Von Wasserfällen, verpassten Mondlandschaften & einem Steak auf der Motorhaube

Ein neuer Morgen bricht an, und die Sonne taucht die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht. Heute steht eine lange Strecke auf der Autobahn bevor, aber die Vorfreude auf den Tag voller Entdeckungen überwiegt jede Müdigkeit. Das Hotel bietet leider kein Frühstück an, doch zum Glück haben wir gestern einen Tipp bekommen: Im nahegelegenen Slick Rock Grill gibt es hervorragendes “Breakfast-to-go”. Also machen wir uns auf den Weg, um uns mit einem typisch amerikanischen Frühstück für den bevorstehenden Tag zu stärken.

Am Grill angekommen, umfängt uns der verlockende Duft von frisch gebratenem Speck, dampfenden Pfannkuchen und frisch gebrühtem Kaffee. Die freundlichen Mitarbeiter begrüßen uns herzlich und empfehlen ihre Spezialitäten. Ohne zu zögern, bestellen wir eine bunte Mischung aus knusprigem Speck, fluffigen Pancakes mit Ahornsirup, frischen Beeren und dampfendem Kaffee – ein typisch amerikanisches Frühstück, das keine Wünsche offenlässt.

Whispering Sands Motel

Während wir auf unser Essen warten, fällt unser Blick auf einen lebensgroßen Pappaufsteller von John Wayne hinter der Bar. Mit seinem Cowboy-Hut und seinem markanten Lächeln scheint er uns direkt in den Wilden Westen zu versetzen. Die Atmosphäre des rustikalen Restaurants, begleitet von leiser Countrymusik, macht diesen Moment fast schon filmreif. Es fühlt sich an, als wären wir direkt in einer Szene aus einem Western gelandet.

Nach kurzer Zeit bringt uns eine freundliche Kellnerin unsere gut verpackten Frühstückstüten. Der köstliche Duft macht es schwer, noch länger zu warten, doch wir entscheiden uns, das Frühstück ins Hotel mitzunehmen, um es dort in aller Ruhe zu genießen. Schließlich ist es nur eine kurze Fahrt zurück, und warme Pancakes schmecken einfach besser als abgekühlte.

Slick Rock Grill

Im Zimmer angekommen, breiten wir unsere kulinarischen Schätze auf dem kleinen Tisch aus. Vor uns liegen fluffige Pancakes, frisch gerösteter Toast, perfekt zubereitete Eier und knuspriger Speck – genau das, was wir brauchen, um in den Tag zu starten. Der erste Bissen ist ein wahres Geschmackserlebnis: Die Pancakes sind mit Ahornsirup durchtränkt, der Toast ist knusprig, und die Eier sind genauso, wie wir sie mögen. Es ist ein Frühstück, das uns für die bevorstehende lange Fahrt bestens vorbereitet.

Nachdem wir alles aufgegessen und den köstlichen Kaffee genossen haben, räumen wir auf, schnappen unsere Sachen und verstauen sie im Auto. Mit einem letzten Blick zurück auf das Motel brechen wir auf. Die Straße ruft, und wir sind bereit, die nächsten Abenteuer zu erleben. Vor uns liegen endlose Meilen, eine beeindruckende Landschaft und das Versprechen eines weiteren ereignisreichen Tages.

Breakfast To Go

Ein neuer Tag voller Abenteuer beginnt, als wir unser Hotel in Hanksville kurz nach acht Uhr verlassen. Heute haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen: den Moon Scape Overlook, ein Aussichtspunkt, der geradezu magisch klingt. Dieser Ort liegt im südlichen San Rafael Swell, entlang des Skyline Rim, einer beeindruckenden Abbruchkante über dem Blue Valley. Schon beim Lesen darüber war mir klar, dass wir diesen Punkt unbedingt sehen müssen.

Unsere Fahrt führt uns auf dem malerischen Highway 24 Richtung Westen, während die ersten Sonnenstrahlen die Wüste in ein warmes, goldenes Licht tauchen. Die Landschaft um uns herum erwacht langsam, und wir spüren die Vorfreude auf die spektakulären Ausblicke, die uns erwarten. Es ist, als ob die Natur selbst uns auf diese Reise einlädt.

