Devil’s Tower, Buffalo und Cody: Ein Roadtrip durch Wyomings Herz

Noch bevor der Duft von Kaffee und Pancakes uns endgültig ins Campingplatz-Restaurant locken konnte, waren Stefan und ich schon auf leisen Sohlen unterwegs – auf der Jagd nach dem perfekten Morgenmoment. Während der Rest unserer Truppe noch zwischen Zahnbürste und Sockensuche rangierte, schnappten wir uns die Kameras und huschten in Wanderschuhen und mit leicht zerzaustem Morgenlook über die Straße, als würde der Monolith gleich weglaufen, wenn wir nicht schnell genug sind.

Und da stand er. Der Devil’s Tower – in majestätischer Ruhe, vom goldenen Licht der aufgehenden Sonne gestreichelt, als hätte sich der Himmel persönlich bemüht, ihn in Szene zu setzen. Die Luft war klar, die Welt noch still, und dieser gewaltige Fels ragte da wie ein Naturdenkmal mit eingebauter Erhabenheit. Kein Geräusch, außer dem Klicken unserer Kameras

Mit den ersten Bildern des Tages im Kasten schlenderten wir zurück. Bereit für ein Frühstück, das hoffentlich mit dem Sonnenaufgang mithalten konnte – oder es zumindest mit Sirup kaschieren würde.

Devils Tower

Unser Tag startete auf die denkbar beste Weise: mit einem Frühstück, das so gut war, dass man kurz in Erwägung zog, die heimische Küche komplett abzuschaffen.

Im Restaurant des Campingplatzes, wo wir bereits am Vorabend hervorragend bewirtet worden waren, lagen die Erwartungen entsprechend hoch – und wurden mühelos übertroffen. Schon an der Tür empfing uns der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und warmen Pancakes, der uns nicht zum Tisch führte, sondern förmlich schweben ließ.

Noah und Emilia stürzten sich begeistert auf ihre Toasts, als gäbe es Punkte für Geschwindigkeit, während wir Erwachsenen uns an Eiern, knusprigem Bacon und – natürlich – einer Extraportion Pancakes erfreuten. Und zwar in der Reihenfolge: erst hungrig, dann zufrieden, dann leicht überfressen, aber rundum glücklich.

Es ist erstaunlich, wie schnell man ins Schwärmen gerät, wenn das Frühstück schmeckt, als hätte es jemand mit Liebe, Butter und einem Hauch Magie zubereitet. Der Gedanke, nie wieder selbst kochen zu müssen, kam auf – wurde aber vorerst vertagt.

Gut gestärkt und in Hochstimmung machten wir uns schließlich auf den Weg zur nächsten Etappe – mit vollem Bauch, freiem Kopf und der stillen Hoffnung, dass der Tag genauso vielversprechend weitergeht, wie er begonnen hatte.

Wyoming

Die Fahrt nach Buffalo war eine dieser Etappen, bei der man nicht einfach nur von A nach B fährt, sondern mittendrin vergisst, dass es überhaupt ein Ziel gibt.

Zwei Stunden lang wurden wir begleitet von einer Landschaft, die wir so nur aus Westernfilmen kannten: endlose Ebenen, sanfte Hügel und ein Himmel, der so weit und makellos blau war, dass man meinte, er müsste irgendwo in Photoshop entstanden sein.

Hin und wieder tauchten kleine Ranches am Horizont auf, eingerahmt von wettergegerbten Holzzäunen, die sich wie handgezeichnete Linien durch die Weite zogen. Dazwischen Kühe, die mit beneidenswert stoischer Ruhe grasten, als gäbe es in ihrer Welt nichts Dringenderes zu tun.

Es war die Art von Strecke, bei der man automatisch ins Träumen gerät – vorausgesetzt, man sitzt nicht am Steuer. Stefan übernahm (wie immer) die ehrenvolle Aufgabe, uns souverän durch diese weite Bilderbuchkulisse zu navigieren, während Oli regelmäßig ausstieg, um Fotos zu machen, sobald ein besonders malerisches Motiv hinter der nächsten Kurve lauerte.

Wir anderen lehnten uns zurück, ließen den Fahrtwind durchs Fenster und den Blick über die Landschaft streifen– und dachten insgeheim: Wenn es eine Straße gibt, auf der man gern die Zeit vergisst, dann ist es genau diese hier.

Kaum in Buffalo angekommen, waren wir direkt hin und weg – und das lag nicht nur am Namen, der irgendwie nach Wildem Westen und Rinderherden klingt. Die kleine Innenstadt begrüßte uns mit charaktervollen Häusern, charmanten Läden und Cafés, die einen mit dem Duft von frischem Kaffee und frisch gebackenen Muffins ganz subtil zum Verweilen überreden wollten.

