Lübecks Altstadt, Fährfahrt nach Dänemark und ein Campingplatz im Fort

Guten Morgen, Lübeck!

Ein Stellplatz direkt am Hafen, die Stadt noch in tiefem Morgenschlaf – und wir? Hellwach um sechs Uhr morgens. Eine fragwürdige Entscheidung für einen Urlaub, aber hey, wir wollten das Maximum aus dem Tag herausholen. Und wenn das bedeutet, sich im Halbschlaf aus dem Camper zu schälen, dann sei es so. Während Stefan sich mit bemerkenswerter Effizienz fertig macht, tapse ich über den Stellplatz, inspiziere die Umgebung und halte die frühe Stille Lübecks mit ein paar Fotos fest.

Kaum angezogen, geht’s los – die Stadt wartet. Doch bevor große Entdeckungstouren anstehen, ruft erst einmal eine viel wichtigere Mission: Frühstück. Der Duft von frischem Brot lotst uns zielsicher zum nächsten Bäcker. Die Auswahl? Ein Paradies aus knusprigen Brötchen, buttrigen Croissants und herzhaften Spezialitäten – die Entscheidung fällt schwer. Letztlich landen zwei perfekt belegte Brötchen auf unserem Tablett, begleitet von einem Cappuccino, der uns endgültig ins Leben zurückholt.

Das erste Frühstück in einer neuen Stadt? Ein kleines Ritual. Noch bevor man die Sehenswürdigkeiten erkundet, schmeckt man sich durch die lokale Backkunst – und in Lübeck kann sich die wirklich sehen lassen. Mit dampfendem Kaffee und einem Biss ins knackige Brötchen lehnen wir uns zurück und genießen den langsamen Start in einen Tag, der noch unzählige Abenteuer bereithält.

Gestärkt und voller Tatendrang schlendern wir Richtung Altstadt, während die ersten Sonnenstrahlen die alten Backsteinhäuser in goldenes Morgenlicht tauchen. Es riecht nach frisch gebackenem Brot, nach Kaffee und einem Hauch von salziger Seeluft – eine Mischung, die einen perfekten Tag verspricht. Während die Einheimischen geschäftig zur Arbeit oder Schule eilen, lassen wir uns gemütlich durch die erwachende Stadt treiben, bereit, Lübecks Schätze zu entdecken.

Unser erster Halt: die Marienkirche. Schon aus der Ferne wirkt sie beeindruckend, doch je näher wir kommen, desto gewaltiger türmen sich ihre Backsteintürme vor uns auf. Sie sind nicht nur kühn in den Himmel gestreckt, sondern scheinen fast ein wenig über die Stadt zu wachen. Die filigranen Verzierungen, das kunstvolle Mauerwerk – jedes Detail dieser gotischen Schönheit erzählt von Jahrhunderten voller Geschichte. Drinnen umfängt uns eine majestätische Ruhe, nur das Knarzen unserer Schritte hallt durch das Kirchenschiff. Und dann entdecken wir sie – die berühmten zerborstenen Glocken, die seit dem Zweiten Weltkrieg als Mahnmal am Boden liegen. Ein Anblick, der uns kurz innehalten lässt.

St. Marien-Kirche

Doch Lübeck wäre nicht Lübeck ohne seine sieben Türme, also geht es weiter zur St. Petri Kirche. Ihre schlichte, aber elegante Fassade täuscht über das hinweg, was uns erwartet: eine Aussichtsplattform mit grandiosem Blick über die Stadt. Mit einem Ticket in der Hand und leicht beschleunigtem Puls fahren wir mit dem Aufzug hinauf – Gott sei Dank kein endloser Treppenmarathon. Oben angekommen, atmen wir tief durch. Die Stadt liegt uns zu Füßen. Zwischen roten Dächern schlängeln sich enge Gassen, Kirchtürme ragen wie Orientierungspunkte in den Himmel, und in der Ferne glitzert das Wasser der Trave. Ein Anblick zum Staunen.

