
Venedig Highlights: Campanile-Ausblick und Basilika-Besichtigung
Ein neuer Tag in Venedig – und was für einer! Statt strahlendem Sonnenschein erwartete uns eine Wand aus dichtem Nebel, die die Lagune in eine geheimnisvolle, wattige Suppe verwandelte. Von der üblichen Aussicht? Keine Spur.
Ich blinzelte aus dem Camperfenster und dachte unwillkürlich: „Sieht aus, als hätte jemand einen XXL-Cappuccino umgekippt.“ Der Gedanke an einen echten Cappuccino war verlockend – doch erst mal stellte sich eine wichtigere Frage: „Ob unser Wassertaxi heute überhaupt fährt?“
Stefan warf einen skeptischen Blick hinaus. Ich sah Neugierde, vielleicht auch ein kleines bisschen Hoffnung, dass wir aus Versehen in Dubrovnik landen.

Doch Punkt 9 Uhr durchbrach ein vertrautes Brummen die Stille. Unser treues Shuttle-Boot tauchte plötzlich aus dem Nichts auf – wie ein Geisterschiff, das direkt aus einer Piratenlegende gesegelt kam. Der Kapitän? Ein wettergegerbter Venezianer mit dem Charme eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Seine Botschaft war klar: „Alles wird gut.“
Während wir durch die Lagune tuckerten, begann sich die Welt langsam zu entwirren. Die ersten Konturen von Palazzi, Brücken und Gondeln schälten sich aus dem Nebel, wie eine alte Polaroidaufnahme, die langsam an Schärfe gewinnt.


Es war still, magisch – ein bisschen Hitchcock, ein bisschen Venedig im 19. Jahrhundert. „Man könnte fast meinen, wir sind in einem Film von Hitchcock,“ witzelte ich.
Stefan, weniger begeistert von mysteriöser Nebel-Romantik, schielte auf das dunkle Wasser, wo Gondeln wie schwarze Schatten lautlos dahinglitten. „Ich hoffe, der Nebel verzieht sich bald.“
Ich hingegen war mir nicht sicher. Denn manchmal macht genau das Unerwartete eine Stadt erst richtig unvergesslich.

Von der Haltestelle Zattere aus starteten Stefan und ich voller Vorfreude unsere Mission: Frühstück. Gestern hatten wir ein kleines, charmantes Café entdeckt, in dem frühmorgens die Gondoliere saßen, Espresso schlürften und Croissants knabberten. „Wenn die hier essen, muss es gut sein,“ hatten wir gedacht. Heute wollten wir uns genau dort unser Frühstück gönnen.
Doch das Schicksal – oder eher ein kleines, gemeines Schild – hatte andere Pläne. „Chiuso.“ Geschlossen.
„Na toll,“ brummte Stefan. Ich zuckte nur mit den Schultern. „Dann eben ein improvisiertes Abenteuer-Frühstück!“
Und so begann unsere kulinarische Schatzsuche durch Venedigs verwinkelte Gassen. Der Plan? Keiner. Die Strategie? Einfach loslaufen und schauen, wo es gut riecht.
Unser Weg führte uns vorbei am Contarini del Bovolo, der berühmten Wendeltreppe, die wir im März bereits erklommen hatten ( Beweisfotos findet ihr hier! ). Damals war die Aussicht von oben spektakulär, aber heute?
„Ich habe mein Treppenlimit für dieses Jahr schon ausgeschöpft,“ erklärte Stefan augenzwinkernd. Fairer Punkt.Also ließen wir die Stufen links liegen und tauchten weiter ins Labyrinth der Stadt ein – mit leerem Magen, aber ungebrochener Entschlossenheit. Und dann – wie es in Venedig so oft passiert, wenn man einfach ziellos umherirrt – stolperten wir über ein kleines Juwel.
Draußen standen hübsch dekorierte Tischchen, drinnen duftete es nach frisch gebrühtem Kaffee und ofenwarmem Gebäck. Sofort war klar: Hier bleiben wir.
