Ein Tag voller Naturwunder: Balanced Rocks, der Horseshoe Bend und weitere fantastische Ziele

Jeden Morgen, wenn die Sonne zaghaft über den Horizont blinzelt, beginnt der Tag mit einer Mischung aus Vorfreude und leiser Hoffnung, dass das Frühstück diesmal tatsächlich warm bleibt, bevor es im Chaos des Aufbruchs untergeht. Mit einem energiegeladenen Baby an Bord, das bereits mit einem strahlenden Lächeln und unermüdlicher Entdeckerlust in den Tag startet, ist die morgendliche Routine ein Abenteuer für sich. Frisch gewickelt und mit einer beneidenswerten Begeisterung für den neuen Tag ausgestattet, machen wir uns auf den Weg zum Frühstücksbuffet, wo wir – in der Theorie – unsere Energiereserven auffüllen. In der Praxis bedeutet das: Ein Erwachsener jongliert mit Saftgläsern, während der andere versucht, das Baby davon abzuhalten, das Müsli mit einem beherzten Wurf durch den Raum zu befördern.

Doch heute ist kein gewöhnlicher Tag! Nach einer unerwarteten Reifenpanne am Vorabend mussten wir unser ursprüngliches Gefährt durch ein Notrad zur Schau stellen – eine Lösung, die weder stilistisch noch funktional überzeugt. Die Aufregung des gestrigen Abends schwingt noch nach, und so haben wir uns entschieden, diesmal mit dem Hyundai loszuziehen. Der Jeep von Nadine und Oli darf sich ausruhen – wir hingegen nicht. Der Hyundai, groß und geräumig, gibt uns immerhin genügend Platz, um neben dem Kindersitz noch eine gewisse Bewegungsfreiheit zu behalten, falls eine akute Flucht aus den klebrigen Händen eines Breikünstlers notwendig werden sollte.

Highway 89A

Und so geht es erneut auf die Route 89A – zum zweiten Mal in zwei Tagen. In der Nacht hat es geschneit, und die gestern noch staubige Wüste präsentiert sich in einem völlig neuen Look: frostig, weiß, märchenhaft – und rutschig. Glücklicherweise ist die Straße geräumt, sodass wir uns nicht mit kreativen Schleuderkünsten auseinandersetzen müssen.

Am Aussichtspunkt angekommen, erwarten uns die Vermilion Cliffs in einem neuen, fast surrealen Gewand. Wo gestern noch schroffe Felsen in der Sonne glühten, liegt heute eine Landschaft unter einem zarten Schleier aus Nebel, der sich in den Felsformationen verfängt wie ein gut platzierter Spezialeffekt in einem Abenteuerfilm. Es ist ein Anblick, der für einen Moment sämtliche Pannen, Umwege und improvisierten Frühstücke vergessen lässt – und uns daran erinnert, warum wir das alles eigentlich tun.

Wir lassen die Höhen hinter uns und schlängeln uns in eleganten Serpentinen hinab ins Tal – oder besser gesagt, der Highway schlängelt sich, wir halten uns mit einer Mischung aus Begeisterung und gebannter Aufmerksamkeit am Steuer. Die Vermilion Cliffs ziehen sich majestätisch an unserer Seite entlang, als würden sie uns den Weg weisen, während die Landschaft mit jedem Höhenmeter wilder und ursprünglicher wird. Es ist diese Art von Straße, die man nicht einfach nur befährt, sondern erlebt – mit weit offenen Augen und einer tiefen Faszination für die dramatischen Kulissen, die sich vor uns auftun.

Der erste Höhepunkt dieser Rundtour liegt nach vielen Meilen des scheinbar endlosen Geradeausfahrens in der Nähe der Cliff Dwellers Lodge. Hier, zwischen zerklüfteten Felsen und sandigen Ebenen, tauchen wir in ein Stück lebendige Geschichte ein. Vor uns ragen gewaltige Felsbrocken auf, die einst von der Hochfläche abgebrochen und in die Tiefe gestürzt sind. Einige von ihnen wurden von den Ureinwohnern einst als Schutz und Unterschlupf genutzt – eine architektonische Meisterleistung der Natur, die ihnen buchstäblich Felsen als Dach über dem Kopf bot. Die Zeit hat hier nichts glattgeschliffen – weder die Steine noch die Geschichten, die sie erzählen.

