
Öland: Ein Tag voller Abenteuer, Bonbons und Leuchttürme
Hallo zusammen! Holt euch einen Kaffee, macht es euch bequem – es gibt frischen Lesestoff von unseren neuesten Abenteuern!
Also, wo fangen wir an? Am besten mit einem Frühstück, das mehr nach Urlaub schmeckt als jedes 5-Sterne-Hotelbuffet. Wir sitzen im Camper, die Tür weit offen, während draußen die Vögel ihr fröhliches Morgenkonzert anstimmen und die Sonne sich langsam über den Horizont schiebt. Es gibt einfach nichts Besseres, als den ersten Kaffee des Tages in der Hand zu halten, während die frische Morgenluft um die Nase weht. Der perfekte Start in einen neuen Tag – und in unser nächstes Abenteuer!
Nach dem Frühstück packen wir unsere sieben Sachen – heute geht’s nach Öland! Die Brücke zur Insel ist praktisch um die Ecke von unserem Campingplatz – ein Katzensprung, wenn man bedenkt, dass wir gestern noch ganz woanders waren. Mit jedem Kilometer steigt die Vorfreude. Eine neue Umgebung, neue Eindrücke – und garantiert wieder ein paar Überraschungen. Öland, wir kommen!
Öland – Schwedens Sonneninsel voller Geschichte, Windmühlen und royalen Sommerträumen
Die Insel der Windmühlen – früher waren es über 2.000!
Öland ist berühmt für seine Windmühlen, die überall in der Landschaft verstreut sind. Einst standen hier mehr als 2.000 Stück, heute sind es noch etwa 350 gut erhaltene Exemplare. Das macht Öland zur windmühlenreichsten Region Schwedens – ein echtes Paradies für Liebhaber nostalgischer Technik!
Die längste Brücke Schweden
Die Ölandsbron, die die Insel mit dem Festland verbindet, ist mit 6.072 Metern die längste Brücke Schwedens und eine der längsten Brücken Europas. Die Fahrt über sie ist ein Erlebnis für sich, denn plötzlich taucht Öland wie aus dem Nichts aus dem Meer auf.
Schwedens Sonneninsel – hier gibt’s das beste Wetter!
Öland hat die meisten Sonnenstunden Schwedens, weshalb sie auch „Schwedens Sonneninsel“ genannt wird. Während andere Regionen noch mit Regen kämpfen, genießt man hier oft strahlend blauen Himmel und perfektes Urlaubsfeeling.
Ein UNESCO-Welterbe mit Urzeit-Feeling
Das südliche Öland ist eine UNESCO-Welterbestätte – dank seiner einzigartigen Kulturlandschaft namens Stora Alvaret. Diese karge, fast mondähnliche Landschaft besteht aus einer riesigen Kalksteinplatte, die seit der Steinzeit bewirtschaftet wird. Man fühlt sich fast wie in einer anderen Welt!
Hier urlaubt die schwedische Königsfamilie
Die königliche Familie verbringt ihre Sommer regelmäßig auf Öland. Ihre Sommerresidenz „Solliden“ ist ein wunderschönes Schloss mit gepflegten Gärten – und ja, wenn die Royals nicht gerade auf dem Rasen picknicken, kann man die Anlage tatsächlich besichtigen!
Raukar? Das hat Öland auch!
Während Gotland für seine berühmten Raukar (Kalksteinfelsen) bekannt ist, hat auch Öland seine eigene spektakuläre Version: Die Byrum Raukar. Diese beeindruckenden Felsformationen stehen direkt an der Küste und sehen aus, als hätte ein Bildhauer mit besonders viel Fantasie Hand angelegt.
Die Insel der Runenstein
Öland hat eine der höchsten Dichten an Runensteinen in Schweden! Diese alten Inschriften aus der Wikingerzeit findet man überall verstreut – oft mit kryptischen Botschaften, die bis heute nicht ganz entschlüsselt wurden. Mystisch, historisch und definitiv einen Stopp wert.
Die Heimat der legendären Ölands-Kräftor (Flusskrebse)
Wenn es um typisch schwedische Feste geht, darf das berühmte „Kräftskiva“ (Flusskrebsessen) nicht fehlen. Und wo kommen die besten Krebse her? Natürlich von Öland! Die Insel ist berühmt für ihre köstlichen Ölands-Kräftor, die hier gefangen und traditionell mit Schnaps und Gesang verspeist werden.
Hier wurden Astrid Lindgrens Wikingerfilme gedreht!
Fans von Astrid Lindgren kennen bestimmt die Filme von „Wickie und die starken Männer“ – viele Szenen wurden auf Öland gedreht! Das wilde, windgepeitschte Küstenpanorama war einfach perfekt für die Abenteuer des kleinen Wikingers.
Öland ist die „Blumeninsel“ Schwedens
Dank des einzigartigen Klimas wachsen hier über 35 seltene Pflanzenarten, die es sonst nirgendwo in Schweden gibt!Besonders bekannt ist die Ölands-Sonnenröschen, die nur auf der Insel blüht. Wer im Frühling kommt, erlebt eine Blumenlandschaft, die fast an die Toskana erinnert.
Kurz gesagt: Öland ist viel mehr als nur eine kleine Insel – sie steckt voller Geschichte, Naturwunder und kurioser Überraschungen! 🌞
Über die Brücke nach Öland – und direkt hinein ins nächste Abenteuer. Schon während wir über das Meer hinwegfahren, macht sich dieses besondere Gefühl breit – das Kribbeln, das jede neue Insel mit sich bringt. Einmal angekommen, wirkt Öland sofort anders als das schwedische Festland: weitläufige Landschaften, kleine rote Holzhäuser und ein Himmel, der sich scheinbar endlos über uns ausbreitet.
Unser erster Halt? Die majestätische Ruine von Schloss Borgholm. Kaum zu übersehen, thront sie auf einer Anhöhe und erzählt allein durch ihre massiven Mauern von einer glorreichen Vergangenheit. Einst ein prachtvolles Schloss, dann von Feuer und Zeit gezeichnet, steht sie heute als beeindruckendes Überbleibsel der Geschichte – eine Mischung aus Romantik, Melancholie und nordischer Dramatik.

