Der Dempster Highway: Zertifikate, eine Iglu Kirche und zwei Grizzlys

Der Tag beginnt früh, um 6 Uhr. Noch halb verschlafen öffnen wir die Augen, und die Realität trifft uns mit einem kleinen Adrenalinschub: Wir sind am Arctic Ocean! Diese Erkenntnis lässt die Müdigkeit sofort verschwinden, und die Vorfreude übernimmt das Kommando.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, das Stefan liebevoll in unserer kleinen Camperküche zaubert, wagen wir einen Blick nach draußen. Der Morgen graut, aber eine dichte Wolkendecke hat sich über den Himmel gelegt. Majestätisch, rau, aber irgendwie passend zur Arktis, denken wir uns. Die Aussicht mag heute nicht perfekt sein, doch allein die Tatsache, hier zu sein, ist überwältigend. Ich kann es kaum fassen, dass wir es tatsächlich bis hierher geschafft haben – an diesen entlegenen Ort, von dem wir so lange geträumt haben.

Arctic Ocean Sign

Unsere Neugier und Abenteuerlust treiben uns nach draußen. Wir machen uns auf den Weg zum äußersten Ende von „The Point“, dem nördlichsten Punkt von Tuktoyaktuk, wo Land und Meer miteinander verschmelzen. Hier, wo die Wildnis die Zivilisation trifft, wird uns noch bewusster, wie weit wir gereist sind – und wie besonders dieser Moment ist.

Mit einer Mischung aus Aufregung und leichtem Schaudern ziehe ich Schuhe und Socken aus. Der Wind bläst uns kalt ins Gesicht, und mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Dann der Moment: Mein Fuß taucht ins eiskalte Wasser des Arktischen Ozeans. Die Kälte ist schockierend, fast wie ein kleiner elektrischer Schlag, der den ganzen Körper durchfährt, doch die Freude überwiegt. Ich habe es geschafft. 

Stefan, natürlich nicht weniger abenteuerlustig, schließt sich meinem mutigen Vorstoß an und wagt sich ebenfalls ins kalte Nass. Gemeinsam lachen wir über die eisige Herausforderung, und plötzlich fühlen wir uns wie Teil eines exklusiven Clubs: der „Zeh-in-das-saukalte-Meer-Stecker“. Dieses Erlebnis wird nicht nur in Erinnerung bleiben, sondern auch dokumentiert: Das Zertifikat, das uns als Arctic-Dippers ausweist, wird einen Ehrenplatz zu Hause bekommen. Schließlich haben wir uns diese kleine Auszeichnung in jeder Hinsicht verdient!

Das Wasser ist eisig, die Zehen fühlen sich taub an, doch es ist egal. Wir tun es für den Moment, für die Erinnerung – und für dieses kleine Stück Papier, das uns als offizielle Arctic-Dippers auszeichnet. Es ist ein Beweis dafür, dass wir uns hierhergewagt haben, an diesen unwirklichen, entlegenen Ort, und dass wir das Polarmeer nicht nur gesehen, sondern auch gespürt haben.

Als wir wieder aus dem Wasser steigen und die Füße in Handtücher wickeln, fühlen wir uns lebendig wie selten zuvor. Wir haben die Arktis nicht nur erreicht, wir haben sie erlebt – in ihrer ganzen rauen, atemberaubenden Schönheit. Der Tag hat gerade erst begonnen, doch dieser Moment wird schwer zu übertreffen sein. Die Erinnerung daran bleibt für immer.

Downtown Tuktoyaktuk

Nachdem wir einige atemberaubende Fotos geschossen haben, die die raue Schönheit des Arctic Ocean und der Umgebung einfangen, machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Camper. Die Euphorie des Moments lässt uns fast die eisigen Zehen vergessen, während wir unsere Sachen zusammenräumen und uns reisefertig machen. Doch bevor wir dieses abgelegene Fischerdorf, das von seinen Bewohnern liebevoll „Tuk“ genannt wird, endgültig hinter uns lassen, wollen wir noch einen kurzen Blick auf das werfen, was man hier als „Downtown“ bezeichnen könnte.

