
Die letzte Etappe unseres unvergesslichen Roadtrips durch Yukon und Alaska
Der Tag beginnt, wie es sich für Abenteurer gehört – mit einem leichten Anflug von Chaos und jeder Menge Vorfreude. Die ersten Sonnenstrahlen lugen durch die Vorhänge unseres Campers, und langsam kriechen wir aus unseren Betten. Noch leicht benebelt von der Nacht und der Kälte des Morgens, stapfen wir zum Waschraum des Campgrounds, wo uns warmes Wasser und ein Spiegel, der unsere zerzausten Haarprachten enthüllt, wieder ein wenig Leben einhauchen.
Zurück am Camper machen wir uns ans Frühstück – schnell, einfach und effektiv. Stefan zaubert mit gewohnter Präzision eine Runde Rührei, während ich mit der Gabel bewaffnet darauf achte, dass kein Krümel Toast ungetoastet bleibt. Das duftende Frühstück und eine dampfende Tasse Kaffee später sind wir gestärkt und bereit, den Tag in Angriff zu nehmen.

Während Stefan mit einem Ernst, der einem Formel-1-Boxenstopp würdig wäre, den Camper startklar macht, schnappe ich mir die Kamera und gehe auf Erkundungstour. Der Discovery Yukon Campground zeigt sich in den ersten Sonnenstrahlen von seiner besten Seite. Hier, am majestätischen Alaska Highway, umgeben von unberührter Natur, herrscht eine Ruhe, die man nur in der Wildnis findet. Es fühlt sich an, als hätten wir die ganze Welt für uns allein.
8 Uhr. Der Motor brummt, die Räder rollen, und die Weite des Yukons ruft. Der Himmel über uns präsentiert sich in einem Spektakel aus Gold und Rosa, und die Straße erstreckt sich vor uns wie ein Versprechen auf Abenteuer. Unser Ziel? Die nächste Etappe auf unserem Weg nach Whitehorse – und die Aussicht, die uns unterwegs erwartet, lässt unser Reisendenherz höherschlagen.

Unsere Route führt uns zum beeindruckenden Kluane Lake, dem größten See im Yukon. Die Sonnenstrahlen tanzen auf der Wasseroberfläche, als wäre sie mit Diamanten bedeckt. Wir legen einen spontanen Stopp ein, schnappen uns die Kamera und lassen die Schönheit dieses Ortes auf uns wirken. Übrigens: Der Name “Kluane” stammt aus der Sprache der Ureinwohner und bedeutet so viel wie „See mit großen Fischen“. Ob wir wohl noch Zeit haben, einen Angelhaken auszuwerfen? Nein, aber der Gedanke ist verlockend.
Ein weiteres Highlight wartet auf uns: Destruction Bay. Ursprünglich ein kleines Lager während des Baus des Alaska Highways, hat sich der Ort seinen rauen Charme bewahrt. Wir nutzen die Gelegenheit für einen weiteren Fotostopp, und der Kluane Lake zeigt sich von einer neuen, noch faszinierenderen Seite. Die schneebedeckten Berge im Hintergrund und die endlose Weite vor uns lassen uns innehalten. Es ist ein Moment, in dem man einfach nur staunen kann.

Gegen 11 Uhr erreichen wir Haines Junction. Unser Plan: Ein zweites Frühstück in der beliebten Village Bakery. Doch unsere Hoffnungen werden jäh zerstört – die Bäckerei hat sich bereits in den Winterschlaf verabschiedet. Mit knurrendem Magen und einem leisen Seufzer schütteln wir den Kopf. Willkommen in Alaska, wo die Wintervorbereitungen ernst genommen werden!
Aber lassen wir uns davon die Laune verderben? Natürlich nicht! Wir beschließen, eine Alternative zu suchen, um unsere knurrenden Mägen zu beruhigen. In einer Gegend wie dieser bleibt nichts unentdeckt – wir sind uns sicher, dass irgendwo eine warme Mahlzeit auf uns wartet. Der Tag ist noch jung, die Straße liegt vor uns, und wer weiß, welche Überraschungen uns noch erwarten.