Es ist das perfekte erste Ziel auf Öland, denn kaum ein anderes Bauwerk verkörpert die Insel so gut wie diese Ruine: sturmerprobt, geschichtsträchtig und mit einer rauen Schönheit, die ihresgleichen sucht.
Voller Energie rollen wir auf den Parkplatz, springen aus dem Camper – und dann die Erkenntnis: Die Ruine öffnet erst um 10 Uhr. Es ist 9 Uhr. Na wunderbar. Da stehen wir also, bereit für Geschichte – nur die Geschichte ist noch nicht bereit für uns.
Doch halb so wild, denn der altehrwürdige Bau ist auch von außen ein echter Hingucker. Die gewaltigen Mauern, von Wind und Wetter gezeichnet, lassen erahnen, welch imposantes Bauwerk hier einst stand. Ein paar Fotos später – das Morgenlicht macht sich übrigens hervorragend für Ruinen-Ästhetik – geht’s zurück in unseren Camper.

Wir lassen Schloss Borgholm hinter uns und rollen weiter, gespannt darauf, welche Überraschungen Öland noch für uns bereithält. Denn wenn schon der erste Stopp beeindruckt, kann das ja nur gut weitergehen.
Unser nächster Stopp? Die Kirche von Köping – ein verstecktes Juwel inmitten grüner Wiesen und alter Bäume.Während wir gemütlich anrollen, taucht sie vor uns auf, wie aus einer anderen Zeit entrückt. Kein pompöser Prunkbau, sondern eine Kirche, die mit schlichter Eleganz und jahrhundertealter Geschichte beeindruckt.
Schon beim Aussteigen fällt unser Blick auf den hohen Turm, der stolz in den Himmel ragt, und die braun-gelben Steine, die so viel erlebt haben müssen, dass sie vermutlich selbst Geschichten erzählen könnten. Wind und Wetter haben ihnen eine raue, ehrwürdige Patina verliehen, die perfekt zu dieser Landschaft passt.