„Downtown“ Tuktoyaktuk entpuppt sich als faszinierendes Durcheinander, das einen ganz eigenen Charme versprüht. Hier scheint Stadtplanung ein Fremdwort zu sein. Wohnhäuser, Kirchen, Fahrzeuge und sogar Müll verteilen sich wild verstreut zwischen dem Arctic Ocean und kleinen Seen. Es ist eine Szenerie, die gleichzeitig chaotisch und faszinierend ist, ein Spiegelbild der ungezähmten Natur, die dieses Dorf umgibt.

Die Straßen – wenn man sie so nennen will – sind gesäumt von einfachen Holzhäusern, manche bunt gestrichen, andere vom harten Klima gezeichnet. Fischerboote liegen scheinbar wahllos an Land, oft in der Nähe von Schuppen oder direkt vor den Wohnhäusern. Alte Fahrzeuge, die längst aufgegeben wurden, dienen offenbar als Ersatzteillager oder einfach als Teil der Landschaft. Es mag chaotisch wirken, doch es hat etwas Authentisches, etwas, das zeigt, wie eng das Leben hier mit der Umgebung verknüpft ist.

Während wir durch die unebenen Straßen von „Downtown“ tuckern, spüren wir, dass Tuktoyaktuk mehr ist als nur ein Punkt am Ende einer langen Straße. Es ist ein Ort voller Geschichte, Widerstandsfähigkeit und eigenwilligem Charakter. Hier lebt man mit der Natur, nicht gegen sie, und das Chaos erzählt von einem Alltag, der sich den harschen Bedingungen anpasst.

Mit einem letzten Blick auf die verstreuten Häuser, die kleinen Seen und den Arctic Ocean, der wie ein stiller Beobachter alles überragt, verlassen wir Tuk. Ein Ort, den wir nie vergessen werden – chaotisch, rau und absolut einzigartig.

Nach vielen atemberaubenden Fotos, die die einzigartige Atmosphäre von Tuktoyaktuk und dem Arctic Ocean einfangen, kehren wir zurück zu unserem Camper. Die Magie des Ortes liegt noch in der Luft, während wir unsere Sachen zusammenräumen und uns reisefertig machen. Doch bevor wir dieses kleine Dorf am Polarmeer endgültig hinter uns lassen, gönnen wir uns noch einen letzten Abstecher durch „Downtown“ Tuk – oder besser gesagt, das, was diese Bezeichnung hier ausmacht.

Downtown“ Tuktoyaktuk ist ein chaotisches, aber faszinierendes Durcheinander, das den Charakter dieser entlegenen Ortschaft perfekt widerspiegelt. Stadtplanung? Fehlanzeige. Wohnhäuser, einfache Holzkirchen, verrostete Fahrzeuge und alte Fischerboote scheinen willkürlich zwischen kleinen Seen und der Küste des Arctic Ocean verstreut. Auch Müll gehört hier scheinbar zum Straßenbild, doch statt abstoßend zu wirken, erzählt dieses Chaos von einem Leben, das sich den rauen Bedingungen anpasst. Es ist die Unordnung einer Gemeinschaft, die sich mit der Wildnis arrangiert hat, und sie hat einen ganz eigenen Charme.

Schon um 8:30 Uhr sind wir bereit, Tuk den Rücken zu kehren und unsere Reise gen Süden anzutreten. Die Weite der Tuk Plains breitet sich makellos vor uns aus, eine unberührte Landschaft, die uns wieder einmal mit ihrer Rohheit und Einsamkeit beeindruckt. Hier, mitten in der Wildnis der Arktis, wirkt die Stille fast greifbar, nur unterbrochen vom Knirschen der Schotterstraße unter unseren Reifen.

Auf halber Strecke halten wir an, um die imposanten Pingos erneut aus nächster Nähe zu bewundern. Diese einzigartigen geologischen Formationen erheben sich wie Wächter aus der endlosen Tundra und wirken in ihrer Schlichtheit doch spektakulär. Die Kamera klickt, doch wir wollen mehr.

