Ein Tag in Texas: Farmers Markt, Bier, Country-Musik und Cowboys in der Bandera

Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer! Heute zieht es uns raus aus San Antonio, hinein in die ländliche Umgebung – dorthin, wo Texas seinen rauen Charme versprüht. Aber bevor wir uns dem Wilden Westen nähern, steht erst einmal ein gemütliches Frühstück auf dem Programm.

Unser Hotel verspricht mit seinem Namen “Best Western Plus” ja irgendwie das gewisse Extra. Doch heute Morgen fühlt es sich eher nach einem “Best Western minus” an. Das Buffet sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus – Rührei, Speck, Pancakes, alles da. Aber als wir uns setzen, fällt uns auf, dass die Tische schon bessere Zeiten gesehen haben. Und mit bessere Zeiten meinen wir: Sie wurden vermutlich zuletzt gereinigt, als Texas noch eine eigene Republik war.

Na ja, wir sind hart im Nehmen. Mit ein bisschen Improvisation (Servietten sind unsere neuen besten Freunde) genießen wir unser Frühstück trotzdem. Schließlich brauchen wir Energie für den heutigen Ausflug.

Unser Ziel: Bandera – die selbsternannte “Cowboy-Hauptstadt der Welt”. Doch bevor wir die Stiefel schwingen und uns in den Wilden Westen stürzen, gibt es noch einen kleinen Abstecher: Auf dem Weg nach Bandera legen wir einen Stopp beim Pearl Market ein. Die historische Pearl Brauerei wurde zu einem angesagten Viertel umfunktioniert, und der Markt ist eines der Highlights.

Schon beim ersten Blick auf die Stände wissen wir: Hier geht’s nicht um 08/15-Ware. Alles ist handgemacht, regional und mit Liebe produziert – von frischem Gemüse über duftende Backwaren bis hin zu Kosmetik, die so hübsch verpackt ist, dass man sie eigentlich gar nicht benutzen möchte.

Besonders begeistert uns ein freundlicher Kehrmaschinenfahrer, die mit ansteckender Freude über eine kleine Kunstrasenfläche düst. So viel Begeisterung für das Reinigen eines künstlichen Rasens haben wir selten gesehen!

Pearl Farmers Market

Wer glaubt, dass Texas nur aus Cowboys, BBQ und riesigen Trucks besteht, sollte mal einen Morgen auf dem Pearl Market verbringen. Hier, mitten im Herzen von San Antonio, gibt es Live-Musik, hippe Cafés und eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen europäischem Wochenmarkt und amerikanischem Straßenfest liegt. Und natürlich – wir sind in Texas – darf dabei eine ordentliche Portion Country-Feeling nicht fehlen.

Schon als wir den Indoor-Food-Court betreten, empfangen uns sanfte Gitarrenklänge. Zwei Musiker spielen sich warm, während die ersten Besucher noch etwas verschlafen ihren Kaffee schlürfen. Es ist ein typischer Moment, wie man ihn in Texas überall erleben kann: Egal, ob im Pub, auf der Straße oder in einem Supermarkt – irgendwo spielt immer jemand Gitarre.

Wir schnappen uns einen Platz im Außenbereich der Bakery Lorraine, wo wir das Treiben ganz entspannt beobachten können. Diese kleine Bäckerei ist berühmt für ihre Macarons und französischen Törtchen, doch nach unserem Frühstück im Hotel sind wir ehrlich gesagt noch nicht bereit für süße Sünden. Stattdessen bestellen wir uns zwei Cappuccinos – in Texas gar nicht so leicht zu bekommen, denn die meisten Texaner bevorzugen ihren Kaffee schwarz und stark wie Motorenöl.

Pünktlich um 9 Uhr passiert dann etwas, das uns den Tag versüßt – und nein, es ist kein Schokocroissant. Ein kleines Mädchen rennt mit einer Glocke über den Platz, schwingt sie mit voller Kraft und verkündet so den offiziellen Start des Marktes. Und plötzlich ist alles in Bewegung!

Menschen strömen von allen Seiten herbei, Händler rufen sich gegenseitig zu, Mütter ziehen ihre Kinder an den Wasserspielen vorbei, und es entsteht dieser magische Moment, wenn eine Stadt zum Leben erwacht. Wir lassen uns treiben, schlendern von Stand zu Stand und bewundern die liebevoll gestalteten Produkte:

  • Frisches Obst und Gemüse aus den texanischen Farmen
  • Duftendes Brot aus kleinen Bäckereien
  • Selbstgemachte Seifen und Kerzen (die so gut riechen, dass wir uns kaum entscheiden können)
  • Kunsthandwerk, Schmuck und Souvenirs, die man so nur hier findet

Es ist wirklich schön hier, und wir genießen jede Minute. Es gibt viele Märkte auf dieser Welt – aber dieser hier ist besonders.

Vielleicht liegt es an der herzlichen Atmosphäre, vielleicht an der Musik, die überall in der Luft liegt, oder vielleicht einfach an dem kleinen Mädchen mit der Glocke, das uns allen gezeigt hat, wie schön es sein kann, den Tag mit einem Lächeln zu beginnen. Doch auch wenn wir hier noch ewig verweilen könnten – unser nächstes Abenteuer wartet.

Nächster Halt: Bandera – die Cowboy-Hauptstadt der Welt!

Downtown Bandera

Kaum biegen wir auf die Main Street von Bandera ein, könnten wir genauso gut direkt in einen Westernfilm geraten sein. Cowboy-Hüte, Flanellhemden, Westernstiefel und Pferde – überall Pferde!

Hier scheint sich seit der großen Ära des Wilden Westens nicht viel geändert zu haben. In Bandera werden Pferde nicht nur auf Ranches oder Rodeo-Plätzen geritten – nein, hier galoppieren sie direkt durch die Innenstadt. Und das völlig selbstverständlich!

Ein Mann mit grauem Bart, staubigen Stiefeln und einem Cowboyhut, der sicher schon bessere Tage gesehen hat, sitzt locker im Sattel seines Pferdes und grüßt uns mit einem lässigen Kopfnicken. Er reitet direkt an einer Ampel vorbei, als wäre das das Normalste der Welt. Wir schauen uns an und müssen grinsen. “Warum fahren wir hier eigentlich mit einem Auto rum?”

Bandera ist nicht einfach nur irgendeine Stadt in Texas – sie trägt den stolzen Titel “Cowboy Capital of the World”. Warum?

Hier fanden in den 1800er Jahren die großen Rindertriebe statt, bei denen Tausende von Longhorn-Rindern von Texas aus bis nach Kansas getrieben wurden. Noch heute gibt es zahlreiche Dude Ranches, auf denen man das Cowboy-Leben hautnah erleben kann – von Reitstunden bis zu echten Cattle Drives. Die Einheimischen hier leben den Western-Lifestyle nicht nur am Wochenende – es ist ihr Alltag! Und genau das macht den Charme dieses Ortes aus.

Unsere erste Erkundungstour führt uns auf die Main Street. Hier reiht sich ein uriger Saloon an den nächsten, dazwischen kleine Souvenirshops, Westernläden und gemütliche Restaurants. Wir lassen uns treiben und genießen das langsame Tempo, das Bandera so besonders macht.

An einer Ecke entdecken wir ein Geschäft mit dem vielversprechenden Namen “Bandera General Store”. Westernhüte, Gürtelschnallen, Cowboystiefel – hier gibt es ALLES, was man für das perfekte Cowboy-Outfit braucht. In der hinteren Ecke steht ein alter Soda-Brunnen, an dem man sich eine klassische Root Beer Float gönnen kann. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos von alten Rodeo-Legenden, die den Wilden Westen von Texas geprägt haben.

Downtown Bandera

Bandera wäre natürlich nicht komplett ohne einen Besuch in einem echten Saloon. Wir betreten die 11th Street Cowboy Bar, einen der berühmtesten Saloons der Stadt. Ein Ort, der förmlich schreit: “Hier bist du im Wilden Westen!” Schon draußen gibt es das erste Highlight: Harley & Horses, prangt groß auf der Werbetafel. Und genau so ist es. Vor der Bar stehen tatsächlich Motorräder und Pferde friedlich nebeneinander geparkt, als ob das hier die normalste Parkordnung der Welt wäre. Willkommen in Texas’ Wildem Westen!

Kaum treten wir ein, trifft uns die Atmosphäre wie ein Lassoschlag. Die Decke? Vollgehängt mit BHs in allen erdenklichen Farben und Formen. Neonpinke Spitzen-BHs baumeln neben schlichten weißen Bügel-BHs, und irgendwo dazwischen hängt ein Glitzer-Exemplar, das aussieht, als hätte es eine Discokugel verschluckt. Die “Dekoration” könnte glatt als Kunstinstallation durchgehen, aber hier ist es einfach Texanischer Humor in Reinform.

Dann kommt der eigentliche Clou: In der 11th Street Bar gibt es einen besonderen Deal für Frauen. Wer seinen BH auszieht und ihn der schillernden Sammlung an der Decke hinzufügt, bekommt ein Bier umsonst. Eine ungewöhnliche, aber sehr unterhaltsame Tradition! Ich werfe einen Blick nach oben, dann an mir herunter, und denke für einen kurzen Moment nach. Doch nein, ich entscheide mich schließlich, mein Bier auf die altmodische Weise zu bezahlen. Manche Traditionen überlasse ich dann doch lieber anderen.

Stefan steht schon grinsend an der Bar und bestellt uns zwei eiskalte Lone Star-Biere. Während wir uns setzen, lasse ich den Blick durch den Raum schweifen. Die 11th Street Cowboy Bar ist eine absolute Western-Ikone: Rustikale Holztische, ein langer Tresen, der vermutlich mehr Geschichten gehört hat als ein Geschichtsbuch, und Wände vollgepackt mit kuriosen Erinnerungsstücken. Hier sitzen Cowboys, Harley-Fahrer und ein paar Touristen wie wir Seite an Seite, während aus der Jukebox leise Country-Klassiker erklingen. Texas pur.

Während ich an meinem Bier nippe, kann ich es nicht lassen, erneut zur Decke zu schauen. Diese BHs – sie hängen da oben wie Trophäen einer wilden Nacht. Ich grinse und denke: “Zumindest hat die Decke hier mehr Halt als einige meiner eigenen BHs!”

11th Street Bar

Nach unserem ausgiebigen Streifzug durch die Stadt steuern wir das Visitor Center an, um noch ein paar Hintergrundinfos über Bandera zu sammeln. Doch als wir dort ankommen, entdecken wir etwas viel Spannenderes – direkt dahinter spielt sich ein kleines, aber feines Spektakel ab.

Ein Wild-West-Schauspiel mit allem, was dazugehört! Neugierig schnappen wir uns einen Platz auf den kleinen Holztribünen und lehnen uns entspannt zurück. Die Show beginnt!

Den Auftakt macht eine feierliche Flaggenzeremonie. Ein paar Cowboy-Darsteller mit wettergegerbten Gesichtern und perfekt sitzenden Stetsons versammeln sich in der Mitte des Platzes. Dann erklingt die Nationalhymne, und eine riesige US-Flagge wird mit aller Würde gehisst.

Es ist einer dieser Momente, die man einfach nur in den USA erleben kann – ein stilles, respektvolles Ritual, das von tiefer Heimatverbundenheit zeugt. Die Zuschauer stehen auf, einige legen die Hand aufs Herz, und für einen Moment wird es ganz still. Doch keine Sorge, gleich wird es wieder laut. Denn jetzt wird geschossen!

Plötzlich betritt eine Truppe von raubeinigen Revolverhelden die Szene. Jeder von ihnen trägt einen breiten Gürtel mit Patronentaschen, ein Halstuch lässig um den Hals geschlungen und natürlich die obligatorischen Cowboystiefel mit Sporen. Und dann geht es los!

Zwei Typen mit finsterem Blick betreten den staubigen Platz, in den Händen täuschend echte Colts „Ist das hier Bandera oder Dodge City?“ ruft einer der Schurken und spuckt demonstrativ in den Sand. „Bandera, Partner – und hier hast du nichts zu melden!“ brüllt der Sheriff zurück und setzt seine Hände bedrohlich in die Hüften. Der Wind weht durch die Straßen. Stille. High Noon-Stimmung liegt in der Luft. Die Cowboys ziehen ihre Waffen – und BUMM!

Doch statt echter Kugeln fliegen hier nur Platzpatronen, Staubwolken und jede Menge Lacher durch die Luft. Die vermeintlich harten Kerle stolpern über ihre eigenen Füße, kugeln sich auf dem Boden und liefern sich ein wildes Wortgefecht, das sich irgendwo zwischen Comedy-Show und Western-Drama bewegt.

Einer der Banditen hebt in letzter Sekunde die Hände und ruft laut: „Okay, okay! Ich geb auf! Aber nur, wenn ich nachher ein Bier bekomme!“ Das Publikum johlt, die Zuschauer klatschen – hier geht es mehr um den Spaß als um den Ernst der Westernromantik.

Nach der Show machen wir uns grinsend auf den Weg zurück zur Main Street. Bandera ist ein Ort, der nicht nur von seiner Geschichte erzählt – hier lebt sie!

Ob bei einer Show wie dieser, bei den Cowboys, die tatsächlich noch mit Pferden durch die Straßen reiten, oder in den alten Saloons, in denen Country-Musik aus jeder Ecke dröhnt – hier ist der Wilde Westen nicht nur eine Erinnerung, sondern ein Lebensgefühl. Und genau dieses Lebensgefühl nehmen wir mit auf die nächste Etappe unseres Abenteuers. Yeehaw!

Nach all dem Wild-West-Action wird es höchste Zeit, dass wir unsere knurrenden Mägen beruhigen. Und dafür gibt es keinen besseren Ort als das legendäre O.S.T. (Old Spanish Trail) Restaurant in Bandera!

O.S.T. Restaurant

Schon beim Betreten der holzvertäfelten Westernoase ist klar: Hier hat die Zeit irgendwann in der Mitte des letzten Jahrhunderts aufgehört zu ticken. Die Wände sind gespickt mit nostalgischen Erinnerungsstücken, und aus den Lautsprechern schallt klassische Country-Musik, die uns direkt in die richtige Stimmung versetzt. Wir treten ein – und der erste Blick fällt auf ein ausgestopftes Hirschgeweih, das uns mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und Überheblichkeit von der Wand aus beobachtet. Ganz so, als wolle es sagen: „Ach, schon wieder Stadtmenschen…

Doch das wahre Highlight entdecken wir an der Bar: Die Barhocker sind tatsächlich Westernsättel! Ja, du hast richtig gelesen. Statt auf schnöden Holzstühlen sitzt man hier auf echten Sätteln, komplett mit Steigbügeln! „Ich weiß ja nicht, ob das die bequemste Sitzmöglichkeit ist, aber es sieht verdammt cool aus!“ meint Stefan grinsend.

Doch das eigentliche Spektakel sind die GästeHier sieht wirklich jeder aus, als wäre er geradewegs aus einem John-Wayne-Film gestolpert! An jedem Tisch sitzen Cowboys mit breiten Stetsons, Cowgirls in bestickten Blusen und ältere Herren mit akkurat gezwirbeltem Schnurrbart. Flanellhemden, Lederwesten und Cowboystiefel sind hier nicht bloß Mode – sie sind Lebensstil!

Und dann gibt es noch den Nebenraum. Dort steht mitten im Raum ein antiker Planwagen, den die Betreiber einfach mal in ein Salat-Buffet umfunktioniert haben. Die Idee ist genial! Während andere Restaurants ihre Salate lieblos in sterile Edelstahlschüsseln kippen, holt man sich in Bandera seinen Beilagensalat direkt aus dem Wagen, mit dem Pioniere einst durch die Prärie rollten.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen in Bandera, das uns kulinarisch tief ins Herz von Texas entführt hatte, waren wir bereit für unser nächstes Abenteuer. Boerne, ein charmantes Städtchen mit deutschen Wurzeln, war unser nächstes Ziel. Und was gehört zu einem deutschen Erbe in Texas? Natürlich eine Brauerei!

Wir hatten im Vorfeld von einer kleinen, familiengeführten Brauerei gelesen, die jeden Samstag Führungen anbietet. Da Stefan und ich bekanntlich keine Gelegenheit für eine gute Bierverkostung auslassen, war unser Entschluss schnell gefasst: Auf nach Boerne!

Nach einer knappen Stunde Fahrt bogen wir in ein verschlafenes Wohnviertel ein – und siehe da, mitten zwischen den Einfamilienhäusern und Vorgärten stand sie: die Brauerei. Von außen unscheinbar, doch drinnen wartete die wahre Magie.

Boerne Brewery

Kaum hatten wir den Tap-Room betreten, wurden wir herzlich begrüßt. Die Atmosphäre war entspannt, und außer uns waren nur sechs weitere Gäste anwesend – eine überschaubare Runde, genau nach unserem Geschmack.

Hinter einer gläsernen Tür blitzten die glänzenden Braukessel, in denen das flüssige Gold entstand. Offensichtlich lief gerade eine Führung. Perfekt! Wir meldeten uns direkt an und bekamen als erstes ein Pint-Glas in die Hand gedrückt. Darauf sollten wir unsere Namen schreiben. Warum? Keine Ahnung – aber hey, wir lieben personalisierte Souvenirs!

Bevor es losging, stand natürlich die wichtigste Lektion des Tages an: die Bierverkostung!

Auf dem Tresen standen sechs kleine Gläser mit unterschiedlich gefärbtem Bier. Die Namen der Sorten verrieten sofort, dass die Brauerei ihre deutschen Wurzeln nicht vergessen hatte:

  • Demin Hosen – Ein Kölsch-Styled Wheat Ale mit einer leicht süßlichen Note
  • Willy’s ESB – Ein Extra Special Bitter mit ausgewogenem Hopfen-Malz-Geschmack
  • Hopstrasse – Ein American IPA mit verführerischem Hopfenaroma
  • Old Courthouse – Ein English Old Ale mit dunklem, kräftigem Geschmack
  • OOMPAH – Ein deutsches Altbier mit würzigen Spalter-Hopfen
  • Geister der Berg – Ein Porter mit einem Hauch von Süßkartoffel

Süßkartoffel-Porter?! Das musste probiert werden. Ich nahm einen vorsichtigen Schluck – und siehe da: eine merkwürdige, aber erstaunlich harmonische Kombination!

Stefan dagegen hatte es nicht so mit den dunklen Bieren. Und als er nach der Verkostung sein volles Pint-Bier wählen durfte, winkte er plötzlich höflich ab.

„Nein, danke, ich muss noch fahren.“ Da drehte sich der Texaner neben uns mit hochgezogener Augenbraue um: „We all have to drive home – what’s your problem?“

Tja. Sein „Problem“ war weniger das Autofahren als vielmehr die Tatsache, dass ihm keines der Biere so richtig schmeckte. Aber die Texaner hier waren eben nicht zimperlich – das Glas blieb voll, und Stefan war um eine Ausrede ärmer.

Kurz darauf war die vorherige Brauereiführung zu Ende. Der „Tourguide“ stellte sich uns vor – Fred, der Besitzer der Brauerei. Mit einem breiten Grinsen erklärte er:

„Schade, dass ihr jetzt auch noch eine Führung wollt – ich hätte sonst endlich Feierabend!“ Doch seine gespielte Enttäuschung hielt keine drei Sekunden, bevor sein Gesicht wieder aufleuchtete. Man sah ihm an, dass er seine Brauerei liebte. Mit einem Bier in der Hand (natürlich aus eigener Produktion) gesellte er sich zu uns und begann mit der Tour. Fred machte keine halben Sachen – er lebte und atmete Bier.

„Ich bin hier für ALLES verantwortlich. Vom Brauen bis zur Buchhaltung. Und wenn es sein muss, schraube ich auch die Zapfhähne wieder fest!“ Er erklärte uns den gesamten Brauprozess – von der Auswahl der Malze über das Maischen, Läutern, Kochen, Gären bis hin zur Abfüllung. Jedes Detail wurde von ihm mit Begeisterung erzählt.

„Ihr seid ja aus Deutschland – dann seid ihr ja quasi Bier-Profis!“

Fred erzählte uns, dass er in seiner Brauerei nur zwei festangestellte Mitarbeiter hatte. Der Rest waren freiwillige Helfer „Warum? Weil Bierbrauen eben mehr als ein Job ist. Es ist eine Leidenschaft. Und wer einmal hier war, der will irgendwie immer wiederkommen.“ Und als wir Fred so reden hörten, mussten wir zugeben: Der Mann hatte recht.

Nach 25 unterhaltsamen Minuten war die Tour vorbei. Doch Fred verschwand nicht einfach – er setzte sich zu seinen Gästen und plauderte mit jedem einzelnen. Er erzählte von den Anfängen seiner Brauerei, von seinem Lieblingsbier und davon, dass er insgeheim schon an einer neuen, noch verrückteren Sorte experimentierte.

Und dann kam das Beste: „Ihr dürft die Gläser behalten.“ Perfekt! Zwei weitere Pint-Gläser für unsere Sammlung! Wir verabschiedeten uns herzlich von Fred, schnallten unsere neuen Gläser sicher auf den Rücksitz und machten uns wieder auf den Weg.

Manchmal sind es genau diese Stopps, die den größten Eindruck hinterlassen. Wir hatten eine kleine, aber feine Brauerei gefunden, einen Besitzer kennengelernt, der für sein Handwerk brennt, und eine weitere skurrile Geschichte für unser Reisetagebuch gesammelt.

Boerne Flea Market

Eigentlich wollten wir direkt nach Gruene fahren. Eigentlich. Doch Texas hatte andere Pläne für uns.

Kaum hatten wir Boerne hinter uns gelassen, zog uns ein quirliger Flohmarkt auf dem Marktplatz in seinen Bann. Stände reihten sich aneinander, es duftete nach BBQ, und aus einer Ecke erklang Live-Musik. Willkommen in Texas, wo selbst Flohmärkte nach Wildem Westen klingen.

Ein kurzer Stopp? Klar!

Boerne Flea Market

Antike Whiskey-Flaschen, rostige Cowboy-Stiefel, prächtige Anrichten, die mindestens ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hatten – hier gab es alles, was das Herz (oder zumindest der Texaner) begehrte. Menschen mit Stetson-Hüten verhandelten über Preisnachlässe, während irgendwo eine Holzkohle-Grillstation Rauchzeichen in den Himmel schickte.

Ein paar Dinge wurden uns zum Kauf angeboten, darunter eine alte Gitarre, die aussah, als hätte Willie Nelson sie persönlich beiseitegelegt. Wir blieben standhaft. Kein Platz im Mustang.

Nach 30 Minuten voller skurriler Entdeckungen und aromatischer BBQ-Gerüche entschieden wir uns, dass Gruene nun wirklich unser nächstes Ziel sein musste.

Boerne Flea Market

Mit dem Auto nach Gruene zu fahren, ist eine Sache. Einen Parkplatz zu finden, ist eine ganz andere.

Es schien, als hätte die halbe Bevölkerung von Texas beschlossen, genau heute Abend hier aufzulaufen. Zwischen all den massiven Pickups, die selbst Panzer neidisch machen würden, fühlte sich unser Mustang fast wie ein niedliches Stadtauto an. Aber mit etwas Geduld (und einer Extraportion Glück) ergatterten wir schließlich einen Platz und stürzten uns ins Geschehen.

Der erste Stopp auf unserem Weg durch Gruene war The Grapevine, eine Art Open-Air-Weinbar, die sich selbst als „Weingarten“ bezeichnet. Und das war sie tatsächlich! Ein gemütlicher Platz mit Lichterketten, langen Holztischen und Live-Country-Musik, die sanft durch die Luft wehte.

Die Stimmung? Entspannt, fröhlich, einladend. Menschen saßen in Gruppen beisammen, Weingläser in der Hand, während andere mit wippenden Füßen der Musik lauschten.

Aber Wein? Nicht so unser Ding. Also bewunderten wir kurz die Atmosphäre und beschlossen, direkt weiter zur legendären Gruene Hall zu gehen – der ältesten noch in Betrieb befindlichen Dance Hall in Texas.

Kaum hatten wir das große Holzgebäude betreten, wurde uns klar: Das hier ist ein echtes Stück Texas-Geschichte.

Seit 1878 wird hier Country-Musik live gespielt, und gefühlt hat jeder große Name der Szene schon auf dieser Bühne gestanden – von George Strait bis Willie Nelson. Hier wird nicht einfach nur getanzt, hier wird das texanische Lebensgefühl gelebt.

Als wir ankamen, endete gerade ein Live-Act, und eine Welle von Menschen strömte aus dem Gebäude – direkt ins benachbarte Gristmill Restaurant. Unser Plan, dort Abend zu essen? Vergiss es. Die Warteschlange war gefühlt länger als eine texanische Landstraße.

Aber wer braucht schon Essen, wenn man ein kühles Bier in der Hand hat und echte Country-Live-Musik in den Ohren?

The Grapevine

Während wir an unseren Flaschen nippten, begannen sich die ersten Tanzpaare auf dem Holzboden zu sammeln. Und was dann folgte, war eine Demonstration texanischer Tanzkunst vom Feinsten.

Der Texas-Two-Step ist nichts für schwache Nerven – oder zwei linke Füße. Die Paare bewegten sich im typischen Quick-Quick-Slow-Slow-Rhythmus, wobei die Männer ihre Partnerinnen mit einer Mischung aus Charme und Präzision über das Parkett führten.

Hier wurde nicht rumgehüpft – hier wurde fließend und elegant getanzt. Und das Beste? Man kann den Two-Step zu fast allem tanzen. Selbst wenn keine Band spielt, kann man sich einfach einen Partner schnappen und loslegen.

Wir standen mit unseren Bieren am Rand und staunten. Selbst die Teenager hier konnten den Tanz besser als wir jemals tanzen würden. Die Stunden vergingen wie im Flug. Ein paar Biere, großartige Live-Musik und die faszinierende Atmosphäre einer Tanzhalle, die schon so viele Geschichten erlebt hat. Gruene war genau das, was wir uns erhofft hatten – ein kleines, historisches Stück Texas, das voller Leben steckt.

Es gibt Orte, die besucht man einmal und hakt sie dann ab. Gruene gehört nicht dazu.

Die Uhr zeigte 19:30 Uhr, als wir Gruene schließlich den Rücken kehrten. Was für ein Tag! Bier, Live-Musik, eine Tanzhalle aus dem 19. Jahrhundert – Texas in Reinform. Aber irgendwann muss selbst der schönste Abend enden, und wir machten uns auf den Rückweg nach San Antonio.

Auf dem Weg passierten wir New Braunfels, eine Stadt mit tiefen deutschen Wurzeln. Und wo deutsche Wurzeln sind, da ist auch ein Oktoberfest-Pendant nicht weit! Hier findet jedes Jahr im Spätherbst das berühmte Wurstfest statt – eine Mischung aus bayrischem Volksfest und texanischer Grillparty.

Das Beste? Es gibt eine offizielle Website mit Vorbereitungs-Videos!

  • „How to Sing Ein Prosit“ – ganz wichtig für die perfekte Oktoberfest-Stimmung
  • „How to Polka“ – denn man will ja nicht nur dastehen wie ein Zaungast
  • „How to Chicken Dance“ – weil … warum auch nicht?!

Also, falls ihr jemals vorhattet, in Texas eine Bratwurst zu essen und dabei wie ein Huhn zu tanzen – hier ist eure Chance! “Oans, zwoa, g’suffa!”

Wursthalle, New Braunsfels

Da wir nun schon mal da waren, hielten wir kurz an, um ein Foto von der Wursthalle zu machen, in der dieses Spektakel jedes Jahr stattfindet. Die Halle stand friedlich und unschuldig da – als könnte sie nicht mal einer Fliege etwas zuleide tun. Doch in ein paar Monaten würde hier der absolute Ausnahmezustand herrschen. Da wir das Abendessen im überfüllten Gristmill ausgelassen hatten, brauchte es nun eine Alternative. Und was eignet sich besser als ein Besuch im Texas Roadhouse?

Wir landeten in der Filiale direkt bei unserem Hotel – eine weise Entscheidung. Hier gibt es keine Experimente, nur saftiges Fleisch in Perfektion. Wir bestellten ein Ribeye-Steak, medium rare, und es war – wie erwartet – ein Traum. Zart, würzig, perfekt gegrillt. Und dazu ein kühles Getränk – der perfekte Abschluss eines texanischen Tages.

Satt, zufrieden und leicht müde erreichten wir gegen 21:30 Uhr unser Hotelzimmer. Alles lief nach Plan – bis zu dem Moment, als wir das Badezimmer betraten.

Oh. Mein. Gott. Das Badezimmer stand unter Wasser.

Und damit meine ich nicht „ein paar Spritzer neben dem Waschbecken“, sondern „eine ausgewachsene Mini-Überschwemmung“.Der Boden glänzte verdächtig, und als ich näher trat, machte es dieses unangenehme „Schlapp, schlapp“-Geräusch.

Ein halber Zentimeter Wasser. Das war kein Missgeschick mit der Zahnbürste – das war ein Fall für ein Paddelboot! Also machte ich mich auf zur Rezeption, um das Problem zu melden. Die Lösung?

Ein Paket Handtücher. Ja, wirklich. Kein Zimmerservice, kein Angebot, uns ein anderes Zimmer zu geben – nur die höfliche Bitte, „legen Sie die Handtücher aus, morgen kommt das Reinigungspersonal“. Ach Best Western, das war nicht euer glänzendster Moment.

Also standen wir mitten in Texas, nach einem Tag voller Wildwest-Romantik und Live-Musik, und schoben Handtücher über den Boden wie zwei ungewollte Hotelangestellte.

Nachdem wir unser improvisiertes Trockenlegungsprojekt beendet hatten, beschlossen wir, uns von diesem unerwarteten Zwischenfall nicht die Laune verderben zu lassen. Wir hatten einen genialen Tag hinter uns, und ein kleines Hotel-Wasserschaden-Problem wird uns nicht stoppen.

Morgen geht’s weiter – San Antonio ruft!

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