
Wilde Straßen und weite Ausblicke: Monument Valley, Mokey Dugway und Muley Point erkundet
Der Tag begann mit einer fein abgestimmten Expedition in die Welt der Reiseverpflegung. Während Stefan Bagels belegte, sorgte ich dafür, dass auch die wesentlichen Dinge nicht vergessen wurden – Obst für das gute Gewissen und eine solide Ration Süßigkeiten für den unvermeidlichen Durchhänger unterwegs. Reisen ist schließlich kein Sprint, sondern ein Marathon – mit Snack-Pflicht.
Mit einer wohlgefüllten Kühltasche und reichlich Vorfreude packten wir alles ins Auto und starteten in einen Tag voller atemberaubender Landschaften, filmreifer Kulissen und – nicht zu vergessen – einer längeren Autofahrt. Doch Langeweile? Fehlanzeige.
Unsere Route führte uns von Page in Richtung Monument Valley – einer dieser Orte, die so oft in Filmen auftauchen, dass man das Gefühl hat, sie bereits zu kennen, noch bevor man sie tatsächlich mit eigenen Augen sieht. Und genau dieses Gefühl machte die Fahrt zu einem echten Erlebnis.
Obwohl wir das Monument Valley nicht direkt besuchten, bot schon der Highway 163 ein Panorama, das in Sachen Wild-West-Klischees keine Wünsche offenließ. Die Straße zog sich durch die endlose Weite, umrahmt von gewaltigen Felsen, die mit jeder Meile ein bisschen monumentaler wirkten.

Dann tauchte er auf – der legendäre Movie-Spot aus „Forrest Gump“ – live und in Farbe. Der berühmte „Forrest Gump Hill“ lag direkt vor uns. Genau hier, mitten in der endlosen Einsamkeit, beschloss Tom Hanks alias Forrest Gump im Film, dass es nun genug mit dem Laufen war. Und ganz ehrlich? Wir konnten es ihm nicht verübeln. Also taten wir, was jeder vernünftige Mensch an dieser Stelle tun würde: Wir hielten an.
Die endlose Straße zog sich wie ein schmaler Streifen Asphalt durch die Wüste, flankiert von den mächtigen Felsen des Monument Valley, die sich in der Ferne auftürmten. Es war eine dieser Szenen, die alles verkörpern, was man sich unter dem amerikanischen Südwesten vorstellt – Weite, Freiheit, diese fast surreale Stille.
Und natürlich nutzten wir die Gelegenheit, um ein paar „Wir sind hier!“-Fotos zu schießen. Bilder, die nach Abenteuer schreien und gleichzeitig beweisen, dass manche Orte nicht einfach nur Ziele sind, sondern Erlebnisse an sich.
Unser nächster Halt war ein echtes Highlight der Kategorie „Hat sich die Natur da einen Scherz erlaubt?“ – der berühmte „Mexican Hat“, eine Felsformation, die ihrem Namen alle Ehre macht.
Dort stand er, hoch auf einem schmalen Sockel balancierend, als hätte ihn jemand mit größter Präzision dorthin gesetzt. Ein massiver, überdimensionaler Sombrero, scheinbar schwerelos auf seiner winzigen Basis ruhend.Man hätte schwören können, dass er nur darauf wartete, heruntergepflückt und aufgesetzt zu werden – wenn man sich denn trauen würde.

Aus der Ferne wirkte es fast absurd – wie konnte so ein massiver Stein einfach so in der Balance bleiben? Aus der Nähe war es nicht minder beeindruckend. Die Natur hatte hier nicht einfach nur mit Erosion gespielt, sie hatte eine Skulptur erschaffen, die jedem Gleichgewichtsprinzip trotzt.
Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme. Während wir den „Hut“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachteten, sprudelten die Theorien nur so aus ihnen heraus. „Vielleicht hat ein Riese seinen Hut nach einem langen Tag hier vergessen?“ spekulierte Noah, während er den Felsen mit prüfendem Blick musterte. „Oder ein gigantischer Windstoß hat ihn von einem anderen Berg hergeweht?“ mutmaßte Emilia, die den Himmelsrichtungen mit deutlich mehr Vertrauen begegnete als der Schwerkraft.
Wir ließen uns mitreißen und überlegten weiter. War der „Mexican Hat“ das geheime Überbleibsel eines uralten Wüstenvolks, das mit überdimensionalen Kopfbedeckungen experimentierte? Oder war das hier einfach nur das beste Beispiel dafür, dass die Natur gelegentlich über einen ziemlich trockenen Sinn für Humor verfügt?
