Supermärkte auch sonntags geöffnet – ein echtes Geschenk für hungrige Reisende wie uns. Denn mal ehrlich: Gibt es etwas Schlimmeres, als einen roadtripgestählten Magen, der plötzlich feststellt, dass der Kühlschrank leer ist? Eben.

Småland

Ich schlendere durch die Gänge, als wäre es eine Gourmet-Expedition. Knäckebrot, Filmjölk, süße Aufstriche, von denen ich nicht mal weiß, was drin ist – die Auswahl an schwedischen Spezialitäten ist einfach verlockend. Doch das eigentliche Highlight ist natürlich längst beschlossene Sache: Kanelbullar.

Diese duftenden Zimtschnecken sind nicht einfach nur Gebäck – sie sind eine Lebensphilosophie. Ein Schwedenbesuch ohne Kanelbullar? Undenkbar. Also greife ich mir gleich ein paar – sicher ist sicher. Wer weiß, wann sich die nächste Gelegenheit bietet, sich mit dieser köstlichen Zimt-Glückseligkeit einzudecken?

Mit vollgepackten Einkaufstüten und der Gewissheit, dass uns in den nächsten Stunden weder Hunger noch schlechte Laune heimsuchen werden, geht’s zurück in den Camper. Weiter nach Vimmerby – mit dem beruhigenden Wissen, dass mindestens eine Kanelbulle die Fahrt nicht überleben wird.

Lönneberga

Und dann passiert es – der magische Moment. Wir erreichen das erste große Highlight des Tages: das Ortsschild von Lönneberga. Ja, genau dieses Lönneberga! Das legendäre Dorf, das Michel mit seinen Streichen unsicher gemacht hat. Der Schauplatz meiner Kindheit, wo Holzfiguren geschnitzt, Suppenschüsseln als Kopfbedeckung zweckentfremdet und Kühe aus Versehen blau angestrichen wurden.

Ich kann es kaum glauben. Es ist, als wäre ich geradewegs in eines von Astrid Lindgrens Büchern spaziert. Natürlich springen wir sofort aus dem Auto – Fotos sind Pflicht! Ich stelle mir vor, wie Michel hier irgendwo um die Ecke lauert, mit diesem frechen Grinsen im Gesicht und einer neuen genialen Idee im Kopf, die seinen armen Vater an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen wird.

Die Luft ist klar, die Umgebung ruhig – fast zu ruhig. Man könnte meinen, Michel hätte mal kurz Pause von seinen Streichen gemacht. Aber die Atmosphäre hier ist so lebendig, dass es fast schwerfällt zu glauben, dass er nicht gleich aus einem der roten Holzhäuser gerannt kommt, verfolgt von Anton mit hochrotem Kopf.

Doch obwohl die Geschichten in Lönneberga spielen, liegt Michels ikonische Farm tatsächlich in Katthult. Und da müssen wir natürlich hin! Schließlich wäre ein Besuch in Michels Welt nicht komplett, ohne einmal selbst vor dem berühmten Tischlerschuppen zu stehen. Also weiter – das nächste Stück Kindheitserinnerung wartet!

Lönneberga, Katthult & Michel aus Lönneberga – Der Lausbub, der Schweden berühmt machte

 

Lönneberga – Ein kleines Dorf mit großer Berühmtheit
Lönneberga ist ein winziges Dorf in Småland, Schweden, das dank Astrid Lindgrens Geschichten weltberühmt wurde. Doch während Michel (im Original eigentlich Emil) in Lönneberga lebte, wurden die berühmten Filmszenen nicht dort, sondern auf einem kleinen Hof in Katthult gedreht.

Katthult – Der Ort, an dem Michels Streiche zum Leben erwachten
Wenn man Michels Welt hautnah erleben will, muss man nach Katthult fahren. Dieser Hof in Gibberyd, nahe Mariannelund, war das Original-Filmset der Michel-Filme aus den 70er-Jahren. Hier steht der legendäre Tischlerschuppen, in dem Michel viele Stunden verbrachte, um Holzfiguren zu schnitzen – meistens als „Strafe“ für seine Streiche.

Das Haupthaus, die Scheune, die Wiesen drumherum – alles sieht aus wie damals. Besucher können durch den Hof spazieren, den Fahnenmast bestaunen (ja, genau den, an dem Michel seine kleine Schwester Ida hochzog!) und sich vorstellen, wie Michel mit seinem blonden Wuschelkopf und frechem Grinsen durch den Hof rannte.

