Entlang der Route 66 zu den Lichtern von Las Vegas: Von Angel Delgadillo und wilden Eseln

Guten Morgen aus dem gemütlichen Wintergarten des Days Inn in Prescott! Die Sonne scheint warm durch die großen Fenster, und wir genießen unser Frühstück, während wir langsam in den Tag starten. Die Kaffeemaschine brummt leise, frischer Toast duftet, und auf unseren Tellern findet sich alles, was ein Roadtrip-Frühstück braucht:knusprige Waffeln aus dem Automaten, ein paar Rühreier, Speck und eine Tasse Kaffee, die stark genug ist, uns für die nächsten Meilen zu wappnen.

Während wir uns stärken, macht sich ein kleiner Hauch von Wehmut breit – der Moment, an dem man realisiert, dass die Reise sich langsam dem Ende zuneigt. Ihr kennt das sicherlich: Die aufregendsten Traumziele sind abgehakt, und der Koffer? Nun, der Koffer spricht Bände.

Das Verhältnis von frischen zu getragenen Klamotten ist alles andere als ausgeglichen, und die anfängliche Ordnung des Gepäcks hat sich längst in kreatives Chaos verwandelt. Aber das gehört doch irgendwie dazu, oder?

Trotzdem – das bedeutet nicht, dass der Spaß vorbei ist. Ganz im Gegenteil: Wir haben noch zwei volle Tage vor uns, und heute Abend wartet mit Las Vegas ein absolutes Highlight.

Unsere Route führt uns durch die weite Wüstenlandschaft, die wir so lieben. Die Straße wird gerade, der Horizont endlos – und irgendwann tauchen sie auf, diese funkelnden Lichter mitten in der Einöde. Las Vegas, die Stadt, die niemals schläft. Dort werden wir unsere Reise mit einem glanzvollen Finale krönen, bevor uns der Heimflug zurück in den Alltag ruft.

Doch bis dahin? Genießen wir jeden einzelnen Moment, jede Meile, jeden letzten Sonnenstrahl auf dieser Reise.

Mit einem letzten Schluck Kaffee und einem Blick auf die strahlende Sonne, die uns schon fast aus dem Wintergarten hinauszieht, machen wir uns bereit. Der letzte Akt unserer Abenteuerreise beginnt – und er wird unvergesslich.

Bevor wir die Wüste Richtung Las Vegas ansteuern, gönnen wir uns noch einen kleinen Bummel durch das bezaubernde Stadtzentrum von Prescott. Die Sonne strahlt, eine leichte Brise weht durch die Straßen, und das warme Licht lässt die historischen Gebäude der Innenstadt im besten Glanz erstrahlen. Es ist einer dieser Tage, an denen alles perfekt scheint – weder zu heiß noch zu kühl, genau richtig.

Während wir durch die Straßen schlendern, fällt unser Blick auf das Lone Spur Cafe, wo zwei freie Tische vor der Tür auf uns warten. Es fühlt sich an wie eine Einladung. Ohne lange zu überlegen, schnappen wir uns einen der Plätze, lassen uns nieder und bestellen erstmal Kaffee.

Die lockere Atmosphäre dieser kleinen Stadt ist einfach ansteckend. Während wir unsere Tassen in der Sonne genießen, läuft das Leben um uns herum in gemächlichem Tempo weiter. Einheimische schlendern vorbei, viele mit ihren Vierbeinern an der Leine. Die Hunde – fröhlich, voller Energie – springen herum, schnüffeln an allem, was ihnen begegnet, und scheinen die Sonne genauso zu lieben wie wir.

Es ist ein herrliches Schauspiel. Ein Labrador mit glänzendem Fell versucht, seinen Besitzer zu einem kleinen Sprint zu überreden, während ein gemütlicher Basset Hound den Schatten eines Baumes bevorzugt und sich dort niederlässt, als wolle er sagen: „Ihr könnt gerne weiterlaufen, ich bleibe hier.“

Zwischen den Kaffeeschlücken lehnen wir uns zurück, lassen die Ruhe und das lokale Flair auf uns wirken. Es sind diese spontanen, unaufgeregten Momente, die das Reisen so besonders machen. Keine Eile, kein Druck, nur wir, die Stadt und ein kleiner Einblick in das Leben der Einheimischen.

Nach einer guten halben Stunde – und zwei leeren Kaffeetassen – beschließen wir, dass es Zeit ist, uns auf den Weg zu machen. Doch wir sind uns einig: Prescott hat uns mit seiner Gelassenheit und seinem Charme ein weiteres Mal verzaubert.

