
Entdeckung der farbigen Wunder: Ein fantastischer Tag in den Coyote Buttes South
Der Tag begann früh – viel zu früh für Urlaub, aber wir hatten eine Mission: Ein Permit für die sagenumwobene „Wave“ ergattern. Nachdem unser Online-Glück bereits mehrfach gescheitert war, blieb nur noch die letzte Hoffnung: die Walk-In-Lotterie. Und auch die hatten wir bereits mehrfach ohne Erfolg durchgespielt. Doch trotz allem war es für uns jedes Mal ein Erlebnis – besonders, wenn Ranger Kay die Show leitete.
Schon beim Frühstück war die Stimmung eine Mischung aus aufgeregter Vorfreude und verschlafener Resignation. 7 Uhr morgens, dampfender Kaffee, müde Gesichter, eine Prise Optimismus – und die Gewissheit, dass wir uns gleich in ein Spiel um die begehrtesten Permits des Südwestens werfen würden. Um 7:45 Uhr waren wir startklar und machten uns auf den Weg zum Bureau of Land Management, dem Schauplatz dieser skurrilen Zeremonie.
Kaum angekommen, wurde schnell klar: Wir waren nicht die Einzigen mit dieser genialen Idee. Schon vor der Öffnungszeit hatte sich eine beeindruckende Menschenmenge versammelt, die sich in den engen Raum zwängte, in dem gleich die berühmte Wave-Lotterie stattfinden würde.

Mit jedem Neuankömmling, der durch die Tür trat, sanken unsere Chancen. Der Raum füllte sich schneller als ein Vegas-Casino in einer Happy Hour, und die Anspannung lag in der Luft. Über 300 Menschen versammelt für nur 30 Permits für das kommende Wochenende. Ein mathematisches Desaster. Dann betrat er die Bühne. Oder besser gesagt, den Raum – aber mit der Aura eines Westernhelden, der gekommen war, um für Recht und Ordnung zu sorgen.
Ranger Kay – Der Chuck Norris unter den Parkrangern
Ein Mann, der allein mit seiner Stimme eine ganze Halle zum Schweigen bringen konnte. Ein Mann, der in einer Welt voller Gefahr nicht nur informiert, sondern auch warnt – mit einer tiefen, eindringlichen Stimme, die irgendwo zwischen Prophet und Actionheld angesiedelt ist.
👉 „People died out there.“
👉 „This is a wild country with wild animals.“
👉 „This is not a walk in the park. This is serious business.“
Es war fast so, als würde er nicht nur eine Genehmigung für eine Wanderung verlosen, sondern eine Überlebensprüfung in der Wildnis. Wenn Chuck Norris ein Parkranger wäre – er wäre Ranger Kay. Doch trotz aller Warnungen, trotz aller dramatischen Ankündigungen, war er es, der die Stimmung mit seiner trocken-witzigen Art auflockerte. Ich erinnerte mich an ein YouTube-Video, einer früheren Lotterie – und da war er wieder: dieselbe Präsenz, dieselben Gags, dieselben markanten Sprüche. Selbst wenn wir eines Tages das Permit gewinnen sollten, ich könnte mir gut vorstellen, einfach aus Spaß wiederzukommen, nur um dieses Schauspiel noch einmal zu erleben. Dann begann die Zeremonie. Ranger Kay griff in den überdimensionalen Bingo-Korb, ließ die Kugeln klappern und zog eine nach der anderen heraus. Jede Kugel stand für eine Gruppe von Abenteurern – und mit jeder gezogenen Zahl wuchs die Hoffnung bei einigen, während andere ihrem Schicksal ins Gesicht sahen.
Bingo-Ball eins: nicht wir.
Ball fünf: nicht wir.
Ball zwölf: nicht wir.
Ball neunundzwanzig: auch nicht wir.
Und dann war es vorbei. Alle 30 Permits vergeben. Kein Platz für uns. Die Rolling Stones sangen leise in meinem Kopf: 👉 „You can’t always get what you want…“
Es war nicht unser Tag, aber irgendwie war das auch egal. Die Erfahrung, diese Lotterie hautnah mitzuerleben, die Atmosphäre, das gemeinsame Hoffen – all das war schon ein Abenteuer für sich. Und auch wenn wir einmal mehr ohne Permit abreisten, Ranger Kay hatte uns mit seiner Show wieder bestens unterhalten.
Nach unserer verpassten Chance bei der Wave Lottery ließen wir uns nicht entmutigen. Schließlich gibt es in dieser Ecke Arizonas mehr spektakuläre Landschaften, als man in einem einzigen Leben erkunden könnte. Die Wave würde uns nicht davonlaufen – in einem halben Jahr würden wir es erneut versuchen. Doch jetzt hieß es: Nicht nachdenken, sondern losziehen.
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel, um unser Gepäck abzuholen, machten wir uns auf den Weg. Denn auch wenn die Coyote Buttes North heute außer Reichweite geblieben waren, hatte ich vor ein paar Monaten vorausschauend gehandelt und Online-Permits für die Coyote Buttes South ergattert. Ein kleines Trostpflaster? Nein – eher eine grandiose Alternative!
Während die nördlichen Coyote Buttes mit ihrer legendären „Wave“ jährlich tausende von Besuchern anziehen, sind die südlichen Buttes ein Geheimtipp. Hier werden ebenfalls nur 20 Permits pro Tag vergeben, doch durch die abgelegene Lage und die anspruchsvolle Anfahrt ist der Andrang nicht ganz so gigantisch. Perfekt für uns.
Unsere Route führte uns zunächst über den atemberaubenden Highway 89A, eine Straße, die allein schon ein Erlebnis ist. Die Landschaft wechselte ständig zwischen dichten Wäldern, zerklüfteten Felsformationen und weiten Ebenen. Wir passierten Fredonia, eine verschlafene Kleinstadt, und folgten der Straße weiter zum Jacob Lake, dem Abzweig zum North Rim des Grand Canyon.

