Los gehts: Mit dem A380 nach Houston und weiter mit einem Mustang Cabrio nach Bastrop

6:50 Uhr, der Morgen ist noch jung, die Augen halb geschlossen – und doch beginnt unser nächstes Abenteuer. Auf geht’s nach Frankfurt, wo unser Flug nach Houston startet. Aber bevor wir überhaupt abheben, sorgt schon jemand für den ersten Lacher des Tages: Purser Karsten, unser charmant-lockerer Flugbegleiter, begrüßt uns mit einem breiten Grinsen und stellt sein Team vor. Und was für ein Team! Kerstin, Kirsten und Kevin – ernsthaft? Werden Lufthansa-Crews jetzt nach dem Alphabet zusammengestellt? Fehlt nur noch Karl-Heinz am Cockpit!

Aber Karsten hat noch mehr auf Lager. Die große Sicherheitsshow beginnt! Mit bester Entertainer-Stimme kündigt er an: „Jetzt kommt der spannendste Teil Ihres Fluges: Die Security Show! Sollten Sie seit 1955 nicht mehr geflogen sein, zeige ich Ihnen jetzt, wie Sie diesen Hightech-Sicherheitsgurt öffnen und schließen!“ Er demonstriert es mit Oscar-reifer Theatralik – und wir, das verschlafene Publikum, lachen uns schlagartig wach. Keine Frage, dieser Flug beginnt mit bester Unterhaltung!

Unser Kurzstreckenflug nach Frankfurt ist kaum mehr als ein geübter Start und eine sanfte Landung – nach 30 Minuten sind wir schon wieder am Boden. Aber Frankfurt wäre nicht Frankfurt, wenn es nicht noch eine kleine Challenge für uns bereithielte: Der Marathon durchs Terminal! Ein gefühlt endloser Weg durch lange Flure, vorbei an Kaffeegeruch, Duty-Free-Shops und hektischen Geschäftsreisenden. Aber wir erreichen unser Gate – bereit für den großen Sprung über den Atlantik!

Lufthansa Airbus A319-100

Houston, wir haben eine Planänderung!

Unser Flug nach Houston war ursprünglich mit einer Boeing 747-800 geplant – dem “Jumbo-Jet”, ein Klassiker! Und da wir uns ein wenig mehr Platz gönnen wollten, investierten wir 60 € für Sitzreservierungen in einer speziellen Zweierreihe. Perfekt, dachten wir.

Tja, dachten wir!

Einen Tag vor Abflug erreichte uns eine nette kleine Überraschung: Flugzeugwechsel! Statt der 747 geht’s mit dem A380nach Texas – und dieses Modell hat gar keine Zweier-Sitze mehr. Großartig! Ich sehe uns schon, eingepfercht in der Mitte einer Fünferreihe, Beine eingeklemmt, Armlehnen-Krieg mit den Nachbarn.

Lufthansa A380-800

Aber manchmal meint das Reiseglück es gut mit uns: Nach einem kurzen Telefonat mit Lufthansa gibt’s ein Upgrade ins Oberdeck! Und das Beste? Keine Zusatzkosten! Klingt gut, aber jetzt kommt der wahre Glückstreffer: Von 35 Economy-Sitzen im Oberdeck sind nur neun belegt! Das bedeutet: Jeder von uns hat fast eine ganze Sitzreihe für sich allein. In der Economy-Klasse!

Wer einmal auf einem A380 im Oberdeck geflogen ist, weiß, dass das hier fast Business-Class-Feeling ist. Mehr Platz, weniger Leute, eigener Service. Eine Flugbegleiterin nur für uns neun Passagiere, eine fast private Bar – was will man mehr? Ich mache es mir auf meiner Viererreihe bequem und fliege zum ersten Mal gestreckt liegend in der Economy. Das ist definitiv die Deluxe-Version eines Langstreckenflugs!

Frankfurt Airport

Die Stunden vergehen wie im Flug (ja, ein schaler Witz, aber was soll’s), das Essen ist überraschend gut, und Getränke gibt’s im All-you-can-drink-ModusTexas, wir kommen bestens erholt!

Um 13:56 Uhr Ortszeit setzt unser Riesenvogel butterweich in Houston auf. Und nicht nur pünktlich, sondern überpünktlich! Lufthansa hat heute einen besonders guten Tag.

Nach der Landung folgt das übliche Prozedere: Passkontrolle, bei der man sich jedes Mal fragt, warum die Beamten so finster schauen, Gepäckabholung, bei der man kurzzeitig Panik bekommt, wenn der Koffer nicht sofort kommt, und dann der Shuttle-Bus zum Rental Car Center.