Kurz nach 9 Uhr brechen wir auf und folgen dem Highway 89, der uns durch das idyllische Chino Valley führt. Die Landschaft, die an uns vorbeizieht, ist ein Genuss: sanfte Hügel, weite Felder, vereinzelte Farmhäuser, die in der Morgensonne leuchten. Es ist eine Fahrt, die einen in eine Art meditative Ruhe versetzt, während die Straße uns immer weiter Richtung Norden trägt.

Gegen 10:30 Uhr erreichen wir schließlich Ash Fork, ein kleines Städtchen, das auf den ersten Blick durchaus hübsch wirkt – aber der Schein trügt. Der Ort strahlt eine fast greifbare Melancholie aus. Entlang der Hauptstraße stehen verlassene Häusergeschlossene Motels, deren leere Fensterfronten stumm in die Ferne blicken, und alte Werbeschilder, die längst vergangene Zeiten anpreisen.

Route 66 (Ashfork)

Ash Fork hatte seine Glanzzeit, und das merkt man. Die Geschichte des Ortes beginnt im Jahr 1882, als die Eisenbahn Einzug hielt. Mit der Bahn kamen die Reisenden, die Händler, die Hoffnung auf Wachstum. Später, als die legendäre Route 66 durch Ash Fork führte, wurde das Städtchen zu einem Anziehungspunkt für all jene, die das Abenteuer der offenen Straße suchten. Das Hotel Escalante, das hier seine Türen öffnete, wurde zum Aushängeschild der Stadt. Es war nicht nur eine Unterkunft, sondern ein Treffpunkt für Reisende und Stars gleichermaßen. Humphrey Bogart und Lauren Bacall sollen hier abgestiegen sein – und man kann sich leicht vorstellen, wie die beiden durch die Lobby des Hotels schritten, begleitet von dem geschäftigen Treiben dieser blühenden Kleinstadt.

Doch dann kam die Interstate 40. Mit dem Bau der neuen Schnellstraße wurde Ash Fork von einem wichtigen Knotenpunkt zu einem verlassenen Seitenweg. Die Route 66 verlor an Bedeutung, die Reisenden blieben aus, und das einst florierende Städtchen begann zu verblassen. Das Hotel Escalante, das einst stolz Gäste aus aller Welt empfing, schloss seine Türen, und mit ihm schwand ein Stück Geschichte.

Heute ist Ash Fork ein leiser Zeuge vergangener Zeiten. Es erinnert uns daran, wie flüchtig der Ruhm sein kann und wie sich die Welt und ihre Reisewege ständig verändern. Wir spazieren ein paar Minuten durch die Straßen, werfen einen Blick auf die verblassten Fassaden und denken an die Geschichten, die diese Mauern erzählen könnten, wenn sie sprechen könnten. Mit einem letzten Blick auf den kleinen, stillen Ort steigen wir wieder ins Auto. 

Mit bester Laune und voller Vorfreude verlassen wir Ash Fork und schwenken auf die I-40 in Richtung Westen. Doch es dauert nicht lange, bis wir wieder abbiegen – und zwar auf die legendäre Route 66, eine Straße, die mehr Geschichten in sich trägt, als man in einem einzigen Roadtrip je erleben könnte.

Die Route 66, von den Amerikanern liebevoll als „The Mother Road“ bezeichnet, ist nicht einfach nur eine Straße. Sie ist eine Legende, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Abenteuer und Nostalgie. Von Chicago bis zum Santa Monica Pier zieht sie sich über 2.448 Meilen durch acht Bundesstaaten und war einst die wichtigste Ost-West-Verbindung der USA. Hier fühlt man sich sofort wie ein Teil einer großen, historischen Reise.

Um genau 11:00 Uhr erreichen wir Seligman, eine kleine Stadt, die genauso unzertrennlich mit der Geschichte der Route 66 verbunden ist wie die Straße selbst. Doch wie so viele andere Orte entlang der Route wurde auch Seligman von der Eröffnung der I-40 in den 1970er Jahren hart getroffen. Mit der neuen Autobahn, die schneller und direkter war, verlor die Route 66 an Bedeutung – und Seligman wurde fast über Nacht zu einer Geisterstadt.

Seligman, dieses kleine Juwel entlang der Route 66, ist mehr als nur ein Stopp auf unserer Reise. Es ist eine Zeitreise zurück in die Blütezeit der Mother Road, ein lebendiges Museum voller Geschichten, Erinnerungen und Nostalgie. Und wie könnte es anders sein: Angel Delgadillo, der Mann, der diese Geschichten lebendig hält, steht im Mittelpunkt.

Dieser außergewöhnliche Mann, der 2018 91 Jahre alt ist, hat sich mit Herz und Seele für den Erhalt der Route 66 eingesetzt. Als die Interstate 40 gebaut wurde und die Route 66 ihre Bedeutung verlor, konnte Angel nicht zusehen, wie Seligman und andere Orte entlang der Strecke zu Geisterstädten wurden. Fast ein Jahrzehnt lang kämpfte er unermüdlich dafür, dass die Route 66 als „State Historic Route“ anerkannt wird.

