
Der Spider Rock, ein Sombrero und fanatische Aussichten am Mullen Point
“Der Weg ist das Ziel.”
Mit strahlendem Sonnenschein und bester Laune starten wir in den Tag, bereit für neue Abenteuer. Doch bevor wir uns auf den Weg machen, ruft natürlich erst das Frühstück. Schon auf den ersten Kilometern entdecken wir ein großes Denny’s-Schild an der Interstate – verlockend wie immer. Aber angesichts der unvorhersehbaren Corona-Regeln sind wir unsicher, ob sie mittlerweile auch nur noch Takeaway-Essen anbieten. Also behalten wir eine kleine Sicherheitsstrategie im Hinterkopf: den Zimmerschlüssel. So könnten wir das Frühstück im schlimmsten Fall mitnehmen und in unserem gemütlichen, wenn auch kleinen, Hotelzimmer genießen, anstatt es im Auto zu verschlingen.
Glücklicherweise werden wir positiv überrascht. Denny’s hat geöffnet, und das Frühstück wird sogar am Tisch serviert. Die Abstände zwischen den Tischen werden gewissenhaft eingehalten, und es gibt nur wenige Gäste – für uns ein Segen. Wir bestellen unsere Klassiker: Stefan entscheidet sich für den “Grand Slam”, eine herzhafte Kombination aus Eiern, Speck, Pancakes und Hash Browns, während ich mich für ein Omelett mit frischen Zutaten entscheide, das mich bereits beim Anblick begeistert.



Das Frühstück ist ein Genuss, und wir nehmen uns Zeit, bevor wir uns wieder auf die Straße begeben. Mit vollgeschlagenen Bäuchen und bester Laune, gestärkt von einem köstlichen Santa Fe Skillet und Double Berry Banana Pancakes, starten wir in den Tag. Doch bevor es richtig losgeht, kehren wir noch einmal kurz zum Motel zurück, um den Schlüssel abzugeben. Dabei entdecken wir riesige Dinosaurierstatuen, die hier anscheinend zum Verkauf stehen – ein perfektes Fotomotiv, das wir uns nicht entgehen lassen. 🦖📸
Es ist 8 Uhr, und wir sind hervorragend in der Zeit. Unsere Route führt uns zu einem weiteren Highlight: dem beeindruckenden Canyon de Chelly. Doch bevor wir dort ankommen, planen wir ein paar Fotostopps, um die Route 66 in ihrer ganzen Pracht zu würdigen. Heute haben wir uns vorgenommen, 700 km näher an Seattle heranzukommen. Die Strecke verspricht nicht nur landschaftlich beeindruckend zu werden, sondern auch jede Menge Abenteuer zu bieten – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.


Heute planen wir, 700 km näher an Seattle heranzukommen, und unsere Route verspricht jede Menge landschaftliche Highlights. Wenn das Wetter mitspielt, könnte dieser Tag einfach fantastisch werden. Leider müssen wir jedoch gleich zu Beginn eine kleine Änderung vornehmen, da die Durchfahrt durch den Petrified Forest aufgrund von Straßenbauarbeiten gesperrt ist. Kein Grund zur Entmutigung – stattdessen nehmen wir den Highway 77 und lassen uns von der weiten, unberührten Landschaft verzaubern.
Die Fahrt führt uns durch Berge und Täler, und an einigen Aussichtspunkten halten wir an, um die beeindruckende Weite zu genießen. Wir erreichen schließlich die Abfahrt zum Highway 191 und setzen unsere Reise in Richtung Chinle fort. Doch hier kommt der erste Dämpfer des Tages: Eine Baustelle zwingt uns zum Anhalten. Ein Bauarbeiter, offensichtlich ein Angehöriger der Native Americans, beugt sich durch unser offenes Fenster und warnt uns mit unfreundlichem Ton: “Ihr braucht hier nicht weiterzufahren. Alles ist geschlossen. Ihr könnt gleich umkehren.”

Diese Nachricht trifft uns wie ein Schlag. Ich hatte mich so auf den Canyon de Chelly gefreut. Schon einmal waren wir hier und waren überwältigt von der Schönheit dieses Ortes. Nun, da wir endlich zurückkehren wollten, schien dieser Plan ins Wasser zu fallen.
