(2024) Mission Eiffelturm – Wenn der Enkel ruft, rollt der Camper
Wenn der Enkel den Wunsch äußert, einmal vom Eiffelturm auf Paris zu blicken, dann gibt es für Oma und Opa genau zwei Möglichkeiten: entweder erklären, warum das gerade nicht so einfach ist – oder einfach machen. Und da wir Großeltern mit einer gewissen Abenteuerlust sind, und da die zweite Option außerdem weniger Diskussionen erfordert, haben wir natürlich gemacht.
Gesagt, geplant, gepackt. Das Wochenende schien wie für unser kleines Abenteuer bestellt – blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen, die weder Jacke noch Schweißausbrüche erforderten. Also packten wir direkt nach der Schule unsere Sachen, luden die Fahrräder, verstauten alles was ein Wochenende in Paris braucht – und rollten mit dem Camper los. Richtung Westen. Richtung Paris. Richtung Eiffelturm.
Die Route: Esslingen – Heilbronn – Saarbrücken – Paris. Klingt machbar und ist es auch – wäre da nicht die französische Autobahngebühr von satten 40 Euro gewesen, die unser Reisebudget direkt mit einem charmanten Achselzucken begrüßte. Aber gut, Abenteuer gibt’s eben nicht umsonst. Das wissen wir mittlerweile.
Nach acht Stunden Fahrt, einer überschaubaren Anzahl an Staus und der obligatorischen Diskussion darüber, wessen Navigations-App die bessere ist – eine Diskussion, die seit Jahren unentschieden bleibt und vermutlich nie gelöst werden wird –, trafen wir gegen 19:30 Uhr auf unserem Campingplatz am Rande von Paris ein. Die Rezeption: offen. Die Stimmung: euphorisch. Unser Stellplatz: nur einen Steinwurf von der Seine entfernt – ein Detail, das für romantische Naturen sicher ein Traum ist, für uns aber vor allem bedeutete: nah genug am Wasser, aber nicht so nah, dass wir nachts Paddel bereitlegen mussten.

Kaum hatten wir uns eingerichtet, meldete sich der Hunger – pünktlich wie immer, ohne Vorankündigung, ohne Rücksicht auf müde Reisende. Also auf zur kulinarischen Erstversorgung. Der Campingplatz verfügte glücklicherweise über ein großes, gepflegtes Restaurant – oder wie wir es nannten: den Retter unseres hungrigen Abends. Pizza to go, rein in den Camper, bequem gemacht und in aller Ruhe genossen. Stefan ließ das Essen aus, was vermutlich weniger mit seinem Appetit als mit seiner typisch strategischen „Ich-will-alles-fertig-haben“-Herangehensweise zu tun hatte. Während wir also genüsslich unsere Pizza vertilgten, bereitete er alles für die Nacht vor. Eine bewährte Arbeitsteilung.
Besondere Herausforderung des Abends: das brandneue Fahrerkabinen-Bett für Noah. Schließlich war es seine erste Nacht im Camper – eine große Premiere für den kleinen Mann. Die Montage ging schnell, keine Schweißausbrüche, keine unerwarteten Ersatzteile übrig. Und dann lag Noah da, in seinem kleinen Bett im Fahrerhaus, und schlief – ohne ein weiteres Wort – wie ein Stein.
Wer eine ähnliche Anschaffung plant: Es lohnt sich. Für Noah war das Fahrerkabinen-Bett der heimliche Star des Wochenendes. Noch vor Paris. Hier ein paar Infos zum. Bettchen
Um 22:00 Uhr: Schluss mit lustig. Schließlich stand uns am nächsten Tag ein Paris-Abenteuer der Extraklasse bevor – und ausgeschlafene Großeltern haben definitiv die besseren Nerven.
Auf der Website des Campingplatzes stand großspurig, dass das Frühstück ab 7:00 Uhr serviert wird. Eine Information, die sich im echten Leben als kreativer Vorschlag herausstellte und nicht als verlässliche Zeitangabe. Denn als wir uns um kurz nach sieben erwartungsvoll auf den Weg zum Frühstücksraum machten, herrschte dort gähnende Leere. Keine Brötchen, kein Kaffee, nicht einmal ein müder Croissant-Krümel in Sicht. Paris schläft eben auch morgens noch ein bisschen.
Da Warten vor verschlossenen Türen nicht gerade unsere bevorzugte Morgenaktivität ist, beschlossen wir kurzerhand, das Frühstück anderswo aufzutreiben. Und was wäre ein besserer Ort dafür als Paris selbst? Also schnappten wir uns die Fahrräder und schwangen uns in den Sattel.
Der Campingplatz liegt strategisch günstig zwischen der Seine und dem Bois de Boulogne, was uns eine wunderschöne Route durch den Park bescherte – zwei Drittel des Weges durch grüne Oasen, breite Wege, Morgenlicht durch die Bäume, Paris noch halb im Schlaf. Ein Bild wie aus einem Film. Nur das letzte Drittel zwang uns auf die Straße, aber um diese Uhrzeit war der Verkehr noch so verschlafen wie das nicht vorhandene Campingplatz-Frühstück.