Die Gerichte kommen schnell, dampfend heiß und sehen überraschend appetitlich aus. Und dann der erste Bissen – wow! Das Frühstück ist einfach köstlich. Stefans Big Dragon Breakfast, bestehend aus Eiern, knusprigem Bacon, würziger Bratwurst und perfekt gebratenen Kartoffeln, ist ein Volltreffer. Meine Pancakes sind luftig-leicht und werden durch den süßen Sirup zum reinen Genuss. Wer hätte gedacht, dass ein kleines chinesisches Restaurant mitten im Yukon uns ein so herrliches Frühstück bescheren würde?

Mit gut gefülltem Magen und einem zufriedenen Lächeln verlassen wir das Lucky Dragon Restaurant. Ein Frühstück, das unerwartet zu einem Highlight wurde, stärkt uns für die bevorstehende Strecke.
Jetzt geht es wieder auf die Straße. Der Alaska Highway ruft, und unser nächstes Ziel ist Whitehorse, die Hauptstadt des Yukon. Die Kilometer vor uns sind nicht nur eine Strecke, sondern das nächste Kapitel in unserem Abenteuer. Bereit für alles, was kommt, starten wir durch!



Die letzten 150 Kilometer auf unserem epischen Roadtrip liegen vor uns, und wir rollen entspannt den Klondike Highway entlang. Die Sonne steht tief, taucht die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht und gibt uns das Gefühl, als hätte die Natur selbst beschlossen, uns einen gebührenden Abschied zu bereiten. Jede Kurve, jedes Tal – es ist, als würde uns der Yukon ein letztes Mal umarmen und flüstern: “Kommt bald wieder!”
Um 14 Uhr erreichen wir schließlich Whitehorse, die Hauptstadt des Yukons. Es ist ein bittersüßer Moment: Einerseits freuen wir uns, unser Ziel erreicht zu haben, andererseits wissen wir, dass das Ende unserer Reise unaufhaltsam näher rückt. Doch bevor wir wehmütig werden, gibt es noch einiges zu tun – unser treuer Camper hat sich eine kleine Wellness-Kur verdient, bevor er morgen zurückgegeben wird.

Erster Halt: die Autowaschanlage. Nach 2,5 Wochen voller Abenteuer – von staubigen Straßen bis hin zu matschigen Rastplätzen – hat unser rollendes Zuhause eine gründliche Reinigung mehr als nötig. Stefan übernimmt mit voller Hingabe den Hochdruckreiniger und entfernt Schicht für Schicht die Erinnerungen an den Schotter des Denali Highways, während ich mit einem Tuch bewaffnet den Innenraum auf Hochglanz bringe. Es ist fast so, als würden wir unserem Camper Danke sagen – für jeden Kilometer, jedes Abenteuer und jeden magischen Moment, den er uns beschert hat.
Nächster Halt: die Petro Express Tankstelle, wo wir den Schmutzwassertank entleeren und unser Fahrzeug wieder auftanken. Hier zeigt sich einmal mehr die legendäre Gastfreundschaft des Nordens: Das Entsorgen des Schmutzwassers ist kostenlos – eine kleine, aber unglaublich nette Geste, die uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.
Mit jedem Handgriff wird uns klar, wie sehr uns unser Camper ans Herz gewachsen ist. Er war mehr als nur ein Fahrzeug; er war unser Zuhause, unser Schutzraum, unser Tor zu den Wundern Alaskas und des Yukons. Jetzt steht er sauber, glänzend und startklar auf dem Parkplatz, und wir blicken mit einer Mischung aus Stolz und Melancholie auf ihn.
Doch anstatt uns in Wehmut zu verlieren, erinnern wir uns daran, wie unendlich dankbar wir für all die Erlebnisse sind, die dieser Roadtrip uns geschenkt hat. Morgen werden wir unser treues Gefährt schweren Herzens zurückgeben – aber heute gehört es noch ganz uns.