1987 wurde sein Traum wahr: Die Route 66 wurde offiziell geschützt, und Seligman erhielt den Titel „The Birthplace of Historic Route 66“. Seitdem ist Angels Barbershop nicht nur ein Ort, an dem Haare geschnitten werden, sondern ein Symbol für den Geist und die Geschichte dieser Straße.

Als wir Angels Barbershop betreten, ist es, als ob wir eine andere Welt betreten. Der kleine Friseursalon hat sich in einen bunten Souvenirladen verwandelt, der bis unter die Decke mit Erinnerungsstücken gefüllt ist. T-Shirts, Blechschilder, Kaffeetassen, Golfbälle – alles, was man sich mit dem ikonischen „66“-Logo vorstellen kann, ist hier zu finden. Die Wände sind mit Fotos, Zeitungsartikeln und handgeschriebenen Notizen dekoriert, die von der Bedeutung der Route 66 und ihrer Geschichte erzählen.

Angel Delgadillo

Doch das Highlight unseres Besuchs ist ohne Frage Angel selbst. Wir haben das unglaubliche Glück, Angel persönlich zu treffen. Er begrüßt uns herzlich mit einem strahlenden Lächeln, das pure Lebensfreude ausstrahlt. Trotz seines hohen Alters wirkt er wach, lebendig und voller Energie. Es ist ein wahrer Moment der Ehre, als wir ein paar Selfies mit ihm machen dürfen – eine Erinnerung, die uns für immer bleiben wird. Auf dem Bild sieht man mich und Angel, wie wir lächelnd in seinem kleinen, geschichtsträchtigen Laden stehen, umgeben von all den Erinnerungsstücken.

Während wir weiter in Angels Barbershop stöbern, treffen wir auf eine Gruppe deutscher Touristen. Es stellt sich heraus, dass einige von ihnen nur ein paar Kilometer von unserem Zuhause entfernt leben. Die Welt ist wirklich klein, und solche Begegnungen machen das Reisen erst richtig spannend.

Route 66 (Seligman)

Nach unserem Treffen mit Angel schlendern wir weiter durch die Straßen von Seligman. Die Hauptstraße ist gesäumt von Retro-Diners, Oldtimern und bunten Schildern, die aussehen, als wären sie direkt aus den 1950er Jahren hierher teleportiert worden. Es fühlt sich an, als ob die Zeit stehen geblieben wäre – und genau das macht diesen Ort so besonders.

Seligman ist mehr als nur eine Stadt. Es ist ein lebendiges Denkmal an die Menschen, die die Route 66 geprägt haben, und an ihre unerschütterliche Leidenschaft, ihre Geschichte zu bewahren. Der Geist vergangener Zeiten ist hier allgegenwärtig, und die Liebe der Einwohner zu ihrer Stadt ist in jedem Winkel spürbar.

Als wir schließlich ins Auto steigen, den Kopf voller Eindrücke und die Kamera um ein paar unvergessliche Bilder reicher, fühlen wir uns erfüllt. Die Route 66 hat uns einmal mehr daran erinnert, wie wichtig es ist, Geschichte lebendig zu halten – und wie kraftvoll die Leidenschaft eines Einzelnen sein kann.

Die Mother Road ruft, und wir sind bereit für die nächste Etappe. Doch Angel Delgadillo und sein Barbershop werden uns sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

Route 66 (Seligman)

Die Fahrt von Seligman nach Hackberry auf der legendären Route 66 könnte kaum beeindruckender sein. Die Landschaft ist weit, die Straße zieht sich wie ein endloses Band durch die Wüste – und plötzlich wird der ruhige Rhythmus unserer Reise von einem vibrierenden Grollen durchbrochen. Eine schier endlose Parade von Harleys rollt uns entgegen.

Es dauert nicht lange, bis wir erkennen, dass wir es mit einem irischen Motorradclub zu tun haben. Die Hinweise sind unübersehbar: Kleeblätter auf den T-Shirts, grüne Aufnäher auf den Lederjacken, und hier und da ein lautes „Cheers“, das im Wind verweht. Es scheint, als hätten sie sich vorgenommen, die Mother Road auf die einzig wahre Art zu erleben – mit brüllenden Motoren, schwarzem Leder und einer ordentlichen Portion irischer Lebensfreude.

Route 66 (Hackberry)

Als wir gegen Mittag den Hackberry General Store erreichen, bietet sich uns ein imposantes Bild. Der gesamte Platz vor dem ikonischen Store ist überflutet mit glänzenden Maschinen. Chrom blitzt in der Sonne, und die Harley-Davidson-Logos auf den Tanks scheinen in allen erdenklichen Variationen vertreten zu sein.