Wir bestellten Sandwiches, knusprige Cannoli und – selbstverständlich – Cappuccino. Und nicht irgendeinen Cappuccino. Der war so cremig, dass man ihn fast als Dessert hätte durchgehen lassen können. „Das ist nicht einfach Kaffee, das ist Kunst,“ verkündete ich begeistert und bewunderte die liebevoll in den Milchschaum gezauberten Motive. Stefan, der gerade an seinem Sandwich kaute, nickte nur und murmelte trocken: „Ja, ja.“ Aber ich wusste: Auch er war längst überzeugt.
Nach diesem köstlichen Frühstück ließen wir uns noch eine Weile von der Atmosphäre des erwachenden Venedigs einlullen. Es war, als würde die Stadt langsam ihre Gardinen aufziehen, um uns mit einem herzhaften „Buongiorno!“ zu begrüßen.
Stefan zelebrierte seinen Cappuccino bis auf den letzten Schaumrest, während ich eine moralische Grundsatzdebatte mit mir selbst führte: Könnte ein zweites Cannolo als „Snack für unterwegs“ durchgehen? Letztendlich gewann – wider Erwarten – die Vernunft. Oder sagen wir, die Erkenntnis, dass Venedig noch genug Versuchungen bereithielt, um mich später schwach werden zu lassen. Mit frischem Tatendrang setzten wir unseren Spaziergang fort. Unser nächstes Ziel? Die Piazza San Marco, das Herzstück Venedigs.
Der Campanile, die imposante Turmspitze des Platzes, steckte noch in einem sanften Nebelschleier, als hätte Venedig ihm für den Morgen einen gemütlichen Bademantel verpasst. Doch langsam begann die Sonne, diesen Mantel zu lüften. Hier und da blitzten erste blaue Flecken am Himmel hervor – ein vielversprechender Start in einen perfekten Tag.
Vorbei an den Tauben, die schon wieder damit beschäftigt waren, ahnungslose Touristen mit mitleidserregenden Blicken um Futter anzubetteln, steuerten wir den Dogenpalast an.
Seine filigrane Fassade leuchtete in den ersten Sonnenstrahlen auf, als wolle sie sagen: „Seht her, hier residierte einst wahre Macht!“ Die kunstvollen Muster und Bögen wirkten wie Spitzenarbeit aus Stein – so elegant und prunkvoll, dass man sich fast fragte, ob es wirklich nötig war, so viel Eindruck zu schinden. Aber gut, Venedig war schließlich nie für Zurückhaltung bekannt.
Unser Weg führte uns schließlich zur Riva degli Schiavoni, der lebhaften Uferpromenade, wo sich das bunte Treiben der Stadt entfaltete. Händler priesen ihre Waren an, Touristen zückten ihre Kameras, und irgendwo versuchte ein Straßenmusiker verzweifelt, O sole mio gegen das allgemeine Stimmengewirr durchzusetzen.
BILDERGALERIE: Piazza San Marco & Palazzo Ducale
Dann überquerten wir die Ponte della Paglia, von der aus sich der wohl ikonischste Blick auf die Seufzerbrücke – die Ponte dei Sospiri – eröffnete. Auf den ersten Blick eine romantische, fast verspielte Brücke. Doch der Schein trügt. Denn ihre Geschichte ist alles andere als ein Liebeslied.
Die Seufzerbrücke verband einst den Dogenpalast mit den düsteren Gefängnissen der Stadt. Die Legende besagt, dass die Gefangenen von hier aus einen letzten sehnsuchtsvollen Blick auf die Lagune warfen und seufzten noch einmal, bevor sie ins Ungewisse ihrer Strafe geführt wurden.
Plötzlich klang „Seufzerbrücke“ weniger nach Poesie – und mehr nach der venezianischen Version von „Game over“. „Und die Touristen denken hier an Hochzeiten und Liebesschwüre,“ murmelte Stefan trocken. Tja, Venedig eben – eine Stadt voller Romantik. Und dunkler Geschichten.

Wir standen eine Weile dort, fasziniert von der Geschichte – und umzingelt von einer Touristenarmee, die sich um den besten Fotospot prügelte. Ein seltsamer Kontrast: Millionen Menschen schwärmen von einer Brücke, die im Grunde nur der venezianische „Weg in den Knast“ war. Aber gut, Venedig schafft es eben, selbst das Tragischste in ein Postkartenmotiv zu verwandeln.
