Ciao Venedig: Ein letzter Tag voller Highlights und Leckereien

Heute hatte die Sonne ihren großen Auftritt – und sie wusste ganz genau, wie man eine Bühne nutzt. Keine Spur mehr von dem geheimnisvollen Dunst, der gestern noch über der Stadt lag und Venedig eine Film-noir-Kulisse verpasst hatte. Stattdessen ein Himmel in makellosem Blau, klare Luft und Temperaturen, die selbst die Gondeln in sommerliche Laune versetzten. Perfekte Bedingungen für unseren dritten und leider letzten Tag in der Lagunenstadt.

Wie immer nahmen wir das Wassertaxi zur Haltestelle Zattere. Inzwischen fühlte sich diese kleine Überfahrt schon fast an wie der tägliche Weg zur Arbeit – nur ohne Stau, ohne Hektik und mit einer deutlich besseren Aussicht. Eigentlich eine Frechheit, dass Pendeln nicht immer so sein kann.

Während wir über das Wasser glitten, ließ ich den Blick schweifen. Die Stadt wirkte an diesem Morgen noch lebendiger als sonst – als hätte Venedig selbst beschlossen, sich für unseren Abschied noch einmal so richtig herauszuputzen. Das Licht funkelte auf den Wellen, die Boote zogen elegante Bahnen durch die Lagune, und irgendwo in der Ferne hörte man die ersten Gondolieri ihre Lieder anstimmen. Ein Soundtrack, den sich keine Stadt der Welt so mühelos leisten kann wie diese.

Canal Grande

An der Zattere angekommen, wechselten wir vom Wassertaxi ins Vaporetto und tuckerten gemächlich über den Canal Grande in Richtung Ponte di Rialto.

Morgens auf dem Canal Grande zu sein, ist wie ein exklusiver Blick hinter die Kulissen einer riesigen venezianischen Inszenierung. Während die ersten Touristen noch mit schlaftrunkenen Gesichtern durch die Gassen irrten, war die Lagune längst hellwach.

Kleine Boote schipperten geschäftig hin und her, beladen mit allem, was Venedig so braucht, um seinen Betrieb am Laufen zu halten: Pakete für die Läden, Wäscheberge, die aussahen, als hätten sie eine Übernachtungsparty in einem Hotel gefeiert, und stapelweise frisches Obst und Gemüse für die Restaurants. Sogar ein Boot voller Blumen glitt an uns vorbei – als hätte die Stadt beschlossen, dass selbst die Logistik hier romantisch sein muss.

Ich beobachtete fasziniert, mit welcher Präzision sich die Boote durch den Wasserverkehr schlängelten. „Das ist wie Tetris auf Wasser,“ stellte ich fest, während ich mir vorstellte, wie es wohl wäre, wenn DHL und Amazon in Deutschland ihre Lieferungen per Boot zustellen würden. Venedig macht einfach alles anders – selbst der Morgenverkehr sieht hier aus wie eine perfekt choreografierte Show.

Die Ponte di Rialto begrüßte uns fast menschenleer – ein Anblick, den man in Venedig sonst nur in Träumen oder auf Postkarten zu sehen bekommt. Keine Menschentrauben, keine schwenkenden Selfie-Sticks, kein wildes Gedränge um den besten Fotospot. Nur wir, ein paar vereinzelte Frühaufsteher und die Brücke in all ihrer Ruhe und Erhabenheit.

Die ersten Weihnachtsdekorationen hatten bereits ihren Platz gefunden. Zarte Lichterketten schlängelten sich verspielt um die Bögen der Brücke, als hätte Venedig beschlossen, sich schon jetzt ein festliches Glanzlicht zu gönnen. Im warmen Licht des frühen Morgens wirkte das alles so märchenhaft, dass ich für einen Moment vergaß, dass es eigentlich noch November war.