Ein paar Fotos, ein letzter Blick auf das imposante Gemäuer, dann geht’s zurück in unseren Camper. Wir fahren weiter nach Norden, unser nächster Stopp: die faszinierenden Steinmännchen entlang der Stony Loftakustväg. Steinmännchen? Ja, genau! Kleine, kunstvoll gestapelte Steintürmchen, die hier an der Küste von Besuchern und Einheimischen errichtet werden – eine Tradition, die sich über Jahre entwickelt hat. Jeder, der vorbeikommt, kann seinen eigenen kleinen Turm bauen oder einen weiteren Stein zu einem bestehenden Kunstwerk hinzufügen. Klingt nach einer Kleinigkeit – aber wartet, bis ihr den Anblick seht!
Als wir ankommen, wirkt die Szenerie fast unwirklich. Hunderte, nein, tausende von Steinmännchen erstrecken sich entlang der Küste, als hätte eine geheime Armee aus Miniatur-Wächtern Stellung bezogen. Jeder einzelne Turm ist einzigartig – ein kleines, stilles Kunstwerk, geschaffen von unzähligen Händen.

Während wir entlang der Küste spazieren, können wir uns nicht sattsehen an der kreativen Vielfalt dieser Steinhaufen.Einige sind klein und zierlich, andere so hoch und kunstvoll balanciert, dass sie fast schon wie moderne Skulpturen wirken. Manche trotzen der Schwerkraft auf eine Weise, die physikalisch fragwürdig erscheint, andere scheinen in meditativem Gleichgewicht zu stehen. Es ist faszinierend, wie viel Persönlichkeit in ein paar übereinander gestapelten Steinen stecken kann.
Und natürlich können wir es uns nicht nehmen lassen, unser eigenes Steinmännchen zu bauen. Ein kleiner Gruß an Öland – und eine Erinnerung daran, dass es oft die einfachen Dinge sind, die eine Reise besonders machen.
BILDERGALERIE: Stony loftakustväg
Unsere Fahrt über Öland fühlt sich an wie eine Reise durch ein Windmühlen-Märchen. Egal, wohin wir blicken – überall drehen sich die hölzernen Flügel langsam im Wind. Es scheint, als hätte die Insel einst einen Wettbewerb veranstaltet: „Wer kann die meisten Windmühlen aufstellen?“ Und Öland hat ihn mit Bravour gewonnen.
Natürlich können wir nicht widerstehen und halten immer wieder an, um diese charmanten Relikte aus einer anderen Zeit zu fotografieren. Jede Mühle hat ihren eigenen Charakter. Manche thronen stolz auf Hügeln, mit weitem Blick über die Landschaft – wie stille Wächter, die alles im Auge behalten. Andere ducken sich hinter malerischen roten Häuschen, als wären sie kleine Geheimnisse, die nur entdeckt werden wollen.
Dann erreichen wir die berühmten Lerkaka kvarnar. Fünf Windmühlen, perfekt aufgereiht entlang des Weges, wie eine Gruppe alter Freunde, die schon seit Jahrhunderten zusammenstehen. Sie strahlen eine fast meditative Ruhe aus, ein Zeugnis vergangener Zeiten, in denen der Wind nicht nur das Wetter bestimmte, sondern auch die Mühlsteine in Bewegung setzte.
Wir parken unseren Camper, springen hinaus – und schon klickt die Kamera. Jede Perspektive offenbart ein neues Bild, jedes Detail erzählt eine Geschichte. Die knarrenden Holzflügel, das verwitterte Holz, die kunstvollen kleinen Türen – ein wahres Paradies für jeden, der ein Faible für Nostalgie und Handwerkskunst hat.
Ein paar Fotos später lehnen wir uns zurück und genießen den Moment. Hier, zwischen diesen alten Windmühlen, scheint die Zeit ein kleines bisschen langsamer zu laufen. Und genau das macht Öland so besonders.

Nachdem wir die Windmühlen aus jedem erdenklichen Winkel fotografiert haben, wird es Zeit für das nächste Highlight: das zweite Frühstück. Denn mal ehrlich – was wäre eine gelungene Roadtrip-Etappe ohne eine ausgiebige Kaffeepause?
Unser Ziel: die Bageri & Konditori Kaffestugan, eine gemütliche kleine Bäckerei, die als absoluter Geheimtipp auf Öland gilt. Perfekt für einen Zwischenstopp, der nicht nur den Magen, sondern auch die Seele verwöhnt.
Schon beim Eintreten schlägt uns der verführerische Duft von frisch gebackenem Brot und süßen Teilchen entgegen. Augenblicklich ist klar: Hier wird es schwer, eine Entscheidung zu treffen. Die Auslage ist ein wahres Schlaraffenland – knusprige Brötchen, duftende Zimtschnecken, kunstvoll verzierte Kuchen und Torten, die fast zu schade zum Essen sind. Aber eben nur fast.