Lübeck wird nicht umsonst die “Stadt der sieben Türme” genannt – und von hier oben sehen wir genau, warum. Doch bevor wir uns dem nächsten Highlight widmen, genießen wir noch einmal den Moment: Hoch über den Dächern einer Stadt, die noch so viel mehr zu erzählen hat.

Weiter geht’s zum wohl berühmtesten Wahrzeichen der Stadt: das Holstentor. Schon von Weitem ragen die zwei massiven Backsteintürme in den Himmel, flankiert von einem Mauerwerk, das die Spuren der Jahrhunderte trägt. Ein bisschen schief, ein bisschen märchenhaft – und gleichzeitig ein Symbol für Lübecks einstige Macht und seinen Reichtum.

Die Geschichte dieses Stadttors ist untrennbar mit Lübecks Aufstieg zur Handelsmetropole der Hanse verbunden.Im Mittelalter galt die Stadt als eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Nordeuropas. Dank ihrer perfekten Lage an der Ostsee florierte der Handel mit Skandinavien, Russland und dem Baltikum. Das Holstentor war das Tor zur Welt – durch dieses Portal zogen unzählige Kaufleute mit Waren wie Salz, Getreide und wertvollen Stoffen, die Lübeck zu einer der reichsten Städte Europas machten.

Heute ist das Holstentor nicht mehr der geschäftige Umschlagplatz, der es einst war, sondern eine Zeitmaschine aus Backstein. Wer durch das gewaltige Tor schreitet, kann sich fast vorstellen, wie hier einst Kutschen ratterten, Händler feilschten und der Geruch von exotischen Gewürzen in der Luft lag. Ein Hauch von Hanse, konserviert in Stein und Geschichte.

Holstentor

Das Holstentor – Lübecks schiefes Wahrzeichen mit bewegter Geschichte

 

Das Holstentor ist das berühmteste Wahrzeichen Lübecks und zählt zu den bekanntesten Stadttoren Deutschlands. Es ist nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk, sondern auch ein Symbol für die Macht und den Reichtum der Hansestadt im Mittelalter. Hier sind einige spannende Fakten über das Holstentor:

Mittelalterliches Bollwerk
Das Holstentor wurde im Jahr 1478 als Teil der Lübecker Stadtbefestigung erbaut. Es diente nicht nur zur Verteidigung, sondern auch als repräsentativer Stadtzugang, um Besucher zu beeindrucken. Lübeck war damals eine bedeutende Handelsmetropole der Hanse, und das Stadttor sollte diese Bedeutung widerspiegeln.

Ein schiefer Anblick
Schaut man genau hin, fällt auf: Das Holstentor ist schief! Die Südtürme neigen sich leicht nach vorne. Grund dafür ist der weiche Untergrund, auf dem das Tor gebaut wurde. Über die Jahrhunderte hat sich das Fundament abgesenkt, was dazu führte, dass das Holstentor eine leichte Schräglage bekam.

“Concordia domi, foris pax” – Die berühmte Inschrift
Über dem Eingang prangt in großen Buchstaben der lateinische Spruch: “Concordia domi, foris pax”, was so viel bedeutet wie: “Eintracht im Inneren, Frieden nach außen.”
Diese Worte sollten die Macht Lübecks unterstreichen und gleichzeitig eine Botschaft an Reisende und Händler sein, dass Lübeck eine wohlgeordnete und friedliche Handelsstadt war.

Nicht das einzige Holstentor
Was viele nicht wissen: Das heutige Holstentor war ursprünglich eines von mehreren Holstentoren! Es gab eine komplette Toranlage mit einem inneren und äußeren Holstentor sowie zusätzlichen Wallanlagen. Die meisten dieser Bauwerke wurden im 19. Jahrhundert abgerissen, um Platz für eine wachsende Stadt zu schaffen – übrig blieb das heutige Holstentor.