Doch Aufgeben ist nicht unsere Art. Da ein Wenden an der Baustelle ohnehin nicht möglich ist, fahren wir einfach weiter. Und tatsächlich – das Besucherzentrum ist geschlossen, doch unser eigentliches Ziel war ohnehin nicht der Besucherbereich. Wir entscheiden uns, den South Rim Drive zu nehmen, der uns entlang des Canyon de Chelly führt.
Der Canyon, der sich im Gebiet der Navajo Nation befindet, umfasst die beiden spektakulären Schluchten Canyon de Chelly und Canyon del Muerto. Zwei Straßen, der North Rim Drive und der South Rim Drive, schlängeln sich entlang dieser tiefen, majestätischen Schluchten. Wir folgen dem South Rim Drive bis zum Spider Rock Trailhead – und siehe da, der Trailhead ist geöffnet!
Wir schnüren unsere Wanderschuhe und machen uns auf den Weg, um die atemberaubende Schönheit des Canyons zu erkunden. Der Tag hat sich vielleicht nicht so entwickelt, wie wir es geplant hatten, aber genau das macht das Reisen ja so besonders: die unerwarteten Momente, die oft die schönsten Geschichten schreiben.

Nach etwa 200 Metern erreichen wir die atemberaubende Abbruchkante des Canyon de Chelly, und sofort bleibt uns der Atem stehen. Vor uns öffnet sich die beeindruckende Tiefe der Schlucht, die sich bis zu 300 Meter unter uns erstreckt. Es ist ein Anblick, der uns für einen Moment alles um uns herum vergessen lässt.
Inmitten dieses Naturwunders erhebt sich der Spider Rock – eine der markantesten Felsformationen des Canyons. Zwei schlanke Felsnadeln, die etwa 240 Meter in den Himmel ragen, stehen wie Wächter der Zeit. Es ist unmöglich, sich ihrer Magie zu entziehen. Die reiche Mythologie der Navajo verleiht dem Anblick zusätzliche Bedeutung: Die Spitzen des Spider Rock gelten als das Zuhause der Heiligen Spinnenfrau. Sie lehrte einst die Navajo das Spinnen und Weben, Fertigkeiten, die für ihr Überleben in dieser rauen, aber wunderschönen Region unerlässlich waren.
Der Canyon selbst zeigt sich in seiner ganzen Pracht. Die Farben der steilen Felswände, die von warmem Rot bis hin zu kühlen, schattigen Tönen reichen, kontrastieren mit den grünen Bäumen und dem glitzernden Fluss am Boden des Canyons. Es ist ein stilles Meisterwerk der Natur, und das Beste daran: Wir haben diesen magischen Ort ganz für uns allein. Kein anderer Mensch ist zu sehen, und wir können die Szenerie in völliger Ruhe und Gelassenheit genießen.
Auf dem Rückweg beschließen wir, das zu tun, was wir bei unserer ersten Fahrt durch den Canyon ausgelassen haben: Wir halten an einigen der Aussichtspunkte entlang des South Rim Drives an. Jeder einzelne bietet eine neue Perspektive, neue Details, neue Wunder. Wir nennen es unser persönliches „Viewpoint-Hopping“ und lassen uns von den immer wieder wechselnden Ausblicken in den Bann ziehen.
Nachdem wir sicher sind, dass wir alles gesehen haben, was der Canyon de Chelly uns zu bieten hatte, setzen wir unsere Reise fort. Der Tag ist noch lange nicht zu Ende, und es liegen noch einige Meilen voller Abenteuer vor uns.
BILDERGALERIE: Canyon De Chelly
Das Zurücklegen großer Entfernungen gehört für uns längst zur Routine. In einem Land so groß wie den USA ist das schlicht unvermeidlich, wenn man möglichst viel erleben möchte. Doch das stört uns keineswegs, denn auf den Highways Amerikas unterwegs zu sein, ist ein Erlebnis für sich – besonders, wenn die Landschaft so atemberaubend ist wie hier. Mit einer perfekt abgestimmten Playlist im Auto wird jede Strecke zu einem kleinen Abenteuer und jede Meile zu purer Freude.
