
Ein Tag voller Abenteuer: Von Salzpfannen bis zum Premium-Sonnenuntergang
Um 5 Uhr morgens kämpft sich das erste fahle Licht durch die Vorhänge unseres Hotelzimmers, und obwohl mein Körper eigentlich nach ein paar Stunden mehr Schlaf schreit, bin ich hellwach. Jetlag sei Dank! Aber hey, wer braucht schon viel Schlaf, wenn ein neues Abenteuer auf einen wartet?
Die Geheimwaffe gegen diese viel zu frühe Wachheit? Ein Frühstück bei Denny’s. Glücklicherweise liegt dieses kulinarische Paradies direkt gegenüber von unserem Hotel, und um 5:30 Uhr sitzen wir schon am Tisch, bereit für den ultimativen Start in den Tag.
Mein persönliches Highlight auf der Speisekarte ist das Double Berry Banana Pancake Breakfast, ein Fest für die Sinne und den Magen. Zwei fluffige Pancakes türmen sich auf meinem Teller, gekrönt von Sahne, Früchten und – natürlich – einer großzügigen Portion Ahornsirup. Dazu gibt’s knusprige Hashbrowns, würzigen Speck und goldgelbe Spiegeleier. Süß, herzhaft, einfach perfekt – ein Frühstück, das mich schon beim ersten Bissen in den siebten kulinarischen Himmel katapultiert.
Stefan bleibt seiner Tradition treu und bestellt das Santa Fe Skillet, eine herzhafte “Bauernpfanne”, die in Deutschland wohl eher als Mittag- oder Abendessen durchgehen würde. Bratkartoffeln, würziges Hackfleisch, frisches Gemüse, alles getoppt mit zwei perfekt gebratenen Spiegeleiern – klingt vielleicht ungewöhnlich für die erste Mahlzeit des Tages, aber für Stefan ist es genau das Richtige. Und wer sagt denn, dass Frühstück nicht auch herzhaft sein darf?
Nach diesem opulenten Festmahl sind wir beide satt bis zum Rand und ein bisschen langsamer unterwegs – so viel Energie, aber jetzt hauptsächlich im Bauch. Um 6:30 Uhr wanken wir zurück zu unserem Fahrzeug, glücklich, zufrieden und bereit für die Abenteuer, die dieser Tag für uns bereithält. Denn mit einem Frühstück wie diesem kann einfach nichts mehr schiefgehen!
Bildergalerie: Highway 56 & 93
Endlich “On the Road”!
Mit vollem Tank und guter Laune gleiten wir entspannt gen Norden. Zuerst führt uns der malerische Highway 56 durch die weite Landschaft, dann geht es weiter auf dem beeindruckenden Highway 93, und schließlich dürfen wir ein Stück der legendären Loneliest Road in America unter die Räder nehmen – den berühmten Highway 50.
Diese Straße ist mehr als nur Asphalt; sie ist ein Abenteuer. Schon 2013 durchquerten wir Nevada auf diesem sagenumwobenen Highway – und ja, wir wurden dafür sogar mit Urkunden belohnt. Warum? Nun, wenn man sich auf eine so abgeschiedene Route wagt, die mehr Wildnis als Zivilisation bietet, dann ist das offenbar eine Leistung, die Anerkennung verdient. Die ganze Story darüber könnt ihr hier lesen. 🏆
Die Fahrt ist ein wahrer Genuss. Die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet, ist schlicht spektakulär: weite Wüstenebenen, eingerahmt von majestätischen Bergen, die sich bis zum Horizont erstrecken. Ein Panorama, das uns immer wieder sprachlos macht. Das hier ist echtes Nevada, ungeschminkt und unvergesslich.
Natürlich können wir der Versuchung nicht widerstehen, immer wieder anzuhalten. Wir schießen ein Foto nach dem anderen, denn jeder Blickwinkel scheint schöner zu sein als der letzte. Ehrlich gesagt hätten wir am liebsten an jeder Kurve gestoppt – diese atemberaubende Aussicht hat uns völlig in ihren Bann gezogen. Wer braucht schon volle Städte, wenn man eine solche Weite vor sich hat?