Fast abgerissen!
Im 19. Jahrhundert war das Holstentor stark baufällig, und es gab Pläne, es abzureißen. Zum Glück verhinderten die Lübecker Bürger diesen Plan und entschieden sich für eine umfangreiche Sanierung. Heute können wir uns darüber freuen, dass dieses beeindruckende Bauwerk erhalten geblieben ist!

Ein Nationales Denkmal und UNESCO-Welterbe
Das Holstentor wurde 1950 unter Denkmalschutz gestellt und gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe der Lübecker Altstadt. Es ist ein Symbol für die Blütezeit der Hanse und eines der meistfotografierten Gebäude in Deutschland.

Früher Gefängnis, heute Museum
Über die Jahrhunderte wurde das Holstentor für verschiedene Zwecke genutzt. Es diente als Lagerhaus, Arsenal und sogar als Gefängnis. Heute befindet sich darin das Holstentor-Museum, in dem Besucher mehr über die Geschichte Lübecks und die Bedeutung der Hanse erfahren können.

Auf dem 50-D-Mark-Schein verewigt
Das Holstentor war früher auf dem 50-D-Mark-Schein zu sehen – zusammen mit einem Bild des berühmten Lübecker Kaufmanns und Mäzens Thomas Mann. Damit war es eines der bekanntesten Wahrzeichen auf deutschen Banknoten.

Ein Wahrzeichen mit Hollywood-Potenzial
Das Holstentor wurde in zahlreichen Filmen, Büchern und Spielen verewigt. Es ist nicht nur ein historisches Gebäude, sondern auch ein fester Bestandteil der deutschen Popkultur.

Fazit:
Das Holstentor ist mehr als nur ein schönes Fotomotiv. Es erzählt die Geschichte Lübecks als mächtige Handelsstadt der Hanse, war einst ein Wehrbau, ein Gefängnis und ein stolzes Symbol der Stadt. Wer Lübeck besucht, kommt an diesem Wahrzeichen nicht vorbei – und sollte sich unbedingt auch das Museum im Inneren ansehen!

Während wir durch die Straßen der Altstadt schlendern, spüren wir, wie die Geschichte Lübecks in jeder Ecke lebendig wird. Die alten Fassaden, liebevoll restauriert, erzählen von der Zeit, als hier Kaufleute das Sagen hatten und Schiffe aus aller Welt in den Hafen einliefen. Dazwischen kleine Cafés, die zum Verweilen einladen, und Geschäfte, in denen es nach frisch gebackenem Marzipan duftet. Lübeck hat diesen besonderen Charme, der einen unweigerlich in seinen Bann zieht.

Salzspeicher

Doch irgendwann müssen wir weiterziehen. Zurück am Camper werfen wir noch einen letzten Blick auf die Stadt – die Kirchtürme, die Gassen, das ehrwürdige Holstentor. 9:30 Uhr – Zeit, aufzubrechen. Unser nächstes Ziel: Timmendorfer Strand. Lübeck verabschiedet uns mit einem Hauch von Nostalgie, aber wir wissen: Wir kommen wieder.

Keine halbe Stunde später rollen wir auf den Parkplatz am Timmendorfer Strand. Der Himmel ist grau verhangen, die Ostsee zeigt sich von ihrer rauen, aber beeindruckenden Seite. Kaum haben wir die Tür des Campers geöffnet, empfängt uns eine kräftige Brise, die sich anfühlt wie eine herzliche Begrüßung der Natur persönlich. Willkommen an der Küste!

Der Sand knirscht unter den Schuhen, die Wellen schlagen gleichmäßig ans Ufer, und eine Handvoll Spaziergänger trotzt dem kühlen Morgen. Perfekt. Wir mögen es, wenn Orte noch nicht von Touristen überrannt sind. Also tief durchatmen, den Wind um die Nase wehen lassen und schauen, was uns der Timmendorfer Strand so zu bieten hat.

