
Durch Alpenstraßen zur glitzernden Lagune: Der Auftakt unseres Venedig-Trips
Venedig und Stefan – eine Geschichte voller Missverständnisse. Seine erste Begegnung mit der Lagunenstadt vor über 30 Jahren? Kein Erfolg. In seiner Erinnerung war Venedig eine teure, überfüllte, streng riechende Erfahrung, irgendwo zwischen Touristenmassen und überhöhten Preisen verloren. Romantik? Fehlanzeige.
Dann kam der September. Ein Tagestrip, eine neue Chance. Ich war hingerissen. Die Gassen, die Kanäle, das Licht – Venedig hatte mich vom ersten Moment an gepackt. Stefan? Skepsis in Person. Zugegeben, 30 Grad im Schatten, ein etwas chaotischer Stadtbummel und zu wenig Zeit hatten seinen Eindruck nicht gerade verbessert. Aber ich war entschlossen, diese Stadt in einem besseren Licht zu zeigen.
Nach einer geschickten Mischung aus Überredungskunst und unbestreitbar brillanten Argumenten (hust), erklärte er sich bereit, Venedig eine zweite Chance zu geben. Diesmal im November. Drei volle Tage. Und siehe da – es hat funktioniert! Stefan ist jetzt nicht nur überzeugt, sondern sogar ein kleiner Venedig-Fan geworden.
Unsere Reise begann früh – oder besser gesagt, direkt nach meiner Nachtschicht, die noch in meinen Knochen saß. Während ich auf dem Beifahrersitz versuchte, eine halbwegs akzeptable Schlafposition zu finden, übernahm Stefan voller Tatendrang das Steuer. Sein Auftrag: uns sicher und flott Richtung Süden zu bringen.
Die Strecke führte uns über Ulm, Kempten und schließlich in Richtung Fernpass – eine perfekte Mischung aus schnurgeraden Autobahnen und kurvigen Alpenstraßen, die einen atemberaubenden Ausblick nach dem anderen boten. Zwischen Reutte und dem Rasthaus Zugspitzblick überraschte uns die Landschaft dann mit einem unerwarteten Highlight: Schnee! Die Berge waren mit einer weißen Puderzuckerschicht bedeckt, und selbst am Straßenrand lag noch etwas Schnee – ein Anblick, der uns mitten im Herbst ein bisschen Winterstimmung bescherte.
Am Rasthaus Zugspitzblick legten wir einen kleinen Halt ein, und der Name hielt, was er versprach. Die imposante Zugspitze ragte majestätisch in den strahlend blauen Himmel, während der Blindsee in sattem Türkis glitzerte. Wir blieben einen Moment stehen, um die atemberaubende Aussicht in uns aufzusaugen – ein Moment, der die Hektik der Fahrt völlig vergessen ließ.
Ein weiterer Stopp führte uns zum Schloss Fernsteinsee, das so malerisch an seinem kleinen See lag, dass es direkt aus einem Märchenbuch entsprungen sein könnte. Definitiv eine Kulisse für einen Film – oder mindestens für ein paar beeindruckende Fotos. Ein kurzer Spaziergang tat gut, bevor wir wieder auf die Straße gingen. Venedig wartete.

Am Brenner angekommen, stand die erste Entscheidung an: zahlen oder staunen? Wir entschieden uns gegen die kostenpflichtige Brücke und nahmen stattdessen die landschaftlich reizvolle Route durch die kleinen Dörfer – ein Volltreffer! Bei strahlendem Sonnenschein präsentierte sich die Umgebung in ihrer schönsten Postkarten-Optik. Bunt bemalte Häuser, malerische Kirchtürme und eine Bergkulisse, die man am liebsten in Öl malen würde. Es fühlte sich an, als hätten wir uns spontan eine Extra-Tour durch ein Bilderbuch gegönnt.
BILDERGALERIE: Fernpass, Zugspitze und Brenner autobahn
Unser nächster Halt? Das Brenner Outlet Center – Pflichtstopp auf jeder Südreise. Hier ging es nicht nur darum, die Beine zu vertreten, sondern auch um eine kleine Shopping-Mission. Ein paar Geschenke für Noah und Emilia wanderten gleich in die Tasche – was genau, bleibt allerdings streng geheim. Überraschungen leben schließlich davon, dass sie Überraschungen bleiben. Aber eines ist sicher: Ihre strahlenden Gesichter werden den Einkauf mehr als wert sein



