Von goldenen Kuppeln, endlosen Einkaufsmeilen und ein Abend im Baseball Stadion

Der Tag begann früh, fast unanständig früh, mit einem Frühstück, das man getrost als solide Grundlage für jegliche Abenteuer bezeichnen konnte. Ein Teller voller deftigem Frühstücks-Glück – Eier, Bagels, Cheesecream – und dazu ein Kaffee, der stark genug war, um selbst einen Grizzly aus dem Winterschlaf zu reißen. Na ja, zumindest in der Theorie. In der Praxis hatten wir leider nur Folgers Coffee – In der Realität hatten wir Folgers Coffee – ein Gebräu, das bestenfalls das sanfte Erwachen eines besonders ausgeglichenen Faultiers beschleunigen könnte. Trotzdem – es ist 7:15 Uhr, und wir sind wach und gut gestärkt.

Um 8:30 Uhr starteten wir voller Tatendrang in das, was wir uns als perfekten Tag in Denver vorgestellt hatten. Als erste Station hatten wir uns ein Highlight ausgesucht, das unsere Herzen schneller schlagen ließ: ein Besuch im Harley-Davidson-Shop. Die Vorfreude war spürbar. Bilder von coolen Lederjacken, und schicken T-Shirts hatten wir im Kopf. Doch die Realität lachte uns hämisch ins Gesicht – Montags geschlossen. Großartig! Da standen wir nun und konnten nicht einmal durch die Fensterscheiben schielen, weil die Rollläden gnadenlos heruntergelassen waren.

Lookout Mountain

Also schüttelten wir den kleinen Rückschlag ab und richteten unseren Kurs auf das nächste Ziel, das uns nicht enttäuschen konnte: den Lookout Mountain und das Grab von Buffalo Bill.

Schon die Fahrt hinauf war eine kleine Sensation für sich. Der Weg schlängelte sich durch sattgrüne Hügellandschaften, die sich Stück für Stück zu einer Kulisse aufbauten, die direkt aus einem Western stammen könnte. Und dann: der Gipfel.

Hier oben war die Luft so klar, dass man fast meinte, sie knistern zu hören. Die Aussicht? Unverschämt schön. Vor uns erstreckte sich die Landschaft in schier endlosen Wellen – sanfte Hügel, scharfkantige Bergketten, ein weiter Blick, der bis zum Horizont reichte. Denver lag in der Ferne wie eine Miniaturstadt, und irgendwo dazwischen schlängelten sich Flüsse und Straßen durch die Wildnis.

Mitten in dieser Szenerie: das Grab von Buffalo Bill. Ein Ort, der genauso beeindruckend war wie die Legende selbst. Der berühmte Büffeljäger und Showman, der einst mit seiner „Wild West Show“ die Welt begeisterte, hatte hier seine letzte Ruhe gefunden. Die Gedenkstätte war schlicht, aber dennoch eindrucksvoll – ein Platz, an dem man für einen Moment innehielt und sich fragte, wie es wohl gewesen sein muss, als der Wilde Westen noch wild war.

Nach dem historischen Exkurs meldete sich unsere zweite große Leidenschaft zu Wort: der Souvenir-Instinkt. Praktischerweise hatte irgendjemand genau das vorhergesehen und einen Souvenirshop ganz on der Nähe des Grabes platziert. Ein Meisterwerk unternehmerischer Weitsicht.

Was folgte, war eine Lektion in Entscheidungsschwäche. Eine Kaffeetasse mit Buffalo Bill? Unbedingt! Handgefertigter Indianerschmuck? Schick! Eine Miniatur-Büffelstatue, die realistisch genug aussah, um einen winzigen Showdown mit dem Kaktus auf der Fensterbank zu inszenieren? Warum nicht! Wir stöberten, diskutierten, überlegten – und als wir schließlich an der Kasse standen, waren unsere Taschen merklich schwerer und unser Budget etwas leichter.

Buffalo Bill Grave

Zurück in Denver stellten wir unser Auto ab und machten uns zu Fuß auf, die Stadt zu erkunden. Ein kluger Schachzug, wie sich später herausstellen sollte, denn in einer Stadt, die auf einer Höhe von 1.600 Metern liegt, sammelt man mit jedem Schritt still und heimlich Trainingspunkte für den nächsten Wanderurlaub.

Unser erstes Ziel: die berühmte Union Station. Ein Gebäude, das sich mit beeindruckender Gelassenheit zwischen den Jahrhunderten bewegt – historisch genug, um ehrfürchtig stehenzubleiben, modern genug, um sich zu fragen, ob man hier wirklich nur einen Zug nehmen kann.