Die Szene ist fast surreal: Überall stehen oder sitzen Biker, tauschen Geschichten aus oder posieren für Fotos vor den historischen Schildern und den alten Zapfsäulen des General Stores. Es ist ein Spektakel, das den Geist der Route 66 in seiner ganzen lebhaften Pracht einfängt.

Doch während wir die Szenerie bewundern, dringt plötzlich Musik an unser Ohr. Eine Frau am Keyboard gibt ihr Bestes und singt mit Leidenschaft – allerdings trifft sie keinen einzigen Ton.

Es ist eine dieser Situationen, in denen man nicht weiß, ob man lachen oder einfach nur höflich weghören soll. Die Biker scheinen sich davon nicht im Geringsten stören zu lassen – vielleicht liegt es an der Lautstärke ihrer Motoren, die jede falsche Note übertönt.

Nach ein paar Minuten des Schmunzelns – und der Bewunderung für das Durchhaltevermögen der Sängerin – beschließen wir, unsere Reise fortzusetzen. Die Freiheit der offenen Straße ruft, und wir lassen die schräge Musik und das beeindruckende Harley-Meer hinter uns.

Die Route 66 zeigt sich einmal mehr von ihrer vielseitigsten Seite: eine Bühne für skurrile Begegnungen, unvergessliche Bilder und den ganz eigenen Zauber, den nur diese Straße bieten kann. Während wir weiterfahren, begleiten uns die Gedanken an die irischen Biker und die unvergleichliche Atmosphäre von Hackberry – ein weiterer kleiner Moment, der diese Reise so besonders macht.

Route 66 (Kingman)

Unser nächster Halt auf der Route führt uns nach Kingman, und wie könnte es anders sein: Ein Besuch bei Mr. D’z Route 66 Diner steht ganz oben auf unserer Liste. Dieses ikonische Diner, mit seiner auffälligen pastellfarbenen Fassade und dem typischen Retro-Charme, ist ein Muss für jeden, der die Route 66 bereist. Doch diesmal erwartet uns etwas völlig Neues: Wir sind zum ersten Mal an einem Sonntag hier.

Als wir bei Mr. D’z Route 66 Diner ankommen, haben wir überraschend schnell Glück und ergattern einen freien Tisch. Das Diner, mit seinem charmanten Retro-Stil und den pink-blauen Wänden, versprüht sofort den typischen 50er-Jahre-Charme. Doch die entspannte Stimmung hält nicht lange an – das Restaurant füllt sich zusehends, und das Geschehen nimmt Fahrt auf.

Kurz nach uns trifft eine asiatische Reisegruppe ein, und wenig später tauchen auch die lustigen irischen Harley-Fahrer auf, die wir schon zuvor auf der Route getroffen haben. Während die Biker sich lässig mit einem Bier an ihren Tischen zurücklehnen, scheint die asiatische Gruppe eine ganz eigene Dynamik mitzubringen.

Das Chaos nimmt seinen Lauf, als ein Tisch am Fenster frei wird. Anstatt geduldig auf Anweisungen des Personals zu warten – wie es in den USA eigentlich üblich ist – steht eine Gruppe von sechs asiatischen Gästen auf und zieht mitsamt ihrer Getränke an den besagten Fensterplatz um. Vermutlich waren sie auf der Suche nach der besten Aussicht, aber dieser spontane Umzug bringt das Personal gehörig ins Schleudern.

Die arme Kellnerin, die kurz darauf mit einem Tablett voller bestellter Getränke zurückkommt, findet nur einen leeren Tisch vor. Die Gäste, die eigentlich hier sitzen sollten, sind nirgends zu sehen – dafür sitzt jetzt die Gruppe am Fenster, die fröhlich plaudert, als wäre nichts passiert.

Mr D’z Kingman

Das gesamte Spektakel sorgt für reichlich Unterhaltung – nicht nur bei uns, sondern auch bei den Harley-Fahrern, die das Geschehen mit einem amüsierten Grinsen verfolgen. Die Atmosphäre bleibt trotzdem gelassen, denn auch wenn das Chaos perfekt ist, nimmt hier niemand die Situation allzu ernst.

Wir sind heilfroh, dass wir bereits bedient wurden und in Ruhe unser Essen genießen können, während das Personal versucht, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Tequila Chicken ist – trotz aller Ablenkungen – ein absoluter Genuss und bringt den Geschmack der Wüste direkt auf unseren Teller.

