
Planlos perfekt: Spontane Entdeckungen zwischen Lazise, Bardolino und Limone
Ein Frühstück mit Seeblick – was will man mehr? Frischer Kaffee dampfte in unseren Tassen, das Brot war knusprig, die Luft mild – und der Gardasee lag vor uns, als hätte er sich extra für uns in Postkartenoptik geschmissen. Ein perfekter Start in den Tag. Der Plan war simpel: Auf die Räder schwingen, nach Bardolino radeln und dort den gleichnamigen Rotwein probieren. Schließlich sollte man die lokalen Spezialitäten ja gebührend würdigen.
Fünf Kilometer – klingt machbar, oder? Nun ja. Der Weg hatte da so seine Überraschungen parat. Sanfte Hügel? Gefühlt waren es kleine Alpenpässe. Eine sandige Passage? Kurz dachte ich, wir wären versehentlich in der Sahara gelandet. Während mein E-Bike tapfer seinen Dienst tat, kam mir doch hin und wieder der Verdacht, dass es heimlich auf „Trainingsmodus“ umgestellt worden war.
Doch dann: Lazise. Mächtige Stadtmauern, ein einladendes Tor – und darüber prangte groß und unübersehbar der Name der Stadt, als wolle sie uns höchstpersönlich zurufen: „Vergesst Bardolino, ihr müsst hier rein!“ Und was sollen wir sagen? Wir sind eben höfliche Menschen.

Kaum durch das Tor getreten, gerieten wir direkt in die Fänge der charmanten kleinen Lädchen. Hier ein bisschen Keramik, dort handgemachte Pasta – und dann ein Geschäft mit Fußballtrikots. Sofort malten wir uns aus, wie Noah und Emilia ausflippen würden, wenn sie in originalgetreuen Miniatur-Trikots durch die Gegend rannten. Also wurde anprobiert, verglichen, diskutiert – und natürlich gekauft. Pflichtbewusste Großeltern eben.
Währenddessen füllten sich die Gassen mit entspannten Touristen und plaudernden Einheimischen. Der Duft von frisch gebackenem Brot und italienischem Gebäck zog durch die Luft, und irgendwo klirrten Gläser, als ob Lazise uns dezent auf einen weiteren unverzichtbaren Punkt hinweisen wollte: eine Pause.
BILDERGALERIE: LAZISE
Wir fanden ein Café direkt am See – perfekte Aussicht, perfekte Stimmung. Es war ja noch Vormittag, also entschieden wir uns selbstverständlich für Cappuccino. Denn wer in Italien nach dem Mittagessen noch einen bestellt, kann sich gleich ein Schild um den Hals hängen: „Hallo, ich bin Tourist.“ Danach gilt nur noch Espresso – ungeschriebenes Gesetz.
Und so saßen wir da, genossen den Moment und fragten uns – braucht es wirklich noch Bardolino, wenn Lazise uns schon so charmant verführt?
Nach unserer kleinen Pause in Lazise schlenderten wir weiter zum Hafen, wo die Fischerboote sanft auf den Wellen schaukelten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Ich grinste Stefan an – dieser spezielle Blick, der in unserer Ehe meist nichts Gutes für ihn bedeutet. Er seufzte schon vorsorglich und fragte: „Also, fahren wir jetzt endlich nach Bardolino?“ Ich nickte feierlich. „Ja gut, Bardolino wartet sicher schon sehnsüchtig auf uns.“
BILDERGALERIE: Bardolino
Also rauf aufs Rad und weiter! Weitere fünf Kilometer – diesmal ohne Wüstendurchquerung, aber mit ein paar sanften Steigungen, die mein E-Bike großzügig ignorierte. Doch schließlich war es so weit: Bardolino!
Die Altstadt begrüßte uns mit ihrem verwinkelten Gassengewirr, das einem charmanten Labyrinth glich. Pastellfarbene Häuser, leicht verwittert, aber mit genau der richtigen Portion Charakter, um „italienischer Postkarten-Traum“ zu schreien. Kleine Boutiquen und Weingeschäfte säumten die Straßen, und alles fühlte sich herrlich entspannt an – kein Stress, kein Lärm, nur die angenehme Melodie des süßen Nichtstuns.