Mittagsstopp im Duell der Wendovers
Gegen Mittag erreichen wir die zwei Seiten einer Stadt: West Wendover in Nevada und Wendover in Utah – ein kurioses Duo, das sich nicht nur durch eine unsichtbare Grenze, sondern auch durch eine Zeitverschiebung trennt. Ein kurzer Schlenker nach links bringt uns zu Wendover Will, dem riesigen, grinsenden Cowboy, der stolz die Skyline von West Wendover dominiert. Ein absolutes Must-Have-Foto!
Was diese Städte so faszinierend macht, ist der Zeitzonen-Clash. Während West Wendover in der Pacific Time Zone tickt, gehört Wendover in Utah zur Mountain Time Zone. Das heißt: Man überquert einfach die Straße und verliert – oder gewinnt – eine Stunde. Zeitreisen leicht gemacht, made in the USA!
Nachdem wir die nötige Portion Cowboy-Charme aufgesogen haben, überqueren wir die unsichtbare Grenze in die Utah-Hälfte der Stadt. Unser Magen knurrt bereits lautstark, also steuern wir das gemütliche Cooper Kettle Cafe an. Die Sandwiches hier sind der absolute Knaller! Frisch, saftig und mit genau der richtigen Menge an Beilagen, dass man sich fragt: Warum schmeckt es daheim nie so?
Satt, zufrieden und vielleicht mit einer kleinen Zeitzonenverwirrung setzen wir unsere Reise fort – gestärkt für das nächste Abenteuer, das schon auf uns wartet!


Mit vollgeschlagenen Mägen und frischem Abenteuergeist im Gepäck rollen wir aus Wendover heraus und steuern auf ein Highlight zu, das so surreal ist, dass man es gesehen haben muss, um es zu glauben: die Bonneville Salt Flats. Direkt nach der Stadt nehmen wir die Abfahrt und finden uns nach ein paar Meilen buchstäblich im Nirgendwo wieder, wo die Straße nahtlos in die endlose, schimmernde Salzfläche übergeht.
Die Szenerie ist atemberaubend, fast außerirdisch, und mein innerer Fotograf springt förmlich aus dem Auto, bevor wir überhaupt angehalten haben. Fotos, Fotos und noch mehr Fotos! Dies ist schließlich der Ort, an dem die Geschwindigkeit König ist, wo Legenden gebrochen und Träume verwirklicht wurden. Ich kann kaum erwarten, diese Eindrücke festzuhalten und sie später stolz zu präsentieren.
Bonneville Salt Flats – Die endlose Rennstrecke aus Salz
Willkommen auf dem Bonneville Salt Flats International Speedway – einem Mekka für Geschwindigkeitsfanatikerund einer der faszinierendsten Orte des Motorsports. Diese endlose, weiße Salzfläche, so flach, dass man den Horizont kaum ausmachen kann, ist kein gewöhnlicher Ort für Rennen – sie ist eine Legende.
Eine Landschaft wie von einem anderen Planeten
Die Bonneville Salt Flats erstrecken sich über mehr als 260 km² in der westlichen Wüste Utahs und bestehen aus einer harten, festen Salzkruste, die über Jahrtausende entstanden ist. Ursprünglich war dieses Gebiet Teil des gigantischen Lake Bonneville, der sich einst über 10.000 km² erstreckte. Als der See austrocknete, hinterließ er eine fast spiegelglatte Salzfläche, die sich perfekt für Hochgeschwindigkeitsrennen eignet.
Der Tempel der Geschwindigkeit
Seit den 1930er Jahren ist Bonneville ein heiliger Boden für Geschwindigkeitsrekorde. Hier wurden immer wieder die schnellsten Landgeschwindigkeiten der Welt gemessen. Fahrer und Teams aus aller Welt kommen jedes Jahr her, um ihre Maschinen auf die ultimative Probe zu stellen.