Die Entscheidung fällt schnell: Wir lassen unsere Drohne aufsteigen. Mit einem leisen Summen erhebt sie sich in die Höhe und eröffnet uns einen Blick, der vom Boden aus unmöglich zu erfassen ist. Von oben sehen die Pingos wie kleine Inseln in einem Meer aus Tundra aus, umgeben von unzähligen Schattierungen von Grün, Rostrot und Braun. Die unendliche Weite, die wir schon von unten bewundert haben, wirkt von oben noch beeindruckender. Es ist ein Moment, der uns noch einmal daran erinnert, wie außergewöhnlich und einzigartig diese Region ist.

Mit spektakulären Aufnahmen, die die Welt der Pingos und der Arktis in ihrer ganzen Schönheit einfangen, setzen wir unsere Reise fort. Tuk und die Tuk Plains haben uns wieder einmal gezeigt, dass die schönsten Abenteuer oft dort warten, wo die Zivilisation endet.

Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass das Fliegen einer Drohne in Kanada seit letztem Jahr deutlich kompliziertergeworden ist – vor allem für Touristen. Im Grunde ist es verboten, es sei denn, man beantragt eine Sondergenehmigung. Und genau das hatte ich getan.

Die entsprechende Internetseite war alles andere als einladend: kompliziert, verwirrend und voller juristischer Begriffe. Aber ich ließ mich nicht abschrecken. Ein echter Abenteurer gibt schließlich nicht auf, nur weil es Papierkram gibt. Nach einigem Hin- und Herklicken und dem Ausfüllen mehrerer Online-Formulare passierte etwas, das ich nicht erwartet hatte: Ich bekam eine Antwort von einem echten Menschen!

Inuvik – Tuktoyaktuk Hwy

Sandeep, ein Civil Aviation Safety Inspector, meldete sich per E-Mail bei mir. Seine freundliche, aber detaillierte Nachricht enthielt eine klare Forderung: Er wollte mehr wissen. Warum wollte ich überhaupt mit einer Drohne durch die kanadische Wildnis fliegen? Was war mein Ziel? Und wie plante ich sicherzustellen, dass ich keine Regeln verletze oder die Tierwelt störe?

Die Fragen waren berechtigt, doch sie waren auch eine Erinnerung daran, wie ernsthaft Kanada den Schutz seiner atemberaubenden Landschaften und der sensiblen Ökosysteme nimmt. Mit einer Mischung aus Begeisterung und Respekt schrieb ich zurück, erklärte meine Reisepläne und betonte, dass ich die Drohne vor allem nutzen wollte, um die Einzigartigkeit und Schönheit der Arktis aus der Vogelperspektive einzufangen – ein Projekt, das mir am Herzen lag.

Als Teil meines Antrags auf eine Sondergenehmigung für Drohnenflüge in Kanada schickte ich Sandeep, dem Civil Aviation Safety Inspector, einen Link zu meinem Reiseblog. In meiner E-Mail erklärte ich ihm, dass es mir lediglich darum ging, ein paar Fotos von oben zu machen, die die Schönheit des Yukon und der Northwest Territories für meinen Blog einfangen sollten. Kein wilder Drohnenflug, keine Experimente – nur rauf, fotografieren, runter. Einfach und sicher.

Sandeep schrieb mir überraschend schnell zurück. Eine Genehmigung sei möglich, wenn ich einen Nachweis über meine Flug- und Sicherheitskenntnisse aus meinem Heimatland vorlegen könnte.

Das klang kompliziert, war es aber nicht. Beim „Deutscher Modellflieger Verband e. V.“ konnte ich den erforderlichen Test bequem online absolvieren. 25 Fragen, einfach die richtige Antwort anklicken – ein Kinderspiel. Nachdem ich die Fragen erfolgreich beantwortet hatte, zahlte ich schnell noch 25 € via PayPal, und wenige Minuten später hatte ich meine Bescheinigung als PDF in der Hand.