Während wir die Szenerie bewundern, findet Baby-Noah seine eigene Interpretation von „Felsen entdecken“: Laufen, rennen, lachen. Für ihn sind diese riesigen Brocken keine historischen Monumente, sondern der aufregendste Abenteuerspielplatz der Welt. Sein helles Kinderlachen hallt durch die stille Landschaft und bringt eine Leichtigkeit in diese raue Umgebung, die man in keiner Reiseführer-Beschreibung findet. Während wir ihn von Felsen zu Felsen lotsen, merken wir, wie schnell die Zeit hier vergeht. Nach einer halben Stunde Spiel, Staunen und Sand-in-allen-Taschen-sammeln setzen wir unsere Reise fort.

Zehn Meilen weiter erreichen wir die Lees Ferry Road, einen Abzweig, der uns tiefer in die Schluchtlandschaft führt. An einem kleinen Automaten wird normalerweise die Eintrittsgebühr fällig – ein Moment, in dem wir unseren Annual Pass mit einem Anflug von Stolz zücken. Kein Kleingeld kramen, keine Gebühren zahlen – das ist dieser eine kleine Triumph, der das Roadtrip-Leben ein bisschen süßer macht.

Kurz darauf stehen wir vor einer der beeindruckendsten Launen der Natur: den Balanced Rocks. Gewaltige Steinblöcke, die in scheinbar waghalsiger Balance auf ihren schmalen Sockeln ruhen, als hätten sie sich bewusst dazu entschieden, für die Ewigkeit so stehen zu bleiben. Die Geologie hat hier ganze Arbeit geleistet – durch Wind, Wasser und Frost hat sich das weichere Gestein unten schneller abgetragen als das härtere oben, sodass diese surrealen Skulpturen entstanden sind. Es sieht aus, als könnten sie jeden Moment kippen, doch sie stehen seit Jahrtausenden genau so – und werden uns wahrscheinlich noch lange überleben. Wir steigen aus, treten näher heran und lassen uns von dieser unfassbaren Kulisse gefangen nehmen.

Navajo Bridge

Doppelt hält besser – und hier sogar wortwörtlich. Denn wer glaubt, eine Brücke sei genug, hat noch nie die Navajo Bridge gesehen. Oder besser gesagt: die Navajo Brücken. Zwei fast identische Bauwerke, die sich über den Marble Canyon spannen – eine alte Dame aus dem Jahr 1929, die inzwischen in den wohlverdienten Ruhestand geschickt wurde und nun exklusiv Fußgängern gehört, und eine moderne Version, die heute den Verkehr trägt.

Ein Zwischenstopp ist hier Pflicht. Denn wenn man schon mal die Gelegenheit hat, den Colorado River aus luftiger Höhe zu bewundern, sollte man sie auch nutzen – zumindest, wenn man schwindelfrei ist. Mit jeder Windböe überlegt man kurz, ob es wirklich eine gute Idee war, so weit nach vorne zu treten, aber dann siegt die Abenteuerlust. Gemeinsam marschieren wir auf die Mitte der Fußgängerbrücke zu, wo wir uns ausgiebig in Szene setzen. Der Canyon posiert perfekt, der Fluss glitzert fotogen in der Tiefe, und die Kamera leistet Schwerstarbeit. Das perfekte Urlaubsfoto – oder eben 97 verschiedene Versionen davon.

Irgendwann hat selbst der geduldigste Reisebegleiter genug vom „noch ein letztes Bild“ und verabschiedet sich Richtung Auto. Stefan übernimmt die Fluchtstrategie und tritt strategisch den Rückzug an, während der Rest unserer Gruppe noch ein paar Extrarunden über die Brücke dreht. Praktischerweise wartet unser persönlicher Chauffeur bereits auf der anderen Seite, sodass wir uns den Rückweg sparen. Manchmal muss man einfach clever sein.

