Von Türmen, Tiramisu und der großen Überfahrt
Hier schonmal die Geschichte unseres ersten Tages – die Bilder dazu folgen natürlich noch!
Der Morgen in Serravalle startete exakt so, wie jeder italienische Tag gesetzlich vorgeschrieben beginnen sollte: mit klebrig-süßen Croissants und einem Cappuccino, der stark genug war, um Tote aufzuwecken. Ein kurzes Frühstücks-Remake von gestern, dann hieß es: Leinen los Richtung Süden.
Der Morgen in Serravalle startete exakt so, wie jeder italienische Tag gesetzlich vorgeschrieben beginnen sollte: mit klebrig-süßen Croissants und einem Cappuccino, der stark genug war, um Tote aufzuwecken. Ein kurzes Frühstücks-Remake von gestern, dann hieß es: Leinen los Richtung Süden.
Kurz nach 9 Uhr bogen wir auf die A12 ein. Auf der Strecke Richtung Genua wurde das Konzept „Autobahn“ noch nicht zu Ende gedacht. Das ist kein profaner Asphaltstreifen, das ist eine Achterbahnfahrt für Fortgeschrittene. Tunnel, Brücke, Kurve, Tunnel – und das Ganze in einer Endlosschleife. Man fühlt sich wie in einer Verfolgungsjagd aus einem 80er-Jahre-Actionfilm, nur dass unser Fluchtfahrzeug sechs Meter lang ist und keine Raketenwerfer hat (leider).
Als wir an der Abfahrt zur Cinque Terre vorbeirauschten, gab es einen kollektiven Moment der Nostalgie. Wir haben kurz symbolisch hinuntergewunken. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr standen wir dort alle zusammen – damals noch ohne Föhn-Einsätze am Frostwächter. Ein kurzer Flashback, ein Lächeln im Rückspiegel, und weiter ging die wilde Fahrt.
Unser Ziel: Lucca. Unser Ankerplatz war der Parcheggio Camper Luporini – ein strategisches Meisterwerk der Parkplatzkunst. Man kann dort ver- und entsorgen (lebenswichtig!), und die Innenstadt ist nur zehn Minuten entfernt. Das Beste? Dank Telepass und unserem „Bio&Go öffneten sich die Schranken wie von Geisterhand. Was der Spaß am Ende kostet? Man weiß es nicht – aber wird alles abgebucht. Wir rollten dort um 11:30 Uhr entspannt ein, während der Rest der Truppe noch eine halbe Stunde länger im italienischen Verkehrs-Dschungel feststeckte.
Um 12 Uhr startete die Expedition Lucca. Noah und Emilia schwangen sich auf ihre Tretroller und fegten davon, während wir Erwachsenen versuchten, zu Fuß halbwegs die Würde und das Tempo zu halten. Von der Stadtmauer aus ging es einmal gepflegt gegen den Uhrzeigersinn bis zum Palazzo Pfanner und seinen Gärten.
Zum Mittagessen kehrten wir in die Trattoria Da Leo ein. Bodenständig, laut, echt. Stefan und ich gönnten uns Tagliatelle mit einer Gorgonzola-Soße, die so cremig war, dass sie fast als Wellness-Anwendung durchgegangen wäre. Die Kinder teilten sich brav ihre Pasta Pomodoro, Nadine blieb klassisch bei Bolognese und Oli wagte das Experiment: Schnitzel mit Tomatensoße und Kapern. Klingt wild, sah aber verdammt gut aus. Danach: Tiramisu alla Casa. Sooo lecker!
Danach stand der sportliche Endgegner an: der Torre Guinigi. 230 Stufen. Wir schleppten die Pasta und das Tiramisu mühsam im Bauch manövrierend die engen Treppen hinauf. Aber oben angekommen? Sensationell. Man steht unter jahrhundertealten Eichen, die tatsächlich oben auf dem Turm wachsen, und blickt über ein Meer aus roten Ziegeldächern. Natürlich mussten wir das mit einer Serie witziger Selfies festhalten – die Frisuren vom Wind zerzaust, die Gesichter noch leicht rot von der Anstrengung, aber das Grinsen war breit.
Wieder festen Boden unter den Füßen – auch wenn die Waden nach den 230 Stufen leise protestierten – trieb es uns direkt zur Piazza dell’Anfiteatro. Dieser Ort ist einfach magisch: Ein geschlossenes Oval aus Häusern, die sich an die Fundamente eines antiken römischen Amphitheaters klammern. Hier war der große Moment der Kids gekommen. In einem Tonfall, als hätten sie die letzten sechs Monate in einer Gelateria in Rom gearbeitet, bestellten sie in perfektem Italienisch ihr Cioccolato Gelato. Man sah ihnen den Stolz förmlich an, während sie ihre Beute fachgerecht verspeisten. Wir sicherten uns eine Bank, ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und taten das, was man in Italien am besten kann: Einfach nur da sein und das bunte Treiben beobachten, während das Eis langsam schmolz.
Doch die Ruhe war nur die Ruhe vor dem (Kauf-)Sturm. Als wir die Piazza Richtung Westen verließen, stolperten wir – fast wie durch eine geheime Tür in einem Agentenfilm – mitten hinein in ein Labyrinth aus belebten, schmalen Einkaufsgässchen. Das Kopfsteinpflaster glühte förmlich vor Energie. Überall kleine Boutiquen, der Duft von Leder und italienischem Chic.
In diesem Moment übernahm der Shopping-Instinkt das Kommando. Nadine und ich tauschten nur einen kurzen Blick, der so viel sagte wie: „Männer, sucht euch einen schattigen Platz, das wird jetzt dauern.“ Wir haben die Boutiquen dort nicht nur besucht, wir haben sie förmlich geplündert. Es war diese Art von Rausch, bei der man plötzlich Dinge in der Hand hält, von denen man vor fünf Minuten noch nicht wusste, dass sie die Existenzgrundlage des eigenen Kleiderschranks sind. Ein paar neue Schätze mussten einfach mit – der Stoff so weich, der Schnitt so typisch Lucca.
Und natürlich konnten wir den Souvenirläden nicht entkommen. Die obligatorischen Kitsch-Magnete wurden mit einer Ernsthaftigkeit ausgewählt, als ginge es um die Besetzung einer Hauptrolle. Wo die zu Hause hinkommen? Keine Ahnung. Wahrscheinlich landen sie irgendwann an der Rückseite der Dunstabzugshaube oder in einer dunklen Ecke des Kühlschranks, aber in diesem speziellen Moment, zwischen den mittelalterlichen Mauern und dem Duft von Freiheit, waren sie ein absolutes Must-have. Ein kleiner, bunter Beweis dafür, dass wir wirklich hier waren.
Gegen 18 Uhr war die Kreditkarte dann glücklich erschöpft und wir machten uns auf den Weg Richtung Livorno. Erster Pflichtstopp: Tanken. Auf Sardinien ist der Diesel teurer als ein guter Jahrgangswein, also haben wir die 6-Meter-Schiffe noch mal randvoll gemacht, bevor wir um 19 Uhr vor der gigantischen Moby Fantasy im Hafen einrollten.
Jetzt sitzen wir hier, starren auf den riesigen blauen Wal an der Bordwand und warten aufs Boarding. Das Abenteuer Sardinien klopft offiziell an die Campertür.