Einen Tag später landete Sandeeps Antwort in meinem Postfach: „Special Flight Authorization Certificate“ – ich war jetzt offiziell zugelassener Drohnenpilot. Ein kleiner Triumph nach einigem bürokratischem Hin und Her, und ich war bereit, die Drohne in den Himmel zu schicken.

Tuktoyaktuk Highway

Doch das Abenteuer ließ nicht lange auf sich warten. Kaum war die Drohne gestartet, erfasste ein plötzlicher Windstoß das kleine Fluggerät, und es flog – wie vom Teufel getrieben – genau in die entgegengesetzte Richtung, als ich es steuern wollte. Mein Herz setzte aus. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits 1.400 € im Mackenzie absaufen.

In meiner Verzweiflung drückte ich Stefan das Steuerungs-Pad in die Hand und rief: „Mach was!“ Soll er doch Schuld sein, wenn das Ding abstürzt, dachte ich mir. Mit beeindruckender Ruhe übernahm Stefan die Kontrolle, korrigierte die Flugrichtung und brachte die Drohne sanft und unbeschadet zu Boden. Puhhh, das war knapp!

Zur Erinnerung: ICH bin der zertifizierte Drohnenpilot. Nur solange das Fluggerät auch tut, was ich will, versteht sich. Bei Komplikationen gebe ich dann gerne ab. Aber hey, ein guter Captain delegiert schließlich Aufgaben, wenn es brenzlig wird. 😅

Tuktoyaktuk Highway

Auf unserer Fahrt gen Süden begegnen wir immer wieder Straßenbaufahrzeugen, die den Schotter des Highways in Schuss halten. Ein Anblick, der uns daran erinnert, wie frisch und unberechenbar diese Straße ist. Doch jedes Mal, wenn uns eines dieser riesigen Fahrzeuge entgegenkommt, finden wir uns in einer gigantischen Staubwolke wieder. Der feine Sand und Kies wirbelt um unseren Camper herum, und wir blicken mit etwas Sorge durch die Windschutzscheibe. Ein wahrer Meteoritensturm aus kleinen Steinen trifft uns, und wir hoffen inständig, dass das Glas standhält.

Die junge Schotterstraße führt uns durch eine faszinierende Landschaft. Flache Ebenen, durchsetzt mit Seen, begleiten uns für viele Kilometer. Gelegentlich ragt ein Pingo majestätisch in die Höhe, als wolle er uns daran erinnern, wie besonders diese Region ist. Doch bald lassen wir die Seenlandschaft hinter uns und tauchen in eine andere Welt ein: den borealen Nadelwald.

„Wald“ ist hier vielleicht zu viel gesagt, denn die Schwarzfichten wirken eher wie eine Ansammlung krüppeliger, schief wachsender Bäume, die den rauen Bedingungen trotzen. Mystisch und rätselhaft stehen sie in der flachen Landschaft, als seien sie lebendige Zeugen der unwirtlichen Umgebung. Es ist eine Szenerie, die sowohl unheimlich als auch faszinierend ist – ein weiterer Beweis dafür, wie vielfältig die Natur des Nordens sein kann.

„Wald“

Gegen 11:30 Uhr erreichen wir schließlich Inuvik, die charmante Stadt, die uns schon gestern kurz als Mittagspause gedient hatte. Doch diesmal wollen wir mehr Zeit hier verbringen und die Stadt genauer erkunden. Es gibt so viel zu entdecken, und die Vorfreude ist spürbar.

Unser erster Halt führt uns ins Visitor Center. Dort erwartet uns eine freudige Überraschung: Wir bekommen als Arctic-Reisende gleich zwei weitere Urkunden. Diese kleinen, symbolischen Dokumente machen uns stolz und erinnern uns daran, wie weit wir gekommen sind. Die freundliche Mitarbeiterin des Visitor Centers hat noch einen weiteren Tipp für uns: Das Town Office. Dort können wir uns ins Gästebuch der Stadt eintragen – und als Belohnung winken uns zwei Pins der Stadt.