Weiter geht’s – 15 Meilen bis Bitter Springs, dann wieder auf den Highway 89 und hinaus aus dem Tal. Die Straße gewinnt rasant an Höhe, unser Blick schweift über das weite Land – zumindest theoretisch. Denn was uns eigentlich ein grandioses Panorama auf das Marble Plateau bescheren sollte, hat sich für heute eine dichte Nebeldecke zugelegt. Der Aussichtspunkt am Navajo Pass? Existiert vermutlich noch, ist aber gerade eher ein Fall für Spürhunde. Also fahren wir einfach weiter.

Kaum haben wir uns mit der milchigen Sicht abgefunden, lichtet sich der Nebel, als hätte jemand einen unsichtbaren Vorhang zur Seite geschoben. Der Highway schneidet sich durch die Felsen, die Landschaft öffnet sich – und plötzlich ist Page in greifbarer Nähe. Eine Stadt, die sich in den Reiseplänen der meisten Südwest-Abenteurer festgesetzt hat, denn hier reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die nächste: Antelope Canyon, Horseshoe Bend, Lake Powell, Glen Canyon Dam, plus ein paar weniger bekannte Highlights für die, die sich gern abseits der ausgetretenen Pfade bewegen.

Wir allerdings werden hier nicht übernachten. Page ist praktisch, keine Frage. Aber es ist auch ein Paradebeispiel für die altbekannte Rechnung: „Touristenmagnet + begrenztes Angebot = abenteuerliche Hotelpreise.“ Und da wir unsere Reisekasse lieber für spektakuläre Erlebnisse als für überteuerte Zimmer ausgeben, haben wir unser Lager eine Stunde entfernt in Kanab aufgeschlagen – ein ruhiges Städtchen mit fairen Preisen und dem charmanten Bonus, dass es hier nicht von Selfie-Sticks wimmelt.

State 48 Tavern

Natürlich hält uns das nicht davon ab, in Page Halt zu machen – denn Hunger schlägt jede logistische Vernunft. Um 13 Uhr meldet sich unser Magen zu Wort, und wir erinnern uns an einen bewährten Klassiker: die State 48 Tavern. Letztes Jahr getestet, für gut befunden – warum also das Risiko eingehen, woanders womöglich eine kulinarische Enttäuschung zu erleben?

Kleines Problem: Wir sind nicht die Einzigen, die diese geniale Idee hatten. Das Lokal ist voll, jeder Tisch besetzt. Macht nichts – gute Burger sind es wert, ein bisschen zu warten. 20 Minuten später ergattern wir einen Platz, bestellen ohne große Diskussion unsere Favoriten und lehnen uns entspannt zurück.

Fazit: Die Wartezeit hat sich gelohnt. Burger, Sandwiches, Buffalo Wings – alles auf den Punkt, alles köstlich.Während wir essen, genießen wir das zufriedene Gefühl, dass es auf Reisen manchmal eben doch die kleinen Dinge sind, die einen Tag perfekt machen. Ein guter Ausblick, eine clevere Hotelwahl und vor allem ein verdammt guter Burger.

Gut gestärkt und voller Tatendrang steuern wir unser nächstes Ziel an – den legendären Horseshoe Bend. Die Fahrt dauert gerade mal zehn Minuten, doch in dieser kurzen Zeitspanne schleicht sich bereits eine leise Vorahnung ein: Das hier wird nicht mehr so sein, wie es einmal war.

2007 stand hier ein Parkplatz, den man fast übersehen konnte. Heute? Ein gigantischer Touristenmagnet, der nicht nur von Pkw, sondern auch von Reisebussen erobert wurde. Ein direkter Vergleich mit alten Fotos zeigt eindrucksvoll, wie aus einem Geheimtipp eine Insta-Pilgerstätte wurde. Die Natur hat sich nicht verändert – aber die Art, wie wir sie besuchen, ganz gewaltig.

Baby Noah wird sicher in seinen Rucksack geschnallt, und wir reihen uns in die unaufhaltsame Karawane aus Menschen ein, die sich wie eine Ameisenkolonie Richtung Abbruchkante bewegt. Wer gehofft hat, den Canyon in meditativer Stille zu genießen, darf sich nun stattdessen mit einem Live-Konzert aus Selfie-Kommandos, internationalen Reisegruppen und strategisch platzierten Sonnenhüten zufriedengeben.