Wir bestellen eine Zimtschnecke für mich, eine Quarktasche für Stefan – und natürlich einen großen, dampfenden Kaffee dazu. Mit unserer süßen Beute suchen wir uns einen der gemütlichen Tische, die mit rustikalen Holzstühlen und bunten Kissen zum Verweilen einladen.
Während wir genüsslich unsere Leckereien verspeisen, genießen wir die entspannte Atmosphäre – ein perfekter Moment, um die Eindrücke des Morgens Revue passieren zu lassen. Doch lange bleiben wir nicht sitzen, denn das nächste Ziel wartet schon: der majestätische Leuchtturm Långe Erik. Und wir sind gespannt, ob er seinem Namen gerecht wird.



Der Långe Erik – einer der bekanntesten Leuchttürme auf Öland und ein echtes Wahrzeichen der Insel. Hoch oben, auf der westlichen Landzunge im Norden Ölands, thront er über der Küste wie ein stiller Wächter, der seit Jahrhunderten den Schiffen den Weg weist. Und als ob er genau wüsste, dass wir ihn suchen, ragt er schon von Weitem majestätisch in den Himmel und scheint uns den Weg zu zeigen.
Wir parken unseren Camper und machen uns auf den kurzen Spaziergang zum Leuchtturm. Der Weg dorthin ist ein Erlebnis für sich – die Luft ist salzig, der Wind streicht durch das Dünengras, und die wilden Blumen wiegen sich in der Brise, als würden sie uns freundlich zuwinken. Kleine Felsen liegen verstreut in der Landschaft, geformt und geglättet von der unermüdlichen Kraft des Meeres. Es ist eine dieser Szenen, die perfekt wären für eine Filmkulisse – nur dass wir mittendrin stehen.
Dann stehen wir vor ihm. 32 Meter pure Erhabenheit, ein schlanker Riese, der gegen den blauen Himmel ragt. Egal, wie oft man einen Leuchtturm gesehen hat – dieser hier hat eine besondere Ausstrahlung. Still und gelassen, ein Monument der Seefahrt, das seit Generationen trotzig den Elementen standhält.
Natürlich zücken wir die Kamera und fangen ihn aus jedem erdenklichen Winkel ein. Die 138 Stufen nach oben bleiben uns heute zwar erspart – der Turm ist nur während der Hauptsaison zugänglich – aber auch von unten ist er ein beeindruckender Anblick.
Nach einer ganzen Weile, in der wir einfach nur das Meer, die Weite und die Stille genießen, machen wir uns wieder auf den Weg. Unser nächstes Ziel: Trollskogen. Ein Wald, der mit seinen verwachsenen, knorrigen Bäumen aussieht, als wäre er direkt einem Märchen entsprungen. Ein perfekter Kontrast zum offenen Meer – und ein weiteres Abenteuer, das auf uns wartet.

Unsere Reise auf Öland führt uns als nächstes in den Nationalpark Trollskogen. Der Name allein klingt schon nach Abenteuer, oder? Ein bisschen wie aus einem Märchenbuch, in dem hinter jedem Baum ein Geheimnis lauert.
Als wir in den Nationalpark eintreten, tauchen wir in eine Welt ein, die eine ganz eigene Magie ausstrahlt. Der Trollskogen ist kein gewöhnlicher Wald – hier scheint die Natur beschlossen zu haben, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Moosbewachsene Baumstämme, knorrige Äste, die sich wie verwunschene Finger in den Himmel recken, und versteckte Lichtungen, die wirken, als könnten jederzeit Elfen oder Trolle auftauchen. Man könnte fast glauben, dass dieser Wald mehr als nur Bäume beherbergt.

