Exzessive Feier: Ein Tag im Wahnsinn des Mardi Gras in New Orleans – und wir mittendrin!

Heute ist es soweit! Mardi Gras – das legendäre Fest, das in New Orleans gefeiert wird, als gäbe es kein Morgen. Es ist das amerikanische Pendant zum Karneval in Köln oder dem spektakulären Treiben in Rio – nur mit mehr Jazz, mehr Beads und mehr… sagen wir mal… unkonventionellen Kleidungsentscheidungen.

Die Stadt platzt aus allen Nähten. Tausende, nein, hunderttausende Menschen haben sich hier eingefunden, um am berühmten „Fat Tuesday“ die Straßen unsicher zu machen. Seit dem 6. Januar – ja, so lange geht die offizielle Karnevalssaison hier – haben sich die Paraden, Feiern und Festlichkeiten immer weiter hochgeschaukelt. Schon seit Tagen feiert New Orleans auf Hochtouren, doch heute erreicht der Wahnsinn seinen Höhepunkt.

Und wir? Mittendrin!

Der Tag begann allerdings mit einer kleinen, ähm… Überraschung. Wir hatten uns nichtsahnend auf ein entspanntes Frühstück im Café unserer Wahl gefreut – doch als wir dort ankamen, standen wir vor verschlossenen Türen! Mardi Gras, Leute! Die Besitzer hatten sich vermutlich selbst in die Feierlichkeiten gestürzt oder wollten verhindern, dass wild gewordene Partygänger ihr Lokal in eine Beignets-Schlachtzone verwandelten.

Tja, und nun? Frühstück fällt aus? Keine Chance! Mit knurrenden Mägen stolperten wir in einen nahegelegenen IHOP – und das war vielleicht die beste Entscheidung des Tages.

Wir hatten Glück im Unglück, denn als wir ankamen, war die Schlange vor der Tür noch erträglich. Zehn Minuten später allerdings war es, als hätte jemand einen Schalter umgelegt – plötzlich standen Heerscharen von Menschen vor dem Restaurant, hungrig, müde, und in den schrägsten Kostümen, die man sich vorstellen kann. Einhörner, Piraten, eine komplette Jazz-Band – und war das gerade ein Mann im Elvis-Kostüm auf Stelzen?

Als wir endlich an unserem Tisch saßen, reichte man uns eine spezielle „Mardi Gras Light“-Speisekarte. Nein, keine Angst, es gab keine Diätversionen – es war einfach eine abgespeckte Karte, vermutlich um das Küchenchaos in Grenzen zu halten.

Wir entschieden uns für die sicherste Bank: Pancakes und eine Combo. Und kaum bestellt, schon dampfte das Essen vor uns auf dem Tisch. Perfekt! Wer braucht schon langsamen Service, wenn man mit einem ganzen Festival an hungrigen Karnevalisten um Plätze kämpft?

Nach dem Frühstück fühlten wir uns bereit, uns ins Getümmel zu werfen. Die Charles Street Tribüne lag nur zehn Minuten entfernt, und dort wollten wir unser Mardi Gras-Erlebnis auf die nächste Stufe heben.

Kaum angekommen, tauschten wir unseren Online-Voucher gegen eine Eintrittskarte – eine feierliche Übergabe, die sich fast so anfühlte, als würden wir ein VIP-Ticket für eine geheime Karnevalsloge bekommen. Doch das Beste kam noch: Wir ergatterten einen Sitzplatz auf den hinteren Bänken!

Jetzt denkt ihr vielleicht: „Hinten? Ist das nicht schlecht?“ Falsch gedacht! Von hier aus hatten wir den besten Blick über das Geschehen – und, noch viel wichtiger, eine hervorragende Fluchtroute, falls das Beads-Werfen außer Kontrolle gerät.

15 Minuten später ging es los.

Krewe of Zulu

Und dann kamen sie – die ersten prunkvollen Festwagen der legendären „Krewe of Zulu“-Parade.

Mardi Gras ohne Zulu? Undenkbar! Diese Parade ist eine Institution, eine Legende, eine Tradition mit ordentlich Power dahinter. Die „Krewe of Zulu“ ist bekannt für ihre extravaganten Kostüme, goldenen Kronen und – Achtung, jetzt wird’s wichtig – ihre Kokosnüsse.