Stefan lehnte sich an das Geländer und betrachtete die spiegelglatte Oberfläche des Canal Grande, die das Licht reflektierte wie ein perfekt polierter Bühnenboden. „Ist das jetzt eine VIP-Führung? Oder haben wir einfach Glück?“ fragte er grinsend. Ich lächelte. „Ein Geschenk für uns allein.“

Ponte di Rialto

Unweit der Brücke entdeckten wir ein kleines Café, das so winzig und unauffällig war, dass es fast schüchtern wirkte – als wollte es sich zwischen all den pompösen Palazzi und glanzvollen Sehenswürdigkeiten lieber dezent im Hintergrund halten. „Schau mal, da gehen wir rein,“ sagte ich entschlossen und drückte die Tür auf, bevor Stefan überhaupt widersprechen konnte – nicht, dass er es je getan hätte, wenn es um Cappuccino ging.

Drinnen war es eng. Sehr eng. Der Raum bestand gefühlt zu 80 % aus Theke, 15 % aus Kaffeeduft und 5 % aus hektisch gestikulierenden Italienern, die auf dem Weg zur Arbeit noch schnell ihren Espresso kippten. Kein überteuerter Touristen-Hotspot, keine komplizierten Kaffeebestellungen à la „mit Hafermilch, aber extra heiß“ – nur ehrlicher, italienischer Kaffeegenuss.

Und was diese winzige Ecke an Frühstücksmagie hervorzauberte, war einfach himmlisch. Der Cappuccino? Perfekt. Die ideale Mischung aus samtigem Milchschaum und kräftigem Kaffee – cremig, aromatisch, ein kleines Kunstwerk in der Tasse. Die Croissants? Ein Gedicht. Leicht, buttrig und so fluffig, dass ich ernsthaft in Erwägung zog, ein zweites zu bestellen.

Ein bezahlbares Frühstück, direkt an der Rialtobrücke, keine Touristenmassen, nur wir und ein paar Venezianer, die ihre Espressotassen wie olympische Disziplinen in Rekordzeit leerten. Was will man mehr?

Gut gestärkt und mit bester Laune ging es weiter zur Vaporetto-Haltestelle F.te Nove auf der anderen Seite der Stadt. Unser Ziel: Noch einmal Murano, die Insel der Glaskunst.

Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis für sich. Die klare Sicht ließ die Lagune in ihrem vollen Glanz erstrahlen, und die Sonne schien mit uns um die Wette zu strahlen. Der Wind spielte mit unseren Haaren, während das Vaporetto gemächlich durch das türkisfarbene Wasser glitt. Es war einer dieser Momente, in denen man sich einfach zurücklehnt und denkt: Genau so muss Venedig erlebt werden.

Auf Murano angekommen, erwartete uns eine fast surreale Stille. Es war kurz nach 10 Uhr, und die Insel hatte noch den Charme eines Ortes, der erst langsam aufwacht. Keine Touristenmassen, kein hektisches Treiben – nur wir, ein paar Einheimische und die unzähligen Schaufenster, die mit funkelndem Glas um Aufmerksamkeit buhlten.

Die Auslagen waren atemberaubend: filigrane Vasen, verspielte Tiere aus Glas, schillernde Schmuckstücke – jedes Stück wirkte, als hätte es eine eigene Seele. Es war, als erzählten sie Geschichten aus einer Welt, in der Handwerk und Kunst eins sind. Murano machte es einem leicht, den Verstand zu verlieren – zumindest, wenn es ums Einkaufen ging.

Wir schlenderten an den Schaufenstern entlang, fasziniert von der Präzision und der schillernden Vielfalt der Glaskunst. Ich musste mich ernsthaft beherrschen, nicht jedes zweite Geschäft zu betreten, denn jedes wirkte wie ein kleines Museum für sich. Aber nicht nur das Glas faszinierte uns. Murano hatte seinen eigenen, ruhigen Rhythmus – eine gelassene Schönheit, die sich nicht aufdrängte, sondern mit jedem Schritt mehr offenbarte.

Was uns ebenso in den Bann zog, waren die Müllboote, die überall auf der Insel unterwegs waren. Es war faszinierend zu beobachten, wie hier alles, was bei uns auf den Straßen mit Lkw und Transportern passiert, einfach aufs Wasser verlegt wurde. Mülltonnen wurden mit beeindruckender Präzision an Bord gehievt, leise Motoren summten, und die Boote schaukelten sanft auf den Wellen, während die Arbeiter völlig unbeeindruckt ihrer Aufgabe nachgingen.