Noah meisterte die schmalen Einbahnstraßen mit einer Souveränität, die selbst hartgesottene Pariser Radfahrer hätte beeindrucken können. Der Kleine sitzt auf einem Fahrrad wie andere Menschen auf einem Sofa – vollkommen natürlich, vollkommen selbstverständlich. Dann eine steile Abfahrt – und plötzlich, unvermittelt, taucht er auf.
Der Eiffelturm.
Majestätisch. Imposant. So nah, dass wir ihn fast hätten anfassen können. Nur die Seine trennte uns noch von unserem Ziel. Wir rollten über die Pont d’Iéna, spürten das Pflaster unter den Reifen, sahen das Wahrzeichen in der Morgensonne leuchten – und für einen Moment sagte niemand etwas. Manchmal braucht ein Anblick keinen Kommentar. Geschafft war nur das erste Wort, das einem in den Sinn kam.

Der Eiffelturm war da. Direkt vor uns, riesig, ikonisch – und von Plexiglasscheiben umgeben, die ihn ein bisschen wie eine Ausstellungsware in einem überdimensionierten Schaukasten wirken ließen. Der Sicherheitsgürtel um das meistbesuchte Bauwerk der Welt. Wir fuhren links an der Absperrung entlang, bis wir Eingang Nummer 2 erreichten. Fahrräder sicher geparkt, letzter Gepäckcheck – dann konnte das Abenteuer beginnen.
Nur ein kleines Detail hatte ich in der Reiseplanung versemmelt: die Tickets. Ja, selbst erprobten Reiseprofis passiert mal ein Fauxpas. Meiner bestand darin, dass ich zu spät nach Tickets für die Spitze geschaut hatte. Online? Ausverkauft. Es gab zwar noch welche über diverse Plattformen, aber die Preise waren so gesalzen, dass man meinen könnte, sie wären aus echtem Pariser Gold gegossen.

