Hilfe, der Camper streikt! Wie wir mit dem ADAC und Nadines Hilfe den Urlaub fortsetzen!

Fahrtag. Das bedeutet: Kilometer fressen, die Straße hypnotisch im Blick, während das iPhone mal wieder eine völlig willkürliche Playlist abspielt. Heute geht’s direkt durch bis Flensburg, wo man schon fast dänische Luft schnuppert. Unser ursprünglicher Campingplatz? Geschichte. Denn Flexibilität ist unser zweiter Vorname – oder vielleicht auch unser dritter, direkt hinter „Spontanität“ und „Warum nicht?“.

Flensburg wird unser Nachtquartier, bevor es morgen weiter nach Detmold geht. Dort warten Nadine, Oli und unsere zwei kleinen Energiebündel Noah und Emilia auf uns. Die Vorfreude ist riesig – doch zwischen uns und der Opa-Oma-Rolle liegen noch 1000 Kilometer Asphalt.

Der Tag begann mit einem Frühstück, das diesen Namen verdient – schließlich braucht man eine solide Grundlage, wenn man sich freiwillig auf eine Mammutstrecke begibt. Dann: Abschied vom Campingplatz und ab nach Malmö. Warum Malmö? Weil dort noch eine Postkarte gekauft und verschickt werden musste. Schließlich lagen daheim noch sündhaft teure schwedische Briefmarken herum, die ihren Daseinszweck erfüllen sollten. Also: Rein in die Stadt, Karte besorgt, fix ein paar Zeilen draufgekritzelt, Marke drauf – und weiter ging’s.

Jetzt rollt der Camper, die Straße zieht sich wie ein endloses Band durch die Landschaft, und irgendwo da vorne wartet Flensburg. Klingt nach einem simplen Plan – aber bei uns weiß man ja nie …

Øresundsbron

Heute zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Strahlend blauer Himmel, Sonne satt – als wolle sie uns für die kommenden Wochen mit einer Extraportion Vitamin D versorgen. Perfekte Bedingungen also für einen Abstecher zum Øresundsbron Viewing Point. Vor zwei Wochen, auf der Hinfahrt nach Schweden, lag die Brücke noch halb im Nebel verborgen – ein geheimnisvoller Anblick, fast wie aus einem skandinavischen Krimi. Doch heute? Glasklare Sicht, perfekte Farben, und die Brücke präsentiert sich in voller Pracht.

Wir spazieren ein Stück auf dem Damm entlang, während der Wind uns um die Nase weht. Die Öresundbrücke ragt majestätisch aus dem Wasser, als hätte sie vor, direkt in den Himmel zu führen. Die Kamera klickt, und klickt, und klickt – schließlich will dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst aus jeder erdenklichen Perspektive festgehalten werden. Man könnte fast meinen, wir hätten den Auftrag, einen Imagefilm für die Brückenbaukunst Skandinaviens zu drehen. Aber bei diesem Anblick kann man einfach nicht anders.

Jetzt wird’s ernst – wir wagen uns selbst auf dieses architektonische Meisterwerk. Die Fahrt über die Öresundbrücke ist ein Erlebnis für sich: links und rechts nur Himmel und Wasser, das Gefühl von grenzenloser Weite. Doch dann – plötzlich taucht die Straße ab, und wir verschwinden unter dem Meer. Kurz huscht ein Gedanke durch den Kopf: Was, wenn wir jetzt einen Stau haben? Aber keine Zeit für Grübeleien – das Kribbeln im Magen mischt sich mit einer Prise Abenteuerlust, und ehe wir uns versehen, sind wir auf der anderen Seite.

Willkommen in Dänemark! Vor uns liegt die nächste gewaltige Brückenkonstruktion: die Storebæltbrücke, die wie eine überdimensionale Hängebrücke den Großen Belt überspannt. Doch bevor wir uns auf dieses nächste Highlight stürzen, geschieht das Unvermeidliche – am Straßenrand leuchtet das goldene M auf. Der Körper registriert das Signal sofort: McDonald’s. Ein unausgesprochenes Gesetz besagt, dass man bei einer derart langen Strecke irgendwann eine Pause braucht – und wenn schon Pause, dann bitte mit einem saftigen Burger. Also: kurzer Boxenstopp, Fast Food tanken, weiter geht’s.

Frisch gestärkt rollen wir über die Storebæltbrücke, gleiten hinüber zur Insel Fünen und lassen die Kilometer nur so an uns vorbeiziehen. Die dänisch-deutsche Grenze bei Flensburg rückt immer näher, und mit jedem Kilometer steigt die Vorfreude. Die Straße vor uns ist mehr als nur Asphalt – sie ist ein Versprechen. Ein Versprechen auf neue Abenteuer, spontane Umwege und natürlich das Beste von allem: das Wiedersehen mit unserer Familie. Also, Motor an, Augen auf – und los!