Doch dann – die Überraschung des Tages. Direkt am Hafen stand es: das Touristenbähnchen. Knallbunt, leicht quietschend und bereit, uns Bardolino aus einer völlig neuen Perspektive zu präsentieren. „3 Euro für eine Rundfahrt“, prangte in großen Lettern an der Seite.
Ich war sofort Feuer und Flamme. Stefan hingegen… nicht. Er warf mir diesen skeptischen Blick zu, der irgendwo zwischen „Willst du mich veräppeln?“ und „Ich tu’s nur dir zuliebe“ schwankte. „Echt jetzt?“ fragte er trocken. „Natürlich!“, antwortete ich strahlend, was übersetzt so viel bedeutete wie: „Da kommst du jetzt nicht mehr raus.“
Also gut, hinein ins Abenteuer! Ganze 15 Minuten dauerte die „Sightseeing-Tour“ – und das Wort „Sehenswürdigkeiten“ sollte man dabei nicht allzu wörtlich nehmen. Wir passierten die größten Highlights von Bardolino, darunter den Parkplatz eines Hotels, ein paar Baustellen und den Hintereingang einer Pizzeria. Stefan war… begeistert. Also nicht wirklich. Ich hingegen hatte den Spaß meines Lebens, besonders als unser Bähnchen am Ende hupend am Seeufer entlangzuckelte und die entspannten Spaziergänger uns mit diesem „Oh Gott, die armen Touristen“-Blick hinterherschauten. Perfekt absurd – und genau deshalb großartig.

Kaum waren wir wieder auf festem Boden, beschlossen wir, den Tag auf klassischere Weise fortzusetzen: mit Essen. Ein paar Schritte weiter entdeckten wir ein uriges Restaurant mit einer Terrasse, die uns sofort ins Auge sprang – der perfekte Ort für eine Pause. Wir bestellten Bruschetta, Pizza und – na klar – einen eiskalten Bardolino.
Und genau in diesem Moment, mit einem köstlichen Glas Wein in der Hand, der Sonne auf der Haut und dem Blick auf das bunte Treiben der Stadt, wussten wir: Manchmal sind es nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die kleinen, skurrilen Erlebnisse, die eine Reise unvergesslich machen.
BILDERGALERIE: Ristorante S Martino
14 Uhr. Wir standen wieder bei unseren Fahrrädern und stellten fest: Viel zu früh für den Rückweg. Und da wir Menschen mit einem ausgeprägten „Ach komm, wir schauen mal, was passiert“-Gen sind, beschlossen wir, noch ein Stück weiter nach Norden zu radeln. Drei Kilometer später: Garda.
Und was soll ich sagen? Wieder so ein Städtchen zum Verlieben. Verwinkelte Gassen, charmante kleine Plätze, pastellfarbene Häuser mit Fensterläden, die ein wenig schief, aber dafür umso charmanter wirkten. Ich schlenderte durch die Straßen, bis mich ein Laden voller alberner Hüte magisch anzog. Während ich mich mit Hut Nummer drei vor dem Handy in Szene setzte, tat Stefan so, als würde er mich nicht kennen. Ich ließ ihn in seinem Glauben.
Kurz darauf, gegen 15 Uhr, spazierten wir am Hafen entlang. Und da fiel mir plötzlich etwas ein: „Sag mal, Stefan – wollten wir nicht auf dem Heimweg in Limone del Garda anhalten, um Limoncello zu kaufen?“ Stefan nickte. Ich entdeckte den Ticketschalter und dachte: „Vielleicht fährt ja ein Schiff dorthin?“
BILDERGALERIE: Garda
Der freundliche Herr hinter dem Schalter strahlte uns an und verkündete voller Enthusiasmus: „Ja! Um 15:02 fährt ein Schnellboot!“ Also in exakt zwei Minuten. Wir hätten dann 30 Minuten in Limone, bevor das letzte Boot zurückfährt. „Ah, nee, das ist zu kurz“, sagte ich erst. Doch dann, typisch für mich: „Ach komm, Stefan, kaufen wir die Tickets einfach. Wird schon irgendwie passen.“
Der Verkäufer runzelte die Stirn, warf noch mal einen Blick auf den Fahrplan und kratzte sich am Kopf. „Oh! Ich hab mich verrechnet – ihr habt sogar 50 Minuten!“ Na also! Klingt doch schon viel entspannter!