Nachdem unser Camper nun in neuem Glanz erstrahlt, gönnen wir uns einen wohlverdienten Abend in Whitehorse. Unser Plan: ein gemütliches Dinner bei Klondike Kate, das Restaurant, an das wir wunderbare Erinnerungen haben. Doch als wir dort ankommen, trifft uns die kalte Realität des nahenden Winters – es ist geschlossen. Kein Klondike Kate für uns, und der Magen knurrt.
Die große Frage: Wo können wir jetzt essen? Die Lösung liegt – wie so oft – in der Hilfe eines Insiders. Wir steuern die Visitor Information an und treffen auf eine überaus freundliche Dame, die uns mit einem warmen Lächeln das “G&P on Main” empfiehlt. Es klingt vielversprechend, und so machen wir uns auf den Weg zur Mainstreet.
BILDERGALERIE: G&P On Main Restaurant
Das Restaurant erweist sich schon auf den ersten Blick als schick – und ebenso die Preise. Wir werfen uns kurz einen skeptischen Blick zu, entscheiden dann aber: Heute Abend gönnen wir uns etwas. Schließlich ist es unser letztes Dinner in diesem großartigen Abenteuer.
Ich entscheide mich für das “Cranberry Elk Skillet”, ein Gericht, das nicht nur vorzüglich klingt, sondern mit 17 Dollar auch preislich im Rahmen bleibt. Stefan wagt sich an die “Sauteed Spaghetti”, die mit 23 Dollar zwar eine kleine Investition darstellen, aber hoffentlich jeden Cent wert sind. Die Gerichte kommen an den Tisch, wunderschön angerichtet, und schon der erste Bissen bestätigt: Die Küche versteht ihr Handwerk.
Während wir unser Essen genießen, lassen wir die letzten Wochen Revue passieren. Von den endlosen Straßen Alaskas bis hin zu den magischen Nordlichtern haben wir so viel erlebt. Der Geschmack des Elk Skillets, das durch die süße Säure der Cranberries perfekt abgerundet wird, scheint die Abenteuerlust des Nordens auf den Teller zu zaubern. Stefans Spaghetti? Nun, sagen wir, sie schmecken – aber 23 Dollar für Nudeln sind ein Thema, das wir später mit einem Augenzwinkern diskutieren werden.
Das Essen war gut, die Atmosphäre angenehm, und auch wenn wir den Preis der Spaghetti als Running Gag mit nach Hause nehmen, war es der perfekte Abschluss für einen Tag, der voller kleiner Abenteuer steckte. Manchmal zählt eben nicht nur das Essen, sondern die Gesellschaft und die Geschichten, die einen umgeben.

Nach unserem Dinner machten wir uns auf zu einem entspannten Spaziergang entlang des malerischen Yukon River. Der Himmel war klar, und das sanfte Licht des frühen Abends spiegelte sich auf der ruhigen Wasseroberfläche. Es war einer dieser perfekten Momente, in denen man tief durchatmet und einfach dankbar ist für die Abenteuer, die hinter einem liegen – und die vor einem liegen könnten.
Doch natürlich konnten wir den Abend nicht ohne ein weiteres Highlight enden lassen. Whitehorse hatte noch eine Überraschung für uns parat: die Winterlong Brewery, ein kleiner, feiner Schatz etwa 10 Kilometer südlich der Stadt. Unsere Erwartungen? Hoch. Unsere Stimmung? Noch höher. Also parkten wir unseren treuen Camper vor dem charmanten Gebäude, das sich irgendwo zwischen rustikalem Charme und Hipster-Industrieglanz bewegte.