Nur ein kleines Detail hatte ich in der Reiseplanung versemmelt: die Tickets für die Spitze. Ja, selbst erprobten Reiseprofis passiert mal ein Fauxpas. Meiner bestand darin, dass ich zu spät nach Tickets für ganz oben geschaut hatte. Online? Für die Spitze restlos ausverkauft. Was ich ergattert hatte: drei Tickets für die zweite Etage über das Treppenhaus – 27 Euro, immerhin etwas. Eine sportliche Alternative, die ich innerlich bereits als Plan B verbucht hatte, während ich insgeheim hoffte, dass sich irgendwie doch noch ein Weg nach ganz oben auftun würde.
Doch dank des ausgefallenen Campingplatz-Frühstücks – das ja, wie berichtet, gar keines war – standen wir bereits eine Stunde vor der Öffnung am Turm. Nicht geplant. Nicht strategisch. Einfach das glückliche Ergebnis eines Bäckers, der verschlafen hatte. Und plötzlich war es das Beste, was uns passieren konnte.
Gerade mal vier Leute standen vor uns an der Ticketkasse. Vier. Während Noah fröhlich durch den kleinen Park vor dem Turm hüpfte – er hatte längst beschlossen, dass Warten keine sinnvolle Beschäftigung ist, wenn man auch Tauben beobachten oder Steine zählen kann –, stellte ich mich mit Stefan an. Fünfzehn Minuten später war die Schlange hinter uns so lang, dass sie sich bis weit über den Vorplatz erstreckte. Menschen, so weit man schauen konnte. Das Timing hätte nicht perfekter sein können. Der Campingplatz hatte uns unfreiwillig einen Riesengefallen getan.
Der Einlassbereich war klar gegliedert: eine endlos lange Schlange für Besucher ohne Ticket, eine etwas kürzere für Online-Ticketinhaber – und eine verschwindend kleine für Gäste mit Restaurantreservierung, die um diese Uhrzeit komplett verwaist war. Offenbar hatte noch niemand Lust auf ein Croissant mit 280-Meter-Aussicht. Was für ein Fehler.
Punkt 9:30 Uhr: Die Absperrbänder wurden gelüftet. Die Menschenmassen setzten sich in Bewegung. Sicherheitskontrolle – wie am Flughafen, nur mit Eiffelturm-Ausblick. Dann die richtigen Kassen finden. Hier kam uns eine eilige Reiseleiterin zugute, die gerade ihre Gruppe zu den Schaltern dirigierte. Wir reihten uns unauffällig in den Trott ein. Ergebnis: schneller an den Ticketschaltern als der Rest der Wartenden. Manchmal ist Mitlaufen die klügste Entscheidung.
Tickets für die Spitze: Tagestickets, direkt an der Kasse. Die drei Online-Tickets für die zweite Etage über das Treppenhaus? Ließen wir verfallen. 27 Euro einfach so. Stefan warf mir einen kurzen Blick zu. Ich warf ihm einen Blick zurück, der sagte: Ich weiß. Sag nichts. Er sagte nichts. Das ist nach all den Jahren eine perfekt eingespielte stille Kommunikation.
Aber dann: Noah.
Als er begriffen hatte, dass wir tatsächlich bis zur Spitze fahren würden – bis ganz oben, 276 Meter, so hoch wie man auf dem Eiffelturm überhaupt kommt – verwandelte sich sein Gesicht in einen einzigen großen Strahler. Kein bisschen übertrieben: Dieser Junge war außer sich vor Freude. Hüpfte auf der Stelle. Rief irgendetwas auf Siebenjährigen-Begeisterungssprache, das wir erst beim dritten Mal verstanden. „Wir kommen bis ganz oben! Wir kommen wirklich bis ganz oben!“ – als hätte er gerade erfahren, dass er Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig bekommt. Und Paris dazu.
In diesem Moment hätte ich 27 Euro für verfallene Treppenhaus-Tickets tausend Mal verfallen lassen.
Noch einmal Sicherheitskontrolle, dann der Aufzug. Und wir glitten in einem schräg fahrenden Doppelstock-Aufzug durch die filigranen Stützen des Eiffelturms nach oben – ein unfassbares Gefühl, sich durch dieses Bauwerk zu bewegen. Stabil, elegant, irgendwie surreal. Die Konstruktion des Turmes zog an uns vorbei, Stahl und Nieten und Licht – und Noah drückte die Nase an die Scheibe und wollte nichts verpassen. Nicht eine Sekunde. Nicht einen Meter.
115,7 Meter: Zweite Etage. Spektakulärer Blick. Paris zu Füßen. Aber wir wollten mehr. Dritte Fahrt nach oben – sofort eingereiht. Noah: weiterhin außer Rand und Band, aber mit einer neuen, fast feierlichen Stille, als er merkte, wie weit oben wir bereits waren.
276,1 Meter: Die Spitze.
Vom ersten Anstellen um 8:30 Uhr bis zum höchsten Punkt des „La Tour Eiffel“ in nur einer Stunde. Wenn das kein Rekord war, dann zumindest eine logistische Meisterleistung – und das glückliche Ergebnis eines Bäckers, der seinen Wecker vergessen hatte.

Als sich die Aufzugstüren öffneten, wurden wir mit einem Anblick belohnt, von dem man sonst nur träumt: die fast leere Aussichtsplattform der Spitze. Kein Gedränge, kein Kampf um den besten Platz – einfach wir, der Wind in den Haaren und Paris, das sich majestätisch unter uns ausbreitete.
Noah strahlte. Es gibt Momente, da weiß man genau, warum man als Oma & Opa einfach macht, wenn der Enkel etwas möchte. Das war so ein Moment. Paris von oben, 276 Meter über dem Pflaster, und dieser siebenjährige Mensch neben mir, der die Nase an der Absperrung hat und in alle Richtungen zeigt. Louvre? Da! Notre-Dame? Da drüben! Und da – ist das unser Campingplatz? Natürlich konnte er das nicht sehen. Aber er war überzeugt, ihn zu sehen. Das zählt.