Michel aus Lönneberga – Der liebenswerte Lausbub mit Herz
Michel ist nicht böse – nur unheimlich kreativ! Seine Streiche sind legendär, doch eigentlich will er niemals jemandem schaden. Es passiert einfach – ein Missgeschick jagt das nächste. Sein Vater Anton sieht das anders, was dazu führt, dass Michel oft im Tischlerschuppen landet. Dort verwandelt er seine „Strafen“ in wahre Kunstwerke – Holzfiguren, die von Geschichte zu Geschichte mehr werden.

Der berühmteste Streiche-Klassiker
Es gibt viele, aber einer der bekanntesten ist sicher: Der Suppenschüssel-Vorfall. Michel steckt seinen Kopf in eine Suppenschüssel, um den letzten Rest auszuschlecken – und bleibt stecken. Lösung? Ein Arztbesuch in Mariannelund.Natürlich nicht ohne jede Menge Aufregung.

Inspiriert von Astrid Lindgrens Familie
Astrid Lindgren erzählte oft, dass Michel von echten Vorbildern inspiriert wurde – nämlich von ihrem Vater und seinen Brüdern. Die waren als Kinder genauso erfinderisch im Unsinnmachen wie Michel. Viele Streiche in den Büchern basieren tatsächlich auf wahren Begebenheiten!

Heute ist Katthult ein beliebtes Ausflugsziel für Fans von Michel – ein Ort, an dem Kindheitserinnerungen lebendig werden. Und während man so über den Hof schlendert, kann man fast hören, wie Michels Vater ruft:

„Miiiiicheeeeeel! Waas haasst duuuuu jetzt schooon wieder aangestellt?!“

Die kleine Farm in Katthult ist wirklich ein absolutes Highlight – ein echtes Juwel inmitten der malerischen schwedischen Landschaft. Schon beim ersten Schritt auf den Hof fühlt es sich an, als hätten wir eine Zeitmaschine betreten. Plötzlich sind wir nicht mehr nur Besucher, sondern stehen mitten in Michels Welt, umgeben von rotem Holz, Kopfsteinpflaster und einer Atmosphäre, die so lebendig ist, als könnte jeden Moment jemand „Miiiiicheeeeeel!“ brüllen.

Das Haupthaus und der Schuppen strahlen diesen unverwechselbaren rustikalen Charme aus, den man aus den Filmen kennt. Die kleinen Fenster geben gerade so viel preis, dass man einen Blick auf die berühmten geschnitzten Holzfiguren erhaschen kann – Michels heimliche Strafarbeiten. Jedes einzelne dieser kleinen Kunstwerke ist ein stiller Zeuge seiner unerschöpflichen Kreativität (und seiner Fähigkeit, seinen Vater regelmäßig zur Weißglut zu treiben).

Katthult – Tischlerschuppen

Und dann steht er vor uns: der legendäre Fahnenmast. Der Ort des wohl berühmtesten Streichs in der schwedischen Kinderliteraturgeschichte. Hier zog Michel einst seine kleine Schwester Ida in die Höhe, um ihr die beste Aussicht über Lönneberga zu verschaffen. Ich kann nicht anders, als mir genau diese Szene bildlich vorzustellen – Ida, die oben am Mast baumelt, Michel unten mit stolzgeschwellter Brust und sein Vater, der vermutlich kurz davor war, das Weite zu suchen.

Wir schlendern weiter über das Gelände und können förmlich das Lachen und die aufgeregten Rufe der Kinder hören, die hier einst durch die Felder tollten. Alles wirkt so authentisch, dass es fast schwerfällt zu glauben, dass wir nicht gerade selbst in einer Lindgren-Geschichte gelandet sind.

Natürlich bleibt die Kamera im Dauereinsatz. Jeder Winkel, jedes kleine Detail hat seine eigene Geschichte. Und irgendwie fühlt es sich so an, als hätte Michel nur mal kurz den Schuppen verlassen – aber bestimmt nicht, ohne vorher irgendetwas Unfugträchtiges vorzubereiten.

