Zwei Vespas, 1.500 Treppen & fliegendes Gemüse – unser Abenteuer rund um Sorrent und Neapel
Der September ist für uns inzwischen fast die perfekte Zeit, um noch einmal Richtung Italien abzuhauen. Die große Sommerhitze lässt langsam nach, der Camper steht sowieso viel zu unruhig vor der Tür und unsere beiden Vespas haben ganz offensichtlich noch nicht genug Italien gesehen. Also kommen sie auf den Anhänger und wir machen uns auf den Weg nach Süden. Diesmal mit der roten GTS und meiner frisch beklebten weißen Primavera, die als „Scuderia Limoncello“ vermutlich italienischer aussieht als manches Fahrzeug, das tatsächlich in Italien zugelassen ist.
Unser Weg führt uns zunächst über Monzambano und Orvieto nach Sorrent, und schon unterwegs entwickelt die Reise wieder ihr ganz eigenes Programm. Wir treffen auf eine ziemlich schlecht gelaunte Gänse-Mafia, landen bei einem Wirt, der zwischen Pasta und Dessert plötzlich zum Alleinunterhalter wird, kaufen sehr viel Olivenöl und stellen einmal mehr fest, dass Pläne bei uns hauptsächlich dazu dienen, später etwas völlig anderes zu machen.
Rund um Sorrent bekommen unsere Vespas dann endlich das Revier, für das wir sie mitgenommen haben. Wir fahren die Amalfiküste entlang, durch Positano, Atrani, Amalfi und hinauf nach Ravello, halten ständig irgendwo an, weil hinter der nächsten Kurve natürlich schon wieder ein noch schönerer Ausblick wartet, und quetschen uns durch Straßen, auf denen ich persönlich nicht einmal einen Gartenstuhl sicher abstellen würde. Und weil uns vom letzten Jahr noch eine Rechnung mit dem Sentiero degli Dei offensteht, müssen wir natürlich auch die begleichen. Es geht um ungefähr 1.500 Treppen hinunter Richtung Positano. Ich wollte das so. Das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, bevor hinterher jemand Stefan die Schuld gibt.
Zwischendurch lassen wir die Vespas auch mal stehen und fahren nach Capri. Dort entdecken wir den Natural Arch, schweben mit dem Sessellift auf den Monte Solaro und lernen zwei wichtige Dinge fürs Leben: Ein Cappuccino kann neun Euro kosten und zwei Kugeln Eis elf. Man kann sich darüber aufregen. Man kann es aber auch einfach bezahlen und sich noch Jahre später darüber aufregen.
Danach geht es weiter nach Pompeji zu Pasquale, bei dem wir schon im letzten Jahr gestanden haben. Die Wiedersehensfreude ist groß – wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob er sich über uns oder über meine Scuderia Limoncello mehr freut. Die Vespa hat jedenfalls sofort einen italienischen Fanclub. Und eigentlich wären da ja noch Pompeji und der Vesuv. Eigentlich. Doch dann fahren wir nach Neapel und sämtliche anderen Pläne sind erledigt.
Denn ich liebe diese Stadt einfach. Wir streifen durch die Quartieri Spagnoli, trinken Espresso, essen Pizza, versinken in den Märkten und beobachten das ganz normale neapolitanische Leben. Dazu gehören Maradona in ungefähr jeder denkbaren Form, Einkäufe per Körbchen vom Balkon und zwei temperamentvolle Damen auf dem Markt, bei deren Streit irgendwann das Gemüse durch die Gegend fliegt. Am nächsten Morgen überlegen wir kurz, ob wir vielleicht doch noch auf den Vesuv fahren sollten – und fahren stattdessen einfach wieder nach Neapel.
Am Ende sitzen wir mit unzähligen Fotos, reichlich Mortadella, Prosciutto, Salami, Käse, diversen Einkäufen für die Enkel und zwei Flaschen Olivenöl ohne Etikett im Camper und wollen auf der Heimfahrt eigentlich nur ein paar Stunden fahren und uns dann einen Übernachtungsplatz suchen. So zumindest der Plan. Dann setzt sich Stefan ans Steuer. 1.300 Kilometer später sind wir zu Hause.
So viel zum Thema Reiseplanung.