Boeing, fliegende Fische und ein Steak hinter der Autobahn
Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht im Hilton Garden Inn in Everett begann der Morgen mit einer jener amerikanischen Frühstückssituationen, die uns inzwischen zuverlässig davon überzeugten, dass ein Urlaubstag ohne ausreichende Kalorienzufuhr praktisch nicht durchführbar war. Also saßen wir erst einmal zwischen Eiern, Pancakes, Obst, Kaffee und allem, was sich sonst noch unter dem Begriff „Frühstück“ versammeln ließ, und sorgten für eine solide Grundlage. Die konnten wir heute gebrauchen, denn der erste Programmpunkt war keiner, den wir mal eben spontan am Straßenrand entdeckt hatten. Die Tickets dafür hatten wir bereits von Deutschland aus gebucht: Wir wollten zu Boeing. Genauer gesagt nach Everett in die riesige Boeing-Fabrik, wo unter anderem die 747, 777 und 787 gebaut wurden. Und nachdem wir in den vergangenen Tagen Berge, Gletscher, Wasserfälle und halbe Nationalparks zu Fuß abgearbeitet hatten, war heute also Technik dran. Sehr große Technik.
Schon das Future of Flight Aviation Center ließ keinen Zweifel daran, dass hier andere Dimensionen galten. Gleich nebenan stand die eigentliche Boeing-Werkshalle, und bei deren Größenangaben verabschiedete sich mein räumliches Vorstellungsvermögen relativ schnell aus dem Dienst. Rund 13,3 Millionen Kubikmeter Rauminhalt und knapp 40 Hektar Grundfläche – Zahlen, bei denen man zwar beeindruckt nickt, sich aber trotzdem nichts darunter vorstellen kann. Hilfreicher war die Angabe, dass ungefähr 55 Fußballfelder hineinpassen würden. Wobei auch das nur bedingt weiterhalf, denn ich hatte noch nie 55 Fußballfelder nebeneinander gesehen. Fest stand lediglich: Das Ding war riesig. Und zwar nicht „große Lagerhalle am Ortsrand“-riesig, sondern „wenn du hier deine Familie verlierst, sehen wir uns Weihnachten wieder“-riesig.

Bevor unsere eigentliche Factory Tour begann, hatten wir noch Zeit für das Future of Flight Aviation Center. Dort konnte man sich mit Flugzeugtechnik beschäftigen, Turbinen aus nächster Nähe ansehen und allerlei Dinge über Aerodynamik und Luftdruck lernen. Zumindest konnte man das theoretisch. Praktisch entdeckten wir ziemlich schnell ein Cockpit, in das man sich hineinsetzen durfte, und damit war unser wissenschaftlicher Bildungsauftrag zunächst beendet. Stefan und ich nahmen vorne Platz und waren innerhalb weniger Sekunden selbstverständlich vollwertige Verkehrspiloten. Die Tatsache, dass keiner von uns auch nur annähernd wusste, wozu ungefähr 98 Prozent der Schalter dienten, tat unserer neuen beruflichen Qualifikation keinen Abbruch. Man muss schließlich Prioritäten setzen. Steuerhorn vorhanden, Schubhebel gefunden – der Rest wird sich unterwegs ergeben.