Besonders legendär:
🏁 Sir Malcolm Campbell stellte hier in den 1930ern mit seinem „Bluebird“ mehrere Rekorde auf.
🏁 Craig Breedlove durchbrach in den 1960er Jahren mit seinem Raketenfahrzeug „Spirit of America“ als Erster die 600-Meilen-Marke (965 km/h).
🏁 Noch heute ist Bonneville der Austragungsort für „Speed Week“, bei der unzählige Motorräder, Autos und sogar Elektrofahrzeuge um neue Bestzeiten kämpfen.
Warum ist Bonneville so perfekt für Rekorde?
- Tote Ebene: Keine Erhebungen, keine Hindernisse, kein Gefälle – einfach reines, flaches Terrain.
- Harter, fester Untergrund: Das Salz bietet den perfekten Grip für Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge.
- Weite, endlose Fläche: Falls mal was schiefgeht, gibt es genug Platz, um sich ausrollen zu lassen.
Nicht nur für Profis – Bonneville erleben
Auch wenn man kein Rennfahrer ist, kann man das Bonneville-Erlebnis genießen:
- Selbst mit dem eigenen Auto über die Salzfläche fahren (Achtung: Vorher checken, ob die Bedingungen passen!).
- Epische Fotos auf einer der surrealsten Landschaften der USA schießen.
- Während der Speed Week hautnah dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wird.
- Bonneville – Ein Ort, den man nicht vergisst
Die Bonneville Salt Flats sind mehr als nur ein Motorsport-Mekka – sie sind ein Symbol für die unbändige menschliche Faszination für Geschwindigkeit. Hier zählt nur eine Zahl: Wie schnell kann man wirklich fahren?Und wer einmal auf dieser endlosen, weißen Ebene steht, spürt den Geist der Legenden, die hier die Grenzen des Möglichen verschoben haben.
Aber Moment – warum nur von einer Seite bewundern? Die Aussicht ist so verlockend, dass wir beschließen, die Salzflächen auch von der anderen Seite der Interstate zu erleben. Klingt einfach, oder? Falsch gedacht. Denn das Schicksal hat heute anscheinend beschlossen, uns auf die Probe zu stellen.
Es stellt sich heraus, dass die einzige Zufahrt zur anderen Seite der Salt Flats erst ganze 35 Meilen weiter in Richtung Salt Lake City liegt. Und ja, das bedeutet, dass wir dieselbe Strecke auch wieder zurückfahren müssen. Ein Umweg von 70 Meilen, nur um die Perspektive zu wechseln.
Für einen Moment herrscht betretenes Schweigen im Auto. Dann brechen wir in Gelächter aus. Es ist, als würde uns die Autobahn selbst herausfordern: „Oh, ihr wollt wirklich dorthin? Dann zeigt mal, wie sehr ihr es wollt!“ Und weil wir keine Menschen sind, die sich so leicht abschrecken lassen, nehmen wir diese absurde kleine Herausforderung mit Humor. Schließlich sind es genau diese unerwarteten Wendungen, die eine Reise unvergesslich machen.
Mit einem Augenzwinkern und guter Laune machen wir uns also auf den Weg, bereit, auch diesen kleinen Umweg in unser Abenteuer einzubauen. Es sind die Geschichten wie diese, die später mit einem Schmunzeln erzählt werden: Wie wir 70 Meilen für ein paar spektakuläre Fotos gefahren sind – und es keine Sekunde bereut haben.
Bildergalerie: Bonneville Salt Flats
Während wir auf unserer Rückfahrt nach Wendover dahingleiten, taucht plötzlich ein ungewöhnlicher Anblick am Horizont auf: der Tree of Utah. Dieses imposante Kunstwerk ragt mit seinen 26 Metern stolz in die Höhe und wirkt wie ein einsamer Leuchtturm in der endlosen Weite. Doch statt einladender Parkplätze umgibt das Kunstwerk eine Schutzzone, flankiert von einem regelrechten Meer aus “No Stopping and Parking at Any Time”-Schildern. Ein leises Stirnrunzeln macht sich breit: Warum stellt man so etwas hier auf, wenn man es nicht mal näher betrachten darf?
