Von der Altstadt bis zum Turning Torso: Ein Tag in Malmö

Der Morgen begann mit einer der schönsten Routinen des Reisens: Kaffee kochen im Camper. Während draußen der Tag noch verschlafen gähnte, verbreitete sich im Inneren der Duft frisch gebrühten Kaffees – dieses göttliche Elixier, das selbst die müdesten Geister in abenteuerlustige Entdecker verwandelt. Dazu knusprige Brötchen, Wurst und Käse, ein Hauch von Luxus mitten im Camperleben. Wer braucht schon ein Fünf-Sterne-Hotel, wenn man den Geschmack von Freiheit auf der Zunge hat?

Um Punkt acht rollten wir los – Richtung Malmö, über die legendäre Öresundbrücke. Diese Meisterleistung der Ingenieurskunst erstreckt sich scheinbar endlos über das Wasser und verbindet Dänemark mit Schweden, als wäre es das Normalste der Welt, mal eben zwei Länder mit einer schnurgeraden Betonlinie zu verknüpfen. Normal ist hier allerdings gar nichts, denn die Fahrt über diese Brücke fühlt sich an wie ein Flug – ein sanftes Gleiten über das glitzernde Wasser, das irgendwo zwischen Himmel und Meer verschwimmt.

Øresundsbroen

Heute jedoch hatte die Natur beschlossen, die Brücke in einen dichten Nebelschleier zu hüllen. Statt Panorama gab es Mystik – und was für eine! Die massiven Pfeiler ragten gespenstisch aus dem milchigen Grau, als würden sie direkt in den Himmel führen. Links und rechts nur Nebel, kein Wasser, kein Horizont, nur diese scheinbar endlose Straße ins Ungewisse. Hätte sich plötzlich ein Wikinger auf einem Drachenboot aus dem Nichts geschält, es hätte kaum überrascht.

Ob unter strahlender Sonne oder umhüllt von geheimnisvollem Dunst – die Öresundbrücke bleibt eine der spektakulärsten Straßen der Welt. Heute war sie kein technisches Wunderwerk, sondern ein Tor in eine andere Dimension. Und wir? Wir fuhren einfach mitten hindurch.

Unser erster Stopp in Malmö führte uns zum Viewpoint an der Öresundbrücke – oder besser gesagt, zu einem weißen Nichts mit eingebauter Überraschung. Normalerweise bietet dieser Aussichtspunkt einen grandiosen Blick auf die Brücke und die Skyline der Stadt, heute jedoch präsentierte sich uns ein ganz anderes Spektakel: eine dichte Nebelwand, die selbst Sherlock Holmes nervös gemacht hätte.

Øresundsbroen

Statt Panorama gab es Poesie – die Brücke tauchte nur schemenhaft aus dem Nebel auf, als wäre sie ein geheimnisvolles Tor in eine andere Welt. Ein bisschen unheimlich, ein bisschen magisch, als hätte jemand den Horizont einfach ausradiert und stattdessen eine Szene aus einem skandinavischen Krimi eingebaut. Kein Windhauch, keine Geräusche, nur wir und diese gespenstische Stille. Es war, als würde Malmö für einen Moment den Atem anhalten.

Trotz der fehlenden Sicht fühlte sich der Moment einzigartig an. Denn wer braucht schon eine glasklare Aussicht, wenn er stattdessen das Gefühl bekommt, direkt durch eine nordische Legende zu reisen?

Die Öresundbrücke: Ein Meisterwerk zwischen Himmel, Meer und Krimi-Atmosphäre

 

Die Brücke, die keine Brücke ist
Wer von Kopenhagen nach Malmö fährt, erlebt ein architektonisches Verwirrspiel: Die Öresundbrücke beginnt als Brücke – und endet im Nichts. Nach etwa 8 Kilometern verschwindet sie abrupt im Meer, als hätte ein Bauingenieur mittendrin Feierabend gemacht. Tatsächlich taucht die Straße in den Drogdentunnel ab, der unter dem Meer weiterführt.