Wir drehten Runde um Runde, fotografierten aus jedem Winkel, genossen das seltene Geschenk einer noch leeren Plattform. Nach 45 Minuten begann sie sich zu füllen – Menschen, wohin das Auge blickte, Selfiesticks, die sich wie Schwerter kreuzten, Gruppen in komplizierten Formationen. Zeit für den Abstieg.
Zurück in der zweiten Etage: ein letztes Foto, dann in die Schlange für den Aufzug nach unten. Und dann fiel mein Blick auf ein Schild: „Für die Ungeduldigen: Treppenabstieg möglich.“
Noah und ich: sofort einverstanden. 765 Stufen? Kein Problem!
Stefan: weniger begeistert. Er wählte pragmatisch den Aufzug, mit dem gelassenen Gesichtsausdruck von jemandem, der weiß, dass er recht hat.
Wir sprinteten los. Stufe um Stufe, Etage um Etage, Noah vorne, ich hinterher, das Tempo sportlich bis ambitioniert. Das Adrenalin trug uns. Die Begeisterung trug uns. Die Oberschenkel protestierten, aber wir hörten nicht hin.
Unten angekommen: Stefan lehnte entspannt gegen das Geländer. Wartend. Mit dem Gesichtsausdruck von jemandem, der schon eine Weile da ist.
Erster!
Er hatte uns geschlagen. Mit einer gemütlichen Aufzugsfahrt. Das war bitter. Und er schwieg darüber – was eigentlich noch bitterer war, weil es zeigte, dass er nicht mal kommentieren musste.
Der Eiffelturm – vom „tragischen Laternenpfahl“ zur Pariser Ikone
Kaum zu glauben: Als der Eiffelturm 1889 für die Weltausstellung errichtet wurde, war er alles andere als ein Publikumsliebling. Pariser Künstler und Intellektuelle verspotteten das Bauwerk als „tragischen Laternenpfahl“ oder „Kirchturmskelett“ und prophezeiten ihm eine düstere Zukunft. Niemand hätte damals gedacht, dass ausgerechnet dieser 320 Meter hohe Eisenkoloss einmal zum Wahrzeichen der Stadt werden würde. Heute ist er mit jährlich rund sieben Millionen zahlenden Besuchern eine der meistbesuchten Attraktionen der Welt.
Und dann das Urheberrecht. Ja, wirklich: Man darf den Eiffelturm bei Nacht nicht einfach so fotografieren und die Bilder veröffentlichen. Die Beleuchtung – 1985 installiert, 20.000 Lampen, entworfen von Pierre Bideau – gilt als eigenständiges urheberrechtlich geschütztes Werk. Bideau verstarb 2021, was bedeutet: Das Urheberrecht erlischt erst 2091. Wer also ganz legal ein Nachtfoto veröffentlichen will, muss sich nur ein kleines Weilchen gedulden. Ich selbst wäre dann knackige 125 Jahre alt – aber wer weiß, vielleicht stehe ich dann mit meinem Rollator unter dem Turm, mache das offiziell erlaubte Nachtfoto und poste es mit einem triumphierenden Grinsen. Bis dahin: Erinnerungen. Oder ein heimliches Foto, das nur im privaten Album schlummert.

Gut gelaunt, leicht außer Atem und mit einem respektablen Muskelzittern in den Beinen machten wir uns auf den Weg zum nächsten Highlight: dem Tootbus. Denn es gibt zwei große Hop-on-Hop-off-Anbieter in Paris – Tootbus und Big Bus. Wir entschieden uns für Tootbus. Nicht wegen des Routennetzes oder der Bewertungen, sondern weil Noah die Busse mit den blau-weiß-roten Streifen „viel cooler“ fand. Ein Siebenjähriger hat seine Prioritäten.
Doch der Weg zur Haltestelle führte uns vorbei an der unvermeidlichen Armee der fliegenden Händler. Mini-Eiffeltürme, wohin das Auge blickt – blinkend, glitzernd, in Gold, Silber und kunterbunt. Ich verhandelte mit der Entschlossenheit einer erfahrenen Flohmarkt-Käuferin: zwei mittelgroße blinkende Türme und fünf Schlüsselanhänger für insgesamt 12 Euro. Der ursprüngliche Preis? 15 Euro für einen einzigen Turm. Ich fühlte mich wie eine Meisterverhandlerin. Ich war eine Meisterverhandlerin.

