Akkufreier Abenteuer-Tag: Von Peschiera bis Sirmione mit dem Fahrrad

Tag drei am Gardasee.

Nachdem wir an unserem ersten Tag Lazise, Bardolino, Garda und sogar Limone sul Garda erkundet hatten und gestern in Venedig unterwegs waren – eine Stadt, von der ich wahrscheinlich noch Wochen schwärmen werde – stand heute eine neue Route auf dem Plan: Mit dem Fahrrad in Richtung Süden!

Aber bevor wir uns wieder in den Sattel schwangen, gab es eine Regel, die wir niemals brechen würden: Erst frühstücken, dann Abenteuer.

Also spazierten wir gemütlich zu unserem kleinen Supermarkt auf dem Campingplatz, wo uns der Duft von frischen Brötchen entgegenströmte. Die Auswahl an italienischen Leckereien war einfach zu verlockend, um nur das Nötigste zu kaufen. Also wanderten neben den Brötchen auch noch ein paar Croissants mit Pistaziencreme, ein Stück würziger Käse und – weil wir schließlich in Italien waren – eine kleine Packung Mortadella in unseren Einkaufskorb.

Zurück am Camper hatte Stefan seinen großen Auftritt. In seiner Frühstücks-Küchen-Disziplin machte ihm so schnell keiner was vor. Während ich schon mal den Tisch mit Blick auf den Gardasee deckte, brutzelte er Speck, schnitt Käse und zauberte in Windeseile eine Frühstücksplatte, die sich sehen lassen konnte. Der perfekte Start in den Tag.

Die Sonne spiegelte sich glitzernd auf der Wasseroberfläche, ein leichter Wind wehte vom See herüber, und mit jeder Tasse Kaffee, die wir nachschenkten, fühlte sich der Morgen noch ein bisschen perfekter an. Und jetzt? Jetzt waren wir bereit für die nächste Etappe unseres Gardasee-Abenteuers!

Nach dem Frühstück schnappten wir uns unsere Fahrräder, schnallten die Wasserflaschen an den Rahmen und waren bereit für das nächste Abenteuer. Heute ging es Richtung Süden – erstes Ziel: Peschiera del Garda. Fünf Kilometer – ein Katzensprung.

Und dank des gut ausgebauten Radwegs wurde die Strecke zu einem angenehmen Warm-up für den Tag. Kein Verkehr, keine Schlaglöcher, nur wir, unsere Räder und die italienische Morgensonne. Rechts von uns glitzerte der Gardasee in sattem Blau, links zogen grüne Wiesen und vereinzelte Zypressen an uns vorbei. Fast schon kitschig – aber auf die schöne Art.

Nach einer entspannten Fahrt rollten wir schließlich in Peschiera del Garda ein – und wurden sofort von ihrem ganz eigenen Charme empfangen. Die Altstadt? Ein kleines Juwel.

Historische Festungsmauern, die sich direkt am Wasser entlangzogen, verwinkelte Gassen voller kleiner Boutiquen, Cafés mit Tischen unter blühenden Oleanderbäumen – eine Stadt, die auf den ersten Blick wie die perfekte Filmkulisse wirkte. Wir parkten unsere Fahrräder und schlenderten los.

Hier ein Laden mit handgefertigten Ledertaschen, dort ein Geschäft voller bunter Keramik – es war die Art von Stadt, in der man eigentlich gar nichts kaufen wollte, aber dann doch mit einer vollen Tasche nach Hause geht.

Am Fluss Mincio blieben wir kurz stehen. Er ergießt sich hier malerisch in den Gardasee und schafft eine Szenerie, die fast schon surreal schön war. Die leichten Wellen des Wassers spiegelten die Farben der pastellfarbenen Häuser wider, und in der Ferne schipperten Boote sanft über den Fluss. Wir lehnten uns an das alte Steinmäuerchen, atmeten tief durch und genossen einfach den Moment.

Es war gerade mal Mittag, und wir hatten Peschiera del Garda bereits ausgiebig erkundet. Die entscheidende Frage: Was tun mit dem restlichen Tag?

