Über den Gotthardpass nach Florenz – Unsere Reise in den sonnigen Süden

Es gibt sie, diese Morgende, an denen alles einfach passt. Kein unnötiger Stress, keine Hektik – einfach nur Vorfreude pur. Und genau so startete unser Tag. Pünktlich um 9:15 Uhr rollten wir mit dem Camper vom Hof, bereit für unser nächstes Abenteuer. Der Tank voll, die Stimmung bestens, Italien fest im Blick.

Die Route führte uns vorbei an Herrenberg, hinein auf die Autobahn, Richtung Zürich. Das Wetter? Herbstlich dramatisch. Dichte Wolken zogen über den Himmel, als hätten sie beschlossen, für uns die perfekte Roadtrip-Kulisse zu schaffen. Nicht ungemütlich, nicht unfreundlich – sondern genau die Art von Wolken, die Fernweh verstärken und Lust auf neue Landschaften machen.

Erster Stopp: Vierwaldstättersee. Schon aus der Ferne wirkte er fast magisch. Die dichten Nebelschwaden hingen tief über dem Wasser, als würden sie sich absichtlich fotogen in Szene setzen. Und obwohl der Regen kurz vorher noch unsere Windschutzscheibe gepeitscht hatte – jetzt war es trocken. Perfektes Timing. Wir stiegen aus, holten die Kamera heraus – und staunten.

Vierwaldstätter See

Der See lag still da, als hätte er auf uns gewartet. Die Berge drumherum tauchten immer wieder aus den Wolken auf, verschwanden und erschienen erneut, als würden sie ein geheimnisvolles Versteckspiel mit uns spielen. Jede Aufnahme sah aus wie aus einem Bildband für epische Landschaften.

Ein paar tiefe Atemzüge, ein letzter Blick auf diese fast unwirkliche Szenerie, dann setzten wir uns wieder in Bewegung. Italien rief – und wir waren bereit, ihm zu folgen.

 
Eigentlich hatte unser Navi stur den Gotthard-Tunnel im Visier, doch als echte Abenteurer mit einem Hang zu spontanen Eskapaden entschieden wir uns kurzerhand für den Gotthard-Pass. Eine dieser Eingebungen, die sich im Nachhinein als geniale Idee herausstellen.

Anfangs sah es allerdings nicht danach aus. Dichter Regen peitschte gegen die Windschutzscheibe, der Wind schüttelte unseren Camper wie ein ungeduldiges Kind ein Schneekugelhaus, und der Nebel kroch über die Straße wie eine Geisterarmee auf nächtlicher Patrouille. Nicht unbedingt das, was man sich unter einem malerischen Alpenpanorama vorstellt. Aber dann – magischer Wandel.

Je höher wir kamen, desto mehr lichtete sich die Szenerie. Die Wolken verzogen sich, als würden sie respektvoll Platz für die Aussicht machen, und als wir den Gipfel erreichten, stoppte der Regen abrupt. Die Sonne brach durch, als hätte der Berg uns persönlich mit einem geheimen Willkommensgruß bedacht.

Vor uns lag die gewundene Straße, die sich wie ein Seidenband durch die Berglandschaft schlängelte. Über uns ragten majestätische Felsen in den Himmel, während im Tal das Licht auf den feuchten Wiesen glitzerte. Der perfekte Moment, um einfach nur zu stehen, zu staunen und tief durchzuatmen.

Dann ging es weiter – die italienische Grenze kam näher, die Vorfreude auf den Comer See stieg ins Unermessliche.Doch obwohl wir ihm schon zum Greifen nah waren, blieb uns der ersehnte Blick auf das tiefblaue Wasser verwehrt. Autobahn, Lärmschutzwände, ein paar Bäume – aber kein Comer See in Sicht.

Vielleicht, dachten wir, schenkt er uns auf der Rückfahrt einen besseren Blick. Manche Dinge muss man sich eben verdienen.

Der Gotthard – Wo Naturgewalt auf Ingenieurskunst trifft

 

Der Gotthard ist mehr als nur ein Berg – er ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Europas, ein Stück Schweizer Geschichte und ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Ob als legendäre Passstraßefaszinierender Tunnel oder als weltrekordbrechender Eisenbahntunnel – der Gotthard hat sich über Jahrhunderte immer wieder neu erfunden und bleibt bis heute eine Schlüsselverbindung zwischen Nord- und Südeuropa.

Gotthardpass – Die Straße der Legenden
Der Gotthardpass auf 2.106 Metern Höhe ist seit Jahrhunderten eine der wichtigsten Nord-Süd-Routen durch die Alpen. Schon im Mittelalter quälten sich Händler, Pilger und Heere über die steilen Serpentinen – immer mit dem Wissen, dass dies die direkte Verbindung zwischen der Schweiz und Italien war. Heute zieht die spektakuläre Passstraße nicht nur Autofahrer an, die dem Tunnelstau entgehen wollen, sondern auch Motorradfahrer und Radfahrer, die den Nervenkitzel der engen Kurven und grandiosen Panoramen lieben. Die Passstraße ist nicht nur ein Erlebnis für Abenteurer, sondern auch ein historisches Denkmal: Die berühmte Teufelsbrücke im wildromantischen Schöllenen-Tal erzählt eine Legende, nach der der Teufel höchstpersönlich half, die Brücke zu bauen – natürlich nicht ohne einen düsteren Hintergedanken.