Wer den Horseshoe Bend in den 2000er-Jahren besucht hat, wird sich noch gut daran erinnern: Ein unscheinbarer Parkplatz, eine kurze Wanderung über einen sandigen Hügel – und dann dieser atemberaubende Blick auf den Colorado River, ohne Absperrungen, ohne Menschenmassen, nur Natur pur. Doch die Zeiten haben sich geändert, und das zeigen diese Bilder deutlicher als jede Beschreibung.

Links: Der Parkplatz in 2009 – eine Handvoll Autos, ein fast schon verlassener Ort. Heute? Ein Großparkplatz, gefüllt mit Autos und Reisebussen. Wo man früher fast zufällig anhalten konnte, braucht es heute manchmal Geduld, um überhaupt einen Platz zu finden.

Rechts: Der Horseshoe Bend in 2009 – nur wir alleine genießen die Stille. Und dann 2018: Eine Menschenschlange am Rand der Klippe, Selfie-Sticks so weit das Auge reicht. Der Canyon ist noch derselbe, doch das Erlebnis hat sich drastisch verändert.

Die Natur bleibt spektakulär – die Einsamkeit allerdings ist Geschichte.

Während wir den Weg entlanglaufen, sehen wir Baufahrzeuge in Aktion. Die Zukunft ist unausweichlich: Ein neuer Parkplatz, eine Aussichtsplattform, Sicherheitsgeländer – und höchstwahrscheinlich ein Eintrittspreis. Die Verbesserung der Infrastruktur wird zweifellos dazu beitragen, dass künftige Besucher weniger unkontrolliert am Rand herumturnen, aber gleichzeitig wird das, was den Horseshoe Bend einst so besonders machte, ein Stück weit standardisiert und reguliert.

2018 Horseshoe Bend

Und dann sind wir da – und wow, hier ist was los. Die Szenerie ist genauso atemberaubend wie immer, doch die Menschenmassen haben den Ort in eine Art Natur-Disneyland verwandelt. Ein ungestörtes Foto? Vergiss es. Es sei denn, man freut sich über zehn fremde Menschen in neonfarbenen Outfits, die einem fotobombend ins Bild laufen.

Heute sind wir zum vierten Mal hier – und ehrlich gesagt, es wird wohl das letzte Mal sein. Die Magie des Ortes? Immer noch vorhanden, aber tief unter einer dicken Schicht aus Selfie-Sticks, kreischenden Gruppen und hektischem Gedrängel begraben.

Ich beschließe, der Völkerwanderung zu entkommen und lege mich flach auf den Boden. Zentimeter für Zentimeter robbe ich mich voran, ignoriere den erstaunten Blick eines vorbeigehenden Touristen und konzentriere mich nur auf eins: den perfekten Shot. Von hier aus erstreckt sich der Colorado River in all seiner majestätischen Pracht – tiefblau, eingerahmt von leuchtend roten Felsen, die in der Sonne glühen. Der Moment, in dem ich den Auslöser drücke, fühlt sich an wie ein Triumph. Verglichen mit meinen Fotos aus den vergangenen Jahren ist dieses zweifellos das beste.

Mission erfüllt, es wird Zeit, den Trubel hinter uns zu lassen. Der Rückweg zum Parkplatz fühlt sich an wie der finale Sprint einer Marathonstrecke – heiß, staubig und voller Menschen, die in Flip-Flops feststellen, dass ein sandiger Wüstenpfad vielleicht doch nicht der beste Laufsteg ist.

Doch wir haben keine Zeit für Erschöpfung, denn unser nächstes Ziel wartet: der Glen Canyon Dam Overlook. Ein neuer Aussichtspunkt, ein neues Abenteuer – und hoffentlich ein kleines bisschen mehr Ruhe.

Keine Zeit für müde Beine – der nächste Stopp wartet schon! Vom Parkplatz führt uns ein kurzer Wanderweg direkt zum Glen Canyon Dam Overlook, der sich strategisch günstig gegenüber dem gigantischen Staudamm platziert hat. Und was für eine Aussicht! Der Blick reicht weit über den tief eingeschnittenen Glen Canyon, den mächtigen Colorado River und natürlich den imposanten Glen Canyon Dam selbst, der sich mit seiner gewaltigen Betonmauer gegen die Natur stemmt. Ein Monument menschlicher Ingenieurskunst – und eine Szenerie, die vor allem eines ist: absolut atemberaubend.