Weiter geht’s durch Bullerbü – und ganz ehrlich, wer hätte gedacht, dass dieses kleine Idyll aus den Büchern tatsächlich existiert? Die roten Holzhäuser mit ihren weißen Fensterrahmen stehen da, als hätte Astrid Lindgren sie eigenhändig aus ihren Geschichten in die Realität gezaubert. Es fehlt eigentlich nur noch, dass Lisa, Bosse und die anderen barfuß über die Wiesen rennen, während irgendwo im Hintergrund jemand eine frische Kanne Milch aus dem Stall holt.

Es fühlt sich an, als hätten wir direkt eine Tür in Lindgrens Welt aufgestoßen. Hier, zwischen den sanften Hügeln, grünen Wiesen und den typisch schwedischen Holzhäusern, wirkt alles so ruhig, friedlich – fast ein bisschen aus der Zeit gefallen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Kinder aus Bullerbü hier ihre Abenteuer erleben, sich Verstecke im Heu bauen oder mit nackten Füßen durchs kühle Wasser des nächsten Sees patschen.

Und dann gibt es noch etwas, das dieses Fleckchen Erde besonders macht: die Natur. Grüne Wälder, glitzernde Seen, ein Himmel, so blau, dass man sich fragt, ob Schweden hier vielleicht ein bisschen nachhilft. Es ist, als hätte das Land für diesen einen Ort all seine schönsten Farben ausgepackt, nur um uns zu zeigen, wie atemberaubend es sein kann. Jeder Schritt fühlt sich an wie ein Spaziergang durch eine lebendige Postkarte.

Natürlich bleibt meine Kamera im Dauereinsatz. Die Reflexion der Bäume im stillen See, sonnengeflutete Waldwege, die mit jedem Schritt in ein neues kleines Abenteuer zu führen scheinen, und diese malerischen Häuser, die so typisch schwedisch sind, dass sie fast zu perfekt wirken. Jeder Klick meiner Kamera fängt ein Stück dieses Bilderbuch-Traums ein.

Unser nächster Stopp: Vimmerby. Die Heimat von Astrid Lindgren – der Königin der Kinderliteratur und meiner persönlichen Heldin seit Kindheitstagen.

Astrid Lindgren hat nicht nur Geschichten geschrieben – sie hat Welten geschaffen. Welten, die mich als Kind in ihren Bann gezogen haben. Mit Pippi Langstrumpf habe ich die Welt auf den Kopf gestellt, mit Michel aus Lönneberga Tränen gelacht und mit den Kindern aus Bullerbü in Gedanken die schönsten Sommer verbracht.

Und jetzt? Jetzt erlebe ich diese Magie aufs Neue – durch die Augen meiner Enkel. Wenn ich ihnen Lindgrens Geschichten vorlese, ist es wie eine Zeitreise in meine eigene Kindheit. Und wenn wir gemeinsam die Filme schauen, dann sehe ich nicht nur, wie sie sich in diese Geschichten verlieben – ich fühle mich selbst wieder wie das Kind, das damals gebannt vor dem Fernseher saß und träumte.

Das ist es, was Lindgrens Geschichten so besonders macht: Sie sind zeitlos. Sie verbinden Generationen. Und heute stehen wir in ihrer Heimat – an dem Ort, an dem all diese unvergesslichen Abenteuer ihren Anfang nahmen.

Mitten auf dem Marktplatz von Vimmerby steht sie – Astrid Lindgren höchstpersönlich. Zumindest als Statue, aber mit einem Lächeln, das fast so wirkt, als wollte sie uns direkt in ihre Geschichten einladen. Es ist, als würde sie sagen: „Na, seid ihr bereit für ein kleines Abenteuer?“

Ein Hauch von Nostalgie liegt in der Luft, während wir durch die Straßen schlendern, die nicht nur ihre Kindheit, sondern auch ihre Fantasie geprägt haben. Hier, in dieser „kleinen, kleinen Stadt“, streifte Pippi Langstrumpf umher, immer auf der Suche nach dem nächsten großen Spaß. Hier in „Kleinköping“ schlich Kalle Blomquist durch die Gassen, stets bereit, seinen neuesten Kriminalfall zu lösen. Und auch Rasmus und Pontus fanden in Västanvik ihr Zuhause – all das ist Vimmerby.

Es fühlt sich an, als würde jedes Pflastersteinchen ein Stück Geschichte erzählen. Als wäre irgendwo um die nächste Ecke ein altes Holzschild mit der Aufschrift „Villa Kunterbunt“ zu finden. Und dann entdecken wir sie – die Storgatan, die Hauptstraße von Vimmerby.