Eigentlich wollten wir nicht allzu weit fahren, einfach entspannt ein bisschen weiterbummeln. Doch dann fiel uns ein klitzekleines Detail ein: Wir hatten aus reiner Bequemlichkeit die Akkus unserer E-Bikes nicht aufgeladen.

Ach, wird schon gehen! Optimismus ist schließlich mein zweiter Vorname. Also beschlossen wir, weiter nach Sirmione zu fahren – mit Restakku und einer gesunden Portion Selbstüberschätzung.

Was in unserer Vorstellung eine gemütliche Tour entlang des Sees werden sollte, entpuppte sich als Hindernisparcours mit spontanen Tragepassagen. Immer wieder mussten wir unsere Räder über private Strandabschnitte schieben, vorbei an sonnenbadenden Touristen, die uns mit einer Mischung aus Mitleid und Belustigung ansahen.

Stefan schob sein Rad stoisch voran, während ich mir langsam aber sicher die Frage stellte, ob wir nicht doch besser hätten umkehren sollen. Nach einer Weile hatten wir die Nase voll. Schieben, Hüpfen, Slalomfahren – das war kein Radweg, das war ein Improvisationsmarathon. Also entschieden wir uns für Plan B: die Straße. Und da passierte es – wie könnte es auch anders sein? Mein Fahrradakku gab mitten auf der Strecke den Geist auf. „Na super.“

Ich schaute auf die Anzeige – tot. Komplett tot. Und genau in diesem Moment wurde mir klar: Der Weg nach Sirmione führte ab jetzt nur in eine Richtung – bergab. Was bedeutete das für den Rückweg? Richtig. Bergauf. Ohne Motor. Ein kleines Desaster war also schon absehbar.

Aber jetzt? Jetzt machten wir erst mal das Beste draus! Sirmione wartete – und wenn ich dafür das Fahrrad ins Ziel schieben musste, dann eben so!

Castello Scaligero di Sirmione

Als wir endlich im historischen Stadtkern von Sirmione ankamen, war der Akku-Ärger wie weggeblasen. Denn mal ehrlich – wie kann man bei so einem Anblick noch schlechte Laune haben? Sirmione war einfach postkartenreif.

Die schmalen Gassen voller blühender Bougainvillea, die pastellfarbenen Häuser, die kleinen Plätze mit plätschernden Brunnen – man fühlte sich direkt in eine andere Zeit versetzt. Die Fahrräder stellten wir ab, denn jetzt ging es zu Fuß weiter.

Über eine Hängebrücke, die uns direkt ins Herz der Altstadt führte. Und was uns dort sofort ins Auge sprang? Gelato. Gelato überall. Es schien, als wäre jeder zweite Laden eine Eisdiele, und jede einzelne wollte uns davon überzeugen, dass sie die allerbeste war.

Riesige Theken mit unzähligen Sorten – von klassischen Varianten wie dunkler Schokolade und Pistazie bis hin zu exotischen Kreationen, von denen wir noch nie gehört hatten. Mango-Basilikum? Lavendel-Honig? Warum nicht! Wir brauchten genau fünf Sekunden, um unsere Selbstbeherrschung komplett über Bord zu werfen. Ein großer Becher musste her.

Stefan entschied sich für Schokolade und Amarena, ich für Pistazie und Stracciatella – ein Klassiker, auf den man sich immer verlassen kann. Während wir unsere ersten Löffel genossen, war klar: Sirmione hatte uns in Sekundenschnelle um den Finger gewickelt.

Nach unserer kleinen Eispause spazierten wir weiter Richtung Hafen, wo uns plötzlich eine rettende Lösung ins Auge sprang: ein Ticketstand für Bootstouren. Und da war sie – die perfekte Idee.

„Warum fahren wir nicht einfach mit dem Boot zurück? Dann sparen wir uns das anstrengende Bergaufstrampeln!“ Stefan schaute mich an, als hätte ich gerade die beste Erfindung seit dem E-Bike gemacht. „Genial.“

Ein kurzer Blick auf den Fahrplan, und siehe da: In 1,5 Stunden fuhr ein Boot nach Lazise. Perfekt. Tickets gekauft – und plötzlich hatten wir noch anderthalb Stunden Zeit zum Bummeln. Und Sirmione hatte definitiv genug zu bieten.