Jetzt rechnen wir das mal kurz durch: „Gemütlicher Abstecher“ bedeutet bei uns also, dass wir 1,5 Stunden auf einem Schnellboot nach Limone fahren, dort in 50 Minuten Limoncello kaufen und dann wieder 1,5 Stunden zurückschippern – für insgesamt 66 Euro. Für einen Likör, der 17,50 kostet. Nennen wir das noch Urlaub oder ist das schon ein mathematischer Denkfehler?
Doch zum Nachdenken blieb keine Zeit – das Schnellboot legte an! Wir sprangen an Bord, setzten uns ans Fenster und genossen die Aussicht. Auf dem Weg nach Limone hielten wir noch in Salò, Gargnano und Malcesine – und was soll ich sagen? Vom Wasser aus sahen auch diese Städtchen unfassbar schön aus. Während ich mich innerlich schon für neue Tagesausflüge rüstete, rief Stefan mir über das Rauschen des Motors zu: „Lass mich raten – die müssen wir uns auch mal anschauen?“
Pünktlich um 16:30 Uhr erreichten wir Limone sul Garda. Rückfahrt? 17:20 Uhr. Also – Mission Limoncello, los geht’s!
BILDERGALERIE: Garda -> Limone
Limone ist der Zitronenhimmel auf Erden. Zitronen an den Häusern, Zitronen auf den Fliesen, Zitronendeko an den Hausnummern – ich hätte mich nicht gewundert, wenn sogar die Straßenlaternen in Form von Zitronen gewesen wären. Kaum angekommen, hielten wir Kurs auf unser wichtigstes Ziel: Limoncello! Und weil wir ja nicht aus Spaß drei Stunden Boot gefahren waren, wanderten gleich zwei Flaschen des goldgelben Wunders in unsere Einkaufstasche.
Doch Limone hatte noch mehr zu bieten als nur Zitronen. Hügel rauf, Hügel runter – das Dorf glich einer sportlichen Herausforderung mit Postkartenkulisse. Dann entdeckten wir es: das Salami-Haus. Keine Ahnung, ob es wirklich so hieß, aber es hätte auf jeden Fall verdient, so genannt zu werden. Der Duft, der uns aus der Tür entgegenströmte, war einfach himmlisch. Es roch nach Italien, nach Bauernhof, nach „Ihr wollt uns jetzt sofort kaufen.“ Klar, dass wir zwei große Salamis einpackten – zu einem unschlagbaren Preis.
BILDERGALERIE: Limone sul garda
Noch 30 Minuten Zeit. Stefan, der heimliche Spürhund für kulinarische Highlights, entdeckte eine Eisdiele, die ausschließlich Zitroneneis verkaufte. Doch das Beste: Das Eis wurde in einer echten gefrorenen Zitrone serviert! Und was soll ich sagen? Es war göttlich. Kein klassisches Sorbet, sondern cremig, mild und mit einer perfekten Balance zwischen Frische und Süße. Ein Zitronen-Milcheis, wie ich es noch nie gegessen hatte. Ich hatte kurz den Verdacht, dass Limone eigentlich nur gegründet wurde, um diese eine Eisdiele herum.
Doch irgendwann war es Zeit, den Hafen wieder anzusteuern. Stefan, ganz pragmatisch, kaufte noch zwei Flaschen Sprudel und nutzte seinen ausgehöhlten Zitronenbecher als Trinkgefäß. „Schlaue Idee“, dachte ich, während ich grinsend mein letztes Stück Zitroneneis löffelte.