Storebæltsbroen

Kaum über die Grenze, schon ein erster Pflichtstopp: ALDI. Schließlich gibt es Dinge, die man einfach braucht – vier Dosen Flensburger Bier zum Beispiel. Morgen ist Familientreffen, und was wäre eine gesellige Runde ohne ein stilechtes „Plopp“ beim Öffnen? Also schnell einkaufen, alles im Camper verstauen und weiter geht’s. Dachten wir.

Denn plötzlich entscheidet unser treuer Camper, dass es für heute reichtAmpel auf Rot, Motor auf Stur. Keine Reaktion, kein Lebenszeichen. Äh, hallo? Wir haben keine Lust auf ein Technik-Drama, aber unser rollendes Zuhause scheint fest entschlossen, uns eines zu liefern.

Zum Glück haben wir einen leichten Berg hinter uns – also lassen wir uns elegant rückwärts zur nahen Tankstelle rollen. Neuer Startversuch. Nichts. Vielleicht ist er nur beleidigt? Bleibt stumm. Vielleicht hat er nur einen schlechten Tag? Nö, keine Regung.

Also bleibt nur eins: die gelben Engel rufen. Pfingstsonntag. Perfektes Timing. Der ADAC hat alle Hände voll zu tun, und wir dürfen zwei Stunden warten. Immerhin gibt es ein kleines Happy End – irgendwann taucht unser Retter auf, lädt den Camper auf und bringt ihn zur nächstgelegenen Werkstatt. Mit ausgezeichnetem Ruf. Bringt nur leider nichts, denn vor Dienstag schaut sich hier niemand das Problem an. Pfingstmontag macht uns einen Strich durch die Rechnung.

Und jetzt? Unsere Versicherung verspricht zwar Mobilität, aber Feiertagswunder gehören nicht zu ihren Leistungen. Urlaub abbrechen? Niemals. Morgen steht das Wiedersehen mit den Kindern und Enkeln an – und wir lassen uns das nicht nehmen. Zum Glück kennt unser ADAC-Engel den Werkstattbesitzer persönlich und organisiert uns einen Schlafplatz auf dessen Gelände. Super, dann hätten wir das geklärt. Aber wie geht es jetzt weiter?

Ein neues Abenteuer bahnt sich an – nur leider hatten wir diese Folge nicht im Reiseplan. Wir brauchen dringend einen Plan.

Armer Camper

Dann die rettende Idee: Nadine muss ran! Ich greife zum Telefon und erkläre ihr die Lage. Ihr Auftrag: Bring mein Auto mit, wir kümmern uns um den Rest. Stefan und ich werden uns irgendwie mit Bus und Bahn in ihre Richtung durchschlagen – unser Ziel bleibt Detmold, wo wir uns sowieso alle treffen wollten. Nadine hat bereits Unterkünfte für vier Personen gebucht, während wir ursprünglich im Camper irgendwo in der Nähe übernachten wollten. Tja, Planänderung. Jetzt soll sie versuchen, uns alle zusammen in die Ferienwohnung zu bekommen oder – falls nötig – größere Unterkünfte zu organisieren.

Es ist fast 1 Uhr nachts, als endlich alles geregelt ist. Und was soll ich sagen? Nadine hat geliefert. Mit einem Organisationstalent, das seinesgleichen sucht, hat sie uns kurzerhand mit in ihre Unterkünfte eingebucht. Eigentlich wäre es ja sowieso dasselbe Haus gewesen – nur eben mit Camper auf dem Parkplatz. Jetzt gibt es für uns stattdessen ein festes Dach über dem Kopf. Trotz Feiertagschaos, trotz allem. Chapeau, Nadine!

Währenddessen hat unsere Versicherung es doch noch geschafft, einen Mietwagen für uns aufzutreiben. Damit steht fest: Die Reise geht weiter! Bleibt nur zu hoffen, dass unser Camper keine allzu schlimme Diagnose bekommt – aber das ist ein Problem für die nächsten Tage.

Der Plan für morgen: Stefan und ich nehmen die Bahn von Flensburg nach Hamburg, schnappen uns dort den Mietwagen und düsen nach Paderborn. Dort treffen wir Oli und Nadine, die am Sonntagmorgen mit zwei Autos von zu Hause losfahren. Ein präzise getakteter Reiseplan – was soll da schon schiefgehen?

Jetzt heißt es erstmal: Schlafen. Der morgige Tag verspricht Spannung – als wäre die Reise nicht schon aufregend genug. Aber hey, wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Und mit ein bisschen Glück sind wir bald wieder vereint mit der Familie, bereit für neue Erlebnisse.

Armer Camper …

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