Besonders ins Auge fielen die farbenfrohen Murals, die überall an den Häuserwänden prangten. Riesige Wandgemälde, kunstvoll gemalt, die Geschichten erzählten – von Bisons, Cowboys, historischen Schlachten und legendären Stadtmomenten. Es war fast, als würde Buffalo sagen: „Setzt euch, schaut hin – hier gibt’s was zu erzählen.“

Downtown Buffalo

Natürlich nahmen wir uns die Zeit, jedes einzelne Kunstwerk ausgiebig zu betrachten und zu fotografieren.Schließlich weiß man nie, wann man wieder Gelegenheit hat, direkt unter einem lebensgroßen Cowboy mit stählernem Blick und wehenden Zügeln zu stehen.

Unser Spaziergang führte uns schließlich zu einem kleinen, aber gut ausgestatteten Spielplatz – und damit war für Noah und Emilia der Tag offiziell gerettet. Sie kletterten, rutschten und tobten, als würden sie fürs Auspowern bezahlt, während Oli und ich uns auf einer Bank niederließen, die Sonne im Gesicht und ein bisschen Familienplausch auf dem Programm.

Stefan und Nadine nutzten die Gelegenheit strategisch und verschwanden zum Tanken – ein cleverer Schachzug, denn die nächste Etappe sollte lang werden.

Mit aufgefülltem Tank – sowohl für den Camper als auch für unsere Energie – fühlten wir uns bestens gewappnet für das nächste Kapitel unseres Roadtrips. Buffalo hatte sich als perfekter Zwischenstopp entpuppt: charmant, entspannt und genau das Richtige, um kurz durchzuatmen, bevor es wieder hieß: Highway, wir kommen.

Wyoming hatte uns einmal mehr gezeigt, dass es nicht nur in der Weite, sondern auch in den kleinen Details bezaubern kann. Doch jetzt lag die nächste Etappe vor uns: Cody.

Die Fahrt nach Cody war weit mehr als nur ein Ortswechsel – sie war ein Erlebnis für sich. Wyomings Landschaft legte sich wie ein aufgeschlagenes Naturbuch vor uns aus: weite Grasflächen, sanft gewellte Hügel und gelegentlich kleine Herden von Kühen und Pferden, die mit stoischer Gelassenheit auf den offenen Weiden grasten.

Die Straßen waren menschenleer – endlos scheinende Streifen Asphalt, die sich schnurgerade durch die Landschaft zogen, als wollte man den Horizont persönlich besuchen. Ab und zu rollte uns ein Pickup entgegen oder ein kleiner Ort blitzte am Horizont auf, wie ein kurzer Gruß aus der Zivilisation.

Erstaunlicherweise blieb es auf der Rückbank ungewöhnlich ruhig. Keine Streitereien, keine „Wann sind wir da?“, keine lautstarken Diskussionen über den Besitz einzelner Spielzeuge. Vielleicht lag es daran, dass Nadine mit Bastelsachen, kleinen Spielen und kreativen Ideen eine Kinderunterhaltung vom Feinsten organisiert hatte – oder daran, dass die Weite draußen auch die Energie drinnen ein wenig ausgebremst hatte.

Noah klebte konzentriert Sticker in ein Heft, während Emilia entschlossen versuchte, Glitzerbilder auf Papier zu bringen. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe – aber hey, Hauptsache, die Laune blieb stabil. So rollten wir entspannt und fast ein wenig ehrfürchtig durch die Szenerie – ein Stück echter Wilder Westen, das wir so schnell nicht vergessen würden.

In Cody angekommen, wurden wir direkt in Empfang genommen – und zwar nicht von einem Empfangskomitee, sondern von riesigen Bannern, die quer über die Hauptstraße gespannt waren und das berühmte Rodeo der Stadt ankündigten.

Ein kurzer Blick aufs Datum – und die Ernüchterung: Zwei Tage zu spät. Die letzte Vorstellung der Saison war vorbei, der Sand der Arena bereits geglättet, die Bullen zurück auf der Weide.

Downtown Cody

Doch sofort wurden Erinnerungen wach an unser Rodeo-Erlebnis von 2014. Damals hatten wir Cowboyhüte auf, Staub in den Schuhen und den Geruch von Pferden in der Nase. Ein echtes Western-Spektakel mit Lassos, wild bockenden Mustangs und Reitern, die mehr flogen als ritten. Ein Highlight, das uns nachhaltig beeindruckt hatte – und das ich auch heute noch jedem wärmstens ans Herz legen kann, der jemals wissen wollte, wie man mit einem Hut und einer Portion Wahnsinn ein tobendes Publikum begeistert.