Mit einem Lächeln und einer wachsenden Sammlung an Souvenirs machen wir uns auf, das nächste Abenteuer in Inuvikanzugehen. Diese kleine Stadt hat mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuten würde, und wir sind gespannt, was uns noch erwartet. 

Unser Rundgang durch Inuvik fühlt sich an, als würden wir eine völlig neue Welt entdecken. Diese Stadt ist ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst, denn sie wurde auf gefrorenem Permafrostboden errichtet. Jedes Gebäude steht auf Pfählen, um den Boden nicht aufzutauen und die Stabilität zu bewahren. Wasser- und Kanalisationssysteme verlaufen oberirdisch, und die sogenannten „Utilidors“ – riesige Röhren, die die Gebäude miteinander verbinden – ziehen sich durch die gesamte Stadt. Es ist ein Anblick, der uns zeigt, wie einfallsreich die Menschen hier sein müssen, um der extremen Umgebung zu trotzen.

Die Häuser von Inuvik leuchten in den buntesten Farben, als wollten sie der rauen, eintönigen Landschaft trotzen. Blau, Gelb, Rot – jede Farbe wirkt kräftig und lebendig, als würde sie die langen, dunklen Winter ausgleichen. Dieser Ort ist mehr als nur eine Ansammlung von Gebäuden – er erzählt Geschichten von Anpassung, Kreativität und Entschlossenheit.

Ein besonderes Wahrzeichen der Stadt ist die Our Lady of Victory Catholic Church, besser bekannt als die „Iglu-Kirche.“ Die schneeweiße, igluförmige Architektur hebt sich majestätisch vom Himmel ab und prägt das Stadtbild. Leider sind die Türen verschlossen, aber das hindert uns nicht daran, von außen einige beeindruckende Fotos zu machen. Die Kirche strahlt eine besondere Ruhe aus, und ihre einzigartige Form ist ein weiteres Beispiel für die Kreativität, die in dieser Stadt lebt.

Our Lady of Victory Catholic Church

Nach unserem Rundgang machen sich Hunger und Abenteuerlust bemerkbar, also lassen wir uns gegenüber der Iglu-Kirche im Mackenzie Grill nieder, der Teil des Mackenzie Hotels ist. Die warme, gemütliche Atmosphäre bietet den perfekten Kontrast zur kühlen Frische draußen. Wir bestellen Pasta und Burger, die uns nach der Erkundungstour wie ein kleiner Luxus vorkommen. Mit jedem Bissen steigt die gute Laune, und wir fühlen uns bereit für das nächste Abenteuer.

Kein Besuch in Inuvik wäre komplett ohne einen Abstecher in den North Mart, den Supermarkt der Superlative. Hier gibt es buchstäblich alles: von Milch bis Schneemobilen. Wir staunen nicht nur über das vielseitige Angebot, sondern auch über die Preise. Die Produkte legen lange Wege zurück, um hierher zu gelangen, und das zeigt sich an den Zahlen auf den Preisschildern. Es ist unmöglich, nicht zu schmunzeln – die Preise sind beeindruckend, aber ebenso die Tatsache, dass man hier überhaupt all das kaufen kann.

Gegen 13:30 Uhr verabschieden wir uns schließlich von Inuvik. Unser Ziel? Möglicherweise bis nach Eagle Plains zu fahren. Die Straße ruft, und wir fühlen uns bereit, den nächsten Abschnitt unserer Reise anzutreten. Die Spannung steigt. Werden wir es schaffen? Die Antwort ist ungewiss, doch die Vorfreude und unsere gute Laune begleiten uns. Jeder Kilometer birgt neue Überraschungen, und wir sind bereit, jeden Moment in vollen Zügen zu genießen. Auf ins nächste Abenteuer!

Die Fahrt zur ersten Fähre fühlte sich an, als hätte jemand den Zeitraffer eingeschaltet. Endlos gerade Straßenabschnitte zogen sich durch die Wildnis, und der Horizont schien unerreichbar. Ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer durchströmte uns, während der Motor unseres Campers gleichmäßig brummte. Die Straße war wie ein Band der Unendlichkeit, das uns tiefer in diese magische Landschaft zog.