Ja, richtig gelesen. Während andere Paraden bunte Beads, Plastikspielzeug und allerlei Kram in die Menge schleudern, wirft die Krewe of Zulu bemalte Kokosnüsse. Handbemalt! Diese Dinger sind die Trophäen schlechthin – wer eine fängt, kann sich auf die Schulter klopfen.

Was folgte, war ein völliges Durcheinander:

✨ Menschen sprangen auf, streckten die Arme in den Himmel, riefen laut „ME! ME! ME!“ und gaben alles, um so eine Kokosnuss zu ergattern.
✨ Einige versuchten durch geschicktes Manövrieren, sich in die Flugbahn zu werfen – gefährlich, aber ambitioniert!
✨ Andere hielten Schilder hoch mit Sprüchen wie „Coconut, please – I’ll name my firstborn after you!“

Wir schauten dem Spektakel amüsiert zu und beschlossen, dass unser Leben nicht von einer gefangenen Kokosnuss abhing. Aber hey, sollte eine zufällig auf unserem Schoß landen, würden wir sie bestimmt nicht ablehnen! Die Parade wurde immer wilder. Farbenfrohe Kostüme, riesige Trommeln, marschierende Bands – der Rhythmus vibrierte in der Luft, und es war unmöglich, sich nicht davon mitreißen zu lassen.

Fünf Stunden lang saßen wir da, staunten, jubelten und erlebten, wie eine der spektakulärsten Paraden der Welt durch die Straßen von New Orleans rollte. Farbenfrohe Festwagen, riesige Marschkapellen, kunstvoll bemalte Gesichter und natürlich die berühmten Mitglieder der Krewe of Zulu, die ihre Schätze in die Menge schleuderten.

Die Zulu-Krewe, die sich ursprünglich vom Königreich der Zulu in Afrika inspirieren ließ, gibt es bereits seit 1909 – und spätestens, als Louis Armstrong 1949 als ihr Anführer auftrat, wurde sie zur absoluten Mardi-Gras-Legende. Seitdem werden jedes Jahr der Zulu-König, die Zulu-Königin, der Prinz und ein halbes Dutzend anderer Würdenträger auf prachtvollen Wagen präsentiert.

Mardi Gras ist übrigens nicht mit dem deutschen Karneval zu vergleichen – hier gibt es keine politischen Anspielungen, keine ironischen Spitzen gegen die Regierung oder Promis. Jede Krewe bestimmt ihr eigenes Motto, und das bedeutet: Noch mehr Vielfalt, noch mehr Überraschungen und eine noch größere Show.

Die Krewes – Die geheimen Herrscher von Mardi Gras

Hinter jeder Parade steckt eine Krewe – das sind die berühmt-berüchtigten Karnevalsvereinigungen, die monatelang in geheimen Treffen die Umzüge planen, Festwagen bauen und sich eigene Mottos überlegen. Ohne sie gäbe es den Mardi Gras in seiner heutigen Form nicht. Jede dieser Krewes ist einzigartig, und einige existieren bereits seit über 100 Jahren!

Übrigens: “Krewe” wird “kruː” ausgesprochen – also genau wie das englische Wort “crew” (Mannschaft, Besatzung).

Die wichtigsten Paraden an Mardi Gras sind die der Krewe of Zulu und der Krewe of Rex, aber es gibt unzählige weitere. Einige von ihnen sind rein weiblich oder männlich, andere lassen nur Mitglieder mit bestimmten Berufen zu. Einige sind elitäre Gesellschaften, andere völlig durchgeknallt.

Aber was alle gemeinsam haben: Sie lassen sich nicht lumpen, wenn es um ihre Festwagen geht.

Die Festwagen – Ein Spektakel auf Rädern

Was da durch die Straßen von New Orleans rollt, ist kein gewöhnlicher Karnevalswagen. Das sind gigantische, kunstvoll verzierte, fast schon märchenhafte Konstruktionen, die an antike Schiffe, griechische Tempel oder Szenen aus Disney-Filmen erinnern.

Jeder Wagen hat seine eigene Geschichte. Die Krewe of Rex, die seit 1872 die prestigeträchtigste Parade stellt, bleibt zum Beispiel ihrer Tradition treu und präsentiert jedes Jahr einen neuen königlichen Themenwagen mit goldenen Verzierungen und majestätischen Kronen.

