
Ein schöner Abschluss unsere Reise in Corpus Christi und Galveston
Eigentlich hatten wir unsere letzte Nacht in Corpus Christi bereits gestrichen. Schlechtes Wetter, dazu der Spring-Break-Wahnsinn, der die Stadt in eine einzige feiernde Partymeile verwandelt – es schien einfach nicht lohnenswert, sich das anzutun.
Doch jetzt, da wir in San Marcos sind und nur noch eine Nacht in Galveston vor unserem Rückflug vor uns liegt, kommt plötzlich der Gedanke: Warum eigentlich nicht?
“Wie wäre es, wenn wir doch nach Corpus Christi fahren?” Mein Vorschlag steht im Raum – und mit ihm eine Idee, die nach Abenteuer klingt: Über die malerische Route entlang des Highway 123 in den Süden fahren und dann entlang der Küste zurück nach Galveston. Ein echter Roadtrip zum Abschluss! Egal, ob es Spring Break ist oder das Wetter nicht mitspielt – wir sind nicht hier, um es uns bequem zu machen. Wir sind hier, um zu entdecken.
Nach einem gemütlichen Frühstück packen wir unsere Sachen ins Auto und machen uns auf den Weg. Der Highway 123 zieht sich durch sanfte Hügel und kleine Ortschaften, aber die Strecke ist – freundlich ausgedrückt – eher unspektakulär. Drei Stunden Fahrt, die uns langsam, aber sicher in Richtung Süden bringen. Gegen 10:30 Uhr erreichen wir Corpus Christi.

Die Stadt begrüßt uns mit dem Nueces Bay Causeway, der sich über das Wasser spannt und uns direkt ins Zentrum führt. Wir steuern zielstrebig auf die Corpus Christi Marina zu – aber ehrlich gesagt: Die Euphorie hält sich in Grenzen.
Das Wetter ist noch immer trübe, der Himmel in einem einheitlichen Grau, das sich nahtlos mit dem Wasser vermischt. Die Szenerie wirkt … naja, nennen wir es mal „zurückhaltend einladend“. Vielleicht liegt es an den leeren Stegen, vielleicht an der ruhigen, fast melancholischen Atmosphäre, oder vielleicht daran, dass wir nach all den Highlights der letzten Tage von Texas nichts Durchschnittliches mehr gewohnt sind.
Aber egal. Wir sind hier. Und wenn wir eines gelernt haben: Ein Roadtrip ist nur so gut wie das Abenteuer, das man daraus macht.

Trotz des trüben Wetters können wir der Versuchung nicht widerstehen, ein paar atemberaubende Fotos von der Skyline und dem Hafen zu schießen. Die Mischung aus hoch aufragenden Wolkenkratzern und geschäftigem Hafentreiben, dazu das Licht, das sich mystisch auf dem Wasser spiegelt – es wäre eine Schande, das nicht festzuhalten. Corpus Christi mag sich heute in gedeckten Farben präsentieren, aber genau das verleiht der Stadt eine unerwartete Dramatik.
Unsere Fahrt durch diese riesige Hafenstadt hält noch einige Überraschungen bereit. Links und rechts reihen sich Wassersportgeschäfte aneinander, eines größer als das andere – anscheinend ist hier alles zu haben, was mit Booten, Angeln oder Surfen zu tun hat. Doch ein Geschäft sticht besonders heraus.

Der Eingang? Ein gigantisches, furchteinflößendes Hai-Maul.
Ja, ein riesiger Haifischkopf mit weit aufgerissenem Maul – als hätte man die perfekte Mischung aus Freizeitspaß und Kindheitstrauma gefunden. Definitiv ein Hingucker! Ein kurzer Blick genügt, und schon steht fest: Wir müssen da rein.
Als wir uns dem Eingang nähern, staunen wir nicht schlecht. Das Hai-Maul ist nicht nur ein dekoratives Gimmick, sondern der offizielle Eingang zum Geschäft. Man tritt wortwörtlich durch das Maul eines Raubtiers hindurch in eine Welt voller Wassersportausrüstung, cooler Souvenirs und maritimer Kuriositäten.
Natürlich nutzen wir die Gelegenheit, um ein paar herrlich skurrile Fotos zu machen – denn wer kann schon behaupten, durch das Maul eines Hais in einen Laden spaziert zu sein?
Drinnen gibt es alles, was das Wassersportler-Herz begehrt – von Surfbrettern bis hin zu Angelruten, Neoprenanzügen und skurrilen Dekoartikeln mit Meeresmotiven. Das Ganze wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus Surfshop, Tauchbasis und Piratenbucht.