Während wir unsere Theorien austauschten, kam unweigerlich die nächste große Frage auf: Wie lange wird dieses Naturwunder noch so perfekt in Balance bleiben? Jedes Mal, wenn ein Windstoß durch die Wüste fegte, warf jemand von uns einen skeptischen Blick nach oben. Als könnte ein einziges unerwartetes Lüftchen die Jahrtausende alte Formation ins Wanken bringen. Doch nichts geschah.
Der Hut stand felsenfest, als wollte er uns zeigen, dass er genau weiß, was er tut. Schließlich verabschiedeten wir uns mit einem letzten Blick – und mit dem vagen Gefühl, dass man sich in ein paar hundert Jahren vielleicht doch noch wundern wird, wo der verdammte Hut geblieben ist.
Bildergalerie: Monument valley
Von hier aus ging es hoch hinaus – wortwörtlich. Unser nächstes Ziel war der berüchtigte Moki Dugway, eine der spektakulärsten Offroad-Strecken der gesamten Region. Und wenn eine Straße es schafft, Offroad-Liebhabern den Puls in die Höhe zu treiben, dann diese.
Schon der erste Blick auf den Berg vor uns ließ Respekt aufkommen. Wo genau soll hier eine Straße verlaufen? Die Antwort war ernüchternd: An der Felswand entlang. Haarnadelkurven, schmale Fahrspuren und ein Abgrund, der sich direkt neben den Reifen auftut – was kann da schon schiefgehen?
Für Stefan und mich, bekennende Fans von herausfordernden Straßen, war der Moki Dugway längst kein Neuland mehr – heute war es unser vierter Aufstieg. Doch selbst nach all den Jahren verliert diese Strecke nichts von ihrer Faszination. Es ist ein Erlebnis, bei dem sich Fahrspaß, Nervenkitzel und Panorama perfekt vermischen.
Langsam rollten wir los, der Kies knirschte unter den Reifen, die ersten engen Kehren standen bevor. Hinten auf dem Rücksitz wurde es plötzlich still. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Kinder den Ernst der Lage erkannten. Kein „Wann sind wir daaa?“, kein „Ich hab Hunger!“, nur große Augen und ein gelegentliches Einziehen der Luft, wenn wir eine besonders schmale Passage passierten.

Die Straße schlängelte sich entlang des Berges, als wäre sie nur aus reinem Trotz gegen die Schwerkraft entstanden. Mit jeder Kurve gewannen wir an Höhe, und mit jedem Höhenmeter öffnete sich der Blick weiter.
Unter uns breitete sich das Valley of the Gods aus – eine wüstenhafte Weite, die in allen erdenklichen Rot- und Orangetönen schimmerte. Die Serpentinen hingen so spektakulär am Abgrund, dass es sich anfühlte, als würden wir direkt in den Himmel fahren.
Die schärfsten Kehren erforderten volle Konzentration – und absolute Präzision. Es gab Momente, in denen es so aussah, als hätte der Weg nur knapp die Breite eines einzigen Fahrzeugs. Jeder Millimeter war wertvoll. Einmal falsch eingeschlagen – und der nächste Halt war ein paar hundert Meter tiefer.
Bildergalerie: Moki dugway
Am Ende der Straße das Finale: Oben angekommen, blieb uns nur eins – Staunen. Das Panorama war unbeschreiblich. Die Welt lag uns buchstäblich zu Füßen, die unendliche Weite des Südwestens erstreckte sich bis zum Horizont. Es war ein Blick, der keine Worte brauchte.
Ein Bild von unberührter Wildnis, endloser Freiheit und einer Landschaft, die so monumental war, dass sie selbst die spektakulärste Straße nur als kleine, unscheinbare Spur in sich aufnahm. Und genau für diesen Moment lohnte sich jeder Adrenalinstoß.

Der Moki Dugway – eine Straße für Mutige (und Menschen ohne Höhenangst)
Der Moki Dugway ist eine der beeindruckendsten und nervenaufreibendsten Straßen im Südwesten der USA. Er verbindet das Valley of the Gods mit der Hochebene von Cedar Mesa und überwindet dabei rund 335 Höhenmeter auf nur knapp 5 Kilometern.
Woher kommt der Name „Moki Dugway“?
