Von Las Vegas zu den Wundern des Death Valley und nach Mammoth Lakes

Endlich geht’s los mit unserem Roadtrip! Der Wecker klingelt um 6:00 Uhr, und noch bevor die Sonne richtig über den Horizont kriecht, sitzen wir schon im Pickup und düsen über den Highway 160 Richtung Death Valley.

Und jetzt kommt das wirklich Bemerkenswerte: Ich habe mich aus dem Bett geschält, ohne mein übliches Frühstücksritual durchzuführen. Kein Toast. Kein Kaffee. Nichts. Wer mich kennt, weiß: Das ist ein wahrhaft heroischer Akt. 😅 Normalerweise ist ein Morgen ohne Koffein eine ernste Gefahr für mein Umfeld – fragt Stefan!

Eine Stunde später erreichen wir Pahrump, eine dieser typisch amerikanischen Kleinstädte, die irgendwo im Nirgendwo auftauchen. Unser Bauch beginnt schon langsam zu knurren. Und wo könnte man besser frühstücken als in einem waschechten Diner?

Unser erster Halt: Mom’s Diner. Dieses kleine Juwel versteckt sich etwas abseits der Hauptstraße, also muss man genau hinsehen, um es nicht zu verpassen. Aber das Schild vor dem Eingang verspricht Großes: „The Food Is So Good You’ll Think They Stole Your Mama!“

Okay, Challenge accepted. Innen ist das Diner genau so, wie man es sich vorstelltgemütliche Sitzecken, verschnörkelte Deko, leicht abgegriffene Speisekarten und ein Hauch von Fettgeruch in der Luft. Hier wird noch richtig gekocht.

Eine freundliche Kellnerin begrüßt uns, reicht uns die Menükarten und nimmt unsere Kaffeebestellung auf. Ah, amerikanischer Kaffee – DAS große Streitthema. Die einen (Stefan) bezeichnen ihn als „braune Brühe ohne Geschmack“. Die anderen (ich) trinken ihn, als gäbe es kein Morgen.

Ich liebe ihn einfach. Deshalb gehört ein großer Vorrat an Folgers Kaffee immer zu meinen Urlaubsmitbringseln.Der reicht dann meistens genau bis zum nächsten Trip. 😉

Unsere Bestellung? Ein gigantisches Skillet – dampfend, herzhaft, sättigend. Und dazu fluffige Pancakes, die mit Butter und Sirup nur so triefen. Das Diner hat definitiv nicht zu viel versprochen. Es ist göttlich. 🥞🍳

Mit vollen Bäuchen und noch größerer Vorfreude auf das, was uns heute erwartet, steigen wir wieder in den Pickup. Der Roadtrip hat gerade erst begonnen – und er fühlt sich schon jetzt verdammt gut an. 

Die Fahrt allein ist schon ein Abenteuer. Im März dieses Jahres waren wir schon einmal hier, aber damals konnten wir nicht bis zum Dante’s View fahren, weil gerade eine neue Aussichtsplattform gebaut wurde. Heute gibt es kein Halten mehr – diesen Anblick wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Die steile Straße hinauf zum Aussichtspunkt ist eine Herausforderung für sich. Das letzte Stück? Ein echter Nervenkitzel. Enge Haarnadelkurven, steile Anstiege – nichts für schwache Nerven oder zu lange Fahrzeuge. Fahrzeuge über 25 Fuß sind hier offiziell nicht erlaubt. Gut so. Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert, wenn jemand mit einem Wohnmobil auf halber Strecke merkt, dass Wenden keine Option ist.

Oben angekommen, erwartet uns eine Überraschung. Der Parkplatz wurde komplett neugestaltet, und die neue Plattform ist jetzt ebenerdig erreichbar. Und dann dieser Blick.