Wir schlenderten durch die engen Gassen, vorbei an kleinen Boutiquen, in denen traditionelle italienische Handwerkskunst verkauft wurde – von handgenähten Ledertaschen bis hin zu kunstvoll bemalten Keramiktellern, die so schön waren, dass man sie eigentlich nie benutzen würde.

Die Plätze waren erfüllt von einem angenehmen, entspannten Treiben. Überall saßen Menschen bei Aperol Spritz oder schlürften gemütlich ihren Nachmittagskaffee. Andere ließen sich auf Steinbänken nieder und genossen ihre riesigen Gelato-Becher, während die Sonne langsam begann, ein goldenes Licht über die Stadt zu legen.

Gerade noch hatten wir durch die Gassen gebummelt, uns von Schaufenstern ablenken lassen und das dolce vita in vollen Zügen genossen – und plötzlich war es Zeit, zurück zum Hafen zu gehen.

Unser Boot wartete schon, sanft schaukelnd am Anleger, bereit, uns auf die entspannteste Rückfahrt zu bringen, die wir uns hätten wünschen können. Kein Schweiß, kein Strampeln – einfach nur zurücklehnen und genießen. Die 45-minütige Bootsfahrt nach Lazise? Ein Traum.

Wir sicherten uns einen Platz auf dem Oberdeck, um die Nachmittagssonne voll auszukosten. Der warme Wind wehte sanft, das Boot glitt ruhig über den See, und um uns herum funkelte das Wasser im goldenen Licht. Das Panorama? Malerisch.

Die umliegenden Berge leuchteten im sanften Nachmittagsglanz, die kleinen Dörfer, an denen wir vorbeizogen, lagen wie hingetupft an den Ufern. Von weitem sahen wir vereinzelt Segelboote, die langsam über das Wasser zogen, und irgendwo hörte man das Lachen anderer Passagiere, die – genau wie wir – einfach nur diesen Moment genossen. Es war die perfekte Abschlussfahrt eines ohnehin großartigen Tages.

In Lazise angekommen, stand mir die ultimative sportliche Herausforderung bevor: Fünf Kilometer zurück zum Campingplatz – ohne Akku-Unterstützung.

Während Stefan entspannt neben mir herschwebte, als hätte er ein unsichtbares Förderband unter den Reifen, trat ich tapfer in die Pedale und konzentrierte mich auf das Wesentliche: Überleben.

Fazit: Ich habe es geschafft, ohne größere Beschwerden – auch wenn ich unterwegs den Fahrradgöttern ein paar wenig schmeichelhafte Worte widmete.

Da für den nächsten Morgen Regen angesagt war, beschlossen wir, alles schon mal wetterfest zu verstauen. Also wurden die Fahrräder, der Tisch und die Stühle ordentlich im Camper verstaut, bevor das große Finale unseres Urlaubs begann: Das letzte Abendessen am See.

Noch einmal zurück ins Restaurant, in dem wir schon am Abend zuvor gesessen hatten. Ein bisschen wie ein Abschiedsessen – nur eben mit der Option, irgendwann zurückzukommen.

Und da ich kein Mensch für kulinarische Experimente bin, wenn ich weiß, dass ich etwas Großartiges verpassen könnte, bestellte ich mir wieder die fantastische Rinderrippe. Weil einmal einfach nicht genug war.

Stefan entschied sich diesmal für Spaghetti Carbonara, die – laut ihm – mindestens genauso perfekt waren wie mein Fleisch.

Dazu ein Glas frischen Weißwein, und während die ersten Tropfen Regen fielen, saßen wir da, beobachteten die dunklen Wolken, die sich über dem Gardasee auftürmten, und ließen den Abend auf uns wirken.

Zurück am Camper besprachen wir unseren Plan für den nächsten Morgen. Da Aufstehen im strömenden Regen und dann noch in nassen Klamotten packen nicht besonders verlockend klang, beschlossen wir: Direkt nach dem Aufwachen losfahren – und unterwegs irgendwo gemütlich frühstücken.

Ein entspannteres Ende für unseren Trip hätte es nicht geben können. Und während draußen der Regen sanft auf den Camper trommelte, wussten wir: Das war definitiv nicht unser letztes Mal am Gardasee.

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