Anschließend setzen wir unsere Fahrt entlang der malerischen Corpus Christi Bay fort und überqueren den beeindruckenden John F. Kennedy Causeway, der uns direkt auf die Düneninsel Mustang Island führt. Eine der längsten Inseln entlang der texanischen Küste, umgeben von endlosen Stränden, sanften Dünen und einer fast unberührten Natur – ein echtes Highlight unseres Roadtrips.
Während wir über die einsame Küstenstraße fahren, fällt uns ein charmantes Detail ins Auge: kleine, bunte Blümchen, die den Straßenrand säumen. Zarte Wildblumen in Gelb, Rosa und Lila, die einen fröhlichen Kontrast zu der eher kargen Landschaft bilden. Sie sind klein, aber unübersehbar – als hätten sie sich vorgenommen, der rauen, windgepeitschten Insel ein bisschen Farbe zu schenken.
Doch so idyllisch die Natur auch ist, das Meer zeigt sich heute nicht von seiner besten Seite. Der Himmel bleibt grau, die Sonne versteckt sich hartnäckig hinter dicken Wolken, und das Wasser wirkt eher düster als karibisch-blau.Kein funkelndes Türkis, keine glitzernden Wellen – stattdessen eine raue, fast melancholische Küstenlandschaft.
Und doch hat Mustang Island seinen ganz eigenen Reiz. Es ist einer dieser Orte, die auch an trüben Tagen ihre Magie entfalten – wild, ungezähmt und mit einer Atmosphäre, die einen sofort in ihren Bann zieht. Wir stellen uns vor, wie die Sonne hier alles in ein goldenes Licht taucht, wie das Wasser in strahlendem Blau leuchtet und die Möwen kreischend über die Wellen tanzen.

Unsere Vorfreude steigt, als wir Port Aransas erreichen – die einzige Stadt auf Mustang Island – und langsam wird uns klar: Diese Insel hat mehr zu bieten, als wir erwartet hatten.
Entlang der Straßen reihen sich hübsche pastellfarbene Häuser auf hohen Stelzen, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Bilderbuch für Strandliebhaber entsprungen. Mintgrün, Babyblau, Sonnengelb – ein Farbspiel, das perfekt zu diesem entspannten Küstenort passt. Hier scheint alles ein bisschen lockerer, ein bisschen sorgloser, als hätte sich der Alltag einfach nicht getraut, bis hierher vorzudringen.
Und dann entdecken wir etwas, das unseren Roadtrip noch besser macht: Eine kostenlose Fährverbindung nach Aransas!
Ja, kostenlos! Wann passiert einem so etwas schon mal? Fünf Fähren sind gleichzeitig im Einsatz, um die Fahrzeuge über den Aransas Pass zu bringen. Die Wartezeit? Gerade mal 10 Minuten. Die Überfahrt? Nur 5 Minuten. Effizient, schnell und unerwartet unterhaltsam.
Als wir endlich an Bord rollen, lehnen wir uns entspannt zurück und genießen die Aussicht. Das Wasser glitzert trotz des grauen Himmels, und während wir langsam über den Pass gleiten, fühlen wir uns kurz wie echte Inselhopper.