Leider war der Zugang zum Grand Canyon von hier aus noch gesperrt – erst im Mai würden die Straßen freigegeben werden. Doch das machte nichts. Heute hatten wir ein anderes Ziel vor Augen, und die Vorfreude wuchs mit jedem Kilometer.
Kurz bevor sich der Highway in malerischen Serpentinen ins Tal hinabwand, legten wir einen Zwischenstopp an einem Aussichtspunkt ein. Der Blick von hier oben war schlichtweg überwältigend. Vor uns erstreckte sich die Weite der Vermilion Cliffs, eine endlose Szenerie aus leuchtend roten Felsen, die sich bis zum Horizont zogen. Dahinter erhob sich das mächtige Kaibab Plateau, ein gewaltiges Hochland, das sich wie eine uneinnehmbare Festung aus der Wüste erhob.
Und dort unten, weit entfernt, aber dennoch erkennbar, schlängelte sich eine staubige Piste durch die Wildnis – die Houserock Valley Road. Unsere nächste Herausforderung wartete bereits.

Sobald wir das Tal erreichten, bogen wir auf die House Rock Valley Road ein. Diese Schotterpiste mit der offiziellen Bezeichnung BLM 700 präsentierte sich erstaunlich gut in Schuss, zumindest für ihre Verhältnisse. Keine metertiefen Schlaglöcher, keine knietiefen Sandfelder – nur eine staubige, raue Strecke, die uns zügig vorankommen ließ. Während die Räder über die Piste ratterten, genossen wir die Landschaft, die sich um uns herum in ihrer vollen, wilden Schönheit entfaltete.
Nach etwa neun Meilen erreichten wir die Corral Valley Road (BLM 1017) – und hier wurde es ernst. Die ersten sandigen Abschnitte kündigten sich an, und die lockere Oberfläche versprach mehr Herausforderung als Komfort.
Stefan, unser erfahrener Offroad-Pilot, übernahm die Führung, während Nadine – zum ersten Mal in ernsthaftem Gelände unterwegs – direkt hinter ihm fuhr. Bis hierhin hatte sie sich souverän geschlagen, doch jetzt würde sich zeigen, wie sie mit tiefem Sand, unberechenbaren Spurrillen und der endlosen Weite dieser abgelegenen Wüstenlandschaft zurechtkam.

