
La Dolce Vita: Ein Tag des Treibens und Genießens in Florenz
Heute war alles anders. Keine durchgetaktete Planung, keine Liste mit Sehenswürdigkeiten, die wir strikt abhaken mussten. Stattdessen wollten wir die Stadt einfach auf uns wirken lassen, uns treiben lassen und Florenz genau so erleben, wie es uns an diesem Tag begegnen würde.
Und wie startet man einen solchen freien, ungezwungenen Tag? Natürlich mit einem gemütlichen Frühstück. Das Restaurant des Campingplatzes begrüßte uns mit frisch gebackenen Croissants, die noch warm und buttrig auf unseren Tellern landeten, und einem starken italienischen Kaffee, der selbst die letzten Spuren der morgendlichen Müdigkeit in die Flucht schlug.
Mit dieser perfekten Mischung aus Koffein und guter Laune machten wir uns auf den Weg – entspannt, ohne Eile, bereit für alles, was Florenz für uns bereithielt.
Der Shuttlebus, der uns bereits am Vortag zuverlässig in die Stadt gebracht hatte, rollte auch heute wieder pünktlich an. Einsteigen, zurücklehnen, Florenz entgegenfahren. Kein Stress, kein Zeitdruck – nur pure Vorfreude.
Höher, weiter, Florenz – der Campanile ruft!
Der erste Halt des Tages? Natürlich der Dom. Wie schon gestern zog uns dieses architektonische Meisterwerk magisch an. Es gibt Orte, die man nie oft genug sehen kann – und Florenz’ Wahrzeichen gehört definitiv dazu. Mächtig, faszinierend, voller Geschichte. Und heute wartete eine neue Herausforderung auf mich: Der Campanile di Giotto.
Zum Glück war unser Brunelleschi-Pass noch gültig – eine kleine Erleichterung, denn ein weiteres Ticket hätte unser Reisebudget um genau eine Kugel Gelato geschmälert. Und das konnte wirklich niemand wollen.
Stefan hingegen hatte andere Pläne. Nach seinem gestrigen Treppenmarathon auf die Domkuppel fühlte er sich für den heutigen Aufstieg nicht berufen. Stattdessen entschied er sich für eine weniger schweißtreibende Alternative: einen Espresso in der Sonne, mit bester Aussicht auf das Treiben auf der Piazza. Man muss Prioritäten setzen.
Giottos Campanile – Der elegante Wächter des Doms von Florenz
Wenn es ein Bauwerk gibt, das neben der Santa Maria del Fiore in Florenz heraussticht, dann ist es der Giotto’s Campanile – der filigrane, fast majestätische Glockenturm, der sich mit 84,7 Metern Höhe in den Himmel reckt. Ein gotisches Meisterwerk, benannt nach dem berühmten Maler und Architekten Giotto di Bondone, der den Bau 1334 begann – allerdings starb er drei Jahre später, bevor er sein Werk vollenden konnte.
Seine Nachfolger, Andrea Pisano und Francesco Talenti, setzten das Bauvorhaben fort, wobei Talenti vor allem dafür sorgte, dass der Turm seine elegante, harmonische Erscheinung erhielt. 1359 wurde der Campanile schließlich fertiggestellt – und bis heute ist er einer der schönsten Glockentürme Italiens.
Ein Marmorjuwel aus drei Farben
Was den Campanile so besonders macht, ist seine prächtige Fassadengestaltung. Ähnlich wie der Dom selbst ist er mit farbigen Marmorplatten in Weiß, Grün und Rot verkleidet – eine typisch florentinische Kombination, die ihm ein beeindruckendes, kunstvolles Erscheinungsbild verleiht.
Die unteren Ebenen sind mit kunstvollen Reliefs von Andrea Pisano geschmückt, die biblische Szenen und symbolische Darstellungen zeigen – ein faszinierendes Beispiel für die Detailverliebtheit der gotischen Baukunst.
Der Aufstieg – 414 Stufen zur schönsten Aussicht über Florenz
Wer sich der Herausforderung stellt, die 414 Stufen des Campanile zu erklimmen, wird mit einer der spektakulärsten Aussichten auf Florenz belohnt. Der Weg nach oben führt durch enge, steinerne Gänge, und mit jeder Etage verändert sich die Perspektive auf die Stadt. Der Aufstieg mag anstrengend sein, aber spätestens oben angekommen ist jede Mühe vergessen.