Dante’s View ist der unangefochtene König der Aussichtspunkte im Death Valley. Von hier oben, auf dem Kamm der Black Mountains, breitet sich das Tal in seiner ganzen dramatischen Schönheit vor uns aus. Schroffe Gebirgszüge, gleißendes Licht auf den Salzflächen des Badwater Basin, die gewaltige Weite des Death Valley.

Besonders schön: Der neue barrierefreie Zugang. Endlich können auch Eltern mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl diese unglaubliche Aussicht genießen. Aber wir wollen noch höher.

Die Plattform ist zwar beeindruckend, aber wir wissen: Es geht noch besser. Also folgen wir dem schmalen Pfad nach links, hinauf zu den Erdhügeln. Der Wind pfeift uns um die Ohren, und mit jedem Schritt öffnet sich die Landschaft noch ein Stück mehr.

Jetzt stehen wir auf 1.700 Metern Höhe. Direkt unter uns liegt das Badwater Basin, der tiefste Punkt Nordamerikas. Der Kontrast ist surreal – oben die karge Berglandschaft, unten die flimmernde Salzpfanne, die sich in der Sonne spiegelt. Die Aussicht ist einfach nur umwerfend. Wir stehen hier, blicken ins Tal – und wissen, warum wir immer wieder zurückkehren.

Dante’s View ist nicht einfach nur ein Aussichtspunkt – er ist der unangefochtene König der Aussichtspunkte im Death Valley. Wer hier oben steht, auf 1.700 Metern Höhe, hat nicht nur das gesamte Tal im Blick, sondern auch die umliegenden Gebirgsketten, die sich dramatisch am Horizont abzeichnen. Es fühlt sich fast an, als könnte man von hier aus die ganze Welt überblicken.

Und es wird noch besser: Nachts verwandelt sich dieser Ort in ein Paradies für Sternengucker. Keine Lichtverschmutzung, keine störenden Stadtlichter – nur du, der Wind und der unfassbar klare Nachthimmel. Die Sterne funkeln hier so intensiv, dass man glaubt, sie greifen zu können. Die Milchstraße zieht sich als leuchtendes Band über den Himmel, und die Ruhe hier oben ist einfach magisch. Leider haben wir heute keine Zeit, bis zur Dunkelheit zu bleiben, aber eines ist sicher: Dante’s View bei Nacht steht ganz oben auf unserer Bucket List.

Und dann ist da noch der Star Wars-Faktor. Ja, genau! Hier, an diesem epischen Aussichtspunkt, wurden Szenen für „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ gedreht. Tatooine, wir kommen! Fans der Saga können sich hier wirklich wie in einer weit, weit entfernten Galaxie fühlen.Und ganz ehrlich? Man erwartet fast, dass irgendwo ein Sturmtruppler aus den Felsen stolpert.

Aber genug der galaktischen Ausblicke – das Abenteuer ruft. Nächster Halt: Twenty Mule Team Road.

Dieser kleine abgelegene Canyon, nur 2 Meilen lang, ist ein absolutes Muss für Liebhaber spektakulärer Landschaften. Die schmale, unbefestigte Straße schlängelt sich durch ein trockenes Flussbett, vorbei an bunten Felsen und zerklüfteten Klippen. Hier fährt man nicht einfach nur – hier erlebt man die Landschaft hautnah.

Zum Glück ist die Straße eine Einbahnstraße. Denn an manchen Stellen ist sie so eng und kurvig, dass eine Begegnung mit einem anderen Fahrzeug höchst unpraktisch wäre.

Die Farben? Einfach irre. Rot, Gelb, Ocker, Grau – als hätte sich die Natur hier einen Spaß daraus gemacht, mit einer riesigen Farbpalette zu spielen. Manche Felsen sehen aus, als wären sie von Künstlerhand bemalt worden. Kein Wunder, dass es hier an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt.

Wir halten immer wieder an, um die unwirklich schönen Felsformationen zu bewundern und natürlich jede Menge Fotos zu machen. Diese Landschaft ist ein Naturgemälde, das man mit jedem Kilometer neu erlebt.