Die Insel, die einfach aus dem Nichts auftauchte
Kurz vor dem Übergang in den Tunnel gibt es eine kleine, unscheinbare Insel namens Peberholm – ein reines Menschenwerk! Sie wurde als künstliche Insel angelegt, aber anstatt sie einfach mit Parkplätzen und Souvenirständen vollzubauen, ließ man sie komplett der Natur überlassen. Heute ist sie ein einzigartiges Ökosystem und ein Paradies für seltene Pflanzen und Vögel. Fun Fact: Kein Mensch darf Peberholm betreten – außer Wissenschaftler, die einmal im Jahr vorbeischauen!

Der Preis für diese Ingenieurskunst? Stolze 4 Milliarden Euro!

So ein Bauwerk gibt’s nicht umsonst. Die Finanzierung läuft über Mautgebühren, und die sind nicht gerade günstig: Eine einfache Fahrt mit dem Auto kostet rund 60 Euro! Wer also täglich zur Arbeit nach Schweden pendelt, könnte sich fast einen Privatjet leisten (zumindest gefühlt).


Hollywoods heimlicher Star
Die Brücke ist nicht nur eine Verkehrsanbindung, sondern auch eine Berühmtheit in der Popkultur. Die Krimiserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ machte sie zu einem düsteren, ikonischen Symbol für nordische Spannung. Kaum eine Szene, in der nicht melancholische Musik spielt und jemand mit ernstem Gesichtsausdruck über die Brücke fährt.


Ein Verkehrsweg für Autos und Züge – aber nicht für Fahrräder
Die Öresundbrücke ist eine der wenigen Brücken, die Autos und Züge gleichzeitig transportiert, aber Radfahrer und Fußgänger bleiben außen vor. Wer trotzdem mit dem Fahrrad nach Schweden möchte, muss den Zug nehmen – oder sehr gut schwimmen können.


Die USA hatten ein ähnliches Projekt – und verwarfen es

In den USA gab es Überlegungen, eine gigantische Brücke zwischen Alaska und Russland zu bauen, um Nordamerika und Eurasien zu verbinden. Das Projekt blieb jedoch in der Planungsphase stecken. Im Gegensatz dazu wurde die Öresundbrücke in nur fünf Jahren fertiggestellt – was angesichts der Bürokratie in vielen Ländern fast wie ein Wunder wirkt.


Die Pylonen sind so hoch wie Wolkenkratzer
Die beiden Hauptpylonen der Brücke ragen 204 Meter in den Himmel – das entspricht fast der Höhe der Pyramiden von Gizeh! Diese Giganten tragen die gesamte Schrägseilkonstruktion und sind selbst aus weiter Ferne gut sichtbar.


Die Brücke hat ein geheimes Notfall-Szenario

Falls es jemals nötig wäre, könnte die Brücke als Start- und Landebahn für Flugzeuge genutzt werden. In einer absoluten Notsituation könnten dort Militärmaschinen oder Notfallflüge durchgeführt werden – zum Glück ist das bislang nicht passiert.


Kurz gesagt: Die Öresundbrücke ist mehr als nur eine Verbindung zwischen zwei Ländern – sie ist ein Wunderwerk der Ingenieurskunst, ein Krimi-Schauplatz, ein Naturschutzgebiet und ein Symbol für grenzenlose Möglichkeiten.

Nach unserem kurzen Stopp am Viewpoint steuerten wir die Innenstadt an – mit einem entscheidenden Vorteil: Wir hatten uns schon zu Hause einen Parkplatz für den Camper ausgesucht. Denn wer einmal versucht hat, mit einem fahrbaren Wohnzimmer in einer fremden Stadt eine spontane Parklücke zu finden, weiß: Das kann man machen, ist aber eine exquisite Form der Selbstgeißelung.

Unsere Wahl fiel auf einen Stellplatz direkt neben dem Stadtpark, wo sich am Straßenrand großzügige Parkplätze fanden. Praktischerweise funktionierten unsere Park-Apps aus Deutschland auch hier – ein kleines, aber feines Detail, das uns einiges an Kleingeldsuche ersparte. Das Beste daran? Die Parkzeit ließ sich per App nachträglich anpassen. Kein panisches Zurücklaufen, keine drohenden Strafzettel, einfach ein Klick auf dem Handy – flexibler geht’s nicht!

