2024 – Noah entdeckt Paris: Ein Wochenende voller Highlights

Wenn der Enkel den Wunsch äußert, einmal vom Eiffelturm auf Paris zu blicken, dann gibt es für Oma und Opa genau zwei Möglichkeiten: entweder erklären, warum das nicht geht – oder einfach machen. Und da wir Großeltern mit einer gewissen Abenteuerlust sind (und die zweite Option weniger Diskussionen erfordert), haben wir natürlich gemacht.

Das Wochenende schien wie für unser kleines Abenteuer bestellt – blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen, die weder Jacke noch Schweißausbrüche erforderten. Also packten wir direkt nach der Schule unsere Sachen und rollten mit dem Camper los. Die Route? Esslingen – Heilbronn – Saarbrücken – Paris. Klingt machbar, wäre da nicht die Autobahngebühr von satten 40 Euro gewesen, die unser Reisebudget direkt mit einem charmanten Achselzucken begrüßte. Aber gut, Abenteuer gibt’s eben nicht umsonst.

Nach acht Stunden Fahrt, einer überschaubaren Anzahl an Staus und der üblichen Diskussion darüber, wer die bessere Navigations-App hat, trafen wir gegen 19:30 Uhr auf unserem Campingplatz am Rande von Paris ein. Die Rezeption? Offen. Die Stimmung? Euphorisch. Unser Stellplatz? Nur einen Steinwurf von der Seine entfernt – ein Detail, das für romantische Naturen sicher ein Traum ist, für uns aber vor allem bedeutete: Nah genug am Wasser, aber nicht so nah, dass wir nachts Paddel bereitlegen mussten.

Camping de Paris

Kaum hatten wir uns eingerichtet, meldete sich der Hunger. Also auf zur kulinarischen Erstversorgung. Der Campingplatz verfügte glücklicherweise über ein großes, gepflegtes Restaurant – oder wie wir es nannten: den Retter unseres hungrigen Abends. Pizza to go, rein in den Camper, bequem gemacht und genossen. Stefan ließ das Essen aus, was vermutlich weniger mit seinem Appetit als mit seiner typisch strategischen „Ich-will-alles-fertig-haben“-Herangehensweise zu tun hatte. Während wir also genüsslich unsere Pizza vertilgten, bereitete er alles für die Nacht vor.

Besondere Herausforderung des Abends: das brandneue Fahrerkabinen-Bett für Noah. Schließlich war es seine erste Nacht im Camper, eine große Premiere für den kleinen Mann. Die Montage ging schnell – keine Schweißausbrüche, keine unerwarteten Ersatzteile übrig – und wir hofften, dass unser Prototyp-Testschläfer die Nacht darin auch genießen würde. Und was soll ich sagen? Noah schlief wie ein Stein. Falls jemand eine ähnliche Anschaffung plant – unsere Erfahrungen findet ihr eine Beschreibung des Bettchens unter „Unser Ducato/Mooveo“ (natürlich völlig ungesponsert, wir testen nur für uns selbst).

Um 22:00 Uhr war dann Schluss mit lustig – Zeit für’s Bett. Schließlich stand uns am nächsten Tag ein Paris-Abenteuer der Extraklasse bevor, und ausgeschlafene Großeltern (und Enkel) haben definitiv die besseren Nerven.

Auf der Website des Campingplatzes stand großspurig, dass das Frühstück ab 7:00 Uhr serviert wird. Eine Information, die sich im echten Leben offenbar als kreativer Vorschlag und nicht als verlässliche Zeitangabe herausstellte. Denn als wir uns um kurz nach sieben erwartungsvoll auf den Weg zum Frühstücksraum machten, herrschte dort gähnende Leere – keine Brötchen, kein Kaffee, nicht einmal ein müder Croissant-Krümel in Sicht.

Da Warten vor verschlossenen Türen nicht gerade unsere bevorzugte Morgenaktivität ist, beschlossen wir kurzerhand, das Frühstück einfach woanders aufzutreiben – und was wäre ein besserer Ort dafür als Paris selbst?