Und schon geht unser Abenteuer weiter – zurück auf den Highway!Ein paar Meilen später taucht Zabriskie Point vor uns auf, dieser ikonische Aussichtspunkt mit seinen surrealen, wellenförmigen Hügeln. Aber heute? Heute müssen wir hart bleiben und einfach vorbeifahren. Zeitmangel zwingt uns dazu. Klingt hart, aber hey, im März haben wir bereits genug Fotos geschossen – und wenn es um Roadtrips geht, gilt: Mehr entdecken statt doppelt knipsen.

Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir Furnace Creek, das kleine Herzstück des Death Valley. Der alte Souvenirshop? Geschichte. Der neue? Noch im Bau. Also gut, dann Plan B – eine Mittagspause im Date Grove Diner.

Eiskalte Cola, ein köstliches Sandwich – das perfekte Roadtrip-Mittagessen. Draußen klettern die Temperaturen auf satte 43°C. Im Frühling waren es noch angenehme 25°C, und genau das ist der Grund, warum wir das Death Valley besonders im Frühjahr lieben. Gut gestärkt, gut erfrischt – weiter geht’s!

Heute stehen noch einige Meilen voller Entdeckungen vor uns, und wenn uns diese Reise eines lehrt, dann: Jede Straße hat eine Geschichte, jede Kurve ein neues Abenteuer.

Die nächste Etappe unseres Abenteuers führt uns zu den Mesquite Flat Sand Dunes – ein wahres Wüstenparadies mitten im Death Valley.

Diese 36 Quadratkilometer großen Dünen erstrecken sich majestätisch vor uns, eine Wellenlandschaft aus goldenem Sand, die sich bis zum Horizont zieht. Von der Straße aus sind es etwa 3 Kilometer, und da es keinen festen Weg gibt, heißt es: Schuhe ausziehen und einfach loslaufen.

Die berühmteste Erhebung hier? Die High Dune. Wer sich die Mühe macht, den kräftezehrenden Aufstieg zu bewältigen, wird mit einem unvergleichlichen Panorama belohnt – besonders bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang, wenn der Himmel in allen erdenklichen Farben explodiert. Kaum sind wir aus dem Auto gestiegen, schlägt uns die trockene Hitze entgegen – ein heißer, staubiger Windhauch, der den Sand über den Boden tanzen lässt. 

Wir stapfen durch den feinen Sand, unsere Schuhe knirschen bei jedem Schritt, und wir können nicht widerstehen, immer wieder stehen zu bleiben, um Fotos zu schießen. Und dann wird uns bewußt: Wir stehen in einem der berühmtesten Filmsets der Kinogeschichte!

Genau hier, in diesen Dünen, wurde Tatooine zum Leben erweckt. Die Star Wars-Szenen aus Episode IV – ja, genau das Tatooine – wurden unter dieser Sonne gedreht, zwischen diesen Sandhügeln. Ob Luke Skywalker wohl auch so geschwitzt hat?

Wir lassen uns von der Stille und Weite der Wüste verzaubern. Keine Straßen, keine Menschenmengen, nur wir und diese endlose Landschaft aus Sand. Es ist einer dieser Orte, an denen die Natur einfach ihre ganze Pracht entfaltet.

Gegen 12:30 Uhr setzen wir unsere Reise auf dem legendären Highway 190 fort. Das Wetter? Perfekt. Die Sonne strahlt, der Himmel zeigt sich in einem Blau, das fast schon kitschig wirkt, und die Straße vor uns scheint sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken. Und dann kommt der Moment, auf den wir uns gefreut habenDer Towne Pass.

Auf 1.511 Metern Höhe eröffnet sich vor uns eine Aussicht, die jedes Roadtrip-Herz höherschlagen lässt. Das Panamint Valley breitet sich wie eine gigantische Leinwand aus, durchzogen von schroffen Bergen und leuchtenden Sandflächen. Während wir langsam bergab rollen, wird uns klar: Diese Kulisse gehört zu den beeindruckendsten des gesamten Death Valley.