Und dann geschah es: Direkt neben unserem Parkplatz entdeckten wir eine mobile Kaffeebar. Ein kleiner, unscheinbarer Wagen, aber mit einem Versprechen, das man förmlich riechen konnte – frisch gebrühter Kaffee aus einer Siebträgermaschine. Unmöglich, daran vorbeizugehen! Also gönnten wir uns eine Pause und genossen das, was in Skandinavien als „Fika“ bekannt ist: eine kleine, genussvolle Auszeit. Zum samtigen Espresso gesellten sich ein saftiger Schoko-Kokos-Ball und ein himmlisches Cookie – ein perfekter Start für unseren Malmö-Bummel.

Diese leckeren Schokobälle mit Kokosstreuseln heißen in Schweden „Chokladbollar“. Sie sind ein absoluter Klassiker und bestehen aus einer Mischung aus Haferflocken, Kakao, Butter, Zucker und manchmal einem Schuss Kaffee. Anschließend werden sie zu kleinen Kugeln geformt und in Kokosraspeln (oder alternativ in Perlzucker) gewälzt. Perfekt für eine schwedische „Fika“!

Mit Kaffee in der Hand und bester Laune spazieren wir Richtung Innenstadt. Die Sonne scheint, das Wetter spielt mit – es könnte kaum ein besserer Tag für einen Stadtbummel sein. Jeder Schluck Kaffee, jeder Bissen Chokladboll ist pure Lebensfreude, während wir uns gemütlich treiben lassen.

Der Stadtpark von Malmö begrüßt uns mit frischem Grün und bunten Blumenbeeten. Tulpen in leuchtenden Farben, sattgrüne Wiesen, Vögel zwitschern – es ist fast zu kitschig, um wahr zu sein. Überall genießen Menschen das gute Wetter: Jogger schnüren ihre Laufschuhe, Kinder sausen auf ihren Rollern vorbei, und verliebte Paare flanieren Hand in Hand. Ein idyllisches Bild – fast wie aus einem Schweden-Werbespot.

Doch Malmö hat mehr zu bieten als nur Parkidylle. Auf dem Weg in die Altstadt stoßen wir auf zwei riesige Wandgemälde – und was für welche! Das erste, „The Magic Book“ von Natalia Rak, zeigt ein gigantisches, aufgeschlagenes Buch, aus dem ein Octopus emporsteigt – als hätte Jules Verne persönlich hier seine Finger im Spiel gehabt. Magisch, surreal und ein echter Blickfang! Direkt daneben ein völlig anderes Werk: Bunte, abstrakte Formen und knallige Farben von Ola Kalnins, ein echter Kontrast zum Oktopus, aber nicht minder beeindruckend. Malmö ist offenbar nicht nur die Stadt der Brücken, sondern auch der Murals.

Streetart: Das Mädchen und der Octopus

Und dann erreichen wir die Gamla Stan – die Altstadt von Malmö. Kopfsteinpflaster, charmante Fassaden, geschäftiges Treiben – hier pulsiert das Leben. Menschen schlendern durch die Straßen, Cafés und kleine Läden laden zum Stöbern ein, und wir fühlen uns ein bisschen wie Zeitreisende, die in einer alten Hansestadt gestrandet sind.

Doch plötzlich klärt sich ein Rätsel: Malmö ist in diesen Tagen bunter und schriller als sonst – und wir wissen nun auch warum. Überall fröhliche, feiernde Menschen, teils in extravaganten Outfits, teils in kompletten Länderfarben – der Eurovision Song Contest steht vor der Tür! Morgen ist es soweit, und die Stadt ist schon jetzt im absoluten ESC-Fieber.

Und genau hier liegt unser kleines Problem. ESC? Das ist sowas von nicht unser Ding. Hoffentlich denkt jetzt niemand, dass wir absichtlich zum Eurovision-Wochenende nach Malmö gereist sind! Unser Ruf könnte irreparablen Schaden nehmen. Man stelle sich nur vor, jemand entdeckt uns in dieser bunten Menschenmenge und postet ein Foto mit der Überschrift: „Hier sind sie – die größten ESC-Fans ever!“

Höchste Zeit, dezent unauffällig weiterzuziehen.

Es gibt genau eine Ausnahme, bei der wir uns nicht schamvoll von diesem Eurovision-Trubel distanzieren können – und die heißt ABBA. Denn wenn es um den ESC geht, denkt jeder sofort an diese vier Schweden in glitzernden Bühnenoutfits, die vor genau 50 Jahren mit „Waterloo“ den Grand Prix gewannen und Musikgeschichte schrieben. Und weil die Welt (zurecht) immer noch im ABBA-Fieber ist, hat sich Malmö nicht lumpen lassen und kurzerhand ein ABBA Pop-Up-Museum aus dem Boden gestampft.