Von der Aussichtsplattform eröffnet sich ein atemberaubender Blick über Florenz, auf die roten Dächer der Stadt, die sanften Hügel der Toskana und natürlich auf die beeindruckende Kuppel des Doms von Brunelleschi, die aus dieser Höhe zum Greifen nah scheint.
Ein Wahrzeichen der Renaissance – freistehend, aber unübersehbar
Im Gegensatz zu vielen anderen Glockentürmen wurde Giottos Campanile als freistehendes Bauwerk entworfen – nicht, um den Dom zu übertreffen, sondern um seine Pracht zu ergänzen. Sein elegantes, schlankes Profil macht ihn zu einer ikonischen Silhouette in der Skyline von Florenz – ein Wahrzeichen, das über die Jahrhunderte hinweg nichts von seiner Faszination verloren hat.
Ob als architektonisches Meisterwerk, kunsthistorische Schatzkammer oder herausfordernder Aussichtspunkt – der Giotto’s Campanile gehört zu den Orten, die man in Florenz nicht nur sehen, sondern auch erleben muss.
Ich dagegen machte mich auf den Weg. Über 400 Stufen trennten mich von der Spitze des Glockenturms. Und wie immer begann alles ganz harmlos. Die ersten Abschnitte waren noch angenehm, die Stufen breit genug, um sich nicht sofort wie ein Kletterer in einem mittelalterlichen Schacht zu fühlen. Doch je weiter ich aufstieg, desto schmaler und steiler wurde es.
Das Licht fiel durch die kleinen Fenster und tauchte die steinernen Wände in ein warmes, goldenes Leuchten. Mit jedem Schritt wuchs der Blick über Florenz – die Dächer rückten immer weiter nach unten, und die Stadt begann, sich wie eine perfekte Postkartenansicht unter mir auszubreiten.
An den Zwischenplattformen legte ich kleine Verschnaufpausen ein – offiziell natürlich nur, um den Ausblick zu genießen. Inoffiziell auch, um die brennenden Oberschenkel zu beruhigen. Doch hier oben blies ein leichter Wind, der eine herrliche Erfrischung nach der Anstrengung bot.
Dann die letzten Stufen – die härtesten. Der Atem wurde schwerer, die Beine schwerer – aber aufgeben? Keine Option. Und dann, endlich, der Moment des Triumphs: Florenz lag mir zu Füßen.

Der atemberaubende 360-Grad-Blick machte jede Anstrengung vergessen. Direkt vor mir ragte die mächtige Kuppel des Doms, ein architektonisches Meisterwerk, das aus dieser Perspektive noch beeindruckender wirkte. Dahinter die verwinkelten Straßen der Altstadt, die sich wie ein Labyrinth durch die Stadt schlängelten. Und in der Ferne? Die sanften Hügel der Toskana, die in der Morgensonne leuchteten.
Nach unzähligen Fotos – denn diese Aussicht musste unbedingt konserviert werden – trat ich den Abstieg an. Und unten? Stefan, tiefenentspannt mit einem Espresso in der Hand, ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht.
“Na, wie war’s da oben?” fragte er grinsend. “Ein bisschen wie ein Hochleistungstraining – aber mit verdammt guter Aussicht.”
Zusammen schlenderten wir weiter – kein Plan, keine Hektik, nur die pure Freiheit, Florenz in unserem eigenen Tempo zu entdecken.
BILDERGALERIE: Giotto’s Campanile
Florenz: Dom oder Glockenturm – Was lohnt sich mehr?
Gut, klären wir das mal: Du stehst in Florenz vor dem gewaltigen Dom und fragst dich, ob du Brunelleschis Kuppel oder Giottos Glockenturm erklimmen sollst? Kein Problem, ich hab beides gemacht (weil ich es wissen wollte) und kann dir sagen: Es kommt darauf an, was du erleben willst.
