
Mystische Steine und malerische Küsten: Ein weiterer Tag in Südschweden
Unser Tag begann mit einer Sehenswürdigkeit, die selbst den müdesten Morgenmuffel aus dem Schlaf katapultiert: Ales Stenar. Diese rätselhaften Steinformationen, die wie die Überreste eines Wikingerschiffs aus Steinüber der Küste thronen, sind nicht nur ein Hingucker, sondern auch ein perfekter Einstieg in einen abenteuerlichen Reisetag.
Unser Camper parkte im kleinen, verschlafenen Dörfchen unterhalb der Steine, und vor uns lag ein etwa 600 Meter langer Aufstieg den Hügel hinauf. Nicht steil, aber genau genug, um sich einzubilden, man wäre auf einer Expedition. Schon von Weitem erblickten wir die gewaltigen Steine, die sich in einer eleganten Formation in die Landschaft fügten – als hätten die Wikinger selbst sie dort mit höchster Präzision platziert.

Oben angekommen, fühlten wir uns wie echte Entdecker. Jeder einzelne Stein schien eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen. Waren es Ritualplätze? Eine Sonnenuhr? Oder einfach der früheste Beweis für die menschliche Faszination für Steinarrangements? Man weiß es nicht genau, aber die Atmosphäre war schlichtweg beeindruckend.
Natürlich konnte ich nicht anders, als den Finger permanent auf dem Kamera-Auslöser zu haben. Jeder Blickwinkel offenbarte neue, faszinierende Perspektiven – das Meer als dramatische Kulisse, die mystischen Steine im Licht der Morgensonne, der perfekte Kontrast zwischen Natur und Geschichte.
Nach einer halben Stunde, gefühlt hundert Fotos und einem letzten Blick auf diese Wikinger-Ruine im XXL-Formatmachten wir uns wieder auf den Weg nach unten – bereit für das nächste Abenteuer des Tages.
BILDERGALERIE: Ales Stenar
Nach unserer kleinen Wanderung zu Ales Stenar führte unser Weg uns weiter durch Skillinge – ein verschlafenes Örtchen, das sich anfühlte, als hätte es sich aus einem Schweden-Roman in die Realität verirrt. Kopfsteinpflaster, bunte Holzhäuser, und dann entdeckten wir ihn: einen Supermarkt, der mehr nach charmantem Tante-Emma-Laden als nach nüchterner Einkaufsstätte aussah.
Der Entschluss, hier unsere Vorräte aufzustocken, war schnell gefasst. Und kaum hatten wir die Tür geöffnet, wurden wir von einem himmlischen Duft empfangen – eine warme Wolke aus Zimt, Zucker und Backkunst auf höchstem Niveau. Die Quelle dieses olfaktorischen Angriffs auf unseren Widerstandswillen? Eine ganze Backecke voller goldbrauner, frisch gebackener Kanelbullar.
Natürlich versuchten wir uns anfangs noch mit Vernunft zu bremsen – aber schon der erste Blick auf die flauschig-weichen, perfekt gewickelten Zimtschnecken ließ uns kapitulieren. Also griffen wir beherzt zu und packten eine kleine Auswahl ein, bevor uns der Duft doch noch völlig willenlos machte.

Draußen vor dem Laden stand eine einladende Holzbank – als hätte sie nur auf uns gewartet. Und was gibt es Schöneres, als eine Zimtschnecke genau dort zu genießen, wo sie ihren verführerischen Duft verbreitet? Mit der Sonne im Gesicht und einer warmen Kanelbulle in der Hand fühlte sich das Leben für einen Moment einfach perfekt an.
Natürlich blieb es nicht bei einer. Irgendwo zwischen „Nur noch eine“ und „Na gut, eine geht noch“ verloren wir das Zählen – und ehrlich gesagt, es war uns auch egal. Mit jedem Bissen stieg die Laune, während wir über unsere klebrigen Zimtspuren lachten und uns still schworen, dass dies sicher nicht die letzte Zimtschneckenpause dieser Reise sein würde.


Gut gestärkt und mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht rollten wir weiter – unser nächstes Ziel: Gislövshammar. Ein kleines, unscheinbares Küstendorf, das auf den ersten Blick wie eine Postkartenidylle wirkte – und auf den zweiten Blick wie eine filmreife Naturkulisse.