Aber gut, vielleicht liegt die Magie des Baumes ja gerade in der Unerreichbarkeit – oder vielleicht auch nicht. Wirklich gefesselt sind wir jedenfalls nicht. „Hm, sieht aus wie ein überdimensionaler Brokkoli,“ kommentiert Stefan trocken. Wir knipsen ein paar Aufnahmen aus dem Auto, während wir weiterfahren. Ein Kunstwerk zum Weiterfahren eben.
Nach gut einer Stunde kehren wir schließlich wieder zu den Bonneville Salt Flats zurück, diesmal zur BLM Bonneville Salt Flats Special Recreation Area. Hier endet endlich das Rätselraten um Zugangsmöglichkeiten, und wir parken unser Auto am Rand der scheinbar unendlichen Salzfläche.
Der nächste Schritt ist unausweichlich: Kamera raus, und nichts wie hinein in dieses weiße Wunderland. Es fühlt sich an, als wären wir auf einem anderen Planeten gelandet. Die Weite, das blendend weiße Salz und die absolute Stille – ein Kontrast, der uns tief beeindruckt. Die Welt scheint hier stillzustehen, und für einen Moment stehen wir einfach nur da und lassen die einzigartige Atmosphäre auf uns wirken. Dieser Ort ist keine Sehenswürdigkeit, er ist ein Gefühl.
Nach einer Weile des Staunens und ein paar kreativen Fotosessions kehren wir zum Auto zurück, bereit, die letzten Stunden des Tages in Angriff zu nehmen. Doch eines steht fest: Die Salzpfannen haben sich ihren Platz in unseren Herzen und auf unseren Speicherkarten verdient.

Kaum haben wir uns etwa 300 bis 500 Meter von der Straße entfernt, umgibt uns eine geradezu unwirkliche Stille. Es ist, als hätte die Welt den Atem angehalten. Alles, was unsere Sinne wahrnehmen, ist das leise Knirschen der Salzkristalle unter unseren Schuhen – ansonsten: absolute Ruhe. Eine himmlische, fast ehrfürchtige Stille, die uns innehalten lässt.
Während wir uns umschauen, wird uns bewusst, dass wir uns an einem Ort mit einer besonderen Verbindung zur Filmgeschichte befinden. Die Bonneville Salt Flats haben es auf unsere Liste der ikonischen Drehorte geschafft! Hier wurde nämlich die legendäre Szene aus Independence Day gedreht, in der Will Smith als Captain Steven Hiller das abgeschossene Raumschiff der Aliens durch die endlose Salzwüste zieht.
Fun Fact – Will Smith und sein legendärer Monolog in Independence Day
Wer liebt ihn nicht? Will Smith als Captain Steven Hiller in „Independence Day“ (1996) – der Mann, der einem Alien nicht nur die Faust ins Gesicht knallt, sondern ihm auch gleich noch eine Standpauke hält.
Die Szene: Hiller hat gerade ein außerirdisches Raumschiff abgeschossen, das Alien selbst aus dem Wrack gezerrt und zieht es nun durch die glühend heiße Wüste. Dabei entfährt ihm ein Monolog, der bis heute Kultstatus hat:
„Y’know, this was supposed to be my weekend off, but noooo. You got me out here draggin’ your heavy ass through the burning desert with your dreadlock stickin’ out the back of my parachute.
You gotta come down here with an attitude, actin’ all big and bad – and what the hell is that smell? I could’ve been at a barbecue! But I ain’t mad.“
🔥 Was diesen Moment so genial macht?
👉 Der Monolog war improvisiert! Will Smith ließ einfach seinen Frust über die Hitze in der echten Wüste raus – die Szene wurde daraufhin so belassen, wie sie war.
👉 „What the hell is that smell?“ war echt – denn in der Gegend von Utah, wo die Szene gedreht wurde, gibt es Schwefelfelder, die unangenehm nach faulen Eiern riechen. Will Smiths Reaktion war also absolut authentisch!
