Föhnen für Fortgeschrittene und die Kunst der Verspätung
Hier schonmal die Geschichte unseres ersten Tages – die Bilder dazu folgen natürlich noch!
Der Plan war so präzise wie ein Drehbuch von Hitchcock, doch die Realität glich eher einer Slapstick-Komödie aus den Achtzigern. 11 Uhr Abfahrt – das war die Theorie, die wir uns beim ersten Kaffee noch gegenseitig voller Zuversicht in die Gesichter gelogen haben. Doch der März meinte es ernst: 1 Grad Außentemperatur. Das ist kein Wetter, das ist eine persönliche Beleidigung für jeden Camper-Frostwächter.
Anstatt also lässig den Zündschlüssel zu drehen und in den Sonnenuntergang (oder zumindest Richtung Autobahn) zu reiten, fand ich mich in einer Szene wieder, die selbst MacGyver Tränen in die Augen getrieben hätte. Stefan hielt todesmutig den Föhn in die Eingeweide unseres Campers, während ich daneben stand und hochgradig fachmännische Kommentare abgab wie: „Das müsste jetzt gleich gehen.“ Spoiler: Tat es natürlich nicht. Wer hätte gedacht, dass „Camper-Föhnen“ mal zu meinen Kernkompetenzen gehören würde? Wellnessbereich trifft Techniklabor, während die Uhr hämisch grinsend Richtung Mittag wanderte.
In der Zwischenzeit versuchten Nadine und Oli, ihren Mietcamper zu bändigen. Man könnte meinen, Profis am Werk zu sehen, aber das Schicksal liebt Symmetrie. Gleiches Spiel, andere Kulisse: Die Operation „Camper-Archäologie“ begann. Matratzen rau, Alle Türen auf zwischendurch. Als das mysteriöse Bauteil endlich identifiziert war, folgte der Klassiker: Der Frischwassertank. Der Deckel war offen, das Wasser suchte sich entspannt den Weg nach draußen.
Um 13 Uhr – also nur schlappe zwei Stunden nach dem optimistischen Zeitplan – rollten die sechs Meter langen Schlachtschiffe endlich los. Der Rest der Fahrt? Fast schon eine Enttäuschung für Liebhaber des gepflegten Dramas. Keine Staus, keine Grenz-Schikanen, nur ein paar Baustellen, die sich kurzzeitig wichtig machten. Es war so entspannt, dass man fast misstrauisch wurde. Wo blieb der Cliffhanger?
Gegen 21 Uhr erreichten wir schließlich Serravalle. Die Prioritäten waren nach diesem Vormittag klar verteilt: Erst der Magen, dann das Matratzenlager. Der Rothausgrill wurde zu unserem Rettungsanker. Nach einem Tag, an dem man sein Fahrzeug föhnt und halb zerlegt, schmeckt jedes Essen wie ein kulinarischer Ritterschlag.
Schlussendlich parkten wir unsere Camper am Outlet – Motor aus, Stille an. Das Fazit des ersten Tages: Wir wollten um 11 los, sind um 13 gefahren. Wir wollten einfach starten und haben stattdessen zwei Fahrzeuge einer unfreiwilligen Inspektion unterzogen. Es war nicht perfekt, aber es war genau unser Ding. Ein Roadtrip beginnt eben nicht mit dem ersten Kilometer, sondern mit der ersten technischen Herausforderung.