Cody selbst fühlt sich an wie eine kleine Zeitreise – allerdings mit WLAN und Tankstellen. Die Stadt ist von Geschichte durchtränkt, und kein Name hängt hier präsenter in der Luft als der von Buffalo Bill. William Frederick Cody, besser bekannt als Buffalo Bill, war so etwas wie der Influencer des Wilden Westens – nur eben mit Gewehr statt Selfie-Stick.

Sein Name stammt aus einer Zeit, in der er während des Eisenbahnbaus über 4000 Bisons erlegte, um hungrige Gleisarbeiter satt zu bekommen. Ob diese Zahl stimmt, sei dahingestellt – aber wer will bei einem Mann, der Shows mit Indianern, Kanonen und schießwütigen Amazonen auf die Bühne brachte, schon kleinlich sein?

Buffalo Bill war mehr als nur ein Jäger: Er war ein Showman, ein Mythos auf zwei Beinen, eine Mischung aus Marketinggenie und Grenzlandheld.

Cody empfing uns mit genau dieser Mischung aus Wildwest-Romantik, gelebter Geschichte und dem entspannten Charme einer Kleinstadt, die weiß, was sie hat. Hier trägt die Vergangenheit keine verstaubten Stiefel, sondern steht lässig an der Straßenecke und zwinkert einem zu. Der perfekte Ort, um tiefer einzutauchen – in Legenden, Lagerfeuergeschichten und die ganz eigene Seele des amerikanischen Westens.

The Irma

Unser Abendessen nahmen wir stilecht dort ein, wo Geschichte nicht nur erzählt, sondern serviert wird: im legendären Buffalo Bill’s Irma Hotel. Schon beim Betreten fühlte es sich an, als hätte man versehentlich eine Drehtür ins Jahr 1902 erwischt – dunkles Holz, schwere Kronleuchter, ein Hauch Zigarrenduft in der Luft (vermutlich nur eingebildet), und Wände, die mit historischen Fotografien tapeziert waren, als wäre Buffalo Bill persönlich für die Innenausstattung verantwortlich gewesen.

Es hätte uns nicht überrascht, wenn er höchstselbst durch die Schwingtüren marschiert wäre, den Hut zückte und ein lässiges „Howdy!“ in die Runde warf.

Das Essen? Genauso, wie man es an einem solchen Ort erwartet – deftig, ehrlich und mit einem gewissen Wyoming-Charme, der irgendwo zwischen Steakhouse und Satteltasche liegt. Stefan und Oli gingen auf Nummer sicher und orderten saftige Steaks, die so groß waren, dass man sich kurz fragte, ob der Teller drunter leidet. Nadine und ich wagten uns an regionale Spezialitäten – und bereuten nichts. Die Kinder? Chicken Strips und Pommes – ein Klassiker mit absoluter Erfolgsgarantie.

Während wir aßen, schauten Noah und Emilia abwechselnd auf ihre Teller und die riesigen Kronleuchter über uns, die aussahen, als wären sie direkt aus einem Westernfilm mit besonders gutem Ausstattungsbudget entliehen worden. „Glaubst du, hier waren auch mal Cowboys zu Besuch?“ fragte Noah – mit großen Augen und vollem Mund.Und ganz ehrlich: Wir konnten es uns lebhaft vorstellen.

Nach diesem kleinen Ausflug in die Vergangenheit ging es für uns wieder in die Gegenwart: Wir tankten den Camper auf und machten uns auf den Weg zum Wapiti Campground, ein paar Meilen außerhalb von Cody gelegen – und ein echter Volltreffer.

Sauber, gut ausgestattet und eingebettet in die atemberaubende Landschaft Wyomings, bot der Platz alles, was man sich nach einem langen Tag voller Eindrücke wünschen kann: Strom, WLAN, heiße Duschen – und vor allem Ruhe.

Nach dem Trubel des Tages saßen wir noch eine Weile draußen, genossen die frische Luft und blickten in einen Sternenhimmel, der so klar war, dass man fast automatisch zu philosophieren beginnt. Es war einer dieser Abende, an denen man einfach nur dasitzt, in die Dunkelheit schaut und sich denkt: Wie schön ist es eigentlich, einfach hier zu sein?

Zufrieden, müde und mit einem Hauch Westernromantik im Gepäck kuschelten wir uns schließlich in unsere Betten. Morgen wartet das nächste Abenteuer.

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