Doch jetzt beginnt der Souvenir-Overload. Unser Weg führte uns weiter entlang der Riva degli Schiavoni, der wohl geschäftigsten Uferpromenade Venedigs. Und damit geradewegs in die Höhle der Souvenirlöwen.
Links und rechts eine schier endlose Reihe von Läden, die alles verkauften, was das Venedig-Klischee hergibt – und noch ein bisschen mehr.
- Bunte Masken, so kunstvoll verziert, dass man sich fragte, ob sie wirklich für den Karneval gedacht waren oder eher für eine Museumsvitrine.
- Murano-Glas in allen Formen, Farben und Preisklassen – von filigranen Schmuckstücken bis zu prunkvollen Schalen, die man nur mit Samthandschuhen anfassen möchte.
- Handbemalte Postkarten, die förmlich aus den Schaufenstern herausriefen: „Komm schon, gönn dir!“
Die Versuchung war allgegenwärtig. Aber wir hielten standhaft dagegen. Zumindest vorerst. Statt dem ersten Impulskauf des Tages ließen wir uns einfach treiben, genossen das bunte Treiben um uns herum. Straßenkünstler jonglierten, musizierten oder zauberten, während unbeeindruckte Tauben versuchten, Touristen um ein Stück Gebäck zu erleichtern. Das Plätschern der Gondeln auf der Lagune war die perfekte Hintergrundmusik – sanft, rhythmisch, irgendwie beruhigend.
Es fühlte sich an, als wäre die Stadt selbst ein lebendes Kunstwerk. Mit jedem Schritt offenbarte sie uns eine neue Szene, eine neue Perspektive – und natürlich auch eine neue Gelegenheit, Geld auszugeben. Aber dazu später mehr.
BILDERGALERIE: Gondola
Der Morgennebel hatte sich größtenteils verzogen, doch der Canal Grande und die Gondeln hielten ihn offenbar noch ein bisschen fest – als könnten sie sich nicht so ganz von ihrer geheimnisvollen Silhouette trennen. Es war, als wolle Venedig sagen: „Romantik gibt’s hier nur mit einer Prise Dunst.“
Selbst die Abbazia di San Giorgio Maggiore, normalerweise der unumstrittene Star am Lagunenhorizont, tauchte nur schemenhaft aus dem Dunst auf. Ihr Umriss verschwamm in der Ferne, wie eine geheimnisvolle Figur aus einem venezianischen Märchen, die sich nie ganz zeigt.
Nach unserem Spaziergang entlang der Promenade und dem ikonischen Blick auf die Seufzerbrücke verschlug es uns an einen ganz besonderen Ort: die Libreria Acqua Alta. Versteckt in einer schmalen Gasse, nur einen Katzensprung vom Platz San Giovanni e Paolo entfernt, wartete ein kleines Paradies auf uns. Oder besser gesagt: ein labyrinthisches Chaos aus Büchern.
Schon der Eingang ließ keinen Zweifel daran, dass wir hier keine gewöhnliche Buchhandlung betraten. Bücherstapel bildeten eine Art schiefen Ehrenbogen, aus dem Inneren kam ein Rascheln – die Katze des Buchladens auf Erkundungstour und ein dezenter Geruch nach Papier, Geschichte und einem Hauch Abenteuer lag in der Luft.
Der Name „Acqua Alta“ – „Hochwasser-Buchhandlung“ – ist hier Programm. In einer Stadt, die regelmäßig mit steigenden Wasserspiegeln kämpft, hat man hier eine, sagen wir mal, sehr venezianische Lösung gefunden: Bücher lagern nicht nur in Regalen, sondern auch in alten Badewannen, Fässern und sogar einer echten Gondel.
Überschwemmungsschutz? Check. Kreativer Wahnsinn? Doppelt Check.
Ein Buchladen, der sich den Launen der Lagune nicht nur anpasst, sondern sie mit einem Augenzwinkern in seine DNA aufgenommen hat. Und genau deshalb wollten wir hier noch ein bisschen länger bleiben.