Die Kuppel: „Wow, ich bin WIRKLICH hier drin!“
Den Dom zu besteigen ist nicht einfach nur Treppensteigen – es ist eine Reise durch die Eingeweide eines Meisterwerks. Du wanderst durch enge Gänge, kletterst zwischen den inneren und äußeren Schalen der Kuppel hindurch und fragst dich irgendwann unweigerlich: „Wie zum Teufel haben die das im 15. Jahrhundert gebaut?“
Das Highlight? Vasaris Fresken des Jüngsten Gerichts. Und die sind nicht nur wunderschön, sondern auch unfassbar dramatisch – unten winden sich die Verdammten in höllischem Elend, während Engel darüber schweben und keinerlei Anzeichen von Mitgefühl zeigen. Ein Kunstwerk mit maximaler Emotionalität.
Der letzte Teil des Aufstiegs? Steil. Eng. Nichts für Klaustrophobiker. Aber sobald du oben bist, vergisst du die brennenden Oberschenkel. Der Blick über Florenz ist schlicht atemberaubend: rote Dächer, sanfte Hügel, der Arno, der sich durch die Stadt schlängelt – und du stehst wortwörtlich auf der Stadtkrone.
Perfekt für:
✅ Geschichts-Fans, die Brunelleschis Genie hautnah erleben wollen
✅ Alle, die sich durch enge Treppen nicht abschrecken lassen
✅ Jeden, der den besten Panorama-Blick auf Florenz sucht
Nicht ideal für:
❌ Klaustrophobiker (einige Gänge sind sehr eng)
❌ Leute mit wenig Zeit – die Tour dauert ihre Weile
Der Glockenturm: „Ich will den besten Blick auf die Kuppel!“
Falls dein Ziel ist, das perfekte Foto von der Domkuppel selbst zu schießen, ist Giottos Glockenturm (Campanile)die bessere Wahl. Von hier aus bekommst du die ultimative Postkartenansicht, mit der Kuppel in all ihrer terrakottafarbenen Pracht.
Die 414 Stufen (kein Aufzug – sorry!) sind definitiv ein Workout, aber angenehmer als der Kuppelaufstieg. Es gibt immer wieder kleine Plattformen, auf denen du durchatmen und so tun kannst, als würdest du nur die Architektur bewundern, während du eigentlich einfach nur versuchst, dein Leben neu zu bewerten.
Was den Campanile besonders macht? Er ist komplett offen – kein stickiger, enger Tunnel, sondern frische Luft und freier Blick. Und weil du oben nicht durchgeschoben wirst wie in der Kuppel, kannst du das Panorama in aller Ruhe genießen.
Perfekt für:
✅ Fotografen, die DAS klassische Florenz-Bild wollen
✅ Alle, die enge Räume lieber meiden
✅ Leute, die einen großartigen Ausblick ohne extreme Anstrengung suchen
Nicht ideal für:
❌ Wer den höchsten Punkt der Stadt erklimmen will (die Kuppel gewinnt)
❌ Wer das „Ich-bin-mitten-im-Dom“-Gefühl erleben will
Also, was sollst du machen?
Wenn du Zeit (und Energie) hast: MACH BEIDES. Die Erlebnisse sind völlig unterschiedlich, und du wirst es nicht bereuen.
Musst du dich entscheiden?
👉 Fürs ikonischste Erlebnis – nimm die Kuppel.
👉 Für den besten Blick auf die Kuppel – nimm den Glockenturm.
Ach ja, buch deine Tickets vorher! Nichts killt die Vorfreude so zuverlässig wie eine endlose Schlange voller Menschen, die dasselbe Ziel haben. Ich spreche aus Erfahrung.
Jetzt schnapp dir bequeme Schuhe, mach dich bereit für den Aufstieg und belohn dich danach mit (sehr viel) Gelato. Hast du dir verdient.
Und ja – das hier ist keine Werbeanzeige, sondern meine ganz persönliche Empfehlung. Wenn du in Florenz bist: Tu dir den Ausblick an. Er ist es wert.
Liebe Grüße – Gabi, die immer noch Muskelkater vom Aufstieg hat
Hier eine Pizza, dort ein Gelato, an einer weiteren Ecke eine dampfende Portion Spaghetti – das Leben musste schließlich in vollen Zügen genossen werden. Und wenn es eine Stadt gibt, in der das zur Pflicht gehört, dann ist es diese.