Ich konnte nicht anders, als dem Spektakel eine ganze Weile zuzusehen. Venedig hatte die Müllabfuhr in eine maritime Choreografie verwandelt – effizient, lautlos und mit einer Prise Dolce Vita. Stefan betrachtete die Szene mit verschränkten Armen und kommentierte trocken: „Wenn DHL hier eine Lieferung macht, dann aber auch bitte per Gondel.“ Ganz ehrlich? Es würde mich nicht wundern.

Unser Weg führte uns entlang des Canal Grande Murano, der sich wie eine Lebensader durch die Insel schlängelt. Vorbei an der Chiesa Arcipretale di San Pietro Martire, die majestätisch und doch bescheiden am Ufer thronte, spazierten wir weiter über die Fondamenta Antonio Colleoni. Die Gassen waren so ruhig, dass man fast glauben konnte, wir hätten die Insel für uns allein. Nur hin und wieder begegneten wir einem Handwerker, der seine Werkstatt öffnete, oder einem Lieferboot, das frische Waren für die kleinen Geschäfte brachte.

Die Fondamenta Antonio Colleoni führte uns schließlich zur Haltestelle Murano Navagero, wo unser kleiner Spaziergang endete. Doch vorher – ja, vorher konnte ich einfach nicht widerstehen. Eine unglaublich kitschige Vase aus Muranoglas musste mit! Sie war genau die Art von Souvenir, die gleichzeitig zum Lachen bringt und Erinnerungen weckt – ein echtes Meisterwerk der Kategorie „Hässlich, aber ikonisch“.

Der Preis? Unschlagbar. Ein echtes Nachsaison-Schnäppchen, das förmlich nach einem Platz in unserem Wohnzimmer schrie. Stefan seufzte und verdrehte die Augen. „So kitschig, dass sie schon wieder Kunst ist.“ Ich nannte es einfach: typisch Murano.

Mit meiner neuen Errungenschaft im Gepäck – einer Vase, die irgendwo zwischen kunstvoll und fragwürdig balancierte – ging es zurück zum Vaporetto. Während wir über das glitzernde Wasser Richtung Venedig fuhren, blickte ich noch einmal zurück auf Murano. Die Insel hatte uns mit ihrer Ruhe, ihrer Kunstfertigkeit und ihrem ganz eigenen Charme verzaubert. Ein Highlight unserer Reise – und eine Vase, die uns immer daran erinnern wird. Ob als Deko oder als unfreiwillige Diskussionsgrundlage bei Besuch, bleibt abzuwarten.

Zurück in Venedig schlenderten wir durch eine der vielen verwinkelten Gassen, als uns plötzlich ein verheißungsvolles Schild ins Auge sprang: „Mittagsmenü: 4 Gänge für 16,50 Euro.“ Stefan und ich schauten uns an – kein Wort nötig.Bei so einem Angebot kann man als Schwabe einfach nicht vorbeigehen, ohne es zu testen.

Der erste Gang: Caprese. Frische, saftige Tomaten, cremiger Mozzarella und ein Schuss Olivenöl. Schlicht, klassisch – und genau das, was man in Italien essen möchte.

Der zweite Gang: Bruschetta. Knuspriges Brot, fruchtige Tomaten, ein Hauch Knoblauch – ein Teller voller mediterraner Perfektion.

Dann wurde es ernst. Der Hauptgang: Lasagne al Forno. Als der dampfende, goldbraune Teller vor uns abgestellt wurde, wusste ich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Der Duft allein ließ uns das Gespräch für einen Moment vergessen. Und der Geschmack? Ein Traum aus zartem Fleisch, cremiger Béchamel und fruchtiger Tomatensauce.

Zum Abschluss: Panna Cotta. Cremig, vanillig, genau die richtige Süße – ein Dessert, das sich anfühlte wie eine kulinarische Umarmung.