Wir starten unsere Fahrt auf dem Highway 191 in nördlicher Richtung. Nach etwa 16 Meilen wechseln wir auf den Highway 69 und lassen uns von der Weite der Landschaft mit ihren kargen Ebenen, roten Felsen und dem strahlend blauen Himmel verzaubern. Nach gut 80 Meilen erreichen wir Kayenta – genau rechtzeitig zur Mittagszeit. Wie schon so oft zuvor kehren wir im Amiga Café ein, einem kleinen Restaurant, das sich auf mexikanische und Navajo-Küche spezialisiert hat. Von außen wirkt es unscheinbar, fast wie ein Geheimtipp, doch die Küche hat uns bisher nie enttäuscht.
Derzeit wird hier allerdings nur Takeaway angeboten, was wir mittlerweile gewohnt sind. Wir treten ins Restaurant und geben unsere Bestellung auf: Stefan entscheidet sich für einen Cheeseburger, während ich zum Navajo Burger greife. Die Wartezeit überbrücken wir im Auto, und schon nach kurzer Zeit bringt uns ein freundlicher Mitarbeiter die dampfenden Papiertüten direkt ans Fenster. Mein Navajo Burger ist ein echtes Highlight. Die fluffigen, handgefertigten Fladenbrote, die typisch für die Navajo-Küche sind, verleihen dem Burger eine ganz besondere Note. Er ist so groß, dass ich am Ende pappsatt bin – aber glücklich.



Nach dieser gelungenen Stärkung setzen wir unsere Reise auf dem berühmten Highway 163 fort. Diese Straße, die sich majestätisch durch die Wüstenlandschaft schlängelt, ist weltbekannt für ihre spektakulären Ausblicke. Der Weg führt uns direkt am Monument Valley vorbei, einem Ort, der seit Jahrzehnten Reisende und Filmemacher aus aller Welt inspiriert.
Eigentlich hatten wir geplant, im View Hotel, mitten im Tribal Park, zu übernachten – eine Unterkunft, die für ihren unvergleichlichen Blick auf die Felsformationen berühmt ist. Doch COVID-19 hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, und unsere Reservierung wurde storniert. Jetzt bleibt uns nur der Blick von der Straße aus, aber auch dieser raubt uns den Atem.
Das Monument Valley ist ein wahrer Mythos. Schon John Wayne ritt hier durch die filmreifen Kulissen, und auch Forrest Gump machte diesen Ort unsterblich. Für uns ist es bereits der vierte Besuch, und dennoch zieht uns die unvergleichliche Schönheit dieser Landschaft wieder und wieder in ihren Bann.
Wir nehmen uns die Zeit, an jeder Parkbucht und jedem Aussichtspunkt entlang des Highways zu stoppen. Jeder Blickwinkel bietet eine neue Perspektive auf die imposanten Felsformationen, die wie riesige Naturmonumente in die Höhe ragen. Es fühlt sich an, als hätte die Erde hier etwas Ewiges hinterlassen, ein Zeugnis ihrer Kraft und Schönheit. Natürlich machen wir eine Menge Fotos – wie könnte man es nicht? Doch keine Linse kann die Magie dieses Ortes wirklich einfangen. Es ist ein Erlebnis, das man einfach selbst spüren muss.
BILDERGALERIE: Monument Valley
Doch unser (vorerst) letzter Fotostopp hat etwas ganz Besonderes an sich. Wir halten am Mexican Hat, einer markanten, abgelegenen Felsformation, die wie ein riesiger, steinerner Sombrero in der kargen Landschaft thront. Der Anblick ist einfach faszinierend – die perfekt ausbalancierte Form wirkt fast surreal, als hätte jemand diesen Felsen dort oben mit höchster Präzision platziert.