Obwohl es ein Wochentag war, war Florenz gut besucht – doch anstatt sich davon gestresst zu fühlen, war es genau das, was den Tag so lebendig machte. Ein geschäftiges Murmeln in den Gassen, das Klirren von Kaffeetassen in kleinen Bars, das Lachen von Einheimischen, die sich auf der Piazza unterhielten. Das alles war Florenz – und wir mittendrin.
Es gab nichts, das uns an diesem Tag hätte antreiben können – außer vielleicht der Gedanke an den nächsten perfekten Bissen oder das nächste traumhafte Fotomotiv. Und genau so sollte es sein.
Manchmal kann man einen Tag nicht einfach in Worte fassen – deshalb erwarten euch heute auf dieser Seite eine Vielzahl an Bildern, die die Eindrücke dieses perfekten Tages einfangen. Wir haben Florenz in seiner ganzen Pracht erlebt, uns treiben lassen, jede Ecke durchstreift und dabei völlig vergessen, auf die Uhr zu schauen.
Unsere Spaziergang ohne Plan, aber voller Überraschungen, führte uns als erstes zum Bargello-Museum. Seine massive mittelalterliche Fassade und der malerische Innenhof versetzten uns sofort in eine andere Zeit. Auch wenn wir das Museum selbst nicht besuchten, reichte schon der Anblick dieser eindrucksvollen Architektur, um uns für einen Moment ins Florenz des 14. Jahrhunderts zurückzuversetzen.
Hier, im Herzen von Florenz, fühlten wir uns, als wären wir mitten in einem Renaissance-Gemälde gelandet. Prächtige Statuen, darunter eine Kopie von Michelangelos David, umringt von imposanten Palästen – und eine Atmosphäre, die vor Leben sprühte.
Nur ein paar Schritte weiter standen wir vor den berühmten Uffizien, Heimat einiger der größten Kunstwerke der Welt. Die lange Schlange der Besucher, die darauf warteten, Botticellis „Die Geburt der Venus“ und da Vincis Meisterwerke zu sehen, war beeindruckend – doch wir entschieden uns für einen anderen Zugang zur Kunst: beobachten, staunen und das Geschehen von außen genießen.
Diese postkartenreife Brücke, mit ihren kleinen, bunten Häusern und den goldschimmernden Juweliergeschäften, war ein weiteres Highlight. Ein Spaziergang hier fühlte sich an, als wären wir auf einer Zeitreise. Zwischen all den Touristen, Künstlern und Straßenhändlern war es fast unmöglich, nicht kurz stehen zu bleiben und die Szenerie einfach auf sich wirken zu lassen.
Unser Weg führte uns zum Palazzo Pitti, diesem gewaltigen Bau, der einst als Herrschaftssitz der Medici diente. Aber statt uns in die kunstvollen Räume zu stürzen, zog es uns in eine kleine Trattoria ganz in der Nähe. Und wie es sich für eine gute toskanische Mahlzeit gehört: Frisch, simpel, unvergesslich.
Mit vollen Bäuchen und bester Laune landeten wir schließlich auf der Piazza della Repubblica – einem Platz voller Leben, Musik und Straßenkünstler, die die perfekte Kulisse für unseren Nachmittag boten.
Unser letzter Stopp? Die Piazza Santa Croce. Die prächtige Basilika Santa Croce, mit ihrer strahlend weißen Fassade, thronte über dem Platz, während wir uns einfach auf eine Bank setzten und den Tag ausklingen ließen.
Jede dieser Stationen erzählt ihre eigene Geschichte – und genau diese Momente haben wir mit der Kamera festgehalten. Denn manchmal sind es nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, die eine Stadt so besonders machen, sondern die kleinen Details, die einen für immer begleiten.
BILDERGALERIE: UNterwegs in Florenz
Gegen 17 Uhr machten wir uns langsam auf den Rückweg zum Campingplatz – entspannt, zufrieden und mit dem Gefühl, einen Tag voller Eindrücke in Florenz perfekt ausgekostet zu haben. Doch bevor der Abend endgültig ausklang, gab es noch eine kleine Mission: ein kurzer Stopp im Supermarkt auf dem Gelände.
Unser Plan? Ein Abendessen im Freien – italienischer Stil, pure Gemütlichkeit.