Die typischen Strandkörbe stehen wie treue Wächter entlang der Küste, bereit, sich jedem Wetter entgegenzustellen. Wind, Regen, Sandsturm? Kein Problem – diese ruhevollen Veteranen der Küstenidylle haben schon ganz andere Zeiten erlebt. Ihr leicht verwittertes Holz und das robuste Geflecht erzählen von endlosen Sommertagen, stürmischen Herbstabenden und wohl auch so manchem Sonnenbrand. Wenn sie könnten, würden sie uns wahrscheinlich Geschichten von Generationen erzählen, die hier gesessen, gelacht und Möwenreste aus der Pommes-Schale verteidigt haben.

Der Sand knirscht unter unseren Füßen – nicht etwa sanft und samtig, sondern mit einer Knusprigkeit, die verdächtig an eine überdimensionale Tüte Chips erinnert. Wir stapfen weiter, während die Wellen mit wilder Entschlossenheit ans Ufer donnern. Es wirkt, als hätten sie gerade eine durchzechte Nacht im offenen Meer hinter sich und würden nun – vollgetankt mit Energie – in Richtung Strand stürmen.

Zwischen feuchtem Sand und angespülten Algen entdecke ich kleine Muschelschätze. Einige schimmern perlmuttfarben, andere sind von feinen Mustern durchzogen, als hätte das Meer sie in einer ruhigen Minute kunstvoll graviert. Ich kann nicht anders – meine innere Muschelsammlerin ist geweckt. Mit jeder, die in meiner Tasche landet, wächst die Idee, sie später vielleicht als Deko zu nutzen. Oder, realistischer betrachtet, sie irgendwann aus irgendeiner Jackentasche zu ziehen und mich zu fragen, warum ich eigentlich immer wieder Muscheln sammle. Aber das ist eine Frage für später. Jetzt genießen wir erst einmal die raue Schönheit dieses Morgens am Timmendorfer Strand.

Keine Autobahn, kein Stress – wir haben Zeit. Also entscheiden wir uns für die schönere Variante: die Küstenstraße. Sofern das möglich ist, natürlich. Denn nichts wäre ärgerlicher, als voller Vorfreude auf idyllische Landstraßen einfach nur von Sackgasse zu Sackgasse zu tingeln.

Doch wir haben Glück. Die Landschaft, die sich vor uns ausbreitet, könnte aus einem Bildband über Norddeutschland stammen. Leuchtend gelbe Rapsfelder, die sich in der sanften Brise wiegen, wechseln sich mit weiten Wiesen ab, während sich immer wieder der Blick aufs Meer auftut. Kleine Dörfer mit Reetdachhäusern, die aussehen, als wären sie einem Heimatfilm entsprungen, reihen sich entlang der Strecke. Es ist das perfekte Postkartenmotiv, und wir genießen es in vollen Zügen – mit offenen Fenstern und dem salzigen Duft der Ostsee in der Nase.

Irgendwann meldet sich der Hunger, und ein unscheinbares, aber vielversprechendes Schild am Straßenrand weist uns den Weg zu Penelope’s Grill. Der Name klingt nach einem charmanten Familienbetrieb – oder nach jemandem, der verdammt gute Burger macht. Beides ist uns recht.

Penelope’s Grill

Wir betreten den kleinen Laden und werden nicht enttäuscht. Die Preise sind fair, das Essen deftig und ehrlich – genau das, was wir brauchen. Kein Schnickschnack, keine überkandidelten Namen für Pommes, sondern einfach gutes Essen.Zufrieden und satt setzen wir uns wieder ins Auto, lassen die Landschaft weiter an uns vorbeiziehen und rollen schließlich Richtung Puttgarden, wo die Fähre nach Fehmarn auf uns wartet. Manchmal ist der direkte Weg vielleicht der schnellere – aber der schönere lohnt sich immer.