Mit einer Mischung aus Verwirrung und einem Lächeln versucht die Kellnerin herauszufinden, wo die Cola, der Eistee und der Milkshake jetzt wirklich hingehören. Es ist ein regelrechtes Suchspiel, bei dem sie von Tisch zu Tisch wandert, die Bestellungen in der Hand, und vergeblich versucht, die passenden Gäste zu finden.

Dieser Zwischenstopp war alles andere als langweilig: Der Mix aus Retro-Charme, schmackhaftem Essen und einem Hauch von chaotischem Improvisationstheater macht diesen Besuch zu einem weiteren unvergesslichen Moment auf unserer Reise. Und obwohl wir ein bisschen Mitleid mit der überforderten Kellnerin hatten, konnten wir uns ein Schmunzeln über die Szenerie nicht verkneifen.

Mit vollen Bäuchen und einem Lächeln auf den Lippen machen wir uns schließlich wieder auf den Weg – bereit für die nächste Etappe auf der Route 66.

Nach dem herzhaften Essen bei Mr. D’z machen wir uns gut gestärkt auf den Weg und verlassen Kingman in westlicher Richtung. Kaum haben wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen, verändert sich die Landschaft schlagartig. Ein malerischer Canyon öffnet sich vor uns, dessen Felswände in den warmen Farben der Wüste leuchten. Die Straße windet sich sanft durch die Felsen, und es fühlt sich an, als hätte die Route 66 hier einen besonders romantischen Abschnitt bewahren können.

Nach dem Canyon erreichen wir das Sacramento Valley, eine scheinbar endlose Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckt. Die Wüste zeigt sich hier in ihrer ganzen Pracht: Kakteen in verschiedensten Formen, trockenes Gras, das im Wind raschelt, und die Berge in der Ferne, die wie eine gemalte Kulisse wirken. Die Straße zieht sich gerade und weit, und für einen Moment scheinen wir die einzigen Menschen auf der Welt zu sein.

Route 66

Der Wind zerrt leicht an unserem Auto, und die Sonne brennt unnachgiebig vom Himmel. Doch genau das macht die Magie dieses Ortes aus. Es ist, als würde die Route 66 hier ihre Geschichte flüstern – von Reisenden, Abenteurern und Entdeckern, die vor Jahrzehnten denselben Weg nahmen.

Doch die Ruhe des Sacramento Valley ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Vor uns liegen die Black Mountains, eine Bergkette, die nicht nur optisch beeindruckt, sondern auch fahrtechnisch ihre Tücken hat. Die Straße wird enger, die Kurven schärfer, und die Schilder warnen vor allem, was einen hier erwarten könnte: Steigungen, enge Serpentinen und natürlich wilde Esel.

Und da sind sie auch schon. Kaum haben wir das erste Schild passiert, das vor den grauen Bewohnern der Region warnt, tauchen drei dieser charmanten Gesellen direkt am Straßenrand auf. Mit ihren großen Ohren und den sanften Augen scheinen sie uns neugierig zu mustern, als wollten sie sagen: „Willkommen in unserem Revier.“

Die Esel lassen sich von unserem Auto kaum beeindrucken, doch wir zücken natürlich die Kamera. Ein solches Bild gehört einfach zu einer Route-66-Reise dazu.

Route 66

Die Straße windet sich weiter in die Höhe, und wir nehmen die Herausforderung des Sitgreaves-Passes an. Die Serpentinen verlangen volle Konzentration, doch der Ausblick entschädigt für jede scharfe Kurve. Von hier oben erstreckt sich die Landschaft der Black Mountains bis in die Weite der Mojave-Wüste. Die Felsen leuchten in den verschiedensten Rottönen, und hier und da durchbrechen winzige grüne Sträucher die karge Landschaft.

Die Strecke ist anspruchsvoll, aber es macht Spaß, die engen Kurven zu meistern. Man spürt, dass man auf einer historischen Straße unterwegs ist, die schon Generationen von Reisenden in ihren Bann gezogen hat.

Nach einer aufregenden Fahrt durch die Berge nähern wir uns schließlich dem Ziel unserer Reise. Die Straße wird wieder breiter, die Landschaft verändert sich, und vor uns zeichnet sich ein kleiner Ort ab. Aber dazu später mehr – für den Moment lassen wir die Eindrücke der Fahrt durch die Black Mountains noch einmal auf uns wirken.

Die Route 66 hat hier einmal mehr bewiesen, warum sie eine der legendärsten Straßen der Welt ist: wilde Natur, spektakuläre Ausblicke und diese unbeschreibliche Freiheit, die nur die offene Straße bieten kann.