Die Einkaufsliste war kurz, aber ziemlich verführerisch: frisch gebackenes Ciabatta, eine Flasche toskanischen Weins und ein T-Bone-Steak, das den Grill herausforderte. So sollte unser letzter Abend in Florenz gefeiert werden.
Die Rollenverteilung? Ganz klar: Stefan – der Grillmeister. Ich – die Tischchefin.
Gerade als wir unseren Grill auspackten, fiel mir jedoch etwas auf. Seltsam – niemand auf dem Campingplatz grillte.Keine rauchenden Grills, keine verführerischen Düfte in der Luft. Irgendwas stimmte hier nicht. Ein ungutes Gefühl beschlich mich, also ging ich zur Rezeption, um sicherheitshalber nachzufragen. Und tatsächlich: Eigene Grills waren hier verboten.
„Aber es gibt einen Münzgrill am Gemeinschaftsgrillplatz!“ erklärte mir die freundliche Dame an der Rezeption mit einem Lächeln, als hätte sie mir gerade eine großartige Alternative präsentiert. Mist.
Ich ging mit dieser neuen, eher ungewollten Information zurück zu Stefan, der mich erwartungsgemäß mit einem Gesichtsausdruck empfing, der irgendwo zwischen genervt und ungläubig lag. „Du willst mir sagen, dass wir jetzt mit Münzen grillen müssen?!“
„Ja.“
„Echt jetzt?„
„Ja.“
Kurz herrschte Schweigen. Dann ein Seufzen. Aber was blieb uns anderes übrig? Das Fleisch war da, der Hunger auch – also nahmen wir es gemeinsam mit der Technik auf. Mission: Münzgrill.
Wir schnappten unser Steak, unser Ciabatta, die Münzen – und marschierten etwas widerwillig zum Grillplatz. Die Grill-vor-dem-Wohnmobil-Romantik war dahin, aber Aufgeben war keine Option.
Jetzt wurde es technisch.
Wir gingen streng nach Anleitung vor:
- Münze einwerfen.
- Vorheizen.
- Fleisch drauf.
- Nicht darüber nachdenken, dass wir gerade einen Grill-Automat mit unser Steak anvertrauen.
Und – Überraschung! Das Ergebnis war gar nicht so übel.
Zugegeben, die Atmosphäre war nicht ganz das, was wir uns vorgestellt hatten. Kein entspanntes Grillen neben unserem Camper, kein Glas Wein in der Hand, während das Feuer knistert. Stattdessen ein Grill, der nach exakt 15 Minuten automatisch ausging und uns quasi zwang, mit der Gabel in der Hand auf die Uhr zu schauen.
Aber das Fleisch? Das war perfekt. Saftig, würzig, auf den Punkt. Stefan – immer noch skeptisch – nahm den ersten Bissen, kaute, nickte dann anerkennend. „Schmeckt.“ Ich musste lachen. „Na siehst du.“
Also setzten wir uns doch noch mit unserer Beute an unseren Campingtisch, öffneten die Weinflasche und stießen an. Florenz hatte uns ein unerwartetes Grillabenteuer beschert – aber am Ende zählte nur der Geschmack. Und der war fantastisch. Während wir das Essen genossen, sprachen wir über das, was als Nächstes anstand: Morgen geht’s weiter nach Rom.
Und wenn es mal mit dem grillen überhaupt nicht funktionieren will – hier ein noch paar Restaurant Tipps für Florenz:
Die besten Restaurants in Florenz, die Einheimische wirklich lieben
Florenz ist vollgepackt mit Restaurants, die sich als „authentisch“ bezeichnen, aber mal ehrlich – viele davon sind nichts weiter als überteuerte Touristenfallen mit aufgewärmter Pasta. Wer wirklich essen will wie ein echter Florentiner, muss wissen, wo die Einheimischen hingehen.
Wenn du also keine Lust auf laminierte Speisekarten hast und die echten Aromen von Florenz probieren willst, dann ab in diese Lokale:
Trattoria Sergio Gozzi – Die unscheinbare Legende
Wer hier einfach vorbeiläuft, verpasst etwas Großes. Direkt hinter San Lorenzo versteckt sich ein unspektakuläres Lokal mit einer spektakulären Geschichte: Seit 1915 wird hier bodenständige, hausgemachte toskanische Küche serviert.