Also schnappten wir uns unsere Fahrräder und schwangen uns in den Sattel. Der Campingplatz liegt strategisch zwischen der Seine und dem Bois de Boulogne, was uns eine angenehme Route durch den Park beschertezwei Drittel des Weges verliefen durch grüne Oasen, mit breiten Wegen und der perfekten Kulisse für einen entspannten Morgenritt. Nur das letzte Drittel zwang uns auf die Straße, doch um diese Uhrzeit war der Verkehr noch so verschlafen wie das nicht vorhandene Frühstück auf dem Campingplatz.

Mit dem Fahrrad zum Eiffelturm

Noah meisterte die schmalen Einbahnstraßen mit einer Souveränität, die selbst hartgesottene Pariser Radfahrer hätte beeindrucken können. Dann kam eine steile Abfahrt – und plötzlich tauchte er vor uns auf: der Eiffelturm, majestätisch, imposant und so nah, dass wir ihn fast hätten anfassen können.

Nur die Seine trennte uns noch von unserem Ziel. Wir rollten über die Pont d’Iéna, spürten das Pflaster unter den Reifen und sahen, wie das Wahrzeichen der Stadt in der Morgensonne leuchtete. Geschafft!

Der Eiffelturm war da. Direkt vor uns, riesig, ikonisch – und umgeben von Plexiglasscheiben, die ihn ein bisschen wie eine Ausstellungsware in einem überdimensionierten Schaukasten wirken ließen. Jetzt galt es, einen Eingang zu finden. Also fuhren wir links an der Absperrung entlang, bis wir Eingang Nummer 2 erreichten. Kurz noch einen Fahrradständer für unsere Räder geortet – Mission Parken erfolgreich abgeschlossen – dann konnte das Abenteuer beginnen!

Nur ein kleines Detail hatte ich in der Reiseplanung versemmelt: die Tickets. Ja, selbst erprobten Reiseprofis passiert mal ein Fauxpas – und meiner bestand darin, dass ich zu spät nach Tickets für die Spitze des Eiffelturms geschaut hatte. Online? Bereits ausverkauft. Es gab zwar noch welche über diverse Plattformen, aber die Preise waren so gesalzen, dass man meinen könnte, sie wären aus echtem Pariser Gold. Plan B war also die zweite Etage über das Treppenhaus – eine sportliche Alternative, falls uns nichts Besseres einfiel.

Dank unseres ausgefallenen Campingplatz-Frühstücks waren wir bereits eine Stunde vor Öffnung am Turm – ein goldrichtiger Schachzug. Gerade mal vier Leute standen vor uns an der Ticketkasse. Ich stellte mich mit Stefan an, während Noah fröhlich durch den kleinen Park hüpfte. 15 Minuten später? Eine unfassbar lange Schlange. Das Timing hätte nicht perfekter sein können.

Der Einlassbereich war klar gegliedert: eine endlos lange Schlange für Besucher ohne Ticket, eine etwas kürzere für Ticketinhaber und eine verschwindend kleine für Gäste mit Restaurantreservierung. Letztere war aktuell völlig verwaist – offenbar hatte um diese Uhrzeit noch niemand Lust auf ein Croissant mit Aussicht.

Eiffelturm 3. Etage

Punkt 9:30 Uhr wurden die Absperrbänder gelüftet und die Menschenmassen setzten sich in Bewegung. Doch bevor es wirklich hoch hinausging, stand erst einmal eine Sicherheitskontrolle auf dem Programm – inklusive Gepäckscanner und Metalldetektor, wie man sie von Flughäfen kennt. Nachdem unser Hab und Gut durchleuchtet und wir für unbedenklich befunden wurden, begann die zweite Herausforderung: die richtigen Ticketkassen finden.