Hier steht es: das gelbe Haus mit der Nummer 40. Der Süßwarenladen, der Pippi zu ihrer wohl berühmtesten Einkaufstour inspirierte. 18 Kilo Süßigkeiten für alle Kinder der Stadt – eine Szene, die sich unauslöschlich in unsere Kindheitserinnerungen eingebrannt hat. Und jetzt stehen wir direkt davor.

Magie? Vielleicht. Oder einfach nur die unbeschreibliche Kraft von Astrid Lindgrens Geschichten, die in Vimmerby nicht nur erzählt, sondern gelebt werden.

Astrid Lindgren – Die Frau, die Kindheitsträume schrieb

 

Die Frau hinter den Geschichten
Astrid Lindgren (geboren am 14. November 1907 in Vimmerby) gehört zu den meistgelesenen Kinderbuchautorinnen der Welt. Ihre Bücher wurden in über 100 Sprachen übersetzt und mehr als 165 Millionen Mal verkauft! Damit ist sie eine der meistgelesenen Autorinnen der Weltliteratur.

Die Erfinderin von Pippi – aus der Not heraus
Wusstet ihr, dass Pippi Langstrumpf eigentlich nur aus Langeweile erfunden wurde? 1941 lag Astrids Tochter Karin mit einer Lungenentzündung im Bett und bat ihre Mutter: „Erzähl mir eine Geschichte von Pippi Langstrumpf!“ Der Name war einfach aus dem Nichts erfunden – und Astrid Lindgren begann, sich die Abenteuer des stärksten Mädchens der Welt auszudenken.

Abgelehnt – und dann zum Weltbestseller
Ihr erstes Manuskript zu Pippi Langstrumpf wurde von einem Verlag abgelehnt. Doch Astrid ließ sich nicht entmutigen und überarbeitete die Geschichte. 1945 erschien Pippi Langstrumpf schließlich im Rabén & Sjögren Verlag – und wurde zum Riesenerfolg. Der Rest ist Geschichte.

Ihr erster Job? Stenografin!
Bevor sie als Schriftstellerin durchstartete, arbeitete Astrid Lindgren als Sekretärin und Stenografin. Ihre Fähigkeit, blitzschnell zu schreiben, kam ihr später beim Erfinden ihrer Geschichten zugute.

Michel aus Lönneberga – der freche Junge aus ihrer Kindheit
Michel (im Schwedischen eigentlich „Emil“) aus Lönneberga hat es faustdick hinter den Ohren – und basiert auf echten Kindheitserinnerungen! Lindgren erzählte, dass ihr Vater und dessen Brüder als Kinder genauso viel Unsinn triebenwie Michel.

Karlsson vom Dach – ihr Lieblingscharakter?
Astrid Lindgren wurde oft gefragt, welche ihrer Figuren ihr am meisten am Herzen liegt. Sie antwortete stets: „Karlsson vom Dach – weil er sich nicht darum schert, was andere über ihn denken.“

Eine besondere Ehrung – ein Asteroid für Astrid
Nach ihr wurde 2005 der Asteroid „3204 Lindgren“ benannt. Ein literarisches Denkmal, das für die Ewigkeit durch das All schwebt.

Astrid Lindgren & der Nobelpreis
Trotz ihrer weltweiten Erfolge hat sie nie den Literaturnobelpreis erhalten – allerdings verlieh ihr die schwedische Akademie 1978 als erste Kinderbuchautorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Ihr Vermächtnis: Die Astrid Lindgren Memorial Award
Nach ihrem Tod 2002 wurde ihr zu Ehren der „Astrid Lindgren Memorial Award“ (ALMA) ins Leben gerufen – die weltweit wichtigste Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur.

Astrid Lindgren hat mit ihren Geschichten Generationen geprägt – und es sieht nicht so aus, als würde sich das jemals ändern. 💛

Der Marktplatz von Vimmerby, der Stora Torget, liegt an diesem sonnigen Sonntag fast menschenleer vor uns. Ein paar vereinzelte Spaziergänger schlendern durch die Kopfsteinpflaster-Gassen, doch sonst: Ruhe. Fast ein bisschen zu idyllisch – als hätte jemand das Dorf auf “Pause” gedrückt.