Dagegen ist die Krewe of Zulu für ihre humorvollen, manchmal völlig absurden Designs bekannt. Einer der Höhepunkte? Ihr berühmter “Coconut Float” – ein Wagen, von dem aus bemalte Kokosnüsse ins Publikum geworfen werden. Diese sind der Heilige Gral aller Mardi-Gras-Souvenirs! Eine Kokosnuss zu fangen, ist fast so, als hätte man einen Schatz gefunden – und das nicht nur, weil sie deutlich seltener sind als die bunten Perlenketten.

Ach ja, und bevor du fragst: Ja, es gab früher echte Kokosnüsse. Allerdings sind diese inzwischen aus Sicherheitsgründen nur noch handbemalt und ohne harte Schale – es soll ja niemandem der Kopf gespalten werden.

Die Throws – Es regnet Schätze!

Wer denkt, Karnevalszüge bestünden nur aus winkenden Leuten auf Wagen, die freundlich durch die Straßen fahren, war noch nie in New Orleans! Hier wird mit einer Ernsthaftigkeit geworfen, dass selbst professionelle Baseballspieler beeindruckt wären.

Die „Throws“, also die Dinge, die von den Wagen fliegen, sind das Herzstück von Mardi Gras. Die wichtigsten davon sind natürlich die bunten Ketten, die sogenannten Beads. Aber das ist längst nicht alles. In der Masse fliegen auch:

✅ Kunstvoll verzierte Plastikbecher – praktisch, wenn du dein Bier unterwegs mitnehmen willst.
✅ Mardi-Gras-Münzen (Doubloons) – jede Krewe prägt ihre eigenen Sammlermünzen, die bei Hardcore-Fans heiß begehrt sind.
✅ Plüschtiere, Hüte, kleine Spielsachen – es ist, als hätte ein riesiger Piñata-Wahnsinn die Stadt übernommen.
✅ Und natürlich die legendären Zulu-Kokosnüsse – aber nur, wenn du Glück hast!

Übrigens: Die ganz großen Würfe bekommt nur, wer sich besonders auffällig verhält. Wer einen auffälligen Hut trägt, ein lustiges Schild hochhält oder sich besonders enthusiastisch gibt, hat größere Chancen auf die besten Beutezüge. Einfach nur still dastehen und warten? Keine Chance!

Musik, Marschkapellen & der Beat von Mardi Gras

Mardi Gras wäre nicht das gleiche, wenn es nicht von einer gewaltigen Soundkulisse aus Trompeten, Trommeln und Saxophonen begleitet werden würde.

Zwischen den Festwagen marschieren riesige Marschkapellen – viele von ihnen aus den berühmten High Schools von Louisiana, wo das Erlernen eines Instruments so normal ist wie bei uns das Pauken von Matheformeln.

Und die können was! 🎷🥁 Diese Bands laufen nicht einfach nur. Sie tanzen, grooven und geben alles. Die Trommler wirbeln ihre Sticks, als wollten sie ein Feuer entfachen, die Bläser schmettern sich die Seele aus dem Leib, und das Publikum? Es tobt!

Jede Kapelle gibt ihr Bestes, um das lauteste, energiegeladenste Spektakel abzuliefern. Die Menge klatscht im Rhythmus mit, und es gibt Momente, in denen sich die gesamte Parade wie ein einziges, pulsierendes Konzert anfühlt. Hier gibt es keine stillen Zuschauer – hier ist jeder Teil der Party!

Die Könige und Königinnen von Mardi Gras

Jede große Krewe hat ihren eigenen König und ihre Königin, und diese werden oft lange vor Mardi Gras gewählt.

Die wohl berühmteste Figur ist der “Rex”, der König von Mardi Gras, der von der Krewe of Rex auserwählt wird. Er trägt eine prächtige goldene Krone und wirft von seinem riesigen Wagen aus eine endlose Menge an Beads und Doubloons ins Publikum.

Ein weiteres Highlight: Die Krewe of Zulu kürt ebenfalls einen König, der während der Parade eine imposante schwarze Federkrone trägt und von seinen Untertanen auf einem riesigen Thron durch die Straßen von New Orleans kutschiert wird.

In manchen Krewes werden Prominente als Könige oder Ehrengäste ernannt. So war zum Beispiel der legendäre Jazz-Musiker Louis Armstrong 1949 der König der Zulu Parade. In anderen Jahren durfte schon Nicolas CageDrew Brees (Quarterback der New Orleans Saints) oder Hulk Hogan in einer der Paraden mitfahren.

Fazit: Mardi Gras ist eine Welt für sich!