Hier kam uns eine Reiseleiterin in Eile gerade recht – sie war auf dem Weg, ihre Gruppe zu den Kassen zu dirigieren. Besser kann es nicht laufen, dachte ich mir – und wir reihten uns unauffällig in den Trott der Touristen ein. Ergebnis? Wir waren schneller an den Ticketschaltern als der Rest der Wartenden.

Die Tickets waren fix gekauft, und Noah platzte fast vor Vorfreude. Dann noch einmal durch eine Sicherheitskontrolle, und schon standen wir vor dem Aufzug. Nach einer kaum zwei Minuten langen Wartezeit stiegen wir ein und glitten in einem schräg fahrenden Doppelstock-Aufzug durch die filigranen Stützen des Eiffelturms nach oben. Ein unfassbares Gefühl, sich durch dieses ikonische Bauwerk zu bewegen – stabil, elegant, und irgendwie surreal.

In der zweiten Etage angekommen, bot sich uns bereits ein spektakulärer Blick über Paris. 115,7 Meter über dem Boden, die Stadt lag uns zu Füßen – und wir natürlich schon auf der Suche nach dem nächsten Aufzug. Die Fahrt zur Spitze war unser Ziel, und zu unserer Freude war der Zugang schnell gefunden. Dritte Fahrt nach oben? Sofort eingereiht!

276,1 Meter über Paris – die Spitze des Eiffelturms. Vom ersten Anstellen um 8:30 Uhr bis zum höchsten Punkt des „La Tour Eiffel“ in nur einer Stunde. Wenn das kein Rekord war, dann zumindest eine logistische Meisterleistung!

Eiffelturm 3. Etage

Der Eiffelturm – vom „tragischen Laternenpfahl“ zur Pariser Ikone

Kaum zu glauben, aber als der Eiffelturm 1889 für die Weltausstellung errichtet wurde, war er alles andere als ein Publikumsliebling. Pariser Künstler und Intellektuelle verspotteten das Bauwerk als „tragischen Laternenpfahl“ oder „Kirchturmskelett“ und prophezeiten ihm eine düstere Zukunft. Niemand hätte damals gedacht, dass ausgerechnet dieser 320 Meter hohe Eisenkoloss einmal zum Wahrzeichen der Stadt werden würde. Heute kann sich Paris ohne ihn gar nicht mehr vorstellen – und mit jährlich rund sieben Millionen zahlenden Besuchern ist er wohl eine der bestbesuchten Attraktionen der Welt.

Doch wusstet ihr, dass man den Eiffelturm bei Nacht nicht einfach so fotografieren und die Bilder veröffentlichen darf? Klingt absurd, ist aber tatsächlich so – und der Grund dafür liegt im französischen Urheberrecht.

Während es in Deutschland die sogenannte Panoramafreiheit gibt, die es erlaubt, öffentliche Gebäude jederzeit zu fotografieren und die Bilder zu nutzen, sieht das in Frankreich anders aus. Das Bauwerk selbst ist zwar gemeinfrei, weil das Urheberrecht von Gustave Eiffel bereits 1993 – also 70 Jahre nach seinem Tod – erloschen ist. Doch dann kommt die kleine, aber entscheidende Besonderheit ins Spiel: die nächtliche Beleuchtung.

1985 wurde der Turm mit einer spektakulären Lichtinstallation aus 20.000 Lampen und zahlreichen Projektorenausgestattet – entworfen von Pierre Bideau, einem französischen Lichtdesigner. Und genau diese Beleuchtung gilt als eigenständiges urheberrechtlich geschütztes WerkWer also ein Foto des leuchtenden Eiffelturms bei Nacht veröffentlicht, bräuchte streng genommen eine Genehmigung der Société d’Exploitation de la Tour Eiffel (SETE).