Die Stadt ist eine einzige Hommage an die schwedischen Pop-Ikonen. Überall hängen Plakate und Banner mit den jungen Versionen von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid – als wäre Malmö eine gigantische Fan-Convention. Aus den Cafés und Geschäften dudeln die größten Hits, und wenn wir ehrlich sind, ertappen wir uns dabei, wie wir leise mitsummen. Keine Chance, hier ohne Ohrwurm davonzukommen.

Da trifft es sich gut, dass wir Tickets für das Pop-Up-Museum haben – Punkt 12 Uhr sind wir dabei. Bis dahin bleiben uns noch zwei Stunden, die wir nutzen, um weiter durch die Altstadt zu streifen. Perfekt, um noch tiefer in das quirlige Malmö einzutauchen, bevor wir uns später endgültig von der ABBA-Nostalgie mitreißen lassen. Mamma Mia, das wird gut!

Lejonet Passagen

Wir setzen unseren Spaziergang fort und tauchen weiter in das Herz von Malmö ein. Kaum betreten wir den Stortorget, haben wir das Gefühl, mitten in einer Zeitkapsel gelandet zu sein – nur dass sie mit jeder Menge Leben gefüllt ist. Das Rathaus von 1544 thront über dem Platz, als hätte es sich vorgenommen, jedes andere Gebäude mit seiner Pracht in den Schatten zu stellen. Gotische Verzierungen, majestätische Fenster, eine Fassade, die nur so nach Fotomotiv schreit – natürlich können wir nicht anders, als unsere Kameras zu zücken und den Speicherplatz gnadenlos zu füllen.

Doch es bleibt nicht bei einem Blickfang. Direkt nebenan entdecken wir die Apotheke Lejonet, die älteste Apotheke Malmös. Und was für eine! Die Fassade ist eine wahre Zeitreise mit Werbeanzeigen aus dem Jahr 1900, die immer noch stolz an den Wänden prangen. Man kann sich förmlich vorstellen, wie hier vor über 100 Jahren jemand mit Zylinder und Gehstock Hustenbonbons gekauft hat. Wir schlendern durch die Lejonet-Passage, eine schmale, historische Gasse, die noch mehr nostalgische Motive bereithält – ein echtes Fest für jeden, der altmodischen Charme liebt.

Lejonet Passagen

Der Stortorget ist ein Schmelztiegel aus Geschichte und modernem Leben. Touristen, Einheimische, Straßenkünstler – alle mischen sich zu einem lebendigen Panorama, das Malmö so besonders macht. Dazu noch die bunten ESC-Fans, die hier in freudiger Erwartung auf das große Event durch die Straßen ziehen – eine herrlich skurrile Mischung!Alte Architektur trifft auf flippige Outfits, ein gotisches Rathaus auf bunte Fahnen – eine Szene, die man so schnell nicht vergisst.

Doch Malmö hat noch mehr zu bieten, und nur wenige Schritte weiter wartet schon der nächste Platz auf uns: der Lilla Torg. Wo der Stortorget groß und imposant ist, empfängt uns der Lilla Torg mit gemütlichem Fachwerk, verwinkelten Gässchen und kleinen kreativen Läden. Ein Platz, der zum Verweilen einlädt, mit charmanten Cafés, die nur darauf warten, dass man sich niederlässt und die Atmosphäre in sich aufnimmt. Hier fühlt sich Malmö plötzlich ganz klein und vertraut an – fast wie ein skandinavisches Märchen.

Unser Spaziergang führt uns zu einem meiner absoluten Lieblingsmotive in Malmö – und es ist ein Anblick, der jedes Fotografenherz höherschlagen lässt. Die historische World Maritime University steht da in voller Pracht, als wäre sie geradewegs einem Geschichtsbuch entsprungen, während direkt dahinter das moderne Clarion Hotel Malmömit seinem schlanken Profil in den Himmel ragt. Alt trifft auf Neu, Tradition auf Zukunft – ein architektonischer Kontrast, der besser kaum inszeniert sein könnte.