Unsere Reise auf dem Redfish Bay Causeway geht weiter, eine malerische Strecke, die uns schließlich über eine Brücke zurück aufs Festland führt. Das Gefühl, wieder auf festem Boden zu sein, hält allerdings nur kurz – denn kaum sind wir in Rockport, fällt uns ein kleines, charmantes Restaurant ins Auge. Perfektes Timing für eine Mittagspause!
Das “Our Family Kitchen” sieht nicht nur einladend aus, sondern scheint auch ein echter Geheimtipp zu sein – die Tische sind gut gefüllt, und die Atmosphäre strahlt genau das aus, was man sich von einem gemütlichen, familiengeführten Lokal wünscht. Herzlich, bodenständig und mit einer Speisekarte, die nach purem Wohlfühl-Essen klingt.
Ich lasse mich vom Tagesgericht überraschen und entscheide mich für hausgemachten Hackbraten mit Kartoffelpüree und Soße – der Inbegriff eines klassischen, ehrlichen Comfort Foods. Stefan hingegen kann bei einem „Doppelten Bacon B.L.T. Sandwich“ nicht widerstehen. Und als das Essen an den Tisch kommt, müssen wir beide lachen – denn die Sache mit dem “doppelten Bacon” nehmen sie hier verdammt ernst!
Das Essen schmeckt genauso gut, wie es aussieht. Der Hackbraten ist saftig, die Soße genau richtig gewürzt, und das Kartoffelpüree ist hausgemacht – keine Instant-Masse, sondern pure, cremige Perfektion. Und Stefan? Der ist glücklich. Viel Bacon, viel Geschmack – mehr braucht es nicht.
Es ist immer wieder faszinierend, wie ein einfaches, gutes Essen an einem reizenden Ort zu einem unvergesslichen Teil unserer Reise werden kann. Kein Michelin-Stern, keine hippe Fusionsküche – einfach ehrliche Hausmannskost, serviert mit einem Lächeln.
BILDERGALERIE: Our Family Kitchen
Unser Weg nach Galveston führt uns weiter entlang der Küste, vorbei an noch mehr pastellfarbenen Häusern, die sich wie bunte Bonbons in die Landschaft einfügen. Himmelblau, Korallenrot, Zitronengelb – jedes Haus ein kleines Kunstwerk, das die Straße belebt und unsere Fahrt in ein farbenfrohes Erlebnis verwandelt.
Und als wäre das nicht schon malerisch genug, bekommen wir unterwegs tierische Begleitung. Ein Schwarm majestätischer Pelikane segelt in Formation über die Küstenlinie, als würden sie uns den Weg weisen. Diese riesigen Vögel gleiten mühelos durch die Luft, tauchen gelegentlich ab, um einen Fisch zu schnappen, und kehren dann elegant in die Lüfte zurück. Es ist ein Anblick, bei dem man unwillkürlich den Atem anhält – so grazil und gleichzeitig so kraftvoll.
Das Einzige, was fehlt? Die Sonne.
Noch immer liegt ein grauer Schleier über dem Himmel, und das Meer präsentiert sich in gedeckten Farben, eher mystisch als strahlend. Wir können uns nur ausmalen, wie atemberaubend die Aussicht wäre, wenn die Sonne durchbricht, das Wasser in leuchtenden Blautönen schimmert und das gesamte Panorama zum Leben erweckt.
Doch auch so hat dieser Küstenabschnitt seinen Charme. Die bunten Häuser, die sanften Wellen, die Pelikane, die scheinbar mühelos über uns schweben – all das bringt Farbe in diesen grauen Tag. Und genau darum geht es doch auf einer Reise: die Schönheit in jedem Moment zu entdecken, egal ob unter strahlendem Sonnenschein oder unter einem Himmel, der sich heute für gedämpfte Töne entschieden hat.
BILDERGALERIE: Galveston Island
Gegen 17 Uhr erreichen wir endlich Galveston. Die Fahrt war lang, aber die Ankunft an der Küste weckt noch einmal neue Energie. Auf unserem Weg passieren wir den Pleasure Pier, und sofort fühlen wir uns an das berühmte Santa Monica Pier in Los Angeles erinnert. Ein Riesenrad, Fahrgeschäfte und bunte Lichter direkt über dem Wasser – fast als hätte man ein kleines Stück Kalifornien nach Texas verpflanzt.
Für diese Nacht haben wir uns ein Zimmer im La Quinta Galveston East Beach mit Meerblick gegönnt. Und das war vielleicht keine unserer besten Entscheidungen.
Denn das Meerblick-Zimmer bringt wenig Freude, wenn das Meer selbst ein einziges trübes Grau ist. Kalt, windig, trostlos – als hätte jemand einen riesigen Filter über den gesamten Horizont gelegt, der alle lebendigen Farben aufsaugt. Ein echtes „Bäh!“-Erlebnis.
Aber wir sind ja nicht aus Zucker. Obwohl das Wetter nicht mitspielt, versuchen wir das Beste daraus zu machen.Schließlich hat uns die Natur schon oft genug überrascht – wer weiß, vielleicht reißt der Himmel doch noch auf, und wir werden mit einem spektakulären Sonnenuntergang über dem Meer belohnt?