Mardi Gras in New Orleans ist kein normales Straßenfest – es ist eine komplett eigene Welt. Hier mischen sich jahrhundertealte Traditionen mit völliger Verrücktheit, Musik, Farben, wilden Kostümen und einem Gefühl von Freiheit, das man sonst kaum irgendwo auf der Welt erlebt.

Man kommt als ahnungsloser Tourist und verlässt die Stadt als leidenschaftlicher Mardi-Gras-Anhänger – mit einem Hals voller Ketten, müden Füßen und dem dringenden Bedürfnis, nächstes Jahr wiederzukommen! 🎭

Krewe of Zulu

Wir hatten wirklich Glück mit unserem Tribünenplatz. Von unserer erhöhten Position konnten wir perfekte Fotos schießen, ohne uns in die tobende Menschenmasse stürzen zu müssen – oder so dachten wir zumindest. Denn die britischen Touristen hinter uns hatten andere Pläne.

Jetzt stellt euch mal eine Gruppe rüstiger, sehr ambitionierter Engländer jenseits der 60 vor. Keine wilden Party-Touristen, nein, das nicht – sie tranken gemütlich ihr Bier, lachten gesittet und wirkten auf den ersten Blick fast… kultiviert.

Doch sobald etwas von den Festwagen flog, verwandelte sich die Szenerie schlagartig!

✨ Ketten wurden erbarmungslos umklammert, als hinge das eigene Leben davon ab.
✨ Wenn zwei Leute nach einer Beads-Kette griffen, wurde kein Zentimeter locker gelassen. Keine Fairness, kein Loslassen – es wurde gezogen und gezerrt, bis entweder das Band riss oder sich jemand freiwillig geschlagen gab.
✨ Beads auf dem Boden? Nein, nein, nein – was runterfiel, wurde mit dem Fuß gesichert und unauffällig ins eigene Lager geschoben.

Ich beobachtete dieses britische Beads-Schlachtfeld amüsiert, bis mich eine ganz andere Überraschung aus den Gedanken riss.

Mitten in der Parade, zwischen Trompetensolos und jubelnden Wagenbesatzungen, passierte es: Ein Mann auf einem der Festwagen zeigte direkt auf mich.

Oh, wow! Jetzt würde ich auch mal ein spektakuläres Wurfgeschoss ergattern – vielleicht eine besonders edle Kette, eine Plüschfigur oder gar eine begehrte Zulu-Kokosnuss? Aber nein.

Er nahm eine lebensgroße Gummi-Ratte – ja, richtig gehört, eine Ratte! – und schleuderte sie in meine Richtung. Ich erstarrte. Was zum…?!

Noch bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, ob ich mich freuen oder panisch wegrennen sollte, schnellte neben mir eine ältere britische Dame hervor, schneller als ein Raubtier auf der Jagd.

Sie schnappte sich die Ratte mitten in der Luft – mit der Präzision eines Olympiasprinters im Zielwurf. Ich blinzelte irritiert. Hat sie das gerade echt gemacht?!

Ihr Begleiter, offensichtlich ein wenig peinlich berührt von ihrer maximalen Besitzergreifung, versuchte es mit Höflichkeit: „Please, that was for her. Give her the rat.

Ihre Antwort? „No – now it is MY rat.“ Jawohl. Sie hatte entschieden. Die Gummi-Ratte gehörte jetzt ihr.

Ich war kurz sprachlos. Dann lachte ich. Laut. Was für ein herrlich skurriler Moment! Ich meine, was macht man eigentlich mit einer riesigen Gummi-Ratte? Aber wer war ich, mich darüber zu beschweren? Schließlich hatte ich eben noch mitansehen müssen, wie ein vollbärtiger Brite einen Beads-Fight gegen ein 10-jähriges Mädchen gewann. Mardi Gras war eben nichts für schwache Nerven.

Marschtrommeln, leuchtende Festwagen und das große Finale

Während der Ratten-Krimi sich langsam legte, zog die Parade weiter an uns vorbei – und sie war einfach gigantisch.

✨ Marschkapellen mit 200 Musikern, die die Straßen zum Beben brachten.

✨ Prunkvolle Festwagen, mit so vielen Lichtern geschmückt, dass sie fast den Mond überstrahlten.

✨ Zulus in ihren ikonischen Kostümen, die von Perlenketten bis zu riesigen Plüschalligator-Trophäen alles Mögliche in die Menge warfen.