Der Begriff „Moki“ stammt aus der Sprache der Anasazi, einem indigenen Volk, das vor Jahrhunderten im Südwesten der USA lebte. Der Ausdruck bedeutet so viel wie „verlassen“ oder „tot“ – was vielleicht ein wenig unheilvoll klingt, aber vermutlich auf die einst entlegene Lage dieser Route anspielt. „Dugway“ beschreibt eine in den Fels gehauene Straße – und genau das ist der Moki Dugway: eine Strecke, die in den Fels geschnitzt wurde, um eine nahezu senkrechte Felswand befahrbar zu machen.
Warum gibt es diese abenteuerliche Straße?
Der Moki Dugway wurde 1958 von der Texas Zinc Mining Corporation gebaut, um Uranerz von den Minen in der Nähe von Fry Canyon zur Verarbeitungsanlage in Mexican Hat zu transportieren. Damals rollten schwer beladene Lastwagen diese Strecke hinunter – ein Gedanke, der einem heute angesichts der engen Kurven und steilen Abgründe fast den Atem raubt. Bis heute ist die Straße größtenteils unbefestigt, aber in erstaunlich gutem Zustand.
Was macht den Moki Dugway so besonders?
- Panorama-Ausblicke: Von oben hat man einen spektakulären Blick auf das Valley of the Gods, die Goosenecks des San Juan River und an klaren Tagen sogar bis zum Monument Valley.
- Extreme Streckenführung: Die Serpentinen winden sich mit Haarnadelkurven in den Fels, während die Straße stellenweise nur eine Fahrzeugbreite hat – ohne Leitplanken.
- Abenteuerfaktor: Steile Anstiege (bis zu 11 % Steigung) und lose Schotterabschnitte machen die Strecke zu einer echten Herausforderung – vor allem für Fahrer, die nicht schwindelfrei sind.
Kann man den Moki Dugway mit jedem Fahrzeug befahren?
Ja, theoretisch ist die Strecke mit jedem normalen Auto machbar, solange das Wetter trocken ist. Nach Regenfällen oder Schnee kann die Straße jedoch rutschig und gefährlich werden, da sie unbefestigt ist und keinerlei Absicherungen hat. Wohnmobile, große Camper oder Gespanne sind allerdings verboten – nicht nur wegen der Enge, sondern auch, weil Wenden praktisch unmöglich ist.
Ist der Moki Dugway sicher?
Solange man langsam und vorsichtig fährt – ja. Die größte Herausforderung sind die engen Kehren und der lose Untergrund. Wer jedoch die Geschwindigkeit anpasst und sich an die Straße gewöhnt, wird mit einem der spektakulärsten Ausblicke des Südwestens belohnt.
Der Moki Dugway ist also mehr als nur eine Offroad-Strecke – er ist ein echtes Erlebnis. Ein Muss für alle, die spektakuläre Panoramen und eine Prise Nervenkitzel lieben.
Der Moki Dugway lag nun hinter uns, die Serpentinen waren bezwungen, und jetzt wartete die nächste Belohnung: Muley Point.
Schon die Anfahrt ließ erahnen, dass hier kein gewöhnlicher Aussichtspunkt auf uns wartete. Die gut zu fahrende Dirtroad führte uns etwa 3,7 Meilen durch eine scheinbar endlose Steinlandschaft, bis wir den ersten Overlook erreichten – und dann war es soweit: Die Welt lag uns zu Füßen.
Ein gewaltiges Felsplateau, das abrupt in den Abgrund überging, bot eine Aussicht, die sich kaum in Worte fassen ließ. Tief unter uns wand sich der San Juan River durch den Goosenecks State Park, seine endlosen Schleifen erinnerten an ein kunstvolles Labyrinth aus Wasser und Fels. Und in der Ferne? Die dunklen, scharf geschnittenen Silhouetten der Monument Valley-Monolithen, die aus der Wüste ragten wie steinerne Wachtürme. Ein Anblick, der uns klein erscheinen ließ – aber in genau dieser Art, die einen mit Ehrfurcht erfüllt.
Natürlich gaben wir uns nicht mit einem Aussichtspunkt zufrieden. Nach weiteren 1,3 Meilen erreichten wir das Ende der Dirtroad – und damit den zweiten Muley Point Overlook. Und wenn wir dachten, die erste Aussicht wäre nicht zu überbieten gewesen, dann hatte uns dieser Ort etwas Besseres zu lehren.