Die Bilder dieser kurzen Pilotenkarriere sprechen rückblickend ohnehin für sich. Stefan hantierte konzentriert an den Instrumenten, ich saß daneben und vermittelte mit großer Überzeugung den Eindruck, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes gemacht. Irgendwann saß auch Bianca mit vorne, und damit verfügten wir endgültig über eine Crew, der vermutlich keine Fluggesellschaft der Welt freiwillig eine Maschine anvertraut hätte. Von außen winkten wir später noch durch die Cockpitscheibe, als müssten wir gleich Pushback beantragen. Zum Glück blieb das Flugzeug stehen. Für alle Beteiligten wahrscheinlich die beste Lösung.
Dann begann unsere eigentliche Tour. Nach einem kurzen Film über Boeing und die Geschichte des Flugzeugbaus bekamen wir Kopfhörer, damit wir unseren Guide auch in den riesigen Hallen verstehen konnten, und wurden mit dem Bus auf das Werksgelände gefahren. Bereits unterwegs standen überall Flugzeuge herum, darunter natürlich Dreamliner, und plötzlich war man nicht mehr Besucher eines Museums, sondern mitten in einer Welt, in der Verkehrsflugzeuge ungefähr so selbstverständlich herumstanden wie bei uns Autos auf einem Supermarktparkplatz. Nur dass ein falsch abgestellter Dreamliner vermutlich etwas schwieriger abzuschleppen ist.
Und dann sahen wir den Dreamlifter. Dieses Flugzeug verdient eigentlich eine eigene Größenkategorie. Elegant ist möglicherweise nicht das erste Wort, das einem dazu einfällt. Der Dreamlifter sieht eher aus, als hätte eine ganz normale Boeing über Weihnachten hemmungslos Plätzchen gegessen und anschließend beschlossen, trotzdem weiterzufliegen. Sein gewaltiger Rumpf hat allerdings einen guten Grund: Mit diesen speziell umgebauten Transportflugzeugen wurden große Bauteile der 787 aus verschiedenen Teilen der Welt nach Everett gebracht. Funktion vor Figur also. Und wenn man direkt davorsteht, ist sowieso Schluss mit Witzen über die Linie – dann ist das Ding einfach nur beeindruckend.

An der Werkshalle angekommen, verschwanden wir zunächst in einem langen Tunnel unter der Fabrik. Unser Guide erzählte, dass Mitarbeiter diesen Gang sogar zum Joggen nutzten, weil man hier unabhängig vom berüchtigten Wetter im Nordwesten trocken seine Runden drehen konnte. Ein knapp einen Kilometer langer unterirdischer Betriebssportplatz unter einer Flugzeugfabrik – auch das muss man erst einmal haben. Ich stellte mir kurz vor, wie man morgens zur Arbeit kommt, unten ein paar Kilometer joggt und anschließend oben eine 747 zusammenschraubt. Mein eigener Arbeitstag kam mir dagegen plötzlich erschreckend unspektakulär vor.
Etwa auf halber Strecke ging es mit einem gewaltigen Lastenaufzug nach oben, und als sich die Türen öffneten, standen wir über der Endmontagehalle der Boeing 747. Genau in diesem Moment verstand man die vorher genannten Zahlen. Unter uns lagen Flugzeugrümpfe, Tragflächen, Gerüste, Arbeitsplattformen und Maschinen, und obwohl dort ausgewachsene Verkehrsflugzeuge gebaut wurden, wirkten selbst die in dieser Halle fast klein. Das war eigentlich das Verrückteste an diesem Gebäude: Eine Boeing 747 ist normalerweise etwas, vor dem man am Flughafen steht und denkt, meine Güte, ist die groß. Hier drin dachte man plötzlich: Ach guck, da unten steht noch eine.