Der Highway zieht sich kerzengerade durch das Tal, eine einsame dunkle Linie, die sich durch das sonnenverbrannte Land schlängelt. Links und rechts ragen Berge auf, deren Farbtöne irgendwo zwischen verbranntem Orange und verwaschenem Grau schwanken. Die Hitze flimmert über dem Asphalt, als hätte jemand einen unsichtbaren Feuerteppich ausgerollt.

Und dann beginnt der nächste Anstieg. Der Highway windet sich mit langen, eleganten Kurven wieder hinauf, als wolle er sich an die Felsen schmiegen, um die nächste Stufe der Wüstenlandschaft zu erklimmen. Oben angekommen wartet er auf uns: Der Father Crowley Overlook.

Eine halbe Meile staubige Schotterstraße, und wir stehen auf der vorderen Spitze eines Felsplateaus. Und was sich hier vor uns ausbreitet, ist nicht einfach nur schön – es ist schlichtweg atemberaubend.

Die gewaltigen Felsformationen, die das Tal wie eine natürliche Festung umschließen, leuchten in Schattierungen von Rostrot, Sandgelb und dunklem Violett. Der Talboden des Panamint Valley erstreckt sich weit unter uns, und die flimmernde Hitze tanzt über der sandigen Weite. Hier oben fühlt man sich klein. Winzig. Und gleichzeitig als würde man über einer unendlichen Welt schweben.

Und dann der Rainbow Canyon. Diese enge, tiefe Schlucht, deren Felsen in allen erdenklichen Farben schimmern. Nicht umsonst wird dieser Ort auch „Star Wars Canyon“ genannt – denn hier, genau hier, trainieren Kampfpiloten der US Air Force. Tiefflüge in wahnwitziger Geschwindigkeit, nur wenige Meter über den Felswänden. Ein waghalsiges Schauspiel, das Fotografen aus aller Welt hierher lockt. Heute allerdings bleibt es ruhig – keine Jets, nur der Wind, der durch die Schlucht pfeift.

Und während wir dort stehen, uns vom Wind den Staub um die Nase wehen lassen und auf die gewaltige Szenerie blicken, wird uns eines klar: Hier treffen zwei Welten aufeinander – die rohe, ungezähmte Natur und das menschliche Streben, sie zu durchqueren.

Der Highway 190 schlängelt sich wie ein kunstvoll gelegtes Band entlang der Felswände, hinab ins Tal, dann wieder hinauf auf den nächsten Berg. Eine perfekte Symbiose aus Wildnis und Ingenieurskunst.

Es fällt uns wirklich schwer, uns vom beeindruckenden Panorama am Father Crowley Point zu lösen, aber die Straße ruft. Der Highway zieht uns weiter, Meile um Meile, durch diese karge, wilde Landschaft, in der sich Felsformationen in der flirrenden Hitze wie surreale Skulpturen abzeichnen. Nach etwa 20 Meilen biegen wir schließlich auf den Highway 136 ab und folgen ihm nach Norden.

Und dann – nach weiteren 20 Meilen – erreichen wir sie: die Alabama Hills. Und nein, sie liegen nicht irgendwo im tiefen Süden, sondern in Kalifornien, am Fuße der majestätischen Sierra Nevada. Doch woher kommt dann dieser Name?

Die Geschichte dahinter ist kurios. Während des Goldrauschs benannten einige südstaatlich gesinnte Minenarbeiter ihre Claims nach dem konföderierten Kriegsschiff „CSS Alabama“. Der Name blieb hängen – und wurde schließlich auf die gesamte Region ausgeweitet.

Doch was die Alabama Hills noch faszinierender macht? Ihre Hollywood-Karriere! Diese Landschaft ist eine Filmikone. Rund 150 Filme wurden hier gedreht, darunter “Django Unchained”, “Iron Man”, “Gladiator”, “Vierzig Wagen westwärts” und “Bonanza” – um nur einige zu nennen. Die bizarren Felsen, die wie überdimensionale Kiesel in die Landschaft gestreut wirken, sind die perfekte Kulisse für epische Western und Abenteuerfilme.