Umgeben von der unendlichen Weite der Wüste hat dieser Ort eine besondere Magie, die uns für einen Moment innehalten lässt. Es herrscht eine fast greifbare Stille, die nur vom leichten Rauschen des Windes durchbrochen wird. Wir steigen aus, um uns die Formation genauer anzusehen. Von Nahem wirkt sie noch beeindruckender, und es ist schwer vorstellbar, dass diese skurrile Struktur allein durch die Kräfte der Natur entstanden ist.
Natürlich dürfen auch hier ein paar Fotos nicht fehlen. Stefan hat die Kamera fest im Griff und versucht, den perfekten Winkel einzufangen, während ich staune, wie der Felsen aus jedem Blickwinkel anders wirkt. Der Mexican Hat ist ein wahres Kleinod der Natur und erinnert uns einmal mehr daran, wie vielfältig und überraschend diese Reise ist. Mit jedem Stopp auf der Route 163 wächst unser Respekt vor der Schönheit der Erde – und unsere Sammlung an atemberaubenden Erinnerungen.

Es ist inzwischen 16:30 Uhr, und trotzdem liegt noch eine beträchtliche Strecke vor uns. Aber genau das macht doch den Reiz aus, oder? Der Weg ist schließlich das Ziel, und auf uns wartet eine der spannendsten Straßenabschnitte der Region.
Drei Meilen weiter biegen wir auf die State Route 261 ab. Nach etwa 8 Meilen scheint es plötzlich, als würde die Straße direkt vor einer massiven Felswand enden. Für einen kurzen Moment fragen wir uns, ob wir uns verfahren haben – doch dann entdecken wir die Hinweisschilder. Sie warnen davor, dass die Straße ab hier unbefestigt und steil wird. Das klingt nach Abenteuer pur, und genau das suchen wir doch!
Vor uns liegt der legendäre Moki Dugway, eine 5,4 Kilometer lange, spektakuläre Serpentinenstraße, die sich wagemutig den steilen Anstieg hinauf auf die Cedar Mesa schlängelt. Diese Straße ist nichts für schwache Nerven – und genau das macht sie so faszinierend.


Der Name “Moki Dugway” hat seinen Ursprung im Begriff “Moki”, einer historischen Bezeichnung für die Pueblo-Indianer, die in dieser Region lebten. “Dugway” hingegen beschreibt die Bauweise: Die Straße wurde buchstäblich in den Fels gehauen, um den steilen Anstieg zu meistern. Der Moki Dugway ist ein absolutes Meisterwerk des Straßenbaus – und ein Traum für jeden Abenteurer.
Als wir uns auf den holprigen, staubigen Weg wagen, steigt die Spannung. Die Reifen knirschen auf dem groben Untergrund, und wir arbeiten uns Kurve um Kurve die steile Strecke hinauf. Der Blick aus dem Fenster ist atemberaubend: Auf der einen Seite eröffnet sich ein fantastischer Ausblick auf das Valley of the Gods, während sich auf der anderen Seite eine senkrechte Felswand erhebt. Leitplanken? Fehlanzeige! Hier ist volle Konzentration gefragt.

Die engen Kurven und der steile Anstieg sorgen für eine ordentliche Portion Adrenalin, doch der Nervenkitzel wird durch die unglaublichen Aussichten mehr als wettgemacht. Wir stoppen immer wieder, um die Szenerie zu genießen und Fotos zu machen. Der Moki Dugway bietet eine unvergleichliche Mischung aus Abenteuer, Geschichte und Naturwunder – ein wahres Highlight unserer Reise.
Obwohl dies bereits unser drittes Mal auf dem Moki Dugway ist, fühlt es sich immer noch genauso aufregend an wie beim ersten Mal. Jede Kurve, jeder Blick auf die weite, unberührte Landschaft erinnert uns daran, warum wir so gerne unterwegs sind. Abenteuer wie dieses sind es, die Reisen unvergesslich machen.
BILDERGALERIE: Moki Dugway & Mukey Point
Oben angekommen, können wir es kaum fassen: Die Stichstraße zum Muley Point ist tatsächlich geöffnet! Dieses Glück hatten wir bisher noch nie. Doch heute scheint unser Tag zu sein – nicht nur ist die Zufahrt offen, sondern das Wetter könnte besser nicht sein. Strahlend blauer Himmel, eine sanfte Brise und eine klare Sicht versprechen ein Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen werden.