BILDERGALERIE: Libreria Acqua Alta
Das Innere der Buchhandlung glich einer Mischung aus magischem Durcheinander und bibliophilem Wunderland.Enge Gänge schlängelten sich durch den Raum, vollgestopft mit Büchern in jeder erdenklichen Sprache, als hätte jemand eine literarische Weltreise in einen einzigen Laden gepresst.
Überall stapelten sich Papierberge bis unter die Decke – eine Herausforderung für jeden, der sich nicht zwischen „Schatzsuche“ und „Lawinengefahr“ entscheiden konnte. Es roch nach altem Papier, nach Geschichten, nach jahrzehntelanger Buchliebe. Im Hintergrund spielte leise Musik – oder vielleicht war es nur das Flüstern der Seiten, die darauf warteten, entdeckt zu werden.
Und dann, als wäre all das nicht schon skurril genug, stießen wir im Hinterhof auf eine kleine Sensation: Eine Bücherstiege. Ja, eine echte Treppe, kunstvoll aus alten, nicht mehr verkaufbaren Büchern gestapelt. Der Clou? Von oben bot sich ein perfekter Blick auf den angrenzenden Kanal – als hätte Venedig beschlossen, die Literatur buchstäblich auf ein neues Level zu heben.
Die Libreria Acqua Alta war nicht einfach nur ein Ort, um Bücher zu kaufen. Sie war ein Manifest gegen Perfektionismus, eine Hommage an das organisierte Chaos – und eine Liebeserklärung an die Stadt, die sich niemals unterkriegen lässt.
Wir hätten hier Stunden verbringen können. Aber der Tag in der Lagunenstadt rief, und Venedig wartet bekanntlich nicht. Mit einem letzten Blick auf das literarische Wunderland verließen wir diesen magischen Ort – im Wissen, dass manche Buchhandlungen mehr sind als nur Geschäfte. Sie sind Erlebnisse.

Schon zu Hause hatten wir Tickets für den Campanile di San Marco gebucht – eine Entscheidung, die sich als verdammt clever erwies. Während sich die Warteschlange der spontanen Besucher gemächlich um den halben Markusplatz wickelte, konnten wir mit einem lässigen Online-Ticket-Winken direkt durchgehen. Timing ist eben alles.
Der Morgennebel hatte sich inzwischen vollständig verzogen, und Venedig strahlte in all seiner glitzernden Pracht. Die Lagune funkelte, die Sonne wärmte angenehm, und wir hatten den perfekten Moment erwischt, um die Stadt aus der Vogelperspektive zu erleben.
Unten angekommen, mussten wir erst mal die Köpfe in den Nacken legen, um die Spitze des Campanile zu erspähen. Fast 100 Meter ragt der Glockenturm in den Himmel, einst ein Leuchtturm für Seefahrer, heute eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
Glücklicherweise mussten wir uns die Stufen nicht hinaufquälen – ein moderner Aufzug brachte uns bequem nach oben. „Das nenne ich mal Service,“ kommentierte Stefan, als wir uns mit einer Gruppe Touristen in die Kabine quetschten. Doch als sich die Türen öffneten, wurden wir schlagartig still.

Der Anblick war einfach atemberaubend. Venedig lag uns buchstäblich zu Füßen – ein rotes Ziegeldachmeer, durchzogen von den schimmernden Wasserstraßen, die diese Stadt so einzigartig machen. Die Lagune glitzerte, als hätte jemand einen Eimer flüssiges Gold hineingeschüttet, und in der Ferne zeichneten sich die schneebedeckten Alpen ab – ein Kontrast, der fast surreal wirkte.
Direkt unter uns lag die Piazza San Marco, aus dieser Höhe wirkte sie wie ein kunstvoll angelegtes Schachbrett. Die Menschen darauf? Winzige Ameisen, die geschäftig durch die Szenerie wuselten.
Die Basilica San Marco funkelte in der Sonne, ihre goldenen Verzierungen ein Meisterwerk – egal, aus welcher Perspektive. Unser Blick wanderte weiter: Im Osten leuchteten die bunten Inseln Murano und Burano wie Farbkleckse in der Lagune, im Westen glitzerte die Rialtobrücke – filigran wie ein Schmuckstück über dem Canal Grande.