Von Lone Pine aus nehmen wir die Whitney Pocket Road, die uns mitten in dieses Naturwunder führt. Die Straße windet sich durch eine Kulisse, die so filmreif ist, dass wir fast erwarten, dass jeden Moment ein Cowboy auf seinem Pferd über den Hügel galoppiert.

Und dann taucht das erste skurrile Highlight auf: „The Visible Man“ – ein Felsbrocken, der ein übergroßes Gesicht trägt. Manche nennen ihn „Brenda“, andere „Miss Alabama“ oder schlicht „Face Rock“. Aber eines ist sicher: Er hat Charakter. Und das Beste? Sein Gesichtsausdruck ändert sich je nach Jahreszeit – denn irgendjemand in der Gegend scheint einen Heidenspaß daran zu haben, ihn gelegentlich neu zu bemalen.

Miss Alabama

Wir parken unseren Truck und steigen aus. Sofort schlägt uns die trockene Wüstenluft entgegen, während wir unseren Blick über das Gelände schweifen lassen. Überall bizarre Felsen, die aussehen, als hätte ein Riese sie willkürlich hier abgeladen. Und irgendwo zwischen diesen Felsblöcken wartet einer der berühmtesten Naturbögen der Region: Der Mobius Arch.

Die Alabama Hills sind ein wahres Meisterwerk der Natur. Die sanft gerundeten, beigegrauen Granitbrocken, die scheinbar wahllos in der Landschaft verstreut liegen, bilden einen faszinierenden Kontrast zu den majestätischen, schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada im Hintergrund. Es ist ein Anblick, der sich kaum in Worte fassen lässt – eine Landschaft, die gleichzeitig sanft und rau, surreal und doch einladend wirkt.

Und die Natur hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Wind, Wasser und Eis haben über Millionen von Jahren ihre Spuren hinterlassen und die Felsen aufgesprengt, ausgehöhlt und geschliffen. Das Ergebnis? Über 300 natürliche Felsbögen und Öffnungen, die überall in diesem steinernen Labyrinth verborgen sind. Manche sind kaum einen Meter breit, andere haben beeindruckende Spannweiten – und das Beste: Viele von ihnen liegen nur wenige Schritte abseits der Straßen und Wege, bleiben aber dennoch gut versteckt.

Es ist wie eine Schatzsuche unter freiem Himmel. Man biegt um eine Ecke, klettert über einen Felsen – und plötzlich steht man vor einem dieser unglaublichen Naturwunder. Unsere erste Entdeckung: der berühmte Mobius Arch.

Moebius Arch

Der Weg dorthin ist ein Kinderspiel. Gut ausgeschildert, gut ausgebaut – perfekt für einen entspannten Spaziergang.Und dann taucht er vor uns auf: der Mobius Arch, einer der bekanntesten Bögen der Alabama Hills.

Auf den ersten Blick wirkt er gar nicht so groß. Fast unscheinbar fügt er sich in die umliegende Felslandschaft ein. Aber lasst euch nicht täuschen. Sobald man davorsteht, erkennt man seine wahre Pracht. Groß genug, um sich darunter zu positionieren, perfekt geformt und mit einem einzigartigen Blick auf die Sierra Nevada im Hintergrund.

Klar, für die perfekten Fotos muss das Weitwinkelobjektiv her – aber das gehört bei so einem Highlight einfach dazu. Wir probieren verschiedene Perspektiven aus, spielen mit Licht und Schatten und können uns kaum sattsehen an diesem einmaligen Naturschauspiel.

