
Von der historischen Route 66 durch das wilde Oatman ins Lichtermeer von Las Vegas
Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer – und natürlich die altbewährte Routine: Augen auf, Koffer packen, losfahren!Um Punkt 8:00 Uhr verabschiedeten wir uns vom Ramblin’ Rose Motel, das uns mit seinem klassischen Route-66-Charme eine stilechte Nacht beschert hatte. Doch bevor wir Kingman hinter uns ließen, wartete noch eine wichtige Mission auf uns: Frühstück. Und nicht irgendeines – sondern das volle „Mother Road“-Programm bei Mr. D’z Route 66 Diner.
Mr. D’z – Ein Diner, wie es im Buche steht
Wer auf der Route 66 unterwegs ist und Mr. D’z auslässt, hat die Reise nicht wirklich gemacht. So einfach ist das. Dieses Diner ist eine Zeitmaschine auf vier Wänden – knalliges Türkis und Rosa, blinkende Neonschilder und das durch und durch nostalgische Rock’n’Roll-Feeling, das sich irgendwo zwischen Grease und American Graffiti verorten lässt.
Das Frühstück? Ein amerikanischer Traum. Riesen-Pancakes mit Ahornsirup, knuspriger Bacon, fluffige Rühreier und Kaffee, der direkt aus der Seele der Route 66 zu kommen schien. Jeder Bissen schmeckte nach Roadtrip, und während wir genüsslich speisten, war klar: Besser kann man in den Tag nicht starten.
Bildergalerie: kingman, az
Bevor wir Kingman endgültig hinter uns ließen, gab es noch eine letzte Sehenswürdigkeit zu bestaunen – und diesmal keine mit vier Rädern, sondern eine mit gewaltigen Stahlrädern und ordentlich Dampf: die historische Dampflok Steam Engine #3759.
Dieses schwarze Monstrum aus purem Stahl stand imposant und makellos poliert auf dem Bahngelände direkt gegenüber von Mr. D’z. Einst war sie ein echtes Arbeitstier der Santa Fe Railway und zog schwer beladene Züge zwischen Kansas City und Los Angeles, als Zugreisen noch die glamouröseste Art waren, sich fortzubewegen.
Noah und Emilia staunten nicht schlecht. Für sie war es eine völlig neue Welt – ein Zug ohne Bildschirm im Cockpit? Keine automatische Tür? Keine Ansage mit „Bitte zurücktreten“? Ein Rätsel aus einer vergangenen Zeit.
Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, ihnen mit ernster Miene zu erklären, dass diese Lok keinen WLAN-Hotspot und auch keinen Notfall-Knopf für Snacks hatte – was kurz für ungläubige Blicke sorgte, bevor sie sich wieder dem Erkunden widmeten. Während wir Fotos machten, bewunderten wir die riesigen Räder und das glänzende Metall – ein Relikt aus einer Ära, in der Reisen noch mit Ruß und Dampf verbunden war. Ein letztes Erinnerungsfoto, ein letzter Blick auf die imposante Lok – und dann war es Zeit, weiterzuziehen.

Ein echter Roadtrip entlang der Route 66 wäre für Stefan nicht vollständig ohne einen Besuch im lokalen Harley-Davidson-Store – denn was sind schon Meilensteine und historische Stätten, wenn man sie nicht in Form eines T-Shirts dokumentieren kann? Also führte unser erster Stopp uns direkt zu Mother Road Harley-Davidson in Kingman, wo Stefan nach einer kurzen, aber zielstrebigen Shopping-Session mit einem neuen Shirt im Gepäck wieder herauskam. „Been there, got the shirt“ – ein Motto, das sich nicht nur auf Motorradfahrer beschränkt.
Frisch eingekleidet, ging es dann endlich weiter – Richtung Oatman, doch schon nach wenigen Minuten legten wir den ersten kleinen Stopp ein. Denn was wäre eine Route-66-Reise ohne ein Foto des legendären Logos, das direkt auf den Asphalt gepinselt ist?
Dort lag es vor uns – das ikonische Route-66-Emblem, weiß auf schwarzem Asphalt, perfekt platziert für jeden, der seinen Roadtrip auch visuell festhalten will. Natürlich konnten wir nicht einfach daran vorbeifahren. Also raus aus dem Auto, kurz nach links und rechts gespäht – und dann mitten auf die Straße für das obligatorische Foto.