Erste Herausforderungen – und Nadine bleibt cool. Zunächst schien alles noch recht harmlos. Die Räder pflügten durch lockeren Sand, doch mit etwas Schwung ließ sich das problemlos meistern. Nadine hielt sich direkt hinter Stefan, achtete darauf, seinen Spuren zu folgen – ein kluger Schachzug, denn dort war der Sand bereits etwas verdichtet.
Doch dann kam der erste tiefere Abschnitt. Stefan fuhr mit konstantem Tempo durch, der Wagen schwankte leicht, aber sein Offroad-Modus arbeitete zuverlässig. Nadine jedoch hatte einen Moment des Zögerns – genau das, was im tiefen Sand problematisch werden kann.
“Mehr Gas, mehr Gas!” riefen wir über Funk, denn sobald man langsamer wird oder gar stehen bleibt, gibt es kein Vorankommen mehr – nur noch Ausgraben.
Nadine reagierte blitzschnell, trat beherzt aufs Gaspedal, und ihr Wagen grub sich mit einem satten Röhren durch den Sand, während die Reifen den weichen Untergrund packten. Staub wirbelte hinter ihr auf, der SUV schwankte leicht, doch sie hielt die Spur – und schaffte es durch.


Eigentlich hätten wir längst die Poverty Flat Ranch sehen müssen, doch vor uns lag nur endlose Weite. Etwas stimmte nicht. Hatten wir eine Abzweigung verpasst? Zur Sicherheit fuhren wir noch eine halbe Meile weiter, doch die Landschaft blieb unverändert. Keine Ranch, kein Windrad – nur unberührte Wildnis. Schließlich entschieden wir uns, umzudrehen und zurück zur letzten markanten Abbiegung zu fahren.
Und tatsächlich: Wir hatten einen unscheinbaren Abzweig übersehen, der uns nicht zu den Coyote Buttes South, sondern zu White Pocket geführt hätte – einem anderen atemberaubenden Ziel, aber nicht das, was wir für heute geplant hatten.
Wieder auf der richtigen Route, tauchten schließlich die ersten Gebäude der Poverty Flat Ranch in der Ferne auf, und das markante Windrad drehte sich unermüdlich im Wüstenwind. Wir waren wieder auf Kurs. Doch vor uns lag noch eine letzte Herausforderung: elendig lange Minuten tiefster Sandpisten.
Hier gab es keine festen Spuren mehr, nur lose Sandverwehungen, die sich trügerisch über den Weg gelegt hatten. Stefan gab vor, was zu tun war: Konstantes Tempo halten, nicht ruckartig bremsen, niemals vom Gas gehen.
Und Nadine? Sie zog es gnadenlos durch. Ich konnte nicht anders, als kurz über die Funkverbindung ein anerkennendes „Respekt, Nadine!“ durchzugeben. Stefan grinste nur – er wusste genau, dass sie das draufhat.
BILDERGALERIE: BLM Road zur Coyote Buttes South
Ohne zu zögern blieb sie an Stefans Stoßstange, ließ sich von den wühlenden Reifen nicht aus der Ruhe bringen und kämpfte sich mit beeindruckender Kontrolle durch den Sand. Kein Einsinken, kein Stoppen – sie meisterte ihre erste ernsthafte Offroad-Strecke, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.
Dann, endlich: Das ersehnte Hinweisschild der „Coyote Buttes Special Managed Area“ tauchte vor uns auf. Hier endete die wilde Fahrt – und von diesem Punkt an durfte nur noch weiterfahren, wer eines der begehrten Permits hatte.
Ein paar Minuten nach der letzten sandigen Etappe erreichten wir endlich unser Ziel. Die SUVs parkten wir in der Nähe einer kleinen Baumgruppe, die in dieser ansonsten kargen Landschaft fast wie eine Fata Morgana wirkte. Hier begann unsere eigentliche Wanderung durch eines der spektakulärsten Gebiete des amerikanischen Südwestens.
Schon aus der Ferne konnten wir sie erkennen – die Teepees, bizarre, kegelförmige Sandsteinformationen, die aus der Wüste ragten wie die Überbleibsel einer anderen Welt. Oli schnallte Noah in die Kraxe auf seinen Rücken, während der Rest von uns die letzten Vorbereitungen traf. Wasser, Snacks, Sonnencreme – alles verstaut, die Abenteuerlust geweckt.
Doch bevor wir wirklich in diese außerirdische Landschaft eintauchen konnten, wartete die erste Herausforderung auf uns: tiefer Sand.