Ab und zu kam uns ein majestätischer Laster entgegen, der uns jedes Mal mit einer Staubwolke umhüllte – ein flüchtiges, aber irgendwie passendes Symbol für die Ungezähmtheit dieser Region. Doch unsere gute Laune blieb unerschütterlich. Jeder Kilometer fühlte sich wie ein Privileg an, dieses unberührte Land zu erleben.

An der ersten Fähre, der MV Louis Cardinal, angekommen, erwartete uns eine kleine Überraschung: Wir hatten die Fähre ganz für uns allein. Es war, als hätte die Welt angehalten, um uns diesen Moment zu schenken. Der Fluss glitzerte in der Sonne, das Wasser schien fast zu leuchten, während die Fähre sanft über das klare Blau glitt. Es war ein Augenblick der Stille und des Staunens, als ob wir die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis überquerten – ein Übergang in eine andere Welt.

Auch der Weg zur zweiten Fähre verlief ohne Schwierigkeiten. Die Straße führte uns durch eine atemberaubende Landschaft, die mit jeder Kurve neue Überraschungen bereithielt. Dichte Wälder, offene Tundra und ferne Gipfelformten eine Szenerie, die sowohl friedlich als auch wild wirkte.

Unsere Abenteuerlust wuchs mit jedem Kilometer, und die Schönheit der Natur ließ uns immer wieder anhalten, um den Moment einzufangen. Die Wildnis schien unendlich, und wir fühlten uns wie kleine Entdecker in einer Welt, die noch ganz ursprünglich ist.

Die Sonne stand hoch, die Luft war klar, und wir konnten kaum fassen, wie viel Glück wir hatten, diesen einzigartigen Ort zu bereisen. Die Wildnis des Nordens zeigte sich von ihrer besten Seite, und wir ließen uns von der Magie dieses Landes einnehmen. Vorfreude und Glück begleiteten uns, während wir uns auf das nächste Kapitel dieses unglaublichen Abenteuers vorbereiteten. Die Arktis hatte uns voll und ganz in ihren Bann gezogen.

Peel River

Erstaunlicherweise schien sich die Landschaft auf dem Rückweg völlig neu zu präsentieren. Die Straßen, die wir zuvor befahren hatten, enthüllten plötzlich andere Facetten, als hätten sie sich über Nacht verwandelt. Die kanadische Wildnis zeigte uns eine andere Seite ihres Gesichts, und wir konnten gar nicht genug davon bekommen, immer wieder anzuhalten, um atemberaubende Fotos zu machen. Das Wetter blieb unser treuer Begleiter, mit strahlender Sonne und wolkenlosem Himmel, der jede Szenerie noch spektakulärer machte.

Unsere gute Laune war unerschütterlich, und die Vorfreude auf die Abenteuer, die noch vor uns lagen, verlieh uns zusätzlichen Schwung. Die unberührte Wildnis des Yukons war wie ein riesiger Spielplatz für Entdecker, und wir waren bereit, sie bis ins Detail zu genießen.

Kurz nachdem wir die Grenze zum Yukon überquert hatten, entdeckten wir in weiter Entfernung eine majestic Grizzly-Bären. Die Aufregung im Camper war sofort spürbar – unser erster Grizzly! Ich sprang aus dem Fahrzeug, schnappte mir die Kamera und versuchte, den imposanten Bären einzufangen. Zwar war er noch weit entfernt, doch allein ihn in seiner natürlichen Umgebung zu sehen, war ein magischer Moment.

Die Wildnis des Yukon schenkte uns einen unvergesslichen Augenblick. Wir standen da, beobachteten dieses beeindruckende Tier, und fühlten uns plötzlich winzig inmitten dieser gewaltigen Landschaft. Unsere erste Begegnung mit einem Grizzly-Bären wird für immer ein Highlight dieser Reise bleiben.