Und jetzt wird’s richtig kurios: Bideau verstarb 2021, was bedeutet, dass das Urheberrecht an seinem Lichtdesign erst 70 Jahre nach seinem Tod erlischt – also im Jahr 2091. Wer also ganz legal ein Nachtfoto des Eiffelturms veröffentlichen will, muss sich nur ein bisschen gedulden. Ich selbst wäre dann knackige 125 Jahre alt – aber wer weiß, vielleicht stehe ich dann mit meinem Rollator unter dem Turm, mache das offiziell erlaubte Nachtfoto und poste es mit einem triumphierenden Grinsen auf meiner Facebook-Seite. Bis dahin bleibt’s bei Erinnerungen – oder einem geheimen Schnappschuss, den man nur im privaten Fotoalbum bewundert.

Als sich die Aufzugstüren öffneten, wurden wir mit einem Anblick belohnt, von dem man sonst nur träumen kann: die fast leere Aussichtsplattform des Eiffelturms. Kein Gedränge, kein Kampf um den besten Platz – einfach wir, der Wind in den Haaren und Paris, das sich majestätisch unter uns ausbreitete.

Noah, unser siebenjähriger Energiebolzen, strahlte wie ein Scheinwerfer auf der Premierenbühne. Und wie könnte er nicht? Die Stadt lag uns wortwörtlich zu Füßen, ein endloses Meer aus Dächern, Türmen und Boulevards, das bis zum Horizont reichte. Ein Anblick, der einem tatsächlich kurz den Atem raubt – also entweder das oder die Höhenluft.

Aber wir waren ja nicht nur zum Staunen hier – ich hatte eine Mission: Fotos, Fotos und noch mehr Fotos. Also drehten wir eine Runde nach der anderen, auf der Suche nach der perfekten Perspektive. Noah posierte wie ein Profi, während ich mich daran versuchte, ein Selfie zu knipsen, auf dem wir nicht aussehen, als hätte uns der Wind frontal erfasst. Spoiler: Es gelang eher mäßig.

Doch nach 45 Minuten exklusivem Panoramagenuss begann sich die Plattform langsam zu füllen. Und mit „füllen“ meine ich Menschen, wohin das Auge blickt – Selfiesticks, die sich wie Schwerter kreuzten, hektische Gruppen, die sich für Gruppenfotos in komplizierte Formationen zwängten, und Kinder, die mit etwas zu viel Elan an die Brüstung rannten. Es war Zeit, dem Gedränge zu entfliehen.

Also nahmen wir den Aufzug zurück in die zweite Etage, knipsten noch ein paar finale Erinnerungsfotos und reihten uns dann in die Schlange für die Fahrt nach ganz unten ein. Doch dann fiel mein Blick auf ein Schild: „Für die Ungeduldigen: Treppenabstieg möglich.“

Challenge accepted! Noah und ich waren sofort Feuer und Flamme – 765 Stufen? Ein Klacks! Stefan hingegen war weniger begeistert und wählte pragmatisch den Aufzug. 

Wir sprinteten los, Stufe um Stufe hinab, voller Adrenalin und mit einem Tempo, das uns kurzzeitig überlegen ließ, ob wir für die nächste Treppenlauf-Weltmeisterschaft trainieren sollten. Doch schon nach der ersten Etage winkte uns Stefan seelenruhig von unten entgegen – mit einem Gesichtsausdruck, der „Na, seid ihr fertig?“ schrie.

Er hatte uns geschlagen. Mit einer gemütlichen Aufzugsfahrt. Das war bitter. Aber immerhin kamen wir gut gelaunt, leicht außer Atem und mit einem leichten Muskelzittern in den Beinen unten an – bereit für das nächste Abenteuer. Dieses Mal jedoch mit weniger Körpereinsatz: Der Hop-on-Hop-off-Bus wartete.

Hop-on-Hop-off-Busse sind die perfekte Lösung, wenn man in einer Stadt möglichst viel sehen will, aber die Beine schon lautstark protestieren. Einfach reinspringen, losfahren und an den spannendsten Orten wieder aussteigen – quasi Sightseeing mit eingebauter Sitzgelegenheit. Noch besser: Die Doppeldecker haben ein offenes Oberdeck, von dem aus man nicht nur eine grandiose Aussicht hat, sondern auch ungehindert Fotos schießen kann, ohne ständig Touristenköpfe ins Bild zu bekommen.