Die Kinder waren begeistert – wann hat man schon mal die offizielle Erlaubnis, mitten auf einer Straße zu stehen, ohne dass jemand „Runter da!“ ruft? Ein paar Schnappschüsse später waren alle glücklich, und mit dem guten Gefühl, nun ein weiteres Pflichtfoto abgehakt zu haben, rollten wir weiter.
Unsere nächste Station war die historische Cool Springs Service Station. Eine kleine, aber absolut sehenswerte Tankstelle, die aus einer anderen Zeit zu stammen schien – und das tat sie im Grunde auch.
Erbaut um 1920, diente sie einst als wichtiger Versorgungspunkt für Reisende auf dem Weg durch die Mojave-Wüste. Hier wurde nicht nur getankt, sondern auch angehalten, um die Kühlerschläuche zu checken, eine Limonade zu trinken oder einfach kurz der erbarmungslosen Sonne zu entkommen.
Doch die goldenen Zeiten der Route 66 zogen vorbei, und die Tankstelle fiel in einen tiefen Dornröschenschlaf – bis sie 2004 detailgetreu restauriert wurde. Heute ist sie eine Zeitkapsel des alten Autotourismus, komplett mit Retro-Zapfsäulen, rostigen Werbeschildern und einer Kulisse, die so perfekt ist, dass man fast darauf wartet, dass ein Oldtimer um die Ecke biegt.
Wir hielten kurz an, stiegen aus und ließen den Blick über das kleine Relikt am Straßenrand schweifen. Ein paar Minuten lang fühlte es sich an, als wären wir zurückversetzt in eine Ära, in der Roadtrips noch echte Abenteuer waren und nicht von GPS und Tankstellen mit Drive-Through-Kaffee bestimmt wurden.

Kaum hatten wir Cool Springs hinter uns gelassen, begann einer der spektakulärsten Abschnitte der gesamten Route 66: der berüchtigte Sitgreaves Pass. Eine Straße, die so kurvenreich ist, dass sie sich vermutlich selbst dreimal umschaut, bevor sie weiterführt. Hier gibt es keine gemütlichen Highway-Geraden, sondern enge Serpentinen, steile Abhänge und Panoramablicke, die gleichzeitig atemberaubend und einschüchternd sind.
„Hier bloß keine Fahrfehler machen“, war der unausgesprochene Gedanke, der uns alle begleitete, während sich unser Auto langsam die schmale Straße hinaufwand. Die Kurven? Scharf. Die Leitplanken? Gibt’s größtenteils nicht. Das Adrenalin? Hoch. Stefan hielt das Lenkrad mit der Konzentration eines Sprengstoffexperten, während wir fasziniert (und ein klitzekleines bisschen angespannt) die Ausblicke genossen.
Immer wieder legten wir Fotostopps ein – und das nicht nur zur Beruhigung der Nerven. Denn mit jeder Kurve eröffnete sich eine neue, dramatische Szenerie: felsige Hügel, die in der Ferne langsam im Dunst verschwanden, Kakteen, die sich stoisch an den kargen Boden klammerten, und darüber ein Himmel, der sich in strahlendem Blau bis zum Horizont spannte.
Die Kinder waren begeistert. Noah beobachtete gespannt, wie sich die Straße wie eine Schlange durch die Landschaft wand, während Emilia begeistert feststellte, dass wir „ganz oben“ waren – was nach mehreren Serpentinen auch tatsächlich der Fall war.
Am höchsten Punkt des Passes hielten wir noch einmal an, um einen letzten Blick über die endlosen Weiten zu werfen. Die Aussicht war gewaltig – eine dieser Szenerien, die einem das Gefühl geben, auf dem Dach der Welt zu stehen.Doch so beeindruckend der Aufstieg war, das Abenteuer war noch nicht vorbei.
Die Strecke blieb aufregend, die Kurven weiterhin unbarmherzig, doch mit jedem Kilometer näherte sich unser Ziel: Oatman.
Ein Städtchen, das so aussieht, als hätte John Wayne es höchstpersönlich aus einem alten Westernfilm herausgetragen – rustikal, staubig und mit mehr Eseln als Einwohnern. Doch dazu später mehr – erst einmal mussten wir in diesem Wildwest-Nest ankommen. Und wenn der Sitgreaves Pass eines bewiesen hatte, dann, dass die Route 66 mehr zu bieten hat als nur Nostalgie – sie ist auch ein echtes Abenteuer.