👉 Die Szene gehört zu den ikonischsten Momenten des Films – und macht Captain Hiller zu einem der coolsten Actionhelden der 90er.
Fazit: Nicht jeder kann einen Alien abschießen, ihm eine Ohrfeige verpassen und sich trotzdem noch darüber aufregen, dass er eigentlich lieber bei einem BBQ gewesen wäre – aber Will Smith kann. 😎
Hier noch eine amüsante Anekdote: Die Zeile „And what the hell is that smell…“ war tatsächlich nicht im Drehbuch geplant, sondern ein spontaner Ausdruck von Will Smiths Unmut über den Gestank der hier verendeten Salzgarnelen. Wir hatten definitiv mehr Glück als Captain Hiller – bei unserem Besuch war von üblen Gerüchen keine Spur. Vielleicht ist das ja einer der Vorteile des Reisens gegenüber einem Filmdreh: Man kann sich die Umstände ein wenig besser aussuchen. 😉
Nachdem wir die Bonneville Salt Flats in vollen Zügen genossen haben, geht es zurück zum Auto. Mit ein bisschen Überredungskunst schaffe ich es, Stefan dazu zu bewegen, eine kleine Spritztour über die endlose Salzfläche zu machen. Schließlich sind wir schon mal hier – warum also nicht das Beste aus dieser Gelegenheit machen?
Um 14:45 Uhr verabschieden wir uns von den Salt Flats und machen uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel: Antelope Island, das nördlich von Salt Lake City liegt. Die Vorfreude auf einen atemberaubenden Sonnenuntergang auf dieser malerischen Insel steigt mit jeder Meile. Es fühlt sich an, als läge noch ein kleines Abenteuer vor uns.
Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu, als wir Salt Lake City auf der Autobahn passieren und gegen 17 Uhr auf Antelope Island ankommen. Es ist nicht unser erster Besuch – vor zwei Jahren durften wir bereits einen Vorgeschmack auf dieses versteckte Paradies erleben. Schon damals wussten wir: Hierher müssen wir zurück. Nur wenige Minuten von der glitzernden Metropole entfernt, erstreckt sich eine völlig andere Welt – eine, die uns mit ihrer Natur und Stille verzaubert.
Die elf Kilometer lange Asphaltstraße führt uns über den Salt Lake und ist unsere Eintrittskarte zur faszinierenden Welt des Antelope Island State Parks. Die Fahrt über den Damm fühlt sich an wie ein malerischer Traum, bei dem wir die hektische Zivilisation Stück für Stück hinter uns lassen. Sobald wir die Insel erreichen, umgibt uns eine fast magische Ruhe. Die Natur scheint hier tief durchzuatmen, und wir fühlen uns, als wären wir in einem versteckten Paradies angekommen.
Schon bei unserem ersten Besuch vor zwei Jahren hat uns die wilde Schönheit von Antelope Island in ihren Bann gezogen. Deshalb war es für uns klar, dass wir hier unbedingt noch einmal Halt machen mussten.
Bildergalerie: Antelope Island Wildlife
Unsere Fahrt entlang der Buffalo Bay wird schnell zum Highlight, als wir die ersten majestätischen Bisons entdecken, die gemächlich am Straßenrand grasen. Weiter unten, direkt am Salzseeufer, entspannt sich eine ganze Herde. Ein imposantes Tier überquert direkt vor uns die Straße, als wolle es uns darauf hinweisen, dass wir uns hier in seinem Reich befinden. In diesem Moment scheint die Zeit stillzustehen, während der Bison unbeeindruckt seinen Weg fortsetzt.
Unser nächster Stopp ist die Fielding Garr Ranch, eine der ältesten Farmen in den USA. Dieses lebendige Museum gibt einen faszinierenden Einblick in das ländliche Leben des 19. Jahrhunderts. Am Ende der Straße drehen wir um, bereit, die Insel erneut zu erkunden. Doch die Bisons haben offenbar beschlossen, uns noch ein weiteres Schauspiel zu bieten: Diesmal kreuzt eine Gruppe von ihnen gemächlich unseren Weg und beansprucht die Vorfahrt. Geduld ist hier der Schlüssel – wir lassen den mächtigen Tieren den Raum, den sie verdienen.