Sogar die Lido-Insel war am Horizont auszumachen – ein Beweis dafür, wie weit der Blick von hier oben reichte. „Es fühlt sich an, als könnte man die ganze Stadt umarmen,“ murmelte ich. Stefan nickte nur – zu beeindruckt für seine üblichen ironischen Kommentare.
BILDERGALERIE: Campanile di San Marco Aussichtsplattform
Doch der Campanile hatte noch ein Highlight für uns parat. Punkt 12 Uhr – die Glocken erwachten zum Leben. Ein tiefer, donnernder Klang erfüllte die Luft, der gesamte Turm vibrierte, und wir zuckten instinktiv zusammen. Mit einem Lachen hielten wir uns die Ohren zu, während sich die mächtigen Schläge wie eine Schallwelle über die Lagune rollten.
„Jetzt weiß ich, warum sie das hier ein Highlight nennen,“ rief ich zu Stefan – nicht, dass er mich über den Lärm hinweg hören konnte. Als die letzten Schläge verklangen, holte ich noch einmal die Kamera hervor.
Die Sonne stand perfekt, die Stadt funkelte, und ich versuchte, jedes Detail festzuhalten. Aber selbst die beste Kamera konnte nicht das einfangen, was hier oben wirklich zählte: der sanfte Wind, der durch die Balken strich, das leise Echo der Stadt, das von unten zu uns hinauftrug und dieses überwältigende Gefühl von Freiheit und Verbundenheit mit diesem einzigartigen Ort.
Nach einer gefühlten Ewigkeit fuhren wir schweren Herzens wieder nach unten. Der Trubel der Piazza San Marco holte uns zurück in den Alltag, doch in Gedanken schwebten wir noch immer über den Dächern von Venedig. Mit unzähligen Fotos, einem Kopf voller Eindrücke und einem zufriedenen Lächeln machten wir uns auf den Weg – bereit für das nächste Abenteuer.
Venedig, du bist wirklich ein Volltreffer.
BILDERGALERIE: Campanile di San Marco
Venedig zum Mitnehmen – Live-Übertragung aus der Lagunenstadt
Nach unserem beeindruckenden Besuch auf dem Campanile di San Marco, mit einem Blick über Venedig, der selbst Stefan kurz sprachlos gemacht hatte (eine Seltenheit), setzten wir unseren Weg zurück zur Riva degli Schiavoni fort.
Die Luft war jetzt klar, die Sonne wärmte angenehm, und Venedig präsentierte sich in voller Postkarten-Perfektion. Es war einer dieser Tage, an denen man fast glauben könnte, die Stadt wolle sich von ihrer besten Seite zeigen – vielleicht für uns, vielleicht für die unzähligen Kameralinsen, die sie täglich einfangen.
An der lebhaften Promenade angekommen, steuerten wir zielstrebig die Vaporetto-Haltestelle an. Unser nächstes Ziel: die Ponte di Rialto, eine der bekanntesten Brücken der Stadt.
Zum Glück mussten wir nicht lange warten. Das Vaporetto kam, wir stiegen ein – und plötzlich waren wir wieder mitten in dieser einzigartigen Szenerie. Während wir den Canal Grande entlangschipperten, ließ ich die sanfte Brise und die vorbeiziehenden Palazzi auf mich wirken. Diese Stadt war einfach ein lebendiges Gemälde. Und dann kam mir eine Idee.
„Warum lassen wir Oli und die Kinder nicht ein bisschen an diesem Moment teilhaben?“ Stefan grinste, und keine Minute später hatten wir einen Videocall gestartet. „Seid ihr wirklich auf einem Boot in Venedig?!“ Oli nahm den Anruf entgegen, und plötzlich erschienen Noah und Emilia im Bild – mit Augen so groß wie Murano-Glaskugeln.
„Seid ihr wirklich auf einem Boot in Venedig?!“ rief Noah begeistert, während Emilia neben ihm fröhlich winkte. Ihre Aufregung war so ansteckend, dass wir unwillkürlich lachten. „Da hinten ist die Rialtobrücke! Seht ihr sie schon?“ fragte Stefan, während Noah eifrig nickte und Emilia mit offenem Mund auf den Bildschirm starrte.