Doch halt! Der wahre krönende Abschluss kam danach: Ein starker Espresso, der uns wach und bereit für den Rest des Tages machte. Stefan nahm einen Schluck, atmete tief durch und grinste: „Wenn das hier so weitergeht, muss ich mir überlegen, wie ich mit zehn Kilo mehr in den Flieger passe.“

Ich lachte und nahm noch einen letzten Löffel Panna Cotta. Ein perfektes Mittagsmenü – und ein weiterer Beweis, dass Venedig immer genau das Richtige für uns bereithält.

Stefan lehnte sich zurück, nahm einen tiefen Schluck und grinste zufrieden: „Wenn der Preis stimmt, schmeckt’s gleich doppelt so gut.“ Ein Mann mit Prinzipien – und einem untrüglichen Gespür für gute Deals.

Die Atmosphäre des kleinen Restaurants, die einfachen, aber perfekt zubereiteten Gerichte und der charmante Blick in die schmale Gasse machten diesen Mittag zu einem echten Highlight. Kein Luxus, keine Touristenfalle, einfach ehrliche italienische Küche. Wir standen auf, satt und glücklich – ein Zustand, den Venedig ziemlich zuverlässig herbeiführen kann.

Gut gestärkt und in bester Stimmung gingen wir ein letztes Mal zum Piazza San Marco. Ich wollte unbedingt noch ein paar Fotos vom Caffè Florian machen – diesem geschichtsträchtigen Café, das sich mit seinen kunstvollen Fassaden und goldverzierten Fenstern so selbstbewusst in die Piazza einfügt, als hätte es schon immer dort gestanden.

Zugegeben, wir hatten es uns diesmal nur von außen angesehen. Aber allein der Gedanke, dass hier schon Casanova, Goethe und Charles Dickens ihren Kaffee geschlürft hatten, machte das Café zu einem Ort, den ich mir unbedingt genauer anschauen wollte.

Stefan beobachtete mich, wie ich die Kamera zückte. „Nächstes Mal sitzen wir dort,“ dachte ich mir, während ich das perfekte Bild einfing. Denn wenn eine Stadt so viele Geschichten erzählt, dann will man sie irgendwann auch mal bei einem guten Cappuccino hören.

Caffe Florian

Caffè Florian – Venezianische Geschichte in einer Tasse Espresso

 

Es gibt viele Cafés auf der Welt, aber nur wenige, die eine über 300-jährige Geschichte erzählen können. Das Caffè Florian auf der Piazza San Marco in Venedig ist mehr als nur ein Café – es ist eine Institution, ein Kunstwerk, ein Treffpunkt der Geschichte. Seit seiner Gründung im Jahr 1720 hat es Dichter, Künstler, Adelige und Reisende aus aller Welt verzaubert und ist bis heute ein Symbol für venezianische Eleganz und zeitlosen Charme.

Ein Café mit Geschichte – und berühmten Gästen
Als Floriano Francesconi das Café am 29. Dezember 1720 eröffnete, trug es noch den klangvollen Namen „Alla Venezia Trionfante“ – „Das triumphierende Venedig“. Doch die Venezianer machten es schnell persönlicher und nannten es einfach „Florian“, in Anlehnung an seinen Gründer. Damit ist es das älteste noch betriebene Café Italiens – und eines der ältesten der Welt.

Doch das Florian war nie nur ein Ort für einen schnellen Kaffee. Es war ein Treffpunkt der großen GeisterGoethe, Lord Byron, Charles Dickens, Marcel Proust und sogar Casanova kehrten hier ein. Letzterer dürfte das Café besonders geschätzt haben, denn es war eines der wenigen in Venedig, in denen auch Frauen bedient wurden – eine kleine Revolution im 18. Jahrhundert.