Im Inneren wurden wir von einer gemütlichen, ungezwungenen Atmosphäre begrüßt. Es war nicht nur eine Brauerei, sondern ein Ort, an dem Kreativität und Genuss aufeinandertrafen – wortwörtlich. An drei Tischen fand ein Zeichenkurs statt, und wir waren fasziniert, wie konzentriert die Teilnehmer ihre Pinsel schwangen. Die Werke reichten von verblüffend detailgetreu bis hin zu … sagen wir mal, „künstlerisch mutig“. Doch die Stimmung war herzlich, und die Lobeshymnen der Teilnehmer übertrafen sich gegenseitig. „Magnificent!“, „Wonderful!“, „Marvelous!“ Wir mussten lachen – offenbar lag es in der Luft, dass jeder hier ein Genie war.
Natürlich konnten wir uns nicht zurückhalten und bestellten jeder ein Bier. Ich entschied mich für das „Pingo Pale Ale“, ein herrlich hopfiges Gebräu, das seinen Namen vom geologischen Phänomen der Pingos – kleinen Eiskuppen – hat. Stefan ging mit dem „Jagged Pilsner“ auf Nummer sicher und war begeistert. Ein weiteres Andenken durfte natürlich auch nicht fehlen: ein schickes Pintglas wanderte direkt in unsere Einkaufstasche. Es wird uns zu Hause an diesen besonderen Abend erinnern – und daran, dass Kunst immer Geschmackssache ist.



Während wir unsere Biere genossen, beobachteten wir die eifrigen Künstler. Einige schienen die Vorlage förmlich zu umarmen, während andere eher… alternative Ansätze verfolgten. Wir amüsierten uns köstlich über die ungebrochene Euphorie der Gruppe, die jedem Pinselstrich eine überwältigende Bedeutung beimaß.
Und so saßen wir da, mit einem guten Bier in der Hand, umgeben von fröhlichem Gelächter und kreativer Energie. Es war der perfekte, witzige Abschluss unseres letzten Abends in Whitehorse. Kein pompöses Finale, sondern ein Moment voller Leichtigkeit und Lebensfreude – genau, wie wir es mögen.



Nun ist es also soweit: die letzte Etappe unserer Reise steht an. Es fühlt sich ein wenig seltsam an, diese wunderbaren Tage hinter uns zu lassen, doch es ist Zeit, zurück nach Whitehorse zu fahren. Unsere letzte Nacht verbringen wir nicht auf einem malerischen Campingplatz oder inmitten atemberaubender Natur, sondern auf einem Parkplatz – und zwar dem des Real Canadian Superstores. Pragmatismus siegt, denn dieser Spot ist nicht nur bequem, sondern auch praktisch für unsere morgendlichen Erledigungen.
Unser Camper ist blitzblank, bereit für die Rückgabe. Kein Wasser, kein Strom – alles in perfektem Zustand, so wie es sein soll. Wir haben uns fest vorgenommen, die Küche in ihrem makellosen Zustand zu belassen, denn wer will sich am letzten Tag noch mit Abwasch oder Chaos herumärgern?
Morgen früh geht es direkt zum Frühstück – kein improvisiertes Camper-Müsli, sondern ein echtes, schickes Frühstück in einem Café, wo der Kaffee dampft und die Pancakes fluffig sind. Es ist der gebührende Abschied von diesem Abenteuer auf vier Rädern.
Während wir es uns in unserem Camper gemütlich machen, lassen wir die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren. Jeder Moment, jedes Abenteuer, jeder neue Ort – es war eine Reise voller Magie, Überraschungen und unvergesslicher Erlebnisse. Die Aussicht, morgen wieder in ein Flugzeug zu steigen, fühlt sich gleichzeitig aufregend und ein bisschen melancholisch an.
Aber eines ist sicher: diese Reise wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Und während wir uns auf unserem Superstore-Parkplatz für die Nacht einrichten, können wir nur sagen: Danke, Yukon und Alaska, für die Abenteuer, die Freundlichkeit und die pure Schönheit, die ihr uns gezeigt habt.