Gotthardtunnel – Ein Meisterwerk unter den Alpen
Wer es lieber schnell und komfortabel mag, entscheidet sich für den Gotthard-Straßentunnel. Mit einer Länge von 16,9 Kilometern gehört er zu den längsten Straßentunneln der Welt und revolutionierte seit seiner Eröffnung 1980 den Alpentransit. Plötzlich war die Durchquerung der Alpen schneller, sicherer und wetterunabhängig. Doch der Tunnel hat eine Besonderheit: Es gibt nur eine Röhre mit Gegenverkehr, was ihn von anderen modernen Tunneln unterscheidet. Lange wurde über eine zweite Röhre diskutiert – mittlerweile ist der Bau beschlossen, damit der Verkehr künftig flüssiger und sicherer wird.

Gotthard-Basistunnel – Der längste Eisenbahntunnel der Welt
Die wohl größte Ingenieursleistung am Gotthard ist der Gotthard-Basistunnel, der 2016 eröffnet wurde. Mit seinen unglaublichen 57 Kilometern Länge ist er der längste Eisenbahntunnel der Welt – und eine echte Revolution für den europäischen BahnverkehrAnstatt sich mühsam über den Berg zu quälen, sausen Züge nun mit bis zu 250 km/h unter den Alpen hindurch. Die Reisezeit von Zürich nach Mailand wurde so erheblich verkürzt, und der Tunnel spielt eine Schlüsselrolle im europäischen Güter- und Personenverkehr.

Der Gotthard – Symbol der Verbindung zwischen Nord und Süd
Ob mit dem Auto über den Pass, durch den Tunnel oder per Zug durch den Basistunnel – der Gotthard ist das Herzstück des Alpenverkehrs. Ein Ort, an dem sich Naturgewalt und Technik auf einzigartige Weise begegnen. Ein Ort, der nicht nur Reisende fasziniert, sondern auch Ingenieure in Staunen versetzt. Und ein Ort, der zeigt: Die Alpen sind eine Herausforderung – aber keine, die man nicht meistern kann.

Kaum hatten wir die Grenze überquert, begrüßte uns Italien mit seinem typischen Verkehrschaos – hupende Autos, temperamentvolle Überholmanöver und eine Straßenführung, die man entweder als kreativ oder komplett willkürlich bezeichnen könnte. Aber dieses Mal waren wir vorbereitet.

Zum ersten Mal hatten wir unser BiP&Go-Badge dabei – und es fühlte sich an, als hätten wir einen magischen Schlüssel zur Autobahnwelt erhalten. Vorbei waren die Zeiten, in denen man sich an der Mautstation halb aus dem Fenster hängen musste, weil die Automaten entweder auf Giraffenhöhe oder direkt über dem Asphalt montiert waren. Vorbei auch die Momente des Kreditkarten-Dramas, bei denen man nie wusste, ob die Karte jetzt akzeptiert wurde oder ob gleich eine verzweifelte Diskussion mit der Sprechanlage anstand.

Aber jetzt? Jetzt waren wir Profis. Ein sanftes „Piep, piep“, die Schranke öffnete sich, und wir rollten durch wie Autobahn-VIPs. Kein hektisches Suchen nach Kleingeld, kein panisches Kramen nach der Karte – nur pure Effizienz und das befriedigende Gefühl, das System durchschaut zu haben.

Und ja, wir gaben es zu: Diese kleine Mautbox machte uns so glücklich, dass wir fast Lust hatten, noch mehr Mautstationen zu durchfahren. Wer hätte gedacht, dass so etwas Banales wie eine elektronische Plakette den Spaß am Autofahren neu entfachen könnte?

Mautstelle

Nun gab es kein Halten mehr. Mit dem Camper auf der Autobahn, der Horizont voller Möglichkeiten und Florenz als nächstes großes Ziel. Die Kilometer rasten dahin, während uns die Vorfreude mit jedem Straßenschild, das die Stadt näher rückte, förmlich elektrisierte.

Wir erinnerten uns an unseren letzten Besuch im März, als wir genau diesen Campground angesteuert hatten. Sauber, gepflegt, perfekt gelegen – der ideale Ausgangspunkt, um Florenz ohne Parkplatzchaos und Verkehrswahnsinn zu erkunden. Und jetzt, ein halbes Jahr später, waren wir wieder hier.

Einchecken? Kein Problem. Der Platz war uns vertraut, der Ablauf routiniert. Camper abstellen, kurz durchatmen – und dann direkt ins große Restaurant, das zum Campground gehört. Denn wenn es eine Sache gab, die wir noch genau wussten, dann wie gut das Essen hier schmeckte.

Ich entschied mich für eine klassische Pizza Margherita – einfach, aber perfekt. Luftig, knusprig, mit genau der richtigen Menge an geschmolzenem Mozzarella, die jede Diät überflüssig macht. Stefan wählte Spaghetti, weil Spaghetti in Italien einfach Spaghetti in Italien sind – und das ist ein kulinarisches Argument, gegen das man nichts einzuwenden hat.

Während wir da saßen, satt und zufrieden, stieß Stefan mit seinem Glas an. „Besser hätte der Abend nicht laufen können.“ Und er hatte recht. Italien hatte uns bereits mit offenen Armen empfangen – und wir waren bereit für alles, was Florenz für uns bereithielt.

Aber erst mal: eine Dusche, dann ab ins Bett. Morgen wartete die Stadt der Kunst, der Kultur und der endlosen Entdeckungen. Und wir konnten es kaum erwarten.

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