Ein 360-Grad-Panorama, so weit das Auge reichte. Von hier aus bot sich ein atemberaubender Blick auf die unterschiedlichsten Felsformationen und Bergketten. Die sanften Wellen des Goosenecks State Park breiteten sich direkt unter uns aus, während sich am Horizont eine Reihe gewaltiger Gebirgsketten abzeichnete:
- Die Navajo Mountains – Heimat zahlreicher Mythen und Legenden.
- Die Henry Mountains – die letzten entdeckten Berge der USA, heute ein Paradies für Wanderer und Abenteurer.
- Die Abajo Mountains – dunkle, bewaldete Riesen, die einen starken Kontrast zur umliegenden Wüstenlandschaft bildeten.
- Die Ute Mountains – heilig für die indigenen Völker und in ihrer Präsenz ebenso erhaben wie geheimnisvoll.
Hier oben, auf diesem entlegenen Felsplateau, gab es nichts außer Weite, Wind und Stille. Ein Gefühl von grenzenloser Freiheit, wie es nur Orte bieten können, an denen die Natur noch ungestört für sich selbst spricht.

Am Felsrand stehend, ließen wir den Blick schweifen – und wurden dabei fast in die Landschaft hineingezogen. Das Monument Valley lag da wie eine Filmkulisse, nur ohne Greenscreen und Special Effects. Selbst aus dieser Entfernung hatten die Monolithen eine fast magnetische Anziehungskraft – sie standen da, als wüssten sie ganz genau, dass sie der Star dieser Szenerie waren. Und ja, wir waren beeindruckt. Sehr sogar.
Vor uns breitete sich eine Landschaft aus, die aussah, als hätte die Natur in ihrer künstlerischen Phase einfach mal drauflos gemeißelt. Täler, Felsnadeln, Canyons und endlose, zerklüftete Plateaus – alles in einer Farbenpalette von Glutrot bis Wüstengelb. Wäre die Welt ein Museum, wäre das hier der Teil, für den man extra Eintritt zahlen müsste.
Bildergalerie: muley point
Und während wir da standen und die Aussicht bestaunten, dämmerte uns eines: Ein solcher Ort verlangt nach einer angemessenen Pause. Entscheidung gefallen: Hier wird gepicknickt. Sterne-Restaurant? Pff. Wir hatten einen Tisch mit der besten Aussicht, die man sich wünschen konnte.
Decken auf den Felsen ausgebreitet, Lunchboxen strategisch platziert – schon war unser Gourmet-Erlebnis mit Blick auf die Ewigkeit eröffnet. Und was soll ich sagen? Der Geschmack eines simplen Brötchens ändert sich schlagartig, wenn man es in 200 Metern Höhe über einer endlosen Felslandschaft verspeist. Der Duft der warmen Steine mischte sich mit unserem Proviant, der Wind spielte leise mit den Krümeln, und wir fühlten uns ein bisschen wie Entdecker auf einer Expedition – nur mit deutlich besserer Snack-Versorgung.
Und so saßen wir da, kauten zufrieden, schauten über die unendliche Weite und kamen zu einer Erkenntnis: Es gibt Orte, die muss man einfach erlebt haben – und wenn möglich mit vollem Magen. Aber irgendwann muss auch das schönste Picknick enden. Wir packten zusammen, warfen einen letzten sehnsüchtigen Blick über die Felskante – und zogen weiter.

Muley Point – Ein Aussichtspunkt der Extraklasse
Muley Point – kaum ein Name klingt unscheinbarer, doch wer einmal dort oben gestanden hat, weiß: Diese karge, windgepeitschte Felskante ist alles andere als gewöhnlich. Sie gehört zu den spektakulärsten Aussichtspunkten im Südwesten der USA – und ist gleichzeitig ein Ort, den viele übersehen. Was ihr verpasst? Nun ja, nur einen der größten Wow-Momente der gesamten Reise.
Gelegen auf der Hochebene von Cedar Mesa in Utah, hoch über den zerklüfteten Windungen des San Juan River, erreicht man Muley Point, wenn man sich zuvor den berüchtigten Moki Dugway hinaufgetraut hat – eine kurvige Schotterstraße, bei der sich selbst das Navi am Geländer festhalten möchte. Oben angekommen, biegt man auf eine etwa 5 Meilen lange Dirt Road ab, die meist gut zu fahren ist, solange der Himmel nicht beschlossen hat, das Abenteuer mit Regen aufzuwerten. Denn dann verwandelt sich der Boden in eine Mischung aus Schmierseife und Rutschbahn.