Nur wenige Meter entfernt wartet schon das nächste Wunder: der Heart Arch. Der Name ist vielversprechend – doch als wir direkt davor stehen, müssen wir zugeben: So richtig herzförmig sieht er von hier nicht aus. Aber halt! Vorhin, vom Parkplatz aus, hatten wir ihn aus einem anderen Winkel gesehen – und da war die Herzform perfekt zu erkennen. Ein kleines Detail, das zeigt: In den Alabama Hills kommt es immer auf die Perspektive an.

Mit vollen Speicherkarten und staubigen Schuhen setzen wir unsere Reise fort. Die Movie Road, die ihren Namen den zahllosen hier gedrehten Westernfilmen verdankt, windet sich malerisch durch die Landschaft.

Die tiefstehende Sonne taucht die Felsen in warmes Licht, die Schatten werden länger, und plötzlich fühlt sich alles an wie eine Szene aus einem alten John-Wayne-Film.

Schließlich erreichen wir den Highway 395, eine breitere, befestigte Straße, die uns weiter durch die majestätische Landschaft der Sierra Nevada führt. Mit jedem Kilometer kommen wir unserem Tagesziel näher, und die Vorfreude steigt.

Gegen 18 Uhr erreichen wir schließlich Mammoth Lakes, eine charmante Stadt umgeben von atemberaubender Natur. Nach einem langen Tag voller Entdeckungen verspüren wir bereits Hunger, und unsere erste Anlaufstelle ist die Mammoth Lakes Brewery.

Der Wechsel könnte kaum extremer sein. Von der glühenden Hitze des Death Valley direkt in die kühle, frische Bergluft der Sierra Nevada. Eben noch flimmerte die Straße vor uns bei unerbärmlichen 43 Grad, jetzt begrüßen uns saftig grüne Wälder, klare Bergseen und eine Luft, die sich mit jedem Atemzug wie eine Erfrischung anfühlt.

Mammoth Lakes liegt auf rund 2.400 Metern Höhe, eingebettet in eine Landschaft, die fast zu schön wirkt, um real zu sein. Pinien säumen die Straßen, die Gipfel des Mammoth Mountain ragen majestätisch in den Himmel, und über allem liegt diese herrliche Ruhe, die man nur in den Bergen findet.

Nach einem langen Tag voller Entdeckungen hat sich unser Magen mittlerweile lautstark zu Wort gemeldet – höchste Zeit für eine Stärkung. Unsere erste Anlaufstelle: die Mammoth Brewing Company.

Mammoth Brewing Company

Diese kleine, aber feine Brauerei ist nicht nur für ihre exzellenten Craft-Biere bekannt, sondern auch für ihre entspannte Atmosphäre und – was für uns noch viel wichtiger ist – für ihr großartiges Essen. Rustikal, bodenständig und genau das, was wir jetzt brauchen.

Vor dem Brauerei-Restaurant stehen ein paar rustikale Tische und Bänke im Freien, und tatsächlich sitzen dort einige Hartgesottene und genießen ihr Bier. Uns dagegen läuft bei dem Gedanken, uns in die Kälte zu setzen, ein kleiner Schauer über den Rücken. Nein, danke – heute ist uns nach einem gemütlichen Platz drinnen.

Kaum treten wir ein, umfängt uns eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen rustikalem Gasthaus und kultiger Bierkneipe liegt. Der Duft? Eine betörende Mischung aus frisch gebratenem Fleisch, warmem Holz und hopfiger Braukunst. Die Bar glänzt mit einer beeindruckenden Zapfanlage, und überall sitzen Gäste mit dampfenden Tellern und schäumenden Krügen. Das Leben pulsiert – laut, fröhlich, authentisch.

Dann kommt Bonny, unser Kellner. Oder eher: der ungekrönte König dieses Etablissements. Mit breitem Grinsen begrüßt er uns, als wären wir alte Freunde, die nach Jahren endlich wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Und dann haut er uns gleich eine Regel um die Ohren, die uns kurz ins Straucheln bringt: Essen bestellen? Direkt bei ihm und sofort zahlen. Bier? Holt man sich selbst an der Bar. Speisekarten? Gibt’s nicht, nur eine Tafel mit den Tagesgerichten. Bonny ist ein Redner vor dem Herrn, und jedes Mal, wenn er einen Satz beendet, folgt ein fröhliches „Got ya!“, als ob er sicherstellen will, dass wir mitkommen. Wir nicken fleißig – ob aus Verständnis oder einfach, um den Anschluss nicht zu verlieren, sei dahingestellt.