Ein paar enge Serpentinen und scharfe Kurven später erreichen wir Oatman, einen der charmantesten Orte entlang der Route 66. Schon beim Einfahren in den Ort merken wir: Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Die historischen Gebäude, die sich dicht an die staubige Hauptstraße drängen, wirken wie direkt aus einem Westernfilm. Schilder aus verwittertem Holz, kleine Veranden mit Schaukelstühlen, und dazwischen Souvenirläden, die alles anbieten, was das Herz eines Route-66-Fans begehrt. Doch was Oatman wirklich einzigartig macht, sind seine wilden Burros – oder besser gesagt: die eigentlichen Herrscher der Stadt.

Kaum sind wir ausgestiegen, werden wir schon von einer kleinen Gruppe Esel begrüßt. Diese freundlichen grauen Gesellen scheinen genau zu wissen, wie man Besucher in ihren Bann zieht. Mit ihren großen, sanften Augen und den spitzen Ohren mustern sie uns neugierig – oder vielleicht auch erwartungsvoll, schließlich haben wir keine Futtertüte dabei.

Oatman

Die Geschichte dieser Esel ist ebenso faszinierend wie der Ort selbst. Sie sind die Nachfahren der Lastesel, die einst von den Goldsuchern zurückgelassen wurden. Während des Goldrauschs waren sie unverzichtbare Helfer, die Werkzeuge und Vorräte durch die Berge trugen. Doch als der Goldrausch vorbei war, wurden sie freigelassen und mussten sich fortan selbst durchschlagen.

Heute sind sie die inoffiziellen Maskottchen von Oatman. Die Tiere haben gelernt, dass Touristen nicht nur eine tolle Foto-Option, sondern auch eine verlässliche Futterquelle sind. Überall in den Souvenirläden gibt es kleine Papiertüten mit speziellem Burro-Futter zu kaufen. Doch Achtung: Finger weg von anderem Essen – die Esel sind darauf trainiert, nur das spezielle Futter zu bekommen, und wehe, jemand bricht die Regeln.

Oatman

An diesem Tag sind besonders viele Burros unterwegs. Ein Esel hat es sich direkt vor einem Souvenirladen bequem gemacht, neugierig den Kopf ins Fenster gesteckt und scheint zu überlegen, ob er heute ein Cowboy-Hemd kaufen soll. Ein anderer steht mitten auf der Hauptstraße, völlig unbeeindruckt von Autos oder Motorrädern, und knabbert entspannt an einer Futtertüte, die ihm jemand in die Hand gedrückt hat.

Die jüngsten Esel, auch „Kleeblätter“ genannt, tragen kleine Schilder um den Hals mit der Aufschrift: „Don’t feed me – I’m still nursing“ (Bitte nicht füttern, ich werde noch gestillt). Es ist fast unmöglich, ihnen zu widerstehen – ihre winzigen Hufe und ihr flauschiges Fell machen sie zum absoluten Publikumsliebling.

Mitten im Herzen von Oatman, umgeben von den staubigen Straßen und den historischen Gebäuden, steht das berühmte Oatman Hotel – eine Ikone des Wilden Westens und ein unverzichtbarer Stopp auf der Route 66. Schon von außen spürt man den Charme dieses altehrwürdigen Gebäudes, das die Geschichte von Oatman in sich trägt. Doch sobald man die Schwelle übertritt, wird klar, dass hier jeder Raum, jede Wand und jede Ecke eine Geschichte zu erzählen hat.

Oatman Hotel

Das Oatman Hotel, gebaut im Jahr 1902, ist das älteste zweistöckige Gebäude der Stadt und eines der letzten noch bestehenden Adobe-Hotels in Arizona. In seinen goldenen Zeiten war es eine Unterkunft für die vielen Goldsucher, die hier ihr Glück suchten, und für Reisende, die durch die Black Mountains kamen. Der wohl bekannteste Moment in seiner Geschichte war 1939, als Clark Gable und Carole Lombard, das berühmteste Hollywood-Paar jener Zeit, hier auf ihrer Hochzeitsreise abstiegen. Ihr angebliches Hochzeitszimmer ist heute eine der Hauptattraktionen des Hotels – ob sie wirklich hier übernachtet haben, bleibt eine romantische Legende, die das Hotel geschickt am Leben hält.

Doch das, was dieses Hotel wirklich einzigartig macht, sind die unzähligen Dollarscheine, die die Wände, die Decke und fast jede verfügbare Fläche schmücken. Die Tradition begann angeblich mit Minenarbeitern, die ihre Löhne an die Wand hefteten, um sie später bei Bedarf wieder abzunehmen – eine Art Wildwest-Sparbuch, könnte man sagen.

Heute sind es Touristen aus aller Welt, die ihre Spuren hinterlassen. Jeder Dollar trägt eine Nachricht, einen Namen oder ein Datum, oft versehen mit kleinen Zeichnungen oder Grüßen. Es ist ein beeindruckendes Kunstwerk aus grünen Geldscheinen, das die Bar in ein unvergleichliches Ambiente taucht. Man schätzt, dass sich mittlerweile mehr als 100.000 Dollar an den Wänden befinden.

Es ist fast unmöglich, nicht stehenzubleiben und die Details zu bewundern. Wir entdecken Scheine aus aller Welt – Euros, Yen, australische Dollar – die eine kosmopolitische Note in dieses kleine Wildwest-Hotel bringen.

Die Bar im Oatman Hotel ist nicht nur ein Ort für kalte Getränke und Geselligkeit, sondern ein lebendiges Museum. Während wir unser Getränk genießen, hören wir die Geschichten des Personals, die mit Stolz von der Geschichte des Hotels erzählen, und beobachten die Burros, die neugierig durch die Fenster lugen – wahrscheinlich auf der Suche nach der nächsten Futtertüte.

Oatman ist weit mehr als nur eine kleine Stadt entlang der Route 66. Es ist ein lebendiges Denkmal an die Zeit des Goldrauschs, voller Charme und Humor. Die Burros verleihen dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre, und während sie durch die Straßen trotten, hat man fast das Gefühl, dass sie in Wirklichkeit die Stadt regieren.

Nach einer unterhaltsamen Stunde voller Esel, Dollarscheine und Wildwest-Nostalgie verabschieden wir uns von Oatman, schmeißen die Klimaanlage im Auto an und machen uns auf den Weg zur letzten Etappe unseres Roadtrips: Las Vegas. Die Strecke führt uns durch die karge Wüstenlandschaft von Arizona und Nevada, und während sich die Hitze draußen spürbar aufbaut, herrscht im Auto eine Mischung aus Vorfreude und Abschiedsstimmung.

Die Fahrt verläuft entspannt, und nach gut zwei Stunden tauchen die ersten Anzeichen der Glitzermetropole am Horizont auf: ein endlos scheinender Boulevard aus blinkenden Lichtern, funkelnden Reklametafeln und schwindelerregenden Hoteltürmen. Es ist ein Kontrast, wie er größer kaum sein könnte: Gerade noch im ruhigen, historischen Oatman, stehen wir nun an der Schwelle zur grell leuchtenden Unterhaltungsmetropole der Welt.

Zimmer mit Aussicht

Unsere Unterkunft für diesen Teil der Reise ist der Jockey Club, ein eher unscheinbares Hotel mit privatem Apartment-Charakter. Doch was es an äußerem Glanz vermissen lässt, macht es mit seiner unschlagbaren Lage wett: eingebettet zwischen den imposanten Nachbarn Bellagio und Cosmopolitan Casino. Wenn man hier ein Zimmer in den oberen Etagen ergattert, bietet sich ein unvergleichlicher Blick auf die berühmten Bellagio Fontänen, die in der Wüste fast magisch erscheinen.

Schon Wochen zuvor hatte ich per E-Mail angefragt, ob wir ein Zimmer mit Aussicht bekommen könnten. Die Antwort war freundlich, aber wenig verbindlich: „Wir werden uns bemühen.“ Nun, wie wir alle wissen, kann „bemühen“ in der Praxis vieles bedeuten.

Die Spannung steigt, als wir die Tür zu unserem Zimmer öffnen. Doch statt der erhofften Aussicht auf die zauberhaften Fontänen, blickten wir auf eine schlichte weiße Betonwand, die kaum fünf Meter vom Fenster entfernt lag. Kein Funken Vegas-Zauber, nur Tristesse pur.

Das konnte ich so nicht stehen lassen. Also machte ich mich auf den Weg zur Rezeption, entschlossen, mein Glück zu versuchen. Die Dame am Empfang lächelte freundlich, bedauerte aber, dass alle Zimmer mit Aussicht bereits belegt seien. „Da kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen,“ sagte sie mit bedauerndem Ton. Doch gerade, als ich aufgeben wollte, mischte sich eine andere Mitarbeiterin ein.

„Vielleicht könnte der Manager helfen?“ schlug sie vor, und bevor ich reagieren konnte, hielt sie mir schon den Telefonhörer hin.

Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein etwas genervt klingender Mann. Ich erklärte ihm höflich mein Anliegen, wurde jedoch prompt unterbrochen: „Geben Sie mir die Dame vom Empfang,“ verlangte er ungeduldig. Ich reichte ihr den Hörer zurück, und das anschließende Gespräch dauerte gerade mal zehn Sekunden. Mit einem kurzen „Ja, Sir“ legte sie auf, griff zu den Schlüsselkarten und drückte mir diese mit einem Lächeln in die Hand. „Ihr neues Zimmer,“ sagte sie, und dieses Mal klang sie ein kleines bisschen triumphierend.

Schon beim Öffnen der Zimmertür wussten wir: Der Umzug hat sich gelohnt. Die großzügige Suite bot nicht nur deutlich mehr Platz, sondern auch genau die Aussicht, die wir uns erträumt hatten. Der berühmte Las Vegas Strip breitete sich vor uns aus, und direkt gegenüber leuchteten die Bellagio Fontänen in ihrer vollen Pracht.

Wir ließen uns auf die Couch fallen, öffneten die Fenster, um die magische Atmosphäre einzufangen, und genossen den Anblick dieser einzigartigen Stadt. Nach Tagen auf der Straße und in der Natur war dieser Moment ein perfekter Kontrast, der die Vielfalt unseres Roadtrips auf den Punkt brachte.

Vegas hatte uns empfangen, wie es nur Vegas kann: mit Glanz, Drama und einem fantastischem Hotel Zimmer.

Nach dem erfolgreichen Check-in und dem atemberaubenden Ausblick aus unserem neuen Zimmer beschlossen wir, die verbleibenden Stunden in dieser Stadt der Lichter so richtig auszukosten. Mittlerweile war es 20 Uhr, und die Nacht in Las Vegas begann erst, ihre volle Magie zu entfalten.

Unser erster Stopp führte uns in die Miracle Mile Mall im Planet Hollywood Casino – ein Shopping-Paradies mitten im Herzen von Vegas. Hier herrscht eine ganz eigene Atmosphäre: pulsierende Musik, bunte Lichter und ein Himmel, der so perfekt künstlich blau ist, dass man fast glaubt, es sei noch Tag. Die Geschäfte lockten mit glitzernden Schaufenstern, und während wir durch die breiten Gänge schlenderten, war es schwer, nicht bei jedem zweiten Laden stehenzubleiben.

Doch so verlockend das Shoppen auch war, unsere Mägen meldeten sich irgendwann zu Wort. Es war Zeit für ein kulinarisches Highlight – unsere heiß geliebten Chicken Wings.

Die Wahl fiel nicht schwer, denn für uns gibt es in Vegas keine besseren Wings als bei HootersZart, saftig und mit genau der richtigen Menge Schärfe – ein Genuss, den wir auf unseren Reisen immer wieder feiern. Und wie könnte man sich besser in die Vegas-Stimmung versetzen, als bei einem Teller Wings in einer Location, die das typische amerikanische Flair versprüht?

Während wir in unseren Sitzbänken saßen, umgeben von lachenden Gästen und den lebhaften Gesprächen anderer Besucher, war der Moment perfekt. Vegas hatte uns mit seiner unerschöpflichen Energie voll und ganz in seinen Bann gezogen.

Bevor wir zurück in unser Zimmer gingen, machten wir noch einen kleinen Abstecher, um den Poolbereich des Cosmopolitan zu erkunden. Dank der Vereinbarung zwischen den Hotels durften wir den schicken Infinity-Pool des Cosmopolitan mitbenutzen – auch wenn die Zeit für ein erfrischendes Bad längst nicht mehr reichte.

Doch alleine der Anblick des Pools war beeindruckend. Eine glamouröse Oase mitten in der Wüste, umrahmt von modernen Liegen und stylischen Cabana-Bereichen, mit einer Aussicht, die ihresgleichen suchte. Der Pool schien im Schein der Lichter geradezu zu glitzern, und die Atmosphäre war der Inbegriff von Eleganz. Wir konnten nicht anders, als kurz innezuhalten und uns vorzustellen, wie es wohl wäre, hier einen entspannten Nachmittag zu verbringen.

Um 23 Uhr kehrten wir schließlich zurück in unsere Suite. Doch obwohl wir eigentlich müde waren, konnten wir uns nicht dazu durchringen, die Vorhänge zu schließen. Wie hätte man diesen Ausblick auf die funkelnde Stadt, die niemals schläft, einfach hinter einem Stoffvorhang verstecken können?

Mit einem Glas Wasser in der Hand ließen wir uns auf die Couch fallen und genossen das hypnotische Schauspiel vor unserem Fenster. Die Bellagio Fontänen tanzten im Takt der Musik, die Lichter des Strips glitzerten wie Edelsteine, und irgendwo in der Ferne war der Strahl des Luxor-Hotels zu sehen, der sich wie ein Leuchtturm in den Himmel bohrte.

Las Vegas zauberte uns ein Lächeln auf die Lippen – nicht nur wegen seiner schillernden Oberfläche, sondern auch wegen der Erinnerungen, die wir hier sammelten. Es war der perfekte Abschluss eines langen Tages und der Beginn unseres letzten Kapitels in dieser unvergesslichen Stadt.

Cosmopolitan Pool

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