Boeing Factory
Die Boeing Factory in Everett, Washington, ist ein Ort der Superlative und das weltweit größte Gebäude nach Volumen. Mit beeindruckenden 13,3 Millionen Kubikmetern Rauminhalt und einer Grundfläche von 39,9 Hektar ist die Halle so riesig, dass sie mühelos 55 Fußballfelder aufnehmen könnte. Die Boeing Factory spielt eine zentrale Rolle in der Luftfahrtgeschichte und ist der Hauptproduktionsstandort für einige der größten und bekanntesten Flugzeuge der Welt, darunter der legendäre Jumbo-Jet 747, die 777, und die moderne 787 Dreamliner.
In dieser gigantischen Fabrikhalle, die 1967 fertiggestellt wurde, wird seit über einem halben Jahrhundert Flugzeuggeschichte geschrieben. Die Produktion begann mit der Boeing 747, dem weltweit ersten “Jumbo-Jet”, der die Ära der Großraumflugzeuge einleitete. Die Halle wurde eigens dafür gebaut, dieses riesige Flugzeug zu fertigen, und sie musste aufgrund der gewaltigen Dimensionen der Maschine entsprechend groß sein.
Eine der faszinierendsten Aspekte der Boeing Factory ist ihre Logistik. Die Flugzeuge, die hier zusammengebaut werden, bestehen aus Bauteilen, die aus der ganzen Welt nach Everett gebracht werden. Einige dieser Bauteile, insbesondere die für die Boeing 787 Dreamliner, werden mit einem speziell dafür entwickelten Transportflugzeug, dem Boeing Dreamlifter, angeliefert. Der Dreamlifter ist eines der größten Frachtflugzeuge der Welt und ein eindrucksvolles Beispiel für die Logistik, die notwendig ist, um moderne Verkehrsflugzeuge zu bauen.
Die Boeing Factory Tour, die von Boeing für die Öffentlichkeit angeboten wird, ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen in der Region Seattle. Besucher haben die einmalige Gelegenheit, das Innere der Produktionshallen zu sehen, in denen Flugzeuge Stück für Stück zusammengebaut werden. Die Tour startet im Future of Flight Aviation Center, einem Museum und Besucherzentrum, das sich neben der Fabrik befindet. Hier können sich die Besucher mit interaktiven Ausstellungen auf die Besichtigung der Produktionshallen einstimmen und spannende Fakten über die Luftfahrt und den Flugzeugbau erfahren.
Während der Tour fahren die Besucher mit Bussen in die riesigen Montagehallen, wo sie auf speziellen Aussichtsplattformen stehen und das geschäftige Treiben der Montagearbeiten beobachten können. Besonders beeindruckend ist der Blick auf die Produktionslinien der Boeing 747 und der 787 Dreamliner. Die Führung dauert etwa 90 Minuten und wird von erfahrenen Guides begleitet, die viele interessante Informationen über den Bau der Flugzeuge, die Geschichte von Boeing und die Zukunft der Luftfahrt teilen.
Neben der Besichtigung der Produktionslinien bietet das Future of Flight Aviation Center auch ein interaktives Erlebnis, bei dem Besucher ein echtes Cockpit betreten und sich wie Piloten fühlen können. Die Ausstellung umfasst auch Turbinenmodelle und andere wichtige Komponenten eines Flugzeugs, die den Besuchern einen detaillierten Einblick in die Technologie geben, die moderne Flugzeuge ermöglicht.
Für Luftfahrtbegeisterte und Technikliebhaber ist die Boeing Factory in Everett ein Muss. Sie vermittelt einen einzigartigen Einblick in die Produktion und Entwicklung von Flugzeugen und zeigt, wie weitreichend die Innovationen in der Luftfahrtindustrie sind. Die Boeing Factory ist nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch ein bedeutendes Zentrum für die moderne Luftfahrttechnologie und die Realisierung des Traums vom Fliegen.

Von den Aussichtsplattformen konnten wir die verschiedenen Fertigungsbereiche beobachten. Wir sahen die Montagelinien der 747 und 777 und bekamen erklärt, wie aus unzähligen Einzelteilen irgendwann ein Flugzeug wird, in das später ein paar hundert Menschen einsteigen und sich anschließend darüber beschweren, dass Reihe 37 zu wenig Beinfreiheit hat. Wenn man einmal gesehen hat, welcher technische und logistische Aufwand hinter so einer Maschine steckt, erscheint es beinahe absurd, dass man später völlig selbstverständlich mit seinem Handgepäck einsteigt, sich anschnallt und erwartet, acht Stunden später auf einem anderen Kontinent wieder auszusteigen.
Nach ungefähr anderthalb Stunden brachte uns der Bus zurück zum Visitor Center. Die Zeit war tatsächlich wie im Flug vergangen – und ja, an dieser Stelle darf dieser Satz ausnahmsweise sein. Natürlich endete die Tour für uns nicht einfach am Ausgang. Es gab schließlich einen Souvenirshop. Und wir befanden uns in Amerika. Diese Kombination bedeutete zwangsläufig, dass wir noch eine Weile zwischen Boeing-Shirts, Modellen und allerlei Dingen herumstanden, die man vor Betreten des Shops nicht gebraucht hatte und fünf Minuten später plötzlich für eine hervorragende Erinnerung hielt.
Danach ging es noch einmal zurück zum Hilton Garden Inn, denn unser Gepäck wartete dort auf uns. Für die kommende Nacht hatten wir ein anderes Hotel gebucht. Morgen wollten wir mit der Fähre weiterreisen, und deshalb erschien es uns sinnvoll, Everett hinter uns zu lassen und näher an Seattle zu übernachten. Also Koffer ins Auto, Hotel endgültig verlassen und rund 40 Kilometer Richtung Downtown Seattle. Nach einem Vormittag zwischen Flugzeughallen und Dreamlinern wechselten wir damit erneut das Programm – jetzt war Stadt angesagt.
Schon bei der Fahrt durch Downtown bekamen wir einen ersten Eindruck von Seattle bei Tageslicht. Gestern Abend hatten wir vom Kerry Park aus die beleuchtete Skyline gesehen, heute steckten wir mittendrin. Glasfassaden, Hochhäuser, Straßenschluchten, dazwischen ältere Gebäude und überall Verkehr. Am Seattle Art Museum begegnete uns der riesige Hammering Man, der vor dem Gebäude seiner Arbeit nachging und mit seinem Hammerarm ungefähr so aussah, als hätte Seattle selbst beschlossen, dass hier niemand untätig herumzustehen hatte. Das passte zu unserem bisherigen Tagesprogramm ausgesprochen gut.

