Von Pferdeschwänzen, Phantom-Flamingos und dem großen Geschirr-Geklapper
Heute hieß es: Abschied nehmen vom Norden. Nach dem Frühstück auf dem La Cera Farm Camping steuerten wir unsere sechs Meter langen Schlachtschiffe Richtung Olbia und arbeiteten uns die Ostküste hinunter. Erster Stopp: Capo Coda Cavallo.
Der Himmel war bewölkt, aber was soll ich sagen? Regisseure würden für dieses Licht morden. Die Wolken verliehen den Fotos eine Dramatik, die man sonst nur aus Agententhrillern kennt. Der Wind pfiff uns ordentlich um die Ohren, während wir den Blick über das Meer auf die Inseln Molara und die imposante Tavolara schweifen ließen – direkt über den „Pferdeschwanz“ Sardiniens. Ein Ausblick, der so gewaltig ist, dass man fast vergisst, die Jacke bis zum Kinn zuzuziehen.
Beseelt von so viel Natur pur, starteten wir die Mission „Flamingo-Watching“ in der Laguna di San Teodoro. Spoiler: Die Flamingos hatten heute wohl andere Pläne, wahrscheinlich beim Shoppen in Porto Cervo. Trotzdem lieferte die Kulisse fantastische Bilder, auch wenn wir uns bei dem schneidenden Wind eher wie auf einer Expedition in die Antarktis fühlten. Wir hielten Ausschau nach rosa Vögeln, rechneten aber aufgrund der Kälte fast schon mit Pinguinen. Gesehen haben wir am Ende… exakt gar nichts. Aber hey, der Wille zählt!
Zum Aufwärmen und Kalorien-Tanken steuerten wir La Caletta an. Das Sa Tappa Bistros war ein kulinarischer Volltreffer der Extraklasse – typisch Sardegna, wie es im Buche steht. Nadine und Oli orderten Culurgiones Pomodoro, während ich mich an einer Art Fleischfondue-Traum versuchte: Tagliata con Fonduta (zartes Kalbfleisch mit einem Töpfchen geschmolzenem Gorgonzola). Stefan entschied sich für Pane Frattau – dieses wunderbare sardische Hirtenbrot mit einem pochierten Ei obendrauf. Als krönenden Abschluss gab es Seadas Miele. Wer diese in Honig badenden Käsetaschen einmal probiert hat, weiß, warum man in Italien nie Diät machen sollte.
Den direkten Weg nach Cala Gonone zu nehmen, wäre natürlich viel zu einfach gewesen. Warum die Autobahn nutzen, wenn man über Sant’Anna und Lula Richtung Dorgali fahren kann? Es wurde kurvig, es wurde bergig, und bei jeder Kehre veranstaltete das Geschirr in unseren Schränken ein Percussion-Konzert, das jedem Rock-Schlagzeuger zur Ehre gereicht hätte. Die Serpentinen zogen sich wie Spaghetti durch die Landschaft, aber die Aussichten waren jede Schweißperle am Lenkrad wert.
Das große Finale: Cala Gonone. Wir rollten auf den „Camping Sardinia“ ein, atmeten kollektiv tief durch und gratulierten uns gegenseitig, dass wir die Serpentinen ohne Meuterei oder Scherbenhaufen überstanden haben. Der Blick auf den Golf von Orosei ist die ultimative Belohnung. Es ist zwar noch ein wenig kühl, aber die Wettervorhersage verspricht für morgen den großen Temperatur-Sprung. Uns ist es egal – wir genießen es so oder so. Sardinien, du hast uns am Haken!