Doch die Zeit drängt – es ist bereits 16:30 Uhr, und unser Abenteuerplan sieht noch einige Highlights vor. Also überqueren wir die Glen Canyon Dam Bridge, ein Meisterwerk aus Stahl, das hoch über dem Fluss schwebt, und folgen dem Ufer des Lake Powell weiter bis zum nächsten Aussichtspunkt. Und endlich – der Himmel hat sich entschlossen, sein bestes Blau aus dem Farbtopf zu holen.

Man könnte meinen, wir wären auf einem fremden Planeten gelandet – die Landschaft rund um den Lake Powell ist eine faszinierende Mischung aus schroffen Felsen, leuchtendem Sandstein und türkisblauem Wasser. Mit über 3.000 Kilometern Uferlinie ist dieser Stausee ein wahres Naturjuwel, das sich endlos zwischen den Felsformationen hindurchschlängelt. Der Wahweap Marina Overlook bietet uns genau das Panorama, das man sich hier erhofft: Boote, die sich wie Spielzeug auf dem Wasser verteilen, dramatische Klippen am Horizont und eine Kulisse, die einfach unwirklich schön ist.

Natürlich wird der Moment genutzt – Kamera raus, 100 neue Fotos rein. Man weiß ja nie, welches der perfekte Schnappschuss wird, also lieber auf Nummer sicher gehen.

Wahweap Overlook

Weiter geht’s zum nächsten Highlight: Lone Rock Beach. Hier, direkt am Ufer des Lake Powell, steht ein gewaltiger Felsen mitten im Wasser – als hätte jemand vergessen, ihn rechtzeitig ans Festland zu bringen. Wer einen Nationalparkpass besitzt, darf mit dem Auto bis direkt an den Strand fahren – ein kleines Abenteuer für sich, denn der Sand erweist sich als heimtückischer Spielgefährte für unvorsichtige Fahrzeuge.

Die Kulisse? Unglaublich. Das Wasser glitzert, die Felsen leuchten – und mitten drin: unser kleiner Entdecker Noah, der nichts lieber täte, als sich kopfüber in die Wellen zu stürzen. Seine Freude ist grenzenlos – unsere Reflexe ebenso, denn wir fangen ihn immer wieder in letzter Sekunde ein, bevor der kleine Wasserliebhaber endgültig baden geht. Die Proteste? Lautstark. Aber wer kann es ihm verübeln? Die Liebe zur Natur, zum Sand unter den Füßen, zum Rauschen des Wassers – es sind diese Momente, die jede Reise unvergesslich machen.

Lone Rock

Nach einer entspannten halben Stunde am Lone Rock, in der wir Noah erfolgreich davon abhalten konnten, endgültig im Lake Powell abzutauchen, brechen wir auf zu unserem letzten Ziel für heute: den „Toadstools“. Ein perfekter Abschluss für einen ohnehin schon ereignisreichen Tag.

Um 17:30 Uhr erreichen wir den Trailhead, und die Sonne malt bereits mit ihrem warmen Licht Meisterwerke auf die umliegenden Berge. Das intensive Rot des Gesteins wird immer kräftiger, die Schatten länger – eine Einladung für Fotografen und ein Versprechen auf einen spektakulären Sonnenuntergang.

Erstmal ins Gästebuch eintragen – Formalitäten müssen sein. Schnell den Namen in die Registerbox gekritzelt, damit die Ranger wissen, dass wir da sind – und hoffentlich auch wieder zurückkehren. Dann geht es los. Der Wanderweg ist gut ausgeschildert und führt uns durch eine malerische Wüstenlandschaft. Nach etwa 20 Minuten taucht er vor uns auf: der imposante Toadstool Hoodoo, ein Naturwunder in Form und Farbe.

Wenn die Natur ihren eigenen Architekten spielt, kommen eben solche Kunstwerke dabei heraus. Ein filigraner Felspfeiler, gekrönt von einem massiven Felsbrocken – als hätte jemand mit gigantischer Präzision ein Steinmännchen gebaut. Ein bisschen Märchenwelt, ein bisschen Marslandschaft, ein bisschen pure Magie.

