
Vom Gateway Arch bis in die Windy City: Ein Abenteuer zwischen Himmel und Regen
Am nächsten Morgen starten wir energiegeladen in unser Abenteuer, gestärkt von einem Frühstück, das so lecker war, dass wir noch auf dem Weg zum Gateway Arch darüber schwärmten. Dieses beeindruckende Bauwerk, auch liebevoll „Das Tor zum Westen“ genannt, war nur einen kurzen Spaziergang von unserem Hotel entfernt – ein Glück, denn die Sonne strahlte vom Himmel, und wir wollten jeden Moment genießen.
Der Gateway Arch ist nicht einfach nur ein Bauwerk – er ist eine echte Diva unter den Wahrzeichen. Majestätisch, makellos und absolut fotogen. Und während wir ihn so ehrfürchtig betrachteten, wurden wir immer neugieriger auf die Geschichte hinter diesem „Tor zum Westen“. Überraschenderweise entstand dieses Meisterstück in gerade einmal drei Jahren, zwischen Februar 1963 und Oktober 1965 – quasi im Zeitraffer, wenn man bedenkt, wie viele Großprojekte sonst Jahrzehnte brauchen. Und das Beste: Die Kosten beliefen sich auf weniger als 15 Millionen Dollar. Das ist doch mal ein Schnäppchen, oder? Wobei, man könnte auch sagen, der Arch war der „Black Friday“-Deal seiner Zeit.
Und dann der Clou: Der glänzende Edelstahl, der den Bogen wie ein Kunstwerk erstrahlen lässt, stammt von niemand Geringerem als Krupp. Ja, richtig gelesen, Krupp aus Deutschland! Es fühlt sich fast ein bisschen an, als hätte der Arch heimlich deutsche Wurzeln – oder zumindest eine Schwäche für rostfreien Stahl aus dem Ruhrpott. Allein dieser Gedanke ließ uns mit leichtem Stolz erfüllt dastehen und uns einreden, dass wir ein kleines bisschen Teil dieser Geschichte waren.

Doch was uns wirklich beeindruckte, war nicht nur die imposante Höhe von 192 Metern – genauso breit, wohlgemerkt! – sondern die schiere Eleganz dieses Bauwerks. Perfekt geschwungene Linien, die fast wie ein Gruß an die Mathematik und die Ingenieurskunst wirken. Der Arch ist nicht einfach nur ein Bauwerk. Er ist eine Hommage an all das, was möglich ist, wenn Visionen auf Präzision treffen.
Der spannende Teil: Wir wollten hoch hinaus! Die Fahrt in der speziell angefertigten Tram mit ihren kugelförmigen Kabinen war schon ein Abenteuer für sich. Diese kleinen Raumkapseln schienen direkt aus einem Science-Fiction-Film zu stammen. Während sie uns sanft entlang der geschwungenen Bahn des Gateway Arch nach oben beförderten, fühlten wir uns wie Pioniere, die eine neue Galaxie erkunden – nur dass unsere „Mission“ von gut gelaunten Touristen begleitet wurde, die genauso neugierig waren wie wir.

Oben angekommen wurde es – und das meine ich wörtlich – eng. Der Raum an der Spitze des Gateway Arch fühlte sich an wie ein gut gefüllter Fahrstuhl, nur dass man hier nicht einfach die nächste Etage wählen konnte. Für Klaustrophobiker? Vielleicht nicht die beste Idee. Die Fenster? Vergiss Panoramagläser oder dramatische Aussichtsbalkone. Stattdessen gab es lange, schmale „Schlitze“, die eher an Schießscharten erinnerten, mit einem praktischen Podest darunter. Man konnte sich elegant mit den Ellbogen abstützen und den Blick schweifen lassen. Und dieser Blick – der war schlichtweg grandios!
BILDERGALERIE: Gateway Arch
Direkt unter uns schlängelte sich der Mississippi wie eine glitzernde Silberader durch die Landschaft. Er strahlte eine unerschütterliche Ruhe aus, die uns einen Moment innehalten ließ. Die Brücken, die ihn überspannten, wirkten von hier oben wie filigrane Kunstwerke, als wären sie aus zarten Spinnweben gewebt.

In der Ferne thronte die Skyline von St. Louis, mit dem historischen Old Courthouse, das stolz seine Kuppel in den Himmel reckte – ein architektonischer Gruß aus einer Zeit, als Gebäude noch Geschichten erzählten. Und im Osten? Dort erstreckten sich die grünen Vororte von St. Louis, so weit das Auge reichte. Die kleinen Häuser, umgeben von Bäumen und Wiesen, sahen aus wie friedliche Oasen, die in perfektem Kontrast zur lebhaften Stadt standen.
Dieser Moment – der Blick über Fluss, Stadt und Wälder – erinnerte uns daran, wie klein wir eigentlich sind. Aber auch daran, wie großartig es ist, die Welt aus einer solchen Perspektive zu erleben. Es war, als hätte man für einen Moment die Zeit angehalten, nur um uns zu zeigen, wie atemberaubend schön die Dinge sein können, wenn man nur hoch genug hinaufklettert.
BILDERGALERIE: Gateway Arch Observation Deck
Nach diesem unvergesslichen Ausblick auf dem Gateway Arch kehrten wir mit leicht wackeligen Knien – das kommt wohl von der Höhe – wieder zur Erde zurück. Doch Langeweile? Fehlanzeige! Unser nächster Stopp führte uns zur geschichtsträchtigen Union Station, die heute als lebendiges Zentrum für Shopping, Gastronomie und Unterhaltung dient. Dort wartete ein Highlight der anderen Art auf uns: das Hard Rock Café St. Louis.
Ein Besuch in einem Hard Rock Café ohne Souvenirs? Undenkbar! Also durchstöberten wir ausgiebig die Regale voller T-Shirts, Gitarrenpicks und anderer Andenken. Mit einer Tasche voller „obligatorischer Mitbringsel“ gönnten wir uns anschließend einen kräftigen Starbucks-Kaffee. Der Koffeinschub war auch nötig, denn vor uns lag eine lange, aufregende Fahrt nach Chicago.
BILDERGALERIE: St. Louis Union Station
Auf dem Weg zu unserem Auto kamen wir am Old Courthouse vorbei – ein wahres Schmuckstück unter den historischen Gebäuden St. Louis’. Die imposante Kuppel und die klassische Architektur mit den Säulen machten Eindruck, und natürlich musste ein Foto her. Was heißt ein Foto – DAS Foto! Es wurde prompt zu meinem persönlichen Lieblingsbild, das die gesamte Szenerie perfekt einfängt: das ehrwürdige Old Courthouse, eingerahmt vom mächtigen Gateway Arch im Hintergrund. So viel Geschichte und Eleganz auf einem Bild – ein echter Hingucker!