Nach etwa 8,5 Meilen endet die asphaltierte Straße, und wir biegen auf eine unbefestigte Piste ab. Vor uns erhebt sich die imposante Factory Butte, ein faszinierendes Naturwunder, das wie ein Monument aus einer anderen Welt wirkt. Von hier aus sind es noch etwa 6 Meilen bis zum Moon Scape Overlook – und die Spannung steigt. Die Erosion hat diese Gegend über Jahrtausende in ein fast surreal anmutendes Terrain verwandelt, das an eine Mondlandschaft erinnert. Wir sind beeindruckt von der skurrilen Topographie und den intensiven Farben der Felsen.

Die erste Strecke auf der unbefestigten Straße ist relativ gut zu fahren, und wir genießen den Blick auf die bizarre Landschaft, die uns umgibt. Doch als wir auf die nächste Abzweigung einbiegen, zeigt sich ein anderes Bild: Felsplatten, lose Steine und tiefe Rillen machen die Strecke zur Herausforderung. Hier ist Vorsicht gefragt, denn die spitzen Steine könnten unseren Reifen ernsthaft zusetzen – ein Risiko, das wir mitten im Nirgendwo nicht eingehen können, vor allem mit noch 1.700 Kilometern bis Seattle vor uns.

Factory Butte

Schweren Herzens treffen wir eine Entscheidung: Wir drehen um. Der Moon Scape Overlook bleibt vorerst unerreichbar, aber wir trösten uns mit dem Gedanken, dass wir bei einer zukünftigen Reise zurückkehren werden, um diesen Ort zu erleben, wie er es verdient. Es ist eine Erinnerung daran, dass nicht immer alles nach Plan verläuft – und genau das macht Reisen so spannend.

Auf dem Rückweg halten wir an, um einige letzte Fotos von der Factory Butte zu machen. Ihre markante Silhouette, die sich dramatisch gegen den Himmel abhebt, fasziniert uns immer wieder. Schließlich kehren wir auf den Highway 24 zurück und nehmen den Weg zurück nach Hanksville, um von dort aus weiter in nördlicher Richtung zu fahren.

Während wir durch die unberührte Landschaft fahren, machen wir immer wieder Halt, um die atemberaubenden Ausblicke festzuhalten. Diese Gegend ist ein Ort voller Kontraste – rau, wild und doch von einer majestätischen Schönheit, die ihresgleichen sucht. Es ist einer dieser Tage, an denen die Straße selbst das Ziel wird, und wir sind dankbar, Teil dieser unglaublichen Szenerie zu sein.

Die Sonne hat uns seit Stunden begleitet und die Landschaft um uns in ein warmes Licht getaucht, während wir scheinbar endlos geradeausfahren. Nach etwa zwei Stunden, in der Nähe der Stadt Helper, erleben wir jedoch eine völlige Wendung: Plötzlich befinden wir uns im tiefsten Winter!

Die Berge um uns herum sind wie mit Puderzucker bestäubt, schneebedeckt und glitzernd, als dicke, flauschige Flocken vom Himmel fallen. Die Straße wird in wenigen Minuten von einer weißen Decke überzogen, und wir fühlen uns, als hätten wir eine unsichtbare Grenze zwischen den Jahreszeiten überschritten. Es ist surreal, fast magisch – eben noch Sommer, jetzt Winter. Das Wetter hier folgt definitiv seinen eigenen Regeln.

Doch genauso schnell, wie der Winter gekommen ist, verschwindet er auch wieder. Der Schneefall hört auf, die Wolken reißen auf, und die strahlende Sonne übernimmt erneut das Kommando. Die nassen Straßen glitzern im Licht, und die Wärme kehrt zurück, als hätte es den kurzen Wintereinbruch nie gegeben.

Wir fahren weiter, immer noch beeindruckt von diesem plötzlichen Wandel. Diese Reise zeigt uns einmal mehr, wie vielfältig und unvorhersehbar die Natur sein kann. Es sind diese Augenblicke, die unsere Reise so besonders machen – voller Überraschungen und Momente, die wir nicht planen können, die uns aber umso mehr in Erinnerung bleiben.

Die Uhr zeigt 12:30 Uhr, als wir an Salt Lake City vorbeifahren. Vor etwas mehr als einer Woche hatten wir das Vergnügen, diese beeindruckende Stadt zu erkunden. Doch heute bleibt keine Zeit für einen Abstecher in die lebendige Innenstadt – unser Ziel liegt weiter im Norden.

Langsam macht sich jedoch der Hunger bemerkbar. Der Großstadtverkehr liegt hinter uns, und wir beschließen, Ausschau nach einem passenden Restaurant zu halten. Gerade als wir die Ausfahrt zur Downtown passieren, leuchtet ein bekanntes Schild auf: Texas Roadhouse. „Stefaaaannnn, fahr raaaauuuus! It’s Steak Time!“ rufe ich voller Vorfreude.