Noah sieht das Ganze etwas pragmatischer: Der Boden ist weich, also wird getobt. Während ich versuche, die perfekte Bildkomposition einzufangen, nutzt er die Gelegenheit, um mit maximaler Energie den Lehmboden zu erkunden. Er rennt, springt, klettert – und findet in jedem Stein ein neues Abenteuer.

Dann passiert das, worauf wir gewartet haben: Die Sonne senkt sich und taucht die Hoodoos in eine dramatische Lichtstimmung, die sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Das Rot der Felsen explodiert, die Schatten werden tiefer, die gesamte Landschaft leuchtet wie in Flammen. Ein Naturspektakel, das alle Mühen des Tages vergessen lässt.

Wir genießen diesen Moment, jeder auf seine Weise – ich hinter der Kamera, Noah knietief im Staub und Stefan irgendwo dazwischen, vermutlich in der Rolle des spontanen Kameramanns.

Ein letzter Blick, ein letztes Foto – dann heißt es Abschied nehmen. Doch leicht fällt es nicht. Ich kann mich einfach nicht losreißen, knipse noch ein paar letzte Aufnahmen von den glutroten Bergspitzen, während wir uns langsam auf den Rückweg machen. Die Natur hat heute eine perfekte Show abgeliefert, und wir waren mittendrin.

Zurück an der Registerbox übernimmt Nadine erneut den bürokratischen Part und trägt unser Abenteuer offiziell ein. Dann geht es zurück nach Kanab – mit dem Kopf voller Erinnerungen und dem Herzen voller Dankbarkeit für diesen Tag.

Das Abendessen? Nun ja – nach einem vollen Tag voller wilder Natur darf es auch mal etwas Bodenständiges sein.Der Hunger ist überschaubar, also fällt die Wahl auf McDonald’s in Kanab. Manchmal ist ein einfacher Burger genau das Richtige, um einen epischen Tag ganz entspannt ausklingen zu lassen.

The Toadstools

Um 21 Uhr fallen wir endlich in unser Hotelbett, die Muskeln müde, aber die Köpfe randvoll mit Eindrücken. Wenn es einen Titel für diesen Tag gäbe, wäre es wohl „Das Festival der Aussichtspunkte“. Stefan hat gefühlt eine ganze Speicherkarte mit epischen Bildern gefüllt – und das Beste daran: Kein einziges davon wird jemals gelöscht, weil „man weiß ja nie“.

Ein kurzer Rückblick gefällig? Schnee auf dem Kaibab Plateau, die faszinierenden Cliff Dwellers, die beinahe schwerelos wirkenden Balanced Rocks, die elegante Navajo Bridge, die Natur-Party am Horseshoe Bend, ein Stopp in Page, der schimmernde Lake Powell und schließlich das Märchenland der ToadstoolsKurz gesagt: Wenn man diesen Tag in ein Highlight-Album packen wollte, bräuchte man mindestens drei Bände.

Doch unser Abenteuer ist noch nicht vorbei – morgen steht der unvermeidliche Abreisetag an. Unsere noble Penthouse Suite (also das, was man auf einem Roadtrip eben als „Penthouse“ bezeichnet) will verlassen werden, und das bedeutet: Koffer-Tetris in Perfektion. Während Oli mit Baby-Noah eine Einheit bildet, übernehmen Nadine und ich die Aufgabe, das Gepäck in unsere SUVs zu verfrachten – und zwar so, dass es im besten Fall auch wieder rausgeht, ohne dass jemand von einer fliegenden Tasche niedergestreckt wird.

Teamarbeit ist angesagt, denn eines ist sicher: Ein Roadtrip mag voller spontaner Abenteuer stecken, aber beim Packen gibt es keine Gnade. Und so setzen wir alles daran, unseren letzten Morgen so reibungs- und stressfrei wie möglich zu gestalten – zumindest bis zur ersten Diskussion darüber, wer den Kofferraum optimaler beladen kann. Aber hey – das gehört ja auch irgendwie dazu.

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