Jeder Schritt fühlte sich an, als würde uns der Boden absichtlich festhalten wollen. Die Füße versanken knöcheltief, und mit jedem Meter fragten wir uns, warum Wüsten-Nomaden nicht längst flächendeckend Schneeschuhe eingeführt hatten. Doch die Vorfreude ließ uns nicht aufgeben – wir stapften weiter, während sich der Sand leise unter unseren Sohlen bewegte. Dann, endlich – der Moment, der alles wert war.
Vor uns entfaltete sich eine Landschaft, wie man sie sonst nur aus surrealen Gemälden oder alten Abenteuerfilmen kennt. Riesige, rot-orange gestreifte Sandsteinformationen, geformt durch Millionen von Jahren Wind und Wetter, ragten in den Himmel. Der Kontrast zum tiefblauen Himmel war atemberaubend. Jeder Schritt brachte uns weiter in eine Welt, die so unberührt und perfekt wirkte, dass sie fast unwirklich erschien.
Vergessen war die Mühe, vergessen der Sand – wir waren angekommen in einem kleinen Paradies.

Oben auf dem Plateau, mit Blick auf das endlose Wüstenpanorama, war es Zeit für eine wohlverdiente Pause. Dieser Ort war nicht nur spektakulär, sondern auch mit Erinnerungen verknüpft – genau hier hatten wir im vergangenen Jahr mit Bianca gesessen, genau hier hatten wir unser Picknick inmitten dieser Traumlandschaft genossen.
Ein gewaltiger Felsen warf genau die richtige Menge Schatten, sodass wir uns auf den warmen Sandsteinplatten niederlassen konnten. Unsere Lunchpakete? Einfach, aber perfekt:
🥯 Fluffige Dinner Rolls, belegt mit knusprigem Bacon und Frischkäse
🍌 Bananen als süßer Energieschub zum Abschluss
Während wir aßen, schweifte der Blick immer wieder über die weite, unberührte Landschaft. Kein Lärm, keine Menschenmassen – nur die Stille der Wüste, das Rauschen des Windes und die Schönheit der Coyote Buttes South. Es gibt Picknickplätze – und es gibt Picknick-Erlebnisse, die man nie vergisst. Dies hier war definitiv letzteres. Und das Baby spielte im Riesen-Sandkasten!
BILDERGALERIE: Lunch- Play Time
Mit unseren Rucksäcken festgeschnallt und einem abenteuerlustigen Noah in der Kraxe machten wir uns auf den Weg in ein Gelände, das nicht von dieser Welt zu sein schien. Die Coyote Buttes South entfalteten sich vor uns wie eine surreale Kulisse, als hätte sich die Natur für einen Moment in einen exzentrischen Künstler verwandelt. Sandsteinformationen in den wildesten Formen, geschwungene Linien, als hätte jemand mit einem überdimensionalen Pinsel schwungvolle Striche in den Fels gemalt – jeder Schritt ein neues Gemälde, jede Kurve eine kleine Offenbarung.
Und dann: Deli Rock. Diese spiralförmige Sandsäule, die völlig unbeeindruckt von der Schwerkraft in die Höhe ragte, als wollte sie der Erdanziehung trotzen. Mit jedem Perspektivwechsel schien sie ihr Aussehen zu verändern – ein Naturwunder, das sich nicht einfach so ablichten ließ, sondern betrachtet, bestaunt, erlebt werden wollte.
Wir gingen weiter, und plötzlich sah es aus, als hätte ein gigantischer Bildhauer hier sein Meisterwerk hinterlassen. Die Felsen wirkten wie kunstvoll gemeißelte Gehirnwindungen, labyrinthartige Muster, die sich über die Oberfläche schlängelten. Und die Farben? Ein Feuerwerk aus Gold, Rostrot und sanften Rosatönen, das sich mit dem Sonnenstand veränderte. Die Steine schienen zu glühen, als würden sie die Hitze des Tages in sich speichern.
Dann tauchten sie vor uns auf: die Teepees. Kegelförmige Sandsteinberge, die wie erstarrte Feuersäulen in der Landschaft standen. Ihre Farbschichten leuchteten in satten Rot- und Gelbtönen, als hätte die Erde selbst hier ein Kunstwerk geschaffen. Doch das eigentliche Wunder lag in den Details – fein geschichtete Sandsteinplatten, die an hauchzarten Blätterteig erinnerten, so filigran, dass man kaum wagte, zu nahe heranzutreten.
Und obwohl wir mitten in einer steinernen Welt standen, entdeckten wir immer wieder kleine Zeichen von Leben: winzige Pflanzen, die sich in die Ritzen klammerten, Sträucher, die sich stur gegen die Trockenheit behaupteten.Als wollten sie sagen: „Schönheit allein reicht nicht, hier muss man auch zäh sein.“
BILDERGALERIE: Coyote Buttes South
Und dann kamen wir zu dem kleinen aber auffälligen “Half-and-Half”. Die zweifarbige Färbung mit den klaren Linien, die sich spiralförmig über die Oberfläche ziehen, macht ihn zu einem echten Blickfang. Oli war enttäuscht, weil er ihn sich größer vorgestellt hatte – verständlich, wenn man bei der Beschreibung vielleicht einen gigantischen Monolith erwartet. Doch Stefan konnte nicht widerstehen und kommentierte mit einem Schmunzeln, dass der Stein wie der Haufen eines Einhorns aussieht – da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt!
Ich persönlich finde, dieser Stein hat etwas Magisches. Er ist wie ein kleines Kunstwerk der Natur, fast zu perfekt, um zufällig entstanden zu sein. Egal, ob man ihn für ein Mini-Monument oder eine Laune der Geologie hält, er fügt sich wunderbar in die dramatische Landschaft der Coyote Buttes South ein. Und wer weiß – vielleicht hat Stefan mit seiner Einhorn-Theorie ja sogar recht? 😉
Nach Stunden des Staunens und Entdeckens kehrten wir schließlich zurück. Dort standen unsere SUVs, verloren in der endlosen Wüste, wie kleine Spielzeugautos vor einer gigantischen Naturkulisse. Der Wind strich sanft über den Sand. Ein Moment, der sich einbrannte. Ein Abenteuer, das noch lange nachhallen würde.