Was einen dort erwartet, ist kaum in Worte zu fassen. Der Blick schweift in alle Richtungen – und hört einfach nicht auf. Eine 360-Grad-Kulisse aus schroffen Felsformationen, fernen Bergketten und endloser Weite, die sich wie ein Panoramaepos in Cinemascope anfühlt. Der San Juan River gräbt sich tief unten durch die Felsen, zieht seine berühmten Schleifen durch den Goosenecks State Park und lässt ahnen, was Jahrmillionen Erosion so alles anstellen können. Und wenn die Sicht gut ist, erkennt man am Horizont sogar die Felsriesen des Monument Valley, die wie stumme Wächter in der Ferne stehen.
Noch weiter draußen zeichnen sich die Henry Mountains, der Navajo Mountain, die Ute Mountains und die Abajo Mountains ab – allesamt mit Namen, die nach Wildnis, Geschichten und Fernweh klingen. Und das Beste daran: Man teilt diese Aussicht in der Regel mit… niemandem. Muley Point ist immer noch ein echter Geheimtipp. Kein Souvenirshop, kein Geländer, keine Busladung Selfiesticks – nur du, der Wind und das Gefühl, auf dem Dach der Welt zu stehen.
Der Name selbst hat übrigens nichts mit Eseln zu tun, sondern stammt von den Mule Deer – den Maultierhirschen, die einst durch diese Gegend streiften. Das „Point“ bezieht sich auf die dramatische Felskante, die hier wie ein natürlicher Aussichtsbalkon über dem Canyon thront.
Auch geschichtlich hat die Region einiges zu erzählen. Anasazi und Navajo lebten hier über Jahrtausende, nutzten die tief eingeschnittenen Canyons zum Schutz, als Wasserquelle und Jagdrevier. In der Umgebung finden sich bis heute Petroglyphen und Siedlungsreste, stille Zeugen einer langen, faszinierenden Vergangenheit.
Und als wäre das alles nicht schon genug: Die NASA testete hier in den 1960er-Jahren Mondlandungen. Kein Witz. Die Oberflächenstruktur rund um Muley Point ähnelte dem Mond so sehr, dass man sie kurzerhand zur Trainingszone erklärte.
Wer also abgeschiedene Schönheit, völlige Ruhe und eine Aussicht sucht, die einem den Atem raubt, der ist hier genau richtig. Vor allem bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, wenn die Landschaft in ein Farbenspiel aus Gold, Orange und Tiefrot getaucht wird. Und wer es ganz auf die Spitze treiben will, der bringt Zelt oder Camper mit – freies Campen ist hier erlaubt. Nur der Sternenhimmel ist dann noch beeindruckender als die Landschaft selbst.
Muley Point ist mehr als ein Aussichtspunkt. Es ist ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt – und zwar lange. Wer sich für den Südwesten der USA interessiert und diesen Ort auslässt, hat vielleicht die Route gesehen – aber nicht ihre Seele.
Nach unserer grandiosen Panoramalunchpause war es Zeit, die Reise fortzusetzen – nächster Halt: Farmington.
Die Straße zog sich durch eine endlose Landschaft, die sich mit jeder Kurve neu zu erfinden schien. Mal zogen rote Felsformationen an uns vorbei, dann wieder weite Ebenen, die im weichen Licht des Nachmittags fast surreal wirkten. Manchmal hatte man das Gefühl, die Straße führe direkt in den Horizont – und das Abenteuer gleich mit. Die letzten Kilometer begleitete uns dieses herrliche Gefühl von Weite, Freiheit und Roadtrip-Magie, bis wir am frühen Abend schließlich in Farmington eintrudelten.
Und während wir noch beeindruckt von der Landschaft waren, erinnerte uns ein ziemlich lauter Magenknurr-Kanonenschlag daran, dass es jetzt genau eine Priorität gab: Essen. Und zwar schnell.
Unsere Füße (und Mägen) trugen uns direkt zur Animas Valley Mall – genauer gesagt zu Fuddruckers, einem Ort, an dem Burger-Träume wahr werden. Die Kinder waren außer sich vor Freude. Der Gedanke an saftige Burger, knusprige Pommes und alles, was man sich nach einem langen Fahrtag nur wünschen konnte, ließ die Laune auf ein neues Hoch klettern. Und wir? Wir waren auch nicht gerade schwer zu überzeugen.