Ein lebendiges Museum aus Gold, Marmor und Samt
Die prachtvolle Einrichtung gleicht einer Reise durch die Jahrhunderte, bei der jeder Raum seine eigene Geschichte erzählt. Da ist etwa der Saal der Berühmten Männer, geschmückt mit Porträts großer venezianischer Persönlichkeiten – als würde man bei einer Tasse Kaffee von Historikern und Dichtern umgeben sein. In einem anderen Teil des Cafés erinnert der Saal des Senats an Zeiten politischer Debatten, als hier noch diskutiert statt geschlemmt wurde. Und dann ist da noch der chinesisch inspirierte Salon, in dem exotische Motive den Zauber ferner Länder in die Lagunenstadt holen. Über allem schweben kunstvolle Deckenmalereien, vergoldete Spiegel reflektieren das Licht wie in einem venezianischen Traum, und die eleganten Möbel fügen sich perfekt in diese Szenerie ein. Das Florian ist weit mehr als ein Café – es ist ein Ort, der zum Staunen, Verweilen und Träumen einlädt, ein Stück Geschichte, das man sich auf der Zunge zergehen lassen kann.

Kunst, Musik und die Magie des Moments
Seit 1895 ist das Caffè Florian eng mit der Biennale di Venezia verbunden – es war und ist ein Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle. Und nicht nur die Kunst, auch die Musik gehört zur Tradition: Seit dem 19. Jahrhundert sorgt eine Hauskapelle für Livemusik, die sanft über die Piazza San Marco weht und den Kaffee in eine kleine Zeitreise verwandelt.

Ein teurer Kaffee – aber mit unbezahlbarem Flair
Ja, ein Espresso oder Cappuccino im Florian ist kein Schnäppchen10 bis 15 Euro für eine Tasse Kaffee? Und wer draußen auf der Terrasse Platz nimmt, zahlt zusätzlich für die Musik. Aber mal ehrlich: Man bezahlt hier nicht für den Kaffee – man bezahlt für die Atmosphäre, für die Geschichte, für den Moment.

Denn wo sonst kann man in einem 300 Jahre alten Café sitzen, den Blick über die majestätische Piazza San Marco schweifen lassen, sich von klassischer Musik begleiten lassen und dabei wissen, dass an genau diesem Tisch vielleicht einmal Goethe oder Casanova gesessen haben?

Ein Symbol für Venedigs Eleganz und Widerstandskraft
Das Caffè Florian hat Revolutionen, Kriege, Wirtschaftskrisen und Hochwasser überstanden – und doch hat es nichts von seinem Glanz verloren. Es ist ein Symbol für Venedigs Widerstandskraft, für seine Schönheit und für seinen unnachahmlichen Stil.

Egal, ob man sich tatsächlich einen Kaffee gönnt oder einfach nur kurz durch die Räume schlendert – das Caffè Florian ist ein Ort, den man nicht einfach besucht, sondern erlebt.

Unser Rückweg zur Haltestelle Zattere fühlte sich an wie ein letzter, leiser Spaziergang durch die Gassen Venedigs – ein Abschied, der schwerer wog, als wir es uns eingestehen wollten. Die Stadt hatte uns noch einmal mit all ihren Facetten verzaubert, mit schimmernden Kanälen, engen Gassen und der ganz eigenen Melodie aus plätscherndem Wasser und hallenden Schritten auf alten Pflastersteinen.

Als wir schließlich die Haltestelle erreichten, wartete das Vaporetto schon geduldig auf uns – fast so, als wüsste es, dass wir uns Zeit lassen mussten, um diesen Moment in uns aufzusaugen.

Wir setzten uns, schauten hinaus und beobachteten, wie die Stadt langsam hinter uns zurückblieb. Ich konnte nicht anders, als zu lächeln. „Venedig macht das mit Absicht“, sagte ich, während ich den Blick über die Dächer und Brücken schweifen ließ. „Es will, dass man beim Abschied ein bisschen wehmütig ist – damit man bald wiederkommt.“

Stefan nickte, lehnte sich zurück und meinte trocken: „Tja, Plan gelungen.“

Und so fuhren wir zurück, die Kamera voller Fotos, die Köpfe voller Eindrücke und das Herz voller Erinnerungen. Doch das Beste: Schon im kommenden April werden wir wieder für einen Tag hier sein. Diesmal mit Nadine, Oli, Noah und Emilia im Gepäck – eine neue Perspektive, neue Abenteuer, und vielleicht sogar neue Lieblingsmomente.