Und dann: McDonald’s. Noah erspähte ihn, bevor wir an der Haltestelle ankamen. „Da! Ein echt französischer McDonald’s!“ rief er begeistert, als hätte er gerade die Mona Lisa auf einem Skateboard entdeckt. Wer könnte einer solchen Euphorie widerstehen? Wir legten einen kurzen Zwischenstopp ein. Schließlich gehört auch ein französischer Burger zum kulturellen Erlebnis. Das sage ich mir jedenfalls.
Gestärkt und mit einem inneren Soundtrack aus Classic Rock erreichten wir das Hard Rock Café. Natürlich. Es wäre ja auch seltsam, eine Stadt zu besuchen und das Hard Rock zu ignorieren. T-Shirts für die Sammlung, Drumsticks für Nadine, eine Souvenir-Gitarre für unsere wachsende Kollektion. Es ist faszinierend, wie schnell man im Hard Rock Café eine beachtliche Summe ausgeben kann – und wie vollkommen zufrieden man dabei ist.

Anschließend: zurück auf den Tootbus. Ein Platz im Oberdeck, die Sonne schien, Paris zeigte sich von seiner besten Seite. Wir rollten vorbei an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt – Musée du Louvre, Notre-Dame, Musée d’Orsay, Place de la Concorde, Champs-Élysées, Arc de Triomphe, Trocadéro – eine Sehenswürdigkeit nach der anderen, während wir entspannt über die Stadt hinwegschwebten. Einmal Paris in wenigen Stunden. Auf Sitzgelegenheit.
Gegen 16 Uhr stiegen wir wieder aus und überlegten, wie wir den Rest des Tages verbringen sollten. Schickes Restaurant? Noah: sofort abgelehnt. Zu still. Radtour durch die inzwischen touristenüberfluteten Straßen? Zu anstrengend. Beschluss: Rückweg zum Campingplatz mit einem Supermarktstopp, Abendessen selbst kochen – und dann vielleicht noch einmal raus.
Der Rückweg per Fahrrad: bergauf, wortwörtlich. Stefan und ich konnten uns auf unsere E-Bikes verlassen, Noah auf seinem Kinderfahrrad hatte ordentlich zu kämpfen. Ein Abschleppseil war an Bord – bereit für genau diese Situation.
Aber Noah wäre nicht Noah, wenn er sich einfach ziehen lassen würde.
„Ich schaff das alleine!„
Und er schaffte es. Den gesamten Weg, bergauf, eigene Kraft, ohne Meckern. Wir begleiteten ihn mit stolzen Blicken und heimlicher Erleichterung über unsere Motorunterstützung.
Um 17 Uhr: Campingplatz. Stefan schwang sich sofort an den Herd und zauberte fantastische Spaghetti, während Noah kurz Müsli verdrückte – er hatte Wichtigeres zu tun als warten: den Campingplatz mit dem Fahrrad erkunden. Vollkommen logisch.
Um 19 Uhr: gegessen, aufgeräumt, entspannt. Und da war es noch hell. Und da war der Gedanke, der sich leise einschlich: Es gibt doch einen Shuttle-Service hier. Und der Eiffelturm bei Nacht – also eigentlich wäre das doch…
„Wollen wir uns den Eiffelturm nochmal im Dunkeln ansehen?“

Die Idee kam gut an. Also ran an die Rezeption: Shuttletickets – 2,00 € für Erwachsene, 1,30 € für Kinder, Abfahrt zu jeder vollen und halben Stunde, letzter Bus zurück 21:45 Uhr. Perfekt. Mit sechs Tickets in der Hand und einer gehörigen Portion Aufregung kehrte ich zu Stefan und Noah zurück. Exakt 20 Minuten bis zur nächsten Abfahrt. Wir entschieden uns für eine Mischung aus Aufbruch und mildem Chaos.
Die Fahrt zur Metro-Station Porte Maillot verlief entspannt – aber am Ausgangspunkt kein Bus. Nirgendwo. Die Haltestelle so still wie ein verlassener Bahnhof. Stefan übernahm: „Wir nehmen die Metro!“