Die Fahrt auf der Interstate 55 begann wie aus dem Bilderbuch. Die Landschaft von Illinois präsentierte sich von ihrer besten Seite: sanfte, grüne Hügel, endlose Felder, die im Wind leicht wogten, und kleine Städte, die wie stumme Zeugen längst vergangener Zeiten an der Straße lagen. Es war, als hätte jemand eine Postkarte zum Leben erweckt, und wir genossen jede Minute.
Am Jefferson Memorial Cross herrschte noch strahlender Sonnenschein, und das Bild hätte nicht perfekter sein können. Dieses gewaltige Kreuz, das mit seinen schlichten, modernen Linien fast schon surreal in den blauen Himmel ragte, war ein beeindruckender Anblick. Es stand wie ein stiller Wächter über der Landschaft von Illinois und schien förmlich mit dem Himmel zu verschmelzen.

Die Inschriften auf den weißen Steinen rund um die Basis des Kreuzes zogen uns sofort in ihren Bann. Namen, Erinnerungen und Geschichten – sie erzählten von den Menschen, die hier ihre Spuren hinterlassen hatten, und verliehen diesem Ort eine tiefgründige, fast heilige Atmosphäre.
Mit der Sonne im Rücken und dem blauen Himmel über uns fuhren wir weiter. Später kamen wir an der kleinen Stadt Ridgely vorbei, die uns fast wie eine Geisterstadt vorkam. Verlassene Gebäude, eine Handvoll Bewohner, und eine Atmosphäre, die einen nostalgischen Charme ausstrahlte – irgendwo zwischen Westernfilm und modernem Minimalismus. Doch die Umgebung war wunderschön. Sanfte Hügel, grasbewachsene Weiten und hier und da ein einzelner Baum, der sich gegen den Wind stemmte. Rigel mag still und unscheinbar gewesen sein, aber die Aussicht drumherum war einfach grandios.


Doch dann passierte es – ein Wetterumschwung, der Hollywoods besten Katastrophenfilmen Konkurrenz gemacht hätte. Innerhalb von Sekunden verdunkelte sich der Himmel, und ein Gewitter zog mit einer Dramatik auf, die uns gleichzeitig beeindruckte und ein wenig nervös machte. Der Regen begann erst zaghaft, dann mit einer solchen Wucht, dass unsere Scheibenwischer im Turbomodus arbeiten mussten, um uns überhaupt einen halbwegs klaren Blick auf die glitzernde, nasse Rennstrecke vor uns zu ermöglichen. Die Sicht? Miserabel. Aber irgendwie fanden wir die Situation auch aufregend – das pure Roadtrip-Abenteuer!
BILDERGALERIE: Wicker Park Inn
Als wir endlich Chicago erreichten, war es schon Abend, und der Regen hatte keine Anstalten gemacht, aufzuhören. Doch selbst der strömende Regen konnte unsere Begeisterung nicht bremsen. Mit Hilfe unseres treuen GPS fanden wir unser Bed & Breakfast: das charmante Wicker Park Inn. Mikky, unser Gastgeber, empfing uns mit einem breiten Lächeln und der frohen Botschaft, dass der Regen am nächsten Tag vorbei sein würde. „Chicago zeigt sich morgen von seiner besten Seite, glaubt mir!“ Wir wollten ihm nur zu gerne glauben.
Hungrig und neugierig zogen wir los, um die kulinarischen Geheimnisse der Stadt zu entdecken – oder zumindest ein gutes Abendessen. Doch wie es der Zufall wollte, stolperten wir über einen Subway. Keine Gourmetküche, aber die Sandwiches schmeckten nach einem langen Tag wie ein Festmahl. Mit Cookies und Wasser aus einem nahegelegenen Kiosk bewaffnet, machten wir uns auf den Rückweg zum Inn.
Unser Zimmer war gemütlich, die Betten ein Traum, und das Beste: Wir konnten das Auto dank einer Anwohner-Parkkarte direkt vor der Tür stehen lassen. In Chicago war das ein echter Luxus! Nach einem langen Tag fielen wir zufrieden ins Bett, voller Vorfreude auf den nächsten Tag, an dem wir die legendäre Windy City erkunden wollten. Mit etwas Glück – und Mikky’s Wetterprognose – würde uns die Sonne dabei begleiten.