Die M/F Schleswig-Holstein – Ein schwimmendes Bindeglied zwischen Deutschland und Skandinavien

 

Die Fährverbindung zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødbyhavn in Dänemark gehört zu den wichtigsten Verkehrswegen zwischen Deutschland und Skandinavien. Die M/F Schleswig-Holstein, betrieben von der renommierten Reederei Scandlines, ist eines der Schiffe, die täglich diese Route bedienen – zuverlässig, modern und mit beeindruckender Kapazität.


Ein Schiff mit beeindruckender Größe und Funktionalität
Die M/F Schleswig-Holstein wurde speziell für diese Route gebaut und kann eine große Anzahl von Fahrzeugen und Passagieren transportieren. Je nach Ladung und Fahrgastaufkommen variiert die genaue Kapazität, doch typischerweise nimmt sie mehrere hundert Fahrzeuge sowie tausende Passagiere auf.
Das Schiff ist in mehrere Decks unterteilt:

  • Unterdeck: Hier befinden sich die Fahrspuren für Autos, Lastwagen und Busse.
  • Oberdecks: Passagiere können es sich in Restaurants, Cafés und Lounges bequem machen oder die Aussicht von den Außendecks genießen.

Mehr als nur eine Überfahrt – ein Teil des Reiseerlebnisses
Eine Fahrt mit der M/F Schleswig-Holstein ist nicht nur ein praktisches Transportmittel, sondern auch eine angenehme Pause auf dem Weg nach Skandinavien. Wer sich an Deck begibt, kann die frische Seeluft genießen, die Weite der Ostsee bewundern und entspannt auf die Ankunft in Dänemark warten.

Robust für die Ostsee – auch bei Wind und Wetter
Das Schiff wurde speziell für die Bedingungen der Ostsee konstruiert, sodass es auch bei etwas rauerer See eine angenehme Überfahrt bietet. Dank modernster Technik und stabiler Bauweise bleibt die Fahrt selbst bei unruhigem Wetter komfortabel.

Eine Brücke zwischen zwei Ländern
Die Fähre zwischen Fehmarn und Dänemark ist weit mehr als eine reine Verkehrsverbindung. Sie ist ein schwimmendes Bindeglied zwischen Deutschland und Skandinavien, das täglich Menschen, Autos, Waren und Geschichten über die Ostsee trägt – und für viele Reisende den perfekten Auftakt in den Urlaub bedeutet.

Pünktlich – nein, viel zu früh – erreichen wir Puttgarden. Eine ganze Stunde vor Abfahrt stehen wir am Terminal, aber zum Glück ist die Fährgesellschaft bestens organisiert. Voucher scannen, Fahrbahn zugewiesen bekommen – zack, alles erledigt. Keine nervige Wartezeit, keine endlosen Schlangen, sondern ein erstaunlich reibungsloser Ablauf. Kaum ein paar Minuten später rollen wir auch schon auf das riesige Deck der Fähre.

Immer wieder faszinierend: diese schwimmenden Kolosse, die scheinbar endlos Laster, Wohnmobile, Autos, Fahrräder und wahrscheinlich auch noch einen verlorenen Traktor in ihrem Bauch verschwinden lassen. Während die schweren Brummis sich in den unteren Decks stapeln, werden die kleineren Fahrzeuge wie Tetris-Steine auf den oberen Ebenen eingefädelt. Irgendjemand dort unten hat definitiv den ultimativen Parkplatz-Tetris-Highscore.

Unsere heutige Seereise wird von der M/F Schleswig-Holstein bestritten – einem imposanten Dampfer mit jeder Menge Platz für Passagiere und Fahrzeuge. Ob sie uns wohl sicher nach Fehmarn bringt? Bestimmt. Aber bis wir ankommen, bleibt noch genug Zeit, um das Schiff zu erkunden. Mal sehen, was uns an Bord erwartet.