„Könnt ihr auch Gondeln sehen?“ fragte sie neugierig. Ich lachte und drehte die Kamera zu einer Gondel, die zufällig genau in diesem Moment an uns vorbeizog – mit einem Gondoliere in klassischem Streifenhemd und Strohhut. „Hier sind sie – und die Fahrer haben sogar Streifenhemden an!“ Das löste pure Begeisterung aus.
Noah und Emilia kreischten vor Freude, als hätten wir gerade einen Zaubertrick vorgeführt. Für einen Moment fühlte es sich so an, als wären sie tatsächlich bei uns, mitten auf dem Canal Grande, umgeben von Geschichte, Wasser und diesem besonderen venezianischen Flair. Venedig hatte uns alle in seinen Bann gezogen – selbst über Hunderte von Kilometern hinweg.
BILDERGALERIE: Canal Grande
Schließlich erreichten wir die Haltestelle nahe der Rialtobrücke – und wurden direkt in den geschäftigen Strudel des venezianischen Alltags katapultiert. Händler priesen lautstark ihre Waren an, Straßenkünstler jonglierten mit glühenden Fackeln (definitiv nichts für Gondeln mit Holzbauweise), und zwischen all dem wuselte eine bunte Mischung aus Touristen, Einheimischen und vermutlich ein paar sehr cleveren Tauben, die sich die besten Futterplätze strategisch gesichert hatten.
Es war laut, chaotisch – und genau das machte diesen Ort so faszinierend. Die Rialtobrücke selbst ragte vor uns auf, majestätisch, voller Geschichte, voller Leben. „Bereit für den besten Blick über den Canal Grande?“ fragte ich Stefan. Er nickte – oder zumindest deutete er ein Nicken an, während er einem Selfie-Stick knapp auswich.
Natürlich konnte kein Besuch an der Rialto ohne eine ausgedehnte Fotosession stattfinden.
- Die Brücke selbst? Fotografiert.
- Die prunkvollen Palazzi, die sich im Wasser spiegelten? Ebenfalls festgehalten.
- Das perfekte Zusammenspiel aus Licht, Wasser und jahrhundertealter Architektur? In zehn verschiedenen Winkeln abgelichtet.
Kurz gesagt: Venedig hatte mal wieder geliefert.
Und dann ließen wir uns einfach treiben. Durch enge Gassen, die sich mit jeder Biegung anders anfühlten. • Mal quirlig und voller Leben, mit Händlerrufen und Gelato-schleckenden Touristen. Mal still, fast meditativ, mit nichts als dem sanften Plätschern des Wassers und unseren eigenen Schritten auf dem Kopfsteinpflaster.

Eigentlich war unser Plan klar: Zurück zum Palazzo San Marco, denn die Basilica di San Marco wartete auf uns.Doch wie es in Venedig nun mal so ist, kommt man selten direkt von A nach B – besonders, wenn die Stadt mit ihren engen Gassen, pittoresken Brücken und versteckten Innenhöfen permanent nach Aufmerksamkeit schreit. Wir hielten immer wieder inne, um kunstvolle Fensterrahmen zu bewundern, einen Blick in geheimnisvolle Innenhöfe zu werfen oder über Brücken zu spazieren, die sich wie Übergänge in eine andere Welt anfühlten. Venedig hatte uns erneut in seinen Bann gezogen.
Doch dann meldete sich eine ganz irdische Realität: Hunger. Und als hätte die Stadt ein Gespür für perfektes Timing, standen wir plötzlich vor einem kleinen Restaurant, dessen Mitarbeiter mit professioneller Begeisterung hungrige Passanten ins Lokal lockte. Mit einem strahlenden Lächeln verkündete er sein unschlagbares Angebot: „Kostenloser Wein zum Essen!“ Stefan, dessen Schwaben-Gen in solchen Momenten besonders aktiv wird, brauchte exakt null Sekunden, um zu reagieren. „Das lässt sich der Schwabe nicht zweimal sagen.“ Und ehe wir uns versahen, saßen wir an einem gemütlichen Tisch mit Blick auf eine kleine Brücke, während das Wasser der Lagune sanft gegen die Mauern plätscherte.