Wir waren einfach nur geflasht. Diese Energie, diese Farben, dieser Wahnsinn – nichts kann einen auf Mardi Gras in New Orleans vorbereiten! Nach satten fünf Stunden (ja, FÜNF!) endete das Spektakel schließlich. Zwei weitere Paraden standen später am Abend noch auf dem Programm, aber unsere Mägen schrieben bereits verzweifelte Hilferufe.

New Orleans war heute ein einziges chaotisches Fest, und wir brauchten einen sicheren Hafen – also wählten wir die bewährte Lösung: Ole Saint. Dort war es die letzten Tage immerhin halbwegs zivilisiert zugegangen. Und seien wir mal ehrlich: Nach einer Gummi-Ratten-Schlacht und britischen Beads-Gladiatoren war ein gutes Essen genau das Richtige.

Die Entscheidung für das Ole Saint stellte sich als wahrer Glücksgriff heraus – der Ort war angenehm ruhig, was allerdings auch an der Uhrzeit gelegen haben könnte. 15:30 Uhr – zu spät für ein Mittagessen, zu früh fürs Abendessen. Perfekt für uns, denn wir wollten ohnehin einfach nur eine kleine Stärkung. Unsere Wahl fiel auf Chicken Wings und Cola, doch irgendetwas lief bei der Bestellung schief – oder das Personal wollte uns besonders wohlgesonnen sein. Denn anstatt zwei Bechern standen plötzlich vier vor uns, begleitet von einem riesigen Korb voller knuspriger Hühnchenteile. Tja, wenn es beim Mardi Gras etwas im Überfluss gibt, dann wohl nicht nur Beads, sondern auch Getränke.

Nachdem wir unser Essen genossen hatten, machte ich mich schnell auf den Weg, um meine Beute – also meine mühsam erkämpften Mardi Gras-Ketten – zurück ins Hotel zu bringen. Mit meinem glitzernden Schatz beladen, betrat ich den Aufzug, in dem bereits ein Mann in der Ecke lehnte. Er hob kaum den Kopf, murmelte aber mit letzter Kraft:

“I’m so fucked up, guys.” 

Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Armer Kerl – es war gerade mal kurz nach 16 Uhr, und für ihn schien Mardi Gras wohl schon vorbei zu sein. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände, irgendwo zwischen verzweifelter Müdigkeit und der Erkenntnis, dass er vielleicht doch nicht hätte jeden angebotenen Drink annehmen sollen. 😵‍💫

Auf dem Rückweg ins Erdgeschoss gesellten sich zwei junge Engländerinnen zu uns in den Aufzug. Eine sah ihre Freundin mit einem seligen Lächeln an und verkündete im schönsten British-English:

“Mardi Gras in New Orleans is so lovely, isn’t it?”

Ich hätte fast laut gelacht. “Lovely”?! Liebe junge Dame, Mardi Gras in New Orleans ist laut, exzessiv, schrill, bunt, wild und völlig verrückt. Aber wenn es eines ganz sicher nicht ist, dann “lovely”. Stellt euch diesen Satz bitte in allerfeinstem britischen Akzent vor – und dann das Chaos auf der Bourbon Street dazu. Ein herrlicher Kontrast!

Nun stellte sich die große Frage: Zurück zur Parade-Tribüne oder direkt ins Epizentrum der Party, die Bourbon Street? Nach einer kurzen Diskussion entschieden wir uns für die vollkommene Reizüberflutung und stürzten uns ins Getümmel. Bourbon Street.

Wenn man im Internet über diese legendäre Partymeile liest, könnte man fast abgeschreckt sein. Schmutzig, stinkend, voller Betrunkener, gefährlich, überfüllt – all das wird der Bourbon Street nachgesagt. Aber wisst ihr was? Wir sahen nur glückliche, ausgelassene Menschen.

Ja, es gab freigelegte Brüste. Ja, es gab Männer in absurden Kostümen, Frauen mit Glitzer auf praktisch jeder freien Hautstelle und Gruppen, die sich in regelrechte “Beads-Schlachten” stürzten. Überall wurde getrunken, getanzt, gejubelt – aber ohne Aggression, ohne Stress, ohne unangenehme Zwischenfälle.

Und das Beste? Ganz ohne die sonst so typischen schwer bewaffneten Polizisten an jeder Ecke, die man in anderen US-Städten oft sieht. Hier wurde einfach nur gefeiert – laut, exzessiv und hemmungslos, aber auf die beste Art und Weise.