Gesagt, getan. Wir sprinteten zur U-Bahn-Station, wo ich direkt am Ticketschalter eine freundliche Servicemitarbeiterin erwischte. Ein Hoch auf hilfsbereites Personal! Innerhalb von Minuten hielt ich die Fahrscheine für Hin- und Rückfahrt in der Hand – und wir waren startklar für die nächste Etappe unseres Paris-Abenteuers.
Unsere Route? Linie 6 bis Charles de Gaulle – Étoile, dann Umstieg in die Linie 1 bis zum Trocadéro. Zwei Stationen hier, ein schneller Wechsel dort – die Metro von Paris ließ uns durch die Stadt rasen, während wir zwischen neugierigen Blicken und letzten Navigationschecks hin- und herwechselten.
Exakt um 21:00 Uhr erreichten wir den Trocadéro. Und in genau diesem Moment begann die Lightshow am Eiffelturm.
20.000 Glühbirnen. Der Turm verwandelte sich in ein glitzerndes, funkelndes Spektakel – als wäre er in Champagner getaucht worden. Das ganze Trocadéro hielt den Atem an. Kein Laut, kein Gespräch – nur diese kollektive, stille Ehrfurcht vor einem Bauwerk, das eigentlich kein weiteres Spektakel braucht, aber damit trotzdem jeden überrumpelt.
Fünf Minuten. Dann war es vorbei. Der Turm tauchte zurück in sein warmes Goldlicht, 300 Scheinwerfer malten seine filigranen Stahlstreben in die Pariser Nacht. Majestätisch. Erhaben. Unvergesslich.

Ein Blick auf die Uhr ließ uns jedoch schnell aus unserer Bewunderung erwachen. Unser letzter Shuttle um 21:45 Uhr am Porte Maillot? Unmöglich zu schaffen. Also brauchten wir einen Plan B. Doch bevor wir uns mit der Rückfahrt beschäftigten, hatte Noah noch eine Mission zu erfüllen. Er wollte unbedingt den größten blinkenden Eiffelturm kaufen, den es hier zu finden gab. Der etwas kleinere, den wir am Vormittag erstanden hatten, war mittlerweile zur Mama-Souvenir-Edition befördert worden.
Also ging es wieder in die Verhandlungen. Der erste Händler reduzierte großzügig von 25 auf 20 Euro, aber ich wusste: Da geht mehr! Ein paar charmante Worte, geschicktes Taktieren – und schwupps, hatten wir einen riesigen blinkenden Eiffelturm für 12 Euro, inklusive drei Schlüsselanhängern. Ein Schnäppchen, und Noah war überglücklich.
Optimistisch wie immer versuchten wir trotzdem, die Metro zurück zum Porte Maillot zu nehmen. Vielleicht hatte der Shuttle ja Verspätung? Spoiler: Hatte er nicht. Also musste Plan B her – Uber. Fix die App geöffnet, ein Auto bestellt – und keine fünf Minuten später saßen wir bereits im Wagen. Kaum hatte der Fahrer die erste Kurve genommen, war Noah auf der Rückbank eingeschlafen, zusammengerollt wie ein zufriedenes kleines Bündel Erschöpfung.

Für die 20-minütige Fahrt zahlten wir gerade mal 12 Euro – ein mehr als fairer Preis für eine bequeme, stressfreie Rückkehr. Am Campingplatz angekommen, war Noah nicht wachzukriegen. Also schleppte ich den erschöpften kleinen Abenteurer in den Camper, zog ihm den Schlafanzug an und bettete ihn ins Bett – und er verschlief das alles seelenruhig.
Gute Nacht, Noah. Gute Nacht, Paris. Bis morgen.
Als der Morgen anbrach, war Noah als Erster wach. Natürlich. Er sprang aus dem Bett mit der Energie von jemandem, der acht Stunden geschlafen hat und dabei vergessen hat, dass seine Oma das auch gerne hätte. Wir anderen folgten mit etwas weniger Elan, machten uns frisch und radelten diesmal pünktlich – das Restaurant öffnete um 8 Uhr – zum Campingplatz-Frühstück.
Noah hatte sein Müsli bereits im Camper verputzt und düste wie ein kleiner Wirbelwind über den Platz, während Stefan und ich uns Croissants und Cappuccino im Restaurant gönnten. Warme Croissants. Echter Kaffee. Paris am Morgen. Es gibt schlimmere Arten, einen Sonntag zu beginnen.