Schon von außen machte das Bauwerk einen klaren Standpunkt deutlich: „Ja, ich bin ein Bahnhof. Aber ich bin auch verdammt schick dabei.“ Die Fassade, ein stolzer Gruß aus vergangenen Zeiten, ließ keinen Zweifel daran, dass hier einst Reisende in langen Mänteln und mit schweren Koffern auf den nächsten Zug Richtung Abenteuer warteten.

Denver Union Station

Doch das eigentliche Staunen begann drinnen. Die Union Station ist weit mehr als ein bloßer Verkehrsknotenpunkt – sie ist ein Kunstwerk. Hohe Decken, Marmorsäulen, polierte Holzbänke, die Geschichten aus einem anderen Jahrhundert erzählen könnten. Hier hallt noch der Charme vergangener Tage, als Reisen eine feierliche Angelegenheit war und nicht das hektische Koffer-Schieben, das wir heute von Flughäfen kennen.

Doch nostalgisch wird es hier nur, wenn sich darauf einläßt. Denn während die Architektur ein Hauch von „The Great Gatsby“ versprüht, zeigt sich das Innenleben der Union Station durchaus am Puls der Zeit. Stylische Cafés servieren exzellenten Kaffee, Restaurants locken mit kulinarischen Verführungen, und kleine Boutiquen verführen mit Dingen, die man garantiert nicht braucht, aber trotzdem unbedingt haben möchte.

Das Beste daran? Hier geht es nicht nur um Züge, sondern ums Leben. Menschen flanieren, plaudern, genießen – egal ob sie auf einen Zug warten oder einfach nur gekommen sind, um ein Glas Wein in einer der stilvollen Lounges zu trinken. Kurz gesagt: Die Union Station ist ein Bahnhof für Menschen, die nicht unbedingt zum Zug müssen.

Wir schlenderten durch die Hallen, sog die Atmosphäre in uns auf und beschlossen, den Moment gebührend zu würdigen – mit einem Kaffee, der wahrscheinlich dreimal so teuer war wie ein Busticket, aber definitiv den Geschmack von urbanem Lifestyle hatte.

Nachdem wir die Union Station ausgiebig erkundet hatten – sprich, lange genug gestaunt hatten, um wie architektonische Experten zu wirken, und erfolgreich jedem zweiten Laden widerstanden hatten – zogen wir weiter in das Herz von Downtown Denver.

Unser Ziel: die berühmte 16th Street Mall. Eine Straße, die sich über stolze 1,6 Kilometer erstreckt und ausschließlich Fußgängern und kostenlosen Shuttlebussen vorbehalten ist – eine Wohltat für all jene, die gerne ziellos bummeln, ohne dabei um ihr Leben rennen zu müssen.

16th Street Mall

Hier gab es alles: Boutiquen, Designerläden, Souvenirshops, skurrile Straßenkünstler, die uns für einen Moment an unserer eigenen Wahrnehmung zweifeln ließen – und natürlich jede Menge Cafés und Restaurants, die die verführerische Kunst des „Nur-mal-kurz-reinschauens-und-plötzlich-hat-man-einen-Kaffee“ perfektioniert hatten.

Doch nicht nur die Geschäfte waren einen Blick wert. Die Architektur entlang der 16th Street Mall bot eine faszinierende Mischung aus alt und neu, modernem Glas und historischem Charme. Mal strahlten Hochhäuser mit spiegelnden Fassaden die Sonne zurück, mal reihten sich alte Backsteingebäude aneinander, die Geschichten aus einer Zeit erzählten, als Denver noch mehr nach Wildem Westen als nach urbanem Schmelztiegel aussah. Kurz gesagt: Diese Straße war nicht einfach nur eine Einkaufsmeile – sie war ein lebendiges Geschichtsbuch.

Nachdem wir uns tapfer durch die halbe 16th Street Mall geschlagen hatten, vorbei an Geschäften, Straßenkünstlern und der einen oder anderen Verlockung, die unser Portemonnaie gefährlich leicht gemacht hätte, tauchte endlich unser mittägliches Ziel vor uns auf: die Rock Bottom Brewery. Der Name klang zwar ein wenig nach „Tiefpunkt“, doch wenn das hier wirklich der Tiefpunkt war, dann ließen wir uns mit Vergnügen darauf ein.

Rock Bottom Brewery

Kaum hatten wir die Tür geöffnet, wurden wir mit einem Lächeln empfangen, das einen Preis für Gastfreundschaft verdient hätte. Die Kellnerin, die uns mit einer Energie begrüßte, die vermutlich aus einem Espresso-Trip resultierte, führte uns zu unserem Tisch, als würde sie uns nach Hause bringen. Kaum hatten wir uns hingesetzt, wurden uns die Speisekarten mit der Eleganz eines Pokerspielers, der sein Blatt auf den Tisch knallt, vorgelegt.