Es gibt zwei große Anbieter in Paris: Tootbus und Big Bus. Wir entschieden uns für Tootbus – nicht etwa wegen des Routennetzes, der Preise oder der Bewertungen, sondern weil Noah die Busse mit den blau-weiß-roten Streifen „viel cooler“ fand. Ein Siebenjähriger hat eben seine eigenen Prioritäten.

Die nächste Haltestelle lag nur ein paar Schritte entfernt, aber natürlich ließ sich unser Spaziergang dorthin nicht ohne einen kleinen Beutezug bei den fliegenden Händlern bewältigen. Mini-Eiffeltürme, wohin das Auge blickt – blinkend, glitzernd, in Gold, Silber oder kunterbunt. Ich feilschte mit einer Entschlossenheit, die man sonst nur von Flohmarkt-Profis kennt, und schlug schließlich ein echtes Schnäppchen: zwei mittelgroße blinkende Türme und fünf Schlüsselanhänger für insgesamt 12 Euro. Der ursprüngliche Preis? 15 Euro für einen einzigen Turm. Ich fühlte mich wie eine Meisterverhandlerin.

Mit unserer frisch erstandenen Pariser Souvenir-Kollektion sicher verstaut, marschierten wir weiter – nächstes Ziel: das Hard Rock Cafe. Doch bevor wir überhaupt in den Bus steigen konnten, machte uns das Schicksal ein unerwartetes Angebot: Noah erspähte einen McDonald’s.

„Da! Ein echt französischer McDonald’s!“ rief er begeistert, als hätte er gerade die Mona Lisa auf einem Skateboard entdeckt. Und mal ehrlich: Wer könnte so einer kindlichen Euphorie widerstehen? Also legten wir einen kurzen Zwischenstopp beim goldenen M ein – schließlich gehört auch ein französischer Burger zum kulturellen Erlebnis.

Musée du Louvre

Gestärkt und bereit für neue Abenteuer erreichten wir schließlich das Hard Rock Cafe. Natürlich gab es die obligatorischen T-Shirts („been there, got the shirt“ ist schließlich unser Motto), Drumsticks für Nadine und – wie könnte es anders sein – eine dieser viel zu teuren Souvenir-Gitarren für unsere stetig wachsende Sammlung. Es ist faszinierend, wie schnell man im Hard Rock Cafe eine beachtliche Summe loswerden kann – und wie glücklich man dabei ist.

Nach unserer ausgiebigen Shopping-Tour ging es zurück zur Haltestelle Opéra Garnier, wo wir uns wieder einen Platz im Oberdeck sicherten. Die Sonne schien, die Stadt präsentierte sich von ihrer schönsten Seite – perfektes Timing für eine entspannte Rundfahrt durch Paris.

Wir rollten vorbei an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt: Musée du Louvre, Notre-Dame, Musée d’Orsay, Place de la Concorde, Champs-Élysées, Trocadéro – eine Sehenswürdigkeit nach der anderen zog an uns vorbei, während wir bequem über die Stadt hinwegschwebten.

Schließlich erreichten wir wieder den Ausgangspunkt unserer Tour – die Haltestelle am Eiffelturm. Einmal rund um Paris in wenigen Stunden, inklusive Shopping, Burger-Pause und Miniatur-Eiffelturm-Deal. Eine Stadtrundfahrt, wie sie im Buche steht!

Wir stiegen aus und überlegten, wie wir den Rest des Tages verbringen sollten. Es war mittlerweile 16 Uhr, und wir hatten noch genügend Zeit für weitere Abenteuer. 