Ohne zu zögern folgt Stefan meiner enthusiastischen Aufforderung, und wir biegen ab. Schon beim Einparken kann ich mir den verlockenden Duft von frisch gegrilltem Fleisch förmlich einbilden. Das Texas Roadhouse verspricht nicht nur ein saftiges Steak, sondern auch diese gemütlich-rustikale, typisch texanische Atmosphäre – genau das, was wir jetzt brauchen.

Mit knurrenden Mägen und Vorfreude auf ein herzhaftes Mittagessen machen wir uns bereit, für eine kurze Pause aus unserem Reisealltag zu treten. Es ist der perfekte Ort, um die Energiespeicher aufzufüllen, bevor wir uns wieder auf den Highway begeben. Ein gutes Steak kann eben jede Fahrt noch besser machen.

Texas Roadhouse Bountiful

Es dauert nicht lange, bis wir die Ausfahrt nehmen, rechts abbiegen und schließlich vor dem Texas Roadhouse stehen. Doch es läuft nicht ganz so, wie wir es sonst von unseren Steakhouse-Besuchen gewohnt sind: Auto parken, ins Restaurant gehen, sich anmelden, vielleicht ein paar Minuten warten… Heute ist alles anders.

Bereits an der Einfahrt zum Parkplatz werden wir von zwei freundlichen jungen Frauen gestoppt. Mit einem Lächeln erklären sie uns, dass das Restaurant aufgrund der COVID-19-Maßnahmen nur „To-Go“-Essen anbietet. „Können wir hier auf dem Parkplatz essen?“ frage ich optimistisch. „Of course,“ kommt die schnelle Antwort, begleitet von einem weiteren Lächeln. Na gut, dann eben so – das Abenteuer Essen unter freiem Himmel kann beginnen.

Wir bekommen einen eigenen Parkplatz zugewiesen, und kurz darauf fühlt es sich fast so an wie immer – nur eben ohne den vertrauten Innenbereich. Ein Kellner kommt direkt zu unserem Auto und nimmt unsere Bestellung auf. Schon wenige Minuten später bringt er uns eine kleine Einstimmung auf das, was kommt: die berühmten Dinner Rolls mit Zimt-Butter.

Die warmen Brötchen sind ein Traum! Die Zimt-Butter schmilzt langsam auf der fluffigen Oberfläche, und jeder Bissen ist purer Genuss. Es mag nicht das gewohnte Restauranterlebnis sein, aber wir lassen uns davon nicht die Laune verderben. Während wir im Auto sitzen und den ersten Hunger stillen, wächst die Vorfreude auf das, was noch kommt: unsere saftigen Steaks. Ein wahrhaft texanisches Festmahl unter freiem Himmel – mal anders, aber nicht weniger lecker. Guten Appetit!

Es ist kaum zu glauben, dass wir vor gerade einmal zwei Stunden noch durch dicke Schneeflocken gefahren sind, denn jetzt genießen wir angenehm warme Temperaturen. Die Sonne strahlt vom Himmel, und wir entscheiden uns erneut, unsere Motorhaube kurzerhand zum Esstisch umzufunktionieren.

Nach kurzer Wartezeit wird unser Essen serviert. Stefan hat sich diesmal für einen Salat mit zarten Steakstreifen entschieden – er war etwas skeptisch, ob man ein Steak mit Plastikbesteck wirklich vernünftig schneiden kann. Ich hingegen bleibe meinem Lieblingsgericht treu und habe ein saftiges Ribeye Steak bestellt.

Das Ergebnis: Die Gerichte vom Texas Roadhouse schmecken auf der Motorhaube genauso fantastisch wie im Restaurant! Zu unserer Überraschung funktioniert sogar das Plastik-Steakmesser erstaunlich gut, und das Ribeye ist perfekt zubereitet – zart, saftig und voller Geschmack. Wir können uns wirklich nicht beschweren.

Satt und zufrieden verstauen wir die leeren Verpackungen im Auto und setzen unsere Reise fort. Die Straße erstreckt sich schnurgerade vor uns, und die endlose Weite der Landschaft wird nur von gelegentlichen Hügeln und vereinzelten Farmen unterbrochen. Während Stefan den Highway entlangfährt, zücke ich mein Handy und beginne, nach möglichen Zwischenstopps zu googeln. Es wäre doch schade, den ganzen Tag nur zu fahren, ohne noch etwas Besonderes zu erleben.