Ganz oben im Norden Ölands gelegen, ist dieses Naturschutzgebiet ein wilder, fast ungezähmter Ort, den man zu Recht “Zauberwald” nennt. Überall wuchert üppiger Efeu, knorrige Kiefern stehen schief in der Landschaft, als hätte der Wind sie in kunstvolle Skulpturen verwandelt, und eine 900 Jahre alte Eiche thront mitten im Dickicht – ein lebendes Denkmal aus einer anderen Zeit. Hin und wieder peitscht die Meeresbrise durch die Bäume, eine Erinnerung daran, dass die Ostsee nicht weit entfernt ist.
Drei verschiedene Wanderwege schlängeln sich durch den Wald: der rote Pfad (4,5 km), der gelbe (2,4 km) und der blaue (1 km). Natürlich entscheiden wir uns für den längsten – den Trollskogsstigen, die ultimative Route für Entdecker.
Kaum sind wir ein paar Minuten unterwegs, begegnen wir einer unerwarteten Überraschung: Rinder. Ja, richtig gelesen. Mitten im Wald stehen sie da, zwischen den Bäumen, wiederkäuend und vollkommen unbeeindruckt von unserer Anwesenheit. Als hätten sie sich diesen mystischen Ort als ihre persönliche Chill-Out-Zone ausgesucht.
BILDERGALERIE: trollskogsstigen
Unser Spaziergang auf dem 4,5 Kilometer langen Pfad wird zu einer kleinen Zeitreise. Der Weg führt uns über kleine Holzbrücken, vorbei an umgestürzten Baumriesen und immer wieder durch dichte, fast undurchdringliche Vegetation. Überall begleitet uns das sanfte Rauschen des Meeres, das sich mit dem Zwitschern der Vögel vermischt – ein Naturkonzert in perfekter Harmonie.
Dann bleiben wir plötzlich stehen. Aufgeschichtete Steinhügel tauchen zwischen den Bäumen auf. Neugierig lesen wir die Hinweistafeln: uralte Steingräber. Ein stummer Gruß aus der Vergangenheit, eine Erinnerung daran, dass hier schon vor Jahrhunderten Menschen lebten und ihre Spuren hinterließen.
Wir verweilen einen Moment, lassen den Ort auf uns wirken und fragen uns, wie das Leben damals auf dieser Insel wohl ausgesehen haben mag. In einem Wald, der selbst heute noch wie eine andere Welt wirkt.
Die Steingräber im Trollskogen – Spuren einer längst vergangenen Zeit
Im Trollskogen, dem mystischen „Zauberwald“ im Norden Ölands, stößt man auf geheimnisvolle, aufgeschichtete Steinhügel. Was auf den ersten Blick wie zufällig angehäufte Steine aussieht, sind in Wirklichkeit uralte Grabstätten aus der Bronze- und Eisenzeit.
Wie alt sind die Steingräber?
Die Steinhügelgräber im Trollskogen stammen aus der Zeit zwischen 1000 v. Chr. und 500 n. Chr., also aus der späten Bronzezeit bis in die frühe Eisenzeit. Damit sind sie über 2000 Jahre alt – eine erstaunliche Erinnerung daran, dass hier schon lange vor unserer Zeit Menschen lebten.
Warum wurden die Gräber aus Steinen errichtet?
Damals glaubten die Menschen, dass ein Grab nicht nur eine Ruhestätte sein sollte, sondern auch eine Art Schutz für die Seele des Verstorbenen. Die Steine dienten dazu, das Grab zu markieren und vor Grabräubern oder wilden Tieren zu schützen. Besonders in Küstenregionen waren solche Steinhügelgräber verbreitet, da sie auch von weitem sichtbar waren und vielleicht sogar als Orientierungspunkte für Seefahrer dienten.
Was wurde in den Steingräbern gefunden?
Archäologen haben in einigen dieser Gräber Brandreste, Werkzeuge und Schmuckstücke entdeckt, die vermutlich als Grabbeigaben dienten. Diese Funde geben einen Einblick in das Leben und die Bestattungsrituale der damaligen Zeit – und zeigen, dass die Menschen Ölands schon früh eine besondere Verbindung zu ihrer Umgebung hatten.
Warum sind die Steingräber im Trollskogen besonders?
Die Grabstätten im Trollskogen haben sich besonders gut erhalten, da sie abgeschieden im Wald liegen und nicht, wie viele andere historische Stätten auf Öland, durch Landwirtschaft oder Bebauung zerstört wurden. Die Lage am Meer und die dichte Vegetation verleihen diesen Gräbern eine fast mystische Aura – man kann sich gut vorstellen, wie hier vor über 2000 Jahren eine Gemeinschaft ihre Toten bestattete und mit Ritualen verabschiedete.
Ein Fenster in die Vergangenheit
Heute stehen die Steinhügel als stumme Zeugen der Vergangenheit mitten im verwunschenen Wald und laden dazu ein, sich einen Moment Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken, wie das Leben damals wohl war. Sie sind nicht nur archäologisch wertvoll, sondern auch ein faszinierendes Stück Geschichte, das man hautnah erleben kann.
Wir gehen den Trail im Uhrzeigersinn und sind schon fast am Ende, als wir an der Trolleken vorbeikommen. Trolleken heißt übersetzt “Troll-Eiche” und ist ein bemerkenswerter Baum. Diese Eiche ist nicht nur ein imposantes Naturdenkmal, sondern auch mit zahlreichen Legenden und Geschichten verbunden.
Die Eiche ist bekannt für ihre verdrehten, verwachsenen Äste, die sich in alle Richtungen erstrecken und dem Baum ein unverwechselbares Aussehen verleihen. Sie wirkt fast wie eine Art Wächter des Waldes, mit ihren uralten Zweigen, die sich geheimnisvoll über den Wald erstrecken. Als wir vor diesem beeindruckenden Baum stehen, können wir förmlich die Jahrhunderte spüren, die er bereits miterlebt hat.
Wir folgen dem Trail im Uhrzeigersinn und sind schon fast am Ende, als wir plötzlich vor ihr stehen: der Trolleken. Der Name bedeutet übersetzt „Troll-Eiche“, und genau so sieht sie auch aus – als wäre sie direkt einem Märchen entsprungen.
Diese Eiche ist mehr als nur ein Baum – sie ist ein lebendes Naturdenkmal, eine knorrige, uralte Wächterin des Waldes. Ihre verdrehten Äste winden sich in alle Richtungen, als hätte sie über die Jahrhunderte hinweg versucht, den Geschichten der Vorbeiziehenden zu lauschen. Sie wirkt mystisch, beinahe lebendig – als würde sie mit uns flüstern, wenn der Wind durch ihre Zweige rauscht.