Wir freuen uns jetzt schon darauf, den Kindern zu zeigen, wie magisch Venedig ist. Und wer weiß? Vielleicht sind es am Ende ihre Augen, durch die wir die Stadt noch einmal völlig neu entdecken.

Gegen 14 Uhr erreichen wir wieder unseren Campingplatz, und ich nutze die Gelegenheit, noch ein paar letzte Fotos zu machen. (Die könnt ihr hier sehen!) Danach folgt das gewohnte Ritual: auschecken, alles sicher im Camper verstauen und los geht’s. Der Plan? Noch ein paar italienische Leckereien und Wein einkaufen, dann entspannt Richtung Heimat fahren und vor Einbruch der Dunkelheit irgendwo übernachten – geplant war irgendwo am Gardasee und Umgebung.

Bei Padova entdecken wir ein großes Einkaufszentrum, das alles bietet, was unser Herz begehrt. Von handgemachter Pasta und Olivenöl bis hin zu erlesenen italienischen Weinen – unser Camper verwandelt sich langsam, aber sicher in eine fahrende Feinkostabteilung. Gegen 16 Uhr sind wir fertig und satteln wieder auf. Stefan übernimmt gewohnt souverän das Steuer, während ich mich mit einer Mischung aus Zuversicht und leiser Resignation auf den Beifahrersitz fläze.

„Sag mir einfach Bescheid, wann und wo ich online nach einem Campingplatz suchen soll,“ sage ich, während ich die ersten Leckereien aus unserem Einkauf probiere. Stefan, der Ruhepol auf vier Rädern, schmunzelt nur. „Ja, ja, ich fahre jetzt mal bis zum Gardasee.“ Klingt nach einem soliden Plan. Ich lehne mich entspannt zurück, genieße die Aussicht und überlege schon, welches Bild ich beim Abendessen posten könnte.

Doch am Gardasee angekommen, biegt Stefan direkt auf die nächste Autobahnauffahrt ab. „Ach weißt du, bis Südtirol schaffe ich noch locker. Vielleicht machen wir einfach in Nals einen Stopp – da waren wir doch schon mal.“ Ich nicke, halb begeistert, halb skeptisch. Klingt vernünftig, denke ich mir – was ein Fehler war, denn vernünftig ist selten Stefans finales Ziel.

Kurz hinter Südtirol höre ich die nächsten berüchtigten Worte: „Ach weißt du, den Brenner können wir auch noch hinter uns bringen. Und den Fernpass gleich dazu.“ Meine Augenbrauen schnellen reflexartig in die Höhe – das klassische Signal für „Meinst du das ernst?“

Aber wieso nicht? Wir haben genug Snacks, gut gekühlte Getränke, und die Playlist macht auch noch Spaß. Außerdem, wann habe ich Stefan jemals davon abhalten können, „nur noch ein Stückchen“ weiterzufahren? Und so schieben sich Kilometer um Kilometer hinter uns weg, während ich langsam darüber nachdenke, ob ich diese Heimreise nicht als neues Kapitel in meinem Reiseblog verarbeiten sollte.

Wir passieren Füssen, Memmingen, Ulm. Ich schaue auf die Uhr. „Das ist doch nicht sein Ernst.“ Doch um 1 Uhr nachts rollen wir tatsächlich in unsere Straße – völlig ohne Zwischenstopp, versteht sich.

Ich blicke ihn an, halb müde, halb beeindruckt: „Weißt du, so ein kleines Abenteuer über Nacht hat ja auch seinen Reiz.“ Stefan grinst, als hätte er gerade den Roadtrip-Oscar gewonnen, und ich muss lachen. So ist er halt, mein Stefan: Einmal am Steuer, gibt es kein Halten mehr.

Aber ganz ehrlich? Ich hätte es nicht anders haben wollen.

Mit einem letzten Glas italienischem Wein stoßen wir in unserer Küche an. „Auf uns und unseren Marathon-Roadtrip.“ Danach fallen wir erschöpft, aber glücklich ins Bett. Zuhause – unser letzter Stopp, schneller als gedacht, aber mit einem ganzen zusätzlichen Tag für unsere Internetseite.

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