Wie wir lernten, Dinge zu drucken, die die Welt nicht braucht (aber unbedingt will)
Es gibt Dinge, die bestellt man, um sie zu benutzen. Und es gibt Dinge, die bestellt man, um sich wochenlang darüber zu wundern, warum man sie bestellt hat. So wie unseren Prusa MK4S. Plötzlich verwandelte sich unser Esszimmer in ein Montagezentrum. Und wir wussten nicht, ob wir lachen, weinen oder Noahs Anweisungen befolgen sollten. Letzteres war die klügere Wahl.
Aber von vorn: Bevor dieses Wunderwerk der Technik unsere Werkstatt enterte, wussten wir gar nicht, dass wir einen 3D-Drucker brauchen. Ehrlich nicht. Unser Leben funktionierte auch ohne. Dachten wir. Jetzt wissen wir: Wir haben in einer dunklen Höhle der Unwissenheit gelebt.
Denn jetzt drucken wir Dinge. Wichtige Dinge. Dinge, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass sie existieren, geschweige denn, dass wir sie brauchen. Das absolutes Highlight? Kleine Bierkästen. Nein, nicht für echtes Bier (leider). Sondern um AA- und AAA-Batterien darin aufzubewahren. Das ist deutsche Ingenieurskunst in ihrer reinsten Form! Wer braucht schon Ordnung im Chaos, wenn man seine Batterien in stilechten, winzigen Getränkekisten stapeln kann? Das ist Lebensqualität!

Aber die eigentliche Geschichte beginnt viel früher. Mit der Bestellung. Wir haben uns natürlich für den Prusa MK4S als Bausatz entschieden. Warum? Nun, wir sind Schwaben. Und ein Schwabe spart sich die 200 € für den zusammengebauten Drucker, selbst wenn es ihn den Verstand kostet. Das ist genetisch so festgelegt.
Also saßen Noah (acht Jahre alt und Chef-Ingenieur im Praktikum) und Opa an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden zusammen und verwandelten einen Haufen Schrauben, Motoren und Kabel in eine funktionierende Maschine. Und ich muss sagen: Ein riesiges Lob an den Achtjährigen! Es war sensationell. Er konnte Zeichnungen lesen, die selbst mir Kopfschmerzen bereitet hätten. Er fand zielsicher die richtigen Teile im Chaos der Plastiktüten.

Und das Beste waren die Momente, in denen er Opa korrigierte: „Nein, Opa, so gehört das nicht. Schau mal, wir müssen das so machen.“ Noah war der Fels in der Brandung, der Yoda der Montageanleitung. Ohne ihn würden wir wahrscheinlich heute noch ratlos vor einem Haufen Metall stehen und uns fragen, ob das Teil A42 wirklich in die Buchse B7 gehört.
Jetzt haben wir also einen funktionierenden 3D-Drucker. Und wir drucken. Viel. Zu viel. Bierkästen, Kabelhalter, winzige Kätzchen und Mindcraft Figuren (für die Enkel!), Halterungen für Dinge, die gar keine Halterungen brauchen. Man verfällt diesem Drucker einfach.
Doch der Wahnsinn hat Methode. Denn man stellt fest: Für die wirklich wichtigen Dinge – die Dinge, für die man ganz spezielles, empfindliches Filament braucht – reicht der Drucker allein nicht aus. Nein, er braucht ein Zuhause. Ein Gehäuse. Um die Temperatur zu kontrollieren, um das Filament vor Feuchtigkeit zu schützen, um… nun ja, um einfach noch professioneller auszusehen.
Also hat Opa zum Geburtstag ein Gehäuse bekommen. Ein wunderschönes, durchsichtiges Zuhause für unseren Prusa. Das Problem? Der halbe Drucker muss nun wieder zerlegt werden, um in sein neues Heim einzuziehen. Es ist ein bisschen so, als würde man ein Auto kaufen, nur um es dann wieder auseinanderzunehmen, um es in die Garage zu schieben.
Aber hey, Opa und Noah haben also ein neues Projekt. Und wir? Wir warten sehnsüchtig auf die nächsten Bierkästen für unsere Batterien. Denn wer weiß, wann wir mal eine AAA-Batterie brauchen, die stilecht in einer winzigen Kiste gelagert ist. Das ist Fortschritt!
Aber halt! Bevor wir uns ganz in der Welt der geschmolzenen Plastik-Bierkästen verlieren, muss ich noch eine wichtige Beichte ablegen. Ich habe nämlich eine ausgeprägte Leidenschaft für Weihnachts-Wichtel und -Elfen. Vor zwei Jahren habe ich denen ein Haus im Maßstab 1:12 gebaut – so richtig mit allem Drum und Dran. Inzwischen hat sich mein Anspruch aber gesteigert. Ich brauche maßstabsgerechte Mini-Billy-Regale und andere IKEA-Möbeleinrichtungen. Und wer muss diese hochpräzisen Inneneinrichtungs-Träume jetzt realisieren? Richtig: Die Herren an der Maschine.
Opa und Noah haben jetzt also eine neue Karriere als Möbel-Zulieferer für das Wichtel-Universum. Ich erteile die Aufträge, und sie müssen sehen, wie sie das Filament geschmeidig in Form bringen.
Die Geschichte zu meinen Wichtel-Shops und dem zweistöckigen Appartement kommt übrigens bald, versprochen! Bis dahin stapeln wir Batterien in Bierkästen und hoffen, dass Noah den Überblick behält, wenn Opa den Drucker wieder auseinanderbaut. Um ihn im(!) Gehäuse dann wieder zusammen zu bauen.