Hier zeigt sich unser VIP-Status: Dank unseres “skip-the-counter”-Privilegs marschieren wir an der endlosen Alamo-Schlange vorbei und direkt zur Autoschlange. Keine Warteschlange, kein Papierkram – einfach nur “Pick your car and go!”

Und jetzt das Beste: Unser Auto für diese Reise? Kein SUV, kein Standard-Mietwagen – sondern ein Cabrio! Ein strahlend weißer Ford Mustang, der nur darauf wartet, die texanischen Highways zu erobern.

Ford Mustang Cabrio

Kaum hatten wir unser schickes Cabrio vom Mietwagenparkplatz gelenkt, wurde uns die Ironie der Situation in voller Härte bewusst: Es regnete in Strömen. Da hat man sich extra für ein Auto mit Faltdach entschieden, um den warmen texanischen Fahrtwind zu genießen – und dann spielt das Wetter einfach nicht mit! Hätte uns vorher jemand gesagt, dass Texas uns mit einer Sintflut begrüßt, hätten wir doch gleich einen schnittigen SUV genommen. Aber gut, Optimismus war gefragt. Vielleicht war es nur ein kurzer Schauer?

Wir ließen Houston also mit geschlossenem Dach hinter uns und steuerten auf den Highway 290 – eine malerische Route, die uns quer durch das texanische Hinterland führen würde. Unser Ziel für die Nacht: Bastrop, ein kleiner, gemütlicher Ort etwa 200 Kilometer westlich von Houston, wo wir uns eine wohlverdiente Pause gönnen wollten.

Der Regen hatte ein Einsehen mit uns und ließ langsam nach. Der Himmel war zwar noch grau, aber wenigstens drohte keine weitere Wasserschlacht mehr. Viel wichtiger war jedoch: Der Hunger meldete sich! Unser erster Stopp in Bastrop führte uns also schnurstracks ins Grace Miller Restaurant – eine charmante kleine Institution, die genau das versprach, was wir suchten: Hausgemachte, typisch texanische Küche.

Ein Blick auf die Speisekarte ließ uns allerdings kurz stutzen. Zwischen den üblichen Verdächtigen wie Burgern und BBQ stand etwas, das mir unweigerlich die Stirn runzeln ließ:

“Chicken Fried Chicken” und “Chicken Fried Steak”

Moment mal. Chicken… Fried… Chicken? Also frittiertes Hühnchen, das nach Hühnchen schmeckt? Und was zum Teufel ist ein Chicken Fried Steak? Wird das Steak hier wie Hühnchen behandelt? Texas, ich bin verwirrt!

Also fragte ich die Kellnerin. Geduldig erklärte sie mir, dass Chicken Fried Steak ein Rindersteak ist, das wie Hühnchen paniert und frittiert wird. Und Chicken Fried Chicken? Genau das Gleiche – nur eben mit Huhn. Aha. Verstanden? Ich auch nicht so ganz, aber egal! Ich war neugierig und entschied mich für das Steak in Hühnchenverkleidung.

Kaum hatte ich meine Bestellung aufgegeben, mischte sich eine freundliche Dame vom Nebentisch ein:

You are from Germany? There is a meal in Germany that’s similar to our Chicken Fried Steak. But I don’t know the name of it.

Ich ahnte, worauf sie hinauswollte. Und tatsächlich – als der Teller vor mir landete, musste ich grinsen. Es war ein Schnitzel. Oder zumindest die texanische Interpretation davon. Ein paniertes Rindfleischstück, goldbraun gebraten und großzügig mit einer dicken, cremigen Gravy-Soße übergossen, die in ihrer Konsistenz irgendwo zwischen wunderbar würzig und leicht glibberig lag.

Und, was soll ich sagen? Es war fantastisch! Die Panade war ein bisschen anders als das klassische Wiener Schnitzel, aber dafür hatte das Fleisch eine Würze, die mich sofort überzeugte. Texanisches Comfort Food in seiner besten Form!

Während ich genüsslich mein „Schnitzel“ verdrückte, hatte sich Stefan für einen klassischen Cheeseburger entschieden. Auch hier keine halben Sachen – riesig, saftig, mit perfekt geschmolzenem Käse und einem Berg knuspriger Pommes dazu. Texas verstand es definitiv, hungrige Reisende satt und glücklich zu machen.

Nach diesem ausgiebigen Mahl war klar: Die Texaner wissen, wie man es sich kulinarisch gutgehen lässt. Und ich musste zugeben – mein erster skeptischer Blick auf „Chicken Fried Steak“ war völlig unbegründet gewesen. Ein „Schnitzel“, das eigentlich keins ist, aber dafür verdammt gut schmeckt? Texas, du überraschst mich!

Mit vollen Bäuchen und wieder etwas mehr Energie für unser Abenteuer rollten wir zurück zu unserem Hotel – bereit für den nächsten Tag, an dem unser Roadtrip erst so richtig losgehen sollte. Aber bitte, liebes Wetter, das nächste Mal mit offenem Dach!