Ohne zu zögern, biegen wir auf die etwa 8 Kilometer lange Stichstraße ab. Die Strecke führt uns schnurgerade über das Hochplateau der Cedar Mesa. Die Straße ist überraschend breit und – für eine unbefestigte Strecke – in recht gutem Zustand. Wir stauben zwar ordentlich vor uns hin, aber das gehört hier einfach dazu. Mit jedem Kilometer steigt unsere Vorfreude, denn wir wissen, dass uns am Ende der Straße ein atemberaubender Ausblick erwartet.
Die Landschaft um uns herum ist schlichtweg grandios. Karge Felsen, tiefrote Erde und hin und wieder kleine Büsche, die dem Wind trotzen, schaffen eine Atmosphäre, die uns komplett in ihren Bann zieht. Je weiter wir fahren, desto mehr wird uns bewusst, wie besonders dieser Moment ist. Es fühlt sich an, als wären wir in einer ganz anderen Welt unterwegs – abseits von allem Trubel, nur wir und die unendliche Weite der Natur.

Die Fahrt zum Muley Point verläuft weitgehend reibungslos. Erst auf den letzten Metern machen uns kleinere Felsplatten und lockere Steine das Leben etwas schwerer, aber unser Jeep meistert das Gelände mühelos. Mit jedem Ruckeln steigt die Spannung, und dann, plötzlich, öffnet sich vor uns ein Panorama, das uns den Atem raubt.
Am Muley Point angekommen, stehen wir an einem der beeindruckendsten Aussichtspunkte des Südwestens. Vor uns erstreckt sich die zerklüftete Landschaft der Goosenecks, wo sich der San Juan River in tiefen Schleifen durch das Gestein windet. Die grauen, schroffen Felsen scheinen Geschichten von Millionen Jahren zu erzählen. Am Horizont erkennen wir die vertrauten Silhouetten des Monument Valley, das mit seinen bizarren Felsformationen wie ein Relikt aus einer anderen Welt wirkt.
Doch das Beste kommt erst noch: Wir fahren ein kleines Stück weiter zu einem zweiten Aussichtspunkt, der noch einmal alles übertrifft. Von hier aus können wir nicht nur die Goosenecks und das Monument Valley bewundern, sondern auch die Navajo Mountains, die majestätischen Henry Mountains, die Abajo Mountains und die Ute Mountains. Es ist ein 360-Grad-Ausblick, der die Weite und Vielfalt dieser Region in einer einzigen Szene einfängt. Die Details sind so klar, dass man fast glaubt, die Zeit sei stehen geblieben, um diesen Moment perfekt zu machen.
Es ist schwer, sich von dieser grandiosen Aussicht zu lösen. Die Stille hier oben, nur unterbrochen vom Wind, lässt die Landschaft noch eindrucksvoller wirken. Wir machen unzählige Fotos, aber die Magie dieses Ortes lässt sich kaum in Bildern festhalten.
Nach einer Weile müssen wir uns losreißen. Uns bleibt keine Wahl, denn noch 125 Meilen, knapp 200 Kilometer, trennen uns von unserem Ziel. Mit einem letzten Blick zurück steigen wir in den Jeep und machen uns wieder auf den Weg. Die Erinnerungen an diesen Ort nehmen wir jedoch für immer mit – und sie werden uns auf den kommenden Kilometern begleiten.
BILDERGALERIE: Highway 95, Utah
Nach 30 Meilen erreichen wir schließlich den Highway 95, der uns weiter nach Norden führt. Bald darauf passieren wir das Natural Bridges National Monument. Ein kurzer Abstecher auf den Bridge View Drive wäre verlockend, denn die Aussicht auf die beeindruckenden natürlichen Steinbögen gehört zu den Highlights dieser Region. Doch leider reicht die Zeit heute nicht aus. Stattdessen ziehen die Gedanken an uns vorbei: Wir müssen diese Reise bald wiederholen – so, wie sie ursprünglich geplant war. Mit mehr Zeit, weniger Hektik und vielleicht einigen kleinen Anpassungen an unserer Route, um noch intensiver in diese atemberaubende Gegend einzutauchen.