Doch dann meldet sich die Realität in Form eines ziemlich überzeugenden Magenknurrens. Zeit für eine Pause. Zeit für Essen.

Wir haben unser Restaurant im Voraus ausgesucht – klug, wie wir dachten. Doch als wir davorstehen, die Tür verschlossen, das “Sonntags geschlossen”-Schild prangend im Fenster, wird klar: kluge Planung hin oder her – das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Na toll. Aber aufgeben? Nicht unser Stil.

Vimmerby Stadshotell

Wir drehen uns um – und entdecken direkt gegenüber ein einladendes Hotel mit einer malerischen Terrasse. Klingt nach einem perfekten Plan B, bis uns einfällt: Hotels mit malerischen Terrassen haben selten günstige Speisekarten.

Doch dann erspähe ich einen Aufsteller. Mittagsmenü? Das könnte unsere Rettung sein! Ich zücke mein Handy, Google Lens wird aktiviert, denn mein Schwedisch ist ungefähr so gut wie Michels Tischlerkünste.

Und siehe da: Jackpot! Drei verschiedene Mittagsmenüs – inklusive Salat, Kaffee und Süßigkeiten zum Nachtisch – für schlappe 169 Kronen. Ein echtes Schnäppchen! Selbst mit den zwei Colas, die wir noch bestellen, landen wir gerade mal bei knapp 35 € für alles.

Manchmal läuft es einfach. Manchmal hat man das sprichwörtliche Reiseglück auf seiner Seite – und genau solche kleinen unerwarteten Highlights machen eine Tour erst richtig unvergesslich.

Es ist später Nachmittag, und die Sonne schiebt sich langsam Richtung Horizont – als würde sie selbst ein bisschen bedauern, dass unser Abenteuer in Vimmerby bald zu Ende geht. Doch bevor wir diesen zauberhaften Ortverlassen, gibt es noch eine Mission zu erfüllen: Ich brauche ein Souvenir von Astrid Lindgren.

In den Schaufenstern der Stadt habe ich bereits süße Tassen mit Pippi und Michel erspäht. Perfekt! Nur ein klitzekleines Problem: Es ist Sonntag. Und in Schweden bedeutet das: Geschlossene Geschäfte.

Aber keine Panik! Wo ein Wille, da ein Souvenir – und so steuern wir kurzerhand das Astrid-Lindgren-Museum an. Und tatsächlich: Mission erfolgreich! Ich schnappe mir entzückende Pippi-Postkarten (die meine Enkel bald in ihren Briefkästen finden werden) und ein paar wunderschöne Blechtassen mit meinen Kindheitshelden – für mich selbst, versteht sich. Ein Stück Lindgren für unterwegs.

Unsere Reise ist noch lange nicht zu Ende – doch bevor wir Vimmerby endgültig hinter uns lassen, machen wir einen letzten Stopp. Am Ortsausgang entdecken wir einen Dollar-Markt. Und, sagen wir mal so: Stefan findet ihn völlig überflüssig, ich hingegen halte ihn für die nützlichste Erfindung seit der Thermoskanne.

Es ist erstaunlich, was man hier alles findet! Praktische Camping-Gadgets, Dinge, von denen ich bis eben nicht wusste, dass ich sie brauche – und vermutlich auch einige Sachen, die laut Stefan absolut unnötig sind (falsch, aber das ist eine Diskussion für später). Kurz gesagt: Wir verlassen den Laden bestens ausgerüstet für die nächste Etappe.

First Camp Vimmerby

Unser nächstes Ziel: Kolmården. Genauer gesagt: der First Camp Kolmården-Norrköping. Und was für ein fantastischer Ort das ist! Nur einen Katzensprung vom Meer entfernt, mit einer Aussicht, die fast schon kitschig schön ist.

Das Wetter? Perfekt. Also packen wir Tisch, Stühle und natürlich den Grill aus. Es gibt nichts Besseres, als den Abend mit einem saftigen Steak und einem kühlen Bier ausklingen zu lassen, während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet.

First Camp Vimmerby

Gute Nacht, Pippi, Karlsson, Michel – und gute Nacht an all die Abenteuer, die wir heute erlebt haben. Morgen wartet ein neuer Tag – mit neuen Geschichten, neuen Entdeckungen und ganz sicher neuen Camping-Gadgets, die Stefan nicht braucht.

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