Und dann – die Bierkarte. Oder besser gesagt: das Bierbuch. Die Auswahl war so umfangreich, dass wir kurz dachten, eine Braumeister-Prüfung ablegen zu müssen, bevor wir bestellen durften. Doch glücklicherweise übernahm unsere Kellnerin das Kommando und schwärmte mit einer Leidenschaft von den hausgebrauten Bieren, als hätte sie jedes einzelne persönlich im Keller fermentiert. Neugierig und ein wenig eingeschüchtert von so viel Fachwissen, bestellten wir mutig einige der lokalen Spezialitäten.

Und dann kam das Essen. Burger, die aussahen, als hätte jemand ein ganzes Rind für sie geopfert. Spareribs, die so zart waren, dass man sie vermutlich nur böse anschauen musste, damit sie vom Knochen fielen. Pommes, knusprig, salzig, perfekt. Kurz gesagt: Wir hatten nicht einfach nur Hunger gestillt – wir hatten eine kulinarische Offenbarung.

Doch das Beste kam zum Schluss. Als wir uns mit vollem Bauch und noch volleren Herzen auf den Weg nach draußen machten, überraschte uns unsere Kellnerin mit einem Abschiedsgeschenk. Zwei Biergläser mit dem Logo der Brauerei, ein kleines Souvenir, das uns für immer an diesen perfekten Mittag erinnern sollte.

Mit unseren Schätzen in den Händen, leicht beschwingt vom Bier (und dem Gefühl, den Jackpot des Tages gezogen zu haben), zogen wir weiter durch Denver, bereit für das nächste Abenteuer.

Gerade als wir dachten, unser Streifzug durch Downtown Denver hätte genug Highlights geliefert, zog uns eine wohlbekannte Fassade magisch an. Ein Ort, der in unserer Familie mittlerweile so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz ist: das Hard Rock Café.

Hardrock Cafe Denver

Man könnte meinen, wir hätten uns nach all den Jahren daran gewöhnt, aber nein – es ist jedes Mal dasselbe. Sobald das ikonische Logo in Sicht kommt, gibt es kein Zurück mehr. “Been there – Got the Shirt” ist nicht einfach nur ein Spruch, es ist ein Familienprinzip. Und wer wären wir, wenn wir ausgerechnet in Denver damit brechen würden?

Also rein da. Kaum über die Türschwelle getreten, begrüßten uns die vertrauten Klänge klassischer Rockhymnen – und eine Merchandising-Abteilung, die gefährlicher für unser Budget war als jede Steuerprüfung. T-Shirts, Hoodies, Drumsticks, Pins – alles schrie geradezu: “Kauf mich!”

Die Auswahl? Großartig. Nach einer kurzen, aber intensiven Debatte über Farben, Logos und ob wir nicht doch lieber die limitierte Edition nehmen sollten (Spoiler: natürlich haben wir sie genommen), verließen wir das Hard Rock Café um eine Handvoll Dollar ärmer, aber um eine weitere Erinnerung reicher.

Mit unseren frisch erbeuteten Souvenirs im Gepäck fühlte sich der Tag plötzlich noch ein kleines bisschen kompletter an. Und während wir weiter durch Denver schlenderten, wussten wir eines mit Sicherheit: Dieses Ritual wird niemals alt.

16th Street Mall

Vom Hard Rock Café aus war es nur ein kurzer Spaziergang bis zum Colorado State Capitol. Und ganz ehrlich – wenn ein Gebäude mit einer goldenen Kuppel in der Nachmittagssonne leuchtet, dann kann man gar nicht anders, als sich davon anziehen zu lassen.

Majestätisch thronte das Capitol auf einem kleinen Hügel, als wollte es sichergehen, dass wirklich niemand seine Bedeutung infrage stellte. Historische Architektur, hohe Säulen, ein Hauch von Regierungsautorität – dieses Gebäude hatte eine Aura, die gleichermaßen Respekt und Ehrfurcht einflößte.

Wir spazierten um das Gebäude herum, ließen den Blick über die Stadt schweifen und genossen die imposante Szenerie. Denver lag uns buchstäblich zu Füßen, und für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als hätten wir es bis ganz nach oben geschafft – politisch, geografisch und vielleicht auch ein bisschen emotional.

Colorado State Capitol

Kaum hatten wir die schweren Türen des Capitols durchschritten, wurden wir von einer Mischung aus architektonischer Pracht und geschichtsträchtiger Erhabenheit erschlagen. Im positiven Sinne, versteht sich. Marmor, wohin das Auge reicht, kunstvolle Details an jeder Ecke – dieses Gebäude war nicht nur ein Regierungssitz, sondern ein Statement.