Und wie es sich für einen Baum mit solch einer Ausstrahlung gehört, rankt sich eine Legende um ihn: Trolle sollen hier in der Nähe leben und sich nachts aus ihren Verstecken wagen, um durch den Wald zu streifen. Manche behaupten sogar, wer zur richtigen Zeit an der Eiche vorbeigeht, kann das leise Kichern der Trolle hören.
Leider gehören wir wohl nicht zu den Auserwählten – entweder sind wir zu laut oder zu spät dran. Kein Troll, kein geheimnisvolles Flüstern, nur das sanfte Rascheln der Blätter über uns. Aber allein die Vorstellung reicht aus, um uns ein Schmunzeln aufs Gesicht zu zaubern.
Dann heißt es Abschied nehmen von diesem magischen Wald. Wir schlendern zurück zum Auto, verabschieden uns innerlich von den versteckten Bewohnern des Trollskogen und setzen unsere Reise nach Süden fort. Tja, wenn man schon am nördlichsten Punkt der Insel ist, bleibt einem ja auch keine andere Wahl.

Unser nächstes Ziel: der Leuchtturm Kapelludden. Ein weiteres Juwel Ölands, das stolz am Kapelludden Point über den Klippen thront. Die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis für sich – die Weite des Meeres begleitet uns, während sich die Landschaft immer wieder verändert. Mal fahren wir vorbei an grünen Wiesen, mal begleitet uns die raue Küste mit ihren steinigen Ufern. Die unendliche Weite macht uns wieder bewusst, warum Inseln so eine besondere Faszination ausstrahlen.
Dann erreichen wir ihn: Kapelludden. Majestätisch ragt der Leuchtturm in die Höhe, ein stiller Wächter, der über das Meer und die Küste blickt. Diese Bauwerke haben immer etwas Erhabenes an sich – als würden sie unermüdlich über die Wellen wachen und darauf warten, den Schiffen in der Dunkelheit den Weg zu weisen.
Von weitem zücken wir die Kamera und schießen ein paar Fotos – das genügt uns für den Moment. Der Leuchtturm thront über der Küste, seine Silhouette ragt majestätisch in den Himmel, während sich die Landschaft drum herum in ihrer ganzen rauen Schönheit erstreckt. Der Weg über den Damm bleibt heute unbetreten – stattdessen lassen wir uns einfach von der Szenerie verzaubern.
Wir verbringen eine ganze Weile hier, lassen den Blick über das endlose Meer schweifen, atmen die salzige Luft ein und genießen die Stille. Nur das Kreischen der Möwen und das entfernte Rauschen der Wellen durchbrechen die Ruhe – ein perfekter Moment, um einfach dazustehen und den Augenblick wirken zu lassen.
Nachdem wir uns an der Schönheit dieses Ortes sattgesehen haben, machen wir uns langsam auf den Rückweg zum Camper. Noch einmal drehen wir uns um, werfen einen letzten Blick auf den Leuchtturm, der stumm weiter über die Küste wacht. Ein kurzer Gruß in Gedanken, ein letztes Foto – und dann geht’s weiter. Neue Abenteuer warten.