Als die Straße endlich wieder frei ist, überrascht uns ein weiterer Bewohner der Insel: Ein Coyote schleicht um die Ecke und überquert neugierig die Straße. Hier draußen sind wir eindeutig Gäste in der Welt der Wildtiere, und es ist ein wahrer Genuss, sie in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.
Eine kleine Enttäuschung bleibt dennoch: Die namensgebenden Antilopen der Insel lassen sich auch diesmal nicht blicken. Vielleicht spielen sie eine ihrer legendären Versteckpartien oder genießen den Sonnenuntergang an einem abgelegenen Fleck. So oder so bleibt es spannend, denn auf Antelope Island weiß man nie, welche Überraschung die Natur als nächstes bereithält.
Unser nächstes Ziel ist der Buffalo Point Trailhead, ein Parkplatz im Norden der Insel. Von dort aus verspricht der Buffalo Point einen spektakulären 360-Grad-Blick über den Great Salt Lake. Doch bevor wir dieses Panorama genießen können, wartet ein steiler, etwa 1,6 Kilometer langer Weg auf uns. Steil ist hier das Schlüsselwort – nein, wirklich, der Aufstieg hat es in sich.
Mit Wanderschuhen und Wasserflaschen bewaffnet, stellen wir uns der Herausforderung. Der Gedanke an die Aussicht, die uns oben erwartet, treibt uns an. “Aufstieg auf eigene Gefahr!” könnte die inoffizielle Warnung dieses Trails sein, aber wir sind bereit, uns in das Abenteuer zu stürzen – denn jede Anstrengung lohnt sich, wenn der Blick von Buffalo Point so spektakulär ist, wie uns versprochen wurde.
Bildergalerie: buffalo point
Das ist in der Tat eine Herausforderung, besonders nach den Erkältungen der letzten Wochen. Mit einer Kombi aus Hustensaft, Tee und der magischen Wirkung von Schokolade haben wir alles gegeben, um wieder fit zu werden. Und jetzt stehen wir hier – am Fuß des Buffalo Point Trails – bereit, uns dieser steilen Herausforderung zu stellen.
Wir haben genug Zeit eingeplant, um den Weg nach oben zu bewältigen, und ja, wahrscheinlich werden wir an jeder Kehre kurz innehalten, um nach Luft zu japsen. “Ist das hier ein Wanderweg oder ein Training für die Mount-Everest-Besteigung?” denke ich mir, als wir die ersten Meter hinter uns bringen. Doch dann die Überraschung: Es geht besser als erwartet! Klar, ein bisschen Schnaufen gehört dazu, aber hey, das ist nicht der Tod – das ist das Leben! Wir schaffen es ohne größere Atempausen nach oben. Ein kleiner Sieg gegen die Schwerkraft und unsere Nachwehen der Erkältung!
Und dann sind wir oben – Buffalo Point – und die Welt liegt uns zu Füßen. Vor uns erstreckt sich eine Szenerie, die den Begriff “Postkartenmotiv” neu definiert. Antelope Island zeigt sich von ihrer besten Seite, und der schimmernde Great Salt Lake funkelt wie ein gigantischer Spiegel in der untergehenden Sonne. Die weitläufige Bridger Bay glitzert wie ein Meer aus Diamanten, und wir fühlen uns, als hätten wir den Jackpot der Naturerlebnisse geknackt.
Mit etwa einer Stunde bis zum Sonnenuntergang gönnen wir uns den Luxus, einfach nur dazustehen und zu beobachten, wie die Welt sich verwandelt. Die tief stehende Sonne taucht die Umgebung in einen warmen Goldton, und die Wasatch Mountains im Hintergrund beginnen in einem kräftigen Rot zu glühen. Es ist, als hätte die Natur beschlossen, uns eine VIP-Vorstellung ihres besten Lichtschauspiels zu geben.