Die große Frage stand im Raum: Was nun? Noch eine Runde mit dem Hop-on-Hop-off-Bus drehen? Mit den Fahrrädern durch Paris heizen? Oder vielleicht doch langsam zurück zum Campingplatz? Und, ganz wichtig – was essen wir?

Für ein schickes Restaurant konnte sich Noah nicht wirklich begeistern – viel zu still, viel zu langweilig. Und eine Radtour durch die inzwischen touristenüberfluteten Straßen wäre für ihn auch kein Vergnügen gewesen. Mit dem Fahrrad Slalom um Gruppen mit Selfiesticks zu fahren, klang nach einer fragwürdigen Herausforderung.

Also entschieden wir uns für eine pragmatische Lösung: Rückweg zum Campingplatz mit einem kurzen Stopp im Supermarkt, um unser Abendessen selbst zu organisieren. Aber erst einmal mussten wir uns durch die Menschenmassen rund um den Eiffelturm kämpfen. Ein Spießrutenlauf zwischen Fotografierenden, Straßenkünstlern und Verkäufern mit blinkenden Eiffeltürmen.

Sobald wir das Getümmel hinter uns gelassen hatten, ging es bergauf – wortwörtlich. Stefan und ich konnten uns dabei auf unsere bequemen E-Bikes verlassen, während Noah mit seinem Kinderfahrrad ganz schön zu kämpfen hatte.Aber wir waren vorbereitet! Ein Abschleppseil war mit an Bord – eine geniale Erfindung für genau solche Situationen.

Mit dem Fahrrad zum Campingplatz

Aber Noah wäre nicht Noah, wenn er sich einfach ziehen lassen würde. „Ich schaff das alleine!“ erklärte er entschlossen – und strampelte tapfer den gesamten Weg zum Campingplatz zurück, während wir ihn mit stolzen Blicken (und heimlicher Erleichterung über unsere Motorunterstützung) begleiteten. Was für ein Durchhaltevermögen!

Um 17 Uhr erreichten wir schließlich den Campingplatz. Stefan schwang sich sofort an den Herd und zauberte fantastische Spaghetti, während Noah schnell ein Müsli verdrückte – er hatte Wichtigeres zu tun: den Campingplatz mit seinem Fahrrad erkunden.

Um 19 Uhr war alles erledigt: gegessen, aufgeräumt, entspannt. Doch irgendwie fühlte es sich zu früh an, um den Abend einfach ausklingen zu lassen.

„Es gibt doch einen Shuttle-Service hier,“ meinte ich nachdenklich. „Wollen wir uns den Eiffelturm nochmal im Dunkeln ansehen?“

Die Idee kam gut an, also erkundigte ich mich an der Rezeption, wie das Ganze funktionierte. Dort konnte man die Tickets direkt kaufen – 2,00 € für Erwachsene, 1,30 € für Kinder. Der Shuttle fuhr zu jeder vollen und halben Stunde zur Metro-Station Porte Maillot. Und der letzte Bus zurück? 21:45 Uhr. Perfekt! Paris bei Nacht, wir kommen!

Mit sechs Tickets in der Hand und einer gehörigen Portion Aufregung kehrte ich zu Stefan und Noah zurück. Wir hatten exakt 20 Minuten, um den 19:30-Uhr-Shuttle zu erwischen – eine Zeitspanne, die entweder locker ausreicht oder in Panik und Gehetze endet. Wir entschieden uns für eine Mischung aus beidem.

Die Fahrt zur Metro-Station Porte Maillot verlief entspannt, doch in meinem Kopf ratterten die Gedanken. Welche Linie bringt uns am schnellsten zum Trocadéro, dem perfekten Aussichtspunkt für den Eiffelturm bei Nacht? Google Maps wurde heißgetippt, Alternativrouten überprüft – ich war quasi ein lebendiges Navigationssystem auf Adrenalin.

