Das Wetter-Wunder von La Maddalena und die Ziegen-Flüsterer
Manchmal schreibt das Schicksal das Drehbuch kurzfristig um – und meistens hat es dabei einen ziemlich schrägen Humor. Eigentlich sollte heute unser großer Tag auf dem Wasser werden. Kapitän spielen im La Maddalena Archipel, ganz ohne Führerschein, dafür mit viel Abenteuerlust. Doch dann die SMS am Vorabend: „Wetter nicht bootstauglich.“ Ein Satz wie ein Cliffhanger, der eigentlich bedeutet: „Bleibt lieber im Hafen, wenn ihr nicht wie die Statisten in einem Katastrophenfilm enden wollt.“
Die Nacht war… unruhig. Der Wind rüttelte an den Campern und der Regen trommelte ein Schlagzeug-Solo aufs Dach, das selbst Phil Collins alt aussehen ließe. Beim Frühstück kuschelten wir uns alle in den Camper von Nadine und Oli – das mobile Hauptquartier – und starrten auf die Wetter-App. Das Fazit war absurd: In Palau herrschte gefühlt der Weltuntergang, während La Maddalena – Luftlinie gefühlt ein Steinwurf entfernt – mit strahlendem Sonnenschein prahlte.
Wir dachten uns: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Also ab nach Palau, Tickets für die Fähre gelöst und rüber. Und tatsächlich: Es war, als hätten wir eine unsichtbare Grenze überschritten. Hinter uns die graue Wand, vor uns ein Himmel so blau, dass man ihn fast für eine Fototapete gehalten hätte. Wie macht Italien das nur?
Der Spaziergang durch La Maddalena war herrlich entschleunigt. Die Stadt schlief noch halb im Winterschlaf, die meisten Touristenfallen mit ihren laminierten Bilder-Speisekarten (ein Graus für jeden Ästheten!) hatten glücklicherweise noch geschlossen. Wir liefen weit, bis wir das La Baracca entdeckten. Ein Volltreffer! Wir saßen dort zwischen schwatzenden Bauarbeitern und Einheimischen – das sicherste Zeichen für verdammt gutes Essen.
Der Kellner präsentierte uns sogar drei Fische auf einem Silbertablett, die heute Morgen wahrscheinlich noch ihre Runden im Mittelmeer gedreht hatten. Da wir uns aber weder mit Fisch-Anatomie noch mit dem fachgerechten Zerlegen vor Publikum auskennen, fehlte uns der Mut zur Bestellung. Wir blieben bei den sardischen Spezialitäten, die auch ohne Fischmesser-Diplom fantastisch schmeckten.
Zurück in Palau machten wir noch einen strategischen Beutezug beim Metzger und Bäcker, bevor wir zurück zum Campingplatz rollten. Dort wartete das nächste Highlight: Die Agriturismo-Besitzerin Kaitlyn nahm Noah und Emilia mit zu den Tieren. Es gibt Momente, die kann man nicht kaufen – wie das Gesicht eines Kindes, das eine gerade mal vier Tage alte Babyziege im Arm hält oder Esel füttern darf. Pures Gold für das Familienalbum.
Den Abend ließen wir in der BBQ-Ecke des Platzes ausklingen. Oli bewies seine Qualitäten als Grillmeister und brutzelte das Fleisch vom Metzger perfekt auf den Punkt. Gegessen wurde wieder im „Großraum-Camper“ von Nadine und Oli.
Fazit des Tages: Wenn der Plan A absäuft, macht Plan B manchmal sogar noch mehr Spaß. Und Ziegen sind definitiv die besseren Kapitäne.