Und dann passiert es: Der Sonnenuntergang! Aber nicht irgendein Sonnenuntergang, sondern einer dieser “Das-ist-ja-nicht-zu-glauben”-Momente. Die Farben explodieren am Himmel in einer Symphonie aus Orange, Rot, Purpur und Lila. Es ist, als ob ein Meistermaler mit den besten Pinselstrichen sein Lebenswerk vollendet. Wir stehen da, sprachlos, und können nur ehrfürchtig staunen, wie die Welt um uns herum in ein magisches Reich verwandelt wird.
Doch so zauberhaft der Moment auch ist, die Sonne verschwindet schließlich hinter dem Horizont, und die Dunkelheit schleicht sich heran. Es ist Zeit, aufzubrechen. Mit ein wenig Wehmut, aber auch tiefster Dankbarkeit machen wir uns auf den Rückweg zum Auto. Der Abend ist noch jung – zumindest nach Urlaubsmuster – und die Frage “Was gibt’s zum Abendessen?” drängt sich langsam auf.
Texas Roadhouse! Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Ich erinnere mich daran, dass wir vor zwei Jahren in der Nähe bereits einen legendären Besuch dort hatten. Außerdem haben wir noch einen Gutschein von den Kindern, der nur darauf wartet, eingelöst zu werden. Der perfekte Plan!
Dank unseres Navis finden wir das Restaurant schnell – na ja, fast. Das Texas Roadhouse in Layton liegt in einem Einkaufszentrum, und natürlich haben wir auf der falschen Seite geparkt. Also marschieren wir quer durch das leere Einkaufszentrum. Es ist mittlerweile 20:30 Uhr, und die meisten Geschäfte haben bereits geschlossen. Der perfekte Zeitpunkt, um sich ein deftiges Steak und die berühmten Dinner Rolls zu gönnen! Challenge accepted – wir kommen, Texas Roadhouse!



Auf dem Weg zum Restaurant passiert uns jedoch ein kleines Missgeschick – Stefan verliert den Gutschein. Oh, wie ärgerlich! Ich sehe ihn nur schuldbewusst die Taschen durchsuchen und seinen Kopf schütteln. Aber hey, Panik ist nicht unser Stil. Zum Glück fällt mir rechtzeitig ein, dass unsere Tochter den Gutschein auch als E-Ticket geschickt hat. Die Freude kehrt zurück! Na ja, fast … bis wir im Restaurant feststellen, dass es hier kein WLAN gibt. Ernsthaft? Kein WLAN in 2020?
Also heißt es: Rettungsmission Gutschein! Während Stefan am Tisch sitzt und wahrscheinlich schon von Steaks träumt, mache ich mich auf den Weg zurück ins Einkaufszentrum. Mein Ziel? Das Kunden-WLAN. Ich hetze quer durch die Mall, die um diese Uhrzeit fast verlassen ist, finde einen Spot mit Empfang und lade endlich den Gutschein auf mein Handy herunter. Mission erfüllt – ich bin der Held des Tages! 🎉
Zurück am Tisch erwartet mich Stefan, schon halb in seinem Salat versunken, und wir stoßen lachend auf unsere kleine Odyssee an. Die Steaks, die schließlich vor uns stehen, sind jede Mühe wert: saftig, perfekt gewürzt und begleitet von diesen legendären Dinner Rolls mit Zimtbutter. Es gibt einfach nichts Besseres, um einen langen Tag ausklingen zu lassen.
Um 21:45 Uhr rollen wir schließlich zurück ins Hotel – satt, glücklich und ein kleines bisschen erschöpft. Eine unerwartet gute Nachricht beschließt diesen Tag: Mein Husten, der mich in den letzten Wochen hartnäckig begleitet hat, scheint endlich nachzulassen. Endlich können wir aufatmen – buchstäblich. Jetzt ist es Zeit, die wohlverdiente Ruhe zu genießen und uns auf das nächste Abenteuer zu freuen!