Doch als wir um 19:40 Uhr an der Bushaltestelle Porte Maillot ankamen, folgte der erste Dämpfer: kein Bus in Sicht. Nirgendwo. Die Haltestelle sah aus, als hätte dort seit Stunden kein Fahrzeug mehr gehalten. Ein kurzes Stirnrunzeln, ein unsicherer Blick – und dann übernahm Stefan die pragmatische Führung. „Wir nehmen die Metro!“

Gesagt, getan. Wir sprinteten zur U-Bahn-Station, wo ich direkt am Ticketschalter eine freundliche Servicemitarbeiterin erwischte. Ein Hoch auf hilfsbereites Personal! Innerhalb von Minuten hielt ich die Fahrscheine für Hin- und Rückfahrt in der Hand – und wir waren startklar für die nächste Etappe unseres Paris-Abenteuers.

Unsere Route? Linie 6 bis Charles de Gaulle – Étoile, dann Umstieg in die Linie 1 bis zum Trocadéro. Zwei Stationen hier, ein schneller Wechsel dort – die Metro von Paris ließ uns durch die Stadt rasen, während wir zwischen neugierigen Blicken und letzten Navigationschecks hin- und herwechselten.

Exakt um 21:00 Uhr erreichten wir den Trocadéro – und in genau diesem Moment begann die Lightshow am Eiffelturm. Timing, das besser nicht hätte sein können!

20.000 Glühbirnen verwandelten den Eiffelturm in ein glitzerndes Spektakel. Es funkelte, strahlte und ließ den gesamten Platz in Ehrfurcht erstarren. Die Show war ursprünglich nur für die Jahrtausendwende geplant – doch die Pariser waren so begeistert, dass sie kurzerhand beschlossen, sie dauerhaft beizubehalten. Eine brillante Entscheidung, wenn ihr mich fragt.

Nach fünf Minuten war das Spektakel vorbei. Der Turm tauchte zurück in sein gewohntes, goldenes Licht, das von über 300 Scheinwerfern auf seine filigranen Stahlstreben geworfen wurde. Majestätisch. Erhaben. Und absolut beeindruckend. Und dann das große Paradoxon: Es gibt kein Foto davon.

Denn, wie ihr im gelben Kasten oben lesen könnt, ist die nächtliche Beleuchtung des Eiffelturms urheberrechtlich geschützt. Ja, wirklich. Paris kann einen zum Staunen bringen – und gelegentlich auch zum Kopfschütteln. Aber manche Dinge muss man eben einfach mit den eigenen Augen genießen. Und genau das taten wir. 

Trocadéro

Ein Blick auf die Uhr ließ uns jedoch schnell aus unserer Bewunderung erwachen. Unser letzter Shuttle um 21:45 Uhr am Porte Maillot? Unmöglich zu schaffen. Also brauchten wir einen Plan B.

Doch bevor wir uns mit der Rückfahrt beschäftigten, hatte Noah noch eine Mission zu erfüllen. Er wollte unbedingt den größten blinkenden Eiffelturm kaufen, den es hier zu finden gab. Der etwas kleinere, den wir am Vormittag erstanden hatten, war mittlerweile zur Mama-Souvenir-Edition befördert worden.

Also ging es wieder in die Verhandlungen. Der erste Händler reduzierte großzügig von 25 auf 20 Euro, aber ich wusste: Da geht mehr! Ein paar charmante Worte, geschicktes Taktieren – und schwupps, hatten wir einen riesigen blinkenden Eiffelturm für 12 Euro, inklusive drei Schlüsselanhängern. Ein Schnäppchen, und Noah war überglücklich.

Optimistisch wie immer versuchten wir trotzdem, die Metro zurück zum Porte Maillot zu nehmen. Vielleicht hatte der Shuttle ja Verspätung? Spoiler: Hatte er nicht. Also musste Plan B her – Uber.

Fix die App geöffnet, ein Auto bestellt – und keine fünf Minuten später saßen wir bereits im Wagen. Kaum hatte der Fahrer die erste Kurve genommen, war Noah auf der Rückbank eingeschlafen, zusammengerollt wie ein zufriedenes kleines Bündel Erschöpfung.