Kaum war das Shopping-Abenteuer abgeschlossen, meldete sich der Hunger – pünktlich wie ein schweizer Uhrwerk.Ursprünglich hatten wir uns auf einen schnellen Snack im Foodcourt des Outlets eingestellt, doch Überraschung! Wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Panik? Keine Spur. Denn wenn es eine Sache gibt, auf die man sich verlassen kann, dann auf Stefans untrüglichen Spürsinn für gutes Essen.
Und so führte uns unser Weg zur Pizzeria Vecchia Lokomotive, nur einen Steinwurf vom Outlet entfernt. Ein absoluter Glücksgriff! Manchmal sind es genau diese unerwarteten Wendungen, die einen zu den besten Entdeckungen führen – und diese kleine Pizzeria versprach schon auf den ersten Blick authentisches, italienisches Essen mit Wohlfühlfaktor.



Die Pizzeria war genau das, was wir brauchten: rustikal, gemütlich und voller duftender Versprechen. Nach einer langen Fahrt der perfekte Ort, um endlich mal durchzuatmen. Stefan? Keine Experimente. Wie immer landeten seine geliebten Spaghetti auf dem Teller. Ich hingegen gönnte mir eine zarte Tagliata – butterweich, perfekt gewürzt, einfach himmlisch. Der Duft von frischen Kräutern und Knoblauch lag in der Luft, und mit jedem Bissen schmolz die letzte Reise-Müdigkeit dahin. Ein Glas prickelndes Mineralwasser dazu – und unsere Akkus waren wieder voll.
Frisch gestärkt, bester Laune und mit Italien im Blick ging es weiter Richtung Gardasee, während die Nachmittagssonne warme Streifen über die Windschutzscheibe zog. Das Gefühl von Freiheit? Genau hier.
In Peschiera del Garda legten wir einen kurzen Zwischenstopp ein – denn eine goldene Camper-Regel lautet: Geh niemals ohne Vorräte in den nächsten Tag. Der Migross Superstore war die perfekte Anlaufstelle für alles, was das Italien-Herz begehrt. Mit leuchtenden Augen und einem leeren Einkaufskorb erkundete ich die Regale, während Stefan mich mit diesem speziellen Blick bedachte. Der, der sagt: „Denk dran, wir haben begrenzten Stauraum!“ Ein Blick, den ich gekonnt ignorierte – denn zwischen Parmesan, Salami und einem verlockenden Regal voller Limoncello gibt es einfach wichtigere Dinge als Platzprobleme.



Italienische Delikatessen verlangen nach einer gewissen Großzügigkeit. Also wanderte in den Einkaufswagen, was das Camper-Herz begehrt: Wein, Salami, Schinken, Mortadella und ein knuspriges Brot – ein echtes Festessen in der Camping-Edition. Der Supermarkt entpuppte sich als wahre Schatztruhe, und ich hätte problemlos noch ein paar weitere Köstlichkeiten eingesammelt, hätte Stefan nicht mit mahnend erhobener Augenbraue angemerkt: „Denk dran, wir brauchen noch Platz für uns selbst.“ Ein völlig überbewertetes Detail, wenn man mich fragt.
Mit unserer Beute – und einem leisen Bedauern, dass wir vielleicht doch noch etwas hätten mitnehmen sollen – setzten wir unsere Reise fort.
Nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir den Camping Fusina Venezia, unser Basislager für die kommenden Tage. Die letzten Kilometer dorthin? Sagen wir mal… wenig romantisch. Das Navi führte uns durch ein Industrie- und Hafengebiet, das mit seinem rauen Charme definitiv keine Postkartenmotive lieferte. Doch dort, am äußersten Zipfel des Festlands, wo sich die Welt aus Containern und Kränen plötzlich auflöst, wartete unsere kleine grüne Oase.
Kaum eingeparkt, standen wir fasziniert da. Vor uns lag die ruhige, spiegelglatte Lagune, und in der Ferne funkelten die Lichter von Venedig. Der Campanile von San Marco ragte majestätisch in den Nachthimmel – eine stille Begrüßung der Stadt, die diesmal nicht nur mich, sondern auch Stefan in ihren Bann ziehen sollte.
Die Vorfreude war greifbar. Morgen würden wir mit der Fähre übersetzen, durch verwinkelte Gassen streifen, uns in der Magie der Lagunenstadt verlieren. Venedig war bereit. Und diesmal waren wir es auch.