Unsere Wahl fiel auf Tagliata vom Rind – butterzart, perfekt gegrillt und serviert mit frischen Kräutern, Rucola und fein gehobeltem Parmesan. Dazu – wie versprochen – der gratis Weißwein. Was wir erwartet hatten: irgendeinen mittelmäßigen Tropfen, der die Kosten rechtfertigt. Was wir bekamen: Ein herrlich leichter, überraschend guter Wein. „Bellissimo!“



Gestärkt und zufrieden setzten wir unseren Weg fort. Als wir wieder auf die Piazza San Marco traten, hatte sich die Stadt gefühlt neu gestylt – als hätte sie sich für den Nachmittag ein glamouröses Abendkleid übergeworfen. Die Sonne tauchte den Platz in goldenes Licht, die Fassaden der historischen Gebäude strahlten, und selbst die Tauben sahen irgendwie majestätischer aus.
Die Basilica di San Marco ragte vor uns auf, als wäre sie sich ihrer eigenen Bedeutung vollkommen bewusst. Goldene Mosaike funkelten in der Sonne, als hätte Venedig höchstpersönlich beschlossen, hier ein Denkmal aus purem Glanz und Gloria zu errichten. Stefan blinzelte gegen das Licht. „Ganz schön aufwendig für einen Gebetsraum.“ Ich grinste. „Naja, wenn schon beten, dann wenigstens mit Stil.“
Mit gespannter Erwartung steuerten wir den Eingang an – bereit, uns der nächsten Prise venezianischer Opulenz hinzugeben. Schon von außen wirkte die Basilika wie eine Mischung aus Kunstwerk, Machtanspruch und einem „Seht her, was wir können“-Moment aus dem Mittelalter. Goldene Kuppeln, kunstvolle Mosaiken und eine Detailverliebtheit, die irgendwo zwischen „beeindruckend“ und „besessen“ lag.
BILDERGALERIE: Basilica di San Marco
Drinnen umfing uns ein warmes, goldenes Licht, das von über 8.000 Quadratmetern Mosaiken reflektiert wurde. Jede Wand, jede Decke – selbst der Boden schien sich an der Übertreibung beteiligt zu haben. Es war fast unmöglich, nicht ehrfürchtig innezuhalten. Ich schaute mich um, runzelte die Stirn und meinte: „Also, in unserer Dorfkirche sieht’s irgendwie anders aus.“ Stefan lachte. „Ja, weniger Blattgold, mehr Linoleum.“
Besonders die Kuppeln waren ein Spektakel für sich. Das Gold in den Mosaiken fing das Licht ein, ließ es tanzen, als wäre es selbst Teil dieser jahrhundertealten Kunst. Es war, als hätte jemand die Idee eines einfachen Kirchenbaus genommen und gesagt: „Gut, aber was wäre, wenn wir es zehnmal komplizierter und hundertmal teurer machen?“ Das Ergebnis war überwältigend. Hier stand nicht einfach nur ein Bauwerk – hier stand ein Denkmal für die venezianische Maxime: „Wenn schon, dann richtig!“

Als wir uns in der Basilika umsahen, bemerkten wir Menschen auf einer Terrasse oberhalb des Hauptraums. „Es muss doch irgendwie nach oben gehen“ , sagte Stefan, und schon war unser Entdeckerinstinkt geweckt. Ein kurzer Blick durch das Kirchenschiff verriet allerdings keine offensichtliche Aufstiegsmöglichkeit. Vielleicht eine versteckte Wendeltreppe? Ein geheimnisvoller Gang? Ein Aufzug aus dem 11. Jahrhundert? Nein, wir fanden einfach eine Tür mit einem unauffälligen Schild – fast ein bisschen zu unspektakulär für dieses pompöse Bauwerk.
Die Treppe nach oben war steiler als erwartet, und als wir schließlich oben ankamen – leicht keuchend, aber durchaus stolz auf unsere Leistung – wartete bereits die nächste Überraschung: Unsere Tickets beinhalteten die Galerie nicht.