Unser eigentliches Ziel war der Pike Place Market, und erstaunlicherweise fanden wir direkt dort einen Platz im Parkhaus. Damit war eine der schwierigeren Disziplinen eines Großstadtbesuchs bereits erledigt, ohne dass Stefan und ich uns vorher zwanzig Minuten lang gegenseitig erklären mussten, warum die eben verpasste Einfahrt ganz eindeutig die richtige gewesen wäre. Vom Parkhaus waren wir praktisch sofort mitten im Geschehen – und Pike Place war genau so, wie ich mir einen großen amerikanischen Markt vorgestellt hatte, nur lauter, bunter und wesentlich unterhaltsamer.
Überall standen Blumen in Farben, bei denen selbst Photoshop arbeitslos wurde. Sonnenblumen, Dahlien und riesige Sträuße reihten sich an Obst, Gemüse, Gewürze, Lebensmittel und Souvenirs. Händler riefen, Menschen drängten sich zwischen den Ständen hindurch, irgendwo spielte Musik und aus jeder Ecke kam ein anderer Geruch. Man konnte problemlos eine halbe Stunde brauchen, um fünfzig Meter weit zu kommen, weil ständig irgendwo etwas herumlag, das fotografiert, betrachtet oder zumindest ausführlich begutachtet werden musste. Besonders die Fischtheken waren ein Erlebnis für sich. Riesige Lachse, Krabben, Muscheln und alles, was der Pazifik offenbar an diesem Morgen freiwillig herausgerückt hatte, lag auf Bergen von Eis.
Und dann kamen wir natürlich zu dem Fischstand, den wahrscheinlich jeder kennt, der schon einmal etwas über den Pike Place Market gesehen hat: Hier flogen die Fische.
Das Prinzip war wunderbar einfach: Ein Kunde bestellte einen Fisch, und anstatt ihn langweilig von A nach B zu tragen, wurde das Tier kurzerhand durch die Gegend geworfen. Einer rief, der andere fing, die Zuschauer schauten begeistert zu und irgendwo dazwischen musste man sich daran erinnern, dass das eigentlich ein ganz normaler Fischverkauf war. Nur eben mit deutlich höherem Unterhaltungswert. Ich weiß nicht, wer irgendwann zum ersten Mal gesagt hatte: „Wir könnten den Lachs natürlich auch einfach rüberwerfen“, aber diese Person hatte damit offenbar eine der erfolgreichsten Marketingideen Seattles erfunden. Wir standen jedenfalls da und warteten wie alle anderen darauf, dass wieder ein Fisch abhob.

Nach ausgiebigem Marktbesuch liefen wir hinunter Richtung Waterfront. Und dort wartete mit dem Ye Olde Curiosity Shop bereits der nächste Ort, bei dem man sich fragte, wer eigentlich all diese Dinge gesammelt hatte – und warum. Von außen sah der Laden noch vergleichsweise harmlos aus. Drinnen wurde es dann schnell speziell. Zwischen Souvenirs und Kunsthandwerk tauchten Mumien, seltsame ausgestopfte Kreaturen, Schrumpfköpfe und allerlei Gegenstände auf, deren Herkunft man möglicherweise lieber nicht allzu genau hinterfragen wollte. Dazu hing eine riesige Figur unter der Decke, Totempfähle standen herum und irgendwo entdeckten wir sogar ein „Vampire Killer Kit“. Für den Fall, dass der Seattle-Besuch am Abend doch noch eine unerwartete Wendung nahm, wäre man also vorbereitet gewesen.