Die Burger kamen, selbst zusammengestellt nach Lust und Laune – und sie waren genau das, was wir brauchten.Groß, saftig, perfekt. Jeder Bissen fühlte sich an wie eine Belohnung für all die gefahrenen Meilen, die erklommenen Serpentinen und die hitzeflirrende Wüste.
Und dann waren da noch die Pommes. Für die Emilia ein eigenes Kapitel des Glücks. Begeistert wurden sie in Ketchup getunkt, als wäre das hier eine kulinarische Wissenschaft. Wir ließen sie gewähren – schließlich ist Pommes-Glück ein ernstzunehmendes Phänomen.
Doch damit war der Abend noch nicht vorbei. Bevor es ins Hotel ging, gab es noch einen kurzen Stopp bei Ross, der offiziell als „Nur-mal-schauen“-Besuch begann und sich schnell in eine Schatzsuche verwandelte.
Die Kinder waren hochmotiviert. Zwischen „Kann ich das haben?“, „Oh, das sieht cool aus!“ und „Ich brauche das UNBEDINGT!“ hallte ein regelrechter Shopping-Battlecry durch die Gänge. Wir versuchten unser Bestes, den Überblick zu behalten.
Nach einigem wagemutigen Stöbern, Begutachten und diskreten Preis-Checks verließen wir Ross schließlich mit ein paar schicken Stücken – und einem dezenten Gefühl des Triumphs. Mit vollen Einkaufstüten, glücklichen Kindern und wohlgenährten Mägen machten wir uns schließlich auf den Weg ins Hotel.


Endlich war es soweit: Wir erreichten unser Hotel, die TownePlace Suites in Farmington, und bezogen unser Quartier für die Nacht. Nach einem Tag voller spektakulärer Landschaften, endloser Straßen und wilder Offroad-Passagen war eine Unterkunft mit zwei Schlafzimmern, einer kleinen Küche und einem noch kleineren Wohnbereich genau das, was wir jetzt brauchten. Kompakt, funktional und für eine Nacht perfekt.
Kaum hatten wir die Taschen auf den Boden sinken lassen, verkündete Noah mit entschlossener Stimme, dass der Tag für ihn noch lange nicht vorbei war. Das Hotel hatte einen Pool – und wer einen Pool hat, hat keine andere Wahl, als hineinzuspringen. Sein auserkorener Begleiter für diese Mission? Opa Stefan.
Noah, der seit seinem Schwimmkurs im letzten Sommer jede Gelegenheit nutzte, seine neu erworbenen Fähigkeiten zu demonstrieren, ließ keine Widerrede zu. Sein Opa würde mitkommen, ob er wollte oder nicht. Stefan? Tat so, als hätte er eine Wahl, wusste aber genau, dass er längst verloren hatte. Mit einem breiten Grinsen nahm er die Herausforderung an – und schwupps, waren die beiden verschwunden.



Während wir anderen es uns langsam gemütlich machten, hörten wir von irgendwoher das fröhliche Platschen des Pools. Noah strahlte, Stefan hielt tapfer durch, und wir wussten: Dieser Abend gehörte den beiden. Es gibt keinen besseren Abschluss für einen langen Roadtrip-Tag als eine Portion unbeschwerten Badespaß.Keine Canyons, keine Haarnadelkurven, kein Staub – einfach nur pures Vergnügen. Müde, aber glücklich
Irgendwann kehrten ein leicht erschöpfter, aber dennoch siegreicher Opa und ein überglücklicher Noah zurück ins Zimmer. Die Mission war erfüllt, das Wasser getestet, die Energie restlos verbraucht. Jetzt blieb nur noch eins: eine wohlverdiente Pause.
Während wir uns in die Kissen fallen ließen, ließ der Tag noch einmal vor unserem inneren Auge Revue passieren. Die Straßen, die Felsen, die unglaublichen Ausblicke – alles fühlte sich fast unwirklich an.
Und morgen? Morgen würde ein neues Abenteuer auf uns warten.
Doch heute? Heute schliefen wir ein mit dem Gedanken an die Weite der Wüste, die majestätischen Monumente der Natur – und einen kleinen Jungen, der seinen Opa zum Schwimmtraining überredet hatte. Müde, aber überglücklich.