Nach einer kleinen Phase der Verwirrung (Was? Wie? Wo?) haben wir es dann aber kapiert. Bestellt, bezahlt, Platz gefunden – Check. Jetzt fehlt nur noch das Bier. Also los zur Bar. Stefan nimmt ein klassisches Lager, während ich mir das Funky Pale Ale hole. Der Barkeeper mustert mich kurz und hebt eine Braue. „Bist du sicher? Das ist… speziell.“ Ach, bitte. „Challenge accepted!“

Der erste Schluck? Hopfenbitter deluxe. Ein Angriff auf die Geschmacksknospen. Aber ein guter Angriff. So ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt für den Gaumen – hart, wild, aufregend. Stefan probiert vorsichtig und verzieht das Gesicht. „Uff. Ist das bitter!“ Ich grinse. „Du bist halt ein bisschen zimperlich, wenn’s um Bier geht.“ Er rollt mit den Augen. Läuft.

Und dann? Die Burger! Oh. Mein. Gott. Perfekt gebratenes Fleisch, eine fluffige, leicht geröstete Brioche-Bun, eine Sauce, die irgendwo zwischen rauchig, würzig und umwerfend liegt. Und dazu? Stoffservietten. Jawohl. Hier wird mit Stil geschlemmt!

Zum krönenden Abschluss hole ich mir natürlich noch ein Pint-Glas als Souvenir für meine Sammlung. Eine kleine Erinnerung an einen legendären Abend in der Mammoth Lakes Brewery. Und wer weiß? Vielleicht wird Stefan ja doch noch zum Pale-Ale-Fan. Irgendwann.

Nach unserem Abstecher zur Brauerei – mit vollem Magen und leicht beschwingter Laune – machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel. Nicht weit entfernt, aber weit genug, dass uns ein kleiner Supermarkt am Straßenrand ins Auge fiel. Und natürlich konnten wir nicht einfach vorbeigehen. Ein paar Kleinigkeiten? Klar. Ein paar Snacks für später, ein bisschen Wasser – und, seien wir ehrlich, vermutlich noch eine völlig unnötige, aber irgendwie verlockende Leckerei.

Unser Hotel lag etwas abseits, direkt bei den Twin Lakes. Ein traumhafter Spot, eingebettet in die Natur, aber als wir ankamen, war es stockdunkel. Und Dunkelheit plus Parkplatzsuche? Keine Traumkombi. Nach ein paar Irrfahrten auf dem Hotelgelände fanden wir schließlich eine halbwegs akzeptable Lücke – wahrscheinlich nicht als offizieller Parkplatz gedacht, aber das war jetzt zweitrangig.

Dann kam der Check-in – und mit ihm eine Erkenntnis: Das kleinste und gleichzeitig teuerste Zimmer unserer gesamten Reise. Ein echter Premium-Moment. Kein eigenes Bad? Nope. Dafür ein Handtuch in Form eines Elefanten auf dem Bett. Immerhin. Man muss eben Prioritäten setzen. Luxus definiert sich ja bekanntlich durch die kleinen Dinge.

Das Zimmer selbst? Sauber, liebevoll gestaltet, charmant kompakt. Das Gemeinschaftsbad? Nur ein paar Schritte entfernt, also alles im Rahmen. Es reicht für eine Nacht, auch wenn Mammoth Lakes ein ziemlich teurer Stopp auf unserer Reise war. Aber was soll’s – für so eine traumhafte Kulisse muss man eben manchmal ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Und hey, wir hatten immerhin einen Handtuch-Elefanten!

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