Tag 2: Kreditkarten-Glühen und Schuh-Eskapaden
Der Morgen in Serravalle erwacht, und mit ihm der Jagdinstinkt. Wer glaubt, dass Nadine, Emilia oder ich heute die meiste Zeit vor den Schaufenstern verbringen, hat die Rechnung ohne unser neunjähriges „Fashion Victim“ gemacht. Noah hat einen Schuhtick – schlimmer als alle Frauen in unserer Familie zusammen. Während andere Kinder in seinem Alter von Baggern träumen, analysiert er wahrscheinlich schon die Dämpfung des neuesten Sneaker-Modells. Man könnte meinen, wir wären im Remake von Sex and the City gelandet, nur dass Carrie Bradshaw jetzt einen Ranzen trägt.
Der Plan für heute ist eine logistische Meisterleistung, die selbst die NASA fordern würde: Wir rotieren zwischen Designer-Stores, dem Spielplatz (um Emilia bei Laune zu halten) und dem angrenzenden Retail Park. Stefan und Oli dürfen sich zwischendurch wahrscheinlich als menschliche Packesel beweisen, während wir im „IPER Grande“ die ersten italienischen Überlebensmittel sichern. Prosciutto, Käse und Wein – man muss ja schließlich vorbereitet sein, falls die Zivilisation hinter dem nächsten Autobahnkreuz endet.
Ob wir heute Abend noch einmal auf dem Outlet-Parkplatz campieren oder den Roadtrip Richtung Lucca fortsetzen, steht in den Sternen. Das hängt ganz davon ab, ob Noahs neue Schuhsammlung noch in den Camper passt oder ob wir einen Anhänger mieten müssen. Vielleicht entscheiden wir auch spontan nach der ersten Portion Pasta, ob wir die Toskana heute noch sehen wollen oder ob das Koma nach dem Shopping-Rausch uns in Serravalle festhält. Wie heißt es so schön? „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“ – auch wenn der Plan darin besteht, eigentlich gar keinen zu haben.