Kaum hatten wir einen Fuß auf die berühmteste Partymeile New Orleans’ gesetzt, verschluckte uns die Menge und spuckte uns direkt in den Wahnsinn aus. Lichter, Musik, Gelächter, tanzende Menschen – es war ein einziges, pulsierendes Chaos. Hier feierte jeder auf seine Weise: Ein Typ im Superheldenkostüm jonglierte Bierflaschen, während eine Gruppe Frauen in Pailletten-Bodysuits zur dröhnenden Musik eines Straßen-DJs twerkten. Ein paar Meter weiter sang eine Live-Band auf einem Balkon – wobei “singen” eine sehr großzügige Bezeichnung für das war, was da aus den Lautsprechern schallte. Egal, die Menge feierte es!

Wir ließen uns mitreißen von der elektrisierenden Atmosphäre, mischten uns unter die Feierwütigen und genossen einfach das pure Mardi-Gras-Gefühl. Auf den Balkonen standen Menschen mit Armen voller Beads – diese berühmten bunten Ketten, die jeder haben wollte. Sie winkten, riefen, lachten und suchten sich ihre nächsten “Opfer”. “Show me something!” riefen sie in Richtung der Feiernden auf der Straße, und wer bereit war, ein bisschen was von sich zu zeigen – sei es Kreativität, ein lustiges Schild oder schlichtweg nackte Haut – wurde mit den größten und prachtvollsten Beads belohnt.

Ich musste nicht mal etwas tun, um meine Sammlung zu vergrößern – sie flogen mir einfach entgegen. Manche warfen gezielt, andere ließen sie einfach in die Menge regnen, als gäbe es kein Morgen. Ich versuchte, ihnen auszuweichen, doch es war praktisch unmöglich. Einmal bekam ich eine Kette direkt auf die Stirn. Treffer! Und bevor ich mich von dem “Schlag” erholt hatte, hing sie auch schon um meinen Hals. Meine Sammlung wuchs unaufhaltsam. Diejenigen, die ihre Ketten nicht rechtzeitig fingen, mussten aufpassen, nicht auf die bunten Plastikperlen zu treten, die in Massen den Boden bedeckten und gefährlich rutschig waren. Bei jedem Schritt hörte man ein leises Knirschen.

Cafe Du Monde

Ein kurzer Boxenstopp für Beignets – weil’s einfach sein muss

Zwischendurch gönnten wir uns eine kleine Verschnaufpause und landeten – natürlich – erneut im Café Du MondeDenn es gibt in New Orleans ein ungeschriebenes Gesetz: Man kann nicht genug Beignets essen. Also setzten wir uns, bestellten noch einmal das Puderzucker-Desaster in Form von frittiertem Teig und beobachteten das Spektakel um uns herum. Neben uns saßen zwei völlig überdrehte Mittfünfziger in Clownskostümen, die begeistert ihre Beute aus der Bourbon Street inspizierten. Einer hatte eine Kette ergattert, die so groß war, dass sie als Hula-Hoop-Reifen durchgegangen wäre. Der andere hielt triumphierend eine blinkende Krone hoch.

Ein paar Minuten später, mit frischem Puderzucker auf den Klamotten und Beignets im Bauch, stürzten wir uns erneut ins Getümmel und traten den Rückweg zum Hotel an – was bedeutete, noch einmal durch die volle Bourbon Street zu marschieren.

Gegen 22 Uhr spürten wir, dass unsere Party-Energie langsam nachließ – was bei der immensen Reizüberflutung nicht verwunderlich war. Also entschieden wir, dass es Zeit für einen Feierabenddrink an der Hotelbar war. Purple Haze. Zum dritten Mal. Ich liebe dieses Bier!

Unser Fazit? Mardi Gras ist Wahnsinn – aber im besten Sinne!

Drei Tage lang hatten wir uns durch das pure Chaos treiben lassen. Wir hatten Paraden gesehen, Unmengen an Beads gesammelt, unglaubliche Kostüme bestaunt, zu viel frittierten Teig gegessen und die wahrscheinlich verrückteste Party unseres Lebens erlebt.

Und das Beste? Obwohl wir eigentlich keine Karnevals-Fans sind, würden wir jederzeit wiederkommen! Denn Mardi Gras in New Orleans ist einfach eine andere Liga – ein Spektakel, das man nicht nur sieht, sondern mit allen Sinnen erlebt.

🎭🎷🎉 Von Karnevalsmuffel zu Mardi-Gras-Enthusiasten – New Orleans, wir kommen irgendwann wieder! 🎭🎷🎉

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