Kaum haben wir die Szenerie vor Augen, passiert es automatisch: Die Kameras sind gezückt, die Finger auf den Auslösern. Denn dieser Moment, in dem das ehrwürdige Backsteingebäude der Universität vor der futuristischen Glasfassade des Hotels posiert, ist einfach zu perfekt, um ihn nicht festzuhalten. Es ist Malmö in seiner Essenz – eine Stadt, die Vergangenheit und Moderne mit beeindruckender Leichtigkeit verbindet.

Norra Vallgatan

Unser nächster Halt auf unserer Malmö-Tour: der Hauptbahnhof. Zugegeben, er steht nicht unbedingt auf der Liste der „Must-See“-Sehenswürdigkeiten – aber manchmal sind es gerade die unterschätzten Orte, die einen überraschen.

Schon beim Betreten wird klar: Dieser Bahnhof hat Charakter. Das Hauptgebäude aus dem Jahr 1872 strahlt eine ehrwürdige Eleganz aus, die man in modernen Glas-und-Beton-Bahnhöfen vergeblich sucht. Alte Ziegelsteine treffen hier auf moderne Elemente, Nostalgie auf geschäftige Dynamik. Besonders beeindruckend ist die Gleishalle mit ihrem riesigen Stahl-, Glas- und Holzgewölbe. Die hohen Fenster lassen das Tageslicht in sanften Strahlen auf die Bahnsteige fallen – eine Szene, die fast ein bisschen filmreif wirkt.

Während Reisende mit Rollkoffern vorbeiziehen, Durchsagen durch die Halle hallen und Züge ankommen und abfahren, bleibt dieses Gebäude ein faszinierendes Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Vielleicht ist Malmö Centralstation kein klassischer Touristenmagnet – aber definitiv ein Bahnhof mit Stil.

Malmö Central Station

Na klasse, jetzt gibt es kein Zurück mehr – ich sehe offiziell aus wie das ultimative ESC-Fangirl! Da stehe ich also, Daumen hoch, vor einer riesigen knallbunten Eurovision-Wand, als hätte ich mich jahrelang auf genau diesen Moment vorbereitet. Mensch, Stefan, wenn das jemand sieht! Unser sorgfältig gepflegter Ruf als „ESC-Vermeider“ könnte irreparabel geschädigt sein.

Fehlt nur noch, dass jemand das Foto auf Social Media mit dem Text „Lebenstraum erfüllt!“ postet. Die Hardcore-Fans mit Glitzerjacken und Länderfahnen um mich herum würden mich sofort in ihre Reihen aufnehmen – ob ich will oder nicht. Und mal ehrlich: Mit dem Hard Rock Café Shirt wirke ich auch nicht gerade wie jemand, der sich hier nur zufällig hinverirrt hat. Tja, spätestens jetzt glaubt uns keiner mehr, dass wir nur wegen ABBA hier sind!

Abba World Pop up Museum Malmö

Hier endete vorerst unser Streifzug durch Malmö. Wir kehren zurück in die Fußgängerzone, und punkt 12 Uhr öffnen sich die Türen – als würde jemand eine Zeitkapsel entriegeln. Plötzlich sind wir mittendrin in den glitzernden 70ern, umgeben von schrillen Outfits, legendären Plattencovern und den unsterblichen Melodien einer Band, die Musikgeschichte geschrieben hat. „Take A Chance On Me“ scheint das Motto dieses Pop-Up-Stores zu sein – denn wer hier eintritt, wird unweigerlich in den Bann gezogen.

Die mitreißende Energie der Musik erfasst uns sofort. Während wir zwischen den Ausstellungsstücken wandeln, erzählt jeder glitzernde Bühnenanzug, jedes Vinyl und jede Fotografie die Geschichte einer Band, die die Welt zum Tanzen brachte. Es ist nicht nur eine Ausstellung – es ist eine „Super Trouper“-Hommage an eine Ära, die vor Glamour, Kreativität und unvergesslichen Melodien nur so sprühte.

Für mich ist dieser Besuch mehr als nur ein nostalgischer Ausflug in die Musikgeschichte – es ist eine Reise zurück zu meiner eigenen Jugend. Als Kind war ich ein riesiger ABBA-Fan. „I Have A Dream“ – und der bestand damals darin, jedes noch so kleine Bravo-Poster von ihnen zu sammeln und meine Kassetten rauf und runter zu spielen.Dass ich dabei jeden Songtext auswendig konnte, war Ehrensache – und, seien wir ehrlich, ich kann sie immer noch alle.