Bildergalerie: oatman highway
Nach der abenteuerlichen Fahrt über den Sitgreaves Pass rollten wir endlich in Oatman ein – ein Städtchen, das aussieht, als wäre es direkt aus einem alten Western gefallen. Holzveranden, rustikale Schilder, staubige Straßen – hier fehlte eigentlich nur noch John Wayne, der sich lässig an einen Saloon-Tresen lehnt.
Oatman ist berühmt für seine Wildesel, die normalerweise durch die Straßen schlendern, als gehörte ihnen die Stadt. Auf den Gehwegen, vor den Souvenirläden, mitten auf der Fahrbahn – diese Langohren nehmen es mit der Verkehrsordnung nicht allzu genau.
2016 waren wir schon einmal hier gewesen, und damals hatte es gefühlt mehr Esel als Einwohner gegeben. Doch diesmal? Kein einziger weit und breit. Die Straßen waren leer. Die Kinder blickten verwirrt. Noah musterte skeptisch ein „Don’t feed the burros!“-Schild, als wolle er sichergehen, dass es sich nicht um einen schlechten Scherz handelte. „Vielleicht haben sie heute frei“, mutmaßte Stefan trocken. Was machte ein Oatman ohne Esel? Wir würden es herausfinden.
Gerade, als wir uns fragten, ob Oatman ohne tierische Bewohner noch seinen Charme hatte, begann die tägliche Gunfight Show auf dem Hauptplatz.
Cowboys in staubigen Stiefeln und breitkrempigen Hüten lieferten sich ein Duell, das jede Westernklischee-Checkliste mühelos erfüllte: markige Sprüche, übertrieben dramatische Sterbeszenen und Revolverhelden, die mit lauten „Pew Pew“-Soundeffekten aufeinander schossen. So laut, dass an den parkenden Autos prompt die Alarmanlagen losheulten.

Die Kinder? Begeistert. Noah fuchtelte mit seinem eigenen „unsichtbaren Colt“ herum, während Emilia gebannt zusah, wie einer der Cowboys mit theatralischem Gestöhne zu Boden sank. Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können.
Nach der Show schlenderten wir zurück zum Auto und hatten uns mittlerweile damit abgefunden, dass wir Oatman diesmal ohne seine berühmtesten Bewohner verlassen würden. Doch kaum waren wir aus dem Ort hinausgefahren, tauchten sie doch noch auf.
Bildergalerie: oatman
Gemütlich trotteten ein paar der zotteligen Gesellen auf der Straße entlang, als hätten sie die ganze Zeit auf uns gewartet. Besonders einer schien es auf Nadines Apple Jacks abgesehen zu haben, die er mit seinem geübten Langohrenblick als potenzielle Beute identifizierte. Zum Glück konnte Nadine die Packung gerade noch rechtzeitig retten, bevor der gefräßige Esel seinen Diebstahl perfektionieren konnte.
Mit einem letzten Blick auf die entspannt dahin schlendernden Burros fuhren wir weiter. Oatman hatte uns mal wieder bewiesen, dass man nie genau wissen kann, was einen hier erwartet – aber genau das macht diesen Ort so besonders.

Gut gelaunt, vollgepackt mit Eindrücken (und beinahe auch mit einem geklauten Päckchen Apple Jacks), machten wir uns auf den Weg nach Boulder bei Las Vegas. Dieses Mal erwartete uns keine klassische Motel-Nacht, sondern ein komplettes Haus, das wir über Airbnb gebucht hatten – die perfekte Basis für die letzten Tage unserer Reise.
Nach stundenlanger Fahrt freuten wir uns darauf, einfach einzutreten und das Auto auszuladen. Einziger Haken: Der Türcode funktioniert nicht.
Wir standen also mit Sack und Pack vor der verschlossenen Tür, während Stefan mit der typischen Mischung aus Gelassenheit und technischer Frustration auf seinem Handy herumtippte. Nach ein paar Minuten, die sich anfühlten, als würden wir in einer besonders banalen Escape-Room-Version feststecken, erreichten wir schließlich den Vermieter, der uns die Tür aus der Ferne öffnete.