Entspannter Tag? Na klar – auf unsere eigene, leicht chaotische Weise!
Am Hafen erwartete uns eine endlos lange Schlange für das letzte Boot. Während wir noch überlegten, ob unser Zitronen-Glück hier ein jähes Ende finden würde, wurde spontan ein zweites Schiff eingesetzt. Und dann kam das Beste: Dieses fuhr direkt nach Garda – ohne Zwischenstopps.
Eine Stunde später waren wir zurück. So schnell hatte ich gar nicht damit gerechnet. Aber ganz ehrlich? Wer drei Stunden Bootsfahrt für eine Flasche Limoncello in Kauf nimmt, kann über solche Überraschungen nur schmunzeln.
BILDERGALERIE: Limone -> Garda
Noch ein kurzer Spaziergang durch Garda, denn schließlich war es viel zu schön, um einfach so aufzubrechen. Und dann – na klar, was stand da wieder? Dieses alberne Touristenbähnchen. Stefan warf mir einen Blick zu, der keine weiteren Diskussionen zuließ. „Denk nicht mal dran.“ Gut, gut. Diesmal kein hupendes Spektakel für uns.
Also zurück zu den Fahrrädern und ab nach Süden – Richtung Campground. Aber natürlich nicht ohne einen wichtigen Zwischenstopp. Es war Abendessenszeit!
In Lazise stellte sich die Restaurant-Suche als kleine Herausforderung heraus. Alle Tische belegt, Warteschlangen, hektische Kellner – offenbar hatte halb Europa beschlossen, hier zu speisen. Doch mit etwas Geduld und einem geschulten Blick für freie Plätze (und vielleicht auch ein bisschen Glück) ergatterten wir einen perfekten Tisch direkt an der Promenade.
Der Ausblick? Postkartenreif. Die Sonne tauchte den See in goldenes Licht, langsam versank sie hinter den Bergen auf der anderen Seite – eine dieser Szenen, bei denen man sich sicher ist, dass Italien irgendwo einen versteckten Lichttechniker beschäftigt.
Während wir unser Essen genossen, herrschte auf der Promenade dieses wunderbare Abendflair: Paare, die Hand in Hand spazierten, Familien, die noch ein letztes Eis des Tages schleckten, und mittendrin ein Straßenkünstler mit Gitarre, dessen Musik sich perfekt in das Ambiente einfügte.
Es fühlte sich an, als würde der ganze Ort gemeinsam mit uns die letzten Sonnenstrahlen genießen. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Tag. Und diesmal ganz ohne hupende Bimmelbahn.


Hier ist dein Text in deinem typischen Stil – lebendig, humorvoll und mit charmanter Ironie:
Dann wurde es langsam Zeit, die letzten fünf Kilometer zum Campground zurückzuradeln. Klingt einfach, oder? War es aber nicht.
Stockdunkel. Keine Straßenbeleuchtung. Unbefestigte Wege, die sich plötzlich wie eine Offroad-Strecke anfühlten. Ich trat extra vorsichtig in die Pedale, während Stefan vorneweg fuhr, als hätte er Nachtsichtfähigkeiten, von denen ich nichts wusste. Jede Wurzel, jede Unebenheit war ein kleiner Nervenkitzel. Einmal schlug mein Rad ein unerwartetes Hüpferchen, und ich fragte mich kurz, ob ich versehentlich ein Wildschwein überfahren hatte – zum Glück war’s nur ein besonders ambitionierter Stein.
21 Uhr – endlich angekommen. Was für ein Tag! Müde, aber glücklich, schnappten wir uns unsere Badesachen und hüpften noch schnell unter die Dusche. Der Moment, wenn das warme Wasser die letzten Kilometer aus den Muskeln spült? Unbezahlbar.
Danach? Ab ins Bett. Noch ein letzter Blick aus dem Fenster – der See lag ruhig da, nur ein paar vereinzelte Lichter flimmerten in der Ferne. Und morgen?
Morgen geht’s nach Venedig. Ich kann’s kaum erwarten!