„Na super,“ brummte Stefan. „Das ist ja wie In-App-Käufe – wer sagt da schon Nein, wenn man schon hier oben ist?“ Er hatte einen Punkt. Wenn man sich schon die Mühe gemacht hatte, war ein Rückzieher eigentlich ausgeschlossen. Ich lachte, zückte die Kreditkarte und dachte mir, dass Stefan mit seinem Vergleich erschreckend recht hatte. Doch die 7 Euro extra waren jeden Cent wert.
Oben auf der Terrasse der Basilika bot sich uns ein Anblick, der selbst für Venedig noch eine Schippe drauflegte. Der gesamte Piazza San Marco lag uns zu Füßen. Von hier oben sahen die Menschen aus wie winzige Figuren, die sich zwischen den prunkvollen Säulen und Fassaden bewegten. Die Lagune glitzerte im Hintergrund, während die sanften Konturen der umliegenden Gebäude im Sonnenlicht fast unwirklich wirkten.
Natürlich zogen wir sofort die Kamera, denn wenn es einen Ort gab, an dem man hemmungslos Erinnerungen festhalten musste, dann war es dieser hier. Und als wäre die Aussicht allein nicht schon spektakulär genug, konnten wir auch die kunstvoll verzierten Säulen und Skulpturen der Basilika aus nächster Nähe bewundern. Plötzlich ergab die ganze übertriebene Pracht noch mehr Sinn – natürlich musste das hier auch noch mal extra dekoriert sein.
Mit einem letzten, ehrfürchtigen Blick auf die goldene Pracht der Mosaiken und den wohl besten Balkonblick Venedigs machten wir uns schließlich an den Abstieg. Während wir die Treppe hinuntergingen, murmelte Stefan trocken: „Ich hoffe, unten wartet nicht der nächste In-App-Kauf.“


Die Basilica di San Marco hatte uns mit ihrer Mischung aus Architektur, Kunst und Geschichte tief beeindruckt. Venedig hatte es mal wieder geschafft: gerade noch übertrieben prunkvoll, im nächsten Moment einfach nur magisch.
Zufrieden verließen wir die Basilika. Es dämmerte bereits, und die Stadt schien sich für den Abend in Schale zu werfen. Die untergehende Sonne warf ein sanftes, goldenes Licht über die Lagune, das die Wasseroberfläche in einen flüssigen Spiegel verwandelte. Venedig bei Sonnenuntergang – als hätte die Stadt einen exklusiven Vertrag mit der Romantik.
Bevor wir weitergingen, hielten wir noch einmal inne, um einen Blick auf die Seufzerbrücke zu werfen. Jetzt, beleuchtet von warmem Licht, wirkte sie fast wie aus einem Märchen. Die filigrane Architektur spiegelte sich im dunklen Wasser, als wäre die Brücke zu schön, um nur einmal existieren zu dürfen. Die Legende besagt, dass die Gefangenen hier einen letzten Blick auf die Lagune warfen, bevor sich hinter ihnen die Kerkertüren schlossen. Romantisch? Nicht wirklich. Aber Venedig schafft es eben, selbst Tragik mit Goldrand zu versehen.
Unser Weg führte uns weiter zum Teatro La Fenice, das ebenfalls in wunderschönes Licht getaucht war. Die Fassade strahlte in der Dunkelheit, elegant, erhaben – als würde das Opernhaus selbst leise eine Arie anstimmen. Es erinnerte uns an unseren Besuch Anfang des Jahres, als wir eine Führung durch das Innere gemacht hatten. Goldene Verzierungen, ein opulenter Kronleuchter, Logen, die Geschichten flüsterten – ein Ort, der uns damals den Atem geraubt hatte.
„ Kaum zu glauben, dass wir da drin waren ,“ sagte Stefan, während wir einen Moment stehen blieben, um die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.
Der Rest unseres Rückwegs war von der besonderen Ruhe der abendlichen Gassen geprägt. Das sanfte Plätschern des Wassers, das leise Klappern von Schritten auf den Pflastersteinen, das entfernte Murmeln eines Gondoliere – als würde die Stadt selbst langsam zur Ruhe kommen.
Venedig bei Dämmerung war eine andere Welt. Kein Trubel, keine Hektik – nur dieser stille, unvergleichliche Charme, der uns bis zur Vaporetto-Haltestelle begleitete. Ein perfekter Abschluss für einen perfekten Tag.