Nach dem Frühstück: Camper reisefertig, Fahrräder verstaut, letzter Check. Dann: Abfahrt Richtung Montmartre!
Sonntagmorgen, die Stadt noch halb im Schlaf. Wir schlängelten uns mit dem Camper durch leere Straßen – und je näher wir Montmartre kamen, desto mehr erwachte Paris. Doch das Timing spielte mit: Genau als wir oben auf dem Hügel ankamen, wurde eine Parklücke frei. Groß genug für unseren Camper. Auf Montmartre. An einem Sonntagmorgen. Das grenzt an ein Wunder.
Die Basilique du Sacré-Cœur thronte majestätisch über der Stadt, weiß und strahlend vor dem Pariser Himmel. Der Blick von hier oben: ein endloses Panorama über die Dächer, soweit das Auge reicht. Paris, ganz Paris, in einem einzigen Atemzug. Man steht dort und denkt: Kein Foto tut diesem Moment gerecht. Man macht trotzdem eins. Man macht viele.
Und dann: die Liebesschlösser an den Geländern. Hunderte, tausende, übereinander, ein metallisches Geflecht aus Versprechen und Erinnerungen. Noah entdeckte sie sofort. Und natürlich wollte er auch eines. Natürlich. Zum gluck gibt es hier Straßenhändler mit dem entsprechenden Sortiment.
Wir suchten ein passendes Schloss aus – stabil, mit Gravierungsmöglichkeit, oder vielmehr: mit Stift beschreibbar. Noah schrieb seinen Namen drauf, in der sorgfältigen, konzentrierten Handschrift eines Erstklässlers, der weiß, dass das jetzt für immer bleibt. Dann hängten wir es an den Zaun, direkt vor der Basilika. Kein Liebesschloss im klassischen Sinne. Aber vielleicht das ehrlichste von allen – das Schloss eines siebenjährigen Abenteurers, der Paris erobert hat und seinen Namen darauf geschrieben hat. Als Beweis.
Auf dem Foto sieht man es ganz deutlich: Noahs konzentriertes Gesicht über dem Schloss, die kleinen Hände, die es sorgfältig in die Reihe einhängen. Und daneben, von einer Hand gehalten, das fertige Schloss: „Noah“. In Großbuchstaben. Klar und deutlich. Damit alle wissen, wer hier war.
Gegen 12 Uhr: Zeit, aufzubrechen. Paris, au revoir!
Die Heimfahrt auf der A4 verlief ruhig, die Landschaft zog gleichmäßig vorbei, und wir ließen das Wochenende im Gespräch noch einmal langsam Revue passieren. Eiffelturm-Spitze in einer Stunde. 765 Stufen runter, von Stefan mit dem Aufzug geschlagen. Blinkende Eiffeltürme für 12 Euro. Ein French McDonald’s. Hard Rock, Tootbus, Trocadéro. Die Lichtshow ohne Foto. Und Noah, der im Uber eingeschlafen ist, als wäre das alles ein ganz normaler Tag gewesen.
Nach ein paar Stunden: die Grenze nach Deutschland. Und kurz danach: der obligatorische McDonald’s in Saarbrücken. „Ein echt deutscher McDonald’s!“ rief Noah begeistert – mit exakt derselben Inbrunst wie am Vortag beim französischen Exemplar. Manche Dinge ändern sich eben nie.
Gut gestärkt setzten wir die Fahrt fort. Gegen 19 Uhr rollten wir in unsere Straße in Esslingen – müde, glücklich, voller unvergesslicher Erinnerungen.
Und in Anbetracht all dessen können wir nur sagen: La vie est belle.
Und wenn der Enkel das nächste Mal ruft: Der Camper rollt.


