Grizzly

Als wir den Arctic Circle Parkplatz passierten, erlebten wir eine kleine, humorvolle Déjà-vu-Situation. Dort standen die fünf Wohnmobile der asiatischen Reisegruppe, die wir schon am Arctic Ocean getroffen hatten. Sie waren genauso begeistert und rannten wild auf dem Parkplatz herum, als wollten sie jedes Staubkorn dieser faszinierenden Umgebung festhalten. Wir lächelten uns insgeheim zu – unsere Erinnerungen an den Arctic Ocean waren bereits sicher auf der Kamera, und so konnten wir die Szene entspannt hinter uns lassen.

Doch die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Nur wenige Kilometer weiter entdeckten wir einen weiteren Grizzly-Bären, diesmal direkt neben dem Highway. Ohne zu zögern drehten wir unseren Camper und hielten so, dass wir auf Augenhöhe mit dem Tier waren. Der Bär schien sich nicht im Geringsten an uns zu stören. Gemütlich durchstreifte er das Gras am Straßenrand, während wir aus dem sicheren Camper heraus die Kamera zückten.

Grizzly

Ein unvergesslicher Moment: Diesmal waren die Fotos gestochen scharf, und die Nähe zu diesem beeindruckenden Geschöpf machte den Augenblick noch intensiver. Die Wildnis des Yukons hatte uns ein weiteres Geschenk gemacht,und wir konnten kaum glauben, wie viel Glück wir hatten, zwei Grizzlys an einem Tag zu sehen.

Mit einer wachsenden Sammlung von Erlebnissen und unvergesslichen Bildern setzten wir unsere Reise fort. Die kanadische Wildnis hielt uns weiter in ihrem Bann, und jeder Kilometer versprach neue Abenteuer. Die Wildnis hatte ihre Magie, und wir waren bereit, sie in vollen Zügen zu erleben. 

Ich könnte nicht glücklicher sein! Nur noch 20 Kilometer bis Eagle Plains, und die Dämmerung legt sich langsam über die Wildnis. Es wird Zeit, ein gemütliches Plätzchen für die Nacht zu finden. Unsere Vorfreude steigt mit jedem Kilometer, während die ersten Sterne am Himmel aufblitzen.

Gegen 20 Uhr erreichen wir endlich Eagle Plains, diesen kleinen, aber wichtigen Knotenpunkt am Dempster Highway. Für 20 Dollar buchen wir einen Stellplatz auf dem örtlichen Campingplatz. Die beste Überraschung: Jede Campsite hat eine eigene Firepit! Perfekt, um unsere lang ersehnten Ribeye-Steaks zu grillen. Doch dann der Schock: Wir haben kein Feuerholz dabei.

Zum Glück erweist sich unser Nachbar auf dem Campingplatz als wahrer Retter in der Not. Mit einem breiten Grinsen bietet er uns seinen ganzen Stapel Holz an, den er nicht mehr benötigt. Unser Abendessen ist gerettet, und wir können es kaum erwarten, loszulegen.

Eine halbe Stunde später sitzen wir gemütlich in unserer Mini-Wohnung. Der Duft von gegrilltem Steak erfüllt den Camper, während wir uns mit einem kühlen Bier anstoßen. Es ist ein Moment purer Zufriedenheit, in dem wir die kleinen, aber bedeutenden Triumphe unserer Reise feiern. Wir haben den Dempster Highway bis hierhin bezwungen, ohne eine einzige Reifenpanne – bislang!

Doch trotz aller Freude bleibt uns bewusst: Der Dempster Highway ist kein Spielplatz. Noch liegen 370 Kilometer vor uns, die wir morgen in Angriff nehmen werden. Vorsicht ist besser als Nachsicht, und die Wildnis ist unberechenbar. Doch genau diese Mischung aus Herausforderung und Schönheit macht diesen Roadtrip so besonders.

Für heute Abend gibt es nur eines: den Moment genießen. Die köstlichen Ribeye-Steaks, das knackende Holz in der Firepit und die warme Atmosphäre des Campers versüßen uns den Abend. Ein kleines Stück Glück am Ende eines großen Abenteuers. Morgen geht es weiter, doch heute feiern wir, was wir bereits geschafft haben.

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