Nach diesem herzhaften Essen und dem kleinen kulinarischen Aha-Erlebnis mit dem Chicken Fried Steak fühlten wir uns bestens versorgt und bereit für den Abend. Aber einfach ins Hotel gehen und faul aufs Bett fallen? Viel zu früh! Es war gerade mal 17:30 Uhr, und für eine Stadt, die wir noch nicht kannten, fühlte es sich falsch an, einfach nur den Rest des Tages verstreichen zu lassen.

Also beschlossen wir, noch eine unserer liebsten Reise-Traditionen zu pflegen: Ein Abstecher zu Walmart!

Egal, wo in den USA wir unterwegs sind, ein Besuch im Walmart gehört bei uns einfach dazu – allein schon, weil man dort wirklich alles bekommt. Wasser für die Nacht, ein paar Dosen Cola für unterwegs und natürlich noch ein bisschen durch die Gänge schlendern, um zu sehen, was es so gibt. Der Zauber dieser riesigen Superstores liegt in der Mischung aus völlig alltäglichen Dingen – und völlig absurden Dingen, die man plötzlich unbedingt haben will.

Ich meine, T-Shirts mit patriotischen AdlernXXL-Packungen Marshmallows5-Liter-Kanister Barbecue-Soße – all das ist hier völlig normal. Stefan betrachtete kurz die Autozubehör-Abteilung (offenbar ist ein Roadtrip in Texas ohne den passenden Cowboy-Sticker auf der Heckscheibe nicht vollständig), während ich schon bei den Reisegrößen der Kosmetikprodukte stand.

Nach einer Weile sammelten wir unseren kleinen Einkauf zusammen und beschlossen, auf dem Rückweg zum Hotel noch einen weiteren unverzichtbaren Halt einzulegen: ROSS – Dress for Less!

Falls ihr ROSS nicht kennt: Es ist ein Outlet für Klamotten, Schuhe, Haushaltsartikel und vieles mehr – und man kann hier wirklich unglaublich gute Schnäppchen machen. Für uns hat sich längst eingebürgert, dass wir bei jeder Reise etwas für unseren kleinen Enkel mitnehmen. Und natürlich wurden wir auch diesmal fündig.

Zwischen winzigen Jeansjacken, niedlichen T-Shirts mit Comicfiguren und Mini-Sneakern konnten wir einfach nicht widerstehen. Es ist immer wieder faszinierend, wie preiswert man in den USA Kinderkleidung bekommt – und dann auch noch so süß! Wir schnappten uns also ein paar Teile, fuhren zurück zum Hotel und fühlten uns bestens vorbereitet für den morgigen Start in den Roadtrip.

Kurz nach 20 Uhr waren wir wieder in unserem Zimmer, bereit, den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Aber halt! Da war ja noch eine letzte Aufgabe: Die Koffer mussten noch einmal durchsortiert werden.

Und hier hatte ich mir diesmal etwas ganz Neues überlegt: Packwürfel!

Vielleicht kennt ihr sie? Falls nicht: Das sind kleine, rechteckige Taschen aus leichtem Stoff, die dabei helfen, Ordnung im Gepäck zu halten. Und glaubt mir, nach unzähligen Roadtrips, bei denen die Koffer spätestens ab Tag drei völlig chaotisch aussahen, war ich bereit für eine neue Strategie.

Der Plan war einfach, aber genial: Jeder von uns hat seine eigenen Packwürfel – und jeder in einer anderen Farbe.

Schon zu Hause hatte ich mir die Mühe gemacht, für fünf Tage Kleidung in einen dieser praktischen Würfel zu packen: T-Shirts, Unterwäsche, Jeans, alles, was man so braucht. Für den Flug kamen diese Würfel in den großen Koffer, aber sobald der Roadtrip richtig losgeht, wandern sie in einen kleinen Handgepäck-Trolley – und der große Koffer bleibt im Auto, bis das nächste Set dran ist.

Der Vorteil? Kein nerviges Durchwühlen des ganzen Koffers auf der Suche nach frischen Socken. Kein Chaos im Hotelzimmer. Und vor allem: Einfaches Ein- und Auspacken! Ich schwöre, ich werde nie wieder ohne Packwürfel reisen.

Nachdem diese letzte „Arbeit“ erledigt war, ließ ich mich mit einem zufriedenen Seufzen ins Bett fallen. Es war ein langer Tag, voller neuer Eindrücke, kleiner Überraschungen und einem gelungenen Start in unser Abenteuer.

Morgen geht es richtig los! Texas, wir sind bereit – und diesmal hoffentlich mit offenem Verdeck!

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