Anschließend schlenderten wir weiter an der Seattle Waterfront entlang. Vor uns lag Elliott Bay, am Pier drehte sich das Seattle Great Wheel und rund um Miners Landing herrschte diese typische Mischung aus Hafen, Touristenattraktion, Restaurants und Urlaub. Wir ließen uns einfach treiben, schauten aufs Wasser, beobachteten die Menschen und genossen es, für eine Weile keinen Termin zu haben. Nach dem straff organisierten Vormittag bei Boeing war das ausgesprochen angenehm. Kein Bus, kein Guide, keine Kopfhörer, keine Produktionslinie – nur Seattle und wir mittendrin.
Allerdings hielt dieser Zustand des ziellosen Herumschlenderns bei uns erwartungsgemäß nicht ewig an. Irgendwann liefen wir wieder hinauf Richtung Pike Place Market, denn dort gab es noch eine wichtige Angelegenheit zu erledigen: das Hard Rock Cafe. Unsere Sammlung verlangte schließlich nach einem Seattle-Shirt. „Been there, got the shirt“ war bei uns längst keine Redewendung mehr, sondern ein erstaunlich zuverlässiges Reiseprinzip. Andere Menschen sammeln Briefmarken. Wir transportierten Baumwolle über den Atlantik.
Also hinein ins Hard Rock Cafe, ein bisschen Musikgeschichte anschauen, durch den Shop stöbern und natürlich ein Shirt kaufen. Damit war Seattle nun auch offiziell textil dokumentiert. Irgendwann machten wir uns schließlich auf den Weg nach Bellevue, wo wir für diese Nacht im Days Inn gebucht hatten. Der Hotelwechsel war strategisch gedacht: Morgen wollten wir weiter und möglichst nicht erst von Everett aus durch den Verkehr fahren. Bellevue lag östlich von Downtown und erschien uns dafür deutlich praktischer.

Wir checkten ein, brachten das Gepäck auf Zimmer 226 und hätten nun nach diesem Tag wirklich problemlos Feierabend machen können. Boeing, Seattle, Pike Place, Waterfront, Hard Rock Cafe – irgendwann darf ein Urlaubstag ja auch einfach mal fertig sein. Dann entdeckten wir das Outback Steakhouse. Es lag praktisch gegenüber.
Wobei „gegenüber“ in Amerika ein dehnbarer Begriff ist. Luftlinie hätte man vermutlich fast hinüberwinken können. Zwischen uns und dem Steak lag allerdings ein mehrspuriges Autobahnkreuz, das offenbar von jemandem geplant worden war, der persönlich etwas gegen Fußgänger hatte. Ein Restaurant kann also gleichzeitig ungefähr zweihundert Meter entfernt und mit dem Auto gefühlt in einem anderen Bundesstaat liegen.
Stefan nahm die Herausforderung an. Wir stiegen ins Auto und begannen eine kleine Rundreise durch Bellevue, bei der wir mehrfach sehr nah an unserem Abendessen vorbeikamen, ohne es tatsächlich erreichen zu können. Das Outback war sichtbar. Das Outback war nah. Das Outback wollte uns nur nicht haben. Irgendwann fanden wir jedoch die richtige Kombination aus Auffahrten, Abfahrten und Straßen, die offenbar nötig war, um von einer Seite einer amerikanischen Kreuzung auf die andere zu gelangen.
Und dann stand es vor uns. Das Steak. Genauer gesagt ein ordentliches 13oz Ribeye, das nach diesem Tag nicht mehr einfach nur Abendessen war, sondern Belohnung. Wir saßen im Outback, ließen Boeing, fliegende Fische, Schrumpfköpfe, Seattle und unseren kleinen Autobahn-Marathon noch einmal Revue passieren und waren endgültig satt – in jeder Hinsicht.
Danach fanden wir sogar den Weg zurück ins Hotel. Was nach der Erfahrung auf dem Hinweg keineswegs selbstverständlich war. Und damit war dieser Tag tatsächlich vorbei. Morgens hatten wir noch im Cockpit gesessen und so getan, als könnten wir eine Boeing fliegen, mittags hatten wir echten Flugzeugen beim Entstehen zugesehen, nachmittags Fische durch den Pike Place Market fliegen sehen und abends waren wir wegen eines Steaks um ein Autobahnkreuz gekreist. Morgen würde es mit der Fähre weitergehen. Was verglichen mit heute geradezu beruhigend klang.







