Nach Tagen voller Roadtrip-Abenteuer, Motel-Zimmern und endlosem Ein- und Auspacken war es an der Zeit für ein wenig Luxus und Platz – und unser Airbnb-Haus in Boulder war genau das, was wir brauchten! Komplett neu renoviert, modern eingerichtet und mit genug Raum für alle – ein echtes Zuhause auf Zeit.

Schon von außen machte das Haus einen einladenden Eindruck: ein charmantes, sonnengelbes Gebäude mit einer breiten Auffahrt und einem eingezäunten Garten – perfekt für die Kids, um sich mal richtig auszutoben. Nach Tagen der Autofahrten und engen Motelzimmer war allein die Vorstellung, nicht sofort aufpassen zu müssen, wo die Kinder hinrennen, eine wahre Wohltat.
Beim Betreten des Hauses wurde sofort klar: Hier konnte man es sich gemütlich machen. Die offene Küche mit modernen Geräten, Granit-Arbeitsflächen und viel Platz war ideal, um die Einkäufe von Walmart unterzubringen und nach Tagen voller Restaurantbesuche auch mal eine eigene Mahlzeit zu genießen. Der riesige Wohnbereich mit der großen Ledercouch bot Platz für die ganze Familie – ein perfekter Ort zum Entspannen, bevor das nächste Abenteuer rief.
Auch in den Schlafzimmern zeigte sich, wie gut durchdacht das Haus war. Ein Master-Schlafzimmer mit Kingsize-Bett, stilvollem dunklen Holzdesign und eigenem Fernseher, sowie zwei weitere Zimmer – eines mit zwei Einzelbetten, das sich perfekt für die Kids eignete, und ein weiteres mit einem bequemen Doppelbett. Jeder hatte seinen eigenen Platz zum Ausruhen – ein Luxus, den wir nach den letzten Tagen sehr zu schätzen wussten.
Die zwei großzügigen Badezimmer machten unser Leben um einiges einfacher. Kein nerviges Anstehen mehr am Morgen, kein „Ich muss aber zuerst!“, sondern genug Platz für alle. Die modernen, stilvollen Duschen rundeten das Gesamtpaket ab und machten die morgendliche Routine endlich stressfrei.
Ein besonderes Highlight war der eingezäunte Garten, in dem sich die Kinder nach Herzenslust austoben konnten, während wir Erwachsenen uns einfach mal zurücklehnten. Hier konnten Noah und Emilia rennen, spielen und den Platz genießen – ohne dass wir ständig hinterher sein mussten.
Nach all den Tagen im Auto, in Motels und unterwegs war dieses Haus die perfekte Unterkunft für unsere letzten Tage in den USA. Platz für alle, moderne Ausstattung und eine entspannte Atmosphäre – genau das, was wir gebraucht haben. Hier konnten wir ankommen, uns ausbreiten und die letzten Tage unseres Abenteuers in vollen Zügen genießen.
Bildergalerie: holiday house, henderson
Kaum hatten wir die Koffer durch die Tür bugsiert, stand die nächste Mission an: Essen besorgen. Nadine und Stefan schnappten sich die Einkaufsliste und machten sich gegen 17:20 Uhr auf den Weg zu Walmart – eine Expedition, die in den USA genauso dazugehört wie das Tanken. Währenddessen machte sich der Rest von uns im Haus breit, packte aus, inspizierte die Zimmer und genoss das seltene Gefühl, mal mehr als eine Nacht an einem Ort zu verbringen.
Kein USA-Roadtrip ohne mindestens einen Stopp bei In-N-Out Burger. Simple Karte, frische Zutaten, ein Cheeseburger, der genau so schmeckt, wie ein Cheeseburger schmecken soll.
Während wir genüsslich unsere Burger verspeisten, wurde uns klar: Die Reise neigte sich langsam ihrem Ende zu. Doch bevor uns die Wehmut überkam, trösteten wir uns mit der Tatsache, dass die kommende Woche in Las Vegas noch einige Highlights bereithalten würden.
Nach dem Essen stand noch ein schneller Shopping-Stopp bei Ross um die Ecke an. 19:49 Uhr und noch voller Energie für ein paar Schnäppchen? Kein Problem.
Die letzten Einkäufe für den Rückflug, ein paar „Das-kann-man-nicht-liegenlassen“-Funde, und schon ging es müde, aber zufrieden zurück ins Haus.