Pont Alexandre III

Für die 20-minütige Fahrt zahlten wir gerade mal 12 Euro – ein mehr als fairer Preis für eine bequeme, stressfreie Rückkehr.

Am Campingplatz angekommen, war Noah nicht wachzukriegen. Also schleppte ich den erschöpften kleinen Abenteurer in den Camper, zog ihm den Schlafanzug an und bettete ihn ins Bett – und er verschlief das alles seelenruhig.

Gute Nacht, Noah. Gute Nacht, Paris. Bis morgen.

Als der Morgen anbrach, war Noah – wenig überraschend – als Erster wach. Während Stefan und ich noch im Halbschlaf versuchten, die Welt um uns herum zu sortieren, war er bereits aus dem Bett gesprungen, voller Energie und bereit für neue Abenteuer.

Wir anderen folgten mit etwas weniger Elan seinem Beispiel und machten uns auf den Weg zu den Waschräumen, um halbwegs menschlich auszusehen. Dann ging es per Fahrrad zum Campingplatz-Restaurant, das um 8 Uhr öffnete.

Noah hatte sein Müsli schon im Camper verputzt und düste bereits wie ein kleiner Wirbelwind über den Platz, während Stefan und ich uns ein gemütliches Frühstück mit warmen Croissants und Cappuccino gönnten. Ein bisschen Ruhe am Morgen musste sein – schließlich hatte der Tag noch einiges mit uns vor.

Basilique du Sacre Coeur

Nach dem Frühstück wurde der Camper reisefertig gemacht. Fahrräder verstaut, letzte Checks erledigt – und dann hieß es: Abfahrt Richtung Montmartre!

Es war Sonntagmorgen, die Stadt lag noch im Tiefschlaf, und wir schlängelten uns mit dem Camper durch die leeren Straßen. Doch je näher wir Montmartre kamen, desto mehr erwachte Paris – und mit ihm der Verkehr. Aber wir hatten Glück: Gerade als wir oben auf dem Hügel ankamen, wurde eine Parklücke frei – und sie war groß genug für unseren Camper. Perfektes Timing!

Montmartre war ein Erlebnis für sich. Die Basilique du Sacré-Cœur thronte majestätisch über der Stadt, und der Ausblick war einfach atemberaubend – ein endloses Panorama über die Dächer von Paris.

An den Geländern hingen unzählige Liebesschlösser, und natürlich wollte Noah auch eines haben. Also suchten wir ein passendes Schloss aus, schrieben seinen Namen darauf und hängten es direkt vor der Basilika am Zaun auf. Ein cooles Erinnerungsstück – und vielleicht das einzige Schloss, das nicht für eine große Liebesgeschichte, sondern für einen siebenjährigen Abenteurer steht.

Wir genossen die Atmosphäre noch eine Weile, doch gegen 12 Uhr wurde es Zeit, aufzubrechen. Paris, au revoir – es ging zurück nach Hause!

Unsere Heimfahrt begann auf der A4, die uns quer durch Frankreich führte. Die Landschaft zog vorbei, während wir gemütlich im Camper saßen und die vergangenen Tage Revue passieren ließen. Nach ein paar Stunden überquerten wir die Grenze nach Deutschland – und kurz darauf kam der obligatorische McDonald’s-Zwischenstopp in Saarbrücken.

„Ein echt deutscher McDonald’s!“ rief Noah begeistert, als wäre er gerade einer seltenen Sehenswürdigkeit begegnet. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Gut gestärkt setzten wir die Fahrt fort. Die Straßen waren am Sonntag deutlich leerer als bei unserer Hinfahrt, und wir kamen zügig voran. Gegen 19 Uhr rollten wir schließlich in unsere Einfahrt – müde, glücklich und voller unvergesslicher Erinnerungen.

Und in Anbetracht all dessen können wir nur sagen:

„La vie est belle!“

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