Jetzt kommt das absolute Highlight unseres Öland-Besuchs: die Ölands Karamellkokeri – die Bonbon-Manufaktur der Insel! Wir haben schon so viel darüber gelesen, dass wir es kaum erwarten können, endlich selbst dort zu sein.
Kaum angekommen, werden wir von einem verführerischen Duft empfangen. Eine süße, warme Wolke aus Karamell und Fruchtaromen schwebt in der Luft – als hätte jemand eine Tür zu Willy Wonkas Fabrik aufgestoßen. Beim Betreten werden wir herzlich von einer freundlichen Frau begrüßt, die sich als deutsche Auswanderin vorstellt. Mit strahlenden Augen erzählt sie uns, dass um 16 Uhr die Bonbonproduktion beginnt – und wir herzlich eingeladen sind, dabei zuzusehen.

Unsere Augen leuchten mindestens genauso, und die Entscheidung ist schnell gefallen: Wir bleiben! Bis dahin schlendern wir durch die kleine, liebevoll eingerichtete Manufaktur, bestaunen die bunten Bonbongläser und überlegen, wie viele Tüten wir wohl ohne schlechtes Gewissen mitnehmen können.
Dann ist es endlich so weit. Wir kehren in die Produktionsstätte zurück und beobachten gespannt, wie aus einer simplen Zuckermasse kleine Kunstwerke entstehen. Die beiden deutschen Auswanderer, die das Geschäft betreiben, erklären uns jeden Schritt – mit spürbarer Begeisterung und beeindruckender Routine.
Alles muss schnell gehen. Die Zuckermasse wird gekocht, dann auf eine große Arbeitsfläche gegossen, geknetet, gezogen, gedreht. Jede Bewegung sitzt, kein Handgriff ist zufällig – denn es bleiben nur etwa 30 Minuten, bevor die Masse zu hart wird. Es ist wie eine Mischung aus Wissenschaft, Kunst und Handwerk, und wir stehen staunend daneben, während sich das Bonbonwunder entfaltet.
Dann der große Moment: Die ersten fertigen Sanddorn-Bonbons landen direkt aus der Produktion in unseren Händen. Noch warm, duftend, von Hand geschnitten – und absolut köstlich. Süß, aber nicht zu süß, mit einer feinen fruchtigen Note. Jeder Bissen ist ein kleines Stück Öland.
Mit zwei Tüten voll süßer Souvenirs (und einem Lächeln, das mindestens so klebrig wie der Zuckersirup ist) verlassen wir die Kokeri. Süße Erinnerungen, die garantiert nicht lange halten werden – weil sie vermutlich schneller weggelutscht sind, als wir es zugeben wollen.
BILDERGALERIE: karamellkokeri
Unser Tag auf Öland war bis jetzt einfach großartig! Nachdem wir hautnah miterleben durften, wie in der Ölands Karamellkokeri Bonbons mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision entstehen – und ja, wir haben natürlich schon ein paar probiert (oder ein paar mehr, aber wer zählt das schon?) – steht nun das letzte große Highlight auf dem Programm: der Leuchtturm Långe Jan.
Wir sind voller Vorfreude, denn dieser markante Turm ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Ölands. Schon der Name klingt vielversprechend – „Långe Jan“. Man könnte fast meinen, er sei nach einem alten, wettergegerbten Seebären benannt, der seine Geschichten von endlosen Nächten auf See erzählt. Tatsächlich ist er aber einfach nur: lang. Und Jan.
Doch genau das macht ihn besonders. Als Schwedens höchster Leuchtturm wacht er seit Jahrhunderten über die Südspitze der Insel – und wir sind gespannt, was uns dort erwartet.
BILDERGALERIE: Lange JAn
Wir parken unseren Camper – und werden sofort von einer neugierigen Delegation schwarz-weißer Kühe empfangen. Als wäre dies hier ihr persönliches Weideland (Spoiler: ist es wahrscheinlich auch), trotten sie gemütlich näher, werfen uns vielsagende Blicke zu und scheinen uns direkt zum nächsten Fotospot führen zu wollen. Ein ungewöhnlicher, aber durchaus charmanter Empfang für unser letztes Highlight auf Öland: den Leuchtturm Långe Jan.
Und da steht er. Majestätisch über den Klippen thronend, der große Bruder von Långe Erik. Ein echter Veteran in der Leuchtturmszene – und mit 41,6 Metern tatsächlich Schwedens höchster Leuchtturm. Doch während Långe Erik ein schlanker, eleganter Geselle ist, ist Långe Jan eher das robuste, gemütliche Exemplar. Breit gebaut, mit einer schwarz-weißen Farbgebung, die ihn perfekt vom tiefblauen Himmel abhebt. Man könnte fast meinen, er stemmt stolz die Brust raus, um sich noch ein paar Zentimeter größer zu machen.