Doch das wahre Highlight war natürlich die goldene Kuppel. Sie ragte so hoch über uns auf, dass unser erster Instinkt war, reflexartig den Kopf in den Nacken zu legen und ehrfürchtig nach oben zu starren. Das Sonnenlicht brach durch die hohen Fenster und tauchte den Innenraum in ein goldenes Leuchten, als hätte jemand einen Instagram-Filter über das gesamte Gebäude gelegt.

Im Inneren empfing uns eine Szenerie, die jedem Historienfilm gerecht geworden wäre. Fresken schmückten die Wände, kunstvolle Gemälde erzählten von Colorados Geschichte, und die Decken – eine Mischung aus Renaissance-Drama und patriotischer Ehrfurcht – wirkten so imposant, dass man sich ein bisschen kleiner fühlte als gewöhnlich. Natürlich hielten wir das alles fotografisch fest, denn man weiß ja nie, wann man das nächste Mal in einem Regierungsgebäude steht, das aussieht, als könnte es selbst ein Museum sein.

Colorado State Capitol

Und dann war da noch die berühmte “One Mile High Step.” Die Treppe, die exakt markiert, wo Denver seine berühmte Meilenhöhe erreicht. Eine Treppenstufe, die mehr Prestige mit sich bringt als der VIP-Bereich eines Luxushotels. Natürlich konnte niemand von uns widerstehen, einmal darauf zu stehen – nicht nur, weil es ein Foto wert war, sondern weil man sich kurz so fühlte, als hätte man persönlich einen Berg bestiegen.

Nach dieser geballten Ladung Geschichte und Architektur entschieden wir, dass wir genug Ehrfurcht für einen Tag gesammelt hatten. Zum Glück gab es den kostenlosen Shuttlebus zurück zur Union Station – eine Wohltat für unsere müden Füße, die sich langsam weigerten, weiter zu kooperieren.

Während wir uns entspannt zurücklehnten und durch die Fenster das Stadtleben an uns vorbeiziehen ließen, war klar: Denver hatte uns mit offenen Armen empfangen – und uns dabei auch gleich eine kleine Lektion in Sachen Höhenluft und beeindruckender Baukunst verpasst.

Zurück an der Union Station, machten wir uns auf den kurzen Weg zurück ins Hotel. Nach einem ereignisreichen Tag war es an der Zeit für eine kleine Verschnaufpause. Stefan und ich nutzten die Gelegenheit, um noch ein paar Besorgungen zu machen – denn was wäre ein perfekter Abend ohne Eiscreme?

Während wir also die Supermarkt-Gänge nach der perfekten Kombination aus Schokolade, Karamell und knusprigen Extras durchforsteten, hatten Nadine und Olli ganz andere Pläne. Die beiden Baseball-Enthusiasten zogen los, um sich das Spiel der Colorado Rockies gegen die San Francisco Giants anzusehen. Praktischerweise lag das Stadion nur zehn Gehminuten von unserem Appartement entfernt – wenn das mal nicht eine Einladung war!

Vier Stunden später – und mit einer knappen Niederlage für die Rockies – kehrten die beiden trotzdem bestens gelaunt zurück. Die Atmosphäre im Stadion war elektrisierend gewesen, das Spiel spannend bis zur letzten Minute, und die Stimmung unter den Fans so mitreißend, dass selbst eine Niederlage nicht die Laune trüben konnte.

Während Olli und Nadine also die volle Baseball-Dröhnung erlebt hatten, machten wir es uns mit den Kindern im Appartement gemütlich – mit einer großen Portion Eis und der unbestreitbaren Gewissheit, dass ein entspannter Abend manchmal mindestens genauso viel wert ist wie ein actionreiches Sportevent.

Der Abend klang ruhig und entspannt aus. Irgendwann tauchten auch Nadine und Olli auf, noch immer erfüllt von der Energie des Spiels, während die Kinder längst tief und fest schliefen – vermutlich träumend von goldenen Kuppeln, riesigen Burgern und vielleicht sogar von einer Karriere als Profi-Baseballer.

Wir saßen noch eine Weile zusammen, tauschten Eindrücke aus, lachten über die Erlebnisse des Tages und bestaunten die Baseball-Souvenirs, die Nadine und Olli stolz präsentierten. Denver hatte uns in seinen Bann gezogen – eine Stadt voller Vielfalt, Charakter und einer Atmosphäre, die uns von der ersten Minute an gefesselt hatte.

Schließlich verabschiedete sich die Erschöpfung in Form von müden Gähnern. Müde, aber glücklich, fielen wir ins Bett, während die Vorfreude auf den nächsten Tag bereits in unseren Gedanken herumschwirrte. Noch mehr Erlebnisse, noch mehr Abenteuer – und mit Sicherheit wieder eine Geschichte, die wir später lachend erzählen würden.

Gute Nacht, Denver – wir sehen uns morgen!

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