Kaum steht der Camper sicher auf seiner zugewiesenen Fahrbahn, stürmen wir nach oben aufs Außendeck – schließlich wollen wir das volle Fährerlebnis mitnehmen. Puh! Sofort peitscht uns der Wind ins Gesicht, als hätte die Ostsee persönlich beschlossen, uns auf ihre Art willkommen zu heißen. Haare fliegen wild, Jacken bauschen sich auf, und mein Magen meldet vorsichtige Skepsis an.

Schiffe sind ja so eine Sache. Während andere den frischen Seewind genießen, bin ich mehr der Typ „lieber Flugzeug“. Turbulenzen? Kein Problem. Seegang? Naja. Aber was soll’s – der Camper passt schlecht ins Handgepäck, also bleibt uns nur die Fähre. Augen zu und durch.

M/F Schleswig Holstein

Nach 45 Minuten Wellenreiten taucht endlich Rødbyhavn am Horizont auf. Ganz vorne an der Reling beobachten wir gespannt, wie sich der Bug des Schiffes mit beeindruckender Mechanik nach oben klappt, als würde es gleich das Maul aufreißen, um uns auszuspucken. Ein kurzer Moment des Wartens, dann setzt sich die Karawane der Fahrzeuge in Bewegung.

Und dann – fester Boden unter den Füßen! Kein Schwanken mehr, kein Windgepeitsche, keine Ostsee, die uns herausfordern will. Wir sind in Dänemark angekommen, der Motor brummt – und das nächste Abenteuer kann beginnen.

Von der Fähre aus geht’s direkt weiter – eine Stunde Fahrt trennt uns noch von unserem nächsten Stopp: Charlottenlund Fort Camping. Doch anstatt mühsamer Bürokratie oder langer Warteschlangen erwartet uns hier moderner Check-in-Komfort vom Feinsten. Automatisch, schnell, unkompliziert – genau so mögen wir das.

Charlottenlund Fort Camping

Der Campingplatz selbst? Alles andere als gewöhnlich. Hier, in den Mauern eines alten Forts, parken wir unseren Camper auf geschichtsträchtigem Boden. Während andere auf schnöden Wiesen campen, stehen wir zwischen den steinernen Überresten einer ehemaligen Verteidigungsanlage. Neugierig wie immer, lasse ich es mir nicht nehmen, die Gegend sofort zu erkunden.

Ich klettere auf den bewachsenen Hang gegenüber, vorbei an vier historischen Kanonenrohren, die noch immer stolz gen Horizont ragen – als hätten sie sich längst damit abgefunden, dass sie statt Angreifern nur noch Sonnenuntergänge ins Visier nehmen. Oben angekommen, halte ich kurz inne. Wow.

Von hier aus reicht der Blick direkt auf die Ostsee, während die Sonne langsam am Horizont versinkt und den Himmel in weiche Gold- und Orangetöne taucht. Ein Anblick, der selbst eingefleischte Sonnenuntergangs-Skeptikerkurz sprachlos machen würde. Also hole ich Stefan, und gemeinsam lassen wir uns für eine Weile in die abendliche Ruhe sinken, während sich das letzte Tageslicht über die Wellen legt.

Charlottenlund Fort Camping

Zurück im Camper breitet sich langsam eine wohlige Müdigkeit aus. Draußen herrscht absolute Ruhe, nur das entfernte Rauschen der Ostsee begleitet uns in die Nacht. Die kühle Luft dringt leicht durch die Fenster, doch unter der Decke ist es warm und gemütlich. Ein perfekter Moment, um den Tag Revue passieren zu lassen – und sich auf morgen zu freuen.

Kopenhagen wartet. Doch wir werden die Stadt nicht einfach nur besuchen – wir werden sie mit unseren Fahrrädern erobern. Statt im dichten Verkehr zu stehen oder nach Parkplätzen zu suchen, lassen wir uns den Wind um die Nase wehen und erkunden die Straßen auf zwei Rädern – genau so, wie es die Dänen tun.

Ein letztes Mal drehe ich mich zur Seite, schließe die Augen und denke: Morgen wird großartig.

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