Doch dieser Kerl hat Geschichte. Seit 1785 weist sein Licht den Schiffen den Weg über die Ostsee. Damals war er noch ein bisschen kürzer – gerade mal 36 Meter hoch. Aber wie jeder ordentliche Leuchtturm hat auch Jan über die Jahre an Erfahrung und Zentimetern gewonnen.
Schon ein Jahrhundert vor seinem Bau gab es Pläne für einen Leuchtturm an Ölands Südspitze – aber erst Ende des 18. Jahrhunderts ging es wirklich los. Die Bauzeichnungen stammten von Carl Johan Cronstedt, und das Material? Kam von einer alten, zerstörten Kirche – der Sankt-Johannes-Kapelle aus dem Fischerdorf Kyrkhamn.Heute erinnert nur noch ein schlichtes Steinkreuz an sie – aber ihr Stein lebt in Långe Jan weiter.

Seit 1980 arbeitet er vollautomatisch. Sein Licht strahlt beeindruckende 26 Seemeilen weit – fast 50 Kilometer! Ein echtes Kraftpaket. Und ja, man kann ihn besteigen. Aber mit 197 Stufen zur Aussichtsplattform ist das schon eine kleine sportliche Herausforderung. Zum Glück bleibt uns dieser Aufstieg erspart – denn, Überraschung, auch dieser Leuchtturm ist außerhalb der Hauptsaison geschlossen.
Also genießen wir den Anblick von unten, knipsen noch ein paar letzte Fotos und verabschieden uns langsam von Öland. Denn mit diesem Giganten endet unsere Inselrunde – und wir sind mehr als zufrieden.
Nachdem wir den Leuchtturm ausgiebig bestaunt haben, machen wir uns auf den Rückweg nach Kalmar. Die Sonne senkt sich langsam Richtung Horizont, taucht die Landschaft in goldenes Licht, und die Luft wird spürbar frischer. Perfektes Grillwetter? Eigentlich ja. Aber nachdem wir den ganzen Tag unterwegs waren, siegt die Bequemlichkeit – der Grill bleibt heute im Camper. Stattdessen entscheiden wir uns für eine leckere Mahlzeit im Restaurant Stars & Stripes, mitten in der belebten Fußgängerzone von Kalmar.

Kaum betreten wir das Restaurant, fühlen wir uns, als wären wir in einem typisch amerikanischen Diner gelandet.Saftige Spareribs, herzhafte Burger, knusprige Pommes – genau das Richtige nach einem Tag voller Abenteuer.Dazu ein eiskaltes Getränk, und die Welt ist wieder in Ordnung. Jeder Bissen ist ein Genuss – ein würdiger Abschluss für unseren letzten Abend auf Öland.
Nach dem Essen rollen wir zufrieden zurück zum Campground, nur zehn Minuten entfernt. Unser Camper empfängt uns mit seinem gewohnten Komfort, und wir lassen den Tag Revue passieren.
Die Erinnerungen an Långe Jan, die verführerischen Bonbons und die wilde, idyllische Landschaft von Öland begleiten uns in die Nacht. Ein perfekter Abschluss für einen Tag voller Entdeckungen – und ein gelungener Abschied von dieser einzigartigen Insel.
BILDERGALERIE: Kalmar