Heute höre ich zwar ganz andere Musik, aber sobald „Dancing Queen“ oder „Mamma Mia“ erklingen, fühlt es sich an, als hätte jemand den Schalter umgelegt. Plötzlich bin ich wieder dieses Kind, das voller Begeisterung die ersten Musikidole anhimmelt. Und genau das macht ABBA so besonders – ihre Songs sind nicht nur Lieder, sondern Zeitreisen, die einen direkt zurück in die eigene Vergangenheit katapultieren.

Abba World Pop up Museum Malmö

„Thank You for the Music“, ABBA! Und damit verlassen wir die glitzernde Welt der 70er Jahre und kehren zurück ins Jahr 2024 – ganz ohne Fluxkompensator! Keine Zeitmaschine, keine verrückten Wissenschaftler, einfach nur ein beherzter Schritt aus dem Pop-Up Store hinaus in die Realität.

Die Malmö Central Station holt uns sofort wieder ins Hier und Jetzt zurück. Vorbei ist die schillernde Nostalgie – stattdessen empfängt uns das geschäftige Treiben einer modernen Großstadt. Menschen strömen in alle Richtungen, Züge rauschen ein und aus, und die Lautsprecheransagen hallen durch die Halle. Kein „Gimme! Gimme! Gimme!“ mehr, sondern eher „Move! Move! Move!“, wenn man nicht von einem hektischen Pendler umgerannt werden will.

Und doch ist dieser Bahnhof auf seine eigene Weise faszinierend. Die Mischung aus ehrwürdiger Backstein-Architektur und moderner Dynamik macht ihn zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft nahtlos ineinandergreifen – ein bisschen wie ABBA selbst.

Unser Spaziergang durch das charmante Malmö führte uns schließlich zu einem echten Klassiker der Stadt: dem Malmö Inre Fyr. Der stolze Leuchtturm, der wie ein geduldiger Wächter über dem Hafen thront, war unser nächstes Ziel – und allein der Weg dorthin war ein Genuss. Vorbei an malerischen Booten, kleinen Fischkuttern und kunstvollen Skulpturen schlenderten wir am Wasser entlang, während die salzige Meeresluft uns um die Nase wehte.

Neptunigatan

Kaum erreichten wir den Malmö Inre Fyr, verwandelten wir uns in eine Horde hyperaktiver Fotografen. Klick, klick, klick – kein Winkel, keine Reflexion, kein noch so kleines Detail blieb verschont. Der Blick über den geschäftigen Hafen war grandios: Schiffe schaukelten sanft im Wasser, Möwen kreisten kreischend über den Kais, und das Treiben am Hafen sorgte für eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen entspannt und abenteuerlustig lag.

Doch Malmö hatte noch mehr für uns parat – also weiter am Wasser entlang, immer das glitzernde Meer im Auge, Richtung Turning Torso. Schon von weitem ragte dieser verdrehte Wolkenkratzer wie ein architektonischer Riesein den Himmel, ein Wahrzeichen, das sich scheinbar mit jeder Perspektive neu erfand. Je näher wir kamen, desto surrealer wurde das Ganze: Wie konnte ein Gebäude so aussehen, als würde es sich in sich selbst verheddern – und dabei trotzdem stabil stehen?

Turning Torso

Natürlich hielten wir auch hier unsere Kameras im Dauerfeuer. Jeder Blickwinkel bot eine neue, faszinierende Ansicht – mal wirkte der Turning Torso wie ein geschmeidiger Wirbelwind aus Glas und Stahl, mal wie ein zu ehrgeiziges Jenga-Türmchen kurz vor dem Einsturz. Aber er stand, und er stand gut – beeindruckend, kühn und definitiv eines der Highlights unserer Tour.

Doch Malmö ist nicht nur die Stadt der modernen Architektur, sondern auch eine Stadt voller kleiner, versteckter Juwelen. Und eines davon lag nur wenige Schritte entfernt: der Titanic Lovelock Point. Ein Balkon, der dramatisch über das Wasser hinausragt und für Romantiker, Nostalgiker und Kinofans die perfekte Bühne für den legendären „Jack und Rose“-Moment bietet.