Unser Abendessen führt uns zunächst zur Brick House Tavern & Tap, und von außen macht das Restaurant einen wirklich hübschen Eindruck. Gemütliche Beleuchtung, einladende Atmosphäre – eigentlich ein vielversprechender Start.
Drinnen werden wir von einer jungen Kellnerin zu unserem Tisch geführt und erhalten die Speisekarten. Doch dann geschieht etwas Seltsames – wir werden einfach vergessen. Minuten vergehen, aber niemand kommt, um unsere Bestellung aufzunehmen. Aber ganz ehrlich? Uns stört es nicht sonderlich.
Die Preise sind happig, die Speisekarte spricht uns nicht wirklich an, und je länger wir dort sitzen, desto klarer wird uns: Wir wollen hier eigentlich gar nicht essen. Also nutzen wir die Chance, verabschieden uns unauffällig – und ziehen weiter. Plan B? Direkt vor unserem Hotel entdecken wir das Saltgrass Steakhouse.
Perfekt. Unser erstes Mal in einem Restaurant dieser Kette – und schon beim Betreten fühlt es sich vielversprechend an. Rustikale Einrichtung, warme Holztöne, eine gemütliche, ungezwungene Atmosphäre – es erinnert uns sofort an unser Lieblings-Steakhouse, das Texas Roadhouse.
Kaum haben wir Platz genommen, begrüßt uns eine freundliche Kellnerin und stellt sich vor. Schnell kommen wir ins Gespräch. Sie ist neugierig, woher wir kommen – und überrascht uns dann mit ihrer eigenen Geschichte. Sie wurde in Deutschland geboren, weil ihr Vater dort stationiert war. Ein sympathischer Zufall – und ein schöner Auftakt für unser Abendessen.
Dann kommt der wichtigste Teil: die Bestellung. Ribeye – medium rare – mit gebackenen Kartoffeln. Einfach. Klassisch. Kann man in einem Steakhouse nicht viel falsch machen. Oder?
Doch nach einer Weile taucht plötzlich der Restaurantmanager auf – und verkündet mit ernster Miene: “Wir können das Steak nicht medium rare zubereiten.” Ich blicke ihn erst irritiert an, warte auf das Augenzwinkern, das den Scherz auflöst – aber es kommt keines.
“Wie bitte?” Ich versuche, das Gehörte zu verarbeiten. Er wiederholt es. Und ich bin immer noch ratlos.
Ein Steakhouse in den USA – dem Land, in dem das Steak quasi erfunden wurde – kann kein Steak in der gewünschten Garstufe zubereiten? Das muss ein schlechter Witz sein.

Schließlich merkt der Manager wohl, dass ich komplett verwirrt bin – und stellt die entscheidende Frage: „Habt ihr nicht Prime Rib bestellt?“ Äh… Nein! Und plötzlich fällt der Groschen.
Ein kurzer Blick in sein Bestellbuch, dann ein erleichtertes Nicken. Die freundliche Kellnerin hatte an diesem Tag ihren ersten Arbeitstag und versehentlich die falsche Bestellnummer erwischt – sie hatte Prime Rib statt Ribeyeeingetippt. Also doch kein Steak-Skandal. Mein Vertrauen in die texanische Steakzubereitung ist gerettet.
Der Manager entschuldigt sich charmant, unsere Bestellung wird korrigiert, und kurze Zeit später stehen perfekt gegrillte Ribeye Steaks – medium rare – vor uns. Ein wahrer Glücksfall.
Und als wir den ersten Bissen nehmen, ist endgültig klar: Das Warten hat sich gelohnt. Saftig, würzig, genau auf den Punkt gegart – ein Steak, wie es sein soll. Dazu die gebackene Kartoffel, dampfend und mit genau der richtigen Menge Butter – Texas kann es eben doch.
BILDERGALERIE: Saltgrass Steak House
Wir schlemmten uns förmlich satt, ließen uns jedes saftige Stück Steak auf der Zunge zergehen und genossen den letzten Abend in Texas in vollen Zügen. Zufrieden, satt und ein kleines bisschen wehmütig machten wir uns schließlich auf den Rückweg zum Hotel. Es war unsere letzte Nacht hier in den USA.