Plötzlich stoße ich auf einen Harley-Davidson-Händler in Twin Falls, der den großartigen Namen “Snake Harley Davidson” trägt. Ein T-Shirt von dort fehlt definitiv noch in unserer Sammlung, denke ich mir – das ist doch eine perfekte Ausrede für einen kurzen Stopp! Also haben wir ein neues Zwischenziel: Twin Falls. Nur noch drei Stunden bis dahin. Die Vorfreude steigt, und unsere Fahrt wird gleich um einiges spannender.

Die Strecke, die wir im Moment befahren, zählt zweifellos zu den monotonsten, die die USA zu bieten haben – wenn nicht sogar zu den eintönigsten des gesamten Kontinents. Das Highlight dieser Etappe? Ein Lastwagen, der den riesigen Flügel eines Windrades transportiert. Doch nachdem er aus unserem Blickfeld verschwunden ist, kehrt die gleichförmige Langeweile zurück.

Reisen bedeutet manchmal auch, solche Abschnitte zu durchqueren – Strecken, die weder mit spektakulären Landschaften noch mit faszinierenden Sehenswürdigkeiten locken. Doch auch das gehört zum Abenteuer dazu. Wir nehmen die Ruhe der scheinbar endlosen Straße in uns auf und freuen uns darauf, dass diese eintönigen Kilometer bald wieder aufregenderen Erlebnissen weichen werden.

Und tatsächlich! Kurz vor Twin Falls führt uns die Straße über den majestätischen Snake River, den wir auf einer beeindruckend hohen Brücke überqueren. Auf der anderen Seite entdecken wir einen Aussichtspunkt, der uns sofort magisch anzieht. Wir parken den Jeep und machen uns auf den Weg zu einer kleinen Aussichtsplattform, die über ein paar Treppen erreichbar ist.

Von dort aus eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf den Snake River Canyon, der sich etwa 350 Fuß (110 Meter) tief unter uns erstreckt. Die Felswände scheinen förmlich in die Tiefe zu stürzen, während der Snake River sich durch das Tal schlängelt. Es ist ein Moment, der uns die endlose, monotone Strecke davor schnell vergessen lässt. Ein kleiner Zwischenstopp mit einer Aussicht, die alle Mühen wert ist.

Hansen Brigde

Die Hansen Bridge, über die wir gerade gefahren sind, hat eine besondere historische Bedeutung. Sie war die erste Brücke, die den Snake River Canyon von Rim zu Rim überspannte, und wurde bereits 1919 fertiggestellt. Ihre Errichtung markierte einen Meilenstein in der Geschichte dieser Region und erleichterte den Transport und Handel erheblich. Doch im Jahr 1966 wurde die ursprüngliche Brücke durch die ersetzt, über die wir heute fahren. Dennoch spürt man hier noch den Zauber vergangener Zeiten, den dieser Ort in sich trägt.

Wir halten inne und lassen die atemberaubende Aussicht auf den Snake River Canyon auf uns wirken. Die steilen Felswände, der glitzernde Fluss tief unten und die Weite dieser Landschaft erinnern uns daran, wie einzigartig solche Orte sind. Es ist genau dieser Mix aus Geschichte und Natur, der unsere Reise so besonders macht.

Zwischenstopps wie dieser sind es, die uns immer wieder daran erinnern, warum wir so gerne unterwegs sind – um die Vielfalt, die Schönheit und die Geschichten solcher Regionen zu entdecken und zu erleben.

Nach unserer erfolgreichen Shoppingtour bei Snake Harley Davidson in Twin Falls – mit einem schicken neuen T-Shirt als stolzer Beweis – fühlen wir uns wie echte Eroberer. Um 16:35 Uhr, genau 25 Minuten vor Ladenschluss, haben wir unseren Triumph eingefahren. “Been there, got the shirt!” sage ich mit einem Grinsen, während wir den Laden verlassen.

Doch auf dem Rückweg zum Highway springt uns ein Schild ins Auge: “Shoshone Falls – 5 Miles”. Hmm, warum nicht? Unsere Beine könnten eine Pause vom Sitzen vertragen, und ein wenig Natur zwischendurch hat noch niemandem geschadet. Außerdem könnten wir ein neues Fotomotiv ergattern – das ist immer ein gutes Argument.