Neptunigatan

Natürlich ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen. Arme ausgestreckt, der Wind im Gesicht, eine Prise Drama in der Haltung – „Ich bin der König der Welt!“ Die Möwen spielten ihre Rolle perfekt, das Wasser glitzerte filmreif unter uns, und für einen kurzen Moment fühlte sich Malmö wie Hollywood an. Ein perfekter Schnappschuss, eingefangen zwischen Freiheit, Meeresbrise und einer gesunden Portion Selbstironie.

Unser nächstes Ziel: der Öresundsparken, ein kleines grünes Paradies direkt am Meer. Nach all den Eindrücken, Kameraklicks und architektonischen Meisterwerken war es genau das, was wir brauchten – ein Ort, an dem man einfach mal durchatmen konnte. Hier, zwischen sanft raschelnden Bäumen und dem Blick auf das scheinbar endlose Wasser, fühlte sich Malmö plötzlich ganz entspannt an. Keine Hektik, kein Großstadttrubel – nur eine frische Meeresbrise und ein Moment, um die Seele baumeln zu lassen.

Doch so schön es auch war – irgendwann meldete sich ein viel banaleres Bedürfnis: Hunger. Sightseeing ist schließlich kein leichtes Unterfangen, und unser Magen war sich einig: Jetzt musste was Ordentliches her!

Auf der Suche nach etwas Gutem stießen wir auf den Surf Shack Burger – eine kleine, entspannte Burgerbude mit genau der richtigen Mischung aus Lockerheit und Geschmacksexplosion. Die Atmosphäre? Lässig. Die Burger? Ein Gedicht. Und während wir unsere saftigen Burger genossen, war klar: Das war die perfekte Auszeit vom Sightseeing-Marathon. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Meeresluft und ein Essen, das jeden weiteren Kilometer wert war. Malmö wusste eben, wie man Genuss mit Entspannung kombiniert.

Malmöhus Slott

Gestärkt und zufrieden zogen wir weiter – unser nächstes Ziel: das Malmöhus. Doch bevor wir die altehrwürdigen Mauern erreichten, führte unser Weg durch eine grüne Oase mitten in der Stadt.

Westlich der Altstadt erstrecken sich der Kungsparken und der Slottsparken – zwei weitläufige Parks, die Malmö ein überraschend entspanntes Flair verleihen. Hier rauscht kein Verkehr, sondern nur das Blätterdach der alten Bäume, während Spaziergänger, Radfahrer und Enten friedlich ihren Tag genießen. Ein perfekter Ort, um noch einmal tief durchzuatmen, bevor es weiter zum nächsten Highlight ging.

Und dann stand es vor uns: das Malmöhus. Ein Schloss, das seine besten Tage vielleicht schon hinter sich hat, aber dennoch mit einer gewissen würdevollen Gelassenheit inmitten der Stadt thront. Erbaut im 16. Jahrhundert, trägt es den Titel des ältesten erhaltenen Renaissanceschlosses Skandinaviens. Heute beherbergen seine Mauern mehrere Museen – vom Stadtmuseum über das Naturhistorische Museum bis hin zum Kunstmuseum.

Natürlich konnten wir nicht anders, als noch ein paar letzte Fotos zu schießen. Schließlich kommt man nicht alle Tage an einem Schloss vorbei, das schon Jahrhunderte überdauert hat. Doch dann wurde es Zeit, den Rückweg anzutreten – und wie praktisch, dass unser Camper fast um die Ecke geparkt war. Malmö hatte uns mehr als einmal überrascht, doch jetzt freuten wir uns auf das nächste Kapitel unseres Abenteuers.

Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck machten wir uns schließlich auf den Weg zum Campground in Y-Stadt.Hinter uns lag ein Tag voller Abwechslung – von historischen Sehenswürdigkeiten über moderne Architektur bis hin zu einem unerwarteten ABBA-Fest. Malmö hatte einiges zu bieten, das haben wir so gar nicht erwartet.

Während wir die Stadt hinter uns ließen, blickten wir noch einmal zurück auf einen Tag, der uns viele spannende Einblicke und einige überraschende Momente beschert hatte. Definitiv ein erlebnisreicher Stopp auf unserer Reise.

Ystadt Campground

Seitenübersicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert