Ein zurückgebendes Wave Permit, schlimme Strassenverhältnisse und „The White Wave“

Unser Tag beginnt mit einem Frühstück, das den besten Start in unser Abenteuer garantiert. Das brandneue Hotel hat alles aufgefahren: Frische Eier, knuspriger Speck, saftige Würstchen und natürlich die unvermeidlichen Waffelautomaten – ein Festmahl, das keine Wünsche offen lässt. So gestärkt, machen wir uns voller Vorfreude auf den Weg zum Kanab Field Office des Bureau of Land Management, um an der berühmt-berüchtigten Wave Lottery teilzunehmen.

Heute ist ein besonderer Tag. Es ist der letzte Freitag der Wintersaison, was bedeutet, dass insgesamt 30 Permits für drei Tage verlost werden– Samstag, Sonntag und Montag. Warum diese Sonderregel? Das Besucherzentrum bleibt in den Wintermonaten am Wochenende geschlossen, daher werden die Permits für die darauffolgenden Tage gleich mitverlost. Perfekt für uns, denn das erhöht die Spannung und vielleicht auch ein wenig unsere Chancen.

Die Coyote Buttes North, besser bekannt als The Wave, sind ein Naturspektakel, das seinesgleichen sucht. Doch wer hierher möchte, muss ein striktes Prozedere durchlaufen. Nur 20 Permits pro Tag werden vergeben, und die Kontrollen sind unerbittlich. Wer ohne gültiges Permit erwischt wird, darf mit einer saftigen Strafe von mindestens 600 Dollar rechnen. Man hört Geschichten von eifrigen Abenteurern, die das Risiko eingegangen sind – aber ehrlich gesagt, ist die Aussicht auf ein legales Ticket deutlich verlockender.

Heute gibt es jedoch einen kleinen Lichtblick für uns: Dank der coronabedingten Einschränkungen haben sich weniger Leute zur Lottery eingefunden. Unsere Chancen, dieses beeindruckende Naturwunder aus nächster Nähe zu erleben, sind so gut wie nie zuvor. Wird das Glück heute auf unserer Seite sein?

Wave Lottery

Die Nachfrage nach den Permits für die Wave bleibt ungebrochen hoch, und der Andrang hier in Kanab ist beeindruckend. Doch so sehr wir uns auf das Abenteuer freuen, die aktuellen Straßenbedingungen dämpfen unsere Begeisterung. Die House Rock Valley Road ist unpassierbar, ebenso wie viele andere unbefestigte Straßen in der Region. Gerade diese Routen führen jedoch zu den spektakulärsten Orten. Ein kleiner Trost: Ab Sonntag sollen sich die Bedingungen angeblich verbessern. Na, hoffen wir mal!

Zum ersten Mal in unseren Wave-Erlebnissen fehlt Ranger Kay. Sein unvergleichlicher Mix aus Dramatik und Humor hat uns immer begeistert. Wer könnte seine legendäre Warnung vergessen: “People died out there – are you sure you want to do this hike?” Doch heute begrüßt uns ein anderer Ranger, nüchterner und weniger fesselnd. Ein bisschen von Kays Showeinlage fehlt uns tatsächlich.

Um 08:30 Uhr öffnet sich der Raum für die Verlosung der begehrten Permits. Der Ablauf ist streng geregelt: Formulare ausfüllen, Klemmbrett nach links, Bleistift in die Mitte, korrekt ausgefüllte Zettel nach rechts. Alles wird überwacht, und wer aus der Reihe tanzt, wird mit kritischen Blicken bedacht. Die Konkurrenz ist enorm – über 100 Leute sind gekommen, um sich eines der 30 Permits zu sichern. Jeder träumt davon, Teil dieses exklusiven Abenteuers zu sein.

Am Tisch vorne sitzt ein unerschütterlich ernster Mitarbeiter des Bureau of Land Management. Mit stoischer Miene erklärt er den Ablauf und unterstreicht nochmals die Warnungen zu den Straßenverhältnissen. Wer auch nur flüstert, wird mit einem strengen Blick zum Schweigen gebracht. Er erzählt von den jüngsten Abenteuern einiger unvorsichtiger Touristen, die abgeschleppt werden mussten. Der Unterton verrät, dass das nicht nur peinlich, sondern auch teuer ist. Eine Lektion, die wir uns definitiv nicht selbst beibringen möchten.

Jetzt heißt es: Durchatmen, hoffen und bangen – vielleicht gehört eines der begehrten Permits heute uns.

(No) Way to Alstrom Point

Für all jene, die trotz der miserablen Straßenverhältnisse unbedingt zur Wave wollen, hat der BLM-Mitarbeiter eine klare Botschaft: Nehmt das Informationsblatt mit, auf dem Abschleppunternehmen gelistet sind. Ein subtiler Hinweis darauf, dass Abenteuerlust hier schnell zum teuren Spaß werden kann.

Die Spannung steigt, als alle ihre Formulare abgegeben haben. Meine Nummer? 13. Und es ist Freitag, der 13. Ein gutes Omen oder das Rezept für ein Desaster? Der Drahtkorb beginnt sich zu drehen. Die erste Kugel wird gezogen: Nummer 26, 6 Personen. Doch der glückliche Gewinner gibt die Permits zurück – niemand will morgen bei diesen Straßenverhältnissen starten. Auch die zweite gezogene Kugel, Nummer 35, bringt kein anderes Ergebnis.

Ich frage mich, ob ausgerechnet ich das Permit für morgen gewinnen werde – der Tag, an dem die Strecke absolut unpassierbar ist.Dann passiert es: 13! Jubel! Das sind wir! Endlich halte ich eines dieser sagenumwobenen Wave Permits in der Hand. Doch so schnell wie die Freude kommt, gebe ich die Permits schweren Herzens zurück, in der Hoffnung, am Sonntag oder Montag gezogen zu werden. Leider bleibt das Glück aus.

Trotzdem bin ich zufrieden. Wir hatten bereits das Glück, die Wave bei früheren Reisen zu erleben, und heute konnte ich zumindest einmal das euphorische Gefühl des Gewinners spüren. Ein kleiner Erfolg – wenn auch mit einem bittersüßen Nachgeschmack.

Bevor wir das Besucherzentrum verlassen, erkundigen wir uns noch einmal nach den Straßenverhältnissen. Die Nachricht bleibt unverändert düster: Nahezu alle unbefestigten Straßen sind unpassierbar. Ein frustrierender Rückschlag, denn auf unserer Bucket List für die Region stehen so viele Ziele, die jetzt unerreichbar scheinen. Rainbow Valley? Nicht bei Regen. Die Toadstool Hoodoos? Schön, aber wir waren schon oft dort.

Glücklicherweise haben wir eine Idee: Der Wetterbericht für Page verspricht Sonne. Warum also nicht den Cathedral Wash besuchen? Der Trailhead liegt an einer geteerten Straße – eine seltene und willkommene Gelegenheit bei diesen Bedingungen. Klingt nach einem Plan!

Highway 89A, Kaibab Plateau

Unsere Reise führt uns aus Kanab hinaus auf die malerische Route 89A in Richtung Fredonia. Diese Straße, die sich sanft durch die Landschaft schlängelt, ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch ein Vorgeschmack auf die beeindruckenden Naturwunder, die uns noch erwarten. Die 89A windet sich schließlich hinauf auf das beeindruckende Kaibab Plateau, das von dichten Wäldern umrahmt ist. Die klare, kühle Luft und die unberührte Winterlandschaft schaffen eine fast magische Atmosphäre.

Am Jacob Lake biegen wir an einer Stelle ab, die uns zum Grand Canyon North Rim führen würde – doch zu dieser Jahreszeit bleibt dieser Abzweig verschlossen. Der Winter hat hier fest die Oberhand, und die Straßen sind unpassierbar. Die Landschaft ist von einer dicken Schneedecke bedeckt, und der Winter zeigt sich in seiner vollen Pracht. Während wir weiterfahren, können wir nicht umhin, die Schönheit dieser verschneiten Umgebung zu bewundern.

Unser nächster Halt ist der Pasture Canyon Lookout Point, ein Aussichtspunkt, der uns den Atem raubt. Von hier aus eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf das Tal, das sich weit unter uns erstreckt. Die Vermillion Cliffs, diese imposanten, rötlichen Felsformationen, ragen stolz in die Höhe und verleihen der Szenerie eine dramatische Note.

In der Ferne erkennen wir die House Rock Valley Road, die wie eine Einladung zu Abenteuern wirkt – zumindest normalerweise. Doch heute zeigt sich die Region von ihrer tückischen Seite. Die Wassermassen, die der Regen der letzten Tage mit sich gebracht hat, haben die Straße in einen unpassierbaren Pfad verwandelt. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als von hier aus mit staunenden Blicken zu verweilen, während wir Pläne für die kommenden Tage schmieden. Die Region mag uns gerade einige Herausforderungen stellen, doch sie bleibt unbestreitbar schön.

Wir setzen unsere Reise fort und fahren hinab ins Tal, um weiterhin der Fredonia-Vermilion Cliffs Scenic Road zu folgen, wie dieser Abschnitt des Highways genannt wird. Fast eine Stunde lang gleiten wir dahin, begleitet von der atemberaubenden Aussicht auf die verschneite Landschaft, die sich sanft vor uns erstreckt. Die Straße, die wir zuvor vom Pasture Canyon Lookout Point aus bewundert haben, wird nun zu unserem Pfad. Sie führt uns auf die andere Seite des Tals, während die imposanten Vermilion Cliffs weiterhin majestätisch in der Ferne thronen.

Als wir schließlich die Abzweigung zur Lees Ferry erreichen, wo der Weg zum Trailhead des Cathedral Wash beginnt, halten wir kurz inne, um unsere Pläne zu überdenken. Der Himmel hat sich wieder zugezogen, und die Aussicht auf einen wolkenverhangenen Himmel lässt uns zögern. Warum diesen großartigen Hike überstürzt angehen, wenn das Wetter für die kommenden Tage Besserung verspricht? Wir beschließen, das Abenteuer in seiner vollen Pracht zu erleben – mit blauem Himmel und Sonnenschein.

Eine kluge Entscheidung, wie wir finden, denn so bleibt die Vorfreude erhalten, und wir können uns auf einen spektakulären Hike freuen, ohne das Risiko eines halbherzigen Erlebnisses einzugehen. Manchmal lohnt es sich, Geduld zu haben, um die Schönheit der Natur in ihrer ganzen Perfektion genießen zu können. Mit diesem Gedanken setzen wir unsere Reise fort, bereit für das nächste Abenteuer, das hinter der nächsten Kurve auf uns wartet.

Navajo Bridge

Unsere Reise führt uns weiter in Richtung Page, und schon nach kurzer Fahrt erblicken wir die beeindruckenden Navajo Bridges. Es sind tatsächlich zwei Brücken – eine ältere und eine neuere. Die ältere Brücke, die zwischen 1927 und 1928 erbaut wurde, diente einst als einzige Verbindung über den Colorado River. Heute ist sie ausschließlich Fußgängern vorbehalten und lädt zu einem Spaziergang mit grandioser Aussicht ein. Die neue Brücke, eröffnet 1995, sieht zwar fast identisch aus, ist jedoch auf die Anforderungen der modernen Zeit ausgelegt und kann selbst schwere Lastwagen tragen. Der Kontrast zwischen Alt und Neu macht diesen Ort besonders faszinierend.

Weiter geht es nach Bitter Springs, wo wir links abbiegen. Die Straße führt uns höher hinauf, und bald erreichen wir den Grand Canyon Vista Point. Hier öffnet sich vor uns ein Ausblick, der selbst in dieser landschaftlich spektakulären Region seinesgleichen sucht. Das riesige Tal breitet sich majestätisch vor uns aus, und die Farben der Landschaft scheinen mit jedem Sonnenstrahl intensiver zu leuchten. Der Himmel zeigt sich von seiner besten Seite: strahlend blau, ein starker Kontrast zum trüben Wetter, das wir noch in Kanab zurückgelassen haben.

Die Aussicht am Vista Point ist schlichtweg atemberaubend. Wir lassen uns Zeit, diesen Moment zu genießen, denn es fühlt sich wirklich so an, als stünden wir an einem Tor zu einem der großen Wunder der Natur. Hier wird uns erneut bewusst, warum wir uns in den Westen der USA verliebt haben – die schier unendlichen Weiten, die Farben und die stille Erhabenheit dieser einzigartigen Landschaft. Ein Highlight nach dem anderen, und die Reise ist noch lange nicht vorbei.

Grand Canyon Vista Point

Es ist bereits 11 Uhr, als wir Page erreichen. Stefan setzt mich schnell bei Walmart ab, bevor er sich auf den Weg zur nächsten Tankstelle macht. Während er das Auto auftankt, schnappe ich mir schon mal einen Einkaufswagen und starte unsere typisch amerikanische Einkaufsroutine.

Unsere Einkaufsrituale könnten nicht unterschiedlicher sein: Stefan bleibt immer fokussiert auf das Wesentliche – Getränke, ein bisschen Obst, vielleicht noch etwas Brot. Ich hingegen genieße die wahre Kunst des Shopping-Abenteuers. Mein erster Stopp ist die Kinderkleidung, denn schließlich kann man nie genug niedliche Outfits für die Enkel finden, oder? Direkt danach entdecke ich einen schicken KitchenAid-Schneebesen. Brauchen wir den? Unbedingt! Ob Stefan meine Einschätzung teilt, ist zweitrangig – ich bin fest entschlossen.

Während ich meine Schätze einsammle, machen wir von Zeit zu Zeit einen kurzen WhatsApp-Call (Danke, Walmart-WLAN!), um uns wiederzufinden. Und wie immer endet es damit, dass ich schnell meine “Dringlichkeiten” in den Einkaufswagen schmuggle. Stefan wirft nur einen kurzen Blick darauf und sagt nichts. Er weiß, dass es zwecklos ist.

Mittagessen steht als nächstes auf dem Plan. Unsere erste Wahl, die 48 State Tavern, bleibt leider geschlossen, also fahren wir weiter zu Big John’s Texas BBQ. Schon von Weitem steigt uns der köstliche Duft der riesigen Smoker in die Nase. Vor dem umgebauten Tankstellengebäude stehen die beeindruckenden Grills, aus denen der Rauch von frisch geräuchertem Fleisch aufsteigt. Ein Anblick – und ein Geruch –, der pure Vorfreude weckt.

Da es draußen kühl ist, suchen wir uns einen Platz im Inneren des Restaurants. Die Atmosphäre ist rustikal-gemütlich, und unser Hunger wächst ins Unermessliche. Wir bestellen uns ein Full Rack of baby back pork ribs, das uns schließlich im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge zergeht. Das Fleisch ist butterzart, die BBQ-Sauce ein Gedicht – ein Festessen, das keine Wünsche offenlässt.

Während wir unser Essen genießen, schmieden wir Pläne für den Rest des Tages. Page hat immer noch so viel zu bieten, und die Zeit scheint wie immer viel zu schnell zu vergehen. Aber eines steht fest: Mit einem vollen Magen denkt es sich eindeutig besser!

Eines unserer geplanten Ziele für die Tage in der Region war der Alstrom Point, ein atemberaubender Aussichtspunkt über den Lake Powell. Doch die Anfahrt dorthin – 24 Meilen Schotterpiste – ließ uns zweifeln, ob das bei den aktuellen Straßenbedingungen eine gute Idee war. Vielleicht war die Situation hier besser als in der Gegend um Kanab, hofften wir zumindest.

Im Visitor Center von Bigwater wollten wir uns Gewissheit verschaffen. Die freundliche Dame am Schalter, offenbar bestens informiert, ließ jedoch keine Hoffnungen aufkeimen. „Schon am Anfang der Straße gibt es ein Wash, das so viel Wasser führt, dass man mit einem normalen Jeep keine Chance hat, durchzukommen.“ Ihre Aussage war unmissverständlich. Oh nein… Wasser, unser Erzfeind.

Trotz ihrer Warnung wollte ich mich nicht geschlagen geben. „Lass uns doch wenigstens bis zu dieser Stelle fahren,“ schlug ich Stefan vor. „Vielleicht sieht es ja gar nicht so schlimm aus.“ Stefan, geduldig wie immer, stimmte zu, und wir machten uns auf den Weg. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das ominöse Wash, und meine Hoffnungen wurden endgültig zunichtegemacht. Die Straße endete buchstäblich in einem kleinen See. „Schwimmbad“ hätte es vielleicht besser getroffen, denn das, was uns den Weg versperrte, war weder klein noch harmlos. Selbst mein Sturkopf musste sich geschlagen geben.

Eine Alternative musste her. Zum Glück hatten wir einen Plan B: Der Trailhead zur Nautilus, auch bekannt als White Wave, war nicht weit entfernt. Schon vor zwei Jahren wollten wir diesen Ort besuchen, doch eine Reifenpanne machte uns damals einen Strich durch die Rechnung. Dieses Mal sollte uns nichts aufhalten!

Mit neuer Entschlossenheit und einem Funken Vorfreude im Gepäck brachen wir zum Trailhead auf. Es war an der Zeit, die Nautilus endlich in ihrer ganzen Pracht zu erleben. Vielleicht war dies der versteckte Schatz, den wir an diesem Tag finden sollten.

Die White Wave, auch bekannt als The Nautilus, liegt versteckt in einem entlegenen Seitencanyon des Paria Canyons – ein echter Geheimtipp für Abenteurer. Um diesen besonderen Ort zu erreichen, folgen wir der White House Trailhead Road, einer Schotterpiste, die unserem Jeep ein wenig Arbeit abverlangt, aber keineswegs unbezwingbar ist. Unser treues Gefährt meistert die Herausforderung mit Bravour.

Schließlich erreichen wir den Parkplatz direkt an einem Wash. Hier endet unsere Offroad-Reise. Ab jetzt geht es zu Fuß weiter, und die Spannung steigt mit jedem Schritt. Die Landschaft um uns herum ist still, fast unwirklich, und die Szenerie weckt das Gefühl, als würden wir die ersten Menschen sein, die diesen Ort betreten. Ein Hauch von Abenteuer und Entdeckergeist liegt in der Luft.

Während wir die erste Etappe hinter uns bringen, schwirrt ein Gedanke immer wieder durch meinen Kopf: “Die White Wave ist nicht irgendeine Welle. Wir sind hier, um etwas wirklich Außergewöhnliches zu sehen.” Die Erwartungen steigen, und mit jedem Schritt wächst die Vorfreude darauf, einen dieser versteckten Schätze der Natur zu entdecken.

Wir setzen unsere Wanderung entlang des breiten, aber äußerst matschigen Wash fort. Die klebrige Erde fordert unsere Schuhe heraus, doch die Vorfreude treibt uns an. Nach etwa 700 Metern zeigt sich plötzlich ein leuchtend weißer Felsen vor uns. Das Ziel rückt näher, und die Spannung steigt. Wir verlassen den Wash, klettern ein paar Schritte hinaus, und dann liegt sie vor uns: der Eingang zu einem atemberaubenden Slotcanyon.

Die Nautilus ist ein wahres Kunstwerk der Natur. Jahrtausende lang hat sich das Wasser hier seinen Weg gebahnt und dabei eine spiralförmige Skulptur erschaffen, die ihresgleichen sucht. Die geschwungenen Formen des Gesteins wirken fast surreal, wie von einem Bildhauer geschaffen. Das Licht fällt durch die schmalen Öffnungen und lässt die Felsen in verschiedenen Weiß- und Beigetönen leuchten – ein Spektakel für die Augen.

Wir lassen uns von den bizarren Formationen und der stillen Erhabenheit dieses Ortes verzaubern. Vom oberen Eingang des Slotcanyons genießen wir einen beeindruckenden Ausblick auf die umliegende Landschaft, die sich wie eine Bühne für dieses Naturwunder ausbreitet. Es ist einer dieser magischen Momente, die einem für immer im Gedächtnis bleiben. Hier zu stehen, fühlt sich an, als wären wir Zeugen eines Geheimnisses, das die Natur in diesem abgeschiedenen Ort bewahrt hat.

Mit unzähligen Fotos auf der Speicherkarte und unvergesslichen Eindrücken im Gepäck machen wir uns auf den Rückweg. Zurück am Auto zeigt die Uhr bereits 16:00 Uhr – der Tag ist jedoch noch längst nicht vorbei. Was machen wir als Nächstes?

Ich durchstöbere die Broschüren, die wir im Visitor Center eingesammelt haben, und halte Ausschau nach einem weiteren Abenteuer. Eine Tour klingt besonders verlockend: die Johnson Canyon Driving Tour. Davon hatte ich noch nie gehört, aber die Broschüre zeigt vielversprechende Bilder, darunter sogar zwei kleine Arches, die direkt von der Straße aus sichtbar sein sollen. Warum nicht? Das klingt nach einer perfekten Gelegenheit, den Nachmittag spannend zu gestalten.

Die Idee ist simpel und macht Spaß: Wir setzen den Tacho am Beginn der Johnson Canyon Road auf Null und halten an den beschriebenen Punkten, um die Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Die Straße zweigt etwa 11 Meilen vor Kanab vom Highway 89 nach Norden ab und führt uns direkt ins Grand Staircase-Escalante National Monument. Ein weiterer Bonus? Die Strecke verspricht beeindruckende Ausblicke auf die Umgebung.

Nach nur 2,6 Meilen steht das erste Highlight auf dem Programm: der Lion’s Head. Hoch oben an der Canyonwand soll er thronen. Beim ersten Vorbeifahren hätten wir ihn fast übersehen – so unauffällig lugt das felsige “Löwenköpfchen” hervor. Doch beim zweiten Blick entdecken wir ihn. Es sieht tatsächlich wie ein Löwenkopf aus! Kein atemberaubendes Naturwunder, aber ein charmantes kleines Detail, das uns ein Schmunzeln entlockt. Manchmal ist es eben diese Einfachheit, die eine Reise besonders macht.

Der nächste Höhepunkt der Johnson Canyon Driving Tour soll der Eagle Gate Arch sein, angeblich bei Meile 3,1 auf der rechten Seite der Straße. Doch was auch immer wir uns erhofft hatten, blieb uns verborgen. Kein Bogen, keine markante Felsformation – nur unermüdliches Starren aus dem Autofenster. War er da und wir haben ihn einfach übersehen? Möglich. Vielleicht war es auch nur ein Marketing-Gag der Broschüre. Wer weiß?

Weiter zur Meile 5,4: das Gunsmoke Movie Set. Der Name klingt vielversprechend, oder? Man stellt sich sofort eine nostalgische Westernstadt vor, komplett mit Saloon und Schwingtüren. Aber was uns erwartet, sind eher ein paar verfallene Bretterbuden, die gerade noch als Kulisse für einen Low-Budget-Film durchgehen könnten. Enttäuschung? Ein bisschen. Aber hey, wir sind ja hier, um zu erkunden – und das gehört eben auch dazu.

Nach etwa 16 Meilen endet der asphaltierte Teil der Straße und teilt sich in die Skutumpah und die Glendale Bench Road. Ein Blick auf die unbefestigten Wege sagt uns schnell: Weiter geht es nicht. Puh, das war jetzt wirklich nicht das Abenteuer, das wir erwartet hatten. Vielleicht sind wir einfach zu verwöhnt von den spektakulären Highlights wie Coyote Buttes oder den anderen Wunderorten der Region?

Wir drehen um, nehmen die Rückfahrt mit Gelassenheit – und halten erneut Ausschau nach dem Eagle Gate Arch. Und tatsächlich: Da ist er! Ein unscheinbarer, kleiner Bogen, der sich doch irgendwie charmant in die Landschaft schmiegt. Manchmal braucht es eben einen zweiten Blick.

Um 16:30 Uhr erreichen wir wieder Kanab. Unser Magen knurrt noch nicht, also schlendern wir noch ein wenig durch Downtown Kanab. “Geschäfte” klingt allerdings etwas übertrieben. Es gibt genau ein Geschäft, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Drinnen erwarten uns Levi’s Jeans und Westernhemden – allerdings zu Preisen, die uns eher zum Weiterziehen animieren.

Die Zeit vergeht, und wir fragen uns, wie wir den Abend noch gestalten sollen. Ein wenig müde von den eher mittelmäßigen Abenteuern des Tages, beschließen wir, den Abend ruhig ausklingen zu lassen. Manchmal ist das Beste, was man tun kann, einfach nichts zu tun – und auf den nächsten, hoffentlich spektakuläreren Tag zu warten.

“Warum nicht zur Mt. Carmel Junction fahren und dort ein bisschen in dem riesigen Souvenir-Shop stöbern?” schlage ich vor. Ein Plan, der perfekt klingt: ein kurzer Ausflug, ein wenig stöbern, und vielleicht finden wir sogar schon die ersten Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Stefan nickt, und 20 Minuten später stehen wir vor dem besagten Shop.

Zu unserer Überraschung: geschlossen. Offenbar hat sich der Betreiber entschieden, die Türen nicht mehr zu öffnen, da die riesigen Reisebusse – einst eine verlässliche Einnahmequelle auf dem Weg zum Zion Nationalpark – mittlerweile ausbleiben. Ein unerwarteter Rückschlag für unsere kleine Shopping-Mission.

Doch gegenüber liegt die Thunderbirds Lodge, und wir beschließen, Plan B zu verfolgen: deren Souvenir-Shop. Dieser ist deutlich kleiner, aber wir lassen uns nicht entmutigen. Ich probiere zum Spaß ein paar Hüte auf, und tatsächlich entdecke ich eine kleine praktische Tasche. Perfekt! An der Kasse wartet eine charmante ältere Dame, die mit ihrer warmen, ruhigen Ausstrahlung fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirkt. Mit einem verschmitzten Lächeln und einem trockenen “business is slow these days” erzählt sie uns, dass der Wegfall der asiatischen Touristen durch Corona spürbar ist. Zumindest macht sie heute durch uns 15 Dollar Umsatz, und das zaubert ihr ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Um 18:30 Uhr sind wir zurück in Kanab, und der Hunger meldet sich lautstark zu Wort. Da wir uns vorgenommen haben, verschiedene Restaurants zu testen, fällt unsere Wahl heute auf das Houston Trails End Restaurant – ein rustikaler Ort, der uns mit seinem Namen und der charmanten Western-Atmosphäre lockt. Es scheint der perfekte Abschluss für diesen gemächlichen Tag zu sein. Mal sehen, ob sie hier ihren Namen alle Ehre machen und uns kulinarisch umhauen!

Im Houston Trails End Restaurant lassen wir den Abend in gemütlicher Western-Atmosphäre ausklingen. Die Entscheidung für unser Abendessen fällt schnell: Chicken Filet und ein B.L.T. Sandwich, klassische Gerichte, die sich als wahrer Volltreffer entpuppen. Das Chicken Filet ist saftig und perfekt gewürzt, während das Sandwich mit seiner Mischung aus knusprigem Bacon, frischem Salat und reifen Tomaten jede Erwartung übertrifft. Das Essen ist nicht nur lecker, sondern auch ein kulinarischer Trost nach unserem eher ruhigen Tagesverlauf.

Zurück im Hotel geht der Abend für uns in zwei verschiedenen Missionen weiter. Stefan sichert akribisch die Fotos des Tages, benennt sie gewissenhaft und überlegt, welche Abenteuer morgen auf uns warten könnten. Ich hingegen tauche in die digitale Welt ein, um die neuesten Entwicklungen rund um die Corona-Lage zu überprüfen. Die täglichen Updates scheinen mittlerweile zum festen Bestandteil unserer Reise geworden zu sein – eine seltsame Routine, die wir uns vor dieser Reise nie hätten vorstellen können.

Die Neuigkeiten von Condor lassen mich kurz erstarren: Unser Rückflug wurde storniert. Was?! Das darf doch nicht wahr sein.Innerhalb von Sekunden setzt sich mein Kopf in Bewegung – was nun? Ich kontaktiere Condor über Twitter und bekomme prompt eine freundliche, aber wenig hilfreiche Antwort: Der Mitarbeiter bedauert, dass er mir auf diesem Kanal nicht helfen kann, gibt mir jedoch eine Telefonnummer. Die Hotline ist kostenlos, aber angeblich völlig überlastet.

Während ich in der Warteschleife Geduld übe, checke ich online nach Alternativen. Von Los Angeles könnten wir nächste Woche über London nach Stuttgart fliegen. Die Kosten? 950 Euro. Kein Schnäppchen, aber zumindest eine Option. Der Plan ist klar: Sicherheit geht vor. Stefan bringt die Kreditkarte, und ich bin nur noch einen Klick davon entfernt, die Tickets bei British Airways zu buchen, als plötzlich – wie durch ein Wunder – jemand von der Condor-Hotline abhebt.

„Wir können Sie nach Hause bringen,“ sagt der freundliche Mitarbeiter am anderen Ende. Die Lösung? Ein Flug einen Tag früher, von Las Vegas über Seattle nach Frankfurt. Kein direkter Flug mehr, aber das stört uns nicht. Hauptsache, wir kommen nach Hause. Die Erleichterung ist greifbar, und wir sind froh, die teuren Ersatzflüge nicht gebucht zu haben. Das war knapp.

Mit der Rückflugfrage geklärt, wenden wir uns wieder angenehmeren Dingen zu. Was machen wir morgen? Wir stöbern durch unsere “Ideenkiste” – eine Liste mit Aktivitäten, die wir bei früheren Reisen aus Zeitgründen immer wieder aufgeschoben haben. Die Yant Flats bei St. George springen uns ins Auge. Schon lange wollen wir dieses versteckte Juwel besuchen, und morgen scheint der perfekte Tag dafür zu sein. Ein letzter Blick auf den Wetterbericht bestätigt: teilweise bewölkt, kein Regen. Passt.

Zum Abschluss des Abends widme ich mich unseren Hotelbuchungen für Las Vegas. Die Preise sind durch die Corona-Situation so niedrig wie seit Jahren nicht. Ich finde ein unschlagbares Angebot: Luxury Suites International at The Signature – kostenlose Parkmöglichkeiten, ein Zimmer mit Blick bis zum Las Vegas Boulevard und ein Preis, der sich sehen lassen kann. Perfekt! Mit einem Klick ist auch das erledigt.

Alles geregelt, alles geplant – der morgige Tag kann kommen.

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