Der Rückweg fühlte sich wie ein Déjà-vu mit einer Prise Abenteuerlust an – die BLM Road 1066, diese berüchtigte Schotterpiste, lag erneut vor uns. Diesmal jedoch waren wir nicht mehr die Neulinge, die jeden Stein misstrauisch beäugten. Die Strecke kannten wir inzwischen, und das machte uns mutiger. Das Knirschen der Reifen auf dem unnachgiebigen Untergrund klang fast vertraut, doch die Wüste wollte uns noch einmal zeigen, wer hier das Sagen hatte. Jeder Schlag in die Lenkung erinnerte uns daran, dass die Wüste keine Fehler verzeiht.
Die Anspannung löste sich erst, als wir die House Rock Valley Road erreichten. Hier rollten die Reifen spürbar leichter, und die Landschaft begann, ihr Theaterstück des Abschieds zu inszenieren. Die Sonne war tief gesunken und warf goldene Schleier über die Berge. Die Felsen leuchteten in warmen Rot- und Orangetönen, als ob sie für uns noch einmal in voller Pracht auftreten wollten. Es war ein letzter Akt dieser epischen Kulisse, und wir saßen in der ersten Reihe.
Der Triumph des Tages: Kein Reifenplatzer. Kein scharfer Stein hatte es geschafft, uns in die Knie zu zwingen. Das war unsere kleine Heldengeschichte auf der House Rock Valley Road. Doch der Schotter wich bald dem Asphalt, und der Highway 89 führte uns zurück in Richtung Zivilisation – und zu einem knurrenden Magen.



Als wir gegen 19:30 Uhr in Kanab ankamen, war der Hunger unser treuer Begleiter. Das Iron Horse war die rettende Oase, und die Burger und Spare Ribs waren nicht nur Essen, sondern eine Belohnung, die uns alle zufrieden und still machte – zumindest für ein paar Minuten. Nadine, Oli und Noah zogen sich danach ins Hotel zurück, völlig erledigt von den Erlebnissen des Tages.
Stefan und ich? Wir waren noch nicht bereit, diesen Tag so einfach enden zu lassen. Die Wüste hatte uns herausgefordert, wir hatten bestanden – und jetzt genossen wir dieses Gefühl der Erschöpfung, das man nur nach einem echten Abenteuer empfindet.