Wir haben ein neues Auto. Es grinst.
Tschüss Ranger. War schön mit dir.
Es gab eine Zeit, da bestand mein berufliches Leben aus Autobahnen, Terminen und Firmenwagen, die klangen wie Steuerberater: Skoda. Golf. Golf. Und noch ein Golf.
Autos, die niemand hasst, aber auch niemand liebt. Solide. Verlässlich. Emotional auf dem Niveau eines Aktenordners in Beige. Ich fuhr sie, ich parkte sie. Man könnte sagen: Es war eine Zweckgemeinschaft auf Rädern.

Und dann kam dieser eine Tag. Der Tag, an dem ich – 54 Jahre alt, halbwegs bei Verstand, aber offenbar mit latentem Hang zur Eskalation – beschloss, meinen sicheren Job hinzuschmeißen und Lokführerin zu werden. Bedenkzeit: ein Tag.
Pro-und-Contra-Liste: mental, sehr kurz.
Ergebnis: rein ins kaltes Wasser, volle Kanne.
Erst nachdem die Kündigung raus war, meldete sich ein Gedanke, der bis dahin offenbar Urlaub hatte: „Moment mal … der Firmenwagen gehört ja gar nicht mir.“
Tja. Plötzlich war ich autofrei.
Und plötzlich durfte ich mir selbst eines aussuchen. Das erste Mal seit Jahren. Ohne Fuhrparkmanager, ohne Excel-Tabelle, ohne „wirtschaftlich sinnvoll“.
Ich entschied mich für einen Ford Ranger.
Warum? Gute Frage. Er war wirtschaftlich nicht sinnvoll – aber es ist erstaunlich beruhigend, ein Auto zu fahren, das aussieht, als könne es ein Gartenhaus transportieren – obwohl ich nicht mal einen Garten habe. Außerdem mochte ich es, beim Einsteigen nicht einfach Platz zu nehmen, sondern kurz zu überlegen, ob ich mit oder ohne Leiter einsteige.

Ich thronte über dem Verkehr, sah Dächer statt Rücklichter und hatte das beruhigende Gefühl, im Zweifel auch einen mittelgroßen Baum einfach wegatmen zu können.
Langzeitmiete, klar – man will sich ja nicht binden. Emotional schon, finanziell bitte nicht. Und dann kam Dezember 2025. Die Miete endete. Der Ranger ging.
Und ich stand wieder vor der Frage: Was jetzt?
Eigentlich war die Antwort klar: Ich hatte groß. Jetzt wollte ich klein. Ganz, ganz klein.
Fiat 500. Diesen italienischen Gute-Laune-Zwerg mochte ich schon immer. Leider hatte das rollende Smiley ein kleines, aber entscheidendes Problem: Platz für die Enkel.
Zwei Stück. Mit Beinen. Und Taschen. Schulranzen. Jacken. Trinkflaschen. Irgendwas glitzerndes. Irgendwas lautes. Und mindestens einem Gegenstand, dessen Zweck sich mir bis heute nicht erschlossen hat.
Also zog ein Fiat 500x bei uns ein.

Ein bisschen klein, ein bisschen praktisch, ein bisschen erwachsener als der 500er ohne X – wobei „erwachsen“ relativ ist. Der 500er fährt ja eher optimistisch bis zur Realitätsverweigerung durchs Leben, der 500X grinst dabei genauso, weiß aber zumindest, wo er die Taschen unterbringt. Gebraucht. Baujahr 2024. Venezia Blau. Eine Farbe, die klingt, als würde das Auto beim Einsteigen leise „Ciao“ sagen und dabei freundlich winken – nach dem Motto: Passt schon. Kriegen wir hin.
Der kleine Italiener parkt vorm Haus.
Direkt neben unserer Vespa.
Ich bilde mir ein, sie haben sich sofort verstanden.
Die Vespa schnurrt irgendwas von bella vita. Der Fiat blinkt kurz zurück.
Ich glaube sie manchmal auf italienisch zu hören
„Ciao.“
„Ciao.“
„Tutto bene?“
„Sempre.“

Und ich? Ich muss auf „groß“ ja gar nicht verzichten. Denn nebenbei fahre ich sogar Absurd groß: 100 Meter lang. Manchmal auch zwei davon, einfach zusammengekuppelt. Rund 4.000 PS. Parklücken interessieren mich da nicht mehr. Nur noch Bahnsteige. Und Verspätungen, die selbstverständlich immer die anderen verursachen.

Unterm Strich wechsle ich fröhlich zwischen klein, mittel und infrastrukturell relevant.
Je nach Tagesform. Und Schlüsselbund.
Läuft bei mir. 😏