Eines ist sicher: Die Nacht im Monument Valley steht ganz oben auf unserer Liste für das nächste Mal. Es gibt Orte, die man erleben muss – nicht nur sehen.
Nach weiteren 50 Meilen erreichen wir die Hite Crossing Bridge. Diese elegante Brücke spannt sich über den Colorado River und bietet einen faszinierenden Anblick, der perfekt in die dramatische Kulisse der Canyonlandschaft eingebettet ist. Kurz nach der Brücke nehmen wir die kleine Abzweigung zum Hite Overlook.
Der Hite Overlook mag im Vergleich zu den Giganten wie dem Muley Point oder dem Monument Valley vielleicht unscheinbarer wirken, aber er hat seinen ganz eigenen Charme. Von hier aus erstreckt sich ein weiter Blick über den Lake Powell, der in der Abendsonne schimmert, die Hite Marina – inzwischen fast verlassen – und natürlich den majestätischen Colorado River, der sich durch die Landschaft schlängelt. Der Anblick ist ruhig und erhaben, fast meditativ.
Wir steigen aus, atmen tief durch und genießen die friedliche Atmosphäre. Es ist einer dieser Momente, in denen die Zeit stehen bleibt und man die Ehrfurcht vor der gewaltigen Schönheit der Natur spürt. Die weiten Landschaften, die schroffen Felsen und das leise Plätschern des Flusses – all das erinnert uns daran, warum wir uns immer wieder auf solche Abenteuer einlassen.
Nach einer kurzen Pause steigen wir wieder in den Jeep. Vor uns liegt noch ein langer Weg, doch der Hite Overlook hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Und während wir uns wieder auf die Straße begeben, fühlen wir uns gestärkt – bereit für die nächsten Kilometer und all die Wunder, die noch auf uns warten.
Knapp eine Stunde später erreichen wir Hanksville, einen winzigen Ort mitten in der Einsamkeit Utahs. Die Auswahl an Restaurants und Hotels ist hier eher überschaubar, um es freundlich auszudrücken. Umso erleichterter sind wir, als wir das leuchtende “VACANCY”-Schild am Whispering Sands Motel entdecken. Das kennen wir schon – ein kleiner Lichtblick in dieser abgelegenen Gegend.
Ich gehe in die kleine Lobby, wo mich eine freundliche Dame an der Rezeption empfängt. Der Preis für die Nacht: stolze 95 US-Dollar. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber die Alternative, im Dunkeln noch weiterzufahren, ist wenig verlockend. Also greifen wir zu. Nach einem kurzen Plausch erhalte ich den Schlüssel für ein Zimmer im Hauptgebäude. Zweistöckig, schlicht, aber irgendwie charmant – genau das, was wir jetzt brauchen.
Essen? Nein, danke! Die riesigen Burger aus dem Amigo Cafe sitzen uns immer noch schwer im Magen. Es scheint, als hätten wir für heute genug Kalorien gesammelt, um locker bis zum Frühstück durchzuhalten. Stattdessen freuen wir uns darauf, die Beine hochzulegen und diesen ereignisreichen Tag Revue passieren zu lassen.



Was für ein Tag das war! Der atemberaubende Canyon de Chelly, die majestätischen Formationen des Monument Valley, der Adrenalin-Kick auf dem Moki Dugway und die spektakuläre Aussicht vom Muley Point – jeder einzelne Moment war ein Highlight für sich. Einfach WOW!
Heute sind wir auf unserer Reise Richtung Seattle ganze 716 Kilometer vorangekommen. Die verbleibenden “knapp” 1.700 Kilometer wirken da fast schon überschaubar. Mit drei verbleibenden Tagen haben wir mehr als genug Zeit, um diese Strecke entspannt zu bewältigen. Keine Eile, keine Hektik – genau so, wie es sein sollte.
Jetzt aber ab ins Bett, denn morgen wartet die nächste Etappe auf uns. Und wer weiß, welche Abenteuer uns noch bevorstehen!