Was du probieren musst: Die Ribollita (toskanische Brotsuppe) verändert Leben, und das Peposo (in Rotwein und Pfeffer langsam geschmortes Rindfleisch) schmeckt, als hätte es die letzten paar Jahrhunderte im Topf verbracht.
Achtung: Nur mittags geöffnet, immer voll – also entweder früh kommen oder Wartezeit einplanen.
Trattoria Sostanza – Das Butterhähnchen, nach dem nichts mehr gleich ist
Wenn du in Florenz nur ein einziges Gericht essen kannst, dann bitte hier das Pollo al Burro. Klingt banal – ist es aber nicht.
Das Hähnchen wird in absurden Mengen Butter in einer höllisch heißen Pfanne gebraten, bis es außen knusprig, innen zart und einfach perfekt ist. Das Rezept ist seit 1869 unverändert – und ich hoffe inständig, dass das so bleibt.
Was du probieren musst: Ganz klar, das Butterhähnchen.
Es gibt gemeinschaftliche Tische, also stell dich darauf ein, deinen Platz mit Fremden zu teilen.
Osteria Vini e Vecchi Sapori – Das Lokal, das Touristen hasst (außer, du isst wie ein Einheimischer)
Hier steht am Eingang unmissverständlich: „Keine Pizza, kein Cappuccino, kein Eis.“ Übersetzung: Wir kochen, worauf wir Lust haben, und wenn dir das nicht passt – Pech gehabt.
Genau das macht den Laden so großartig. Die Speisekarte wechselt täglich, weil nur das serviert wird, was frisch auf dem Markt zu haben ist.
Wenn es Pici Cacio e Pepe gibt (handgerollte Pasta mit Pecorino und Pfeffer), dann bestellen, ohne nachzudenken. Ebenfalls unschlagbar: Pappardelle mit Wildschweinragout.
Reservieren ist Pflicht – das Lokal ist winzig und selbst in der Nebensaison voll.
Trippaio del Porcellino – DER Streetfood-Stand
Jetzt wird’s ernst: Lampredotto. Florenz’ legendärstes Streetfood, nichts für Zartbesaitete. Es besteht aus dem vierten Magen einer Kuh (ja, bleib dran), wird stundenlang in einer geheimen Brühe gekocht und landet mit einer scharfen grünen Soße in einem knusprigen Brötchen. Rustikal, saftig, intensiv – das ist Florenz zum Reinbeißen.
Was du probieren musst: Das Lampredotto-Sandwich, am besten mit extra viel Soße.
Mutprobe: Bestell es „bagnato“ – dann wird das Brötchen vorher nochmal in die heiße Brühe getunkt.
Alla Vecchia Bettola – Die Pasta, die eine Legende wurde
Hier gibt es keine Deko, keine Schnörkel, nur volles Haus, laute Gespräche und pures Essen.
Das berühmteste Gericht? Penne alla Vecchia Bettola – eine scharfe Pasta mit Wodka-Tomatensoße, so gut, dass halb Florenz versucht, sie zu kopieren. Aber nirgends schmeckt sie wie hier.
Was du probieren musst: Penne alla Vecchia Bettola, keine Frage. Und wenn du noch Platz hast, die Bistecca alla Fiorentina.
Keine Reservierungen – also entweder früh da sein oder Wartezeit einplanen.
Da Ruggero – Das Gefühl, in Omas toskanischer Küche zu sitzen
Etwas außerhalb des Stadtzentrums, aber genau deshalb eine echte Perle. Hier gibt’s ehrliches Florentiner Essen, ohne Schnickschnack, ohne Touristenmassen. Nur Einheimische, die seit Jahrzehnten hierherkommen.
Leider habe ich noch nicht jedes dieser Restaurants persönlich getestet – aber sie stehen ganz oben auf meiner kulinarischen To-do-Liste für den nächsten Florenz-Besuch. Wenn du also schneller bist als ich, lass mir gern einen Tipp da. Und vergiss nicht: In Florenz isst man nicht einfach nur – man genießt.
Buon appetito und liebe Grüße, deine Gabi