Wir biegen ab und folgen den Hinweisschildern. Die Straße schlängelt sich durch eine eher unscheinbare Landschaft, bis wir schließlich einen kleinen Parkplatz erreichen. Von hier aus führt ein Pfad zu einem Aussichtspunkt, und schon beim Näherkommen hören wir das Rauschen. Was uns erwartet, übertrifft alle Erwartungen.

Tief unten im Tal breiten sich die Shoshone Falls, auch bekannt als das “Niagara des Westens”, in voller Pracht vor uns aus. Das Wasser stürzt über mehrere Kaskaden hinweg in den Snake River, und der Anblick ist schlicht atemberaubend. Der Nebel des Wassers funkelt im Sonnenlicht, während das Donnern der Wassermassen die Szenerie zu einem echten Erlebnis macht.

Ich hole die Kamera hervor, während Stefan einfach nur dasteht und die Aussicht genießt. “Warum wussten wir nichts von diesem Ort?”, frage ich, während ich ein paar Fotos mache. Die Antwort? Weil spontane Abstecher wie dieser oft die besten Überraschungen bereithalten. Die Natur hat uns mal wieder gezeigt, wer der wahre Star ist.

Nach ein paar weiteren Klicks und einem tiefen Atemzug der frischen Luft kehren wir zum Auto zurück. Ungeplante Stopps wie dieser sind der Grund, warum wir Roadtrips lieben. Mit neuen Eindrücken und etwas mehr Energie setzen wir unsere Reise Richtung Norden fort – wer weiß, was uns noch alles erwartet!

Shoshone Falls

Unsere Abenteuerlust ist geweckt – die Shoshone Falls rufen! Entschlossen folgen wir der kurvigen Straße, die sich in Serpentinen den Berg hinunterwindet. Nach ein paar Minuten erreichen wir ein kleines Bezahlhäuschen. Der Eintritt in den Shoshone Park kostet $5, und wir zücken ohne zu zögern unser Portemonnaie. Schließlich ist dieses Naturschauspiel jeden Cent wert.

Weiter geht es, vorbei an saftigen Grünflächen und schattigen Bäumen, bis wir auf einem großzügigen Parkplatz direkt in der Nähe der Wasserfälle ankommen. Hier zeigt sich, dass der Park weit mehr als nur eine Zufahrt zu den Shoshone Falls ist. Die gepflegten Wege und liebevoll angelegten Rasenflächen laden zum Verweilen ein, und überall gibt es Picknicktische für diejenigen, die diesen Anblick länger genießen möchten.

Wir steuern zielstrebig die Aussichtsplattform an, und was uns erwartet, verschlägt uns den Atem. Vor uns stürzt das Wasser in mehreren Kaskaden tosend in die Tiefe. Die Shoshone Falls, oft als “Niagara des Westens” bezeichnet, machen ihrem Namen alle Ehre. Obwohl sie weniger berühmt sind, beeindrucken sie durch ihre Höhe – tatsächlich sind sie ein paar Meter höher als die Niagara Falls, auch wenn sie nicht ganz so breit sind.

Eine sanfte Gischt weht uns entgegen und sorgt bei der warmen Nachmittagssonne für eine erfrischende Abkühlung. Wir verweilen und lassen uns von der Kraft des Wassers und der schieren Größe der Felswände beeindrucken. Ein kurzer Blick in die Broschüre, die wir am Eingang erhalten haben, liefert uns interessante Fakten. Dieser Ort hat nicht nur landschaftlich, sondern auch geschichtlich eine bedeutende Rolle gespielt.

Hier unten, inmitten der tosenden Wasserfälle und der idyllischen Parklandschaft, fühlen wir uns winzig und dennoch unglaublich lebendig. Es sind diese Momente, die eine Reise unvergesslich machen – und die Shoshone Falls haben uns gerade wieder daran erinnert, warum wir unterwegs sind. Ein kleines Highlight, das mit Sicherheit lange in unserer Erinnerung bleiben wird.

Perrine Bridge

Die Fahrt führt uns weiter zur beeindruckenden Perrine Bridge, die sich im Norden von Twin Falls majestätisch über den Snake River spannt. Mit einer Höhe von 148 Metern und einer Länge von 303 Metern gehört sie zu den höchsten Bogenbrücken in Nordamerika und ist die viert höchste ihrer Art. Doch diese Brücke ist nicht nur ein technisches Meisterwerk – sie hat auch eine Besonderheit, die sie von vielen anderen abhebt: Hier darf man legal Basejumpingbetreiben! Leider bleibt uns heute der Anblick waghalsiger Springer verwehrt. Es wäre sicher spektakulär gewesen, ihnen beim freien Fall in die Schlucht zuzusehen.