Die Kalkfelsen von Gislövshammar sind das heimliche Highlight dieses Ortes. Sie ragen wie uralte Wächter aus dem Meer und erzählen eine Geschichte, die weit über unsere Vorstellungskraft hinausgeht. 400 Millionen Jahre alt – das ist mal eine Hausnummer. Damals, als Schweden noch von einem tropischen Meer überflutet war, sammelten sich hier Schicht für Schicht Kalksedimente an, bis die Natur irgendwann beschloss, aus diesem Material eine spektakuläre Küstenlandschaft zu formen.
Heute stehen diese massiven Formationen als perfekte Kombination aus Wissenschaft und Abenteuer vor uns.Denn während Geologen hier die alten Meeresablagerungen bewundern, sehen wir vor allem eine riesige Natur-Spielwiese. Felsen, die sich perfekt zum Klettern eignen, bizarre Formationen, die nach dem perfekten Foto schreien, und das ewige Rauschen des Meeres, das die Kulisse komplett macht.
Es fühlte sich an, als hätten wir einen echten Geheimtipp entdeckt – ein Stück unberührte Natur, das irgendwie abseits der üblichen Touristenpfade lag. Und genau solche Orte sind es, die eine Reise besonders machen.
BILDERGALERIE: Gislövshammar
Wir machten uns daran, über die glatt geschliffenen Felsplatten zu klettern – ein bisschen wie Kinder auf einem Abenteuerspielplatz, nur dass unser Hauptziel war, trockene Füße zu behalten. Jeder Schritt war ein kleiner Balanceakt, jeder unerwartete Riss im Gestein eine Mini-Herausforderung, der wir uns mit einem Augenzwinkern stellten. Wer es schafft, ohne unfreiwilliges Fußbad über die Felsen zu kommen, gewinnt Ruhm, Ehre – und vor allem trockene Socken.
Während wir uns von Platte zu Platte tasteten, eröffnete sich ein atemberaubender Blick auf das endlose Meer. Die bizarren Gesteinsformationen wirkten wie ein Kunstwerk der Natur – wild, rau und doch harmonisch in ihrer Anordnung. Kein Wunder, dass die Geologie-Fans hier ins Schwärmen geraten. Für uns war es einfach eine perfekte Mischung aus Abenteuer und spektakulärer Aussicht.
Nach ausgiebigem Klettern, Balancieren und Staunen wurde es Zeit, weiterzuziehen. Der Tag war noch jung, und wir hatten noch einige Highlights auf unserer Liste.
Unser nächster Halt: das charmante Städtchen Åhus. Wir parkten unseren Camper direkt auf dem lebhaften Marktplatz, umgeben von historischen Gebäuden und dem geschäftigen Treiben der Einheimischen. Eine dieser Orte, die sofort Gemütlichkeit ausstrahlen.
Doch lange blieben wir nicht stehen – denn nur einen Katzensprung entfernt lag die „Kloster Bageriet“. Und sobald der verführerische Duft von frischen Zimtschnecken in unsere Nasen drang, war klar: Hier gibt’s kein Entrinnen.

Natürlich hätten wir uns „nur einen kleinen Snack“ nehmen können – aber wer kann in einer schwedischen Bäckerei schon vernünftig bleiben? Also bewaffneten wir uns mit einer Auswahl an himmlischen Backwaren, suchten uns ein sonniges Plätzchen und ließen uns die Köstlichkeiten auf der Zunge zergehen. Ein perfekter Moment – voller süßer Versuchungen und der Gewissheit, dass der Tag noch lange nicht vorbei war.

Frisch gestärkt und mit Zimtduft an den Fingern schlenderten wir weiter durch Åhus. Unser nächstes Ziel? Die Heimat von Absolut Vodka. Schließlich gehört der weltberühmte schwedische Wodka genauso zu Åhus wie die charmanten Gassen und die Küstenluft. Der Weg führte uns durch das kleine Zentrum, vorbei an bunten Häusern, alten Fachwerkwänden und dem einen oder anderen Café, das uns gefährlich verlockend ansah. Doch diesmal blieben wir standhaft – wir hatten eine Mission.
Der Traum von einer Factory Tour bei Absolut? Zerplatzt wie eine Seifenblase. Leider bietet die Destillerie derzeit keine Führungen an – enttäuschend, aber kein Grund, den Kopf hängenzulassen. Schließlich hatten wir noch die Innenstadt von Åhus vor uns – und die war definitiv einen Spaziergang wert.
BILDERGALERIE: Absolut Vodka
Der malerische Hafen begrüßte uns mit bunten Booten, die sanft auf den Wellen tanzten. Ein Anblick wie aus einer Postkarte – nur mit dem Vorteil, dass man mitten drinsteht und das sanfte Knarren der Planken und das leise Plätschern des Wassers hören kann. Charmanter geht’s kaum.
Unser Bummel durch den Stadtkern war dann allerdings schneller erledigt als gedacht. Die kopfsteingepflasterten Gassen, gesäumt von kleinen Boutiquen und gemütlichen Cafés, waren zwar hübsch anzusehen, aber nach kurzer Zeit vollständig erkundet. Da stand er also, unser nächstes Problem:

Das Restaurant, das wir für das Abendessen ausgesucht hatten, öffnete erst in zwei Stunden. Geduld? Nicht gerade unsere Paradedisziplin. Also mussten wir eine Alternative finden – und idealerweise eine, die mit weniger Warten und mehr Essen verbunden war.
„Und jetzt?“, fragte ich, während ich mich auf einer Parkbank ausstreckte. Zwei Stunden bis zum Restaurantbesuch – das fühlte sich an wie eine Ewigkeit, wenn man bereits ans Abendessen denkt.
Stefan zuckte mit den Schultern. „Wie wäre es mit einem kleinen Bummel? Vielleicht stolpern wir über eine fantastische Eisdiele oder einen charmanten Souvenirladen.“ Mein Magen knurrte zustimmend bei der Vorstellung einer perfekten Eiswaffel. Guter Plan – alles ist erträglicher mit Eis.
Doch statt auf eine Eisdiele oder einen entzückenden Laden voller schwedischer Mitbringsel stolperten wir über einen Supermarkt. Nicht gerade das, was wir im Sinn hatten – aber irgendwie sah er so einladend aus, dass wir nicht einfach vorbeigehen konnten.

„Weißt du was, Stefan? Lass uns was für das Abendessen einkaufen und es uns im Camper gemütlich machen. Bei den Restaurantpreisen hier wäre das doch eine clevere Alternative“, schlug ich vor, während mein Blick an den bunten Angebotsplakaten hängen blieb.
Stefan nickte. „Gute Idee! Dann können wir entspannt essen, ohne uns Gedanken über eine astronomische Rechnung machen zu müssen.“
Also zogen wir los. Nichts geht über einen Supermarktbesuch im Ausland – eine Mischung aus Expedition und Überraschungstüte. Bunte Verpackungen, schwedische Spezialitäten, Dinge, von denen wir nicht mal ahnten, dass sie existieren. Unser Einkaufswagen füllte sich mit einer wilden Mischung aus Brot, Käse, Wurst und allem, was lecker aussah. Und dann geschah es.
„Stefan, schau mal hier! Ein Grill!“ Mein Blick fiel auf einen glänzenden Weber-Grill. Perfekt für unsere Campingabende. Und der Preis? Unsagbar verlockend.
Stefan sah mich skeptisch an. „Ähm, eigentlich wollten wir nur Brot und Wurst kaufen. Jetzt willst du einen Grill?“
„Ja, warum nicht?“ Ich versuchte, meine Begeisterung auf ihn zu übertragen. „Wir haben doch eh Stromanschluss auf den Campingplätzen. Stell dir vor, wie genial gegrilltes Fleisch schmecken wird!“

Stefan überlegte – ganze drei Sekunden. Dann blitzte in seinen Augen die gleiche Vorfreude auf, die auch mich gepackt hatte. „Na gut, aber ein Grill allein macht noch kein Abendessen.“ Und schon begann er mit dem Jagdinstinkt eines Profis die besten Fleischangebote zu durchforsten.
Als wir den Laden verließen, hatten wir nicht nur Brot, Käse und Wurst im Gepäck – sondern auch einen funkelnagelneuen Grill und ein erstklassiges Stück Schweinenacken. Der Abend versprach, ein kulinarisches Abenteuer zu werden, und wir konnten es kaum erwarten, unsere Entdeckungen auf die Grillroste zu legen.
BILDERGALERIE: Ahus
Unser nächster Stopp: der Campground in Kalmar. Kaum hatten wir unseren Platz gefunden, begannen wir voller Begeisterung mit dem eigentlichen Highlight des Abends – der feierlichen Einweihung unseres brandneuen Grills.
Ich machte mich mit einer Mischung aus handwerklichem Ehrgeiz und ungeduldiger Vorfreude daran, das gute Stück zusammenzubauen, während Stefan bereits die kulinarischen Hauptdarsteller vorbereitete. Der Duft von mariniertem Schweinenacken stieg in die Luft, und plötzlich war uns vollkommen egal, dass wir ursprünglich in einem Restaurant essen wollten.

Dann kam der große Moment. Der Grill war heiß genug, das Fleisch landete auf dem Rost, und das verheißungsvolle Zischen ließ uns beide unwillkürlich grinsen. Das war der Soundtrack eines perfekten Campingabends.
Mit einem kühlen Bier in der Hand – natürlich vorher im Camper auf die perfekte Temperatur gekühlt – stießen wir an.
„Auf uns und auf diesen genialen Grill!“ Stefan prostete mir zu, ein breites Lächeln im Gesicht. Und dann der erste Bissen. Perfekt gegrilltes Fleisch, zart, saftig, genau auf den Punkt. Ein Abendessen, das nicht nur nach Marinade schmeckte, sondern auch nach Freiheit, Spontanität und dem puren Genuss des Unterwegsseins.
Wir saßen da, mit Blick auf den Abendhimmel, und ließen den Tag ausklingen. Kein Restaurant hätte das toppen können. Nur wir, unser Camper, die Straße, die vor uns lag – und ein Grill, der definitiv mit auf unsere künftigen Abenteuerreisen kommen würde.