Die Umgebung der Perrine Bridge ist ebenso beeindruckend wie die Brücke selbst. Der Snake River, der sich tief unter uns durch den Canyon schlängelt, bietet ein malerisches Panorama, das uns fast vergessen lässt, wie sehr uns die Zeit drängt. Ein Gedanke keimt auf: Hierher sollten wir irgendwann mit mehr Zeit zurückkehren. Aber – typisch für diese Gegend – es ist so abgelegen, dass dieser Plan wohl länger in der Schublade bleiben wird.

Nach dem Zwischenstopp folgen wir weiter der Interstate, die uns durch die weiten Ebenen Idahos führt. Zwei Stunden später, um Punkt 20:00 Uhr, erreichen wir schließlich Boise, die Hauptstadt des Bundesstaates. Und was macht man in einer Hauptstadt, auch wenn die Zeit knapp ist? Natürlich einen Abstecher zum State Capitol! Der majestätische Bau mit seiner markanten Kuppel ist ein echter Hingucker und verleiht der Stadt ihren besonderen Charakter.

Boise empfängt uns mit der typischen Ruhe einer amerikanischen Hauptstadt – nicht hektisch, sondern charmant und entspannt. Ein kurzer Fotostopp vor dem Capitol ist Pflicht, bevor wir uns auf die Suche nach unserer Unterkunft machen. 

Das Idaho State Capitol dominiert stolz das Zentrum von Boise und erstreckt sich über zwei komplette Straßenblocks. Wie viele andere State Capitols erinnert auch dieses prächtige Gebäude mit seiner imposanten Architektur stark an das Capitol in Washington, D.C. Die hohe, majestätische Kuppel und die klassische Bauweise aus Marmor und Sandsteinverleihen ihm eine erhabene Eleganz, die sofort ins Auge fällt.

Besonders beeindruckend ist die Nachbildung der Liberty Bell, die direkt vor dem Haupteingang des Capitols steht. Sie symbolisiert Freiheit und Demokratie und verleiht diesem Ort eine zusätzliche historische Bedeutung.

Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages und nehmen uns Zeit, das Capitol aus verschiedenen Blickwinkeln zu bewundern und zu fotografieren. Die gepflegte Innenstadt von Boise, die sich in der sanften Abenddämmerung von ihrer besten Seite zeigt, rundet den Moment perfekt ab.

Mit der Kamera voller Bilder und den Köpfen voller Eindrücke machen wir uns schließlich auf den Weg zum Hotel. Der Tag war erfüllt von unerwarteten Abenteuern und atemberaubenden Landschaften, die uns einmal mehr gezeigt haben, wie vielfältig und faszinierend dieses Land ist. Es war ein Tag, der uns mit unvergesslichen Erlebnissen bereichert hat – ein perfekter Abschluss einer weiteren Etappe unserer Reise.

Idaho State Capitol
Idaho State Capitol

Nach einem ereignisreichen Tag voller beeindruckender Erlebnisse checken wir schließlich im Hotel ein. Beim Einchecken erfahren wir, dass es aufgrund der COVID-19-Pandemie kein Frühstücksbuffet gibt. Schade, denn ein gutes Frühstücksbuffet ist für uns immer der perfekte Start in den Tag. Doch die Hotelmitarbeiter haben sich Mühe gegeben, eine Alternative zu bieten: Jede*r Gast erhält eine Papiertüte mit frischem Obst, abgepacktem Gebäck und einem Früchteriegel. Es ist vielleicht kein üppiges Buffet, aber dennoch eine nette Geste, die zeigt, dass sie sich trotz der besonderen Umstände um uns kümmern.

Während wir die kleine Enttäuschung über das Frühstück verdauen, gibt es auch eine positive Überraschung: Statt des ursprünglich gebuchten kleinen Einzelzimmers erhalten wir ein größeres Zweibettzimmer mit Blick auf den Fluss. “Not too bad…”, denken wir, und die Aussicht auf den sanft dahinfließenden Fluss lässt uns den Tag entspannt ausklingen.

Manchmal finden sich selbst in scheinbar negativen Situationen positive Überraschungen, und dieser unerwartete Zimmerwechsel war definitiv eine davon. Mit einem zufriedenen Lächeln machen wir es uns in unserem komfortablen Zimmer gemütlich und blicken voller Vorfreude auf die nächsten Abenteuer, die uns erwarten.

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